Weg mit dem Onkel(haften)

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Ah, haben Sie das gesehen? Sabine Lisicki hat den Schläger richtig herum gehalten.

Dort, Wahnsinn, Andrea Henkel weiß tatsächlich, wie sie ihr Gewehr bedienen muss.

Und Britta Steffen, toll, wie sie nach dem Start ins richtige Becken sprang.

Kann man sich vorstellen, dass derartige Nichtigkeiten von einem Kommentator einer Sportart abgesondert werden, der den zu kommentierenden Sport ernst nimmt?

Im Frauenfußball, dieses Zwitters der Aufmerksamkeit unter den Randsportarten, ist so etwas Usus, zumindest bei Claudia Neumann und Norbert Galeske.

Es wäre leicht, diesen Text jetzt mit der Aussage zu beginnen, dass „die wahren Sexisten hinter dem Mikrofon sitzen“. Doch das wäre populistisch. Sexistisch ist es nicht, sondern herablassend dem Zuschauer gegenüber, dem ständig eingebleut werde soll, was er vom Gesehenen zu denken habe. In jedem Satz ein anbiederndes Flehen um Akzeptanz des Frauenfußballs, alles wird schön-bewertet, statt einfach das Spiel zu begleiten.

Da wird „gute Technik“ bei einer simplen Ballannahme gelobt. Wenn eine Spielerin einen Pass des Gegners abfängt, bei dem sie schlicht angeschossen wurde, wird ihre „Antizipation“ gelobt und bei einer Grätsche doch tatsächlich, man fasst es nicht, die „Körperbeherrschung“ der Grätschenden.

So gut gemeint ihre Anti-Thoelke-Attitüde auch sein mag, dass eigentlich alles, was die Spielerinnen auf dem Rasen abliefern, ein Lob wert sei, weil sie nun mal vom Männerfußball des höchsten Niveaus so meilenweit entfernt sind, so bumerangartig schlägt sich das auf die Wahrnehmung des Gesehenen und der Übertragenden nieder.

Wenn sich die Besten der Besten in einer Sportart messen, wie es bei einer Europameisterschaft der Fall ist, kann das Loben vom Beherrschen der Grundtechniken dieser Sportart doch nur wie Hohn wirken. Als stünden die Frauen zum ersten Mal auf dem Platz, als seien sie Kinder, denen man Vieles nachsehen müsse, weil sie ja noch üben.

Der geneigte Zuseher wird geradewegs dazu gezwungen, innerlich ständig zu widersprechen und aufzustöhnen, dass dieser und jener Pass nun mal grottig war und diese und jene Parade, ein jeder hat es doch gesehen, voll daneben gingen. Dass Spielzüge nicht gedeihen und Bälle mangels Technik unnötig verloren gehen.

Dass das, was die Kommentatoren von sich geben, nichts mit dem zu tun hat, was auf dem Rasen passiert. Galeske und Neumann gerieren sich, als seien sie Onkel und Tante dieser Spielerinnen, freuen sich über jeden angekommenen Pass beinah ins Koma, weil die Agenda, dass Frauenfußball gefördert werden soll, keine Kritik erlaubt.

Den größten Gefallen täten sie dem Sport damit, ihn ernstzunehmen und zu kommentieren, was sie sehen. Und nicht, was Onkel und Tante wohlwollend tätscheln würden — und den Zuschauer zu brainwashen.

18 Kommentare

  1. Möchte ich unterschreiben, diese Kritik. – Nirgendwo ist die ‚Gleichstellung‘ im Sportjournalismus hirnmäßig und/oder sprachlich angekommen. Es ist alles zum Fremdschämen. „Da wird „gute Technik“ bei einer simplen Ballannahme gelobt.“ Waren diesen Deppen überhaupt beim Bund?

  2. DANKE! Aus der Seele gesprochen – diese Gönnerhaftigkeit ist furchtbar. Eurosport geht als Alternative.

  3. Schön, wenn man am nächsten Tag liest, was man am Vorabend beklagte! Viele andere werden es gottlob genau wie der Trainer empfunden haben. Glaubt einer großen Dame: „Dilettanten erkennt man an der Plumpheit ihrer Komplimente!“ (Catherine Deneuve)

  4. Gibt es bitte bitte bitte irgend eine Möglichkeit diesen Beitrag den Aufsehern am GEZ-Loch zukommen zu lassen? Danke!

  5. Pingback: #Linkelf: Alles Bayern, oder was? | Fokus Fussball

  6. Trainer, fein beobachtet. Frauenfußball zu schauen geht fast nur mit ausgestellten Ton. Generell fehlt dem Frauenfußball jedoch auch eine kontinuierliche Präsenz im TV. Eigentlich wird das Scheinwerferlicht immer bei Turnieren bemüht, der Bundesligaalltag der Frauen findet auf dem Bildschirm fast nie statt.

    Die Ungleichbehandlung zwischen Frauenfußball und Männerfußball war auch auffällig bei der Würdigung der Triple Erfolge der Frauen vom VfL Wolfsburg und der Männer von Bayern München.

  7. Tja, das wird wohl nie passieren. Die Nationalmannschaft hat immer noch den „Vorteil“ von dieser Deutschtümelei seit 2006 und den Millionen, die sich sagen „Und wenn’s Wasserball oder Springreiten ist, wenn Deutschland dabei ist, wird’s geguckt“

    Vereinsfußball bei den Frauen fristet aus meiner Sicht zu Recht ein Nischendasein. Tut mir leid, aber die Spiele haben aus meiner Sicht nicht die Qualität um TV-Präsenz zu rechtfertigen.
    Und wenn man ehrlich ist, ist das ja auch irgendwie gönnerhaft, zu sagen man sollte dem mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen…

    Dass ich Frauenfußball langweilig finde liegt aber mit Sicherheit nicht daran, dass sie die Grundlagen ihres Sportes nicht beherrschen, um darauf zurück zu kommen.

  8. Aber die Qualität der Spiele der 3. Liga im Männerfußball rechtfertigt die TV-Präsenz?

    Bin mir da nicht so sicher …

  9. Sehe das ähnlich wie mikewerner. Die Gönnerhaftigkeit beginnt schon dabei künstlich Aufmerksamkeit kreieren zu wollen.

    @sportinsider: Allerdings. Es gibt nicht viele Damen und Herren-Vergleiche, aber die fallen leider eindeutig aus. Wenn sich die Damen des FCR Duisburg als damaliger Bundesligist gegen die U15 von Fortuna Düsseldorf 11 Tore einschenken lässt, dann kann man auch Qualitäten hinterfragen. Auch die Damen Nationalmannschaft hat sich gegen Jugendteams schon einiges einschenken lassen. Auch wenn das jetzt schon eine Weile her ist und die Qualitäten im Damen- wie im Herrenfußball kontinuierlich gestiegen sind, so fehlt letztendlich doch noch immer ein Großteil an Qualität und eine dauerhafte TV-Präsenz zu rechtfertigen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich schaue, wenn es kommt. Ich mag halt Fußball, ganz egal welches Niveau.

  10. „Aber die Qualität der Spiele der 3. Liga im Männerfußball rechtfertigt die TV-Präsenz?“ (sportinsider)
    Auf die Qualität kommt es doch gar nicht an. Die ist ja Zufall. Was an Spielen übertragen wird, hat ganz andere Motive als erwartete Qualität.
    Die Dritte Liga ist eine, wo weniger Blendwerk auf dem Platz ist als anderswo. Die Kommentatoren sind freilich auch oft kenntnisfrei und vielredend sprachlos.
    Aber nur beim Frauenfußball bis zum Nationalen ist das Fremdschämen so, daß man den Ton ausstellt, und dann bald auch das Bild …

  11. Aus der Seele gesprochen…
    Ich habe übigens schnell zu Eurosport umgeschaltet.

  12. Die 3. Liga, selbst auf die Gefahr hin mich unbeliebt zu machen, hat eigentlich für mein Verständnis nichts in einer Sportschau zu suchen. Ich wünsche mir da wirklich einen größeren Mix an Sportarten.

    @NadiSavoy: Ja, diese unsäglichen Beegnungen zwischen Frauenmannschaften und Männerteams sind mir auch ein Greuel. Der Tod des Glücks ist der Vergleich. Fraueneishockeyteams gegen Männer würde ich auch nicht gutheißen. Die sportliche Aussagekraft liegt da gegen Null.

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  14. Gut, dass da mal einer drauf hinweist. Denn die Onkelhaftigkeit hat sich seit der WM 2011, wo ich folgende Zeilen in mein WM-Tagebuch schrieb, wirklich nicht geändert.

    „Nerven tut mich auch, wenn unspektakulären Aktionen der Anstrich der Torgefahr gegeben wird. Ein “guter Kopfball” etwa ist keiner, der 5 Meter am Tor vorbeirollt. Andererseits wird erst ein “gelungener Schuss” gelobt, den die Torhüterin ohne Probleme aufnehmen kann, wenige Minuten später kommt ein Ball ähnlicher Kajütte auf den Kasten und es heißt: “Ein Schlenzer, eher wie eine Rückgabe”. Man tut dem Frauenfußball doch wirklich keinen Gefallen mit diesen Aufbauschungen. Ich möchte hier nicht zum ständigen Rumnölen aufrufen, aber ein kleiner Realitäts-Check hier und da täte manchem Kabinenvogel mal ganz gut.“

  15. Vollste Zustimmung! Ich hatte das auch schon bei der WM in Deutschland beobachtet, wo es aufgrund der Vielzahl an übertragenen Spielen noch viel penetranter war.

    http://www.spox.com/de/sport/fussball/frauen-fussball/1107/Artikel/tatsaechlich-frauen-fussball-kritik-berichterstattung-tv-ard-zdf-kathrin-mueller-hohenstein-silvia-neid-sommermaerchen.html

  16. Ah, ja, auch das Bild vom Onkel-Nichtenverhältnis kommt drin vor. Guter Blick, den Max da hat.

    Und: Es hat sich leider nichts verändert.

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