Category Archives: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

La Petite Nation

Im Zuge der erneuten Pleite der Franzosen, diesmal gegen Weißrussland und dem siebten Spiel in Folge ohne Sieg, sowie im Zuge dieser gestrigen Anmerkung meinerseits habe ich mir noch mal eben die Mühe gemacht, die großen Erfolge der großen französischen Nationalmannschaft zusammenzustellen.

1962 Weltmeisterschaft in Chile nicht qual.
1964 Europameisterschaft in Spanien nicht qual.
1966 Weltmeisterschaft in England Vorrunde
1968 Europameisterschaft in Italien nicht qual.
1970 Weltmeisterschaft in Mexiko nicht qual.
1972 Europameisterschaft in Belgien nicht qual.
1974 Weltmeisterschaft in Deutschland nicht qual.
1976 Europameisterschaft in Jugoslawien nicht qual.
1978 Weltmeisterschaft in Argentinien Vorrunde
1980 Europameisterschaft in Italien nicht qual.
1988 Europameisterschaft in Deutschland nicht qual.
1990 Weltmeisterschaft in Italien nicht qual.
1992 Europameisterschaft in Schweden Vorrunde
1994 Weltmeisterschaft in den USA nicht qual.

Okay, okay, der Kenner merkt sofort, dass da noch was fehlt. Aber dann wäre ja Griechenland auch eine große Fußballnation. Oder Dänemark. Ein anderer Kenner würde dann genauso feststellen, dass da auch noch die Ergebnisse von 2002, 2008 und 2010 fehlen. Aber wir wollen ja nicht ständig in den Wunden dieser kleinen Fußballnation bohren, sondern gehen mit gutem Sportsgeist voran:

Vielleicht klappt’s ja mal wieder mit einer Qualifikation für ein Turnier.

Fehlschuss

Es ist schon extrem bitter, wenn man nach acht (!) Jahren zum ersten Mal wieder einen Elfmeter verschießt, obwohl man in diversen Elfmeterschießen und beim einen oder anderen Strafstoß aus dem Spiel heraus angetreten ist.

Ich mag diese Enden von positiven Serien nicht, zumindest so lange sie meine eigenen sind. Obwohl genau diese, die Enden, so sicher wie das Amen in der Kirche sind. Sowohl so herum, als auch anders herum. 2000 Minuten ohne Tor? Keine Sorge, mein Freund, Deine Serie wird enden. Acht Jahre ohne Fehlschuss? Keine Sorge, mein Freund, Deine Serie wird enden. Selbst Maradonas Serie von 168 (!) Spielen ohne Niederlage mit seiner Jugendmannschaft fand irgendwann ein Ende. Maradona!

Ist man nur lange genug dabei, wird einem das klar, auch wenn es vielleicht am Anfang all dessen noch nicht so klar war. Über Schreiberlinge, die die nicht-erfolgreichen Minuten zählen, kann man dann aber nur noch lachen. Hat je jemand gezählt, wie viele Spielminuten in Folge ich keinen Elfmeter verschossen habe?

Minuten werden nur von Leuten gezählt, die das Spiel nicht spielen. Oder die zufällig in einer positiven Serie sind. Zufällig.

Daddy not so cool

Ich verbrachte die Nacht mit einigen wichtigen Spielen aus den 1980ern, die ich damals verpasst hatte. Heute habe ich sie auf Super-8 VHS youtube noch mal nachgeholt.

Es geht jetzt nicht um die Frage, wie unglaublich langsam und beschissen und total unplanmässig der Fußball damals gewesen ist. Das war er.

Es geht auch nicht um die Frage, ob irgendein Team von damals je eine Chance gegen ein heutiges Team (Sepp Maier: Die würden wir wegputzen!; Gerd Müller: Die hätten überhaupt gar keine Chance gegen uns!) hätte, sondern um die durchaus beim Zuschauen nicht nur dann und wann von hinten herauflurchende, sondern sich über die diversen 90 Minuten lang aufdrängende Frage:

Wie können ernsthaft Menschen, die damals diesen unglaublich langsamen, frei von jeder Taktik gespielten Fußball als ihr bescheidenes bestes Können, welches sie auf dem Platz tun konnten, vor Millionen von Zuschauern demonstrierten, heutzutage in irgendwelche Fußball-Medien-Shows eingeladen und dazu befragt werden, was die aktuellen Teams auf dem Platz falsch machen?

Unforgettable experience!!!

Natürlich sind die drei Ausrufezeichen aus dem Original. Das Original ist die Webseite, genauer gesagt das Blog von Edgar Davids, der gerade zu Crystal Palace gewechselt ist. Aus dem Vorruhestand noch mal zurück in den Profifußball, zurück auf den Platz.

Crystal Palace ist ein großer Name, im Sinne von großartig, aber kein allzu erfolgreicher Fußballclub. Er spielt in der zweiten englischen Liga, und dass Edgar Davids für ihn spielt, beschert ihm mehr Aufmerksamkeit als er in den letzten Jahren je hatte. Crystal Palace ist kein allzu erfolgreicher Fußballclub, weshalb er auch nicht über viel Geld verfügt. Die Frage, ob es nicht eher andersrum lauten müsste, diskutieren wir an anderer Stelle.

Und weil Crystal Palace nicht so viel Geld hat, müssen die Spieler schon mal mit dem Zug zum Auswärtsspiel fahren. Das letzte war in Scunthorpe, immerhin 312 Kilometer von Crystal Palace‘ Heimat London entfernt und somit kein einfacher Halbstundentrip.

edgar davids train tickets blog

Für Zweit- oder Drittligaspieler mag es normal sein, für Profis beim SC Freiburg oder auch schon mal Union Berlin oder Hannover 96 ebenfalls. Für einen Profi wie Edgar Davids, dessen Vita nur von Clubs der Güteklasse „Sahne, die vor allen anderen durch die Tür kommt“ geschmückt wird, scheint es völliges Neuland zu sein.

„Unforgettable experience!!!“

So äußert er sich zu seiner Zugfahrt, von der er die Tickets fotografiert und online gestellt hat.

Für Davids, für den Flugreisen um den halben Globus völlige Normalität darstellen, ist eine Zugfahrt, eine Zugfahrt mit einem herkömmlichen Zug in England ein unvergessliches Erlebnis.

Fast so unvergesslich wie selber einkaufen gehen. Die Fußballschuhe putzen. Oder eigenhändig ein Formular ausfüllen.

Dietmar Mögenburg trainierte am Fußballtor

„Da bin ich also letzte Woche mal so richtig vor den Pfosten gelaufen.“

Kein Zweifel daran.

Kennen die Jüngeren unter uns gar nicht mehr: Dietmar Mögenburg war mal Co-Weltrekordhalter in so etwas, was man Hochsprung nennt. Also, beides kennen die Jüngeren nicht mehr: Weder Dietmar Mögenburg noch Hochsprung. Welches Stadion, in das mehr als die üblichen Wattenscheider-Festspiel-3.000-Zuschauer passen, hat heutzutage noch eine Laufbahn oder eine Hochsprung-, Hammerwurf- oder Kugelstoßanlage? Außer dem Olympiastadion in Berlin keins mehr, und „das ist auch gut so“.

Denn Leichtathletik ist abgesehen von Sprintdisziplinen ein ähnlich bescheuerter Anachronismus wie Turnen.

Direkt aus den 1980ern nun, als man junge Schülerinnen und Schüler noch zu jenen eben erwähnten Anachronismen wie Turnen und Leichtathletik zwang, hier das Interview mit Dietmar Mögenburg, der davon berichtet, welche Funktion zu seinen Zeiten ein Fußballtor für einen Hochspringer hatte.



Dass der Hochsprung-Weltrekord allerdings seit 1993 nicht übertroffen sein soll, ist kaum zu glauben. Anachronismus hin oder her.

Wem die 2,56m, die ein Fußballtor hoch sein soll, etwas spanisch vorkommen: Maximal erlaubter Durchmesser von Latte oder Pfosten betragen 12cm and there you go. Oder auch nicht.

FM, MP, MB, HB, KHR, KMH, OK, mfg TB

S w s m e n n d AB v Wö?

S d L j z f z sch?

W s d s: TS, MÖ, MM, J(B?)K, JR? O d a MB, MS, JL, AK?

K j a g A s, o n?

S. o.: mfg, TB

Mein Dagepuch – lesen?

Wohl den wenigsten ist die Lust am Schaudern fremd. Nicht umsonst gibt es eine nicht gerade kleine Gruppe an Menschen, die sich freiwillig und gerne Horrorfilme, oder konkreter vielleicht Filme des Genres „Suspense“ anschauen. Im Folgenden geht es hier dann allerdings eher um Horrorfilme.

Das Buch „Anpfiff“ von Toni Schumacher las man an dieser Stelle noch tatsächlich freiwillig, weil auch ohne Schaudern. Dass dort von Prostituierten und Doping die Rede sein würde, war man noch nicht so wirklich zu erfassen in der Lage, und so lockte viel mehr die Aussicht auf einen Einblick ins Innenleben einer Bundesliga- oder sogar der Nationalmannschaft. Bücher schreibende Profis mag es schon mehr als einen gegeben haben, pro Saison oder Zeitraum des Heranwachsens waren es aber derart wenige, dass ein solches Buch von Toni Schumacher einer Sensation gleichkam, für jemanden, der nur allzu gerne genauer in ein Bundesliga-Team geblickt hätte. Möglicherweise schlechte Sprache wurde damals kaum als Kriterium angesehen, und so empfand man es als absoluten Glücksfall, dass nur wenige Monate nach Erscheinen auch die örtliche Bücherei das Buch in ihrem Bestand führte und man es ausleihen und, natürlich nur als Metapher, verschlingen konnte, ohne dafür zu bezahlen.

Wenn man heute auf jene Bücher zurückblickt, die man eigentlich damals hätte lesen sollen, aber kein Geld, keine Kenntnis davon oder auch einfach keine große Lust hatte, weil der Tag ja nur soundsoviel Stunden und es tatsächlich auch im Leben eines Jungtrainers noch andere Dinge gibt als Fußball, so kommt man an einem nicht vorbei, bei dem sich schon immer kein kleiner Impuls zur Lust am Schaudern und am Gruseln einstellt. Die Rede ist von Loddars legendärem Tagebuch mit dem so legendären wie kreativen Titel:

„Mein Tagebuch“.

Nun stellt sich zu Zeiten von eBay gar nicht mehr die Frage, ob man ein Exemplar davon je auf einem Trödelmarkt oder in einer Antiquariats-Buchhandlung würde finden können: Nur zwei, drei Mausklicks entfernt wäre schon das eigene Exemplar dieses „Buches“. Doch genauso nah sind natürlich die Rezensionen auf z. B. amazon.de zu diesem Buch. Und was man da zu diesem vermuteten Meisterwerk der Fußball-Literatur zu lesen bekommt, lässt die Vorfreude aufs Schaudern ins schier Unermessliche steigen:

„Eine Lektüre dieses Buches (…) lohnt sich nicht, da das Buch über keinerlei Gehalt verfügt.“

„Die Art und Weise, wie Lothar seine müden Geschichten zum besten gibt, ist dünn, langatmig und schlichtweg schlecht.“

„Eine so gute unfreiwillige Satire hat es wohl bis jetzt noch nicht gegeben. Der Gipfel der Naivität.“

„Manchmal sind allerdings auch überflüssige Berichte zu lesen, wie zum Beispiel, daß Matthäus kalte Pizza ißt, oder sein Haus überschwemmt ist.“

Dem Impuls zum Schaudern entgegen steht dabei der ebensolche Wunsch, nicht noch mehr Trödelkram aka Staubfänger in die Wohnung zu holen, welcher schon nach einmaligen Lesen seine Existenzberechtigung in diesen Wänden verwirkt hat, weil es eventuell tatsächlich so schlecht ist, dass man aus dem Schaudern nicht mehr rauskommt, es aber auch nie wieder in die Finger nehmen wird. Die Preise, die man dafür erlöst („Für dieses Werk wäre eigentlich noch ein Stern zuviel (die 3 Euro waren es in jedem Fall)“, „Auch für 5 Euro ist das Buch noch zu teuer.“), lohnen den Aufwand, es weiterzuverkaufen kaum. Und so dreist, Schrott, den man selbst nicht mehr benötigt, hier im Blog zu verlosen, ist man noch nicht.

Da wäre Entscheidungshilfe vielleicht ganz angemessen: Hat jemand der geneigten Leserschaft dieses Werk schon konsumiert und kann sich dazu äußern? Man führe ungern im eigenen Leben fort, mit dem Wissen, diese denkbare Wissenslücke in seinem Fußball-Erfahrungsschatz nie getilgt zu haben. Aber vielleicht ist es ja gar keine Lücke.

Michael Tönnies‘ schnellster Hattrick der Bundesliga-Geschichte

Dazu ein ordentlich bedienter Oliver Kahn.

Eine Sendung von RTL, mit Uli Potofski (den Namen muss Helge Schneider erfunden haben).

Ein Field-Interview mit Michael Tönnies, bei dem man nicht weiß, ob er gerade frisch vom Brettergymnasium kommt.

Und als Sahnehäubchen Winnie Schäfer, der demonstriert, was für ein kluger Trainer er ist.

Herrlich, diese youtube-Zeitreisen.



Tschammerpokal in Bild

Völlig neue Ansicht: der Tschammerpokal persönlich.

Der Zauberer von Oss (Timo am Fernsehturm)

Blicken wir zurück auf das Geschehen in der Bundesliga an diesem Wochenende, dann bleibt zuvorderst eins zu vermerken.

*Trainer Obi-Wan spricht mit einer Handbewegung zu Euch*

Niemand von Euch wird von nun an jemals wieder ein Kicker- oder ein Sport-FOTO-Sonderheft kaufen (müssen). Die Teamfotos gibt es meist in angemessen aktuellem Zustand auf der Webseite der jeweiligen Vereine, die Stecktabelle ist eh schon lange fürn/vorn Arsch. Und was die Inhalte angeht, so ist ein Sonderheft (zwei Sonderhefte, drei Sonderhefte, vier Döner, fünf Döner), dessen Veröffentlichungszeitpunkt noch knappe 5 Wochen vom Schließzeitpunkt des legendären Transferfensters, das noch nie ein Mensch mit eigenen Augen gesehen hat, entfernt ist, vollkommen sinnlos. Wer Sonderheftinhalte lesen möchte, surfe von nun an hier entlang oder auch dort entlang.

Ungefähr genauso sinnlos, wie es ist, Ruud van Nistelrooy zu heißen und den Wunsch zu äußern, noch einmal eine richtige Herausforderung zu erleben. Dann darf man als solcher nicht in die Bundesliga wechseln, denn einem fitten RvN sind die meisten Bundesliga-Verteidiger einfach unterlegen. Gar nicht bezogen auf die Sprintgeschwindigkeit, auch nicht allzu sehr aufs Verständnis dieser neumodischen 4-2-3-1’s, oder auf die 4-2-2-2’s und so weiter und so fort. Sondern einfach gedanklich. Der Zauberer von Oss mag altern, gedanklich ist er aber immer noch allzu oft einen Schritt schneller als die anderen. Ein Wechsel zurück in die Premier League würde sich für Ruuds Selbstbewusstsein anbieten. Immer nur gegen Anfänger Tore schießen macht ja auf Dauer auch keinen Spaß.

Apropos Anfänger: Felix Magath hat damals beim FC Bremerhaven als Trainer angefangen. Hat sich dann von Bremen (Werder) über Nürnberg und Frankfurt irgendwie bis zur Säbener Straße hinauf geschlafen gewürgt. Seitdem glaubt er, genauer gesagt, seit er dann auch in Wolfsburg Meister wurde, dass er die Nr. 1 der Trainer in Deutschland sei und ohnehin sein Stil der einzig Wahre sei. Das mag in Bezug auf die Fitness seiner Spieler zutreffen. Nicht aber in Bezug darauf, wie man einen Verein, der — anders als der VfL Doofsburg — auch Fans hat, führt.

Die Zeitbombe Magath tickt schon lauter als jene in Hannover, von der man eigentlich annahm, dass sie längst explodiert sei. Explodiert sind in Hannover aber nur die Frankfurter Großmannsträume von einem „internationalen Platz“, am Saisonende. Während man in Stuttgart mit Vuvuzelas und mit Schweigemärschen gegen den Umbau des Bahnhofs demonstriert, findet in Frankfurt eine Demonstration ohne Füße statt. Bzw. ohne Fäuste. Denn die hatte Nikolov beim 1:2 in der Kabine vergessen.

Timo Hildebrand trainiert übrigens momentan bei den Stuttgarter Kickers mit. Ein gutes Zeichen, vielleicht, schließlich verlor der andere Ex-Stuttgarter-Kicker gerade mit 0:2 in Mainz. Möglicherweise braucht der Fredi bald einen neuen Torwart. Da wären die Wege kurz.

Bierhoff’scher Senf auf strahlenden Landschaften

40 Manager 39 Manager und ein DFB-Angestellter haben eine Liste unterzeichnet. Dadurch und darin sprechen sie sich für den Erhalt von Atomkraft in Deutschland aus.

39 Manager und Oliver Bierhoff, der für so wichtige Dinge wie die Werbevideos der deutschen Nationalmannschaft, die Buchung eines angemessenen Hotels mit ausreichend Zock-Möglichkeiten für die Jungspunde und — ganz wichtig! — die vorgefertigten „Dankeschön, liebe Fans, Ihr seid die Besten und super und toll und so und ohne Euch hätten wir niemals das Finale gegen Spanien verloren!“-Schilder zuständig ist. Normalerweise würde man sowas „Sekretärin“ nennen, aber Job-Titel, noch dazu englische, nimmt man ja gerne, um das eigene schnöde Tun nach außen hin ein wenig glanzvoller wirken zu lassen.

Warum Bierhoff sich jetzt in Dinge einmischt und seinen Anton Oliver unter etwas setzt, was weit entfernt von seiner eigentlichen Tätigkeit ist, erschließt sich dem fernen Beobachter nicht. Und ob gerade Oliver Bierhoff der richtige ist, um volkswirtschaftliche Zusammenhänge in politischen Dimensionen zu bewerten, ist auch fraglich, hat er doch schlappe 26 Semester (in Jahren sind das 13!) benötigt, um seinen Studienabschluss zu bewerkstelligen. Wohl gemerkt gibt es sicher kaum eine Berufsgruppe, abgesehen von Privatiers, die so viel Freizeit hat wie Profifußballer. Und nebenbei kellnern müssen sie auch nicht beim Studieren.

Diplom-Kaufmann, bleib bei Deinen Stutzen!

Minus mal Minus ergibt Plus (EA-Cover-Fluch)?

Möglicherweise wird Felix Magath doch als erster Trainer der Bundesliga mit drei verschiedenen Vereinen Deutscher Meister, denn wenn die Gleichung aus der Überschrift stimmt, ist sein EA-Cover-Fluch jetzt wieder aufgehoben. Er ist zum zweiten Mal auf dem Cover des EA-Fußball-Managers zu sehen, diesmal in der Version 11.

Wohin Mesut Özil wechselt, ist allerdings ab seit ein paar Tagen vollkommen gleichgültig, die medizinische Abteilung ist bei Real sicher genauso gut oder schlecht wie beim FC Barcelona. Bei Werder Bremen oder bei Manchester United. (Bei Real oder Barcelona ist sie zwar sogar eher noch ein bisschen besser, das spielt aber nach dieser Entscheidung keine Rolle mehr).

Denn Mesut Özil ist auf dem neuen Cover von EA FIFA 11. Womit eine verheißungsvolle Karriere dunkle Wege nehmen und einen derben Knick erleiden wird. Später wird Özil noch ehrfurchtsvoll zu den immensen 23 Ligaspielen aufblicken, die Christoph Metzelder während drei Saisons für Real Madrid absolvierte.

Wenn Özils Antrag auf Anerkennung der Sportinvalidität durch sein wird.

Pitchspotter

Jeder kennt seit einem bestimmten Film diese Trainspotter. Wenn ich das richtig verstanden habe, sind Trainspotter Menschen, die sich dafür interessieren, tolle Aufnahmen von tollen Loks (oder Zügen) zu machen. Ein naher Bekannter ist allerdings kein richtiger Trainspotter, weil er sich eigentlich für eine dem Trainspotting artverwandte Tätigkeit interessiert, aber erstens wäre das zu kompliziert zu erklären und zweitens hat er hier eigentlich auch nix zu suchen. Also lesen soll er natürlich gerne (was er nicht tut), aber erwähnt werden, dazu müsste ich ihn erstmal fragen.

Ganz wie er aber nur eine Nachbarsart des Trainspotting betreibt, bin ich auch nur etwas Artverwandtes von einem ohnehin schon leicht obskur anmutendem Hobby. Ich bin kein Groundhopper, kein Trainspotter, kein Trainhopper oder gar S-Bahn-Surfer, sondern Pitchspotter.

Ich bin Pitchspotter. Der Unterschied zwischen einem Pitchspotter und einem Groundhopper ist der, dass ein Groundhopper nur dann Interesse daran hat, ein Stadion/einen Fußballplatz zu besuchen, wenn auch ein Spiel stattfindet. Alte Groundhopperehre sagt, glaube ich, dass man mindestens eine Halbzeit eines Fußballspiels in diesem Stadion vor Ort verfolgt haben muss, sonst zählt der Groundhoppingpunkt nicht. Einem Pitchspotter ist vollkommen egal, ob in/auf diesem Stadion/Fußballplatz ein Spiel stattfindet oder nicht, Hauptsache, er hat es/ihn, womit das Stadion, der Platz gemeint ist, keine Partie, überhaupt gesehen.

Und so ein Pitchspotter bin ich. Pitchspottern ist es auch egal, in welcher Liga die jeweils dort beheimatete Mannschaft spielt, Hauptsache, wie gesagt, man hat den Platz gesehen. Der Platz muss nicht mal irgendwelchen FIFA-Normen entsprechen, er darf auch gerne ein Non-League-Ground sein. Nach Möglichkeit kann man auch Fotos machen, das ist aber nicht so wirklich relevant und mir sind auch keine Pitchspotter bekannt, die wie die vielen Groundhopper ausführliches öffentliches (sprich: im Netz) Tagebuch darüber führen, wann sie welche Partie gesehen haben (was daran liegen könnte, dass mir überhaupt kein anderer Pitchspotter bekannt ist). Wichtig ist einfach nur der Moment, das Erleben, an irgendeinem x-beliebigen Orte zu sein und den Platz, die Ausmaße, die besondere Atmosphäre (mir ist noch kein Fußballplatz begegnet, der keine besondere Atmosphäre aufzuweisen gehabt hätte, zu dem nicht mindestens die Vokabel „trostlos“ gepasst hätte, und auch dies passt selbst im Ruhrgebiet nicht so häufig, wie man befürchten müsste) aufzusaugen, den Moment zu genießen, wenn hinter dem Fangzaun die Blätter des Waldes oder die Autobahn rauschten und man sich die enorme Fläche, die so ein Fußballfeld frisst, mal wieder vergegenwärtigen kann. Aber eben auch, wie er friedlich da liegt, wenn noch am Sonntag zuvor sich dort Hinz und Kunz an die Gurgel gegangen sind oder gemeinschaftlich den Schiedsrichter vom Platz gejagt haben.

Nun ist das Hobby des Pitchspottens, welches sich naturgemäß eher in den unteren Spielklassen ereignet, denn den Weg zu den großen Stadien findet natürlich jeder, nicht besonders verbreitet, oder wenn doch, dann wüsste ich nicht, wo sich andere Pitchspotter rumtreiben. Da es dabei aber ohnehin nicht um Gepose oder Punktesammeln geht, bestimmt das Erlebnis als solches die Erfahrung, auf diesem Platz oder zumindest seinen Tribünen zu sein. Insofern ist es auch egal, wie viel andere oder gar nicht so andere, aber nicht man selbst, Menschen es gibt, die das auch betreiben. Weil man fürs Pitchspotten keine Liste führen muss.

Man braucht nur da zu sein und zu inhalieren.

Gelbe Tonne für Blogbeitragsentwürfe

[Ich war ein alter Beitrag vom Beginn der Saison 2007/2008, zum Glück nie veröffentlicht, in dem prognostiziert wurde, dass Magath trotz des vielen Geldes, mit dem er einkaufen konnte, niemals den VfL Wolfsburg zum Meister machen würde.]

und

[Ich war ein Beitrag, dessen Verfasser sich sicher war, dass der FC Schalke 04 zu Lebzeiten dieses Verfassers kein Meister mehr wird.]

Was macht eigentlich Markus Beierle?

Der Stürmer aus dem württembergischen Brackenheim in der Nähe von Heilbronn, Geburtsort von Theodor Heuss, welcher (also Beierle jetzt) nur gefühlt* nie so richtig in der Bundesliga, wohl aber in der 2. Bundesliga ankam, ist immer noch aktiv. Zumindest war er das bis vor Kurzem, und zwar beim SC Dortelweil, dessen 1. Mannschaft in der hessischen Dingsliga spielt. 2008 noch taucht er in den Einsatzlisten auf. Mittlerweile ist er Trainer dieser Mannschaft und — Vorsicht! Nichts für schwache Nerven! — scheint schwer gealtert. Was vielleicht damit zu tun haben könnte, dass er offensichtlich seine Identität ändern musste: inzwischen heißt er wohl Dr. Steffen Knauer. Welche Geheimdienst-Story dahintersteht, ob es hier um terroristische Aktivitäten, deren Abwehr oder doch in der Bundesliga viel häufigeren, gewöhnlichen Zigarettenschmuggel mit anschließenden Problemen mit der Russen-Mafia ging, ist unbekannt, böte aber sicher Stoff für schöne Agentenromane.

Immerhin ist er dank seiner weiter stattfindenden körperlichen Betätigung noch kein Fall für diese uns allen bekannte, leider viel zu selten gefüllte Rubrik. Ob er nebenbei noch eine Fußballschule hat, oder vielleicht Spielervermittler ist, wie so manch anderer Ex-Profi, war leider nicht zu eruieren.

Markus Beierle hilft zumindest dann und wann mal in der Fußballschule von Alexander Schur als Übungsleiter aus.

* 32 Tore in der 1., 25 Tore in der 2. Bundesliga.

Europas Alkohol-Gürtel

Das Folgende hat nicht in erster Linie mit Fußball zu tun, ganz sicher aber mit Fußballschauen und somit den dazugehörigen Fußballfans, ohne welche der Fußball das wäre, was jetzt Hockey ist. Womit kein Schwein einschalten würde, was aber ja klar wäre, weil ja kein Schwein einschalten würde.

Fußballschauen geht zwar heutzutage durchaus mit Muttern und Streuselkuchen in vielen heimischen Wohnzimmern über die Bühne, gleichzeitig findet das Vorort-Schauen sehr häufig noch in weniger gesitteten Bahnen als Muttern und Streuselkuchen statt, womit wir bei diesem sehr interessanten Link wären, der darüber aufklärt, wie die einzelnen alkoholischen Vorlieben sich über Europa verteilen, und dass es keineswegs eine freie Entscheidung ist, wieso wir KöPi, Beck’s oder Warsteiner trinken, während man anderenorts Wodka, Whiskey oder Rotwein trinkt, sondern eine kulturell prädestinierte, mit den üblichen Ausnahmen, die ihren Job erledigen, und die Regeln bestätigen.

Also bitte sehr: Europas Alkohol-Gürtel.

Ob diese Verteilung in Europa sich auch in der Art der Trikotwerbung bei den Teams dieser unterschiedlichen Zonen auswirkt, ist unbekannt, wie aber auch unbekannt ist, ob das Werbeverbot für harte Alkoholika im TV in anderen Ländern auch existiert, wobei man eher davon ausgehen würde, dass das nicht der Fall ist. Gleichzeitig verdeutlicht diese Karte wohl auch, warum in Skandinavien der Zugang zu Alkohol so deutlich schwieriger ist als in Deutschland, den Niederlanden oder Belgien. Nach ein paar wenigen Bieren kann man sicher noch am nächsten Tag zur Arbeit gehen, nach ein paar Schnaps hingegen eher nicht.

Der aufmerksame Beobachter wird übrigens feststellen, dass die Biergrenze im Osten ziemlich genau die Grenze des alten deutschen Reiches darstellt, was etwas überrschend ist, hat sich doch die kulturelle Herkunft der Bewohner dort nach 1945 deutlich geändert, welche wiederum größtenteils aus dem östlichen Teil Polens — und somit einem Schnapsgebiet — übersiedelten.

Ob die Karte auch Auskunft darüber gibt, warum man in Deutschland, England, auch den Niederlanden so viele (Vereins-)Titel holte, während osteuropäische und nordische Mannschaften bislang so gut wie gar nix gewonnen haben, ist leider ebenfalls unbekannt.