Reservierte Vorfreude

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Am vergangenen Wochenende durch München zu streifen bedeutete auch, schon an jeder zweiten Kneipe die Aushänge zu sehen, dass man natürlich das Spiel FCB – FCB übertragen werde — aber dringend um Reservierung gebeten werde. Klar, diese Partie ist von der Dimension her vergleichbar mit einem WM- oder EM-Halbfinale, da ja der dortige, lokale Verein („eine regionale Sache“) in dieser Partie antritt. Vergleichbar mit einem WM-Halbfinale, welches aber nicht im Free-TV übertragen wird. Da sind Reservierungen schon mal angezeigt. Mein Gastgeber in jenen Tagen reservierte dann auch schon am Freitag Abend (!) einen Platz für die Übertragung am heutigen Dienstag. Es scheint so, als wenn der Autor dieser Zeilen nicht log, als er davon schrieb, dass man in München bei Spielen im Bezahlfernsehen nirgendwo mehr einen Platz in Kneipen bekomme.

Auch wenn es noch einige Tage hin war, spürte man insbesondere in den diversen Gastronomiebetrieben überall schon diese herrliche Mischung aus Vorfreude und Anspannung, wie auf ein großes Fest, zu dem sich alle schick machen. Noch oszillierte die Stadt nicht zwischen Wahnsinn und Hoffen auf sportlichen Erfolg, aber diese hektische Betriebsamkeit machte sich breit. Es wird sicher eine große sportliche Veranstaltung heute Abend. So wie auch EM-Halbfinals immer große Feste sind mit vorheriger großer Vorfreude. Welche jäh endet, wenn der Gegner nach 20 Minuten 2:0 führt. Das wäre natürlich keinem der Gastronomen zu wünschen, wie auch meinem Gastgeber vom Wochenende in München nicht. Aber das ist der Preis, den man für die Vorfreude zahlen muss: Dass man nicht weiß, wie’s ausgeht — und es kann immer sehr böse ausgehen.

7 Kommentare

  1. Immer, wenn Bayern ein Heimspiel hat, wünsche ich mir ein ‚Schalker‘, ‚Mainzer‘ oder ‚Wattenscheider‘ Ergebnis, also 0:4, 0:5 oder 0:9, höher bzw ne größere Tordifferenz geht ja nicht (okay, 18:99^^).
    Und wenn die Gäste dann versuchen, sich das Ergebnis schön zu saufen, ist auch dem Wirt gedient.

  2. Im gelobten Land gibt es zum Glück noch genug Kneipen, in denen man schwarz gucken kann:-)

  3. Trainer, kannst Du bitte nochmal schreiben, dass Spiele wie heute sehr böse ausgehen können?

  4. Das Spiel gestern ging sehr, sehr böse aus – für den FC Barcelona.

    Reicht das?

  5. In dem Laden, in dem ich es geschaut habe, war übrigens nicht Andrang wie bei einem WM-Halbfinale, sondern wie bei einem WM-Finale. Und alle, alle, außer mir, einem Mitschauer und zwei bis fünf anderen von den über 200 Anwesenden war für den FC Bayern. Was eine dementsprechende Stimmung beim Spiel und bei allen Toren verursachte. Ich hab mich echt gefragt, ob das quasi ein Nationalmannschaftsersatz war: Mitten in Duisburg (!) und da steht die ganze Kneipe, die wirklich sehr groß ist, und feiert und zittert mit den Bayern. Als wäre das die Nationalmannschaft. Schon merkwürdig, denn beim „Finale dahoam“ war ich auch da, und da waren die Sympathien eher so ein Drittel zu zwei Drittel verteilt. Gestern aber kochte der ganze Laden für den FCB. Muss wohl dieses „im Europapokal immer für die Deutschen“ gewesen sein. Oder was auch immer.

  6. Erstens das und zweitens sicher auch das komplette Ausgehungertsein nach internationalen Erfolgen. Ich habe ein paar Bekannte unter 25, die haben noch nie einen deutschen Sieg bei einem internationalen Turnier gesehen und erlebt schon gar nicht. Wäre es eine Selbstverständlichkeit, dass für die *hüstel* Fußballgroßmacht Deutschland alle naselang Titel abfallen, würde es in den Kneipen sicher wieder etwas unaufgeregter zugehen.

  7. Nicht alleine ist man heuer aber auch mit der Einstellung, dass man dieses ewig langweilige Rumgepasse von Barcelona nach Jahren der Dominanz echt nicht mehr ertragen kann und es irgendwie geil findet wenn die mal auf die Fresse bekommen, und wenn es halt von den Bayern ist.



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