Category Archives: Neues von der Diktatur

Alles, wozu die Fußball liebende FIFA jemanden zwingt

WM-Schnellgericht

Was vielleicht Assoziationen zu einem Hamburger oder einer Pizza aus der handelsüblichen nahegelegenen Pizzeria hervorruft, hat tatsächlich einen böseren Hintergrund. Der Flitzer, der beim Halbfinale Deutschland gegen Spanien aufs Spiel flitzte, anständigerweise angezogen und ohne wackelnden Pimmel übers Feld laufend, von einem Rollstuhlfahrerplatz aus, muss sich nun vor einem solchen wie im Titel genannt verantworten.

Richtig gelesen:

Ein WM-Schnellgericht.

Es verwundert kaum, dass ausgerechnet eine Veranstaltung der FIFA die Wieder-Einführung von Begriffen und Institutionen nötig macht, die man eigentlich nur aus Kriegszeiten kennt. Ein Schnellgericht, das möglichst schnell aburteilen soll, kann und darf, ist wohl nicht das, wofür Nelson Mandela 27 Jahre lang auf Robben Island, bei dessen Besuch Sepp Blatter noch die Tränen kamen, im Gefängnis saß und danach trotzdem noch seine Nation in irgendwie sowas wie Freiheit (so lange die FIFA noch nicht da war) geführt hat.

Ein WM-Schnellgericht für den Herrn Flitzer. Wohl bekomm’s.

Puskás-Preis eingeführt und gleich auch mal vergeben

Neuerdings gibt es von der FIFA die Verleihung des „Puskás-Preises“, welcher nichts anderes als die internationale Entsprechung zum deutschen „Tor des Jahres“ ist. Da auch schon die Wahl zu Europas Fußballer des Jahres nicht von der FIFA selbst durchgeführt wird (sondern von France Football) und weil man weiterhin nicht die nationalen Fußballer des Jahres auswählen und prämieren darf, muss man sich ganz im Geiste des Alfredo Pöge („Für Sie immer noch Doktor Alfredo Pöge!“) seine eigenen Wahlen und Auszeichnungen schaffen, auf dass man immer mal wieder irgendwo erwähnt wird und die Welt sich erinnert, dass man wichtig ist.

Das schönste Tor des Jahres wählt die FIFA nun also ebenfalls, als hätte es noch eines goldenen Schuhs und eines weißen Bergtrikots für den jüngsten Neustar unter den Linksfüßern sowie dem dazugehörigen schlecht gestylten Joghurtbecher (man schaue sich dieses Ungetüm an „Trophäe“ nur bei guter Magenlage an) bedurft.

Interessant sind dabei die von den auf dem Planeten Jupiter sitzenden FIFA-Oberen herübertelegrafierten einschränkenden Kriterien für diese Wahl. So liest man unter Punkt 3 bei den Einschränkungen, welche Tore nicht zur Wahl stehen dürfen:

3) […] dass es sich bei dem Tor weder um einen Glückstreffer noch um die unmittelbare Folge eines Missgeschicks seitens des gegnerischen Teams handelte

Gewonnen hat diesen Puskas-Preis dann allerdings ein Weitschuss-Tor von Cristiano Ronaldo aus über 30m.

Natürlich glauben wir gerne, dass das kein Glückstreffer war, wenn er den selben Weitschuss von genau der selben Stelle bitte — sagen wir, weil er es ist — 10x exakt so reproduziere. Und natürlich war es auch kein Missgeschick, dass der gegnerische Torwart den Ball nicht parierte. Er hatte ja nur 30m Flugbahn lang Zeit, unten auf dem Boden in die Richtung der nötigen Position zu laufen, um den Ball mit einem kleinen Hüpfer über die Latte zu lenken, statt, wie er es tat, sich spektakulär durch die Luft zu werfen, dabei aber den Ball zu verfehlen.

Einen seltsamen Sinn für Humor haben sie, diese Jupiteraner.

Neues vom Fön: Lost his marbles?

Ah, herrlich. Endlich spricht mal einer dem (hier: im Wortsinne) Fußvolk aus der kochenden Seele. Wer’s noch nicht gelesen hat, kann ja mal raten, auf wen Fergusons folgende Worte gemünzt sind, wobei die Auswahl da nicht allzu groß ist.

„Ich weiß nicht, ob er vielleicht zu alt ist. Aber er hat in der Vergangenheit so viele lächerliche Kommentare abgegeben, dass er ernsthaft Gefahr läuft, seine Glaubwürdigkeit und Seriösität zu verlieren.“

Ja, so schwer ist das ja nicht. Wer ist alt, redet wirres Zeug und könnte dem Sir im Besonderen Anlass gegeben haben, etwas zornig auf ihn zu werden?

Natürlich sind wir alle mit Ferguson einer Meinung, schließlich ist der Adressat nachweislich zu alt zum Autofahren. Und das mit dem Blödsinn, da wissen wir gar nicht so genau, ob das jemals besser war, auch in jüngeren Jahren.

Und dass Ferguson a) selbst nicht viel jünger ist und b) sehr spezielle eigene Interessen hat, die sich von denen des übrigen Fußvolks unterscheiden, hat ausnahmsweise mit den Beweggründen für seine Aussage nichts zu tun. Jedenfalls nicht in dem Moment, in dem wir tief drinnen dieses Touché genießen.

Das schönste Tor aller Zeiten

Welches das war, will die FIFA auf ihrer Seite wissen. Und da es für „im Auge des Betrachters“ nun mal keine harten Kriterien gibt, kann man da wunderbar und stundenlang drüber sinnieren und doch zu keiner verbindlichen Entscheidung kommen. Sehr einfach zu erlangender Content. Ich frage jetzt nicht, welches Tor das schönste aller Zeiten war, denn ein humoriger User namens bembelboy hat die Antwort, der man nicht widersprechen kann, schon gegeben. Nicht Maradona, nicht Helmut Rahn, nicht Zinedine Zidane oder gar Oliver Bierhoff, sondern … lest selbst:

Ohne mich selbst großartig loben zu wollen bin ich der Meinung, dass mein Freistoß im Training des FC Ober-Roßbach im Jahr 1999 einer der schönsten Treffer überhaupt war. Der Ball schlug dermaßen im Winkel ein…das gab es seitdem nie wieder. Außerdem war es auch mein einziger Freistoßtreffer.

Rekordhalter Luxemburg

Nein, nicht das, was einem sofort in den Kopf schießt: meiste Niederlagen in Folge, meiste Spiele ohne eigenes Tor in Folge, höchste Niederlagen, längste Niederlagen, peinlichste Niederlagen, schmerzhafteste Niederlagen oder einfach nur Niederlagen.

Es ist wirklich ein positiver Rekord, den Luxemburg im Weltfußball hält: Luxemburg ist — zusammen mit Portugal und Irland — im Besitz des Rekordes für Teilnahmen an der WM-Qualifikation: 18 Mal nahm Luxemburg seit 1934 (1930 gab es keine Qualifikation) an der WM-Qualifikation teil, inklusive der noch kommenden für 2010.

Gleich inbegriffen ist natürlich der Rekord der häufigsten Versuche, sich zu qualifizieren, ohne es zu schaffen, aber davon spricht die FIFA-Seite mit den Zahlen zur WM-Quali nicht. Eher schon von den lediglich zwei Niederlagen, die Deutschland in seinen 64 WM-Qualispielen erlitt. Eine davon war das 0:1 zu Hause gegen Portugal noch unter dem Dummschwätzer.

Welche aber war die zweite? Auf Anhieb fällt sie mir nicht ein, weiß es jemand, ohne zu googlen? Wenn ja, dann wäre ich beeindruckt und würde diesem weisen, großen Meister meine Ehrerbietung zukommen lassen (natürlich nur virtuell).

Nolookpass wusste die Antwort schon, bevor ich gefragt hatte.

Niederlande und Belgien als WM-Ausrichter 2018

Nee, klar. Da versucht wieder jemand die Qualifikation durch die Hintertür, der es sportlich auf lange Sicht nicht mehr schaffen wird. Nicht dass wir dann wieder von einer Initiative lesen müssen, die kurz vor Beginn einen freiwiligen Verzicht Belgiens fordert …

China will sich übrigens auch bewerben. Das wäre dann wohl das erste Mal, dass ein Gastgeber in der Vorrunde ausscheidet, wenn sich bis dahin nicht ein bisschen was tut im chinesischen Fußball. Allerdings könnte man da ja den einen oder anderen Plan von ganz oben entwickeln, der ganze Horden von jungen Männern ihre komplette Jugend lang nur Fußball trainieren lässt. Zeit wäre ja noch genug.

Ich sag aber trotzdem: diese Einzelkinder werden nie so gut spielen wie Kinder, die schon in ganz jungen Jahren selbst zum Spielball ihrer älteren Geschwister wurden und wissen, wie es ist, wenn man durch die Gegend gekickt wird.

Mexiko ist laut SPON auch wieder in der Kandidatenriege, und drei Mal ist schließlich mexikanisches Recht. Man könnte die WM dann allerdings doch besser in den USA austragen, da wäre die Infrastruktur entwickelter, die Sicherheit größer und die Zuschauer trotzdem mexikanisch.

Australien hingegen wäre tatsächlich reizvoll, dieser Kontinent hat den Fußball ja gerade bei der WM 2006 und auch schon der Qualifikation dazu für sich entdeckt. Schade nur, dass Australien kärgliche 18.000.000, China hingegen 1.300.000.000 Einwohner hat, die es fürs Säckel der FIFA „for the good of the game“ zu akquirieren gilt.

So ist wohl jetzt schon klar, wo der Pfeffer respektive das Heu wachsen wird.

And the winner is …

Brasilien.

Brasilien wird die WM 2014 austragen. Dafür bedurfte es nicht einmal eines Martin „Ich tat es für mein Land“ Sonneborn, der Briefumschläge (oder waren es Präsentkörbe, wohl nicht, die passen ja nicht durch Türschlitze) unter Türen hindurchschob. Kein Wunder, wenn es keinen Gegenkandidaten gibt.

Gegenargumente gibt es allerdings schon: Korruption, Kriminalität, hungernde Bevölkerung. Ach, das gilt auch für Südafrika? Na dann.

Getz ma wieder Aktionismus

Bei SPON lesen wir in den ansonsten nicht sehr weit reichenden Kurzpässen:

Beginnend mit dem Endspiel der U21-Europameisterschaft morgen, werden künftig alle Partien sofort abgebrochen, wenn Fans die Spieler mit rassistischen Gesängen beleidigen. Das teilte die Uefa heute mit.

Ich bin gespannt, wie lange das durchgehalten wird, wenn es nicht mehr ein im Endeffekt wirklich nur für die UEFA bedeutendes Turnier ist, sondern wenn es auch um reguläre Profiligaspiele geht.

Theoretisch müsste man dann 98% aller (Profi-)Spiele abbrechen, deshalb halte ich es für unwahrscheinlich, dass diese Regelung durchgehalten werden kann. Nette Idee, wird aber wieder nicht umgesetzt werden. So wie so viele andere Regeln, die zwar irgendwann mit großem Getöse eingeführt, dann aber selten auch nach dem Turnier, bei dem sie eingeführt wurden, konsequent angewendet wurden [1]: eine Minute Nachspielzeit pro Einwechslung und Tor, Rot für Grätschen von hinten, verletzte Spieler werden außerhalb des Spielfeldes behandelt, die Liste scheint fast endlos zu sein. Aber Konsequenz — ach, wo wären wir, wenn man Regeln konsequent umsetzte? Jedenfalls nicht auf dem Planeten Fußball.

[1] Natürlich darf man hier nicht UEFAs mit FIFAs vergleichen. Der UEFA traue ich da durchaus noch mehr Konsequenz zu. Sicher bin ich mir aber nicht.

Der Spion, der aus der Kälte kam (Der Dummschwätzer (XIX))

Von Dschordsch Doppel-W Busch denkt ja alle Welt, dass er doof wäre. Ob er es ist, weiß ich nicht. Und ein paar gesammelte Versprecher, Verleser oder Anekdoten gibt es doch über jeden, dessen Job es nun mal ist, alle Nase lang eine Rede zu halten. Zugegeben, über Schröder (obwohl auch er kein guter Redner war) oder Merkel gibt es bei Weitem nicht so viele Anekdoten und Stilblüten wie z. B. von Edmund „Schroiber“ [1] oder über eben jenen Dschordsch Doppel-W Busch. Irgendwie muss also schon etwas dran sein an den eher gering ausgeprägten rhetorischen Fähigkeiten des Sohnes von Busch sr. Gleichzeitig ist er aber berüchtigt dafür, äußerst gut mit dem Telefon umgehen zu können. Nein, wir sprechen jetzt nicht davon, die richtigen Tasten zu drücken und es anschließen zu können.

Busch jr. macht — angeblich — seine Politik mit dem Telefon. Steht jemand seinen Vorstellungen, seiner Politik im Wege, laufen seine Telefonkabel heiß und er bearbeitet den jeweiligen Kontrahenten so lange am Telefon, bis er die gewünschten Ergebnisse erzielt hat. Dass Busch selbst auch mal etwas mit Sport zu tun hatte, ist in den letzten Jahren vielleicht etwas untergegangen. Als berufsmäßiger Alkoholiker, der die ersten 40 Jahre seines Lebens nur nach Strich und Faden gesoffen hat, hatte er das Glück, aus betuchtem Hause zu stammen und erwarb mit den so zufällig angespülten Millionen einen fünfprozentigen Anteil an den Texas Rangers, einer Baseball-Mannschaft [2] aus, der Leser ahnt es schon, Texas.

Wer denkt, dass in der hiesigen Sportszene keine Drähte zur Politik heiß laufen, der täuscht sich leider. Wir erinnern uns mit einer gehörigen Portion Amüsement, und zu selben Anteilen (hier das Substantiv zu „hanebüchen“ einfügen) an das seltsame Schauspiel, das uns nach der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 präsentiert wurde: Ein arroganter [3] Schröder attackiert im Fernsehen „die Medien“ und posaunt zudem, dass die ebenfalls anwesende Frau Merkel niemals Kanzlerin werden würde, schließlich, das können ja alle sehen, habe die SPD entgegen der Prognosen und entgegen des Wirkens „der Medien“ die Wahl gewonnen. Wie wir inzwischen wissen, kam dann doch alles ganz anders als man (für man hier gleich Schröder) dachte: Merkel ist Kanzlerin und Schröder ist jetzt quasi Schalker, von Berufs wegen.

Dass genau das aber auch anders hätte kommen können, wenn die Strippenzieher des vermeintlichen Strippenziehers (hier: der Dummschwätzer) der Nation etwas erfolgreicher an jenen gezogen hätten, lesen wir dort: Fedor Radman war nämlich damals der Spion, der aus der Kälte kam.

[1] Zitat aus einer RTL-II-Zuschauerbefragung vor der Wahl 2005.

[2] Baseball ist eine Variante von Brennball.

[3] Viele dachten auch: angetrunkener. Inzwischen ahnt man — die Augen stechen so raus — es könnte Captagon gewesen sein.

Schwarze Berge

Die meisten slawischen Wörter geben einem Sprecher einer germanischen Sprache nicht den Hauch einer Chance, zu erahnen, was sie bedeuten könnten.

Nehmen wir das in Montenegro gesprochene serbisch: Was könnte zum Beispiel nogomet bedeuten? Nun, das ist ganz leicht: Fußball natürlich. Sprečavanje bedeutet Behinderung, izabrani sudija ist der Schiedsrichter und ruka, klar, ist die Hand.

Nicht ganz so schwierig stellt sich das beim Wort Montenegro dar. Schließlich kennen wir alle jene Montes, die die Epo-Kuriere herauf- und herabfahren, und Negros kennen wir wohl auch ein paar, wenn wir mal amerikanische Filme geschaut haben oder damals Fan von Eintracht Braunschweig waren.

Diese schwarzen Berge sind seit heute das 208. Mitglied der FIFA. Zur Feier des Tages überreichte Dejan Savicevic in seiner Funktion als Präsident des montenegrinischen Fußballverbands der FIFA die Fahne von Montenegro. Die sieht übrigens so aus und erinnert nur ganz leicht an die Fahne des nebenan liegenden Albanien. Dass die Auswahl der knapp 600.000 Montenegriner aber jemals die Qualifikation für ein FIFA-Turnier überstehen wird, halte ich für ähnlich wahrscheinlich wie das Ausbleiben eines deutschen Sieges gegen San Marino[1]. Überhaupt können mit Montenegros Beitritt nur noch 15,3846 Prozent der FIFA-Mitgliedsländer an einer WM teilnehmen. Vorher waren es mit 15,4589 Prozent deutlich mehr, so dass es sogar Österreich ein paar Mal geschafft hat.

[1] Nach Löw’scher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Endlich 1978

„13 Monate vor der Eröffnung der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz hat die Europäische Fußball-Union (Uefa) 39 als Hooligans bekannte Personen von der Ticketvergabe ausgeschlossen. Nach der Auslosung von 300.000 Eintrittskarten in der ersten Verkaufsphase wurden die Besteller identifiziert, die in ihrem Land mit einem Stadionverbot belegt sind. […] Der Ausschluss wurde möglich, weil die Ticketabteilung der Euro 2008 die Personaldaten aller Bestellungen mit einer so genannten „schwarzen Liste“ verglich. Diese enthält die Namen jener Personen, die von den Landesverbänden mit einem Stadionverbot belegt worden sind. […]“

Unglaublich, welche Techniken bei der UEFA inzwischen angewendet werden. Man schaut tatsächlich nach, ob einer der Bestellenden vielleicht ein landesweites Stadionverbot in seiner Heimat hat. Ich denke, die moderne Technik wird uns in Zukunft noch weitergehende Maßnahmen ermöglichen. Was da alles möglich ist, das wagt man jetzt noch gar nicht zu denken! Man könnte STRG+F bei geöffneter Excel-Tabelle drücken und Namen aus dieser schwarzen Liste eingeben. In Zukunft werden vielleicht sogar die Rückennummern nicht mehr pro Spiel, sondern pro Saison vergeben.

WM 2014 in Panama oder Honduras

Ist Panama nicht ein bißchen klein? Doch. Sollte aber Brasilien als bislang und voraussichtlich auch bis Ende einziger Bewerber die Anforderungen für die Ausrichtung einer WM nicht erfüllen, dann:

„Wir haben gesagt, dass die WM 2014 in Südamerika stattfinden wird. Aber wenn es dort keinen geeigneten Kandidaten gibt, dann würden wir logischerweise nach Norden ziehen.“

So wird Joseph Sepp Blatter zitiert. Das bedeutet, auch El Salvador und Honduras können sich berechtigte Hoffnungen machen, im Rennen bei der Vergabe der WM-Ausrichtung dabei zu sein. Guatemala hat schon abgewunken, zu gering ist die Fußballbegeisterung in diesem Land, man könne der Bevölkerung diese Ausgaben nicht plausibel erklären. Costa Rica wird als zu groß empfunden, die weiten Entfernungen zwischen den einzelnen Spielstätten würden das Erleben des Turniers vor Ort sehr unattraktiv machen. So hoffe ich, dass es schließlich Honduras sein wird. Die wurden schließlich schon bei der WM 1982 im letzten Gruppenspiel etwas unsanft aus dem Turnier gekegelt. Toll, dass der Blatter Joseph so etwas nicht vergißt.

Als ob Verlust was mit Lust zu tun hätte

Da waren’s nur noch zwei…

Alle abschaffen

Letztens wollte der Sepper Blatt noch die Tore größer machen im Fußball. Wäre natürlich ein bißchen teuer geworden, alle Fußballtore der Welt zu erneuern. Die Fußballtorproduzentenbranche hätte sich zwar gefreut, die Freistoßexperten ebenfalls, die Torhüter weniger. Die Zuschauer, vor allem jene, die das Spiel nicht verstehen, hätten sich auch sehr gefreut. Es würden tatsächlich mehr Tore fallen. Wie ich las, die Quelle aber nicht mehr findend, sind seit der Festlegung der Regeln Ende des vorletzten Jahrhunderts die Menschen im Schnitt zehn Zentimeter größer geworden.

Da ist es natürlich schwieriger, Tore zu erzielen, wenn man nicht mehr gegen einen Torhüter mexikanischer Prägung treffen muss, sondern plötzlich Leute vor sich hat wie Stefan Brasas oder Edwin van der Sar, die die Zwei-Meter-Grenze locker überschreiten. Nichtsdestotrotz fallen noch Tore (außer in Frankreich) und es gibt sogar noch Kantersiege. Die Größe des Tores ist tatsächlich nur bei Situationen wie Freistößen oder Eins-zu-Eins-Situationen von herausragender Relevanz. Bei einem herausgespielten Tor, wie man sie zugegebenermaßen in der Bundesliga selten erlebt, spielt die Größe des Tores eine untergeordnete Rolle. Ist der finale Schütze erst ausreichend freigespielt, ist gar der Torwart mittels dieser Kombination ausgeschaltet, ist es fast völlig irrelevant, wie groß das Tor ist — so lange man nicht Frank Mill heißt.

Deshalb, weil der Kern des Fußballspiels das Spielen ist, dürfen wir dankbar sein, dass dieser Vorschlag nicht umgesetzt wurde. Für ein paar Distanzschusstore mehr sollten wir nicht die Fußballtore auf dem ganzen Planeten (sofern die Erde noch einer ist, ich bin da nicht auf dem neuesten Stand) austauschen. Das so gesparte Geld könnten wir zum Beispiel zur Bezahlung eines zweiten Schiedsrichters verwenden, der dann in der anderen Hälfte steht und das Spiel überwacht und zudem zwei Augen mehr hat als nur ein Schiedsrichter. Wie auch immer, die Idee mit den größeren Toren war eine gute Maßnahme des Blatters Sepp, um mal wieder durch die Gazetten zu geistern. Allerdings war sie auch das, was man gemeinhin als „Schnapsidee“ bezeichnet. Nicht nur ist sie undurchführbar, sie würde auch dem Spiel außer jenen genannten Weitschusstoren keine neuen Impulse geben.

Weil er aber damit nicht gut leben kann, wenn seine Vorschläge nicht umgesetzt werden, hat der Sepper Blatt sich etwas Neues ausgedacht. Das Elfmeterschießen soll abgeschafft werden. Grundsätzlich vielleicht keine schlechte Idee. Wir fiebern zwar alle mit, in Spielen mit Mannschaften, an denen uns nichts liegt, freuen wir uns sogar aufs Elfmeterschießen. Tief drinnen wissen wir aber, dass das Elfmeterschießen eine ziemlich seltsame, dem eigentlichen Spiel unverwandte Art ist, ein Spiel zu entscheiden. Insofern kann man da durchaus drüber nachdenken. Zumal die beiden WM-Finale, die durch Elfmeterschießen entschieden wurden, die wohl schlechtesten seit dem Krieg waren.

Nun gehen die Alternativvorschläge allerdings so weit, dass man sukzessive die Zahl der auf dem Feld befindlichen Spieler reduziert, bis eine Entscheidung in Form eines Torerfolgs getroffen ist. Das ist blanker Unsinn. Jeder, der schon mal selbst auf einem Fußballfeld stand, wird wissen, dass sich mit abnehmender Spielerzahl das Spiel zu einem Non-Spiel in Form von Kick and Rush entwickelt. Wo nur noch 8 Feldspieler ein Feld beackern müssen, das auf zehn Spieler ausgelegt ist, verschwindet das Mittelfeld. Je nach Konstitution der Spieler verschwindet vielleicht auch der Sturm. Es wird aber nicht wahrscheinlicher, ein Tor zu erzielen, es wird eher unwahrscheinlicher, dass sich eine Mannschaft noch aus ihrer Konserve wagt. Die Zuschauer werden gequält mit einer Form des Spiels, die mit eigentlichem Fußball mit elf Spielern nichts mehr zu tun hat. Wenn man eine Ablösung des Elfmeterschießens forciert, sollte man auch mit praktikablen Vorschlägen aufwarten können.

Ein neues Kapitel also aus dem Buche „Wie der Sepper Blatt in die Medien gelangt“. Irgendwann nur noch sechs Feldspieler auf dem Feld: hanebüchen.

Wer Gott spielt, spielt mit dem Feuer der FIFA

Wie der Guardian berichtet, waren als Ersatz-Ausrichter der WM 1986, die dem eigentlich vorgesehen Ausrichter Kolumbien entzogen wurde, vier Länder im Gespräch: Brasilien, Kanada (!), Mexiko und die USA. Da die USA auch 1986 schon über die nötige Infrastruktur in Bezug auf Stadien verfügten, muss es einen anderen Grund dafür geben, warum Mexiko zum zweiten Mal nach 1970 eine WM ausrichten durfte und nicht das damals, zum Zeitpunkt der Entscheidung, immerhin noch mit einer Liga mit Pelé und Franz Beckenbauer ausgerüstete Land der unbegrenzten Möglichkeiten:

„But the real reason was that they wanted to teach US football a lesson. In 1981, Fifa had threatened to outlaw the NASL and suspend the US Federation because the NASL had changed the offside line from halfway to 35 yards out and used a shoot-out to decide drawn matches. The NASL refused to back down – and even threatened legal action against Fifa. But what comes around goes around, and two years later Fifa got its revenge by rejecting Kissinger’s bid.“

Typisch USA, oder? Was nicht passt, wird passend gemacht. Einfach die Abseitslinie ein bißchen nach hinten verlegen, damit mehr Tore fallen. Pah, wie billig. Obwohl ich dem Gebaren der FIFA, und zu jenen Zeiten musste man da durchaus noch kritischer sein als heute, grundsätzlich nicht geneigt bin, bin ich hier ausnahmsweise einer Meinung mit den alten Säcken der FIFA. Einfach selbstherrlich die Regeln ändern, die nur das FIFA Board ändern darf. So geht es nicht, meine Yankees.

Acht Jahre später war diese Blasphemie aber schon wieder vergeben. So schnell vergißt der geldgeile Expansionswille.

Der Einlauf der Kandidaten

Angeblich möchte England die Weltmeisterschaft 2018 ausrichten. Australien möchte das ebenfalls. Da ich nicht annehme, in Kürze auszuwandern, wären mir WM-Spiele, die abends im Fernsehen übertragen würden, lieber als WM-Spiele, die schon am Vormittag gezeigt werden.