Die alken Zeiten sind vorbei

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Wie der Herr, so’s Gescherr, möchte man Titus Petronius zitieren, wenn man liest, wie sich selbst die Trainer der Bundesliga neuerdings gut benehmen, wenn sie zusammentreffen und doch eigentlich ein bisschen frei haben am Abend und die Kosten sicher auf den DFB gingen. Während Eskapaden bei den Spielern mittlerweile Seltenheitswert haben, abgesehen von ein paar Berliner Rückspiegeln, ist es auch in der Gilde der Leitenden nicht mehr Usus, sich den Hals zuzuschütten, wenn die Kameras aus und die Kollegen nah sind. Das war einem alten Fahrensmann neu:

Jupp Heynckes macht sich auf eine lange Nacht gefasst, als er am Sonntag nach seiner Ankunft in der Stuttgarter Nobelherberge Le Méridien die Hotelbar ansteuert. Am Vorabend der Trainertagung haben sich dort die Kollegen der Bundesliga zum informellen Austausch versammelt – und von früher weiß Heynckes, dass es bei diesen Anlässen gerne feucht-fröhlich wurde. Nun jedoch muss der 64 Jahre alte Trainerveteran von Bayer Leverkusen feststellen, dass er lange nicht mehr dabei gewesen und vom Kaliber eines Udo Lattek (Spitzname: Pils-Udo) niemand übrig geblieben ist. Am nächsten Tag jedenfalls berichtet Henyckes taufrisch davon, dass es mittlerweile „viel gesitteter“ zugehe „als vor 20 oder 25 Jahren“.

Einer hätte den Abend und den Stand noch retten können, doch Mario Basler trainiert nur den Regionalligisten Eintracht Trier — und war somit nicht eingeladen.

14 Kommentare

  1. Dann saufen wir Fans halt mehr, dann passt es wieder :)

  2. Ein bisschen schade ist es ja, dass es solche Typen unter den Bundesligatrainern nicht mehr gibt. Alles nur noch glattgebügelte Fussballlehrer ohne Ecken und Kanten!

  3. Ich nehme an der Text über Heynckes ist ein Zitat? Woher hast du das denn? Könntest du ja zumindest mal angeben.

  4. Habe jetzt auch bemerkt, dass du den „Jupp“ verlinkt hast. Aus den Stuttgarter Nachrichten also. Nehme alles zurück ;)

  5. Ich habe einen ähnlichen Artikel heute in der SZ gelesen und mir gedacht. Der Jupp, der gefällt sich in seiner Rolle als Trainer-Opa und gibt gerne mal ein paar zotige Kommentare. Ich finde diese „ulkig-skurrile“ Opa-Schrulle, die er da an den Tag legt ziemlich nervig. Aber damit passt er ja ganz gut zu den Chemie-Kickern.

  6. Ich muss zugeben, Enno, dass ich eher gegenteiliges Empfinden habe: Bis vor seiner Reaktivierung fand ich ihn unheimlich verknöchert und trocken, erstarrt und unflexibel.

    Seit er wieder dabei ist, habe ich zumindest eher das Gefühl, dass er etwas geschafft hat, was ich ihm nicht zugetraut hätte: sich doch noch mal zu öffnen, zu verändern, sich zu hinterfragen und einfach ein wenig lockerer zu werden. Dass er jetzt nicht der Humorpadre der Liga wird, war nicht zu erwarten, seine kleinen, feinen Sticheleien haben aber durchaus ein wenig Esprit, wie ich finde. Und einen zweiten Hans Meyer, der vor Ironie kaum noch laufen kann, braucht eh keiner.

    Aber gut, äh, also bis zu dieser Wandlung fand ich ihn auch unerträglich.

    Frage mich außerdem, ob das mit dem Spitznamen „Pils-Udo“ wirklich stimmt. Oder ob damit wieder Legenden gebaut werden, die wir dann erst Jahre später entlarven dürfen.

  7. Einen informellen Austausch mit Spaß-Raketen wie Skibbe, Slomka, Rangnick, Labbadia, Frontzeck, Funkel..
    Da wäre ich auch nach einer halben Stunde beim Spätkauf gegenüber.

    [Persönlichkeit erraten anhand oberflächlicher Mediennutzung]

  8. Rangnick, Slomka, Labbadia, Skibbe, okay.

    Aber Funkel ist doch ein großer Freund des rheinischen Karnevals und als sehr, sehr lustig bekannt.

  9. Funkel, den alten Karnevalisten, seh ich da auch noch am ehesten am Tresen, während Skibbe und Rangnick ganz sicher mit lauwarmem Wasser und einem Spritzerchen Pfeefferminze zu Bett gehen.

  10. @Trainer: Heynckes ist von der Wirkung seiner Wandlung auf die Medien und die Beobachter so begeistert, dass er sich sichtlich darin sonnt und sich dann berufen fühlt solche Sprüche zu bringen. Für mich ist das nichts weiter als übertriebene Eitelkeit eines endlich aufgeblühten Menschen. Dass er seine Wandlung selbst öffentlich dermaßen abfeiert, nervt mich.

  11. So ein Unsinn, der Spitzname ist nicht Pils-Udo, sondern war lange Jahre irgendwas mit Jägermeister oderso.

    Ansonsten ist der „Artikel“ so aussagekräftig wie ein Querpass an der Mittelinie:
    Haben die jetzt früher alle gesoffen wie die Löcher, waren die jetzt alle um 8 im Bett, wer ist der Hauptlangweiler, war Jupp H je ein Partykönig, gingen die Trainer früher bei ihren Tagungen alle geschlossen in den Puff?
    Klischeeaufwärmen will auch gelernt sein.

  12. Funkel = Neusser = Schütze
    Ich denke, wenn der will, kann der schon.
    Zu den Spaßvögeln a la Skibbe würde ich aber den Magath auch zählen. Wobei der bei WDR2 dieser Tage zugegeben hat, dass er sich jetzt ab und zu zu besonderen Anlässen einen Wein gönnt, nachdem ihm seine Mutter (85 Jahre) gesagt hat, er solle nicht so verbissen sein…

  13. Ich weiss nicht. Bei Magath habe ich immer so das Gefühl, der rührt nur so buddahaft in seiner Teetasse herum und schmunzelt dabei aber klammheimlich in sich hinein: „Hihi, heute schütte ich mich zu, denn ich hab‘ ja allen Grund dazu..“
    Während ich bei Herrn Funkel wiederum den Karnevalismus – der ihn ja auch rein zufällig während einer Station beim EffZäh ereilte – als eher ausgedacht vermuten würde.

    Man steckt nicht drinnen™.

  14. @sternburg & @Enno: So unterschiedlich kann man die Welt sehen!? Immer wieder faszinierend;-) Heynckes hat zumindest @Enno was voraus. Sooo verbissen sieht er die Welt nimmer. Warum auch immer. Was kann daran negativ sein?



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