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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

fRüHsTüCk

Ich wache auf als Finalist, aber mit etwas Glück gehe ich als Europameister ins Bett.

Bleibt die Frage, wieso ich an einem solchen Tage nicht schlafen kann. Bin ich etwa nervös und werde Fehlpässe spielen, wie sie Metzelder und Mertesacker nicht besser können? Ich spiele gar nicht mit, aber das letzte Finale war 1996 (2002 zählt aufgrund der seltsamen Uhrzeit nicht so richtig) und ich kann mich an 1996 kaum noch erinnern. Einzig, dass ich später im Daddy (eine handelsübliche Disco) war und meine Hose mit einer Dame tauschte, was immerhin bedeuten muss, dass ich damals noch in Damenhosen passte.

Marco Bode sagte, er hätte ein Buch gelesen am Tag des Finales, am Nachmittag, um sich abzulenken. Ich kann heute ganz sicher kein Buch lesen. Und ganz sicher auch wird Deutschland verlieren, aber ich hasse verlieren, wenn es Finales sind. Eigentlich wünsche ich mir, die Türkei hätte gewonnen, dann wäre es nicht so schlimm heute Abend die Spanier den Pokal recken zu sehen. Ich habe schon so viele Finale verlieren sehen, dass es für ein ganzes Leben reicht, aber bewusst gefeiert habe ich nur 1996, 1990 saß ich noch wie ein Idiot im Wohnzimmer meiner Eltern, nichtsahnend, dass derweil in der großen Stadt das Krokodil Aerobic machen würde.

Sollte ich mich täuschen und Deutschland gewänne heute Abend, ich würde trotz des seltsamen Turnierverlaufs sagen: Danke. Dem Schicksal natürlich, nicht den jeweiligen Spielern, die spielen ja jeder für sich selbst und für die Oma von Philipp Lahm (vielzitierte). Ein bewusst erlebter Turniersieg mit dem Bewusstsein, dass sowas nicht so schnell wiederkommt, ein bewusst erlebter Turniersieg im gewachsenen Bewusstsein plus eine eigene Webseite betreibend, das wäre unschätzbar.

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O tempora, o mores!

Frage [von SPON an Simon Rolfes]: Gab es nicht irgendwann in den vergangenen Wochen mal Frust bei Ihnen, dass Sie als Bundesliga-Stammspieler bei der EM nur auf der Bank saßen?

Als Bundesliga-Stammspieler auf der EM-Bank. Skandal, ganz klar. Man sollte frustriert sein. Da ist man einer von nur 9 deutschen Bundesliga-Stammspielern und sitzt immer noch bei einem Länderspiel auf der Bank.

Bernard Dietz, Kenner der Zeit, als man noch erst mal 2-3 gute Saisons hinlegen musste, bevor man überhaupt nominiert wurde, übernehmen Sie!

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Ich sehe was, was Du nicht siehst

Man erinnere sich an den alten Nick Hornby, der da ja schrieb, dass er mit den Fans von Wolverhampton Wanderers mitfühle, welches irgendwann in den 1950ern zwei, drei Mal Meister wurde und seitdem — gar nicht mehr. Als kleiner Junge dachte er, Meisterschaft, das sei so etwas, was in schöner Regelmäßigkeit reihum ginge. Nun warten Fans der Wolverhampton Wanderers schalke-esk seit den 1950ern auf eine Wiederholung des Titelgewinns, allein: vergeblich.

Seit Einführung der „neuen“ Premier League wurde neben Manchester United, dem FC Arsenal und dem FC Chelsea mit den Blackburn Rovers genau ein Außenseiterteam Meister. Klar, bei Wettbewerben mit Turniercharakter ist die Außenseiter-Durchlässigkeit aufgrund der geringen Zahl der Spiele etwas höher, dennoch sind Turniere wie die WM 2002, bei der wirklich alle Großen früh die Segel strichen, selten. Als Selbstverständlichkeit darf man bei der winzigen Zahl von 4 Teilnehmern an einem Halbfinale aus entweder über 200 oder knapp 50 Kandidaten dennoch nicht nehmen. Man muss nur die Zahl der „Großen“ in Europa zusammenzählen und kommt zur Konsequenz, dass es für je nach Maßstab 3-5 Große einfach nicht reichen kann. Umso bemerkenswerter ist jene Bilanz, der gestern nur ein weiteres Kapitel der langen fußballdeutschen Erfolgsgeschichte angehängt wurde:

möglich gespielt verpasst
WM 82 Finale 7 7 0
EM 84 Vorrunde 5 3 2
WM 86 Finale 7 7 0
EM 88 Halbfinale 5 4 1
WM 90 Finale 7 7 0
EM 92 Finale 5 5 0
WM 94 Viertelfinale 7 5 2
EM 96 Finale 6 6 0
WM 98 Viertelfinale 7 5 2
EM 00 Vorrunde 6 3 3
WM 02 Finale 7 7 0
EM 04 Vorrunde 6 3 3
WM 06 Dritter Platz 7 7 0
EM 08 Finale 6 6 0

So sieht „meine“ Bilanz aus, da ich 1982 bezogen auf große Fußballturniere erwacht bin. Das bedeutet auch: Von den möglichen 88 Spielen, die Deutschland hätte machen können, haben 75 stattgefunden. Ich habe also dank des langfristig gesehen überragenden Erfolgs der deutschen Mannschaft nur schlappe 13 mal keinen Fußballabend mit deutscher Beteiligung gehabt, der hätte sein können, und man muss schon sehr undankbar sein, um das nicht zu würdigen zu wissen.

Einfach nur nach Österreich, in die Schweiz, nach Polen, selbst nach Frankreich oder England schauen, um zu sehen, wie gering die bundesdeutsche Quote an nicht stattgefundenen Spielen ist. In den Jahren 82 bis 92 waren es glatt nur 3 Spiele in einem Jahrzehnt, die nicht stattfanden. Nimmt man die Zeit ab der WM 1970 hinzu, wird es nicht schlechter, eher besser. Verpasst nur das Finale der WM 1978, ansonsten alle möglichen Spiel mitgemacht.

Hat da jemand über unansehnlichen Fußball gejammert? Sicher nicht so unansehnlich wie ein Spiel, das gar nicht stattfindet.

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Der Figaro von Tscheljabinsk

Der muss ein armer Mann sein.

Da vermuteten alle, es sei mittlerweile 2008, selbst in Russland.

Doch auch heutzutage möchte man dort immer noch kein Friseur sein. Entweder man stirbt an Langeweile oder den Hungertod. Es kommt ja nie einer, und wenn, dann will er doch immer nur das Übliche.

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Fußball ist keine Mathematik (und vor allem draußen)

Nee klar, Mr. Babylongemüse oder wie dieser Ebony-Turm noch hieß: Ein Ball kann gar nicht flattern. Ich bemühe mich ungerne der Comicsprache, aber dem kann man heute nur ein herzhaftes: haha entgegnen.

Okay, in der perfekten Windröhre (?) kann so ein Ball nicht flattern. Fußball findet aber unter freiem Himmel statt. Ganz davon abgesehen habe ich nicht nur Bälle flattern sehen, sondern es selbst mit schöner Regelmäßigkeit (kein Witz) verursachen können, dass ein Ball flattert, wenn die Entfernung zum Tor nur ausreichend groß war. Wat nu, Herr Professor?

Ich bin kein Anti-Empiriker, ganz im Gegenteil, aber! Was ist das für ein Quark. Jeder, der Fußball spielt, selbst auf unterstem Niveau, hat schon Bälle flattern sehen.

Leisten Sie Abbitte, Herr Dingsbums und dann werden wir Sie vielleicht doch nicht in die Hölle der wissenschaftlichen Irrtümer schicken. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Es gibt keine Flatterbälle.

Es gibt auch keine falschen Einwürfe.

Via Lizas Welt.

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Abraham gegen Bebraham

Kann ich mal die Fernbedienung ham?

Was ist denn das, mit Verlaub, für ein Scheiß? Da wird mir im Rahmen der Nachberichterstattung über das EM-Spiel Russland gegen Schweden tatsächlich noch ein Werbespot für irgendeine andere Wurstsendung der ARD zugemutet, die nicht mal was mit dem schlimmen Humor des Weißbier-Waldis zu tun hat, sondern noch schlimmer, Boxen ist. Glaub ich. Weiß ich nicht.

Es ging darum, dass irgendeine noch nie gesehene sportlich relevante Flitzpiepe — wahrscheinlich bei der ARD unter Vertrag — am Strand einen Strafstoß in ein notdürftig dahingelogenes Tor erzielen sollte, was sie dann gegen ihren 88 Jahre alten halbnackten Trainer auch bewerkstelligte.

Der „EM-2008″-Schriftzug blieb allerdings über die gesamte Dauer des Werbespots unten links eingeblendet und Medienbashing ist noch nicht ganz so out wie Kommentatoren- oder Modefans-Bashing, ja, es ist nicht mal so out wie Bashing-Bashing, weshalb das hier mal erwähnt werden musste. Keine Werbung nach 20h.

Manchmal wünschte man sich Werbung statt solcher Clips. Wer’s nicht gesehen hat: Dankbar sein.

Mit der EM hatte das nix zu tun und es wird nach einer solchen Lächerlichkeit ohnehin nicht eine Person mehr diese Sendung anschauen, als es vorher Menschen zu tun gedachten.

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Lesen, was gespielt wird

Den Mädels am Hauptbahnhof war es nicht verständlich zu machen, dass ich keine Tageszeitung brauche, weil da nur die Nachrichten von gestern drinstehen, die ich schon am Tage zuvor im Internet gelesen habe. Ihr Argument: „Ja, aber hier wird das alles noch mal aufbereitet.“ hat mich gerade in Bezug auf die WAZ, „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, nicht wirklich überzeugt. Die Glossen und Kommentare zu politischen, aber auch sportlichen Ereignissen, die ich dort früher am liebevoll von meiner Mutter zubereiteten Frühstückstisch las, bevor ich zu den Lateinstunden des Samstagsunterrichts aufbrach, hätte ich als mein eigener Deutschlehrer meist nicht durch den Banalitätsfilter gelassen. [photopress:zwei_m_dels_verteilen_zeitungen_2.jpg,full,centered]

Was mich hingegen überzeugt hat, waren ihre schicken Stutzen, ihre vergleichsweise zellulitefreien Beine und ihr generelles Fußballoutfit. Das hatte was. Was aber wohl eher daran lag, dass sie insgesamt nicht der Typ „Frauenfußballerin“ waren, sondern eher der bedauernswerte Typ „Studentenjahre sind keine Herrenjahre, und man muss sich für die paar Kröten auch noch für den letzten Scheiß zum Marketingclown machen und in Hauptbahnhöfen rumstehen“. Das hatte was. Abgesehen von der Transparenz ihrer T-Shirts.

Lesen, was gespielt wird.

In Zukunft auch wieder hier.

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Die neue Generation der Live-Ticker

Während die Mehrheit beim Livetickern noch am liebsten auf der Höhe der gerade vor sich gehenden Ereignisse sein will, ist man anderenorts viel weiter, bzw. weiter zurück:

Bei RPO gab’s heute einen Live-Ticker von einer Partie, die über 30 Jahre vorbei ist: das „legendäre“ EM-Viertelfinale 1972 in England. Ich würde fast meinen, die Existenz der FOTO-Zeitung könnte etwas mit der Auswahl des Spiels zu tun gehabt haben.

Ansonsten ist diese Idee so schräg, dass einem die Worte fehlen: Ein Liveticker von einer Videoaufzeichnung von einem seit Jahrzehnten abgepfiffenen Spiel.

Da bekommt das Wort live wirklich noch mal ein Meta-Komponente, die man sich nicht zu träumen gewagt hätte.

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Gascorsakoff

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man fast vermuten, dass Paul Gascoigne das Passwort zu seiner eigenen Webseite vergessen hat und sie deshalb seit 2 Jahren nicht mehr aktualisiert. Einen langen Rückblick auf seine Eskapaden ersparen wir uns, sie sind allseits bekannt, nur dass er zuletzt erneut „in verstörtem Zustand“ aufgegriffen wurde vielleicht nicht.

Angesichts der dauernd wiederkehrenden Abstürze und der anscheinend zunehmenden Schwere jener bliebe vielmehr zu hoffen, dass er nicht noch elementar wichtigere Dinge vergessen hat als das Passwort zu seiner Webseite. Zum Beispiel, wer er ist, wo er gerade wohnt, wie er dahinkommt und vor allem, dass Menschen ihrem Körper ab und an auch mal Wasser zuführen sollten. Sonst lesen wir von ihm bald einzig in einem Atemzug mit George Best, Stan Libuda und Garrincha.

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Alles hat eine Wurst, nur das Ende zwei

Ich bin untröstlich. Ich bin untröstlich.

Seit 1994 habe ich kein Spiel der deutschen Nationalmannschaft verpasst. (Das letzte verpasste war das 3:2 gegen Belgien im Achtelfinale der WM 1994, Rudi Völler, you know. Verpasst wegen Liebe, Herzschmerz und Klimbim, jedenfalls saß ich in einem Bus nach Paris (dazu später in einem anderen Beitrag mehr)).

Gestern habe ich nach langem Ausgehen das Spiel verpennt. Eine Katastrophe! Da nützt auch die beste Videoaufzeichnung nix.

Meine Serie ist kaputt. Ich gehe auf den Balkon, zum Weinen. Ich fühle mich wie Toni Schumacher nach der Veröffentlichung von „Anpfiff“ oder wie Sepp Maier nach seinem Autounfall, beides zwei Ereignisse, die solcherlei Serien abrupt und ungewollt beendeten.

Untröstlich.

Es fühlt sich an, als sei meine Identität ausgelöscht. Was sie nicht ist, ich weiß. Aber es fühlt sich so an. Und mit ausgelöschter Identität ist schlecht leben.

Vegetative Funktionen funktionieren wie eh und je, doch das soziale und auch integriert gedingste Ich ist kaputt.

Wenn man aufwacht und alles ist plötzlich anders, dann wäre man vielleicht lieber nicht aufgewacht.

2:1 für Deutschland, 0:1 für mich.

Abpfiff.

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Zweimal Pommes Rot-Weiß, bitte

Ahlen und Oberhausen.

Das muss nun wirklich nicht sein, wenn man in Düsseldorf erstens eine WM-taugliche „Arena“ stehen hat und zweitens in knapp 20 Minuten mit der U-Bahn da wäre.

In Ahlen ist man nie da.

Weil man da nicht hin will.

Da war man schon, da wurde einem aber das Handy geklaut und außerdem war das eine Atmosphäre wie damals bei den Bundesjugendspielen, als man den Staffelstab fallen ließ und der Arsch für alle war. Es gibt gar keine Laufbahn in Ahlen, es ist trotzdem trostlos, wie es nur dort trostlos sein kann, wo Mäzenatentum um sich greift und.

In Oberhausen ist es nicht besser, auch ohne Mäzen. Nur anders. Aber auch trostlos anders.

Guten Appetit und vielen Dank an die Union. (Sagt man „die“?)

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