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Schlagwort: Deutscher Meister

Bundesliga-Meisterschaften, die durch die Tordifferenz entschieden wurden

Noch ist es in dieser Saison 2018/19 nicht ausgeschlossen: dass die Tordifferenz über die Meisterschaft entscheidet. Auch, wenn das zugegebenermaßen äußerst unwahrscheinlich ist, drei Spieltage vor Saisonende und bei 16 Toren, die Borussia Dortmund gegenüber dem FC Bayern München aufholen müsste. Doch unmöglich ist es nicht. Schließlich begann die gar nicht mal so kurze Geschichte der anhand der Tordifferenz entschiedenen Meistertitel in der Bundesliga mit einem Sieg am letzten Spieltag, der bis heute der höchste Bundesliga-Sieg der Historie ist.

Immerhin sechsmal entschied am Ende die Tordifferenz über den Meistertitel in jetzt 56 Saisons, also in mehr als jeder 10. Saison ist dies der Fall. Allerdings ließ man sich einerseits 15 Jahre seit Gründung Zeit, bis es zum ersten Mal soweit war, andererseits ist es seit dem Beginn des neuen Jahrhunderts kein einziges Mal in inzwischen 19 Jahren mehr vorgekommen. Und dass die Zahl der mehr erzielten Tore – statt der reinen Tordifferenz – über den Titel entschieden hätte, gab es noch nie. Gleich beim ersten Mal wäre es aber fast schon soweit gekommen.

1977/78

Die Mutter aller Schlachten um die Tordifferenz fand an jenem letzten Spieltag der Saison 1977/78 statt, als Jupp Heynckes fünfmal im Rheinstadion traf, Otto Rehhagel mit Borussia Dortmund unterging und die Kölner so weise waren, sich nicht auf dem Vorsprung von 10 Toren vor Beginn des Spieltags auszuruhen, sondern ihrerseits beim 5:0 gegen den FC St. Pauli nicht mit Toren sparten. So blieb es bei am Ende drei weniger kassierten Toren als Konkurrent Borussia Mönchengladbach. Damit gelang der zweite und letzte Bundesligatitel des 1. FC Köln, der auch gleich noch das Double gewann (damals eine echte Besonderheit).

Club Tore Diff Punkte
1. 1. FC Köln 86:41 +45 48:20
2. Borussia Mönchengladbach 86:44 +42 48:20
3. Hertha BSC 59:48 +11 40:28

1982/83

Zwei Nordclubs ganz oben, und nur der Unterschied einer um 8 Tore besseren Tordifferenz machte den HSV zum Meister vor Werder Bremen, gerade mal vor zwei Jahren wieder aufgestiegen nach dem bislang einzigen Abstieg aus der ersten Bundesliga. Der Drittplatzierte VfB Stuttgart hatte mit 80 sogar noch ein Tor mehr erzielt als der Meister HSV mit seinen 79 Toren, aber weniger Punkte gesammelt. Keine allzu dramatische Angelegenheit war diese Entscheidung, auch, wenn es natürlich alles am letzten Spieltag noch hätte kippen können.

Club Tore Diff Punkte
1. Hamburger SV 79:33 +46 52:16
2. Werder Bremen 76:38 +38 52:16
3. VfB Stuttgart 80:47 +33 48:20

1983/84

In dieser Saison kam es zur seltsamen Konstellation, dass der Hamburger SV beim VfB Stuttgart quasi ein Finale um die Meisterschaft austragen durfte oder musste. Dieses gewann er zwar auch mit 1:0, es hätte aber noch ein paar Tore mehr gebraucht, um den VfB Stuttgart auch in der Tabelle zu überflügeln. Dass sogar drei Mannschaften am Ende punktgleich waren, gab es auch nur dieses eine Mal, aber Mönchengladbach hatte sich diesmal – anders als 1978 – offenbar ohnehin nicht mehr ernsthaft Chancen auf den Titel ausgerechnet.

Club Tore Diff Punkte
1. VfB Stuttgart 79:33 +46 48:20
2. Hamburger SV 75:36 +39 48:20
3. Borussia Mönchengladbach 81:48 +33 48:20
4. FC Bayern München 84:41 +43 47:21

1985/86

„Kutzop“.

Und das ist dann auch schon die komplette Geschichte dieses Dramas, bei dem der Tabellendritte Bayer Uerdingen immerhin auf die stolze Tordifferenz von +3 Toren kam.

Bliebe vielleicht noch zu erwähnen, dass dies der einzige Elfmeter war, den Michael Kutzop in seiner gesamten Profikarriere vergab. Und dass den Bremern immer noch ein Remis beim letzten Spiel in Stuttgart gereicht hätte, welches aber mit 1:2 verloren ging, während die Bayern zu Hause Borussia Mönchengladbach mit 6:0 abfertigten. Alles live verfolgt am Fahrradradio meines Kumpels, damals. Immerhin hatte der Fußballgott ein Einsehen und erlaubte Werder Bremen 1988 schließlich den Titel in der Bundesliga. Zu spät allerdings für Rudi Völler, der da schon über die Alpen nach Italien entfleucht war und somit zwar Weltmeister ist, aber nie Deutscher Meister wurde (und auch in Italien kein Landesmeister).

Ich schweife ab, hier geht es ja um die Entscheidung per Tordifferenz. Voilà:

Club Tore Diff Punkte
1. FC Bayern München 82:31 +51 49:19
2. Werder Bremen 83:41 +42 49:19
3. Bayer Uerdingen 63:60 +3 45:23

1991/92

Die sportlich schwärzeste Stunde der Frankfurter Eintracht fand mit einem 1:2 bei Hansa Rostock statt, woraufhin der VfB Stuttgart, der seinerseits erst spät in Leverkusen in Unterzahl zum Siegtreffer kam, mal wieder Meister wurde, wie das früher öfter der Fall war. Erstaunlich, dass man bei Borussia Dortmund diese einzige Saison mit 20 Clubs in der 1. Liga, in der man bis zuletzt im Meisterrennen war, kaum je erwähnt. In jedem Fall einer der spannendsten letzten Spieltage überhaupt in der Bundesliga-Historie.

Club Tore Diff Punkte
1. VfB Stuttgart 63:32 +30 52:24
2. Borussia Dortmund 66:47 +19 52:24
3. Eintracht Frankfurt 76:41 +35 50:26

1999/2000

Ballack, Unterhaching, Eigentor.

Auch diese Geschichte ist schnell erzählt, bzw. dürfte allgemein bekannt sein – und erneut war der FC Bayern Nutznießer dessen, dass er eine bessere Tordifferenz als sein Kontrahent aufwies. Da ahnte man bei Bayer Leverkusen allerdings noch nicht, was die Saison 2002 noch für sie bereithalten sollte …

Club Tore Diff Punkte
1. FC Bayern München 73:28 +45 73
2. Bayer Leverkusen 74:36 +38 73
3. Hamburger SV 63:39 +24 59

Der Glaube daran, dass sich die Saison 2018/19 in diese Liste einreiht, ist hier trotz meines Tweets von jüngst quasi nicht vorhanden. Spannend wäre es aber natürlich schon und wie der aktuell etwas schräge Spieltag gezeigt hat, auch nicht komplett unmöglich.

Wer die Saison 2000/2001 mit dem Meister der Herzen alias der Vierminuten-Meisterschaft des FC Schalke 04 hier vermisst, dem sei gesagt, dass der FC Bayern damals die schlechtere Tordifferenz aufwies, durch den späten Ausgleich beim Hamburger SV aber eben einen Punkt mehr sammelte als Schalke. Ohne diesen Punkt wäre man punktgleich gewesen – und bei dieser Entscheidung hätte dann Schalke die Nase vorn gehabt. Dem war aber nicht so, weshalb diese Saison auch nicht in dieser Zusammenstellung auftaucht. Dramatische Saisons gab es aber auch so schon genug. Nur seit 2012 ist da nicht mehr allzu viel Drama gewesen, Baby.

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Alle niederländischen Trainer in der Bundesliga

Über 50 Jahre läuft die Bundesliga nun schon und läuft und läuft und läuft. Erst in den letzten Jahren hat man sich aber auch bei der Position des Trainers vermehrt für Einflüsse von außerhalb Deutschlands geöffnet. Natürlich gab es auch früher schon immer mal wieder Trainer aus dem Ausland auf der Bank. Doch in den meisten Fällen waren dies Trainer aus dem deutschsprachigen Ausland wie Österreich oder der Schweiz, aus dem aus mehreren Gründen mit Deutschland eng verwobenen Jugoslawien oder eben ansonsten aus direkter Nachbarschaft. Nämlich aus den Niederlanden oder wie man im Fußball gerne auch gemeinhin sagt: aus Holland.

Hier der Blick auf alle Trainer aus den Niederlanden in der Geschichte der Bundesliga.

Liste aller holländischen Trainer der Bundesliga

Stand der Liste ist der 24.04.2018. Sie enthält auch jene Trainer aus den Niederlanden, welche nur interimistisch als Bundesliga-Trainer tätig waren, damit sie komplett ist. Zudem wurde der erst noch kommende Trainer der TSG Hoffenheim, Alfred Schreuder, der zur Saison 2019/20 in der Bundesliga beginnen wird, ebenfalls bereits aufgenommen.

Name Clubs
Gertjan Verbeek 1. FC Nürnberg
Bert van Marwijk Borussia Dortmund, Hamburger SV
Louis van Gaal FC Bayern München
Jan Notermans Arminia Bielefeld
Ricardo Moniz Hamburger SV
Andries Jonker FC Bayern München, VfL Wolfsburg
Aad de Mos Werder Bremen
Rinus Michels Bayer Leverkusen, 1. FC Köln
Huub Stevens FC Schalke 04, Hamburger SV, Hertha BSC, TSG Hoffenheim, VfB Stuttgart, 1. FC Köln
Jos Luhukay Borussia Mönchengladbach, FC Augsburg, Hertha BSC
Fred Rutten FC Schalke 04
Martin Jol Hamburger SV
Arie Haan VfB Stuttgart, 1. FC Nürnberg
Eddy Achterberg FC Schalke 04
Dick Advocaat Borussia Mönchengladbach
Gerald Vanenburg TSV 1860 München
Peter Bosz Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen
Alfred Schreuder TSG Hoffenheim

Mit dann insgesamt 18 verschiedenen Fußball-Lehrern führen die Niederlande die inoffizielle Wertung der Zahl der Trainer aus dem Ausland also an. Das darf eigentlich aufgrund der geographischen Nähe und der fußballerischen Exzellenz, die die Niederlande in den 1970ern und dann wieder ab den 1990ern (bzw. seit dem Gewinn der Europameisterschaft 1988) an den Tag legten, nicht überraschen.

Besondere Beziehung Deutschland – Niederlande

Die Geschichte des niederländischen Fußballs ist eine besondere. Das gilt ebenso für die Beziehung Fußballdeutschlands zu seinem westlichen Nachbarn. Ressentiments gibt es auf beiden Seiten. Dass diese dann aber nicht so groß sind, dass man nicht Trainer aus den Niederlanden anheuern würde, ist natürlich insofern klar, als dass es im Fußball stets ein übergeordnetes Ziel gibt: den Erfolg. Und wenn dieser mit einem Holländer an der Seitenlinie wahrscheinlicher wirkt, verpflichtet man eben einen solchen auch. Wobei diese Öffnung natürlich auch Teil der allgemeinen Entwicklung im Fußball ist. Seit dem Bosman-Urteil und seinen weitreichenden Konsequenzen ist der Fußball überall in Europa immer internationaler geworden, selbst in der oft als so borniert beschriebenen deutschen Bundesliga.

Meister-Trainer aus Holland

Deutscher Meister wurde übrigens nur ein einziger dieser Trainer aus den Niederlanden: natürlich das „Feierbiest“ Louis van Gaal. Allen anderen Coaches aus dem Nachbarland blieb ein solcher Erfolg verwehrt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden und da kann man sich natürlich überlegen, vielleicht eine der vielen denkbaren Sport Bundesliga Wetten zum nächsten Meistertrainer aus den Niederlanden zu wagen. Eventuell gelingt dies ja in Kürze Peter Bosz mit Bayer 04 Leverkusen (kleiner Scherz). Aber Niko Kovac‘ Tätigkeit beim Dauermeister FC Bayern scheint nicht in Stein gemeißelt zu sein. Und dass Dortmunds aktueller Trainer Lucien Favre gerne schon mal von Selbstzweifeln geplagt von sich aus das Weite sucht, ist hinlänglich bekannt. Bei beiden Dauerkandidaten für den Meistertitel könnte es also schon rasch einen anderen Trainer geben. Vielleicht ja wieder einer aus Holland, wie beim FC Bayern Louis van Gaal oder bei Borussia Dortmund Peter Bosz.

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Rekord: Herthas sechs Finalteilnahmen in Folge in den Zwanziger Jahren

Ziemlich genau seit 1985 findet das Finale um den DFB-Pokal stets in der aktuellen Heimstätte von Hertha BSC statt, dem Berliner Olympiastadion. Doch abgesehen von der II. Mannschaft der Hertha, die 1993 gegen Bayer Leverkusen das Finale erreichte, aber verlor, gelang dem Club kein einziges Mal mit der I. Mannschaft der Einzug ins DFB-Pokalfinale. Immerhin hätte Hertha BSC in diesem Falle als einziger bundesweit Club ein Heimspiel. An eine Meisterschaft ist trotz zwischendurch immer mal wieder sehr guter Platzierungen in der 1. Bundesliga erst recht nicht zu denken, seit sich die Kluft zwischen den einzelnen Clubs in der Bundesliga so stark ausgeweitet hat.

So kommt es, dass die Chancen des Hauptstadtclubs auf einen Titel auch von Fachleuten als marginal eingeschätzt werden. Herthas letzter Titelgewinn liegt 86 Jahre zurück und da wird sich auch in diesem Jahr wohl nicht viel ändern. Alles andere wäre mehr als eine Überraschung à la Leicester City, die es geschafft hat, alle Sportwetten Anbieter in Angst und Schrecken zu versetzen“, so ein Experte von Sportwetten24.com zu diesem Thema. Natürlich bleibt der Gewinn des DFB-Pokals nicht gänzlich ausgeschlossen, doch auch hier stand zuletzt fast immer mindestens eines der beiden Dickschiffe im deutschen Fußball, der FC Bayern München oder Borussia Dortmund, im Finale und gewann schließlich auch fast immer den DFB-Pokal. Mit einem weiteren Deutschen Meistertitel wird es aber schon jetzt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts werden.

Zwei Meistertitel und vier Vizemeisterschaften auf dem Briefkopf

Bis zur Einführung der Bundesliga gab es etliche verschiedene Clubs, die im Fußball Deutscher Meister wurden. Dass auch die Hertha aus Berlin dazugehörte, wissen außer Fans von Hertha BSC heute nur noch die wenigsten. Dabei wurde der Club nicht einfach nur zweimal Deutscher Meister, indem er den Titel von 1930 im Jahr 1931 noch einmal verteidigte. In dieser Zeit legte Hertha BSC auch eine einmalige Serie im deutschen Fußball hin, die sich so nie mehr wiederholen kann – denn es gibt keine Endspiele um die Deutsche Meisterschaft mehr.

Hertha BSC gelang das Kunststück, von 1926 bis 1931 sechs Mal in Folge das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft zu erreichen. Und hätte es am Ende nicht zwei Siege gegeben, wäre man mit vier verlorenen Finals in Folge wohl auf ewig der Depp des Vorkriegsfußballs in Deutschland geblieben. So aber zeugt diese wirklich bemerkenswerte Serie von einer Größe und Konstanz in der Mannschaft von Hertha BSC, die man in dieser Form heute – abgesehen vom alles dominierenden FC Bayern München – im deutschen Fußball nicht mehr erlebt.

Erinnerung an die damaligen Erfolge verblasst immer mehr

Vielleicht ist das Ganze eher in Vergessenheit geraten, weil es vor dem Krieg war und selbst die Kinder der beteiligten Spieler nicht mehr leben. Und vielleicht auch deshalb, weil es davon anders als von den Finals in den späteren 1930er Jahren keine bewegten Bilder von diesen Spielen gibt. Vielleicht ist all das in Fußballdeutschland aber auch in Vergessenheit geraten, weil diese Partien nicht auf der ganz großen Bühne ausgetragen wurden. Nicht im großen Berliner Olympiastadion stattfanden, das damals noch nicht existierte – erst für die Olympischen Spiele 1936 erbaut – und Hertha auch noch nicht ins feinere Charlottenburg umgezogen war. Denn die eigentliche Heimat von Hertha BSC ist ein ganz anderer Stadtteil, wenn auch nicht allzu weit von Charlottenburg entfernt. Es ist der Wedding.

Ihre Anfänge erlebte die Hertha aus Berlin nämlich in diesem durchaus nicht weit von Charlottenburg entfernten Stadtteil, in dem sie auch über ein eigenes Stadion verfügte. Dabei ist der Wedding allerdings von seiner Sozialstruktur nicht gänzlich, aber doch sehr merklich anders geprägt als das feinere Charlottenburg. Der Wedding gilt in Berlin traditionell als Arbeiterviertel, ist „rot“ geprägt, nicht in Bezug auf den Fußball, sondern im politischen Sinne.

„Stadion am Gesundbrunnen“ hieß im Volksmund nur „Plumpe“

Weshalb eben auch der Fußballclub Hertha BSC ursprünglich ein Arbeiterclub war und auch eine entsprechende Anhängerschaft besaß, und eigentlich ist das immer noch der Fall. Das eigene Stadion der Hertha, von dem hier die Rede ist, war das „Stadion am Gesundbrunnen“, im Volksmund nur „Plumpe“ genannt, weil das der volkstümliche Ausdruck in Berlin für eine Wasserpumpe ist, wie sie auch auf der Behmstraße existierte, an der das Stadion sich befand. 1974 abgerissen, wurde es bis dahin aber trotz der Existenz des Olympiastadions immer mal wieder von Herthas Mannschaften genutzt.

Und legendär ist das Stadion in Berlin ohnehin, da es nämlich Schauplatz eben jener großen Erfolgsserie war, die Hertha BSC in den 1920er Jahren und Anfang der 1930er schrieb. Nicht weniger als sechs Mal in Folge zog der Club in jener Zeit ins Finale um die Deutsche Meisterschaft ein und erreichte dabei folgende Ergebnisse:

Endspiele um die Deutsche Meisterschaft mit Hertha BSC
1926 SpVgg Fürth – Hertha BSC 4:1
1926 1. FC Nürnberg – Hertha BSC 2:0
1926 Hamburger SV – Hertha BSC 5:2
1926 SpVgg Fürth – Hertha BSC 3:2
1926 Hertha BSC – Holstein Kiel 5:4
1926 Hertha BSC – 1860 München 3:2

Zwar fand von den Spielen in der jeweiligen Endrunde kein einziges in der „Plumpe“ statt (auch wenn andere Berliner Clubs dort zweimal spielten), doch den Einzug in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft bewältigte der Club zuvor in den Spielen in den Spielen um die Meisterschaft Berlin-Brandenburg in jenem „Stadion am Gesundbrunnen“, das den Herthanern deshalb auch lange wie ein Glücksbringer wirken musste.

In den Finalspielen hatte man, wie oben zu sehen, zunächst weniger Glück, gab aber auch nach vier Vizemeisterschaften in Folge nicht auf, um schließlich dann doch noch 1930 Meister zu werden und als erst zweiter Club in Deutschland diesen Meistertitel daraufhin sogar 1931 noch verteidigen zu können.

„Plumpe“ existiert nicht mehr – und doch erinnert viel daran

Vor dem Krieg fasste die „Plumpe“ 35.000 Zuschauer, nach dem Krieg nur noch 20.000, weshalb ein dauerhafter Umzug ins Olympiastadion sinnvoll wurde. Auch die größte Legende der Hertha war aktiv, als man in der „Plumpe“ zu Hause war: Hanne Sobek, der Starspieler jener Elf, die sechsmal in Folge das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft erreichte.

Als der Club jetzt sein 125-jähriges Jubiläum beging, wurde am Bahnhof Gesundbrunnen am ehemaligen Standort der „Plumpe“ dann auch eine Stele zur Ehrung von Hanne Sobek errichtet und eingeweiht, wobei Sobeks Enkel Bernd Sobek ebenfalls anwesend war. Außerdem heißt der Platz direkt davor schon seit 2006 „Hanne-Sobek-Platz“. Dort kann man als Hertha-Fan in den früheren Erfolgen schwelgen und auch als neutraler Fußballinteressierter echte Fußballgeschichte atmen – auch wenn das Stadion selbst eben nicht mehr existiert. Man fühlt aber sogleich, dass die Wurzeln von Hertha BSC dort im Wedding ganz andere sind, als es die aktuelle, moderne Hertha mit dem Olympiastadion und internationalem Kader Glauben machen würde. Und Titel wird die aktuelle Hertha auf absehbare Zeit ohnehin keine gewinnen – anders als in ihrer Zeit, damals am Stadion am Gesundbrunnen, der „Plumpe“ eben.

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Nutzlosigkeit nutzen

Während überall die Saisonvorschauen aus den Steckdosen sprießen, wird es hier ebenfalls Zeit, noch schnell eine wichtige Prognose abzugeben. Denn so wie man hier stets komplett falsch lag in den letzten Monaten, wäre es wichtig, mit einer ähnlich falschen Prognose die Dinge für die Zukunft in die richtigen Bahnen zu lenken.

Weder bedeutete die Verpflichtung von Peter Neururer den Abstieg des VfL Bochum aus der 2. Bundesliga, ganz im Gegenteil, 4 Siege aus 4 Spielen elektrisierten eine ganze Stadt, noch scheint der Wiederaufstieg des VfL Bochum unter diesen Verhältnissen ein Ding der Unmöglichkeit.

Weder gelang es Marc-André ter Stegen auch nur entfernt in die Nähe von Leistungen zu gelangen, die eine Ablösung von Manuel Neuer im Tor der Nationalmannschaft gerechtfertigt hätten, noch nähert sich Bastian Schweinsteiger in den letzten ein, zwei Jahren der Zahl von 151 Länderspielen entscheidend an.

Prognosen neigen dazu falsch zu sein, besonders, wenn man sie für die Zukunft trifft, sind sie oft nutzlos.

Wenn aber so gar nichts eintrifft, was hier rumgemeint und behauptet wird, darf man a) sich auch nicht mehr über andere falschen Vorhersager erheben und muss b) seiner Pflicht nachkommen, auch für die kommende Saison wieder falsche Voraussagen zu tätigen. Also dann:

Der FC Bayern München wird eine genauso überragende Saison wie im letzten Jahr spielen und mit weitem Abstand vor allen anderen Teams frühzeitig Deutscher Meister werden.

Außerdem im Angebot: Am Ende der Saison wird Jogi Löw das Halbfinale der WM in Brasilien vercoachen und Deutschland wie immer gegen Spanien oder Italien den Kürzeren ziehen.

So, dann strafe man mich bitte Lügen.

Damit wäre der einfache Teil erledigt. Für präzisere falsche Voraussagen bitte an die einzelnen Vereinsblogs wenden, oder an die Experten aus der Fachpresse.

Ach, einen hätten wir noch: Die Champions League wird in dieser Saison von einem der großen Vereine gewonnen werden. Für diese Aussage könnte das Falschliegen in der Realität etwas schwieriger zu bewerkstelligen sein, doch auch dabei sollte man ganz auf die verheerende Wirkung von Prognosen in diesem Blog vertrauen.

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Deutscher Meister: Fortuna Düsseldorf

Das war sie tatsächlich mal, Deutscher Meister, die Fortuna aus Düsseldorf. Allerdings ist das heute auf den Tag genau 80 Jahre her. Und weil dieses Ereignis noch dazu so singulär blieb, musste man sich einen Zeitungsartikel von damals gleich einrahmen und ins Museum in die eigene Kneipe hängen.

Verständlich, liebe Fortunen, denn im Original werdet Ihr diese Schlagzeile nicht mehr am Zeitungskiosk erblicken.*

Gesehen (und gefeiert) von Check von hinten, welcher bekanntlich in dieser Stadt des deutschen Meisters von 1933 beheimatet ist.

* Was nicht bedeutet, dass Fortuna Düsseldorf nie wieder Deutscher Meister werden wird, sondern dass das Ableben der klassischen, papiernen Zeitung respektive von Zeitungskiosken schneller eintreten wird als die nächste deutsche Meisterschaft der Fortunen. Aber das ist ein anderes Thema.

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Meister hier, Meister da

Wie eine Umfrage vor einiger Zeit hier auf der Seite ergab, nutzen zwei Drittel der Besucher Twitter nicht, weshalb es wohl immer mal wieder vorkommen wird, dass auf jenem Kanal begonnene Themen schließlich hier als Beitrag landen. Dem Charakter Twitters, dass seine Nachrichten nach wenigen Sekunden schon wieder im Aufmerksamkeitsorkus landen, muss man dann eben auf diese Weise begegnen, indem man die Dinge zumindest etwas dauerhafter festhält.

Angeregt von einer Diskussion, die diesmal @artus69 und @nember begannen, sammelten wir heute Spieler, welche in der Bundesliga mit 2 verschiedenen Vereinen Meister wurden. Die ausnahmsweise noch nicht vollständige Sammlung nach gemeinsamem Erinnern findet sich hier.

(Und dann soll es demnächst auch mal wieder mit der Gegenwart und nicht allein der Vergangenheit und Zahlen- respektive Datenhuberei weitergehen. Wer aber noch Ergänzungen für diese Aufstellung wüsste, ist herzlich willkommen.)

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Das Toni-Schumacher-Lied von „Knochenfabrik“

Wahrscheinlich existieren „da draußen“ eine Menge Lieder über Fußballer, die nie jemand gehört hat und auch nie jemand jemals hören wird, weil die Bands, die sie singen, lokal zu begrenzt bekannt sind. Das selbe Schicksal wäre wohl auch diesem famos getexteten Toni-Schumacher-Lied widerfahren, hätten es nicht die Jungs von der bekannten Deutschpunkband „Knochenfabrik“ geschrieben. Nein, ich hab auch noch nie von der Band gehört.

Interessanterweise beschäftigt sich das Lied aber weder mit Schumachers Buch „Anpfiff“ noch mit seinem Foul an, gähn, Patrick Battiston, sondern mit seiner Zeit beim FC Bayern München, als Schumacher ausgerechnet in der Katastrophensaison 1991/1992 für den verletzten (?) Raimond Aumann ins Tor gestellt wurde.

Durchaus ein besonderer Vorgang der Bundesliga-Historie, denn Toni Schumacher war als Kölner Urgestein damals noch etwas erzfeindiger für den FC Bayern als heute. Der FC Bayern war in Tonis Hochzeit Ende der 1970er und Anfang der 1980er schließlich keineswegs so auf die Meisterschaft abonniert wie noch Anfang bis Mitte der 1970er — und einer der größten Rivalen des FC Bayern damals war nun mal der Double-Gewinner von 1978, der 1. FC Köln. Zudem war es, wie im Lied ja auch besungen, die bis heute größte sportliche Krise des FC Bayern in der Bundesliga.

Deshalb ein Hoch auf die Band Knochenfabrik, die diesem besonderen Moment der Bundesligahistorie das folgende schöne Liedchen widmet. Und, total cleverer Marketingtrick, übrigens jedes Jahr behauptet, dass sie dieses Jahr nun wirklich ihre letzten Konzerte überhaupt geben werden.



Achso, „Knochenfabrik“ stammen natürlich aus Köln. Und „Anpfiff“ kommt doch drin vor.

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Wer gewann eigentlich den Supercup 1940?

Der Dresdner SC mit 4:2 gegen den FC Schalke 04.

Allerdings hieß der Supercup damals noch nicht Supercup, sondern „Herausforderungskampf“ zwischen dem amtierenden Deutschen Meister von 1940, dem FC Schalke, und dem amtierenden Sieger des Tschammer-Pokals von 1940, dem Dresdner SC.

40.000 Zuschauer hatten Zeit, Muße und ausreichend Interesse, sich diese Partie am 16. März 1941 im Ostragehege zu Dresden anzusehen. Sie werden es nicht bereut haben, ihr Heimteam trug den Sieg davon.

Interessantes Plakat.

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Glasknochen, Torrero oder der Hunter?

[photopress:sport_blogschau.jpg,full,alignleft] Die Sport-Blogschau geht in die zweite Ausgabe, jetzt noch knackiger, jetzt noch besserer Ton und jetzt noch mehr Vielfalt bei den Antworten zur Frage. Bei den Meisterschaftstipps tauchten nur drei verschiedene Antworten auf. Wer Torschützenkönig 2011/2012 wird, da gehen die Meinungen deutlich weiter auseinander.

Man sehe, höre und widerspreche, wenn Internetnerds ins Blaue tippen, wer nach dieser Saison die kicker-Torschützenkanone erhalten wird. Bei catenaccio natürlich, dem Fachmann für visuelle Sperenzchen im Blogosquarium. Der hiesige Hausherr tippt übrigens auf ein One-Trick-Pony, das möglicherweise jetzt schon entzaubert ist. Aber man schaue selbst:

Torschützenkönigstipps in der Sport-Blogschau.

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Fußball mit kakaohaltiger Fettglasur

Wüsste der Autor es nicht selbst besser, dann würde er annehmen, dass er gestern den Anbruch einer neuen Ära gesehen hat. Denn eine Saison wie die vorige von Borussia Dortmund mag immer mal drin sein, ein Ausrutscher nach oben, bei dem sich mehr Glück als Verstand mit dem psychologischen Moment paart, weil man ständig gewinnt und demgemäß wie ein Duracell-Häschen und ganz von selbst eine Saison lang durchläuft. Und im Notfall sogar jene 90 Prozent des Gehirns anzapft, die der Mensch angeblich normalerweise nicht nutzt. Um den entscheidenden Schritt früher als der Gegner am Ball zu sein, der weiter auf seinen üblichen 10 Prozent daherdümpelt.

Eine Saison lang mag das gut gehen. Wenn das selbe Spektakel nun aber auch nahtlos in die nächste Saison übernommen werden kann, dann ist es wohl mehr als nur der günstigen Konstellation der Sterne über dem Westfalenstadion geschuldet, dass der (zugegeben nicht mehr als mittelmäßige) Gegner erneut über 70-79 Minuten lang keinen Ball bekommt. Stattdessen selbst zum mit heraushängender Zunge umherrennenden Häschen wird, dem der Igel Borussia stets zuvorkommt.

Nicht allein jene Tatsache war so überwältigend, dass Borussia Dortmund mal wieder Torchancen für sich und seine zweite Mannschaft zusammen herausspielte, sondern dass dem Hamburger SV zu keinem Zeitpunkt auch nur ein Hauch von Zugriff auf das Spiel gelang. Obwohl mit Michael Oenning jemand an der Seitenlinie saß, der Jürgen Klopps Methoden sicher besser kennt und demgemäß auch Gegenmittel hätte entwickeln können, als die meisten seiner Bundesliga-Trainer-Kollegen.

Bei kakaohaltiger Fettglasur denkt man zunächst an brasilianische Einflüsse auf das Spiel, in dieser Partie war aber gar kein Brasilianer dabei. Sieht man von Felipe Santana ab, der schließlich „nur“ verteidigte und somit nicht in erster Linie für jenen kakaohaltigen Glanz zuständig war, den die 3G-Connection „Götze, Großkreutz und KaGawa“ ganz ohne brasilianische Wurzeln verbreitete. Denn glänzend war die Glasur gestern, wenn 60-Meter-Pässe mit der Hacke nicht mal angenommen, sondern direkt weitergeleitet werden, und wenn jede scheinbar bereits geklärte Situation dazu geeignet ist, aus dem Nichts wieder Gefahr fürs HSV-Tor zu bedeuten.

Leider ist auch diesem Autoren bekannt, dass Prognosen die starke Neigung besitzen, falsch zu sein, besonders jene für die Zukunft. Weshalb das mit der „Ära“ erstmal noch in der Schublade bleibt. Erst mal abwarten, wer wen ansonsten heute und morgen noch auf welche Weise beherrscht oder eben nicht beherrscht.

Der letzte Deutsche Meister, der seinen Titel verteidigte, der nicht Bayern München hieß, war übrigens 1996 Borussia Dortmund.

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Traumjob Kloses Raumpflegerin

Heute melden wir uns aus der Titelvitrine des Weltklassestürmers Miroslav Klose. Die zwei DFB-Pokale und die zwei Meisterschalen sehen ein wenig schmucklos aus, in der Weite dieses Raumes. Aufgrund der beängstigenden Leere in dieser eigentlich für eine viel größere Zahl an Pokalen ausgelegten Vitrine haben wir immer wieder mit Turbulenzen durch stark böige Winde zu kämpfen. Ein WM-Torschützenkönig zu sein ist ja kein Titel und der Herr ist schon 33. Andere Stimmen, die von einem „Ewigen Dritten“ bei diversen Turnieren sprechen, sind aufgrund der Schallverwehungen in der Vitrine nicht wahrzunehmen. Was allerdings auffällt ist das Fehlen von Bildern, wie der Besitzer der Vitrine nach verlorenen Fußballspielen weint. Ob es daran liegt, dass die Presse derlei nie veröffentlicht und diese damit zu einer Standardpose des Weltklassestürmers gemacht hat, oder ob der Weltklassestürmer aufgrund der vielen vergebenen Titelchancen einfach keine Tränen mehr hat, ist von hier aus nicht zu entscheiden. Es ist einfach zu leer zum Denken.

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Als Stahl Eisenhüttenstadt an Werder Bremen scheiterte

Dies geschah im Halbfinale des DFB-Supercups 1991, der einzigen Ausgabe des offiziellen Supercups, welche je mit einem zusätzlichen Halbfinale ausgetragen wurde. Nach der Wende traten jeweils der Ost-Pokalsieger und Ost-Meister gegen ihr Pendant aus dem Westen an. Stahl Eisenhüttenstadt verlor vor 4.000 Zuschauern in Osnabrück gegen Werder Bremen, im anderen Halbfinale zog Hansa Rostock gegen den 1. FC Kaiserslautern das kürzere Hölzchen.

Stahl Eisenhüttenstadt hatte das FDGB-Pokalfinale gegen den Double-Sieger der DDR, eben Hansa Rostock, zwar verloren, nahm aber dann als Vertreter für den Pokalsieger am Supercup teil. Am Ende gewann der 1. FC Kaiserslautern den Supercup gegen Werder Bremen im Finale in Hannover.

Wie immer also gab es für den Ostfußball nichts zu gewinnen, nachdem sein Verband sich aufgelöst hatte und dem DFB beigetreten war. In nun 20 Saisons nach dem Beitritt zum DFB stehen zu Buche: null Titel.

Dabei waren in der gesamten Zeit die Chancen nie größer als in diesem Sommer 1991, sofern man, was natürlich niemand tut, den Supercup als Titel wertet. Chance vertan, und diese kommt auch in absehbarer Zeit nicht wieder.

(Einzige Ausnahme, wenn man es denn so zählen will: Turbine Potsdam, wo sogar noch der Trainer aus der Vorwendezeit tätig ist. Aber man wollte ja nicht mehr vergleichen …)

Damals spielte man übrigens im Supercup vor einem Elfmeterschießen noch eine Verlängerung aus. Erst seit der Wiederbelebung im Jahr 2010 hat man sich für die Variante zum Schutze der Leistungsfähigkeit der arbeitenden Bevölkerung entschieden.

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Prophet im eigenen Land sein

Klaus Toppmöller präsentiert sich als solcher, wertloser Prophet im Interview mit der FAZ, zufällig in einem gewissen März 2002, damals noch mit allen Bayer Leverkusener Trümpfen in der Hand nach vorne blickend.

Die Kinder gehen mit dem, der Meisterschaften gewinnt. Irgendwann fährt man nach München und hat dort den Block voller Leverkusen-Fans, die aus München kommen.

Zuletzt war er Trainer in Georgien, welches bekanntlich nicht sein Land ist. Hat aber auch nichts genutzt, Privatier schon seit 2008.

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