sine ferenz

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Am vergangenen Mittwoch unternahm ich nach langer Zeit mal wieder einen Selbstversuch in Sachen Premiere und seiner visuellen Konferenzschaltung:

Es lag sicher auch an der unbeteiligten Atmosphäre, die die mehrheitlich Schalker und Dortmunder Mitschauenden ausstrahlten. Gemeinhin bin ich aber in der Lage, an jedem beliebigen Ort mich so weit in mich respektive das Spiel zu versenken, dass ich das Drumherum ausblenden kann: der Tunnelblick beim Passivsporteln. So ist es egal, ob ich in einer finsteren Eckkneipe im Wedding oder auf einer überfüllten WG-Party in Düsseldorf sitze, das Spiel fesselt mich, so es dazu in der Lage ist.

Bei einer Bildkonferenz wie sie bei Premiere üblich ist, kann das leider nicht geschehen. Klar, es ist auch nicht der Sinn der Sache. Sinn der Sache ist, von allen Spielen etwas zu zeigen und bei Toren oder anderen wichtigen Ereignissen jeweils zur Stelle zu sein. Dieses Servieren von kurzen Häppchen schmeckt arg nach Sushi. Man isst und isst und wird nicht satt, bei der Konferenz schaut man und schaut man und wird auch nicht satt. Es wird unmöglich gemacht, die Spannung, die auf anderen Plätzen herrscht, weiterhin zu fühlen, weil das Visuelle so stark ist, dass es zwar einerseits die volle Aufmerksamkeit auf sich zieht, andererseits aber alle anderen Spiele im Geiste verdrängt.

Wenn man sich schon 90 Minuten plus Pause Zeit nimmt, um einen Spieltag zu verfolgen, sollte man wenigstens satt nach Hause gehen.

Noch dazu kommen handwerkliche Schnitzer, die sich aber kaum vermeiden lassen: Zwei Mal passierte es, dass gerade umgeschaltet wurde, als sich sichtbar eine Großchance anbahnte. Dazu kommt die scheußliche Gleichförmigkeit aller modernen Stadien, man weiß nicht, ob man sich gerade in München, Bielefeld oder Braunschweig befindet.

Das Einzige, was an diesem Konferenzabend lohnenswert hätte sein können, Stefan „True Love Never Die“ Effenberg in der Pause als „Experten“ zuzuhören, verpasste ich aufgrund dem Fußballschauen immanenter Erledigungen.

Kurzum: Was im Radio besonders gefällt, funktioniert im Fernsehen einfach nicht. Da ist es zufällig schon ein Spieltag mit nur fünf Passionsspielorten, es bleibt trotzdem das Gefühl zurück, weder Fisch noch Fleisch, nichts Halbes und nicht Ganzes und weder Männlein noch Weiblein konsumiert, geschweige denn genossen zu haben.

Heute also wieder Konferenz, allerdings die funktionierende im Radio.

14 Kommentare

  1. Vielleicht liegt es an der mangelnden Multitaskingfähigkeit der Männer, sich auf Audiovisuelle Reize gleichzeitig einzulassen. Beim Radio lauscht man ja nur der Stimme und bildet sich eventuell das Spiel ein, beim TV stumpft man ab uns glotzt einfach nur. Allerdings muss ich sagen, dass mich die Radiokonferenz auch nicht wirklich packt. Sei’s drum.

  2. Ich habe mir einige Saisons mangels Kneipen mit Einzelspiel-Übertragung fast wöchentlich die Konferenz angeguckt. Wenn die Dramaturgie des Spieltags stimmt, macht es Spaß. Natürlich hat es einen entscheidenden Nachteil: Es wird immer genau dann zum einem Spiel gewechselt, wenn der interessante Teil gerade vorbei ist. Ein Tor nur in der Wiederholung, ohne den vorhergehenden Spielaufbau, ohne das kribbelige Gefühl, wenn man die Gefahr ahnt, ist höchstens die Hälfte wert. Und dann bleibt Premiere meistens noch drei, vier Minuten bei diesem Spiel – in einer Phase also, in der ein erneutes Tor höchst unwahrscheinlich ist. Und man kann deutlich mehr über Taktik etc. lernen, wenn man sich ein Spiel von Anfang bis Ende anschaut.

    Mittlerweile habe ich Arena zuhause und guck mir Einzelspiele an. Heute zum Beispiel Leverkusen-Bayern: Ein Genuss in der ersten Halbzeit.

  3. Oh, da mussten wir wohl den gleichen Spieltag im Konferenzformat erleiden.

    Du hast recht. Dülp auch. Schön-spannend ist nur, wenn aus dem anderen Stadion das „Tor in Duisburg!“ kommt, und die ca. 3 Sekunden gezittert werden muss, bis endlich klar ist für wen das Tor fiel. Aber auch in solch einer Situation ist das Radio besser: Während bei Premiere die mit einem Zischgeräusch unterlegte Animation läuft, die einem visualisieren soll, zu welchem Spiel gewechselt wird, kann man im Radio schon die Zuschauer hören, versucht man unwillkürlich, an der Lautstärke des Jubels Rückschlüsse zu ziehen, ob die Heim- oder die Auswärtsmannschaft erfolgreich war.

    Zum Glück bin ich auf die Konferenzschaltung nur selten angewiesen.

  4. Seine ganze Pracht entfaltet eine Radioübertragung aber erst so richtig im Frühling oder Sommer. Samstagnachmittags im Garten, auf dem Balkon oder am Baggerloch. Ein schönes kaltes Bier, die Sonne und dazu die Konferenz. „Wo ist ein Tor gefallen? Hallo, ich habe da doch gerade was von einem Tor gehört.“ Wenn dann Sabine Töpperwien mit sich geradezu überschlagender Stimme von einem Tor auf Schalke berichtet:“Toooor auf Schalke…“ Eine Melange aus Hoffnung, erhöhtem Adrenalinspiegel und Angst macht sich dann in mir breit. Ganz großes Kino.

  5. Ihre Pracht, mein Herr, ihre Pracht… aber ansonsten haben Sie schon recht. Andererseits finde ich auch eine Konferenz im Herbst oder Winter gut. Eigentlich gerade dann.

  6. Das kommt davon, wenn in der Mitte des Satzes plötzlich aus dem gedachten Radio eine getippte Radioübertragung wird;-)

  7. Wahnsinn dass das wirklich passiert ist

  8. Pingback: Wenigstens Torschützenkönig « Ansichten aus dem Millionendorf

  9. Kommt vielleicht etwas spät, aber: Es heißt „im Wedding“.

    Womit die Passagen des Textes, denen ich nicht zustimme, abschließend aufgezählt wären.

  10. Es heißt „im Wedding“? Der Wedding? Der Wedding? Der Wedding, sagtest Du? Das will zwar für mein Sprachempfinden überhaupt nicht zusammenpassen, aber dann ändere ich das. Im Text und auch in meinem Gedächtnis, Danke für den Hinweis.

  11. Zu Deiner Verteidigung: Nach meiner Beobachtung dürften 98% der Berliner heutzutage „in Wedding“ sagen. Oder es sind 90% und die verbleibenden 10% sagen in 90% der Gelegenheiten ebenfalls „in Wedding“, obwohl sie es besser wissen. Dich würde also niemand schief ansehen, wenn Du den Weg „nach Wedding“ statt „nach‘m Wedding“ erfragst.

    „Der Wedding“ ist gleichwohl die einzige korrekte Variante. Hat nach einigen verblassten Gedächtnis-Engrammen in den weniger genutzten Teilen meines Hirns irgendetwas mit einer über Jahrhunderte nicht beachteten lokalen Wüste zu tun, die dann im Zug des explosionsartigen Wachstums Berlins während der Industrialisierung mit Mietskasernen zugepflastert wurde. Wie eigentlich immer in dieser Stadt.

  12. Ich bin nicht sicher, nehme aber schwer an, dass dieses Erlebnis ebenfalls im Wedding stattfand. Vielleicht auch Moabit oder Gesundbrunnen, Street View hilft mir da leider nicht weiter. Nachdem wir hier aber letztens schon die Ankerklause ausfindig gemacht haben, könnte das mit der Spelunke aus dem Deisler-Text ja vielleicht auch gelingen. Ist mir aber auch nicht unbedingt so wichtig. Nachher stellt sich noch raus, dass ich nichtsahnend im NPD-Hauptquartier war. Das müsste man jetzt nicht unbedingt betonen.

  13. Mit dem Großbezirk Mitte, bestehend aus den früheren Bezirken Mitte, Tiergarten und Wedding, ist das so eine Sache. Tiergarten bestand aus Moabit und Tiergarten. Moabit mit seiner (bemerkenswerten) Insellage und seiner vollkommen anderen Struktur als Tiergarten war immer klar ein eigenständiger Stadtteil. Wedding aber war ohne verwaltungstechnische Unterteilung oder irgendeine wahrnehmbare Abgrenzung das, was heute die Ortsteile Gesundbrunnen und Wedding bilden. Es gab zwar die Bahnstation Gesundbrunnen, und über die Hertha-Historie, in welcher das Stadion an der Plumpe einen gewichtigen Raum einnimmt, mag sich der eine oder andere noch an diesen Teil der Stadtgeschichte erinnern. Aber ich behaupte: Niemand in Gesundbrunnen hatte eine andere Wahrnehmung als sich im Wedding und nur im Wedding zu befinden. Und ich meine, das geht den Leuten dort heute noch so. Ist aber nicht so meine Gegend.

    Langer Rede kurzer Sinn: Bei der Suche nach der Gaststätte kann ich Dir dieses mal zwar nicht helfen. Aber Du warst mit Sicherheit nicht in Moabit. Sondern im Wedding. Völlig egal, in welchem heutigen Verwaltungs-Ortsteil.

    Und die NPD-Zentrale sollte auch damals schon in Köpenick gewesen sein. Insoweit kann ich Dich also auch beruhigen.

    Hmm.. sach mal… wo Du es schon selber ansprichst… der Drei-Jahres-Zyklus zur Erinnerung ist zwar noch nicht ganz abgelaufen, aber dieses Gladbach-Trikot, existiert das noch?

  14. Danke für den Abriss.

    Hm, das Trikot sollte noch existieren, denn entsorgt habe ich es natürlich nicht. Nur wo? Die Frage wird sich in Kürze beantworten. Wobei „Kürze“ hier meint – in den nächsten vier Wochen. Sollte es sich finden, werde ich mich melden. Anderenfalls habe ich auch nix gegen erneute Erinnerung einzuwenden.



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