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Schlagwort: WM 2006

Die Partei, die Partei, die hat immer recht

Wir beamen uns kurz zurück ins Jahr 2004. Sommer. Portugal. Die deutsche Mannschaft verliert, wenn auch ein bißchen unglücklich, mit 1:2 gegen Tschechien in der Vorrunde der EM 2004 und scheidet nach 3 Spielen ohne Sieg aus.

„Trainer“ Rudi Völler, der alte Volkstribun, tritt vor die deutsche Fankurve im portugiesischen Stadion und zuckt entschuldigend mit den Achseln. „Mehr ist mir nicht eingefallen, sorry, Jungs.“, will er wohl sagen. Der Plebs tobt und feiert ihn trotzdem. Warum? Keine Ahnung. Absolut unverständlich. Rudi Völler wird gefeiert, nicht nur in Portugal im Stadion, sondern auch kurze Zeit später bei einem unsäglichen Auftritt in der Fernsehsendung „Wetten, dass…?“. Das Saalpublikum bei dieser Fernsehunterhaltungsshow jubiliert, dass gar das Programm der Sendung kurzzeitig unterbrochen werden muss.

Hätte Rudi Völler dem Plebs Folge geleistet und seinen Job als Bundestrainervorstandswurst (denn Trainer war Rudi noch viel weniger als Jürgen), hätte er damit verhindert, dass Klinsmann sein Nachfolger würde. Das wiederum hätte dazu geführt, dass wir die komplette WM immer noch mit Nowotny („Man muss dem Mann dankbar sein.“), Kahn („Was der Mann für Deutschland (!) geleistet hat!“), Hamann („Er ist das ‚Metronom‘“) und Wörns („War schon 1992 dabei, kann so schlecht also nicht sein“) gespielt hätten. Das hätte, dank des Heimvorteils, am Endresultat vielleicht gar nicht so viel geändert. Der Fußball aber wäre ein anderer gewesen. Und weil die Partei immer recht hat, speziell die Partei, die aus Meinungsumfragen besteht, wäre also, wenn diese Partei an der Macht gewesen wäre, Rudi Völler jetzt noch Trainer.

Nun wurde Jürgen Rudis Nachfolger, er hat gerade einen Platz unter dem WM-Ergebnis von Rudi abgeschnitten, welchen die Partei schon in den Heiligenstand schicken wollte. Dritter Platz, das ist natürlich der Hammer für eine Fußballnation. Deshalb, so will es die Partei, stimmt das Volk nun mit einer Stimme ab. (Eine andere Wahl hat es ja auch nicht.)

Bei der letzten Plebs-Befragung erzielte Jürgen Klinsmann einen Wert von 96,4 Prozent. 96,4 Prozent der Bundesbürger sind dafür, dass er seine Arbeit fortsetzt. Dabei, das Foto zeigt es deutlich, ist Jürgen in den 4 Wochen des WM-Turniers doch enorm gealtert.

Nichtsdestotrotz: Dieser Volkesstimme sollte man immer Gehör schenken. Die hat schließlich richtig Ahnung von Fußball.

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WM-Ball 2010, Südafrika

Die WM neigt sich dem Ende und wie es so ist, wird dann schon mal der Blick auf die nächste Veranstaltung dieser Art geworfen: 2010 in Südafrika. Verläßliche Quellen haben uns bereits Fotos des neuen WM-Balls zugespielt. In Anlehnung an den deutschen WM-Sieg von 1954, der sich 2010 zum 11. Mal jährt, ist der Ball in neuerdings schickem Schwarz-Rot-Gold gehalten.

Nach den Beschwerden der Torhüter bei der WM 2006 über die Flatterhaftigkeit des Balles „Teamgeist“ wurden jetzt neuentwickelte, anti-flatterwirksame Gewichte an zwei Enden des Balles eingefügt: am oberen Ende und am unteren Ende.

Da der Spitzname der Fußballmannschaft von Südafrika „bafana bafana“ lautet, wurde dem Ball der Name „Bafanageist“ gegeben.

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Wir waren niemals im Krieg mit Eurasien

Wie die FR erzählt gibt es bei der Abschlussfeier, die dankenswerterweise vor dem Finale stattfindet, keinen Platz, den nächsten Veranstalter der FIFA-WM-TM zu erwähnen: Südafrika.

Ich kenne den wahren Grund. Die FIFA wird angesichts der überhaupt nicht in die Gänge kommenden Vorbereitungen in Südafrika dem Land das Turnier wieder entreißen, Tunesien oder Marokko zum Ersatzausrichter bestimmen und anschließend — wie jede gute Diktatur — die Geschichtsbücher umschreiben. Es war doch schon immer geplant, dass die WM nicht in Südafrika stattfindet. Erinnert Ihr Euch nicht? Wieso wurde dann Südafrika überhaupt nicht bei der Abschlussfeier der WM in Deutschland erwähnt?

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Die Deutsch ist nicht leicht

Die Leute glauben immer, auch ich, die Deutsch ist einfach, nur weil sie selbst die Deutsch so gut sprechen. Für viele andere Leute, die nicht die Deutsch mit die Muttermilch aufgesaugt haben, ist die Deutsch aber viel schwierig!

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Zum eigentlichen Skandal dieser Meldung, dass jemand wegen anderer guter Taten, noch dazu vermeintlich „guter Taten“ in so einem Glücksspiel wie Fußball, einer Strafe für andere Taten entgehen soll, halte ich mich zurück, da ich die Quelle doch für arg zweifelhaft (ehemaliger Link zu FOTO.t-online.de ist tot) halte.

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Voller Stolz

Ich möchte kurz vor dem Ende der WM noch einmal auf diesen Eintrag hinweisen:

Spanien, die erfolgreichste Nationalmannschaft seit Paul Janes, auf deren Geschichte man mit Stolz zurückblicken kann, ist im Achtelfinale ausgeschieden. Das ist wesentlich mehr als die Spanier sonst erreichen. Deshalb muss ich mich entschuldigen. Ja, man kann dieses Trikot voller Stolz tragen. Dann muss man allerdings recht niedrige Ansprüche haben.

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Die Sonne aus Kalifornien holen

Jogi Löw verrät es im Interview mit dem Tagesspiegel:

„Die Sonne aus Kalifornien holen – das war das Motto.“

Hatten wir doch alle gedacht, es sei „Die Welt zu Gast bei Freunden“, weit gefehlt. Die Sonne aus Kalifornien holen. Ist ganz gut gelungen, richtige Regenschlachten gab es keine und das beste ist: Die Kalifornier sind aufgrund ihres Wassermangels auch ganz froh darüber, dass mal eine Zeitlang die Sonne nicht so brennt.

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Keine Lust mehr am Leben

Frei nach Martin Demichelis meldet sich Trainer Baade aus der tränenüberfluteten Depressionstalsohle, nachdem er zum ersten Mal nach knappen 24 Stunden die Kraft wiedergefunden hat, aufzustehen und sich an den Rechner zu begeben:

„Es ist nicht nur, dass ich keine Lust mehr zum Fußball Schauen habe. Ich habe keine Lust mehr am Leben.“

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500m sind nicht 500 Euro

500m werden mich gleich von dem Austragungsort des Halbfinales Deutschland — Italien trennen. Hätte ich 500 Euro über oder vielleicht das Doppelte, würden mich nur noch 5m vom Spielfeld trennen. So muss ich in der Westfalenhalle hoffen, dass wir keine 5 Halbzeiten sehen und wenn doch, dass es die deutschen 5 Schützen richten werden, damit wir/ich/sie am 5. Juli immer noch im Turnier sind. So langsam muss ja mal jemand die Brasilianer einholen, die 5 mal Weltmeister wurden. Übrigens hat Deutschland bislang 5 Spiele bei dieser WM gewonnen. Und schaue ich an meine Hand, so sehe ich: 5 Finger. Na, wenn das kein Omen ist!

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Sönke

Mit dem Erreichen des Halbfinals wird es auch wahrscheinlicher, dass Sönkes bislang knapp 50 Stunden Filmmaterial zu einem Kinofilm verwurstet werden werden und nicht im Mülleimer landen. Da bin ich froh, denn so kriegen wir noch mal die Schlägerei nach dem Elfmeterschießen gegen Argentinien aus der Perspektive der Beteiligten zu sehen.

Auch wenn’s dann wahrscheinlich nicht mehr so brennend interessiert wie jetzt.

Im Moment ist noch in der Schwebe, wie die FIFA über Frings urteilen wird, im Gegensatz zu Mertesackers Weichteilen, die offensichtlich keinen größeren Schaden genommen haben.

Wie aber ausgerechnet Gute-Leute-Sohn Oliver Bierhoff sich ins Getümmel warf, um seine Spieler zu schützen, ringt mir Respekt ab. Ist aber wahrscheinlich ohnehin gut versichert, der Bengel mit der adretten Frisur.

Dass man auch mit 60 noch topfit sein kann, bewies Teamarzt Dr. Müller-Wohlfahrt mit seinem Sprint zum sich balgenden Knäuel. Kein Wunder bei ihm, wahrscheinlich nutzt er seine eigenen Wundermittel.

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Mehr über den geschäftstüchtigen Münchner Arzt gibt es bei der ZEIT.

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Der Countdown läuft

Leider zieht die Redaktion gerade um, sonst würden wir den Countdown im WM-Special kurzfristig umstellen vom Zeitpunkt des Finalanstoßes auf den Zeitpunkt des Urteils für Torsten Frings. Ein Umzug im Sommer ist übrigens eine besonderes Vergnügen.

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Catch as catch can

Wenn sich erwachsene Männer (man achte besonders auf den Herrn mit Krawatte unten links) aufführen wie die Kindergartenkinder, denen man das Förmchen weggenommen hat, dann weiß man: man ist im Fußballstadion.

Wie schön, dass der gute alte Brauch von den Prügeleien inzwischen auch beim Fußball wie beim Eishockey oder Rugby von den Rängen aufs Spielfeld verlegt worden ist.

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Von den Vorteilen der Videoüberwachung

Youri Djorkaeff, Weltmeisterspieler 1998 mit Frankreich, ist immer noch als Fußballer aktiv, und zwar bei Red Bull New York (den ehemaligen Metro Stars New York). Weil Fußball in den USA aber nie so richtig Fuß gefasst hat, hat er natürlich Sehnsucht nach richtigem Fußball, ergo der WM in Deutschland.

Also ließ er sich flugs bei seinem Arbeitgeber wegen angeblicher „großer familiärer Probleme“ entschuldigen, reiste nach Deutschland, setzte sich ins Stadion und wurde prompt dabei von den Fernsehkameras eingefangen [Link leider tot].

Weltmeistersein schützt vor Torheit nicht.

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