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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Das ist kein Mond

Bälle!

Fußbälle!

Wer interessiert sich schon für Bälle? Fußbälle. Die in den letzten Jahren immer so aussehen, als ließen sich alle Designer vom Logo zur WM 2006 inspirieren, tauchten diese aufgekommene Inspiration noch einmal tief in den Farbmixer und gössen die Soße dann über die Bälle drüber, welche hernach als offizielle WM-, EM- oder neuerdings sogar Confed-Cup-Bälle verkauft werden. Kann man sich an ihren Namen nach nur Wochen kaum noch erinnern, so gilt das erst Recht für ihr Design. Von Zeitgeist bis Torfabrik (dem Ball, nicht dem Magazin), von Jubilano Jabulani bis Abraham, wer weiß schon noch, wie diese orangen, gepunkteten, gesprenkelten Dinger überhaut aussahen?

Dabei liegt die Lösung für die Frage nach einem Design mit Wiedererkennungswert und popkulturellem Bezug so nahe. Ein Fußball muss und sollte natürlich unbedingt so aussehen.

(Im Bedarfsfall könnte man damit sogar noch während das Spiel läuft Manuel Neuers nervigen Reklamierarm einfach weglasern.)

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DAS Weihnachtsgeschenk im Fußball

111-fussballorte-im-ruhrgebietKlar, natürlich könnt Ihr das auch für Euch selbst kaufen, aber Ihr habt es natürlich alle schon. Deshalb empfiehlt die Redaktion heute, das Buch „111 Fußballorte im Ruhrgebiet“ als Geschenk zu verschenken, ob nun zu Weihnachten, Sinterklaas oder zum St. Nimmerleinstag. Der eine oder die andere hat sicher den einen oder anderen Schwiegervater, der voll auf Fußball steht, und da bietet sich dieses Buch an, weil es eben viele kleine bis kleinste Geschichten von Orten sind, die man auch in jeglicher beliebigen Reihenfolge konsumieren kann. Wohl recherchiert und ebenso verfasst, aber dennoch keine schwere Kost.

Und das Beste ist: Bislang kostete es 14,95 Euro, ab jetzt ist es für nur noch 10 Euro zu bestellen (plus 1,95 Euro Versand) – und zwar nur hier auf dieser Seite.

Einfach unter dieser Email per Email mit der gewünschten Lieferadresse bestellen, per klassischer Banküberweisung zahlen und in 2-3 Tagen ist das Buch da und ein Geschenkproblem schon mal gelöst. Auch für Brüder geeignet, denen man sonst immer dasselbe in Grün schenkt, und natürlich ebenso für Schwestern. Ob nun biologische oder gefühlte.

Zum Inhalt dieses auch gestalterisch gelungenen Buchs:

„Wer das Herz des Ruhrgebiets sucht, begegnet unweigerlich dem Fußball. Ob am Schalker Markt oder an Dortmunds erstem Fußballplatz, der Weißen Wiese, ob am Denkmal Helmut Rahns in Essen oder am Wattenscheider Lohrheide-Stadion – die Landschaften sind voller Fußballorte, an denen das Ruhrgebiet von gestern und heute lebendig wird. 111 Orte, an denen die Region ihre Identität findet; 111 Orte zwischen Kultur und Geschichte; 111 unterhaltsame Geschichten von gestern und heute.“

Also, einfach hier bestellen und einen zu Beschenkenden glücklich machen.

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Schnieke Anekdote: Marco Bode ist tatsächlich wie Marco Bode

Einer dieser unglaublich freakigen Trikotsammler — man weiß nicht, wer einen Freakigkeitswettbewerb gewönne: Groundhopper oder Trikotsammler — erzählt hier eine wunderbare Anekdote über Marco Bode, die so völlig ins Bild passt, das man sich aus der Ferne, natürlich bar jeglicher Kenntnis, von ihm gemacht hat. Aber dass sie dieses Bild so bestätigt, passt, nunja, ins Bild. Und der Rest über den Trikotsammler ist auch nicht gänzlich uninteressant, freakig hin oder her.

Und achja, Marco Bode ist tatsächlich ein Mensch, der an der Tankstelle schon mal … aber lest selbst.

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Fred schreibt „Zidane schweigt“

Zidane schweigt Wie passend, dass die Menschen in Basel am Wochenende erzählten, dass man sich in der Deutschschweiz natürlich für die deutsche Bundesliga interessiere. In der Welschschweiz werde hingegen hauptsächlich über die Ligue 1 berichtet; der Blick wandere dorthin, wo man keine Sprachbarriere empfindet.

Dabei fällt auf, dass von allen großen Ligen die französische auch hierzulande am wenigsten Beachtung findet, obwohl sicher mehr Menschen des Französischen mächtig sind als des Spanischen oder Italienischen. Die Wahrnehmung des französischen Fußballs besteht eigentlich nur aus jener der Nationalmannschaft. Deren Stars kennt man, deren immer wieder obskur agierende Trainer ebenso. Allerdings bleibt das Verständnis des Umgangs der Franzosen mit ihrer Équipe Tricolore hart an der Oberfläche, selbst wenn die Grundzüge der Problematik der mal als gelungen, mal als gescheitert bezeichneten Integration (nicht allein im Fußball) bekannt sind.

Da trifft es sich hervorragend, dass jemand viel tiefere Betrachtungen zu diesem Thema anstellt, als man sie sonst irgendwo fand; noch dazu jemand, der selbst dem Fußball empathisch gegenüber steht und zudem die Kunst beherrscht, diese Betrachtungen in lesenswerter Sprache zu servieren. Fred Valin, seines Zeichens als Franzose auch Anhänger dieser Mannschaft, ist gemeint, der vor einigen Monden das Werk „Zidane schweigt“ ablieferte. (Untertitel: Die Équipe Tricolore, der Aufstieg des Front National und die Spaltung der französischen Gesellschaft.) Welches auf der Rückfahrt aus Basel noch einmal konsumiert wurde, mit zunehmendem Genuss und eben solchem Erkenntnisgewinn.

„Zidane schweigt“ verwebt die Entwicklung der französischen Nationalmannschaft mit jener der französischen Gesellschaft und hier zuvorderst mit dem Aufkommen des Front National. Ein Phänomen, wie man lernt, welches noch Mitte der 1970er ein kaum wahrnehmbares Becken für Spinner vom Rand darstellte. Die Zeiten haben sich bekanntlich geändert, wie Valin entlang der Auftritte der Franzosen bei den diversen großen Turnieren, aber vor allem dem folgenden Echo in Frankreichs Gesellschaft und Politik nachzeichnet.

Und während Zidane tatsächlich mehrheitlich schweigt und der große Dirk Gieselmann klagt, dass Fußballer ohnehin nichts zu erzählen hätten, schreibt Valin auf, was das alles bedeutet und wie es sich entwickelte. Nahezu perfekt lektoriert, durchaus erwähnenswert, gehen hier Erhellung und literarischer Gaumenschmaus Hand in Hand. Vom Scheitern der Sozialisten in Frankreich, von Mitterand bis zum die Banlieues kärchern wollenden Sarkozy, von Algerien über den Tausendsassa Tapie bis zu Marine Le Pen; ebenso von Battiston über den 1985 bis zur Unerträglichkeit ignoranten Platini bis zum immer noch nicht erwachsenen Ribéry und — natürlich — dem Fiasko von Knysna geht die Reise, mit allen nötigen Zwischenstationen.

Wer in knappem Umfang wissen will, wie die Nachbarn westlich des Rheins seit dem Krieg zu dem wurden, was sie sind, und ebenso den Fußball als Spiegelbild der Gesellschaft vesteht, kommt an diesem nur als e-Book erhältlichen Werk nicht vorbei. Und wer formidabel eloquent lesen möchte, was Zidane auf dem Platz eigentlich darstellte, was Henrys Handeln bedeutete und wieso Vieira des Urhebers liebstes Kind ist, ebenso wenig.

Kleine Kostproben:

„Thierry Henry spielt Fußball wie ein idealer Gastgeber eine Abendgesellschaft führt: Alles, was er tut, wirkt leicht und mühelos, dabei aber immerzu überraschend.“

„[Zidane] ist das wortlose Zentrum der Erzählungen, eine Hemingway-Figur. Es sind die Anderen, die viele Worte um ihn machen.“

„Die französischen Medien sind nicht in der Lage, diese Vielfalt […] abzubilden. Stattdessen bleiben sie den binären Konstruktionen verhaftet. Es wird dieses eine Feindbild aller herausgeschält: junger Mann mit Migrationshintergrund.“

Aber man möge sich dennoch nicht täuschen (lassen). Denn es ist beileibe kein Buch über Fußball, nicht isoliert, sondern eines über ein in dieser Form hier nahezu unbekanntes Frankreich und nicht zuletzt über die Gegenwart in Europa.

Anders als hier, wo der Blick gelegentlich nach Benelux schweift, ist übrigens heinzkamke dem französischen Fußball, zumindest aber Frankreich schon länger ein wenig zugewandt, weshalb man auch seine Worte zu „Zidane schweigt“ konsumieren kann. Besser aber gleich das ganze, recht kurze Buch, das dennoch so vor Fakten, feinen Flanken, Gedanken und Einordnungen strotzt wie sonst eben nur das Spiel von Zidane voller Aha-Momente für Zuschauer und Gegner war. Das heißt, wenn das bei Zidane nicht doch alles nur Projektion durch die Betrachter war. Aber auch darüber lernt man etwas in

„Zidane schweigt“.

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Am Samstag, 18h, Lesung in Basel

Eine Fangruppe des FC Basel feiert am kommenden Samstag, den 12. November, ihr 15-jähriges Bestehen, mit Kapelle und Hofnarr.

Die Kapellen sind die Bands, die später am Abend spielen, der Hofnarr bin ich. Ab 18h gibt es im „Saal12″ auf der Weidengasse 53 in 4052 Basel die immer noch nicht bei allen bekannte Lesung „Drama Queens in kurzen Hosen“ zu hören. Und das Tolle ist: der Eintritt ist frei. Durchaus also auch für grenznah lebende Trainer-Baade-Fans, derer es zahllose geben wird, ein Anlass, diese Grenze mal wieder zu überschreiten. Zwar ist es nur die etwas kürzere 60-Minuten-Version der formidablen „Drama Queens in kurzen Hosen“, nicht die vollen 90 Minuten plus Halbzeit. Dafür ist es schon der zweite Auslands-Auftritt dieser immer noch andauernden Lesereise. Und wer möchte da nicht mal dabei gewesen sein? Hernach gibt es sicher auch noch Gelegenheit für den Austausch warmer Worte und kalter Getränke.

Wie die Gastgeber übrigens selbst ankündigen:

E kurzwiiligi, scharfsinnigi und humoristischi Läsig über die kleine Widersprüch und die grosse, ächte Emotione vo Spieler und Fans.

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Leise in der Höhenluft

Heute über Miroslav Klose zu schreiben bedeutet selbstredend, die Kirche im Dorf lassen zu müssen, wie er es angenehmerweise als Mensch selbst immer tat, und ebenso Superlative verwenden zu können. Sein Abschied kommt ungewöhnlich spät in dieser Zeit, da die Jungen immer jünger werden, wenn sie ins Pressbecken Profifußball geworfen werden. Ein ergrauter Schweinsteiger ist mit nur 32 Jahren schon verraucht, ehe er sich nach dem WM-Finale 2014 einmal umgesehen hat. Gleichwohl war Kloses Abschied lange erwartet, im Grunde bedeuteten die letzten beiden Saisons bei Lazio Rom nur noch das Abklingbecken einer Karriere, die mit dem Weltmeistertitel 2014 ihren völlig verdienten Höhepunkt erreicht hatte. Jenes Turnier, bei dem der schmächtige, drahtige, allzu oft in wenigen Teilen seines Tuns als Weltklasse geltenden Miroslav Klose den großen, echten Ronaldo in der ewigen Torschützenliste der WM überholt hatte. Ausgerechnet – eine Vokabel, die hier einmal angebracht ist – in einer Partie gegen Brasilien, in Brasilien, als Gegner in deren fiaskösem Halbfinal-Heimspiel.

Das Dorf, in dem man die Kirche lassen muss, heißt aber wohl nicht wirklich Blaubach-Diedelkopf, wo fußballerisch alles begann, sondern Opole. Dort als Sohn eines Fußballprofis und einer Handballnationalspielerin geboren, aber eben in Polen, nicht in Deutschland, wo er erst später hinzog und (natürlich) anfangs kein Deutsch beherrschte. Und selbst wenn diese Stadt Opole kein Dorf ist, dann steht er mit seinem Herziehen aus dem damals noch existierenden Ostblock für einen Teil der alten Bundesrepublik, in der man die Vokabel „Integration“ noch nicht mal annähernd buchstabieren konnte.

Was bleibt einem Jungen, der die Sprache nicht spricht, was heute allzu gerne überbewertet wird, aber nun mal Fakt ist, sofern man sein Hobby nicht wie Klose heute beim Angeln ohne soziale Komponente ausüben will? Neben der Musik nur der Sport, der keine Sprache spricht, der aber zumindest ihm eine Heimat bot. Ob er da schon das große Talent war, ist unbekannt. Dass er sein Talent aber intensiv geschärft hat, davon zeugt seine Anwesenheit und vor allem sein Erfolg bei Weltmeisterschaften von 2002, als er noch mit Haudegen wie Marko Rehmer, Gerald Asamoah oder Jens Jeremies über die Runden kommen musste, bis zur Weltmeisterschaft 2014, neben Mario Götze oder Toni Kroos, als der Fußball ein völlig anderer geworden war. Und Klose war wie immer auch bei diesem Turnier trotz sich abzeichnendem Alter vor dem Tor nicht zu stoppen.

Mag sein, dass er bei der WM 2002 fünf Tore per Kopf erzielte und seine Sprungkraft ihn in die Weltöffentlichkeit katapultierte. Schon im selben Turnier bewies er mit seinem äußerst klugem Pass zu Marco Bodes 1:0 gegen Kamerun aber, dass er eben nicht nur eine Strafraumwaffe war, die vollstreckt. Sondern dass er mitspielt. Was er immer weiter verfeinerte, weshalb er heute als Held aus gleich zwei sehr unterschiedlichen Jahrzehnten der Fußballstile gilt und geht.

Mag er ansonsten trocken sein wie ein Graubrot, ob nun nach polnischem oder deutschem Rezept gebacken — Klose, das war über lange Jahre die Kavallarie, die zur Not immer aushalf. In seinem ersten Länderspiel mit dem Siegtreffer kurz nach Einwechslung gegen Albanien, später beim erwähnten 2:0 über Kamerun in Japan, beim 1:1 gegen Argentinien bei der WM 2006, das Ausgleichstor, das erst das vermeintliche Sommermärchen rund machte oder ganz am Ende gegen Ghana und Brasilien 2014.

Gestatten, der freundliche Herr Klose. Nicht mit Hut, nicht mit Charme und nicht mit Melone, war er neben dem Platz so dröge, dass er selbst zu Beckenbauers Zeiten kaum zum Star getaugt hätte. Im Gegensatz zu diesem aber auch bis heute frei von Skandalen geblieben ist. Die alte Sehnsucht aller Fußballromantiker, dass es nur um die Leistung auf dem Platz geht, hat er — wahrscheinlich ohne es je zu ahnen — verkörpert.

Mag es auch beim Weggang aus Bremen böses Blut gegeben haben. Dem stillen Klose wurde das mehrheitlich nicht nachgetragen. Man kann ihn sich vorstellen als jemand, der gerade weil er sich nicht darstellen will, etwas von jenem Fußball transportiert, den er noch aus Blaubach-Diedelkopf kennt. Und wenn er der letzte Vertreter dieser Art gewesen sein wird, der nie ein Internat von innen gesehen hat, dann wird er umso mehr dem DFB das Stückchen Authentizität geben können, deren Fehlen Oliver Bierhoff nie verstanden hat. Womit wir wieder beim Thema sind. Bierhoff, das war ein One-Trick-Pony, der Mann mit der Inselbegabung Kopfball.

Klose hingegen war Spielkultur in Vollendung, wohin er sich auch drehte und das 20 Jahre lang.

Klose, die Kavallerie. Die kommt jetzt nie mehr.

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Hail Mary!

Oder auch: Jessesherrgottmaria! Was war das?

Der Zufall führte letztens in einer schlaflosen Nacht zum TV-Sender Eurosport. Das geschieht sonst nie, weil man hier nicht über Eurosport verfügt. Auf diesem Sender begann jedenfalls gerade eine Übertragung aus der Großen Liga Fußball, oder wie man es vor Ort nennt Major League Soccer. Die Portland Timbers empfingen in ihrem zum 102. Mal in Folge ausverkauften (Rekord in der Großen Liga Fußball) Providence Park ihren Gegner, die Colorado Rapids.

Kommentator der Partie war Marco Hagemann, bekannt und als sympathisch befunden vor allem von seinen Auftritten bei sportradio360, aber zuletzt auch bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft als angenehm dezenter und ebenso nah am Spiel Kommentierender empfunden. Das war in dieser Partie anders, doch dazu später mehr.

Die Portland Timbers sind amtierender Meister in den USA. Etwas, was nur aufgrund des Playoff-Systems nach der regulären Saison möglich wurde. Nach dem normalen Ligabetrieb waren sie in ihrer einen von zwei Conferences nämlich nur Dritter, insgesamt also fünft- oder sechstbestes Team des höchsten amerikanischen Fußballs gewesen.

Sinnhaftigkeit solcher Playoffs soll hier auch gar nicht das Thema sein. Es steht nirgendwo in Stein gemeißelt, dass man sein Ligensystem nicht zusammenklöppeln kann, wie man gerade lustig ist. Der kurze Blick über die Grenze nach Belgien sei da empfohlen. Der Hinweis, dass hier mit den Portland Timbers der amtierende Meister der USA antrat, soll auch nur verdeutlichen, dass damit das sportlich-nominell beste Team dieser Liga an den Start ging. In jedem Fall eines der Topteams.

Gegner waren wie erwähnt die Colorado Rapids, deren Position innerhalb der Liga keine weitere Rolle spielt. Ansehnlich gestaltete Vorspänne wurden geschaltet, alles sehr amerikanisch. Vorfreude weckend auf einen schönen Fußballabend, gelungen dies. Ohnehin ist man hier ja Liebhaber dieser so auffallend anders gestalteten Wappen und auch Trikots der Clubs in den USA.

Was dann nach Anpfiff folgte, verschlug aber beinahe den Atem.

Allerdings nicht vor Anmut vor der Kunst der Kicker auf dem Platz. Da ging es 90 Minuten lang rauf und runter, wie man es in jeder Hobbyliga noch nicht planloser gesehen hat. Ständige Einzelaktionen und technische Schwächen führten dazu, dass der Ball beinahe wie auf dem Schulhof alle paar Sekunden seinen Besitzer wechselte. Was dann erstaunlicherweise doch wiederum zu regelmäßigen, aber ebenso wenig planvollen Torabschlüssen führte.

Einerseits jubilierte das Fußballherz: Es fehlte nur noch ein wenig Regen, der für Matsch auf dem Rasen im Providence Park sorgen würde, und man hätte eine jener Partien, wie man sie selber etliche Male auf den nur notdürftig als Sportplätze verkleideten Sümpfen des Niederrheins geschlagen hatte. Wunderbares Hin- und Her-Gerenne, jeder darf mal an den Ball, mit dem er dann ein bisschen vor sich hinspielt oder kopflos in Zweikämpfe stürmt, bis ihm der Ball wieder abgenommen wird, woraufhin der Gegner sich in ähnlichem Gestochere versucht. Die Pässe kommen über 10 Meter nicht an und falls doch, springen sie dem Empfänger so hoch vom Fuß, dass man den Ball mit bloßem Auge vom Ruhrgebiet aus über dem Himmel von Portland schweben sehen kann. Kurzum: ein echtes Fußballfest urtümlicher Brauart.

Andererseits bleib einem fast das Herz stehen angesichts der dargebotenen Spielweise. Wie konnte das eine der besten Mannschaften des Profifußballs in den USA sein – und nicht eine Stadtauswahl, die gegen ihre Nachbarstadt antritt, etwa auf Landesliga-Niveau oder gar nur aus Spaß, ein alter Brauch, ein solches Duell auszutragen? Konnte diese ständige Enge und der geringe Raum daran liegen, dass das Spielfeld ungewöhnlich klein wirkte? (Das war erst später aufzuklären: ja, der Providence Park besitzt nur ein Spielfeld von 101×64m.) Selbst dann hätte man bei einer Partie zweier Teams auf dem höchsten Niveau eines Landes mit über 300 Millionen Einwohnern etwas anderes erwartet, als das im vorigen Absatz Beschriebene. Um nicht das berüchtigte Bild vom Unfall zu zitieren, bei dem man nicht wegsehen kann: Es war mehr als nur ein wenig Grusel dabei, dass die armen, treuen 20.000 Fans in Portland keine Wahl hatten als diesen Fußball anzusehen – er ist ja schon das Beste, was die USA zu bieten haben.

Zunächst war man noch von einer dieser typisch stürmischen Anfangsphasen ausgegangen, in der ein Team das andere überrumpeln oder auch -rollen will, bis sich die Partie auf normalen fußballerischen Level einpegelt. Doch die ersten 10 Minuten mit vier bis fünf Torabschlüssen waren keine Ausnahme, sondern die Regel. Es ging 90 Minuten lang hin und her – ohne jegliche Form von Tempodrosselung oder auch nur einer erahnten Kontrolle über das Spiel von einem der beiden Teams. So wie alle im Hobbyfußball eben immer dem Ball hinterherhecheln, bis es wieder in die andere Richtung geht. Bis der nächste Stockfehler oder Fehlpass folgt, woraufhin es wieder in die andere Richtung geht. Bis der nächste Stockfehler oder Fehlpass folgt, woraufhin es wieder in die andere Richtung geht ad lib.

Was für ein shock, ladies and gentlemen!

Wenn das der höchstklassige Fußball in den USA ist, grenzt es an ein Wunder, dass die USA jemals die Vorrunde bei einer WM überstanden haben, wenn man es arg mit ihnen meint, könnte man behaupten, sie würden sich mit diesem Niveau in Europa überhaupt niemals qualifizieren. Verständlich, dass sich Jürgen Klinsmann ständig nach in Europa sozialisierten, aber für die USA spielberechtigten Kickern umsieht. Mit diesen Kraut und Rüben, Verzeihung, mit diesen Timbers und Rapids wäre jedenfalls kein Weltpokal zu gewinnen.

Nun gibt es auch in der Bundesliga, in jeder Liga der Welt immer wieder grauenhafte Spiele. Diese sind es aber oft, weil die Teams sich neutralisieren und nichts passiert, keine Torchancen entstehen (wobei solche Partien natürlich auch besonders sehenswert sein können). Ihr grundsätzliches technisches Vermögen können aber die wenigsten Spieler über 90 Minuten verbergen. Und so wird dann auch bei schlechten Partien sichtbar, auf welchem technischen Niveau sich diese Teams bewegen. Jenes in dieser Partie zwischen den Portland Timbers und den Colorado Rapids ließ irgendeine Form von Niveau nur in äußerst geringen Dosen erahnen, sagt jemand, dessen Auge vom an sich schon schlimmen Fußball in Deutschlands 3. Liga geschult ist.

Mag auch einiges zur Entlastung vorzubringen zu sein – der Platz war eben deutlich spürbar kleiner als die Standardmaße und es ging wohl laut Marco Hagemann um ziemlich viel, also ein eventuelles Nichterreichen der Playoffs zu verhindern, eine lange Saison, müde Spieler – das war kein Niveau, mit dem man in der 2. deutschen Liga längerfristig würde mitspielen können.

Umso mehr überraschte es, dass erwähnter Marco Hagemann unablässig damit beschäftigt war, all seine Karteikarten herunterzuleiern. Und zwar ohne Pause. Auf dem Platz ging in den ersten 10 Minuten – und wie erwähnt allen weiteren – ein Feuerwerk an Torraumszenen ab. Und nach diesen ersten 10 Minuten hatte Hagemann kaum einmal Bezug zum wahnwitzig anmutenden Geschehen auf dem Rasen genommen, sondern erläuterte, welcher Spieler wo vor 3 Wochen 2 Tore erzielt hatte und was nicht alles zum ersten oder letzten Mal (Rekord! Rekord!) in der MLS geschehen sei, 3 Tore an einem Freitag bei Flutlicht von einem aus Idaho stammenden Spieler etc. Allerdings dämmerte später, dass Hagemann wohl schon einige Partien mehr aus der MLS verfolgt hatte und dieses Trommelfeuer aus Stockfehlern und Torchancen gewohnt war. Er wusste wohl: Es lohnt sich nicht, bei Ballverlust Dramatik in die Stimme zu legen – der nächste Ballverlust ist sowieso immer nur ein paar Sekunden entfernt.

Am Ende gewannen die Hausherren, die wohl über die europäischen Fanszenen ähnlichste Anhängerschaft in der MLS verfügen (“Timber Army”) durch einen Strafstoß mit 1:0. Die Fans und Spieler jubelten nach Abpfiff, einem selbst war aber immer noch ein wenig schwindelig von dieser Art Fußball, die man seit der Schulzeit so nicht mehr erlebt hatte. So ähnlich muss auch Kick and Rush in früheren Jahren in England abgelaufen sein, auch wenn es in Portland nicht allzu viele lange Bälle gab. Man fürchtete fast, weil die Spieler nicht in der Lage wären, überhaupt Pässe über 50 Meter zu schlagen.

Wie dem auch sei, wer urwüchsigen Fußball in Profi-Atmosphäre sehen will, dem seien die Übertragungen der MLS ans Herz gelegt. Hier wird man darauf jedenfalls ein Auge haben, wenn es einem wieder nach Hin und Her und planlosem Gekicke auf dem Großfeld dürstet. Und der Liebling in der MLS dürfte jetzt auch feststehen. Die Portland Timbers mit ihrem so anachronistischen Fußball erzwingenden viel zu engen Spielfeld im Stadion. Herrgo … äh Herrlich!

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Das mehr oder weniger ultimative BVB-Gewinnspiel

Ja, es ist mal wieder so weit. Jemand möchte Produkte an den Mann und auch an die Frau bringen. In diesem Fall geht es um eine Doku zum BVB, die am 21. Oktober erscheinen wird. Auf nicht weniger als 6 (!) DVDs werden alle Highlights (ob auch Lowlights, weiß ich nicht) der Geschichte des BVB dargestellt, von Adi Preißler bis Max Michallek, von Günter „Kutte“ Kutowski bis Frank Mill, vom Berliner Olympiastadion („ein jeder kennt ihn“) bis zu Wembley und nicht zuletzt von Teddy de Beer bis zu Harald Schumacher. Beginnend allerdings ab 1949, Franz Jacobi kommt also nicht drin vor.

Diese 6 DVDs nennen sich ganz unbescheiden „Das Beste von Borussia Dortmund“ und was noch besser als das Beste ist, ist, dass man hier 2 Exemplare dieser Neuerscheinung gewinnen kann.

Das Spielchen läuft bis kommenden Freitag, 21.10.2016, 12h mittags, High Noon, und die Aufgabe ist so schlicht wie spannend.

Welches war Dein erstes Spiel, das Du vom BVB gesehen hast, und wie waren die Begleitumstände, sowohl die äußeren als auch die inneren?

Anforderungen an den Text gibt es ansonsten keine, außer, dass es schon mehr als drei Sätze sein sollten. Am Ende entscheidet das Los, teilnehmen kann man nur einmal pro Person. Und übrigens kann man auch teilnehmen, wenn man kein Fan des BVB ist, auch dann gilt dieselbe Aufgabenstellung.

Und so sieht der Preis aus, live und in Farbe:

Das Beste von Borussia Dortmund

Zur Verfügung gestellt von Lighthouse Home Entertainment.

Viel Spaß und ich bin gespannt, wie und wann das war, als Ihr Fan wurdet (oder auch nicht). Dann schreibt mal schön.

Achso, Ihr solltet natürlich eine gültige Email-Adresse angeben, damit man Euch im Gewinnfalle auch erreichen kann. Klar, ne?

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Fortuna Sittard und der musische Maler

Es gab zwei Konzerte in meinem Leben, die mich besonders enttäuscht zurückließen. Das eine war jenes von Tocotronic in Dortmund, wo die Menschen auf der Bühne nichts Besseres zu liefern hatten als Publikumsbeschimpfung und Verächtlichmachen des Ruhrgebiets. Gnadenlos peinlich und schlecht, auch wenn es musikalisch gut war. Aber Tocotronic ist so etwas wie der „Soundtrack of my life“, und da hätte ich dann doch irgendwie mehr als nur an jenem Abend schlechtgelaunte Fuzzis erhofft.

Das andere war jenes von Funny van Dannen. Ich hatte kein besonderes Faible für ihn, auch wenn ich viele Songs von ihm kannte. Irgendjemand war mit Zahnschmerzen ausgefallen, sodass ich mehr oder weniger zufällig in den Genuss seines Konzertes im Ringlokschuppen in Mülheim kam. Natürlich mag man seine Texte, sie sind hintersinnig und amüsant. Auf Liedermacher stehe ich eigentlich nicht so, weshalb er vielleicht von vorneherein schlechte Karten bei mir hatte, aber ich hätte mich gerne positiv begeistern lassen.

Leider spielte er die Songs 1:1 so, wie man sie von seinen Alben kennt, was, wie ich erst kürzlich erfuhr, daran liegen könnte, dass alle seine Songs live aufgenommen werden, also eben bei Konzerten. Es gibt keine Variationen, keine Arbeit im Studio, er singt und spielt einfach und das ist dann auch das, was man auf einem Konzert hört.

Allerdings war es so, dass er zwischen den Songs genau so viele Worte für sein Publikum bereithielt:

Gar keines. Er redete nicht ein Jota, keine Einleitung zum nächsten Song, kein Hallo Mülheim, keine Erklärung, was er wie bei welchem Song gemeint oder gedacht hat. Die Songs an sich kamen gut an, es herrschte gute Stimmung, allein ich fühlte mich ein wenig nicht abgeholt.

Mundfaul, etwas, oder auch davon überzeugt, dass seine Songs schon für sich sprechen würden. Mag sein, ich war ein wenig beleidigt, jetzt geh ich schon extra hier hin, um Funny van Dannen am Mikro zu sehen und hören, und er redet kein einziges Wort.

Eigentlich war er damit bei mir in Ungnade gefallen, was ihn natürlich herzlich wenig kümmern sollte, doch dann trat er letzte Woche beim „Montalk“ auf, einer einstündigen Talksendung auf WDR2 mit wechselnd unterhaltsamen Gästen.

Dort, und jetzt kommt erst der Teil, der hier fürs Blog relevant wird, verriet er, dass er das Abi drei Monate vor Erreichen geschmissen habe. Vornehmlich, weil er Stress mit fast allen Lehrern hatte, weil er sie korrigierte und ihnen erzählte, was sie falsch machen. Und von Fortuna Sittard gekauft hätte werden sollen. Aufgewachsen in Selfkant, bis 1963 nach dem Krieg den Niederlanden zugehörig, waren es von seiner Heimat bis nach Sittard nur wenige Meter. Fortuna Sittard war damals Zweitligist in Holland, wolle Funny van Dannen für 3.000 Gulden kaufen, doch der Heimatverein van Dannens verlangte 11.000 Mark.

Er trainierte längere Zeit dort mit, durfte aber wegen des noch nicht abgeschlossenen Wechsels nicht spielen. Er war wohl Libero, und er sagt noch heute, dass das eigentlich etwas gewesen wäre, was er gerne gemacht hätte, Profifußballer sein. Wenn er heute den grünen Rasen und das Flutlicht sieht, bekommt er immer noch dieses Sichangezogenfühlen von diesem Ambiente.

Was man hier nur allzu gut nachempfinden kann.

Was machte Funny van Dannen aber, nachdem sich die beiden Vereine nicht über diese aus heutiger Warte lächerlich niedrige Ablösesumme einigen konnten? Er gab das Fußballspielen auf. Unfassbar, einfach so. Er zog nach Berlin, wurde eben jener Funny van Dannen, der er damals noch nicht war, wurde Maler und nicht zuletzt Lyriker und Musiker. Rocko Schamoni vermittelte ihm dann irgendwann den Kontakt zu Campino, welcher mehrere seiner Texte für seine Songs verwendete. Am bekanntesten sicher „Niemals zu den Bayern gehen“ und Funny van Dannen erklärt auch in Interviews, dass es darin nicht um Bayern-Hass ginge, sondern darum, dass junge Spieler ihre vielleicht hoffnungsvolle Karriere nicht mit einem unbedachten Wechsel wegwerfen mögen. So wie er selbst es quasi, ungefähr, getan hat.

In vielen Interviews liest man dann immer wieder von seiner immer noch existierenden Liebe zum Fußball und ja, damit hat er dann seinen maulfaulen Auftritt im Ringlokschuppen wieder wettgemacht. Ein Musiker, Maler, der Fußball liebt und fast Profi geworden wäre. Wo gibt es sowas sonst noch? Ein Hoch auf Funny van Dannen und aufs Flutlicht generell.

Einige Interviews mit viel Fußballbezug gibt es hier:

„Muss mich für den FC schämen“ (Welt)
„Das Dunkle des Dschungels“ (11Freunde)
„Ich war nie so ein Brecher“ (Frederik Jötten)

Aus letzterem Link stammt dann auch diese Antwort:

„Funny van Dannen, in einigen Ihrer Lieder outen Sie sich als Fußball-Fan. Träumten Sie selbst einmal von einer Fußball-Karriere?

Würde ich immer noch jeder Karriere vorziehen, sofort.“

Applaus!

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Magisches Meiderich

Ja, okay, „Magisches Meiderich“ hatte ich als Titel vorgeschlagen. Heraus kam dann dabei das „Herzblut der Zebras“. Mag auch sein.

Ich hoffe, Ihr habt alle das aktuelle Heft von 11Freunde gekauft, denn da steht dieser Text von mir drin.


Magisches Meiderich

Und nicht zu vergessen, der alte Uersfeld schreibt darin auch sehr lesenswert über den Weltuntergang, den BVB und überhaupt.

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Von Maxl Morlock bis Mario Götze — alle deutschen WM-Tore von 1954 bis Maracana

Hat jemals jemand schon mal die (west-) deutschen Tore der WM 1954 abgesehen vom Finale gekannt? Hier sind sie!

Kaum zu glauben, dass es von allen diesen Toren seit der WM 1954 bewegte Bilder gibt und die Öffentlich-Rechtlichen mit ihrer völlig öffentlich-unrechtlichen Bücherverbrennungspolitik sie noch nie zeigten – obwohl sie doch über diese Bilder verfügen müssten. Oder auch nicht, wie auch immer.

Hier alle deutschen Tore bei WM seit inklusive 1954. Äußerst faszinierend. Auch, wie viele Tore dann doch eher reingewürgt oder Resultat von schlimmen Fehlern der Defensive waren. Und ebenso: Was für teils herrliche Treffer dabei waren, die bislang niemand nie gesehen hatte.



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Trainer Grigg’s on fire

Jungens und Mädchens, am Samstag gibt es beim #tkschland eine Lesung von mir in Hamburg — unter dem aus Funk und Fernsehen bekannten Titel „Drama Queens in kurzen Hosen“ — am Abend dann auch noch ein Quiz, ein #tbquiz sozusagen, ab 21h, die Lesung beginnt allerdings schon um [Update] 13h.

Danach und davor gibt es sicher auch eine Möglichkeit, das eine oder andere Autogramm zu schreiben. Oder andere nette Dinge zu tun. Ihr wisst schon.

Was sonst noch zu erwähnen ist: die Akademie für Fußballkultur hat mich für den Sonderpreis mit Stracciatella nominiert. Nominierender war niemand Geringerer als Aljoscha Pause, dessen Filmwerk ich sehr schätze (ihn aber nicht kenne), Macher von „Trainer!“ (ausführliche Kritik gibt es hier) – ich fühle mich wirklich sehr geschmeichelt.

Bald also viel Quiz in Hamburg. Ich wiederhole mich, aber: seid dabei oder seid, ähm, nicht dabei!

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