Thon wie eine Schlange

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Sagt er.

Im Spiegel, 1998.

Auch sonst noch lesenswert, wie es die alten Print-Spiegel-Texte (über den Fußball und Fußballer) eigentlich immer sind.

Würde ja gerne endlich mal wissen, ob Thon doof ist oder eben nicht.

Und auch die im Text aufgestellte These, dass er kein Volksheld ist, würde ich gerne beantwortet haben. Galt Thon je als zu mädchenhaft? War er nicht der eigentlich bessere Fußballer als Matthäus, der ja eigentlich nur „aufräumen“, aber nie gestalten konnte? Weltmeister ist er schließlich auch.

Lesen Sie frühere Beiträge zu Olaf Thon:

Der Professor mit 18
Die noch viel früheren drei Tore von Olaf Thon in einem Spiel
Uli Stielike bleibt einsam

10 Kommentare

  1. Naja, Volksheld…
    Wenn ich so in meinen Erinnerungen krame, dann finde ich das:
    Die 3 Tore im im Spiegeltext erwähnten Pokalspiel, der Elfer im WM-Halbfinale gegen England und der UEFA-Cupsieg mt Schalke, das sind die 3 Dinge, an die ich mich sofort erinnere, wenn es um den Fußballer Thon geht.
    Dann noch das wilde Interview von Töpperwien nach dem 6:6 (hattest du doch hier auch mal was zu getextet, oder?), was die Sicht auf ihn wohl stark prägte und möglicherweise auch ne Erklärung für alles ist, was danach so an dummerhaftem Gelaber seinerseits kam.
    Zweifellos ein Held der Schalker, ebenso zweifelsfrei ein Dummschwätzer vor dem Herrn (mit dem Mikrofon), mädchenhaft hab ich ihn nie empfunden, nur als so dumm wie ein Paderborner Landbrot. Als Fußballer insgesamt eher unauffällig und von Verletzungen geplagt, was auch den Einstiegssatz des verlinkten Artikels, es sei vor Jahren beim FC Bayern gescheitert (was ich -aus meiner Erinnerung- nicht nachvollziehen kann), mit erklärt, empfinde ich ihn auch als besseren Fußballer, aber ihm gingen die Power als auch das ‚Chefige‘ eines Matthäus ab und somit auch dessen fußballerisches Charisma (Stichwort Effenberg). Was sie beide imo eint, ist: weghören und -lesen ist echt besser.

    Interessant finde ich: Thon und Rangnick wurden mit dem Titel ‚Professor‘ bedacht, aber geschah das bei Thon doch deswegen, weil er schlau rüberkommen wollte und letztlich nur Blech schwätzte, bekam Rangnick den Titel ‚verliehen‘, weil er etwas zu erklären versuchte, was damals die staunende Öffentlichkeit schlicht nicht kapierte. Plus: die Brille^^.

  2. Die Einschätzung mit Ball von Manfred teile ich.
    Jene ohne nicht.
    Ich lernte O. Thon vor zweieinhalb Jahren im Rahmen einer Zusammenarbeit persönlich kennen und fand das folgendermaßen:
    Unabhängig von seiner Formalbildung ist er ein total normaler Mensch; weder so oberschlau wie er sich bisweilen im Herbst seiner Karriere gerierte, noch brotdoof, wie es im Frühling derselben bisweilen den Anschein hatte. Freundlich, pfiffig, zuverlässig, durchaus allürenfrei.
    Und mit Biergläsern hat er auch nicht geworfen…

  3. Komisch. Ist man jenseits der vierzig automatisch „Früher-war-alles-besser“-Nostalgiker oder kann es doch sein, daß die Qualität des Sport- bzw. Fußball-Journalismus rapide nachgelassen hat?

    PS.: Erst recht im „Spiegel“?

  4. Den Olaf hatte ich irgendwie trotz fußballverrückter 90er-Kindheit/-Jugend gar nicht mehr auf dem Radar, bis ich neulich bei „Blickpunkt Sport“ reingezappt habe, wo die Moderatorin ihm vor sichtlich desinteressiertem Publikum zwischen den üblichen belanglosen Fragen mehrmals erzählt, wie sehr sie ihn in München seitdem vermisst haben…

    Erste Assoziation war jedenfalls immer der Elfmeter gegen England und wie er kurz vorm Anlauf die Mundwinkel samt Schnauzer heldenhaft hochzieht.

    Jedenfalls sehr interessant zu lesen, der Artikel. Wenn man das Spiegel-Archiv mal ein bisschen durchforstet, ist das ja ne wahre Fundgrube für solche Texte, war mir bis jetzt gar nicht bewusst. Wenn ich mir dagegen die heutigen SPON-Texte anschaue… Sowas gibt’s aber heute auch in der Print-Ausgabe nicht mehr, oder (war lange nicht mehr beim Arzt)?

  5. … „sagt Olaf Thon, 1,70 Meter groß“, sagt der große, artige, ein BILD schreibende SPIEGEL sofort anfangs des Artikels (Genitiv). Damit ist etwa der Sinn benannt, einen großen Fußballer klein zu halten, aus welchen Vorlieben auch immer. – Schalke mag ich übrigens nicht, aus meinen Vorlieben, aber gute und Spieler mit Witz hatten die schon. – Aber Schlange? Hieß der nicht Wegmann?

  6. „1,70 groß“ und „Giftzwerg“ find ich auch daneben, aber wenn man überall Kampagnen und Lobbyismus sieht, kann man sich ja den Spaß an jedem Medienkonsum verderben.

    Könnte mir übrigens vorstellen, dass es für den „Giftzwerg“ heutzutage unter Umständen auf Initiative des Spielerberaters ne Verleumdungsklage gäbe (was wiederum mädchenhaft wirken würde).

  7. Aber was ist denn konkret das eigentlich Dämliche an seinen Aussagen? Ich meine damit nicht, dass man ihm – weil Fußballer – mehr durchgehen lassen müsste als anderen Menschen, die in Kameras und Mikrofone sprechen. Es ist mir einfach nichts bekannt, was wirklich extrem blöd ist, inhaltlich.

    Vielleicht auch selten brillant zu Ende gedacht, aber welcher Umstand, welche Handlungsweise oder welche Äußerung ist es konkret, die/der ihm den Vorwurf der Dummheit eingebracht hat?

    Was die Qualität der Spiegel-Beiträge angeht: Ich war auch schon seit Ewigkeiten nicht mehr beim Arzt, aber die Printausgaben stehen ja jeweils bis auf die letzten 12 Monate online, um genau das zu überprüfen.

  8. Ich liebe die Kategorie der Totalität. Das Ganze. Wahrnehmung. Sinne. Alle. – Macht Sinn!

  9. Olaf Thon – da bin ich noch zu jung um mitreden zu können, aber die Kommentare sind schon interessant ;)

    „Was die Qualität der Spiegel-Beiträge angeht: Ich war auch schon seit Ewigkeiten nicht mehr beim Arzt,“ – haha der war gut. War erst heut beim Zahnarzt und seit ewigkeiten mal wieder eine Zeitung in der komischen Print-Version angeschaut…

  10. Und, hat sich’s gelohnt?

    Hab gerade mal wieder bei SPON vorbeigeschaut.

    http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,804788,00.html

    Dagegen, wie dort Leute niedergeschrieben werden, war „1,70 groß“ ja fast schon subtil.
    In dem alten Thon-Artikel wird zumindest versucht, die Dinge in einen nachvollziehbaren Zusammenhang zu bringen. So was oberflächlich Parteiisches hingegen liest man sonst nur in der Regenbogenpresse.



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