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Schlagwort: FC Bayern München

Woody Müller

Er ist einfach nicht totzukriegen, der Humor des Thomas Müller, der so gar nicht in die Welt der weichgespülten Interviews des Profifußballs passen will, und das, obschon er in letzter Zeit nicht seine allerbesten Spiele abliefert.

Was sich bei ihm geändert habe, seit er diesen unglaublichen Aufstieg von FC Bayern II zum WM-Torschützenkönig hinter sich habe, wollte jemand von ihm wissen.

Ich habe jetzt eine Eiswürfelmaschine an meinem Kühlschrank.“

Wenn sein Mundwerk dieser Linie treu bleibt, wird man die Klischees über Fußballer noch umschreiben müssen. Nichts lieber als das, wenn mehr von dieser Art dazu zwingt.

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Ribérys Druck

SPAM bei SPON, oft lau, aber in diesem Fall ganz trefflich. Für alle, denen Markworts Zensurtätigkeit damals durchgegangen sein sollte.

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Unbekanntes aus … dem Europapokal der Pokalsieger

… dem Europapokal der Pokalsieger.

Nun, die beiden mittleren Informationen dürften so weit bekannt sein, nicht aber die Serie, die sich um diese beiden mittleren Ereignisse schlingt. Von 1965 bis 1968 war vier Mal in Folge eine deutsche Mannschaft im Finale des Europapokals der Pokalsieger. Zu einer Zeit, als man erst noch gar keinen, dann erst einen und dann immer noch nur erst zwei Europapokale wettbewerbsübergreifend gewonnen hatte.

1965 West Ham United — TSV 1860 München 2:0
1966 Borussia Dortmund — FC Liverpool 2:1 n. V.
1967 FC Bayern München — Glasgow Rangers 1:0 n. V.
1968 AC Mailand — Hamburger SV 2:0

Okay, hätte man wissen können, wenn man fleißig diesen Beitrag auswendig gelernt hätte, aber wer tut sowas schon?

Eine vergleichbare Serie gab es noch einmal von 1974 bis 1977, als erst der FC Bayern München drei Mal in Folge den Europapokal der Landesmeister gewann und Borussia Mönchengladbach im Finale von 1977 gegen den FC Liverpool verlor.

Ähnliche Serien von italienischen Mannschaften aus den 1990er Jahren hingegen interessieren nun wirklich niemanden.

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Auf der Suche nach dem Jetzt und Hier

Es ist bezeichnend, was der kleine FOTO-Mauscheler angesichts der spielerischen und tabellarischen Situation des FC Bayern München von sich gibt:

Wir müssen jetzt alle zu unserer wirklichen Form finden.“

Da kann man ihm zurufen: Guck auf Deine Füße, in den Spiegel oder Dir selbst beim Spielen zu. Du hast sie schon längst gefunden, Deine wirkliche Form.

Bezeichnend für das, was er glaubt, was die Darbietungen seiner Mannschaft von dem unterscheidet, was wirklich ist.

Wirklich ist aber — lassen wir ausschweifendere philosophische Betrachtungen mal außen vor — nur das, was tatsächlich passiert.

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Kein-Marathonmann geht

Da der Wald zu diesem Thema bereits allerorten rauscht, muss hier nicht noch mitgerauscht werden. Aber kurz ins Archiv kann man ja mal blicken.

Wenn man seine Stimme und seine Art vermissen wird, wie es hier wohl der Fall ist, dann nur, weil man ungerne Abschiede erlebt. Inhaltlich braucht man ein wandelndes fussballdaten.de auf zwei Beinen nicht mehr, wenn da sonst nix kommt.

Wie schrieb die Süddeutsche Zeitung noch?

Jetzt schon ein geflügeltes Wort: Die „fleischgewordene Vuvuzela“.

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Gewinnspiel: One Club Stars

Drei Tage war’s Gewinnspiel krank,
nun raucht es wieder, Gottseidank!

Alteingesessene Leserinnen und Leser kennen das: ab und an wird hier ein Gewinnspiel veranstaltet, bei dem es nichts zu gewinnen gibt. Außer Spaß und so einiges an nutzlosem Wissen. Heute geht es um — Tusch:

One Club Stars!

Die höchst ehrenwerte Sun listet englische One-Club-Stars auf. Das sind „große“ Spieler, die Zeit ihrer Karriere nur bei einem einzigen Profiklub unter Vertrag waren.

Dabei gingen die sammelnden Redakteure aber mal wieder derart faul vor, dass sie öfter ein Auge zudrückten, wenn es darum ging, ob ein Spieler jetzt tatsächlich nur für einen einzigen Verein gespielt hatte.

Wir sind da strenger — haben aber vielleicht auch mehr Zeit.

Nur für einen einzigen Verein zu spielen war früher hierzulande Gang und Gäbe; heutzutage stellt es eine Ausnahme dar, welche man mit der Stecknadel am Meer suchen muss. Deshalb führen die hiesige One-Club-Star-Starliste auch hauptsächlich gewesene Profis an. In Dekaden gewesene Profis, die länger hinter uns zu liegen scheinen als je ein Mann gesehen hat.

Auf Platz 1 liegt natürlich „Charly“ Körbel, der alle seine 602 Rekordeinsätze für Eintracht Frankfurt mit stoischem Gleichmut ertrug. Er musste schließlich auch 602x vor einem Spiel irgendeinen Trainer eine Ansprache halten hören.

Auf Platz 2 liegt des Dummschwätzers Dummschwätzer. Das ist der Mann, den sich Franz Beckenbauer ins Büro bestellen lässt, wenn er mal wieder einen abwärts gerichteten Vergleich bezüglich des Dummschwätzens benötigt, um die Erkenntnis aufzufrischen: „So dumm schwätz ich gar nicht, da gibt’s noch Dümmere.“

Sepp Maier, auch er von Anfang bis zum unfallbedingten Ende nur beim FC Bayern im Einsatz, immerhin 498 Mal.

Manfred Kaltz, die fleischgewordene Banane — auf türkisch heißt Banane übrigens „muz“, wobei das z hier wie s gesprochen wird, weshalb Banane auf türkisch „mus“ ausgesprochen wird, das deutsche „Mus“ hingegen heißt „püre“ — spielte in seiner gesamten Bundesliga-Karriere nur für den Hamburger SV, und das 581 Mal. Weil er gegen Ende seiner sportlichen Laufbahn aber für kurze Zeit beleidigt nach Frankreich zu Racing Straßburg Girondins Bordeaux und dem FC Mulhouse entfleuchte, darf Manni Kaltz in diese Liste der One Club Stars nicht aufgenommen werden.

Damit es nicht ganz so nackt losgeht, werfe ich noch den treuen Berti Vogts, auf den wärt Ihr auch gekommen, und den woanders nie so wirklich gefragten Lars Ricken, auf den wärt Ihr auch gekommen, in den Ring.

Welche One Club Stars gibt und gab es in der Bundesliga?

  • sagen wir ab 200 Einsätze (VB) und
  • nie bei einem anderen Erst- oder Zweitligaverein im In- oder Ausland gespielt sowie
  • nur nicht mehr aktive Spieler, von den noch aktiven Spielern erfüllt ohnehin fast niemand die Bedingungen

Ich pflege gerne Eure Antworten in die Auflistung ein, natürlich erwarte ich nicht ernsthaft, dass man bei allen die Zahl der Einsätze weiß, die wird dann von mir ergänzt.

Und wie immer gilt: wer googlet, ist selbst Schuld.

Spieler Verein Spiele
1. Karl-Heinz Körbel Eintracht Frankfurt 602
2. Sepp Maier FC Bayern München 498
3. Michael Zorc Borussia Dortmund 463
4. Jürgen Grabowski Eintracht Frankfurt 441
5. Berti Vogts Borussia Mönchengladbach 419
5. Franz Merkhoffer Eintracht Braunschweig 419
7. Georg Schwarzenbeck FC Bayern München 416
8. Wolfgang Overath 1. FC Köln 409
9. Michael Bella MSV Duisburg 405
10. Klaus Augenthaler FC Bayern München 404
11. Rüdiger Vollborn Bayer Leverkusen 401
12. Dieter Eilts Werder Bremen 390
12. Uwe Kamps Borussia Mönchengladbach 390
14. Hannes Löhr 1. FC Köln 381
15. Marco Bode Werder Bremen 379
16. Bernd Dürnberger FC Bayern München 375
17. Werner Melzer 1. FC Kaiserslautern 374
18. Herbert Wimmer Borussia Mönchengladbach 366
19. Wolfgang Weber 1. FC Köln 356
20. Bernd Cullmann 1. FC Köln 341
21. Christian Hochstätter Borussia Mönchengladbach 339
22. Thomas Brunner 1. FC Nürnberg 328
23. Hermann Ohlicher VfB Stuttgart 318
24. Frank Neubarth Werder Bremen 317
25. Ernst Diehl 1. FC Kaiserslautern 314
26. Thomas Wolter Werder Bremen 312
27. Axel Roos 1. FC Kaiserslautern 303
28. Lars Ricken Borussia Dortmund 301
29. Helmut Roleder VfB Stuttgart 280
30. Hans Pflügler FC Bayern München 277
31. Uwe Bracht Werder Bremen 272
32. Uwe Bindewald Eintracht Frankfurt 263
33. Thomas Schaaf Werder Bremen 262
34. Herbert Büssers MSV Duisburg 256
35. Arnold Schütz Werder Bremen 253
36. Dieter Prestin 1. FC Köln 246
37. Uwe Seeler Hamburger SV 239
38. Willi Entenmann VfB Stuttgart 237
39. Yves Eigenrauch FC Schalke 04 229
40. Peter Reichel Eintracht Frankfurt 225
41. Michael Opitz FC Schalke 04 224
42. Karl-Heinz Thielen 1. FC Köln 221
43. Peter Hidien Hamburger SV 214
44. Michael Dusek 1. FC Kaiserslautern 210
45. Roland Dickgießer SV Waldhof Mannheim 208
46. Hermann Gerland VfL Bochum 204
47. Sepp Piontek Werder Bremen 203
48. Thomas Kruse FC Schalke 04 199
49. Andreas Schmidt Hertha BSC Berlin 193
50. Dieter Lindner Eintracht Frankfurt 189
51. Heinz Strehl 1. FC Nürnberg 174
52. Ferdinand Wenauer 1. FC Nürnberg 168
53. Wolfgang Pohl Arminia Bielefeld 167
54. Franz Raschid Bayer Uerdingen 166
55. Hilmar Weilandt Hansa Rostock 160
56. Fritz Pott 1. FC Köln 151
57. Ralf Kohl SC Freiburg 147
58. Roland Wabra 1. FC Nürnberg 146
59. Michael Wittwer Karlsruher SC 145
60. Christian Fiedler Hertha BSC Berlin 137
61. Günter Sebert SV Waldhof Mannheim 128
62. Uli Sude Borussia Mönchengladbach 126
63. Karsten Bäron Hamburger SV 124
64. Jürgen Gronau FC St. Pauli 117
65. Klaus Thomforde FC St. Pauli 100
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Lothar Matthäus ist tot, es lebe Philipp Lahm

2006 war er noch weit davon entfernt, gegen 2008 bekam man eine Ahnung, als man ihn Werbung für die CSU und die FOTO-Zeitung machen sah. 2010 verkaufte er seine Hochzeit an eine Zeitung, die daraus dicke, dicke Lovestories bastelte, die ihn fragte, wie viele Kinder er haben wolle, welche Musik auf der Hochzeit gespielt wurde und weiteren Boulevard-Sermon, dazu der immer unablässliche Bericht, woraus denn das Buffet der Feier bestand.

Nun ist es klar: Philipp Lahm ist der legitime Nachfolger von Lothar Matthäus. Reiner Zufall, dass der Kleine öffentlich in dieser Zeitung heiratete und der Alte nur wenige Tage später öffentlich das Ende seiner Ehe verkündete, nachdem er Paparazzi-Bilder von dieser Zeitung live vor der Kamera vorgelegt bekam, die die Hörner auf seinem Kopf für alle (deutsche) Welt sichtbar machten.

Genauso klar ist, dass es schwierig ist, den einen an Ungeschicklichkeit und Intellekt zu unterbieten. Und das schafft auch Lahm nicht. Trotzdem sind die Pfade, die Lahm so langsam begeht, SZ-Interview mit möglicherweise guten, sportlichen Absichten hin oder her, jene, die der andere so langsam verlässt. Natürlich nicht freiwillig, sondern weil selbst in der FOTO ihn bald keiner mehr lesen wollen wird. Die immer nächste noch jüngere Perle ist selbstredend eine Schlagzeile in immer kürzer werdenden Einschlägen mehr als eine funktionierende Ehe mit zwei Kindern, die sich Lahm von seiner Frau wünscht.

Die Gefahr bleibt aber groß, dass Lahm, der politisch offensichtlich ähnlich rechtsaußen einzuordnen ist wie Hoeneß (der ja nicht mal Bayer ist) und Rummenigge (der ja nicht mal Bayer ist), nun für den Rest aller Zeiten mit der FOTO paktiert und sein Standing bei jenen Teilen verbessert, die nichts anderes als die FOTO gucken.

Es beginnt, mehr als nur unangenehm zu werden, wie der Kleine mit den dicken Augenbrauen sich durch ein Dickicht vernetzwerkt, das ihn niemand zu betreten gezwungen hat.

Der schale Nachgeschmack beim Betrachten der fast immer wachsweichen Statements des vermeintlichen Weltstars Lahm wird immer stärker.

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Seltsame Einlaufkinder

Ob ihr mit dem FC Bayern München oder dem Gastteam auflauft, losen wir vor dem Spiel aus. Ausnahme: Ein Team will nicht mit dem FCB auflaufen, was bisher aber nicht vorkam.

Was Campino wohl davon hielte? — Vermemmte Jugend ohne Rückgrat.

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Zu wenig echte Kerle

Teamkapitän Augenthaler klagte wieder einmal, man habe „zu wenig echte Kerle in der Mannschaft, Typen, die sich für den Verein reinhängen, statt nur ihr Geld abzuholen.“ Dieter Hoeneß wies darauf hin, wie schwer doch Lothar Matthäus sich tue, der ihm zugewiesene Rolle als Chef im Mittelfeld gerecht werden: „Als Spieler ist der Lothar in Normalform Weltklasse. Als Macher aber wird er überschätzt.“

So äußerten sich der Trainer der SpVgg Unterhaching und der Manager des VfL Doofsburg über den ähm, Gala-eristen Lothar Matthäus damals, als der FC Bayern München im DFB-Pokal mit 0:3 bei Fortuna Düsseldorf ausschied, 1986/87. Mir dräut, als hätte ich des Auges Worte davor und danach schon irgendwo mal oder mal wieder gehört. Dabei werden doch sonst kaum Spiele verloren, im Fußball.

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Aus dem facebook-Chat zum Live-Stream der ARD

Wer braucht schon das Zeit-Online-Live-Blog oder das von Lizas Welt zum DFB-Pokal-Halbfinale zwischen Schalke und Bayern — wenn er die unten stehenden hervorragenden Analysen auch noch frei GEZ-Haus mit der Übertragung der ARD mitgeliefert bekommt?

[…]

wo is ein tor.

hallo.

vfb isch des beschdee.

schonw as passiert?

@ lukas: kanns sein, dass wir uns kennen?

hier ist baden!!!!!

scheis baden.

schalkeee

niemals!

VFB ich steh zu dir.

sch………..

schweini du bist blind

@Timm???

Arbeitslos und 1 Flasche Bier das ist S04, die Scheiße vom Revier…

bayern verkackt volle möhre.

wer meckert hier über Badener??? Und warum???

0:0

dieses jahr ist grün-weiß mega out.

türkiyeeeeee.

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Die bestechende Logik des Mario Gomez

Ich glaube, unsere Chancen in der Champions League sind besser als noch vor ein paar Wochen. Mit Chelsea und Real sind zwei Topklubs ausgeschieden, da ist für uns jetzt sicher mehr möglich.“

Hat ihm niemand erzählt, dass ausgeschiedene Klubs schlechter waren als jene, welche weitergekommen sind? Wieso sind die Chancen jetzt besser als vorher, wenn nur noch stärkere Klubs als in der voran gegangenen Runde mit dabei sind?

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Märchen aus Wales und aus Worms

Wisst Ihr noch, damals, als Wales so oft Weltmeister war und in Deutschland die ganze Bundesliga vor Wormatia Worms zitterte, weil Wormatia damals eine Meisterschale nach der anderen abräumte? Wisst Ihr noch, wie man vor Einführung des Elfmeterschießens den Sieger einer Partie bei Gleichstand durch Würfelspiele im angeschlossenen Vereinsheim ermittelte? Und wie Carl Zeiss Jena auf diesem Wege Europapokalsieger der Betriebsmannschaften wurde?

Nein? Könnte daran liegen, dass dem nie so war. Frank Goosen hat sich ein wenig damit beschäftigt, wie die Saison in Deutschland bisher verlaufen ist. Wie das dann so ist, wenn man ein bisschen was zur Unterhaltung beitragen will, muss man zur Einleitung gleich mal einen raushauen.

Wer wie der Verfasser dieser Zeilen in den Siebzigern an den Fußball herangeführt wurde, der reibt sich auch in dieser Bundesliga-Saison wieder die Augen: Seit fast zwei Jahren war der FC Bayern nicht mehr Tabellenführer. So etwas war früher gleichsam von der Verfassung verboten, das Nähere regelte ein Bundesgesetz, beziehungsweise Uli Hoeneß.“

Man weiß nicht genau, welche Siebziger Jahre Goosen meint, in denen ihm der Fußball näher gebracht wurde. Die 1970er nach Christus können es jedenfalls nicht gewesen sein. Okay, zunächst drei Meisterschaften in Folge für die Bayern, aber dann? Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft brachen in der Bundesliga erstmal äußerst dürre Zeiten für die Bayern an.

In den Saisons 1974/1975 bis 1978/1979 war Bayern genau 3x Tabellenführer.

3x von 170 Möglichkeiten.

Dabei ist es keineswegs so, als hätten die Bayern dann eben 167x auf Platz 2 gelegen. Vielmehr gaben sich illustre Tabellenpositionen zwischen 2 und sagen wir mal 5 bis 8 die Klinke in die Hand oder es verschlug die vermeintlich Ruhmreichen sogar bis in die untersten Regionen. 1x Platz 10 am Ende, 1x Platz 12.

Aber was tut man nicht alles für einen gelungenen, kraftsprotzenden Einstieg in seine Kolumne? Zum Beispiel Märchen aus Wales erzählen.

So, ein Sauerbier für den Erbsenzähler bitte. Und für die Verfassungsrichter auch eins.

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Von der Magie der retrograden Amnesie

Man weiß nicht genau, ob es Fluch oder Segen ist, Besitzer eines menschlichen Gehirns zu sein.

Passiert etwas sehr, sehr Schlimmes, dann wird dieses Ereignis einfach nicht gespeichert, und auch der Vorlauf dieses Ereignisses kann in mehr oder weniger großen Teilen nicht erinnert werden. Die Funktion eines solchen „Amnesie“ genannten Prozesses scheint klar: Wenn etwas ganz fürchterlich war, ist es das Beste für die Selbsterhaltung eines Individuums, wenn keine Erinnerung an solche Erlebnisse exisitiert, das Wirken und Schaffen nicht beeinträchtigt werden und die Konzentration auf das Hier und Jetzt (in welchem es ja wiederum zu überleben gilt) eben nicht durch womöglich auftretende ständige, plötzliche Angstschübe unmöglich gemacht wird.

Eine feine Sache, so eine Amnesie.

Peinlich wird es allerdings dann, wenn die komplette Umwelt Zeuge dieser vermeintlich schlimmen Ereignisse war, ohne sich davon so betroffen zu fühlen, dass ein solch amnesischer Vorgang eingeleitet hätte werden müssen, der das Ich schützt. Womit sich der Beobachter auch noch an alles, was während des und vor diesem Ereignis geschehen ist, erinnert. Und die letzte Krise des FC Bayern war nun mal für die wenigsten eine existenzbedrohende, so dass man sich hier und dort noch bestens erinnert, was gerade eben erst geschehen ist. Nicht so die direkt Betroffenen, die dies dann auch noch, so sie keiner schützt, ohne den Anflug einer Ahnung von ihrer eigenen Amnesie zu haben in alle Mikrofone tröten:

Wir hatten nie Unstimmigkeiten, die Unruhe wurde von außen herangetragen.“

Schauen wir einmal genauer hin, was eine solche Amnesie, wie sie hier durch das Leugnen des Sprechers einer von allen anderen erlebten und erinnerten Realität zu Tage tritt, bedeutet:

Eine retrograde Amnesie (lat.: retro = rückwärts) ist eine spezielle Form der Amnesie, bei der Personen nicht mehr in der Lage sind, sich an Geschehnisse vor einem bestimmten, meist traumatischen, Ereignis zu erinnern. Der Gedächtnisverlust bezieht sich auf einen (zumeist kurzen) Zeitraum vor dem bestimmten Ereignis, ein Patient kann sich beispielsweise nicht mehr an einen Unfallhergang erinnern. Wenn diese Erinnerungslücken schwerwiegend sind, kann die dadurch entstehende Unsicherheit für die Betroffenen quälend sein.

Nun, quälend sind die Erinnerungslücken für Karl-Heinz Rummenigge offensichtlich nicht, sonst würde er nicht in Euphorie getränkt vor sich her jubilieren und „magische Nächte“ mit „historischen Abenden“ kombinieren, niemanden, der seinen Weg kreuzt ohne eine kleine Arie auf sein Team und seinen Klub davonkommen lassen. Traumatisch aber scheinen die Ereignisse davor gewesen zu sein, eine Niederlage in Mainz war da noch das geringste Übel, vielmehr die Gefahr, zum zweiten Mal in einem Halbjahr einen Trainer feuern zu müssen, den Vorstand kritisierende Interviews der eigenen Spieler und zu schlechter Letzt natürlich auch noch das peinlicherweise geklaute Gedicht zum Abschied von Franz Beckenbauer.

Traumatisch, als Protagonist, traurig für den Beobachter.

Die Definition der Amnesie geht allerdings noch weiter:

Eine retrograde Amnesie kann in Verbindung mit einer im Vordergrund stehenden anterograden Amnesie auch bei einem Korsakow-Syndrom auftreten.

Und dass in diesem Punkte Rummenigge etwas gefährdeter ist als seine Vorstandskollegen, legt ein Blick ins Archiv nahe, wenn man zum Beispiel „Erdinger, das Weißbier der Rummenigges“ noch mal anschaut (ganz besonders das zweite Video), seine Äußerungen zum Alkoholkonsum im Stadion unter „Neues vom Schlucksee“ liest oder ganz grundsätzlich der Frage nachgeht, ob er Probleme mit dem Gedächtnis habe — die Zeit in Lippstadt liegt schließlich lange zurück — das haben wir ja schon vor längerer Zeit mehrfach gefragt.

Bei extrem positiven Ereignissen ist das Auftreten einer Amnesie übrigens nicht bekannt, es steht also nicht zu befürchten, dass Karl-Heinz Rummenigge nach eventuellen Niederlagen gegen Bochum und Berlin oder Tabellenplatz 8 im März plötzlich wieder von einer Krise faselt. Magische Nächte sind lang.

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