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Monat: Oktober 2007

Pein2: Rekordpokalsieger

Nach dem überall zwar durchaus vermeidlichen, dennoch immer benutzten „Rekordmeister“ müssen wir heute auch noch die fürchterliche Kröte „Rekordpokalsieger“ schlucken.

Wer ist eigentlich Rekordpokalfinaleverlierer?

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Die moralische Instanz

Das bin nicht etwa ich, in Fußball-Deutschland ist das der Kicker. Neuerdings werden schlechte Noten für Schwalben oder andere Unsportlichkeiten verteilt. Dieses Gebaren begann aber schon viel früher, wie wir im Tagesspiegel erfahren. Lothar Kobluhn wurde, obschon legitimer Torschützenkönig jener Saison, die damals noch nicht so traditionelle Kicker-Torschützenkanone verwehrt, weil er in den Bundesligaskandal verwickelt war.

Heute, alles verjährt, bekommt er sie dann doch, kurz bevor Karl-Heinz Heimann ins Gras beißt und gar nicht mehr Gnade vor Kicker-Recht ergehen lassen könnte.

Wer in dieser Saison ganz miserabel im Kickermanagerspiel abschneidet, kann vielleicht noch auf Revision seiner ihn in den Abgrund reißenden schlechten Noten nach zwei, drei Jahrzehnten hoffen. Viel Spaß dann mit der nachträglich erhaltenen „Riesen-Magnet-Tabelle der 1. Bundesliga aus Weißblech mit den 18 vierfarbig gedruckten Vereinswappen“ inklusive einem „Spezialschreiber“ (leider kein Bild).

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Suggestiv geht anders

Ich hab dannn trotzdem für einen der beiden Toni Schumachers bei der Umfrage der 11 Freunde abgestimmt.

[photopress:toni_schumacher.jpg,full,centered]

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Kragenweite 37-38

Wenn Schalke im DFB-Pokal spielt, sich mühsam zu einem Sieg quält, um später mit einem ebensolchen Gewürge gegen eine Mannschaft von Tabellenplatz 12 bis 15 den Pokal zu gewinnen, pirscht sich von hinten leise ein Gedanke an, der dann partout nicht mehr den Weg zur Tür hinaus findet.

„Der DFB-Pokal ist einfach Schalkes Kragenweite.“

In der Champions League hingegen schlabbert nicht nur der Kragen, sondern das ganze Hemd.

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Közle kolumniert knallhart

Die Reviersport-Kolumne von Yves Eigenrauch, dem Besonderen unter den Fußballprofis, kennen wir schon länger. Dort klärt er uns über unser Verhältnis zu Tieren als Speise, über sein Verhältnis zu Spielen (würde lieber trainieren) und über sein Verhältnis zu sich selbst (würde offensichtlich lieber missionieren) auf.

Neu ist seit einer Woche die Kolumne von Ex-Profi Peter Közle, der in seinem Clochard-Outfit eine gute Figur macht und auch weniger Zeigefinger-schwenkend schreibt als Yves Eigenrauch. Peter Közle schreibt über seine Erlebnisse im Amateurfußball mit dem FC Inter Bochum. Das kann man hier lesen und dort auch sehen, wie er mittlerweile aussieht, der alte Klepper.

Innerhalb der Kolumne legt er dann gewagtes Themen-Hopping aufs Parkett, wie es an dieser Stelle auch nicht allzu selten ist, und schwingt von der Bochumer Kreisliga auf die zweite Liga, die er sich im Fernsehen ansah.

Irgendwie unfertig, diese

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Niederlande und Belgien als WM-Ausrichter 2018

Nee, klar. Da versucht wieder jemand die Qualifikation durch die Hintertür, der es sportlich auf lange Sicht nicht mehr schaffen wird. Nicht dass wir dann wieder von einer Initiative lesen müssen, die kurz vor Beginn einen freiwiligen Verzicht Belgiens fordert …

China will sich übrigens auch bewerben. Das wäre dann wohl das erste Mal, dass ein Gastgeber in der Vorrunde ausscheidet, wenn sich bis dahin nicht ein bisschen was tut im chinesischen Fußball. Allerdings könnte man da ja den einen oder anderen Plan von ganz oben entwickeln, der ganze Horden von jungen Männern ihre komplette Jugend lang nur Fußball trainieren lässt. Zeit wäre ja noch genug.

Ich sag aber trotzdem: diese Einzelkinder werden nie so gut spielen wie Kinder, die schon in ganz jungen Jahren selbst zum Spielball ihrer älteren Geschwister wurden und wissen, wie es ist, wenn man durch die Gegend gekickt wird.

Mexiko ist laut SPON auch wieder in der Kandidatenriege, und drei Mal ist schließlich mexikanisches Recht. Man könnte die WM dann allerdings doch besser in den USA austragen, da wäre die Infrastruktur entwickelter, die Sicherheit größer und die Zuschauer trotzdem mexikanisch.

Australien hingegen wäre tatsächlich reizvoll, dieser Kontinent hat den Fußball ja gerade bei der WM 2006 und auch schon der Qualifikation dazu für sich entdeckt. Schade nur, dass Australien kärgliche 18.000.000, China hingegen 1.300.000.000 Einwohner hat, die es fürs Säckel der FIFA „for the good of the game“ zu akquirieren gilt.

So ist wohl jetzt schon klar, wo der Pfeffer respektive das Heu wachsen wird.

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And the winner is …

Brasilien.

Brasilien wird die WM 2014 austragen. Dafür bedurfte es nicht einmal eines Martin „Ich tat es für mein Land“ Sonneborn, der Briefumschläge (oder waren es Präsentkörbe, wohl nicht, die passen ja nicht durch Türschlitze) unter Türen hindurchschob. Kein Wunder, wenn es keinen Gegenkandidaten gibt.

Gegenargumente gibt es allerdings schon: Korruption, Kriminalität, hungernde Bevölkerung. Ach, das gilt auch für Südafrika? Na dann.

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Der kleine Marcell und das große Leben

Ich erzähle Ihnen mal ein Beispiel. Letztens, da war der Olli Kahn bei der Dopingprobe, da hat er doch tatsächlich einem UEFA-Betreuer einen Eimer Pisse an den Kopf geworfen. Ich mein, das gehört einfach dazu, er ist so erzogen. Er ist Vizeweltmeister, aber trotzdem lässt er den Becher nicht einfach irgendwo stehen.

„Ich erzähle Ihnen ein anderes Beispiel: Gerade eben wieder in der Küche bei uns im Spielertrakt, da hat der Miro ein gebrauchtes Glas in die Spülmaschine gestellt und nicht irgendwo stehenlassen. Und Miro ist Torschützenkönig der WM.“

Sepp Maier hingegen soll so verdorben sein, dass er öffentlich niest, nachdem er Schnupftabak geschnupft hat. Wahrscheinlich hat ihn Klinsmann auch nur wegen seiner schlechten Manieren entlassen und gar nicht wegen des Schmarrns, den er immer redet. Aber der Maier Sepp war ja auch Weltmeister, und nicht popeliger Vizeweltmeister oder noch popeligerer Torschützenkönig einer WM.

Wie man hört, hat sich Toni Kroos, der wohlerzogene Bengel, sogar letztens noch selbst die Schuhe zugemacht. Gerülpst wird auch nur heimlich, im Manierenstadl zu München. Oder in der Besenkammer.

Marcell Jansen ist übrigens immer für ein paar Lebensweisheiten gut.

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Gepflegter englischer Rasen

Letztens spielten die englischen Fußballer in Russland auf Kunstrasen. Schon vor Anpfiff war das Genörgel groß, nach Abpfiff dann das Gejammer, hatte man doch verloren. Schuld war natürlich der Rasen. Und wir kommen nicht umhin, zuzugeben, dass es unmöglich für Engländer ist, auf Kunstrasen zu spielen. Schließlich treibt man in England Sport nur auf extra dafür präpariertem Rasen. Wie viele Mitarbeiter nötig sind, um ihn in perfekte Form zu bringen, sehen wir hier.

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Pfeiffer mit drei f

Ich muss zugeben, dass ich nicht pfeifen kann. Als Schiedsrichter bin ich sowieso eine Null, viel zu schnell muss man Entscheidungen treffen, obwohl einem manchmal die Sicht versperrt ist oder das zu bewertende Ereignis 40m entfernt stattfindet. Es ist erstaunlich, wie stark die Krümmung auf Fußballplätzen ist, die man extra angelegt hat, damit Regenwassser und natürlich die riesigen Bäche von Schweiß, die die Spieler auf den Rasen ergießen, seitlich ablaufen können. Die Krümmung ist so stark, dass man meint, man sähe schon die Erdkrümmung, wenn sich ein Spieler in der anderen Spielhälfte befindet. Der Faktor der mangelnden Sicht bleibt aber nicht alleine. Noch dazu bewegt sich der Ball so schnell, teilweise mit 100km/h und mehr, dass er in einer Sekunde 30m zurücklegt und in vier Sekunden theoretisch von einem Ende des Spielfeldes zum anderen fliegt. Somit kann in einer Sekunde ein Ereignis mit Ball an einem Ort und nur eine Sekunde später an anderen Ort stattfinden, der vom Ursprungsort fast ein Drittel des Spielfeldes entfernt liegt.

Nun sind von den zwölf Hauptnervensträngen, die das Hirn in Richtung Rest des Körpers verlassen, zwar sage und schreibe sechs alleine für die Steuerung der Augen zuständig; es reicht aber nicht aus, die Ereignisse allein zu sehen, man muss sie erfassen, um sie bewerten zu können. Und diese Ereignisse laufen auf einem Fußballplatz für mich einfach viel zu schnell ab, selbst wenn man von den untersten der unteren Ligen spricht, wo mit ein paar älteren Herren und ein paar Bewegungslegasthenikern auf dem Platz das Tempo meist so atemberaubend nicht ist.

Hinzu kommt noch, dass Regelverstöße ja nicht nur dort stattfinden, wo sich der Ball gerade befindet, sondern zu jeder Zeit an allen Orten des Spielfeldes (ein illustres Beispiel ist Zidanes Tätlichkeit im WM-Finale, als der Ball ganz woanders war und der Hauptschiedsrichter in Richtung des Balles schaute). Deshalb müsste man eigentlich alle 22 Spieler gleichzeitig im Auge behalten und noch dazu den Ball. Dass das mit nur zwei Augen und einem Gehirn unmöglich ist, ist klar. Selbst wenn vier weitere Augen hinzukommen — de facto sind es dann meist doch nur zwei, weil einer der beiden Assistenten stets weit weg vom Geschehen ist — sind das immer noch nur sechs Augen für 22 Spieler und einen Ball. Ziemlich wenig. Hut ab also vor jener seltsamen Gattung Mensch, die lieber über ein Spiel richtet, statt es selbst zu spielen. Ein für mich ähnlich unverständliches Phänomen wie die Gattung Musik- (Kino-, Theater-, ad lib) Kritiker, die lieber über ein Erzeugnis mäkelt, als dergleichen selbst zu produzieren. Während ich die Musik- (und so weiter) Kritiker aber nicht so würdige, gebe ich den Herren Schiedsrichtern allen meinen Respekt.

Eigentlich wollte ich aber darüber schreiben, dass ich nicht pfeifen kann, in dem Sinne wie Fans im Stadion pfeifen, wenn sie ihre Mißbilligung ausdrücken wollen. Pfeifen wie man unter der Dusche pfeift kann ich hingegen, und tue es auch. Aber so wie die Zuschauer in den Arenen (wie sie ja inzwischen alle heißen) pfeifen, das kann ich nicht. Ich kann nur so pfeifen, wie man eben ein Liedchen trällert. Das hört man über ca. 15 Meter hinweg, weiter nicht. Und da ich meistens weiter als 15 Meter vom Rasen weg bin und es noch dazu reichlich lächerlich wirkte, mit der Phonstärke eines unter der Dusche Pfeifenden im Stadion seine Meinung kund tun zu wollen, lasse ich es sein.

Aber selbst wenn ich es könnte, würde ich nicht ins Stadion gehen und pfeifen. Nein, ich bin nicht der Gutmensch vom Dellplatz, der niemals ein böses Wort sagt. Ich verstehe nur nicht, wie man sich anmaßen kann, auch wenn man Eintritt bezahlt hat, die Leistung eines Spielers so zu bewerten, dass man zu dem Schluss kommt, dieser habe es verdient, ausgepfiffen zu werden.

Ebenso bin ich immer peinlich berührt, wenn neben mir geifernde Menschen in tatkräftiger Mißachtung der vom Dummschwätzer immer wieder angemahnten Kinderstube nichts anderes fordern als die Entlassung eines Arbeitnehmers. „Trainer raus“, brüllen sie direkt in mein Ohr und ich frage mich, wie sie es fänden, wenn vor ihrem Arbeitsplatz eine Menschenmasse skandierte „Busfahrer Karl entlassen!“ oder „Schlosser Manfred raus!“ Aber so ist es eben, die Masse geht ins Stadion, weil sie brüllen will. Es gibt Stadien, die man euphemistisch Orte mit „besonders kritischem Publikum“ nennt. Tatsächlich sind das Stadien, in denen ein großer Teil der Zuschauer nur deshalb kommt, um zu fordern, dass ein Spieler oder Trainer gefeuert respektive ausgewechselt, geteert und gefedert, dennoch aber anschließend mit größtmöglichem Gewinn verkauft werden soll.

Selbst wenn man die Tatsache außer Acht lässt, dass sie einfach nur fordern, dass einer entlassen werden soll, ohne dass sie wüssten, wer denn dann stattdessen die Arbeit macht, ohne dass sie eine Alternative vorschlagen: Es ist abschreckend anmaßend, die Entlassung von jemandem zu fordern, dessen Arbeit man in den meisten Fällen nur 180 Minuten pro Monat begutachten kann und dann sogar nur in jenen Momenten seiner Arbeit, in denen er am wenigsten regulierend eingreifen kann. Was er unter der Woche mit seinen Schützlingen übt, einstudiert oder bespricht, kann man in diesen 180 Minuten doch nicht einschätzen.

Pfeifen.

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Trainer lügen nicht

Sollten — in Anbetracht des untigen Beitrags — jemals Zweifel daran aufgekommen sein, gibt es hier die ultimative Antwort auf diesen scheußlichen Verdacht:

Tun sie nicht.

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Hello Adoleszenz

Manuel Neuer wird gerade erwachsen. Sowohl auf dem Platz als auch daneben. Es macht Spaß, zuzusehen, es sich zu merken und sich später zu erinnern, wie dieser junge, fast noch Junge, Mann sich durch all diese Phasen quälen musste, um so stabil zu werden, wie er es dann lange Jahre war.

So wie eben Christian Vander, Pascal Patrick Borel oder Volkan Ünal Ünlü es auch taten.

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Mario Basler Gómez

„Jetzt hilft nur noch Saufen.“

Bleibt die Frage, wem es hilft. Den deutschen Brauereien? Den Apothekern in der Nähe der Spielerwohnungen?

Wenn wir im Jahr 2007 schon Psychologen in jedem Team ums Team haben, sollten wir nicht darauf verzichten, uns im Notfall mit Lattekscher Brechstangenpsychologie für Arme zu behelfen. Es sollte nur sicher gestellt sein, dass sie auch wirklich so viel saufen, dass sie sich an den Anfang der Saison nicht mehr erinnern.

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