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Kategorie: Äh-ßerungen

„Gut, äh…“ und wer’s gesagt hat

„Aber nicht so toll, wie man es in seiner Erinnerung hat“

Selbst das neben Michael Schumacher größte Kinn der Welt, Ruud van Nistelrooy, hatte eine Kindheit. In dieser schaute er wohl, da er ganz früh (mit 5 Jahren schon im Fußballverein angemeldet) mit dem Fußball anfing, auch Spiele der niederländischen Nationalmannschaft bei diversen Turnieren. Und wurde natürlich, bis auf eine Ausnahme, letztlich immer enttäuscht. Holländer, das weiß man in Deutschland, spielen wirklich sehr, sehr guten Fußball, nur eins können sie nicht: gewinnen.

Die EM 1988 muss natürlich da rausgenommen werden, denn da gewannen sie 14 Jahre nach ihrer schmachvollsten Niederlage („Wir waren die Besten“) im WM-Finale 1974 („War keine Schwalbe“) im selben Stadion dann ihren ersten und einzigen internationalen Titel: Europameister 1988. Wir wollen das nicht schmälern, indem wir darauf hinweisen, dass es 1988 ja auch noch kaum Länder in Europa gab, weil die alles verschlingende Krake Sowjetunion fast jedes Land, welches nicht annähernd groß genug war, ein Vasallenstaat zu sein, sich in ihrer stalinistischen Habgier einverleibte und so auch fußballerisch für relativ reine, mittel- bis westeuropäische Verhältnisse sorgte. Aus dem Ostblock gab es überhaupt nur 8 Starter (Sowjetunion, Polen, CSSR, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, DDR und mit Abstrichen und Einschränkungen Jugoslawien. Albanien, da weiß man nicht, wozu das je zählte und wozu es jetzt noch zählt, aber Hans-Peter-Scholl-Latour Briegel geht gerade nicht ans Telefon, um darauf eine Antwort zu geben.)

Wie dem auch sei, in einer Europameisterschaft von acht (!) qualifizierten Teilnehmern gewannen schließlich also die Niederlande, die man auch gerne fälschlicherweise als Holland bezeichnet, das Turnier und steckten sich den Pokal auf den Kopf, einige Flaschen Sekt hinein und rauchten schließlich abend im Hotel dicke Bong mit dem Ding.

Auch Ruud van Kinn war damals schon geboren und sogar bei Bewusstsein, er war sogar in Gelsenkirchen im Stadion beim Spiel der Niederländer gegen Irland (auch 1988 konnte man anscheinend noch Tickets kaufen, ohne ein Führungszeugnis von Interpol vorlegen zu müssen oder gar, 1988, eine Emailadresse zu besitzen):

Diese EM ist bei uns immer ein großes Thema, jetzt zum 20-jährigen Jubiläum aber natürlich ganz besonders. Ich habe auch gerade wieder 20 Minuten lang eines der Spiele im Fernsehen verfolgt. Es war schön zu anzusehen, aber nicht so toll wie man es in seiner Erinnerung hat. Ich war damals zwölf Jahre alt und habe das Finale im Wohnzimmer meiner Eltern im Fernsehen gesehen. Beim Vorrundenspiel gegen Irland war ich mit meinem Vater sogar im Stadion in Gelsenkirchen. Dieses Erlebnis werde ich niemals vergessen.

Dass man den aktuellen Teams der Niederlande jetzt aber immer wieder aufdrückt, gefälligst Favorit zu sein, ist, seit Cruyffs aktive Zeiten vorbei sind, eher ein Hindernis als Ansporn. Insgesamt gesehen hätten die Niederlande sicher mal einen Weltmeistertitel verdient, nicht aber den von der WM 2010 in Südafrika. Denn: So fintenreich und flächenbeherrschend der niederländische Fußball auch sein mag, zur Zeit. Das Runde muss ins Eckige.

Kurz gesagt: Niederlande: Viertelfinale und dann raus, wie immer. Großes Kinn hin oder her.

Bemerkenswert zu diesem Punkt: Ja, ich bin beim „Jahrhundertspiel von 1970″ auch eingeschlafen. Kein Wunder, dass es Ruud van Gol nicht anders geht, wenn er zum Sehen dieser oder jener ollen Kamellen gezwungen wird.

Die vielen tollen Siege, all die legendären Spiele, in der Erinnerung faszinierend, aber doch bitte niemals den Fehler machen, die Spiele live und über 90 Minten wiederzuschauen. Siehe Titel.

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Die alken Zeiten sind vorbei

Wie der Herr, so’s Gescherr, möchte man Titus Petronius zitieren, wenn man liest, wie sich selbst die Trainer der Bundesliga neuerdings gut benehmen, wenn sie zusammentreffen und doch eigentlich ein bisschen frei haben am Abend und die Kosten sicher auf den DFB gingen. Während Eskapaden bei den Spielern mittlerweile Seltenheitswert haben, abgesehen von ein paar Berliner Rückspiegeln, ist es auch in der Gilde der Leitenden nicht mehr Usus, sich den Hals zuzuschütten, wenn die Kameras aus und die Kollegen nah sind. Das war einem alten Fahrensmann neu:

Jupp Heynckes macht sich auf eine lange Nacht gefasst, als er am Sonntag nach seiner Ankunft in der Stuttgarter Nobelherberge Le Méridien die Hotelbar ansteuert. Am Vorabend der Trainertagung haben sich dort die Kollegen der Bundesliga zum informellen Austausch versammelt – und von früher weiß Heynckes, dass es bei diesen Anlässen gerne feucht-fröhlich wurde. Nun jedoch muss der 64 Jahre alte Trainerveteran von Bayer Leverkusen feststellen, dass er lange nicht mehr dabei gewesen und vom Kaliber eines Udo Lattek (Spitzname: Pils-Udo) niemand übrig geblieben ist. Am nächsten Tag jedenfalls berichtet Henyckes taufrisch davon, dass es mittlerweile „viel gesitteter“ zugehe „als vor 20 oder 25 Jahren“.

Einer hätte den Abend und den Stand noch retten können, doch Mario Basler trainiert nur den Regionalligisten Eintracht Trier — und war somit nicht eingeladen.

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Ich brauch ma eben ne Perlenkette

Oder können sie zum Shoppen?

Das ist natürlich eine der entscheidenden Fragen, die dem potenziellen Lagerkoller entgegenwirken können. Dass die Jungs auch mal ordentlich einkaufen gehen können. Brot und Trank kriegen sie ja schon im Hotel, aber irgendwie muss die wohlfeil verdiente Kohle ja noch an den (südafrikanischen) Mann gebracht werden. Sonst droht die Stimmung zu kippen. Shoppen heißt des Mysteriums Antwort. Shoppen.

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Mem besonders widerspenstiger Art

Bitte nicht wundern, warum hier der Dortmunder Dede auf eine Frage zu des Schalker Trainers Felix Magaths Trainingsweisen antwortet. Es stammt aus einem gemeinsamen Gespräch mit Rafinha, die beide zusammen als „Brasilianer in Deutschland“ interviewt wurden. Und man kann das von Dede Gesagte wahrscheinlich noch 100x ins Netz rausschicken, beim nächsten Interview zu diesem Thema wird wieder die gleiche Frage gestellt werden.

Welt am Sonntag: Magath setzt auf hartes Training und absolute Fitness. Kommen Sie mit seiner Art zurecht?

Dede: Es ist doch ein Vorurteil, dass Brasilianer nicht hart arbeiten könnten. Ich beispielsweise habe schon als Kind gearbeitet, um meine Familie zu ernähren. Ich habe in Supermärkten den Leuten die Einkaufstaschen zum Auto getragen und teilweise sogar in mehreren Jugendmannschaften gleichzeitig gespielt, um etwas Geld zu verdienen.

Als kleiner Nachtrag zu des Afrikaners an und für sich Anthony Yeboahs Aussage, er könne doch kein Lagerfeuer im Wohnzimmer machen, nur weil das die Journalisten so erwarteten.

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Besser die Schnauze halten

In der SZ von heute, rhabarberrhabarber, geht es natürlich auch um die „Kulturhauptstadt 2010″, welche das Ruhrgebiet sein soll. Also Kultur jetzt im Sinne von Hochkultur, nehm ich jedenfalls an. An einer Trinkhalle oder Pommesbude habe ich noch keine Werbung als Veranstaltungsort für das Ruhrdingen 2010 gesehen. Aber vielleicht ist es auch besser so, wenn ich und auch andere, die hier leben, sich mal endlich von der vermeintlichen Identität lösen, die es ja gar nicht gibt, jedenfalls nicht so bemerkenswert anders als woanders, außer vielleicht im Ausdruck. Und genau der geht ja manchmal mit mir durch und wird dann höchstens in Berlin (so die Legende) noch als normale Meinungsäußerung, in Österreich aber schon als Ordnungswidrigkeit und in der Schweiz gar als strafbar empfunden.

Umso schöner (für mich), wenn andere genau das in den Mund nehmen, was hier schon länger tabu sein sollte, und dabei kein Blatt vor den jenen. Denn zum Thema „Ruhrstadt“ und dass die Bildung einer gemeinsamen, einheitlichen Verwaltung des Ruhrgebiets (welches bislang von drei verschiedenen Regierungsbezirken aus geleitet wird) an der hiesigen Kirchturm- und nämlich ganz und gar nicht einem einheitlichen Ruhrgebiet entsprechenden Mentalität scheitert, zitiert die SZ wunderbar und herrlich:

„Seit die CDU/FDP-Landesregierung im Jahr 2005 beschlossen hat (aus dem Ruhrgebiet einen Verwaltungsbezirk zu machen), rangeln die Revierstädte über die Führungsrolle. Als etwa der Essener Oberbürgermeister-Kandidat Franz-Josef Britz (CDU) im Februar 2009 seine Stadt als künftige Zentrale des Ruhrgebiets aufs Schild hob, keilte der Dortmunder CDU-OB-Kandidat Joachim Pohlmann gleich derb zurück: ‚Eine Stadt, die nicht mal einen ordentlichen Fußballverein hat, sollte besser die Schnauze halten.‘

Hach, ich liebe diese nicht existente Mentalität. So, und jetzt weiter mit gesamtdeutsch-adäquaten Beiträgen, denn die sicher stilechte Replik von Birtz ist leider nicht übermittelt.

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Von der Magie der retrograden Amnesie

Man weiß nicht genau, ob es Fluch oder Segen ist, Besitzer eines menschlichen Gehirns zu sein.

Passiert etwas sehr, sehr Schlimmes, dann wird dieses Ereignis einfach nicht gespeichert, und auch der Vorlauf dieses Ereignisses kann in mehr oder weniger großen Teilen nicht erinnert werden. Die Funktion eines solchen „Amnesie“ genannten Prozesses scheint klar: Wenn etwas ganz fürchterlich war, ist es das Beste für die Selbsterhaltung eines Individuums, wenn keine Erinnerung an solche Erlebnisse exisitiert, das Wirken und Schaffen nicht beeinträchtigt werden und die Konzentration auf das Hier und Jetzt (in welchem es ja wiederum zu überleben gilt) eben nicht durch womöglich auftretende ständige, plötzliche Angstschübe unmöglich gemacht wird.

Eine feine Sache, so eine Amnesie.

Peinlich wird es allerdings dann, wenn die komplette Umwelt Zeuge dieser vermeintlich schlimmen Ereignisse war, ohne sich davon so betroffen zu fühlen, dass ein solch amnesischer Vorgang eingeleitet hätte werden müssen, der das Ich schützt. Womit sich der Beobachter auch noch an alles, was während des und vor diesem Ereignis geschehen ist, erinnert. Und die letzte Krise des FC Bayern war nun mal für die wenigsten eine existenzbedrohende, so dass man sich hier und dort noch bestens erinnert, was gerade eben erst geschehen ist. Nicht so die direkt Betroffenen, die dies dann auch noch, so sie keiner schützt, ohne den Anflug einer Ahnung von ihrer eigenen Amnesie zu haben in alle Mikrofone tröten:

Wir hatten nie Unstimmigkeiten, die Unruhe wurde von außen herangetragen.“

Schauen wir einmal genauer hin, was eine solche Amnesie, wie sie hier durch das Leugnen des Sprechers einer von allen anderen erlebten und erinnerten Realität zu Tage tritt, bedeutet:

Eine retrograde Amnesie (lat.: retro = rückwärts) ist eine spezielle Form der Amnesie, bei der Personen nicht mehr in der Lage sind, sich an Geschehnisse vor einem bestimmten, meist traumatischen, Ereignis zu erinnern. Der Gedächtnisverlust bezieht sich auf einen (zumeist kurzen) Zeitraum vor dem bestimmten Ereignis, ein Patient kann sich beispielsweise nicht mehr an einen Unfallhergang erinnern. Wenn diese Erinnerungslücken schwerwiegend sind, kann die dadurch entstehende Unsicherheit für die Betroffenen quälend sein.

Nun, quälend sind die Erinnerungslücken für Karl-Heinz Rummenigge offensichtlich nicht, sonst würde er nicht in Euphorie getränkt vor sich her jubilieren und „magische Nächte“ mit „historischen Abenden“ kombinieren, niemanden, der seinen Weg kreuzt ohne eine kleine Arie auf sein Team und seinen Klub davonkommen lassen. Traumatisch aber scheinen die Ereignisse davor gewesen zu sein, eine Niederlage in Mainz war da noch das geringste Übel, vielmehr die Gefahr, zum zweiten Mal in einem Halbjahr einen Trainer feuern zu müssen, den Vorstand kritisierende Interviews der eigenen Spieler und zu schlechter Letzt natürlich auch noch das peinlicherweise geklaute Gedicht zum Abschied von Franz Beckenbauer.

Traumatisch, als Protagonist, traurig für den Beobachter.

Die Definition der Amnesie geht allerdings noch weiter:

Eine retrograde Amnesie kann in Verbindung mit einer im Vordergrund stehenden anterograden Amnesie auch bei einem Korsakow-Syndrom auftreten.

Und dass in diesem Punkte Rummenigge etwas gefährdeter ist als seine Vorstandskollegen, legt ein Blick ins Archiv nahe, wenn man zum Beispiel „Erdinger, das Weißbier der Rummenigges“ noch mal anschaut (ganz besonders das zweite Video), seine Äußerungen zum Alkoholkonsum im Stadion unter „Neues vom Schlucksee“ liest oder ganz grundsätzlich der Frage nachgeht, ob er Probleme mit dem Gedächtnis habe — die Zeit in Lippstadt liegt schließlich lange zurück — das haben wir ja schon vor längerer Zeit mehrfach gefragt.

Bei extrem positiven Ereignissen ist das Auftreten einer Amnesie übrigens nicht bekannt, es steht also nicht zu befürchten, dass Karl-Heinz Rummenigge nach eventuellen Niederlagen gegen Bochum und Berlin oder Tabellenplatz 8 im März plötzlich wieder von einer Krise faselt. Magische Nächte sind lang.

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Trauer ist nicht „emotional“

Mir geht es wirklich auf die Eier, entschuldigen Sie bitte diesen Kraftausdruck, dass alle Welt nur noch von „emotionalen Situationen“ redet und damit euphemistisch eben jenen Situationen ihre Würde nimmt, die verdienen und vor allem inzwischen auch geradezu fordern, beim Namen genannt zu werden.

Trauer ist traurig.

Da helfen keine Pillen und auch keine Euphemismen.

Es ist traurig, wenn ein Mensch stirbt, es ist auch traurig, wenn man sich von etwas verabschieden muss und es ist und bleibt traurig, wenn man trauert.

Nicht „emotional“.

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Obacht, die Herren Broca und Wernicke

Wirklich ungeschickt kann es enden, wenn man sich bestimmte Floskeln aus dem Fußballmilieu angewöhnt hat und sie dann auch in Umfeldern zum Einsatz bringt, die Herkunft und Hintergrund der Floskeln nicht kennen und nur auf die buchstäbliche Bedeutung der gerade dem Mund entfleuchten Wörter angewiesen sind.

So sollte man im Kreißsaal eher nicht ausrufen: „Da ist das Ding!“, auch wenn man seinen Fußball-affinen Freunden damit immer wieder im Alltag ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern vermochte.

Neu in dieser Rubrik seit der letzten knappen Qualifikation Argentiniens für die WM die sehr vornehme Äußerung des Nationaltrainers Diego Maradona. Auch dieser Spruch wird sicher bald Einzug in das tägliche Arsenal an Zitaten aus dem Fußballbereich halten, mit dem man sich mit Gleichgesinnten immer wieder mal zu necken oder auch einfach nur zu amüsieren versucht.

Obacht also, wem man gegenüber steht, wenn man tief in die Piratenkiste der Bonmots greift und dabei zufällig auf Maradonas Spruch trifft. Keine Polizisten bei der Alkoholprobe, keine Gäng, die einen umstellt hat, und auch keine versammelte Schar von Uni-Profs, die einen gerade in der Diplom-Prüfung durchfallen lassen will, verfügen über so ausreichende Fußballer-Zitate-Kenntnisse, als dass sie das Zitat Maradonas als solches identifizieren würden, wenn man ihnen salopp dahinrotzt, womit Maradona durchkam: „Ihr könnt mir alle mal einen blasen.“

Die Automatismen schlagen immer wieder unverlangt zu.

Obacht also, meine Herren.

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Unbedingt immer autorisieren lassen!

Wir hatten das Thema zwar gerade erst, aber:

Ja, ähm, jetzt nicht der klein-große Philipp, sondern Rene van Eck, der aktuelle Trainer von Carl Zeiss Jena. Der Mann redet sich öffentlich um Kopf und Kragen, sofern er seine Trainer-Laufbahn fortsetzen will, und niemand hindert ihn daran. Immer! erst! autorisieren! lassen! Selbst der so harmlose und wenn nicht zumindest seriöse, dann doch immer maßvoll formulierende „Kicker“ schreckt nicht davor zurück, den armen van Eck, der ja gar nicht weiß, was er da redet, einfach so in die Welt hinaus zu zitieren. Jena verlor jüngst ein Derby gegen einen der vielen anderen unterklassigen Vereine im Osten, und daraufhin streckt van Eck die Waffen:

Für den sportlichen Rückschlag suchte indes Trainer Rene van Eck verzweifelt nach Antworten. „Du machst einen Schritt nach vorn und dann passiert so etwas. Und das ausgerechnet im Derby“, erklärt der geknickte Jenaer Coach. „Leider weiß ich nicht, wie man trainiert, dass man im Derby nicht die Hosen voll hat.“

Nachdem gerade der Präsident Jenas zurückgetreten ist, sucht man nun also auch noch einen neuen Trainer, das Chaos ist perfekt. Van Eck hat sich noch dazu möglicherweise durch sein Eingeständnis der mangelnden fachlichen Qualifikation um eine Abfindung gebracht. Hätte man das erst mal autorisieren lassen, wäre das nicht passiert.

Oder man hätte eine Trainerausbildung mit für im Fußball häufig auftretende Situationen adäquaten Inhalten absolviert, das wäre natürlich auch eine Möglichkeit gewesen. So aber: autorisieren!

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Mit Legenden aufräumen: Elfmeterschießen kann man nicht üben

Wir haben allerdings keine Elfmeter trainiert, da man die nervliche Belastung in so einer Situation nicht simulieren kann.

Die hier anzubringenden Einwände muss man ja nicht mal großartig ausführen. Strategien zur Stressbewältigung, zur Stressreduktion, bis zum Erbrechen automatisierte Handlungsabläufe, die nur noch so wenig bewusste kognitive Kontrolle benötigen, dass sie viel weniger von den Umständen beeinflusst werden können als vorher, Strategien zur Kontrolle, Abwehr oder nötigenfalls Verarbeitung negativer Kognitionen sowie zu guter Letzt Stärkung des Selbstvertrauens in die eigenen Fähigkeiten durch das Wissen um die tausendfach geübten Abläufe.

Wenn man schon überhaupt irgendetwas im Fußball so trainieren kann, dass die Ausführung im Spiel mit größerer Wahrscheinlichkeit gelingt als ohne intensives Training, dann doch wohl den Umgang mit Situationen bei ruhenden Bällen.

Der Fuzzi vom Zitat oben, der etliche Jahre lang selbst „Profi“ war und nun Trainer einer „Profi“-Mannschaft ist, heißt übrigens Karsten Baumann, trainiert den VfL Osnabrück und glaubt seine Thesen von 1912 wohl auch noch. Ach, streichen wir einfach „trainiert“ und fügen „steht daneben rum, wenn die Mannschaft spielt“ ein.

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fern Fernsehen sehen

Jedem, der ins Ausland wechselt, egal, aus welchen Gründen, kann man nur eins empfehlen. Um Gottes Willen kein Radio- oder Fernseh-Programm aus der Heimat anschaffen. Man wird nicht über die Bruchstücke, für die Luca Toni und Franck Ribéry bekannt („Ein Wasser, bitte! (Hahaha!)“) sind, hinauskommen. Was macht also der so extrem multikulturelle David („Dävid!“) Odonkor, nachdem er ins Ausland gewechselt ist?

Wir erfahren es bei seiner Antwort darauf, was man bei Betis Sevilla tue, um sich gegen die Ansteckung mit der Schweinegrippe zu schützen, welches, na klar, nichts Neues für Odonkor war:

Aber das kannte ich alles schon aus dem deutschen Fernsehen. Das schaue ich auch hier.

Womit auch klar wäre, wie er zu dieser zweiten Aussage — der Journalist glaubt noch, es sei wegen Schweinegrippe, Abstiegsgefahr oder Nicht-Stammplatz am Anfang problematisch gewesen — kam:

Überlegen Sie da nicht zurückzukehren?

Am Anfang hat man sich Gedanken gemacht, jetzt nicht mehr. Meine Familie und ich genießen jeden Tag in Sevilla.

Am Anfang, ganz am Anfang, da funktionierte nämlich das deutsche Fernsehen noch nicht, weil der Techniker auf sich warten ließ. Da war es ein bisschen schwieriger, mit dem Verstehen, mit dem Einleben. Seit das deutsche Fernsehen funktioniert, ist alles gut, warum sollte man da weggehen? Das bisschen Schweinegrippe bringt uns doch nicht um. Kerner, Sportschau, Marienhof, Lindenstraße, alles da.

Man könnte es selbst auf dem Mond ganz gut aushalten, Hauptsache, das deutsche Fernsehen funktioniert.

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„Ich brauche keinen Ferrari …“

„… wenn Sie das meinen“, antwortet unser aller Träger der Schweinsteiger’schen Zahl (aktueller Stand: 80) Bastian im Interview mit dem Öko-Magazin „GQ“.

- Ich brauche keinen Ferrari, wenn Sie das meinen.

- Aber das ein oder andere Auto besitzen Sie schon?

- Ja, einen Audi R8.

Nun, das hier soll keinesfalls so etwas werden wie jener ärgerliche Teil, der dem kicker immer hinten anhängt, für den man auch noch mitbezahlen muss. Dennoch bringt ein kurzer Blick in die Wikpedia zu Tage, was ein R8 so zu leisten vermag:

420 PS, 4,6 Sekunden auf 100m, äh, von Null auf Hundert.

Endgeschwindigkeit (sagt man das so? Oder heißt es „Höchstgeschwindigkeit“?) laut Hersteller: 301km/h.

Man kann natürlich leicht sagen, dass man keinen Airbus brauche, wenn man schon eine Boeing in der Garage hat. Und das ist dann eben die Form des Unterstatements, die nur einem Dandy zusteht, der bereits über den Dingen steht.

Uns interessieren dennoch mehr die Äußerungen zum Thema Fußball. Ein Großer wolle er endlich werden, seiner Karriere die i-Tüpfelchen aufsetzen, die bislang fehlen. Er habe verstanden. Jetzt greife er ganz groß an. Was ihn sportlich am meisten störe, sei die Finalniederlage bei der EM 2008, dieses Spiel würde er gerne noch einmal spielen und natürlich mit anderem Ausgang absolvieren. Er habe verstanden. Jetzt greife er ganz groß an. Ein Großer wolle er endlich werden, seiner Karriere die i-Tüpfelchen aufsetzen, die bislang … oh, sagten wir das schon? Ja, okay, auch Bastian Schweinsteiger sagte dies schließlich schon, allzu viel ist davon bislang aber nicht zu bemerken. Ein sportlich äußerst seltsamer Geselle ist er geblieben, bei dem man nicht weiß, warum man ihn in der Nationalmannschaft zum Stammspieler gemacht hat, er gleichzeitig aber immer mal wieder für einen (dieser eine zumindest) Geistesblitz gut ist, den man mFuR* als Weltklasse einsortieren darf.

Und wo wir gerade schon dabei waren, uns mit der Frage zu beschäftigen, wie viele Millionen gescheiterter Talente es eigentlich braucht, um einen einzigen Bundesliga-Profi hervorzubringen, und dabei ganz besonders auf die Frage geachtet haben, wieso man von diesen Geistern, die jede Unterschrift unter einem solchen Bundesliga-Profi-Vertrag umwehen, nie etwas liest, lesen wir umso lieber, wie es um des Schweinsteiger’schen Kontakt zu diesen Leuten steht, die er ja in der frühen Phase seiner Karriere massenweise gekannt haben muss:

- Und was machen inzwischen die, die es nicht geschafft haben?

- Das weiß ich nicht.

In einem letzten Punkt ist er uns schließlich dann doch ähnlicher als man angenommen hätte, sagt er zumindest:

- Lesen Sie, was die Zeitungen über Sie schreiben?

- Nur, wenn ich beim Arzt warten muss. Es stehen zu viele Unwahrheiten drin.

- Auch im Sportteil?

- Besonders im Sportteil.

Wir lesen nur Blogs. Da steht zwar auch viel Unwahres drin, aber sie liegen nicht beim Arzt aus.

*mFuR ist das neue WsTB und steht für „mit Fug und Recht“

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Produziert Hasseröder auch Ale?

Ah, da kommen sie aus den Ambushen, die ersten nationalen Bruder Tucks:

Mit einer nationalen, kanalübergreifenden FIFA WM-Kampagne rückt Hasseröder ab Dezember sein Sortiment bei Handel und Verbrauchern in den Mittelpunkt.

Nicht doch, wer würde denn ernsthaft deutsches Bier auf der Insel an den Mann bringen wollen? Aber was will man schon von einer Biersorte erwarten, die auch noch damit wirbt, dass Ihr Bier aus „besonders weichem Harzwasser“ gebraut wird? Da kann es ja nur Bier für die englischen Softies sein.

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