Ene-mene-mu und raus bist du

| 15 Kommentare

Aber nur du. Die anderen bleiben drin.

Die Zahl der Woche lautet — die Spatzen pfiffen es schon länger von den Lostrommeln:

45%.

Durch die Aufstockung des Teilnehmerfeldes von 16 auf 24 werden rund 45% aller zur Zeit 53 UEFA-Mitgliedsverbände in Zukunft an einer EM-Endrunde teilnehmen.

Nehmen wir mal die anhand der Ergebnisse der letzten Jahre tatsächlich als Kleine zu identifizierenden Mannschaften raus: Andorra, Armenien, Aserbaidschan, Färöer, Georgien, Kasachstan, Liechtenstein, Luxemburg, Mazedonien, Malta, San Marino, Weißrussland (über Mazedonien in dieser Liste kann man genauso streiten wie über die Abwesenheit Montenegros in dieser Liste, aber Pi mal Daumen dürften das jene Mannschaften ohne Chance auf eine Qualifikation sein, plus evtl. Nordirland). Zieht man diese 12 Nationen von den 53 ab, bleiben noch 41, von denen sich 24 qualifizieren. Somit stiege der Wert auf: fast 59% und somit fast zwei Drittel aller Starter. Nur einer von drei ernsthaften Konkurrenten scheidet also überhaupt noch aus. Da kann man sich die Qualifikation in diversen Gruppen mit x Spieltagen auch gleich schenken und zwei kleine Vorturnierchen durchführen, die man pro Gruppe auch an zwei Wochenenden abgehandelt hätte. Noch ist natürlich nicht klar, wie der Modus schließlich aussehen wird. Wahrscheinlich ist, dass er an Spannung verliert und es deutlich weniger Partien oder zumindest Termine als zur Zeit geben wird.

Das zweite Problem stellt der Qualifikationsmodus für ein dann zusätzlich durchzuführendes Achtelfinale dar: 4 der 6 besten Dritten einer jeweiligen EM-Vorrundengruppe wären ebenfalls qualifiziert. Zu welch nervigen, intransparenten Rechner- und Schiebereien das auf und neben dem Platz führt, ist Zeitzeugen noch von den WM 1986 bis 1994 in Erinnerung. Einen solchen Modus kann niemand ernsthaft wollen, dem an einem sportlichen und nach einem schlüssigen System gestalteten Wettbewerb gelegen ist. Dass es trotzdem so kommt, wird ähnliche Gründe haben wie jene, dass in der Bundesliga die Relegation wieder eingeführt wurde: Den Großen die größtmögliche Wahrscheinlichkeit einer langen Verweildauer im Turnier zu ermöglichen. Je länger Nationen wie England oder Frankreich im Rennen sind, desto länger rollt der Euro und das Pfund bei der UEFA. Mehr Spiele, mehr Zuschauer, mehr Reichweite in den beteiligten, jetzt eben 24 Ländern.

Dass Platini bzw. die UEFA sich mit solchen Maßnahmen bei den „kleineren Verbänden“ beliebt macht, kommt natürlich noch dazu, ist für das sportliche Desaster dieser Änderungen aber eher irrelevant.

Jeder zweite ist demnächst qualifiziert. Goodbye Großkampftage in der europäischen Qualifikation, hello sportlich irrelevante Scheinqualifikation.

15 Kommentare

  1. wir werden doch alle älter, entwickeln andere Interessen .. 2016: ach ja, Fußball gibt’s auch noch.

  2. Ich gebe Dir vollkommen Recht. Die Qualifikation wird unübersichtlicher und der Spielplan bläht sich auf. Ich freue mich schon auf die Vorrundenbegegnungen Slowenien – Litauen und Weißrussland – Albanien (denn die UEFA wird es bestimmt so deichseln, dass sich in den Vierergruppen immer zwei „Große“ und zwei „Zwerge“ befinden werden).
    Allerdings: Bei aktueller Berücksichtigung der unglaublich aussagekräftigen FIFA-Weltrangliste und 23 (bei nur einem Gastgeberland) verfügbaren Endrunden-Plätzen, müssten derzeit folgende Nationen in der Qualifikation scheitern:

    Finnland, Schweiz, Moldawien, Ungarn, Wales, Litauen, Belgien, Mazedonien, Weißrussland, Lettland, Zypern, Slowakei, Bosnien-Herzegowina, Georgien, Slowenien, Armenien, Österreich, Albanien, Island, Kasachstan, Estland, Liechtenstein, Malta, Montenegro, Aserbaidschan, Luxemburg, Andorra, Färöer und San Marino.

    Wäre einer der aufgezählten Länder EM-Gastgeber, möglicherweise in Kooperation mit einem weiteren Land aus der Liste, dann müssten als erstes Irland und Dänemark die Segel streichen.

  3. Ein weiterer großer Schritt in Richtung Banalisierung von Sportereignissen.
    Dem Familienfrieden ist das immerhin zuträglich. EM-Qualifikationspiele im Fernsehen kann ich mir künftig schenken; selbst Mittwochabende kann man anderweitig sinnvoll nutzen …

  4. Also nun meckert doch nicht schon wieder. Es hat auch was Gutes. Bei der WM gibts doch auch immer wieder Mannschaften die eigentlich nicht dabei sein dürften. Weiters macht es doch auch Spaß, gegen die „Kleinen“ zu spielen und wenn so ein vermeintlich Kleiner mal einen Großen ein Bein stellt, freut sich auch halb Europa.

    Ich finde, es hat schon was… wer mag schon jedes Jahr die gleichen Mannschaften in der CL sehen?

  5. Das ist ’ne ganz hinterlistige Sache: 2016 wird es ein nettes Gezicke geben um die letzten 4 Teilnehmer, also wird 2020 einfach auf 32 aufgestockt-Problem erledigt;-).

  6. …und den neu eingeführten Cup für die Daheimgebliebenen, der den Namen eines verstorbenen, in der Vergangenheit nicht weiter in Erscheinung getretenen UEFA-Funktionärs trägt, entscheidet dann Luxemburg durch ein 1:0 gegen San Marino für sich, nachdem die Färöer als dritter und letzter Teilnehmer zurückzogen.

  7. Eine B-EM für die restlichen. Und dazu noch Nordkorea, Irak, Iran und ein paar andere Schurkenstaaten einladen. Geniale Idee.

  8. Eine Schurkenstaaten-WM wäre zwar ganz reizvoll, sportlich allerdings ein ebensolcher Gähner wie die Bundesliga (meistens): die USA sind allen potentiellen Gegnern fußballerisch turmhoch überlegen…

  9. @Kaj: Und was ist mit England beim Cup der Daheimgebliebenen?;)

  10. Herr Platini muss wohl wieder ein bisserl Zustimmung sammeln indem er sich die Stimmen bei den „kleineren“ Ländern holt..

    Bin schon gespannt was er mit dieser Zustimmung irgendwann einmal durchsetzen wird.

  11. Vergesst nicht, dass die Anzahl der UEFA-Mitglieder steigen wird. Belgien hält bestimmt nicht bis 2012 als Ganzes durch, die Aland-Inseln spalten sich von Finnland ab und können sicher auch mal Österreich schlagen. Neuseeland wird in Ozeanien, allein gelassen von Australien, auch allmählich langweilig. Und angesichts des Klimawandels dürfte auch Grönland bald ein paar Rasenplätze hinkriegen. Das ganze Kuddel-Muddel auf dem Balkan oder in der Ex-UdSSR ist sicher auch noch für 10 bis 15 neue Staaten gut.

  12. Vergesst mir nicht, dass auch Deutschland instabiler ist als angenommen. Wenn die Panzer erst mal wieder rollen, dann werden auch mehrere Teilnehmer aus dem ehemaligen Deutschland stammen.

  13. Das Problem könnte man dadurch lösen, dass man die bereits extrem beugsame Europa-Definition ein wenig erweitert und Luschen-Länder wie Turkmenistan, Kirgisistan, Usbekistan oder Tadschkistan in die Qualifikation mit herein nimmt.

  14. Den Kosovo und Transnistrien nicht vergessen, bitt’schön. Und Athos. Vatikanstaat. Gibraltar. Guernsey. Isle of Man. Jersey. Gibt noch mehr, aber das reicht ja wohl für 2 EMen.

  15. Und nicht zu vergessen Süd-Ossetien, die neueste Abspaltung von Georgien. Und dann kommt ein schusseliger UEFA-Funktionär durcheinander und lädt aus Versehen Süd-Georgien ein…Die müssten dann allerdings in der Nachbarschaft zur Quali gegen die Falklands reisen, nachdem diese sich von England losgesagt haben, aber im Commonwealth verbleiben wollen, weshalb sie dann doch zu Europa gezählt werden…

    Da ist das Ausloten der verschiedenen Möglichkeiten spannender als irgendsoein albernes Turnier danach.



Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.