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Schlagwort: WM 2002

Tipp-Kick: Back in black

Nach diversen schwarz-rot-goldenen, hell schimmernden und Reptilien im Reagenzglas produziert habenden Sonderversionen zur WM 2006 hat Tipp-Kick zur WM 2010 sein Sortiment noch mal erweitert und macht jetzt einen auf schwatt. Ja, richtig gelesen, die Tipp-Kick-Tipp-Kicker sind jetzt schwatt. Also in der Sonder-Edition zur WM 2010. Das sieht dann ungefähr so aus:

Tipp-Kick in black.

[photopress:tipp_kick_wm_2010_sonder_edition.jpg,full,centered]

Der Experte erkennt sofort, warum afrikanische Mannschaften bislang noch nicht weiter als ins Viertelfinale einer WM gekommen sind: Weil sie immer Feldspieler ins Tor stellen. Man sieht im Beispiel eindeutig: die selbe Trikotfarbe wie der Feldspieler, das kann kein Torwart sein. Und natürlich ist ein Feldspieler niemals so gut im Tor wie ein ausgebildeter, professionell ausgebildeter Torhüter (es sei denn, es handelt sich um Jan Koller, aber der kommt nicht aus Afrika), weshalb man weiter auf den ersten WM-Halbfinalisten aus Afrika wartet.

Tja. Dass die Tipp-Kick-Exegeten solche Fußball-Fach-Experten sind, hätte man auch nicht gedacht. Und 39,90 Euro ist ja geradezu ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, wie viel man für den selben Spaß in Sachen Panini bei der WM 2010 ausgeben müsste.

Die Schlitzaugen-Version zur WM 2002 ist allerdings nicht mehr im Programm.

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Gieß Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen

Abgesehen davon, dass die Ursache dafür, dass man jetzt überhaupt wieder darüber diskutieren kann, eigentlich nicht für eine genau solche Maßnahme missbraucht werden sollte.

Abgesehen davon, dass man sich auch Probleme schaffen kann, wo man keine hat.

Abgesehen davon, dass die Legende unbewiesen ist, dass man einen Torhüter in ständiger Angst und Unkenntnis über seine schließliche Stellung im Team halten müsse und dass dieser einem das mit einer Leistungssteigerung danke.

Abgesehen davon, dass sich dann bald die halbe deutsche Bundesligatorhüter-Belegschaft noch Chancen ausrechnen kann und man nicht weiß, was man mit bald einem halben Dutzend Kandidaten für einen einzigen Posten solle.

Von dem all abgesehen gibt es eigentlich keinen Grund, etwas dagegen zu haben, dass Jogi Löw das „Torhüterrennen“ für wieder neu eröffnet hält, auch Timo Hildebrand könne sich durchaus noch Hoffnungen ausrechnen, man wisse ja nie, wie das mit Verletzungen so sei und wann es käme. Und da sei es sicher von Vorteil noch den einen oder eben zwanzig andere in der Hinterhand zu haben. Die aber natürlich niemals enttäuscht sein dürfen, schließlich werden sie alle dann immer noch „ganz nah dran“ am Team gewesen sein. Man wünschte dem jungen Löwi fast die Zeiten des alten Rudi zurück, als dieser tatsächlich nur aus 25 tauglichen, mit deutschem Pass versehenen Bundesliga-Spielern auswählen konnte und somit vielleicht zweien eine tolle WM-Reise verwehren musste.

Ebenso vielleicht sollte man Jogi Löw mal mitteilen, dass selbst die modernsten Flugzeuge nicht so viel Platz aufweisen, wie er gerne das Flugzeug vollnominieren will.

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Alle deutschen WM-Torschützen

Jahr Spieler WM Tore
1. Miroslav Klose 2002-2014 16
2. Gerd Müller 1970-1974 14
3. Jürgen Klinsmann 1990-1998 11
4. Thomas Müller 2010-2014 10
Helmut Rahn 1954-1958 10
6. Uwe Seeler 1958-1970 9
Karl-Heinz Rummenigge 1978-1986 9
8. Rudi Völler 1986-1994 8
9. Hans Schäfer 1954-1962 7
10. Helmut Haller 1962-1970 6
Lothar Matthäus 1982-1998 6
Max Morlock 1954 6
13. Franz Beckenbauer 1966-1974 5
Lukas Podolski 2006-2010 5
15. Oliver Bierhoff 1998-2002 4
Andreas Brehme 1986-1994 4
Paul Breitner 1974-1982 4
Edmund Conen 1934 4
Ottmar Walter 1954 4
19. Michael Ballack 2002-2006 3
Pierre Littbarski 1982-1990 3
Wolfgang Overath 1966-1974 3
Toni Kroos 2014-2018 3
André Schürrle 2014 3
Fritz Walter 1954-1958 3
25. Klaus Allofs 1986 2
Klaus Fischer 1978-1982 2
Heinz Flohe 1974-1978 2
Mario Götze 2014 2
Karl Hohmann 1934 2
Mats Hummels 2014 2
Sami Khedira 2010-2014 2
Ernst Lehner 1934-1938 2
Dieter Müller 1978 2
Oliver Neuville 2002-2006 2
Mesut Özil 2010-2014 2
Bastian Schweinsteiger 2006 2
Joachim Streich 1974 2
34. Rüdiger Abramczik 1978 1
Uwe Bein 1990 1
Marco Bode 1998-2002 1
Rainer Bonhof 1974-1978 1
Albert Brülls 1962 1
Cacau 2010 1
Hans Cieslarczyk 1958 1
Bernd Cullmann 1974-1978 1
Lothar Emmerich 1966 1
Arne Friedrich 2010 1
Torsten Frings 2002-2006 1
Josef Gauchel 1938 1
Jürgen Grabowski 1966-1974 1
Willi Hahnemann 1938 1
Siggi Held 1966-1970 1
Richard Herrmann 1954 1
Uli Hoeneß 1974 1
Martin Hoffmann 1974 1
Bernd Hölzenbein 1974-1978 1
Horst Hrubesch 1982 1
Carsten Jancker 2002 1
Marcell Jansen 2010 1
Berni Klodt 1954-1958 1
Stanislaus Kobierski 1934 1
Philipp Lahm 2006 1
Reinhard Libuda 1970 1
Thomas Linke 2002 1
Andreas Möller 1990-1998 1
Hansi Müller 1978-1982 1
Rudolf Noack 1934 1
Alfred Pfaff 1954 1
Uwe Reinders 1982 1
Marco Reus 2018 1
Karl-Heinz Riedle 1990-1994 1
Bernd Schneider 2002-2006 1
Karl-Heinz Schnellinger 1958-1970 1
Otto Siffling 1934-1938 1
Jürgen Sparwasser 1974 1
Horst Szymaniak 1958-1962 1
Otto Siffling 1934-1938 1
Wolfgang Weber 1966-1970 1

Stand: 15. Juni 2018.

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Alle Torschützenkönige der WM

Seit 1930 werden im Fußball Weltmeisterschaften ausgetragen. Seit 1930 gibt es also jeweils mindestens einen Spieler, der die meisten Tore bei einer WM erzielt. All diese werden hier schön übersichtlich in einer Liste aufgeführt, wobei diese gerade bei der WM 1962 es ein wenig an Übersichtlichkeit mangeln lässt. Das aber ist den Fakten geschuldet, nicht der Form der Darstellung der besten Torschützen eines jeweiligen WM-Turniers. Seit geraumer Zeit kann es übrigens nicht mehr mehr als einen „Torschützenkönig der WM“ geben, da bei Torgleichstand inzwischen weitere Faktoren zur Ermittlung eines Siegers hinzugezogen werden.

Liste der Torschützenkönige bei WM

Jahr Spieler Club Tore
1930 Guillermo Stabile Argentinien 8
1934 Oldrich Nejedly Tschechien 5
1938 Leonidas Brasilien 7
1950 Ademir Brasilien 9
1954 Sandor Kocsis Ungarn 11
1958 Just Fontaine Frankreich 13
1962 Vavá
Valentin Ivanov
Leonel Sanchez
Garrincha
Florian Albert
Drazen Jerkovic
Brasilien
UdSSR
Chile
Brasilien
Ungarn
Jugoslawien
4
4
4
4
4
4
1966 Eusébio Portugal 9
1970 Gerd Müller Deutschland 10
1974 Grzegorz Lato Polen 7
1978 Rob Rensenbrink
Mario Kempes
Niederlande
Argentinien
6
6
1982 Paolo Rossi Italien 6
1986 Gary Lineker England 6
1990 Salvatore Schilacci Italien 6
1994 Oleg Salenko
Hristo Stoitchkov
Russland
Bulgarien
6
6
1998 Davor Suker Kroatien 6
2002 Ronaldo Brasilien 8
2006 Miroslav Klose Deutschland 5
2010 Thomas Müller Deutschland 5
2014 James Rodriguez Kolumbien 6
2018 Harry Kane England 6
2022 - - -

Rekordtorschütze bei einem einzelnen WM-Turnier bleibt damit bis auf Weiteres Just Fontaine, der 1958 gleich 13x einnetzte – und das bei nur 6 absolvierten Spielen. Mehrfach schon waren deutsche Spieler Torschützenkönig einer WM. Allerdings angesichts der allgemeinen Erfolgsgeschichte (bundes-) deutscher Mannschaften bei derartigen Turnieren dann doch vergleichsweise wenige. Nämlich nur Gerd Müller 1970 mit 10 Treffern und Miroslav Klose 2006 mit auch eher kümmerlichen 5 Treffern, der wiederum direkt gefolgt wurde von Thomas Müller 2010 in Südafrika, der ebenfalls 5 Tore erzielte. Zunächst mal kann sich Miroslav Klose eines ersten Ranges in der Gesamtwertung der Torschützen einer WM aber sicher sein, denn die Karriere von Thomas Müller im Länderfußball wurde letztens bekanntlich etwas unvermittelt von Bundestrainer Jogi Löw beendet. Einzige Chance in dieser Hinsicht für Thomas Müller, noch einmal Torschützenkönig einer WM zu werden: falls Löw vor der WM 2022 noch geschasst wird. Allerdings, auch das ein wenig erstaunlich, hat es noch kein einziger Spieler geschafft, zweimal Torschützenkönig einer WM zu werden. Und das gilt sowohl für den großen Pelé wie auch den großen Gerd Müller.

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Alle WM-Bälle auf einen Kauf

Wenn das alles etwas einfacher wäre, gäbe es hier das später Verlinkte auch zu sehen, so muss es bei überflüssigen Worten und einem schnellen Klick bleiben: Alle WM-Bälle von 1970 bis 2006 in einer Serie gibt es neuerdings zu erwerben. Wobei gleich auffällt, dass man ein paar sehr gut kennt und ein paar andere weniger gut.

Aus der ersten Kategorie:

WM 1970 Telstar
WM 1974 Telstar durlast
WM 1978 Tango River Plate
WM 1982 Tango España
WM 1986 Azteca
WM 1998 Tricolore
WM 2006 Teamgeist

Aus der zweiten Kategorie:

WM 1990 Etrusco Unico
WM 1994 Questra (ehrlich gesagt noch nie gehört und noch seltener gesehen)
WM 2002 Fevernova

Bliebe die Frage, wie eigentlich der WM-Ball 2010 für Südafrika aussehen und heißen wird. Wie immer haben wir unsere Spione schon lange ausgesandt und wissen seit Jahren um das noch geheime Design des WM-Balls 2010.

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Denk ich an Finnland in der Nacht, werd arg ins Schwitzen ich gebracht

Und das nicht wegen der dortigen Saunen.

Was nach dem gestrigen trotz einer kurzen Ribbeck’schen-Reminiszenz-Phase überzeugenden Sieg ein wenig aus dem Fokus geraten könnte, ist die Tatsache, dass man ja jetzt und auch vorher schon annehmen mag, dass ein Remis in Russland im Bereich des Möglichen läge. Das tut es natürlich für eine deutsche Auswahl in den letzten 60 Jahren (wirklich no pun intended) immer. Und auch die Leistung aus dem Hinspiel gegen Russland gibt zu dieser Hoffnung allen Grund. Und dann nehmen wir mal an, es reichte zu diesem Unentschieden.

Dann sieht man auf dem letzten Kalenderblatt der deutschen Gruppe immer noch ein Heimspiel gegen Finnland.

Finnland.

Klingelt’s?

Das war der Gegner, gegen den man „nur einen Sieg im letzten Heimspiel“ benötigt hätte, um im letzten Gruppenspiel bei gleichzeitigem Punktverlust dieser an England vorbeizuziehen (Didi Hamann, 1:5, Michael Owen und ein schlechter Oliver Kahn). Fehlerhafterweise wählte man damals Gelsenkirchen als vermeintlich co-stimmungsvollstes oder zumindest co-lautstärkstes Stadion in Deutschland, doch Bierhoff und Ziege rumpelten sich zu einem ziemlich laut- und vor allem sieglosen 0:0.

Und am 14. Oktober tritt man nach dem Auswärtsspiel in Russland auch noch mal gegen jene Finnen an, die schon im Hinspiel so stark waren, dass es nur zu einem 3:3 reichte. Ein Remis in Russland und ein Remis zu Hause gegen Finnland, während die Russen im nun mal nicht so ganz so starken Aserbaidschan antreten. Und da wären wir bei der nächsten Parallele zu 2002: Während die Deutschen in Gelsenkirchen sich vergeblich zu einem Sieg gegen Finnland mühten, war ein anderer Deutscher — Otto Rehhagel nämlich — bemüht, zeitgleich beim direkten Gruppenrivalen der Deutschen mit einem Punktverlust der Engländer dafür zu sorgen, dass Deutschland sich direkt qualifiziert. Was Otto Rehhagel auch fast gelungen wäre, nachdem er zwei Mal mit seinem Griechenland in Führung lag, während England erst in der 93. Minuten mit einem — übrigens völlig unverständlicherweise ekstatisch gefeierten — Tor von David Beckham ausglich.

Man muss nicht mal Berti Vogts für den schlechteren Trainer als Otto Rehhagel halten, man muss nur auf den Vergleich Aserbaidschan/Griechenland blicken, um mit der bösen Ahnung ins Geschäft zu kommen, dass gegen Russland ein Remis ganz banal nicht zur direkten Qualifikation reichen würde, wenn man nur ein ebensolches Remis zu Hause gegen Finnland folgen ließe.

(Gepaart mit der noch schlimmeren Ahnung, dass für den Fall dass Aserbaidschan sich dann doch, weil Russland ja auch schon mal gegen Andorra gerne Probleme hat, als der entscheidende Stolperstein für Russland erweisen sollte, wir über Jahre hinaus nicht davon verschont bleiben werden, in unsäglichen Interviews daran erinnert zu werden, dass Berti selbst ja erst den Weg zum WM-Titel 2010 oder was auch immer geebnet hat. So wie er praktisch für alles verantwortlich ist, was je seit ihm im deutschen Fußball passiert. Aber wir wollten uns ja nicht schon wieder wiederholen, so wie er.)

Also, schwitzen wir erstmal, siehe Titel.

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Ewige Torschützenliste der WM

Nr. Spieler Land Spiele 11m Schnitt Tore
1. Miroslav Klose Deutschland 23 0 0,70 16
2. Ronaldo Brasilien 19 1 0,79 15
3. Gerd Müller Deutschland 13 1 1,08 14
4. Just Fontaine Frankreich 6 0 2,17 13
5. Pele Brasilien 14 0 0,86 12
6. Jürgen Klinsmann Deutschland 17 0 0,65 11
Sandor Kocsis Ungarn 5 0 2,20 11
8. Gabriel Batistuta Argentinien 12 4 0,83 10
Teofilo Cubillas Peru 13 2 0,77 10
Gregorz Lato Polen 20 0 0,50 10
Gary Lineker England 12 2 0,83 10
Thomas Müller Deutschland 12 1 0,83 10
Helmut Rahn Deutschland 10 0 1,00 10
14. Ademir Brasilien 6 0 1,50 9
Roberto Baggio Italien 16 2 0,56 9
Eusébio Portugal 6 0 1,50 9
Jairzinho Brasilien 16 0 0,56 9
Paolo Rossi Italien 14 0 0,64 9
Karl-Heinz Rummenigge Deutschland 19 0 0,47 9
Uwe Seeler Deutschland 21 0 0,43 9
Vavá Brasilien 10 0 0,90 9
Christian Vieri Italien 9 0 1,00 9
David Villa Spanien 12 2 0,75 9
24. Leonidas Brasilien 5 0 1,60 8
Diego Maradona Argentinien 21 0 0,38 8
Oscar Miguez Uruguay 7 0 1,14 8
Rivaldo Brasilien 14 1 0,57 8
Guillermo Stabile Argentinien 4 0 2,00 8
Rudi Völler Deutschland 15 0 0,53 8
30. Careca Brasilien 9 1 0,78 7
Oldrich Nejedly CSSR 6 1 1,17 7
Rob Rensenbrink Niederlande 13 4 0,54 7
Andrzej Szarmach Polen 13 0 0,54 7
Lajos Tichy Ungarn 8 3 0,88 7
35. Bebeto Brasilien 15 0 0,40 6
Dennis Bergkamp Niederlande 12 0 0,50 6
Zbigniew Boniek Polen 15 0 0,40 6
Diego Forlan Uruguay 8 1 0,75 6
Asamoah Gyan Ghana 11 2 0,55 6
Helmut Haller Deutschland 9 1 0,67 6
Thierry Henry Frankreich 15 0 0,40 6
Josef Hügi Schweiz 3 0 2,00 6
Mario Kempes Argentinien 18 0 0,33 6
Lothar Matthäus Deutschland 25 2 0,24 6
Max Morlock Deutschland 5 0 1,20 6
Erich Probst Österreich 5 0 1,20 6
Johnny Rep Niederlande 14 0 0,43 6
Rivelino Brasilien 15 0 0,40 6
Arjen Robben Niederlande 14 1 0,43 6
James Rodríguez Kolumbien 5 1 1,20 6
Oleg Salenko Russland 3 0 2,00 6
György Sarosi Ungarn 5 1 1,20 6
Hans Schäfer Deutschland 15 0 0,40 6
Salvatore Schilacci Italien 7 1 0,86 6
Hristo Stoitchkov Bulgarien 10 3 0,60 6
Davor Suker Kroatien 8 1 0,75 6
Robin van Persie Niederlande 17 1 0,35 6
Gyula Zsengeller Ungarn 4 0 1,50 6

Stand: 15. Juli 2014.

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Jens Jeremies war ein Original

Im Getränkemarkt meines Vertrauens hing seit der WM 2002 ein Plakat der damaligen Nationalspieler, diverse Fotos von Ballack, Ramelow, Jeremies in Aktion, mancher von ihnen mit Trauerflor wegen des damals verstorbenen Fritz Walter. Natürlich auch Oliver Kahn, der Titan, wie er in seinem blauen Shirt mit seinen kurzen blonden Haaren irgendeine Deutschland-sucht-die-Superparade-Parade hinlegt bzw. sich selbst bei selbiger. Im Laufe der Jahre vergilbte das Plakat immer schneller und der eine oder andere Bubi, der dort seine nachmittägliche Dose Cola kaufte, wird mit so manchem Gesicht schon gar nix mehr anfangen können. Jens Jeremies? Marco Bode? Marko Rehmer? Wahrscheinlich nie gehört noch gesehen.

Letztens hat jemand das Plakat gegen eins von der „Euro 2008″ ausgetauscht. Eigentlich eine schöne Idee, Vergilbtseins Charme hat auch irgendwo seine Grenzen, doch offensichtlich hatte der Plakatherausgeber keine Rechte an den Originalbildern. Darauf nämlich auch zu sehen: Mario Gomez in Jubelpose. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, bei welcher Euro 2008 ein fröhlicher, jubelnder Mario Gomez aufgenommen worden sein soll.

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Ich sehe was, was Du nicht siehst

Man erinnere sich an den alten Nick Hornby, der da ja schrieb, dass er mit den Fans von Wolverhampton Wanderers mitfühle, welches irgendwann in den 1950ern zwei, drei Mal Meister wurde und seitdem — gar nicht mehr. Als kleiner Junge dachte er, Meisterschaft, das sei so etwas, was in schöner Regelmäßigkeit reihum ginge. Nun warten Fans der Wolverhampton Wanderers schalke-esk seit den 1950ern auf eine Wiederholung des Titelgewinns, allein: vergeblich.

Seit Einführung der „neuen“ Premier League wurde neben Manchester United, dem FC Arsenal und dem FC Chelsea mit den Blackburn Rovers genau ein Außenseiterteam Meister. Klar, bei Wettbewerben mit Turniercharakter ist die Außenseiter-Durchlässigkeit aufgrund der geringen Zahl der Spiele etwas höher, dennoch sind Turniere wie die WM 2002, bei der wirklich alle Großen früh die Segel strichen, selten. Als Selbstverständlichkeit darf man bei der winzigen Zahl von 4 Teilnehmern an einem Halbfinale aus entweder über 200 oder knapp 50 Kandidaten dennoch nicht nehmen. Man muss nur die Zahl der „Großen“ in Europa zusammenzählen und kommt zur Konsequenz, dass es für je nach Maßstab 3-5 Große einfach nicht reichen kann. Umso bemerkenswerter ist jene Bilanz, der gestern nur ein weiteres Kapitel der langen fußballdeutschen Erfolgsgeschichte angehängt wurde:

möglich gespielt verpasst
WM 82 Finale 7 7 0
EM 84 Vorrunde 5 3 2
WM 86 Finale 7 7 0
EM 88 Halbfinale 5 4 1
WM 90 Finale 7 7 0
EM 92 Finale 5 5 0
WM 94 Viertelfinale 7 5 2
EM 96 Finale 6 6 0
WM 98 Viertelfinale 7 5 2
EM 00 Vorrunde 6 3 3
WM 02 Finale 7 7 0
EM 04 Vorrunde 6 3 3
WM 06 Dritter Platz 7 7 0
EM 08 Finale 6 6 0

So sieht „meine“ Bilanz aus, da ich 1982 bezogen auf große Fußballturniere erwacht bin. Das bedeutet auch: Von den möglichen 88 Spielen, die Deutschland hätte machen können, haben 75 stattgefunden. Ich habe also dank des langfristig gesehen überragenden Erfolgs der deutschen Mannschaft nur schlappe 13 mal keinen Fußballabend mit deutscher Beteiligung gehabt, der hätte sein können, und man muss schon sehr undankbar sein, um das nicht zu würdigen zu wissen.

Einfach nur nach Österreich, in die Schweiz, nach Polen, selbst nach Frankreich oder England schauen, um zu sehen, wie gering die bundesdeutsche Quote an nicht stattgefundenen Spielen ist. In den Jahren 82 bis 92 waren es glatt nur 3 Spiele in einem Jahrzehnt, die nicht stattfanden. Nimmt man die Zeit ab der WM 1970 hinzu, wird es nicht schlechter, eher besser. Verpasst nur das Finale der WM 1978, ansonsten alle möglichen Spiel mitgemacht.

Hat da jemand über unansehnlichen Fußball gejammert? Sicher nicht so unansehnlich wie ein Spiel, das gar nicht stattfindet.

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Von Buden und Bekenntnissen

Der Besitzer der Bude (das ist auf Hochdeutsch eine Trinkhalle, man sagt auch Kiosk dazu, wobei Kiosk ein türkisches Wort ist, das ursprünglich „kleines Gartenhaus“ bedeutete), in der ich des Öfteren zu überteuerten Preisen, aber immer begleitet von netter Plauderei, Dinge des alltäglichen Bedarfs erstehe, ist Türke und laut eigenen Angaben seit Mitte der 1960er in Deutschland.

Er ist höchst überzeugt davon, dass Deutschland das Halbfinale gegen die Türkei gewinnt, und wenn er ganz ehrlich ist, sagt er, fühle er ohnehin mehr Verbundenheit mit der deutschen Mannschaft als mit der türkischen.

Er nennt mich immer „Junge“, was eher schmeichelhaft ist, hat die Reinigung gegenüber doch letztens nichts Besseres zu tun gehabt, als an jeden Kleiderbügel der abgeholten Wäsche eine Probepackung einer Anti-Faltencreme für Männer anzuhängen.

„Junge“ — „fossilierte Sprachkenntnisse“ (ein herrlicher Begriff, jeder kennt solche Pappenheimer, deren Deutsch schon immer rudimentär war und sich trotz ständigen Hörens der deutschen Sprache einfach nicht mehr verbessert; die ganz zu Beginn des Spracherwerbs erlernten Fehler scheinen unausmerzbar und vom Zuhören beim Radebrechen bekommt man Kopfschmerzen bis hin zu Schwindelgefühlen, man fragt sich unweigerlich, wie man Jahrzehnte lang etwas falsch machen kann, was man doch jeden Tag in Funk und Fernsehen richtig vorgemacht bekommt) sind da wohl am Werke: Ihm fehlt einfach das Wort für einen Mann mittleren Alters, der aber dadurch noch so jung wirkt, dass er sich EM-Spiele live reinzieht und dann ständig über Fußball diskutieren will, oft für seine Umwelt auch gezwungenermaßen.

Der Meinung des Türken in der Bude nach ist die türkische Mannschaft eine Ansammlung von Stümpern, und die Vehemenz, mit der er diese Meinung vertritt, ließe fast darauf schließen, dass er in Wirklichkeit Kurde ist. Aber: nein. Er ist Türke. Außerdem sei Fatih Terim ein totaler Spinner, ein Disziplin-Fanatiker, was wohl in der Türkei grundsätzlich zwar ginge, aber selbst für dortige Verhältnisse übertreibe Terim.

Der Torhüter ein absoluter Versager und eigentlich seien sie bislang nur mit überbordendem Glück weitergekommen und, man glaubt es kaum, der Kiosk-Besitzer freue sich darauf, dass die deutsche Mannschaft die Türken endlich mal lang mache. Möglicherweise ist auch diese Aussage nur übersteigerter Verkaufsträchtigkeit geschuldet und allen Türken, die nach mir diesen Kiosk betreten, erzählt er das genaue Gegenteil, Hauptsache sie kommen irgendwann wieder und erwerben Spirituosen, Kaugummis oder Zigaretten zu, wie gesagt, überteuerten Preisen bei ihm.

Später betreten tatsächlich ein paar „Jungens“ den Raum (ein begehbarer Kiosk), die ziemlich türkisch wirken, und der sicherlich gewiefte Taktiker, offensichtlich dennoch grundehrliche Kioskbesitzer bleibt bei seiner Meinung, dass die Türken keine Chance haben und er sich sogar darüber freuen wird, wenn Deutschland ins Finale einzieht. Dies stößt bei den justament Dazugestoßenen auf wenig Gegenliebe, angesichts des fortgeschrittenen Alters des Besitzers folgen aber keine Widerworte, nur leicht unwilliges Grummeln ohne konkrete Aussagekraft wird protokolliert.

Peinlich, sagt der Besitzer, seien diese Autokorsos, er arbeite zwar in Mitte, lebe aber in Meiderich und da sei gestern die ganze Nacht geautokorsot worden, was er überhaupt nicht abkönne. Man könne sich ja gerne zwei Stunden lang freuen, aber die ganze Nacht müsse das Gehupe nun auch nicht sein; er als rechtschaffender assimilierter Deutscher wolle schließlich seine Ruhe haben, irgendwann, EM hin oder her, wenn er am nächsten Tag arbeiten müsse.

Allen hier aufgewachsenen türkischstämmigen Deutschen empfiehlt er zudem, für die deutsche Nationalmannschaft aufzulaufen, nicht nur sei dieser Terim eben ein verrückter Disziplinfanatiker, die Türken hätten auch dennoch keine Disziplin und keine Kreativität auf dem Platz. 2002 habe er sich noch ordentlich gefreut, 1996 erst recht, damals allerdings nur über die Qualifikation, über die nämliche Leistung dann weniger, doch inzwischen sei klar: Die Türken seien nur mit Glück so weit gekommen. Und deutsche Disziplin schlägt Glück, sagt er.

„Junge, glaubst Du nicht? Wirst du sehen.“

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Der Mann mit der Bürste hört auf

Natürlich sei man sich bewusst, dass man nicht für jeden ehemaligen Nationalspieler, der seine Karriere beendet, eine Ausnahme machen könne. In diesem Falle jedoch lägen die Argumente auf der Hand: All jenen, die wirklich schlecht Fußball spielen können, sei er ein leuchtendes Vorbild gewesen, dass man es auch mit wenig Technik und wenig Körperkraft bis in die Nationalmannschaft schaffen könne. Und, Hand aufs Herz, die meisten, die hierzulande Fußball spielen, haben doch wirklich eine miserable Technik und laufen nur in so komischen Trikots einem Ball hinterher, weil man sich da im Gegensatz zu Tennis oder Volleyball nicht so oft blamieren muss, weil man überhaupt kein Ballgefühl besitzt.

Unvergessen seien auch seine Verdienste um den Finaleinzug bei der WM 2002: Hätte er sich nicht rechtzeitig eine Gelb-Rote Karte genommen und das Spielfeld verlassen, hätte man womöglich gar nicht mit 2:0 gegen Kamerun gewonnen und wäre schon in der Vorrunde ausgeschieden.

(Absolut klickenswerte Impression von Carsten Ramelow bei seiner Tätigkeit.)

Was ihn außerdem noch für ein Abschiedsspiel qualifiziert: Er nahm ganz im Stile Robbie Williams eine CD mit dem Titel „Sing When You‘re Winning“ auf, welche alleine schon dafür sorgen würde, dass das Stadion bei einem solchen Spiel voll seie. Und mit seiner frühen Entscheidung, Berlin zu verlassen, habe er zudem politisches und soziales Geschick bewiesen und all jenen Leverkusenern, die weiterhin unter grauem Himmel neben dem Bayerkreuz vegetieren, bewiesen, dass ihre Stadt vielleicht doch lebenswert ist. Zumindest wenn das Gehalt stimmt.

Mit den Worten „Intimhygiene ist für mich kein Tabu-Thema.“ beschließt der Mann mit der Binde seine Karriere und will sich nun voll auf seinen Job als Dusch-WC-Botschafter konzentrieren.

Zum Thema heißt es weiterhin, es werde auch in Zukunft keine Ausnahmen bei den Abschiedsspielen geben, nur vielleicht, und wenn, dann eben als Ausnahme. Mögliche Kandidaten für weitere Ausnahmen nach unserem Blondschopf mit der Stahlschiene in der Wirbelsäule nannte der DFB-Präsident auch schon: Zoltan Sebescen und Günter Herrmann.

Inspiriert vom Indirekten Freistoß.

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Spielpraxis, fehlende

Wir hatten das schon mal, es sei mir trotzdem noch einmal erlaubt:

Natürlich merkte man Jens Lehmann die fehlende Spielpraxis an. So wie man letztens Timo Hildebrand die fehlende Spielpraxis bei seinem Fehler zur 0:1-Niederlage seines FC Valencias anmerkte, so wie man auch Oliver Kahn im WM-Finale 2002 die fehlende Spielpraxis deutlich anmerkte, ebenfalls beim Durch-die-Beine-Roller nach Roberto Carlos‘ Freistoß im Spiel gegen Real Madrid in München. Man merkte es auch Harald „Toni“ (nein, der Spitzname ist nicht seltsam) Schumacher im WM-Finale 1986 an und man merkte es sogar Toni „Fußballgott“ Turek im WM-Finale 1954 an: so ein paar Turnierspiele in wenigen Wochen sind einfach zu wenig.

Macht ein Torhüter einen Fehler, ist es ein Fehler. Macht ein Torhüter, der nicht jede Woche spielt, sondern nur trainiert, einen Fehler, ist es ein Fehler wegen mangelnder Spielpraxis.

Genauso wird es morgen regnen, weil ich heute meinen Teller nicht aufgegessen habe.

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Schon wieder Barcelona, 1999

Es war neulich erst Thema hier, jetzt ist es das schon wieder, mit neuen Sichtweisen. Wie findige youtube-Spezialisten herausgefunden haben, gibt es von den entscheidenden Minuten im Camp Nou auch Aufzeichnungen einer Hintertorkamera. Fast schon rührend, wie Collina die niedergeschlagenen Bayern zum Weiterspielen animieren will. Und wenn ich mich nicht täusche, ist es der jüngst zurückgetretene Mehmet Scholl mit der Nr. 7, der als erster wieder aufsteht und noch den Ausgleich erzielen will. Das Bild vom platt am Boden liegenden Oliver Kahn „erinnert“ an das Finale der WM 2002.

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