„Es ist nichts passiert“

Es ist nichts passiert — das gilt leider ziemlich genau für die gestrige Partie zwischen den Niederlanden und Deutschland. Das mit großem Abstand unspektakulärste und ganz bott schlechteste Spiel seit geraumer Zeit für dieses Team und diesen Trainer. Es gibt aber nichts Schlechtes, aus dem man nicht etwas Gutes ziehen könnte.

Erstens diente die Partie hervorragend dazu, wieder ins Gedächtnis zu rufen, in welch goldenen Zeiten diese Mannschaft ansonsten lebt. „Ribbeck und die Bratwürste“ sind noch nicht so tief versunken, dass man sich nicht mit leichtem Gruseln sehr gut daran erinnern könnte, aber es braucht dafür dann schon einen Anlass wie dieses fad anzusehende Spielchen.

Zweitens kann man aus dem 0:0 zudem wieder mal ziehen, dass Fußball eben so ist. Mitreißend, faszinierend, atemberaubend — und auch stinklangweilig, ermüdend, ohne Höhepunkte plätschernd, so wie gestern.

In einer anderen Partie ist gestern dagegen sehr viel passiert, unter Anderem wurde dabei das Tor des Jahres des internationalen Fußballs erzielt, vielleicht sogar des Jahrzehnts (man vergleiche dazu die mehrheitlich öden 10 Vorschläge zum „Tor des Jahres“ der FIFA) als Zlatan Ibrahimovic mit seinem Fallrückzieher aus ca. 20 Metern den Schlusspunkt unter seine insgesamt vier Tore zur Demontage Englands setzte.

Ein Tor, an welchem man zwar in den Medien heute ohnehin nicht vorbeikommt, welches aber so schön ist, dass es auch hier im Bild gezeigt werden soll. Vielleicht kommt der eine oder andere auch jetzt erst von der Arbeit und schaltet „Trainer Baade“ ein, für all jene also der Service hier.


Falsch liegen aber Stimmen, welche damals behaupteten, dass mit dem 4:4-Remis zwischen eben jenen Schweden und Deutschland „nichts passiert“ sei in dem Sinne, dass keine Chancen geschmälert oder zerstört worden seien. Man muss wahrlich kein Fachmann sein, um das Folgende zu verstehen:

1. Deutschland 4 3 1 0 15:6 +9 10
2. Schweden 3 2 1 0 8:5 +3 7

Es ist an jenem Tage in Berlin sehr wohl „etwas passiert“. Denn gesetzt beide Teams gewinnen ihre restlichen Partien und Schweden steht mit der besseren Tordifferenz da, reicht ihnen ein Remis gegen Deutschland gleich welcher Höhe, um die Gruppe als Tabellenerster abzuschließen.

Andersherum und negativer formuliert: die deutsche Mannschaft müsste dann in Schweden gewinnen, wenn sie nicht als Gruppenzweiter in die Playoffs gegen einen anderen Gruppenzweiten gezwungen werden möchte.

Und zwar müsste sie dann, deshalb auch die Verknüpfung in diesem Beitrag, gegen jene Schweden gewinnen, die schon mal ein 0:4 gegen Deutschland noch ausgleichen oder in Person von Zlatan Ibrahimovic den Engländern 4 Tore verpassen.






19 Kommentare

  • Eisenmann sagt:

    Schweden hat bisher weniger als drei Treffer pro Spiel erzielt, Deutschland knapp vier. Wertet man das verschenkte 4:0 als Ausrutscher (was ich tue), sollte das Torverhältnis kein großes Problem sein. Schlimmer wäre es, weitere Punkte abzugeben.

    Schockierend, wie schnell man der Nicht-Qualifikation bedrohlich nahe kommt.

  • maroi sagt:

    Ibrahimovic – yeah, well done. Ok, not yet the size of Gomez, but not too weit weg from it. It’s just a matter of practice, so far I would lean out of the window.

  • Manfred sagt:

    Neuer hätte weiter geköpft (oder selber nen Seitfallrückirgendwas versucht) und Stankovic spielt ja nicht für Schweden, auch wenn der Name das nahelegt^^.

  • Gunnar sagt:

    Was ein geiles Tor. Auf die Idee, in dieser Situation einen Fallrückzieher zu machen, kann auch nur ein Freak wie Ibrahimovic kommen…

    Scheint als wären die Schweden durch das 4:4 ziemlich gepusht worden. Wenn das anhält, könnte die Unke namens Trainer Baade noch recht bekommen.

  • Gunnar, ich unke ja nicht, ich fürchte ja nur.

    Eisenmann, von bisher drei bzw. vier absolvierten Partien einen Trend ablesen zu wollen, halte ich an sich schon für schwierig, im Bereich Fußball dann erst recht.

    Was war mit Stankovic?

  • Arne1904 sagt:

    Wenn ich da zu Stankovic antworten darf:

    Stankovic erziehlte das 1:0 für Inter Mailand in jenem Spiel, welches Schalke am Ende 5:2 im San Siro gewann.

    Ab 00:17: http://www.ran.de/de/videos/me.....71669.html

  • Ah, Danke sehr. Dann erklärt sich auch Manfreds Anspielung auf Neuer.

    (offtopic: Dieser Wolff Fuss … puh.)

  • Manfred sagt:

    Und wenn es dann das Endergebnis wie in Mailand sein wird, darf Ibra auch einen Skorpionschuß von der Mittelinie, gelle :)

  • Sidan sagt:

    Ibrahimovic erinnert mich immer an den großen Bruder meines besten Kindheitskumpels. Der war charakterlich das größte Aas und gefiel sich immer darin, seinen Kleinen fertigzumachen und mich zu ignorieren, weil wir in seinen Augen nur nervige kleine Kinder waren. Auf der anderen Seite bandelte er immer problemlos mit den hübschesten Mädchen im Viertel an, war ein unglaublicher Kicker und eben einfach cool. Ich mochte ihn nicht, wollte aber insgeheim doch irgendwie so sein wie er.

    Was ist das nur für ein Tor.

  • luc sagt:

    Das Erstaunlichste an diesem Tor ist für mich immer noch, dass Ibrahimovic, kurz bevor Hart den Ball rausköpft, abstoppt und sich wieder nach hinten orientiert.
    Als wüsste er wirklich ganz genau, wohin der Ball kommt.

    Zur Qualifikation: ich gehe nicht davon aus, dass Schweden alle Spiele gewinnt, wenn doch qualifizieren sie sich doch auch zu Recht.
    Und eine Nichtqualifikation Deutschlands hätte auch etwas: Löw wäre dann weg und jedem der Nörgler würde ich einen Ribbeck II gönnen.
    Auch wenn ich dann nicht mehr zugucken würde ;-)

  • Ja, klar qualifizieren sie sich dann zu Recht und niemand hat etwas dagegen, wenn Schweden sich qualifiziert. Es kann sich aber nur einer direkt qualifizieren und für den zweiten geht es eben in die Playoffs. Dass ein Team, das eine 4:0-Führung verspielte, nicht zwangsläufig die besten Nerven hat, liegt nahe, insbesondere da dieses Ereignis jetzt geschehen ist und wenigstens im Hinterkopf vorhanden ist, wenn nicht sogar im Vorderkopf sehr präsent bei Situationen, in denen es mal eng wird.

    Der Mannschaft Misserfolg zu gönnen, um Nörgler zu bestrafen – so masochistisch war ich noch nie veranlagt.

  • luc sagt:

    Nicht mißverstehen: ich gönne der Mannschaft keinesfalls einen Mißerfolg, auch nicht um die Nörgler zu bestrafen.
    Es wäre nur zumindest EIN positiver Nebeneffekt.
    Dass das 4:4 im Hinterkopf vorhanden ist halte ich auch für zu hoch „sterilisiert“.
    Wenn es das ist, dann muss dies ja auch nicht negativ besetzt sein.
    Immer an Garp denken: Der besichtigt ein Haus und während der Besichtigung kracht ein Flugzeug in das Objekt.
    Garps Frau ist entsetzt, er hingegen will das Haus, mit der Begründung, dass die Wahrscheinlichkeit, dass hier nochmals ein Flugzeug reinkrachen jetzt gegen Null tendiere, sofort kaufen.

  • Manfred sagt:

    Die Wahrscheinlichkeit ist nach dem Knall genauso hoch wie vorher, oder?

  • Interessante Frage. Ich würde meinen: Statistisch gesehen ist sie natürlich immer gleich hoch. Nur wenn die handelnden Personen noch die selben sind, kommt eine psychische Komponente ins Spiel, vergleichbar eines Autounfalls, nach dem man Ängste etc. entwickeln kann, dem man am besten begegnet, indem man sofort wieder hinters Steuer steigt.

    Die Nationalmannschaft musste knapp vier Wochen warten, bis sie „wieder Autofahren durfte“, und nicht sofort nach dem Unfall weitermachen konnte.

    Natürlich spielen und trainieren die Spieler im Verein jeden Tag und wissen selbst, dass es ein einmaliger Vorgang war, aber man muss ja keine 4:0-Führung verspielen, um in Playoffs von 2×90 Minuten an den eigenen Nerven zu scheitern, wenn plötzlich ein unangenehmes Montenegro vor der Tür steht oder Neuer mal einen, was er ja bislang in der Nationalmannschaft selten getan hat, Bock schießt und man plötzlich zurückliegt. Okay, dass man dann unsicher wird, würde auch ohne den Knall eintreten, mit diesem aber eventuell stärker oder mit größerer Wahrscheinlichkeit. Aber ich denke nur laut.

  • luc sagt:

    @manfred
    Klar. Aber Warscheinlickeitsrechnung ist nun wahrlich nicht jedermanns Sache.
    Und der Trainer merkt zu Recht an, dass auch eine psychische Komponente im Spiel ist; die schlägt sich zwar in den Formeln der Statistik nicht nieder, aber es gibt ja auch gefühlte Siege und Niederlagen.

  • FelixK sagt:

    @luc: die Orientierung nach hinten von Ibrahimovic finde ich nichts Besonderes. Es ist ja abzusehen, dass Hart den Ball nur mit dem Kopf bekommen kann und auch das wahrscheinlich nicht gut; damit auch, dass der Ball wahrscheinlich ungefähr in diesem Bereich runterkommen könnte. Dass er dann genau da runterkommt, wo er runterkommt ist dann Glückssache und der Fallrückzieher eine Mischung aus herausragendem Können und der nötigen Portion Verrücktheit.

    (die Einschätzung des Abstoppens speist sich aus meiner eigenen Erfahrung als ganz guter Jugendspieler; die Antizipation dessen, was da passieren wird und das dementsprechende Orientieren nach hinten hätte ich mir als C- oder B-Jugendspieler auch zugetraut und kann das deswegen nicht als besonders empfinden. Den Rest dann natürlich schon.)

  • luc sagt:

    @FelixK
    Ich meinte eher die Kombination aus Orientierung nach hinten UND Ibrahimovic.
    Manchmal denkt er nämlich eben nicht voraus, sondern stürzt sich ohne Rücksicht auf Verluste ins Getümmel. Siehe PSG-St. Etienne, vorletzte Woche.

  • FelixK sagt:

    Ok, akzeptiert ;).

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