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Monat: Dezember 2008

Mit Handschlag begrüßen

Auch beim VfB Stuttgart gab es mal Zeiten, in denen man jeden Zuschauer mit Handschlag begrüßen konnte: beim Spiel der Zweiten Bundesliga Süd der Saison 1975/76 zwischen dem VfB Stuttgart und dem SSV Reutlingen fanden laut fussballdaten.de schlappe 2000 Zuschauer den Weg ins Stadion, laut Wikipedia sogar nur noch schlappere 1200. In der Startaufstellung und unter den Torschützen dabei übrigens ein gewisser Ottmar Hitzfeld.

Diese Zeiten sind lange vorbei, und die Durchlässigkeit nach oben und unten ist bekanntermaßen geringer geworden, so dass ein solches Schicksal, am Ende 11. der geteilten zweiten Liga für den VfB ziemlich unwahrscheinlich geworden ist. Leider.

Nicht leider, weil ich etwas gegen den VfB hätte, in meiner persönlichen Sympathieliste zusammen mit Hannover 96 und Eintracht Frankfurt so ziemlich der neutralste Club der Bundesliga (zumindest seit MV nicht mehr dort ist), sondern leider, weil die Fluktuation und die Gefahr des Abstiegs einen nicht geringen Teil des Reizes ausmacht. Spontan fallen mir von den langjährigen Bundesligisten nur ganz wenige ein, die ebenfalls mal ein Intermezzo in der zweiten Liga hatten: Gladbach, Köln, Schalke, Dortmund, Bremen, Hertha, Frankfurt, Kaiserslautern, Hannover, Bochum, Nürnberg, Duisburg, Karlsruhe, z. B.

Bevor ihr klugscheißt, nein: Leverkusen, Hoffenheim und Wolfsburg hatten kein Intermezzo in der zweiten Liga. Seit ihrem Aufstieg in die erste Liga sind sie dabei. Insofern war das in der zweiten Liga kein Intermezzo. Gell?

Bezeichnenderweise stellte der VfB dann nach seiner Rückkehr in die 1. Bundesliga mit 54.000 Zuschauern einen Rekordschnitt auf, der fast 20 Jahre lang Bestand hatte.

Schon damals gab es also Eventfans und trotzdem lasen wir nichts darüber. Damals. Vielleicht auch, weil wir damals noch nicht lesen konnten. Vielleicht auch nicht.

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Huub Stevens‘ Wutrede

Wer niederländisch versteht, plattdeutsch reicht wahrscheinlich auch, ist beim Video von Huub Stevens‘ Wutrede (ab 0:50) mit darauffolgendem vorzeitigem Abgang aus der Pressekonferenz vor dem Spiel PSV Eindhoven gegen FC Liverpool im Vorteil. Anlass waren die Fragen der Journalisten zu den Streitigkeiten von Huub Stevens mit seinem Spieler Carlos Salcido.

Ob da jemand schon mal ganz bewusst seinen eigenen Abschuss vorbereitet, um in Kürze woanders einzusteigen?

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Der verbale Schatten Thomas Hörsters

So langsam sollten Trainer es doch mal verstanden haben: Realistische Einschätzungen der Leistungsfähigkeit des eigenen Teams werden zwar nicht mit Enthauptung — moderne Zeiten wie diese — aber zumindest mit der Entlassung bestraft. Geteert und gefedert wird nicht mehr. Dennoch sollte man nie zugeben, dass man ratlos ist und oder die Mannschaft im aktuellen Zustand keine Chance beim nächsten Gegner oder auf die Erreichung der gesetzten Ziele hat.

Armin Veh sprach letztens noch davon „gefühlt Neunzehnter“ in der Tabelle zu sein, was zu zwei Anmerkungen verleitet: Armin Veh kennt sich in der Bundesliga tatsächlich nicht so gut aus, sonst wüsste er, wie das mit den 17 Heimspielen pro Saison zustande kommt. Zweitens war die Auskunft über seine inneren JBKs so ziemlich das letzte, was er als Trainer tat.

Großes Vorbild einer solchen Selbstaufgabe vor laufender Kamera war Thomas Hörster, der in einem Interview kurz nach Schlusspfiff eines verlorenen Spiels zugab, „keine Hoffnung mehr und nach dieser Leistung aufgegeben“ zu haben, Bayer Leverkusen noch vor dem Abstieg retten zu können. Womit auch das das letzte war, was er als Trainer dieser Mannschaft tat.

Ein anderer deutscher Trainer ist zur Zeit war bis neulich bei Real Madrid, wo man ohnehin schon große Probleme mit Einschätzung und Realität und beidem gleichzeitig erst recht hat. Am Sonntag sprach Bernd Schuster darüber, wie er die Chancen seiner Mannschaft einschätzt, das kommende Spiel in Barcelona zu gewinnen:

„Das ist unmöglich.“

Konsequenz: Auf Schalke und wo sonst noch der Erfolg fehlt, dürfte demnächst erneut der Name Bernd Schuster in der Verlosung sein, wenn es wieder heißt: Dreh dich, Trainerkarussell.

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Kaltz: Rekord ist möglich

Sicher, es sei durchaus im Bereich des Möglichen, dass der Rekord fallen könnte, wird Manni Kaltz vernommen. Kaltz, derzeitiger Halter des Rekordes an Eigentoren im deutschen Fußball — insgesamt 6x traf er ins eigene Netz — machte auch keinen Hehl daraus, dass er diesen unrühmlichen Rekord lieber jetzt als gleich los wäre. Und wenn, dann doch an jemanden, der sich wirklich des Spieles unwürdig erwiesen habe. Da wäre der aktuell Führende doch ein guter Kandidat.

Sicher, es sei schade, wenn man durch so ein Negativ-Ereignis wie ein Eigentor in die Schlagzeilen komme, und dann noch gleich so viele in so kurzer Folge. Aber, so Kaltz, mit der Gefahr dessen müsse man eben allzeit rechnen, wenn man den Platz betritt. Dass der Rekord überhaupt noch mal in Gefahr geraten konnte, wundert Kaltz schon: „Früher hatten wir ja keine Berater, die mal von außen eingegriffen hätten, mal ein bisschen Überblick bewiesen hätte. Heute ist das doch ganz anders, da hat jeder seinen Berater und die meisten kriegen doch auch so ein Medientraining.“ Dass das nicht für alle gelte und der aktuell ein Eigentor nach dem anderen Erzielende nicht längst mal ausgewechselt oder intern eine Bedenkzeit bekommen habe, könne er auch nicht nachvollziehen. „Aber das muss eben jede Mannschaft selbst wissen.“

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Genauer hinsehen

Hätte in diesem Fall geholfen.

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Allerdings nicht bei der Bewertung Schweinsteigers, sondern Eurosport beim Schreiben des Textes.

Als wirklich letzten Beitrag zum Thema: „Lustige“ Fehlerchen bei anderen …

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Die Schale muss weg

Ja, getz lass uns mal zur Sache kommen, Schätzchen, während die Hülsenfrüchte weiterhin dort remainen, wo sie eigentlich verkauft werden sollen. Es ist schon interessant, wie man mit wenig Bla-bla viel gar nix sagen kann, aber das hier hat schon Qualitäten, die nahezu Nahe Normalnull liegen. Also kurz vor Ajax Amsterdam.

Falls jemand auf Schalke Andreas Müller als „Schalker“ empfinden sollte, sollte er das nun und möglichst schnell kundtun. Viel Zeit wird er dafür nicht mehr haben.

Wer hat dieses Rhetoriktalent je bloß eingestellt?

„Das Gequatsche, ‚Ich will die Schale‘, das muss weg‘“.

Welche Mitarbeiter „um die Mannschaft herum“ meint Müller, wenn nicht sich selbst?

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Thomas Schaaf Trainergott

Zufällig bloggt neuerdings der Dolmetscher [Link leider tot] von Claudio Pizarro über seine Erlebnisse in der Kabine, vor, während und nach den Spielen des SV Werder Bremen:

Auf der Rückfahrt herrschte eine Stimmung wie bei einer Party im Hause Schaaf: Totenstille, Depression, die man quasi greifen konnte, niemand sprach ein Wort von Hamburg bis nach Bremen.

Am Weserstadion angekommen, gab Schaaf eine kurze Anweisung: „Morgen Training und am Mittwoch gegen die Türken wirds besser“ und verschwand.

Na, hoffen wir mal.

Lesenswert im Blog, dass selbst den stoischen Thomas Schaaf die Champions League noch mal ein Stück konzentrierter werden lässt.

Sehenswert auch die Fotos in der Galerie, welche intime Details verraten, die man so sonst nicht zu Gesicht bekommt.

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Mit der Startnummer „Manni“

Wer sich zur Zeit nicht alles bei Schalke ins Gespräch bringt: Nach dem unvermeidlichen Heißeluftblaser nun auch der zukünftige Vorruheständler Manni Breuckmann. Gefragt — allerdings von der NRZ, einer Einrichtung, die in Kürze verschwunden sein wird — was er denn mit seiner vielen Zeit dann anfangen wolle, antwortet Breuckmann:

„Stadionsprecher bei Schalke 04 — das wäre ein Traumjob für mich.“

Dass er dann hinterm Mikro nicht mehr so offenherzig die Leistungen der Seinen kommentieren könnte, wie er das zur Zeit noch kann, hat er sich hoffentlich gut überlegt. Ansonsten wäre es schön, Manni Breuckmann auf diese Art dann doch noch, dann und wann mal, ganz selten, in der Radiokonferenz vernehmen zu können. Aber: Das Ganze ist wohl eher unter Imagebildung zu verbuchen. Schade.

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Wie ich mir einmal ins Knie schoss und es erst Jahre später merkte

Gestern Nacht noch daran gedacht, dass es gar nicht so schlimm ist, wenn die Zuschauer nicht mehr zum unterklassigen Fußball erscheinen, weil sie zur selben Zeit lieber den Profis zuschauen.

Jedenfalls kein Vergleich dazu, wie schlimm es ist, wenn dass selbst die Spieler nicht mehr zum unterklassigen Fußball erscheinen, weil sie zu dieser Zeit lieber den Profis zuschauen.

So des Öfteren schon selbst erlebt, weil diverse Mannschaften am Niederrhein zu mehr als 50% Stammgäste einer gewissen Borussia sind, ob mit Dauerkarte oder ohne, ist irrelevant. Jedenfalls sind sie so häufig in so großer Prozentzahl im Stadion und nicht beim eigenen Spiel, dass man ihre Spiele verlegen muss.

Dabei kommen dann nicht nur durch verlegte Partien schiefe Tabellenstände heraus, was noch das geringste Übel ist. Es kommt nicht nur als nicht ganz so geringes Übel eine weiter sinkende Bereitschaft von Zuschauern heraus, sich auf ständig verlegte Termine einzurichten, sofern diese potenziellen Zuschauer nicht ohnehin schon alle ebenfalls mit Dauerkarte im Stadion sind.

Vor allem bewirkt es, dass es immer weniger Amateurmannschaften gibt, nicht mal besonders langfristig, sondern schon ziemlich kurzfristig.

Die Leier von Playstation, „BMX-Rad“ oder was man sonst früher alles nicht hatte, muss hier gar nicht als Konkurrenz bemüht werden: Konkurrenz zu was? Wo keine Fußballmannschaft ist, kann man nicht Fußball spielen. Und wo niemand Fußball spielt, wächst auch nichts nach, egal, wie viele Superstars wie häufig für Clubs mit deutschem Standort die Champions League gewinnen.

Gestern noch daran gedacht, dass es nicht egal ist, wie viele Spieler sich lieber dem Stadionbesuch hinwenden, als selbst aktiv zu sein, widmet sich heute der Indirekte Freistoß diesem Thema, unter Anderem mit Interviews der FR mit „Betroffenen“.

Auch wenn das hier nicht das eigentliche Thema ist: Die Frage sei erlaubt, ob man sich wirklich mit allen verfügbaren Mitteln und somit auch aller Energie und Zeit mit vier als ehrabschneidend empfundenen, marginalen Silben beschäftigen muss.

Oder ob man wenigstens ein gerüttelt Maß seiner Energie darauf verwenden sollte, dass die Fußsoldaten im Reiche glücklich sind und ihre Berufung ausüben können, auf dass sie erhalten bleiben. Ansonsten ist man in gar nicht so ferner Zukunft ein König ohne Königreich.

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Averell Dalton

Falls jemand, der so ungefähr in dieser hier zu verortenden Generation aufgewachsen ist, vergessen haben sollte, wie Averell Dalton aussieht, dann gibt ihm Jens Todt (u. a. mal für Spiegel Online als Schreiber und für den SC Freiburg als Fußballspieler aktiv) eine gute Möglichkeit, sich wieder zu erinnern.

Dieses Kinn, unglaublich: Hat man je ein Kinn gesehen, dass sexier ist?

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Den kenn ich doch

Damit man sich mal keine falsche Vorstellung davon macht, was es bedeutet, wenn in einer Bundesligasaison 10 Millionen Menschen im Stadion gewesen sind: es waren immer die selben 2 Prozent der Bevölkerung.

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