Sportblogger-Beitrag des Jahres 2010, Vorschlag 2:

Kid Klappergass — „Die Droge“

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„The Diva and the Kid“ lautet der Untertitel des Blogs von Kid Klappergass, der/das unter Kid Klappergass seine Eintracht Frankfurt mit ausführlichen Spielberichten, vielen umfangreichen Rückblicken und ebenso intensiver Mitarbeit am Eintracht-Archiv durch die Bundesliga und sein mit den Ergebnissen verbundenes persönliches Schicksal begleitet. Was bei Kid Klappergass stets gefällt, und das ist eben nicht nur für Eintracht-Fans interessant, ist dieses unerschöpfliche Reservoir an Erinnerungen, die Kid Klappergass in seine Rückblicke einfließen lassen kann. Seine Spielberichte erreichen zudem eine Detailtiefe, wie man sie bei keinem Profi-Medium findet und wäre es nicht die Eintracht aus Frankfurt, würde man Kid Klappergass noch mit den Worten zur Wahl stellen, dass er derart schreibt, „wo das Herz noch zählt“ — wie er auch selbst immer wieder einfließen lässt.

So auch in diesem Vorschlag zur Wahl des Sportblogger-Beitrag des Jahres 2010: Die Droge.

Kid Groupie und ich haben am Freitagabend zu zweit das Spiel der Eintracht gesehen. Wären Menschen zugegen gewesen, die mich nicht so gut kennen, wie mein Groupie, wäre mir sicher zwischen der 10. und 29. Minute mindestens einmal diese Frage gestellt worden: „Bist du auf Droge oder was?“

Ich hätte die Frage niemand übel genommen. Die Eintracht lag höchst unverdient zurück und der Kid, dem nicht zu Unrecht eine gewisse Nähe zu bestimmten schmerzlindernden pharmazeutischen Produkten nachgesagt wird, hatte ein Lächeln auf dem Gesicht. Ein wunderbar entspanntes Lächeln, von dem meine Mutter immer behauptete, es sei ein „seliges“. Es lässt sich nicht bestreiten: Die Eintracht lag 0:1 hinten, aber ich war dennoch glücklich.

Dabei war ich – der vor dem Spiel noch zuversichtlich und keinen Widerspruch duldend bestimmt hatte, dass Caio nun zwei Tore schießen werde – schon vor dem 0:1 sicher, dass wir in Kürze in Rückstand geraten und dann die Partie verlieren würden. Viel zu gut spielte die Eintracht, viel zu sicher, zu überlegen und zu dominant, als dass dieses Spiel ein gutes Ende nehmen könnte. An jedem anderen Tag ein trefflicher und völlig ausreichender Grund mir die Laune für den Abend und möglicherweise das gesamte Wochenende zu vermiesen. Doch gestern nicht, gestern war in dieser ersten halben Stunde ein anderes Gefühl stärker: die Wiedersehensfreude. Die Diva war tatsächlich zurückgekehrt und sie schenkte nach dem Sieg gegen die Bayern eine Halbzeit lang den Fußball, dem ich vor nunmehr fast 40 Jahren verfallen bin. Ja, verfallen, und nicht um des Erfolges, sondern der Schönheit willen.

Es war in etwa so, als sei eine Jugendliebe, die sich vor fast zwei Jahrzehnten überstürzt zur Selbstfindung hinter tibetanische Klostermauern zurückgezogen hatte, ebenso unerwartet zurückgekehrt. Plötzlich steht sie wieder vor dir, gerade jetzt, wo du endlich einen Schlussstrich gezogen hattest und über sie hinweggekommen zu sein schienst. Haken dran, Schluss, aus, fertig. Vorbei ist vorbei. Aber dann taucht sie wieder auf und alles geht wieder von vorne los.

Zum gesamten Beitrag „Die Droge“ begebe man sich auf die Seite von Kid Klappergass, der sich ebenfalls über mangelnde Reaktionen zu seinen Werken in der Kommentarspalte nicht beklagen kann.

Das war Vorschlag Nr. 2 für den besten Sportblogger-Beitrag im Jahr 2010 — die nächsten folgen morgen.

6 Kommentare

  1. Kid! Kid! Kid!

  2. Ok, dann nehme ich Superbrain eins ab.

  3. Doch ich kann mich beklagen, Trainer – und ich habe es früher auch oft genug getan. Der „Lohn“ des Bloggers sind die Kommentare. Die wünsche ich mir natürlich reichlich, um zu erfahren, was andere zu meinem Geschreibe meinen, denn sonst könnte ich meine Gedanken auch an die Klotür pinnen. Andererseits habe ich mittlerweile verstanden, warum nur so wenige der Leser kommentieren und bin ehrlich dankbar, dass mein Zeug bei der Fülle von Material im Netz überhaupt gelesen wird. Und darüber, wie du hier mich und mein Blog vorgestellt hast, freue ich mich sehr und ganz besonders.

    In den letzten Wochen war ich – mal wieder – drauf und dran, das Ding drüben in der Klappergass zuzumachen. Da viel zu viel Arbeit, dort einfach zu wenig freie Zeit und dazu das Gefühl, einfach mal etwas abzuschütteln, was mit Freude begonnen hat und – wie so vieles im Leben – ebenso zu einer Pflicht geworden ist. Und jetzt kommst du, haust hier ein paar Zeilen raus und sorgst mit dafür, dass ich erst mal weiter mache. Du bist also auch schuld irgendwie. Aber das sind wir ja alle, schuld, meine ich, vor allen Dingen selbst. :-)

    Gruß vom Kid

  4. Man sollte Dich a) ins Sportbloggernetzwerk aufnehmen und b) eine Notfallberatung für Blogger einrichten, die darüber nachdenken, aufzuhören. Mir tut es immer noch leid, dass das Königsblog aufgehört hat.

    Dass wir alle keine Millionen erreichen, dürfte klar sein, auch wenn sich die Verhältnisse seit 2005 deutlich geändert haben.

    Ich plädiere auf eine Aktion wie „Comment-Love“, statt „Link-Love“, dass jedem Leser etwas deutlicher wird, dass man sich über Kommentare freut und genau das auch quasi atmet. Nur glaube ich nicht, dass man grundlegend etwas ändern kann: Lange vor Twitter und Blogs hab ich auch schon geschrieben, und da haben von 30 regelmäßigen Lesern auch immer nur die selben 2 kommentiert. Bevor man in den Sack haut, tut aber eine Pause auch immer ganz gut, manchmal reichen 2 Tage, und man ist wieder motiviert. Falls doch nicht, sollte dann die Notfall-Bloggerberatung eingreifen. Denn Deine Werke, Kid, sind mir viel wert und es wäre zu schade, gänzlich auf sie zu verzichten. Statt dieser Massen an Beiträgen könnte ich aber auch mit 2-3 pro Woche leben. Zumal ich, Schande über mich, auch selten bei Dir kommentiere, obwohl ich regelmäßig lese. Einen „Like-Button“ oder Ähnliches fände ich zwar per se nicht schlecht, glaube aber, dass der auch nichts an der Resonanz ändern würde.

    Es ist manchmal ein trockenes Brot, aber die Alternative „Aufhören“ gefällt auch nicht. Denn dann ist alles vorbei.

  5. Danke, Trainer. Dafür, dass Kid erst mal weiter macht.



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