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Autor: Trainer Baade

Der General macht eben keinen unmenschlichen Druck

Wenn man die beiden Wörter „unmenschlich“ und „Druck“ in einer Kombination liest, weiß man schon seit geraumer Zeit automatisch, um wen es geht. Oliver Kahn natürlich, der auch als Experte im Prinzip nur diese eine Platte kennt. Doch zu Oliver Kahn mehr weiter unten. Zunächst ein Blick auf einen seiner langjährigen Vereinstrainer.

Den „General“ Ottmar Hitzfeld.

Die Wikipedia schreibt, dass man Ottmar Hitzfeld den Beinamen General „wegen seiner sachlichen Art“ verpasst habe. Moment mal: Ein General sollte zwar sicher kühlen Kopfes abwägen, keineswegs zu viel riskieren und immer mit klarem Verstand handeln. Aber sollte er in seinem Auftreten besonders „sachlich“ sein? Ein General, der auf seine Truppe wie ein Orthopäde oder ein Landschaftsgärtner wirkt(, um nicht immer die armen Buchhalter mit diesem Etikett zu strapazieren)? Würde man von einem General nicht eher Eigenschaften wie Entschlossenheit, Zähigkeit, Durchsetzungsvermögen und nicht zuletzt Härte gegen die Umwelt, vor allem die feindliche, sowie seine Untergebenen erwarten?

Härte gegen Untergebene ist allerdings sicher nicht das, was man dem verbindlichen Hitzfeld zuschreiben kann. So berichtet Stefan Wessels im Interview mit 11Freunde:

Stimmt es eigentlich, dass Ottmar Hitzfeld seine Nummer Eins nie kritisiert hat?

Nur sehr selten. Das kann man natürlich kritisch sehen, aber die Menschenführung zeichnete diesen Trainer immer aus. Oli hatte seinen unantastbaren Status, auch innerhalb der Mannschaft. Falls ihm Fehler unterliefen, wurde in den ganzheitlichen Mannschaftssitzungen nie darüber gesprochen. Das hat Hitzfeld sicherlich berechnet, aber die groben Patzer blieben ja eigentlich auch immer aus.

Denkbar wäre es wohl eher, dass man Ottmar Hitzfeld einen „General“ nannte, weil es da diesen Otto Hitzfeld gab, der General der Infanterie im Zweiten Weltkrieg war und noch dazu aus Schluchsee stammte, also unweit von Ottmar Hitzfelds Heimat Lörrach aufwuchs und sicher dort kein Unbekannter war. Doch dazu ist nichts Genaueres bekannt. Figuren aus dem Zweiten Weltkrieg mögen aus begrüßenswerten Gründen heute kaum noch präsent sein, aber damals waren sie es möglicherweise, siehe auch den Spitznamen von Friedhelm Konietzka, der da nach dem russischen General Timoschenko lautete.

Moderne Menschenführung ist es jedenfalls sicher nicht, so wie Ottmar Hitzfeld, jemanden nie zu kritisieren. Auch wenn man das bei einem der weltbesten Torhüter natürlich für sich so entscheiden kann, ohne dass das grundsätzlich falsch sein müsste. Es wirkt aber eben so, wie man Hitzfeld auch sonst kennen gelernt hat, auch jetzt als TV-Experte: nie anecken, keine harten Äußerungen, keine Straightheit, also kurz gesagt: alles andere als wie ein General.

Kommen wir dann zum Rezipienten dieser Nichtbeachtung, zum mehrfachen Welttorhüter (der IFFHS) Oliver Kahn. Der ständig diesen unmenschlichen und so weiter spürte. Eins wird jetzt jedenfalls klar: Vom Trainer kann er ihn nicht gespürt haben. Im Gegenteil wurde er von diesem fast nie (!) kritisiert. Was für eine unglaubliche Vogelfreiheit er genossen haben muss. Und wie wenig sich Hitzfeld wahrscheinlich überhaupt mit dem Torwartspiel beschäftigt haben wird, wenn er dessen Wirken nie bemängelte. Man kann sich vorstellen, dass es einem auch im negativen Sinne leicht zu Kopf steigt, wenn man ständig als Welttorhüter geehrt, aber nie kritisiert wird, nicht mal vom eigenen Vereinstrainer. Ein Schlaraffenland, welches aber zu Megalomanie verführt, wie dann ja auch mehr oder weniger geschehen.

Während diese Sprach- und Kritiklosigkeit Hitzfelds uns wieder zur Frage bringt, wo eigentlich überhaupt der Druck in solchen Situationen herkommt: Von innen oder von außen? Wie hier gerne zitiert, kannte Wolfgang Kleff als Torwart keinen Druck, sondern sah sich als Helfer in der Not. Wenn der Vordermann einen Fehler gemacht hatte, konnte er als Torwart ihn wieder ausbügeln, so seine Einstellung. Und man denke über all die anderen Torhüter nach, die mit Freude, mit Respekt oder mit Angriffslust ihrem Job nachgehen, aber nie von dem unmenschlichen und so weiter sprechen, weil er für sie nicht in dieser extremen Form existiert.

Ob Hitzfeld, der vielleicht kein General, aber sicher kein schlechter Menschenkenner ist, ahnte, dass man dem ohnehin schon innerlich unter unmenschlichem Druck leidenden Torhüter nicht noch ein Pfefferminzplättchen mehr Druck hätte auferlegen dürfen, ohne dass er geplatzt wäre?

Merkwürdig jedenfalls, dass jemand, der — auch wenn es nur ein gut gepflegtes Image gewesen sein mag, welches als Torhüter nach außen schließlich nicht schaden kann — Härte gegen sich im Training, Härte im Zweikampf mit dem Gegner und Härte gegen eigentlich alles, was so kreucht und fleucht in der Welt, als sein Credo propagierte, vom Trainer mit Samthandschuhen angefasst werden musste. Zur Erklärung dieser fiesen Entrücktheit, die Kahn in vielen Phasen ausstrahlte, trägt es jedenfalls ein Scherflein bei.

Zu einem Bild davon, wie es in einer Kabine unter Hitzfeld zugeht, aber auch. Ob Ottmar Hitzfeld sich auch nicht an Matthias Sammer als seinen Spieler gewagt hat?

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Mailand oder Bremen: Hauptsache England — Aufstellung der „Welt-Auswahl“ bei Uwe Seelers Abschiedsspiel

Allles hat ein Ende, und so weiter. Also auch die Karriere von Uwe Seeler, der am 1. Mai 1972 sein Abschiedsspiel im Volksparkstadion gab und dazu Gegner und Wegbegleiter aus der Zeit seiner langen Karriere einlud.

Für die „Welt-Auswahl“, welche dann leider doch nur eine Europa-Auswahl wurde, traten an jenem Nachmittag an und waren mit 7:3 siegreich:

Banks (Stoke City)
Maier (München)
Gemmel (Nottingham)
Schnellinger (AC Mailand)
Beckenbauer (München)
Moore (England)
Rivera (Mailand)
Bene (Ujpest Dozsa)
Charlton (Manchester)
Müller (München)
Hurst (West Ham)
Best (Manchester)
Meszöly (Budapest)
Höttges (Bremen)
Eusebio (Lissabon)
Dzajic (Belgrad)

Herkunftbezeichnungen so wie vom Fernsehen eingeblendet.

Hier das Plakat fürs Abschiedsspiel, welches offensichtlich unter dem Titel „Tschüß Uwe“ ausgetragen wurde. Helmut Schön verabschiedete Seeler ebenfalls in einem, darf man sagen, nicht gerade leeren Volksparkstadion.

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Nutzlosigkeit nutzen

Während überall die Saisonvorschauen aus den Steckdosen sprießen, wird es hier ebenfalls Zeit, noch schnell eine wichtige Prognose abzugeben. Denn so wie man hier stets komplett falsch lag in den letzten Monaten, wäre es wichtig, mit einer ähnlich falschen Prognose die Dinge für die Zukunft in die richtigen Bahnen zu lenken.

Weder bedeutete die Verpflichtung von Peter Neururer den Abstieg des VfL Bochum aus der 2. Bundesliga, ganz im Gegenteil, 4 Siege aus 4 Spielen elektrisierten eine ganze Stadt, noch scheint der Wiederaufstieg des VfL Bochum unter diesen Verhältnissen ein Ding der Unmöglichkeit.

Weder gelang es Marc-André ter Stegen auch nur entfernt in die Nähe von Leistungen zu gelangen, die eine Ablösung von Manuel Neuer im Tor der Nationalmannschaft gerechtfertigt hätten, noch nähert sich Bastian Schweinsteiger in den letzten ein, zwei Jahren der Zahl von 151 Länderspielen entscheidend an.

Prognosen neigen dazu falsch zu sein, besonders, wenn man sie für die Zukunft trifft, sind sie oft nutzlos.

Wenn aber so gar nichts eintrifft, was hier rumgemeint und behauptet wird, darf man a) sich auch nicht mehr über andere falschen Vorhersager erheben und muss b) seiner Pflicht nachkommen, auch für die kommende Saison wieder falsche Voraussagen zu tätigen. Also dann:

Der FC Bayern München wird eine genauso überragende Saison wie im letzten Jahr spielen und mit weitem Abstand vor allen anderen Teams frühzeitig Deutscher Meister werden.

Außerdem im Angebot: Am Ende der Saison wird Jogi Löw das Halbfinale der WM in Brasilien vercoachen und Deutschland wie immer gegen Spanien oder Italien den Kürzeren ziehen.

So, dann strafe man mich bitte Lügen.

Damit wäre der einfache Teil erledigt. Für präzisere falsche Voraussagen bitte an die einzelnen Vereinsblogs wenden, oder an die Experten aus der Fachpresse.

Ach, einen hätten wir noch: Die Champions League wird in dieser Saison von einem der großen Vereine gewonnen werden. Für diese Aussage könnte das Falschliegen in der Realität etwas schwieriger zu bewerkstelligen sein, doch auch dabei sollte man ganz auf die verheerende Wirkung von Prognosen in diesem Blog vertrauen.

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Zurück vom DerSamstag!—Sommerfest

Am Wochenende herrschte hier ein bisschen Ruhe, denn ich war auf ein Sommerfest eingeladen, kurz vor der polnischen Grenze. Da ich mit der Draisine anreiste, musste ich früher los als sonst. Auf dem Sommerfest erwartete mich eine ganz spezielle Aktivität, die man so von einem Fußballtrainer nicht unbedingt erwartet hätte.

Ein Lama-Rennen auf dem Sommerfest von DerSamstag!.

Ein außergewöhnlicher Ablauf, der bei einer außergewöhnlichen Zeitschrift, wie es DerSamstag! nun mal ist, nicht anders zu erwarten war.

Aber lest die Geschichte von 23, Maradona und den Lamas selbst …

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Design des neuen WM-Balls 2014 steht fest

Oder auch nicht? Eine einzige Meldung findet sich im deutschsprachigen Netz zu diesem Thema.

Wieder einer dieser beliebten Fakes?

Dass der WM-Ball 2014 „brazuca“ heißt, was für brasilianische Lebensfreude stehen soll, ist schon länger bekannt. Das Geheimnis um das Design soll allerdings eigentlich erst am 6. Dezember bei der Gruppenauslosung zur WM 2014 gelüftet werden.

Dieser Beitrag im „Express“ weiß aber angeblich schon, wie der WM-Ball 2014 aussieht. Und wenn man hier auch gerne spottet — da fehlen doch die Worte. Was wäre das für eine Katastrophe in schwarz-grün-rot-gemischt? Kann nur ein Fake sein, mit solch einem Design würde der prominente Ballhersteller doch nicht ins Rennen um Käufer auf dem Weltmarkt gehen wollen — wenn die Farben Brasiliens ganz andere Vermittlung von Lebendigkeit und Leichtigkeit ermöglichten. Liegt ja immer im Auge des Betrachters, aber dieses Etwas läge schon sehr schwer im Auge des Betrachters.

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Wunschfilm am Donnerstag

Angenommen, Sie hätten die Wahl, entweder die Partie Cottbus-Paderborn oder Estland-Irland im TV zu schauen – wofür würden Sie sich entscheiden?

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Es waren viele Sachverhalte im Spiel

„Emotionen“, schön und gut. Welche Emotion genau, bitte?

Ein Spiel war „emotional“, spricht man gerne im Fußballdeutsch, aber in welcher Richtung emotional?

Wenn man einen Sachverhalt beschreiben will, wird man sich nicht damit begnügen, ihn als Sachverhalt zu deklarieren.

Man würde schon genauer wissen wollen, was denn nun vorgefallen ist.

Ansonsten wird der Rezipient der Information ja nicht aufgeklärt, er erhält keinen Erkenntnisgewinn.

Sehr grob eingeteilt wird die Existenz dieser Emotionen postuliert:

  • Angst
  • Ärger
  • Freude
  • Trauer

Wenigstens auf eine von den vieren könnte man sich doch festlegen, wenn man über Fußballspiele und die Emotionen, die diese geweckt haben, spricht.

Bemerkenswert auch, dass TV-Sender mit Gefühlen von Angst, Ärger und Trauer Werbung für ihre Produkte bewirken wollen.

Etwas feiner aufgesplittet wird die Existenz der folgenden basalen Emotionen postuliert:

  • Wut
  • Ekel
  • Furcht
  • Verachtung
  • Traurigkeit
  • Fröhlichkeit
  • Überraschung

Dann einfach nur festzustellen, dass ein Fußballspiel „emotional“ war, bedeutet nichts anderes, als dass es tatsächlich Reaktionen bewirkt hat und „nicht langweilig“ war, nicht neutral wahrgenommen wurde. Das ist natürlich für eine Aussage von Beteiligten — Spieler, Trainer, Manager, Zuschauer — äußerst überraschend und leider überhaupt nicht erhellend.

Also bitte, in Zukunft nachhaken: Welche Emotion war’s genau?

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Patente Lösung gefunden

Meistens fragt man sich, wie man auf so ein Mannschaftsfoto drauf kommt, zuletzt Gunnar beim SV Wehen Wiesbaden.

Eine andere Frage ist es, wie man von so einem Mannschaftsfoto wieder runterkommt. Es gäbe da Geschichten aus dem Amateurfußball von nicht bezahlten Mannschaftsbeiträgen zu erzählen.

Im Profifußball werden aber meist die Profis vom Verein bezahlt und nicht umgekehrt. In dem Fall muss man einfach nur Glück haben, dass ein anderer Profi eingekauft wird, der beim Termin fürs Mannschaftsfoto noch nicht anwesend war. Dieser muss aber auch noch irgendwie aufs Bild, was macht man da? Nun, der Express zumindest überklebt einfach einen anderen Spieler, der dann schwupps, nicht mehr auf dem Mannschaftsfoto ist.

Ziel erreicht, so leicht geht das.

(Dank an Dominik.)

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Mit Legenden aufräumen: Maradona gut, aber so gut dann auch wieder nicht

Wer schon länger dabei ist, weiß, dass man hier auch gerne mit Legenden aufräumt. Matthäus entschied nicht das Pokalfinale mit seinem Fehlschuss, Jens Lehmann fuhr nicht mit der Straßenbahn von Leverkusen nach Gelsenkirchen und Horst Hrubesch sagte nicht: „Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank.“

Schön, wenn andere sich auch diesem Entzaubern von Legenden widmen. In diesem Fall ist es der Macher von „Flipflopflyin“, der sich mehrheitlich dem Baseball verschrieben hat, aber immer wieder auch Interesse am Fußball zeigt.

Seine zerhackselte Legende ist jenes ikonographische Foto von Diego Maradona, wie er es während der WM alleine mit sechs Belgiern aufnimmt. Man ahnt es schon: ganz so war es nicht. Wer sich also den treuen Glauben an die Entstehung dieses Fotos bewahren möchte, der klicke nicht auf den folgenden Link.

Alle anderen bitte hier entlang zur Entzauberung eines der bekanntesten Fotos der Fußballhistorie.

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Flasche leer, Wagen voll

M. ist Flaschensammler und Trainer Baade traf ihn in Duisburg am Hauptbahnhof, wo M. in Richtung Mönchengladbach umstieg. Das Gespräch fand während der Saison 2012/2013 statt.

Hallo M., Du bist quasi professioneller Flaschensammler, wie kam es dazu?

Ich kriege seit Jahren Hartz IV und habe eigentlich lange im Osten gelebt. Aber irgendwann hat sich rausgestellt, dass man mit dem Sammeln von Pfandflaschen, wenn man es richtig anstellt, ordentlich was dazu verdienen kann. Dann hab ich das halt erstmal nur so gemacht und irgendwann so weit ausgeweitet, dass ich schon Monate im Voraus weiß, wann ich welche Touren fahre.

Wie lange machst Du das jetzt?

Fast so lange wie es Pfand auf Einwegflaschen gibt, also schon einige Jährchen.

Du sammelst nicht nur in den Zügen, sondern auch vor und nach Profi-Fußballspielen.

Ja, und bei Konzerten und Festivals natürlich, aber bei Fußballspielen hat man meistens den Vorteil, dass man nicht erst mitten in der Nacht Feierabend hat. Außerdem ist der Umsatz an Flaschen bei den Fußballspielen auch verlässlich groß.

Jetzt gerade bist Du auf dem Weg nach Mönchengladbach, wo ein Heimspiel ansteht. Ist das Dein Lieblingsstadion fürs Sammeln?

Nein, lieber sind mir eigentlich die Stadien, die näher an einem Hauptbahnhof dran sind, dann ist man auch schneller wieder weg. Ich gehe ja nicht hin, weil mich das Spiel interessiert oder ich die Atmosphäre so mag, sondern weil ich da meinen Lebensunterhalt verdienen möchte. Aber in Gladbach ist es eben auch immer voll und man weiß, dass man nicht umsonst hingefahren sein wird.

Wie viel erlöst Du an so einem Abend oder Nachmittag und wie läuft das logistisch ab?

Wenn es ein sehr guter Tag ist, können es schon mal 200 Euro sein, aber das ist die Ausnahme, meistens pendelt es sich weit darunter ein. Logistisch ist es oft so, dass wir, also auch die Konkurrenz, schon immer wissen, wo ein Supermarkt ist, der die ganzen Flaschen auch klaglos annimmt. Ein Einkaufswagen gehört natürlich fast immer dazu, wird dann aber vor Ort organisiert. Mit dem kann ich ja auch schlecht stundenlang im RE sitzen, wenn ich anfahre.

Bist Du schon mal blöd angemacht worden oder hattest sonst irgendwelche negativen Erlebnisse?

Nein, noch nie. Weder von Schaffnern noch Ordnern noch Fans. Untereinander gibt es zwar schon mal Kämpfe ums Revier, das geht zwar auch meist etwas härter zur Sache, aber auch nie außerhalb des Rahmens. Aber ansonsten ist es eher so, dass die Leute freundlich sind und mir sogar noch danken, dass ich ihre Pfandflaschen annehme. Na gut, nicht alle, aber es kommt doch vor.

Könntest Du Dir vorstellen, noch mal in einen bürgerlichen Beruf zu wechseln?

Nein, eigentlich nicht. Ich liebe zwar nicht gerade, was ich mache, aber ich könnte nicht sagen, dass mich irgendetwas wirklich stört. Ich komme viel rum, bin fast immer draußen und ich mache damit Geld. Und nicht zu vergessen habe weder Chef noch feste Arbeitszeiten. Allerdings kann ich mir auch nicht vorstellen, mit 60 immer noch zu Rockfestivals zu fahren. Mal sehen, was noch passiert im Leben. Im Moment bin ich jedenfalls zufrieden damit, dass mein Leben so möglich ist. Ich wohne in einer normalen Wohnung mit Fernsehen, Balkon, Anlage. Und ich gönne mir auch ganz bewusst ab und zu Urlaub vom Flaschensammeln.

Ich wünsche gutes Gelingen heute in Gladbach und Danke für die Auskunftsbereitschaft.

Kein Problem, ebenfalls Danke, tschüß.

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Gestatten, CHAN

Gestatten, CHAN. Nein nicht Jackie, aber CHAN. Aus Afrika. Nie gehört? Das ändert sich in diesem Moment gerade.

Ein großes Turnier — aber Mesut Özil, Sami Khedira, Mario Gomez und Miroslav Klose, auch Per Mertesacker und Lukas Podolski dürften nicht mitspielen? Ja, so etwas gibt es. Denn CHAN ist die Abkürzung für die „Afrikanische Nationenmeisterschaft“. Diese wiederum ist nicht der bekannte „Afrika-Cup“, sondern eben die Nationenmeisterschaft.

Gespielt wird alle zwei Jahre, immer in gerade Jahren, um dem Afrika-Cup nicht im Wege zu stehen. Besonderheit beim CHAN: Spielberechtigt sind allein Spieler, die in ihrer eigenen, nationalen Liga beschäftigt sind. Wer im Ausland spielt, darf nicht mittun für sein Land, selbst wenn er in einem anderen afrikanischen Land unter Vertrag steht.

Ein Anachronismus, ein Überbleibsel aus der Zeit, als man das Verlassen des eigenen Landes bei einem Fußballprofi noch als Vaterlandsverrat etikettierte und ihn naserümpfend nicht mehr fürs Nationalteam nominierte? Weit gefehlt, denn eingeführt wurde diese Afrikanische Nationenmeisterschaft erst im Jahr 2009 und steht nach 2011 im Jahr 2014 erst vor ihrer dritten Durchführung.

Da könnte man jetzt lange rätseln, welche Motivation der afrikanische Kontinentalverband hat, ein solches, doch durchaus völlig seriös betriebene Turnier zu etablieren. 16 Teams qualifizieren sich, jeweils ein Land ist Ausrichter, ganz wie es bei einem vollwertigen Turnier eben Usus ist.

Spielen denn fast alle Spieler beim Afrika-Cup im Ausland — so dass man hier all jenen eine Verkaufsbühne bieten möchte, welche noch keinen lukrativen Job in den alten Kolonialmächten in der Tasche haben? Oder ist es wirklich so ein großer Gewinn, die Spielstärken der nationalen Ligen ohne alle Söldner zu ermitteln? Dann wiederum darf aber auch kein in der Liga aktiver Ausländer mit von der Partie sein. Fragen über Fragen zu einem im doppelten Sinne neuen Wettbewerb. Neu eingeführt und gerade frisch entdeckt, die Afrikanische Nationenmeisterschaft namens CHAN.

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