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Autor: Trainer Baade

I want my Olympia-Grill

Mit den neu emporgekommenen Fußballvereinen und deren Fans ist es wie mit den Kneipen und Imbissen diverser Städte dieser Stadt. Wo immer man eine Kneipe, Imbissbude oder sogar Tankstelle mit Steh- und Kaffee-Sauf-Möglichkeit aufmacht, hängen spätestens nach zwei Wochen ganz merkwürdige, aber immer die selben Gestalten herum, die zu jeder Tages- und Nachtzeit dort zu sein scheinen, als hätten sie weder Zuhause noch Bett.

Es ist also völlig egal, was man eröffnet und wie man es einrichtet, ein paar Leute kommen immer. Aus diversen Gründen — man hat diese immer selben Gestalten bislang selten gefragt; und Studien zu innerlich Heimatlosen gibt es ohnehin keine, weil sie die Post mit der Einladung zur Studie nicht öffnen, obwohl sie sie sowieso nicht erreichte — ist es zudem unabhängig vom Durchschnittseinkommen des Stadtteils, ob solche erscheinen. Ein klein wenig tragen sie auch zum Umsatz bei, zieht man aber mit scharfer Bleistiftmine Bilanz, sorgen sie wohl angesichts ihrer Erscheinung eher für Mindereinnahmen, weil nicht jeder sich von Diskussionen in großer Lautstärke und umso kleinerem Gehalt begleiten lassen möchte, wenn er eigentlich nur eine Schale Pommes käuflich erwerben will.

Schließt die Tankstelle, der Imbiss, sieht man die selben Gestalten nie wieder, obwohl nur zwei Ecken weiter eine ähnliche Lokalität eröffnet (im selben Irrglauben, die minder attraktiven Inventarmitglieder durch Preisgestaltung oder Art der Inneneinrichtung abwehren zu können, was misslingt). Es kommen dann doch die selben, nur andere.

So kann man irgendwo einen Fußballklub aufmachen, egal, wie schäbig seine Entstehungsgeschichte ist, wie Eiche barock er in seiner Anmutung wirkt, oder aber Popart aus New York, welches vielleicht mal chic war, als der heutige Mäzen jung war: Es kommen auf jeden Fall Leute, bis man merkt, dass die einen gar nicht so lange bleiben, wie gewünscht und mit den anderen steht man dann alleine im Raum, wenn die Tür zufällt.

Stadien bekommt man heute in Leichtbauweise, fast so günstig wie einen Imbiss. Die Fans dazu werden vom Pommesgeruch angezogen. Reden wird man nicht mit ihnen wollen, aber von außen sieht der Laden so aus, als herrschten darin Wärme, Leben und Austausch vor. Nach der ersten Neugier des eigentlich vom Inhaber als Stammkundschaft erwünschten Publikums wendet dieses sich ab. Übrig bleiben die merkwürdigen Gesellen, die stumm aneinander vorbeischauen, wenn nicht gerade ein Streit ausgefochten werden muss. Keine Wärme, kein Austausch. Tags darauf hängt ein Schild im Fenster.

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Selbst schreibt der Mann

Wer die Entstehung dieses Blogs, des Namens und all den Kladderadatsch noch nicht beim Interview mit dem Deutschlandradio verfolgt hat, dem ist der folgende Beitrag im „Feedmagazin“ ans Herz zu legen, welches damit seine Themenwoche „Fußball(blogs) / die Fankurve im Netz“ beendet. Zuvor wurden schon catenaccio, das Hertha-Blog, der Frittenmeister und viele weitere beleuchtet.

Ein paar Worte meinerseits zum Bloggen sind auch mal wieder dabei. Immer diese Nabelschauen … und dennoch — auf zum Feed-Magazin:

Trainer Baade, wie es wirklich war.

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Schlaf nicht mit den Schweinepriestern

Man kennt die Legende, die besagt, dass man — sowohl Männlein als auch Weiblein — nicht mit anderen Menschen schlafen soll, die man eigentlich nicht leiden kann. Durch diese Handlung würden bestimmte Hormonfabriken intensiv zur Produktion angeregt, die einem dieses dings, na, dieses „Verliebtsein“ vorgaukeln. Das ist jener Zustand, in dem das Hirn — eigentlich die beste, wichtigste und auch verlässlichste Einrichtung des Menschen — zu nichts anderem als einer klebrigen Masse Mousse zerschmilzt und seinen Besitzer für einige Monate zum willenlosen Spielball dieser kleinen Handlungsanweisungsbotschaftsträger degradiert. Woraufhin er sich tatsächlich in jene Menschen verliebt, die man eigentlich überhaupt nicht mochte und nur der Umstände wegen, man ist halt Fleisch und Blut, zusammen dort gelandet war. Dann hat man den Salat und ist in jemanden verliebt, den man nicht leiden kann.

Analog ist eingehend davor zu warnen, Dokus zu schauen oder Chroniken zu lesen, die sich mit Fußballvereinen bzw. -mannschaften beschäftigen, die man partout nicht ausstehen kann. Direkter Kontakt zu all den Fährnissen in der Historie dieses Clubs, welche Schwierigkeiten er alle zu durchstehen hatte und trotz der Probleme immer noch existiert, unter anderem wegen dieses rührigen Hausmeisters/Platzwarts/Bürgermeisters, der all seine Zeit und sein Geld in den Verein investierte, führen dazu, dass man in vielen Fällen Sympathie für einige der Handelnden empfindet, obwohl man das zuvor nie konnte: Sympathie für Verein x, y, oder z aufbringen. Plötzlich ist das, was man nie mochte, ein Verein mit einer Historie, die den Leser mit Identifikationsmöglichkeiten überschwemmt. Hat man die Doku zu Ende gesehen, die Chronik zugeschlagen, wird es schon deutlich schwieriger mit dem Hassen und Verabscheuen. Nur die Standhaftesteen bleiben da hart und bei ihrer entschiedenen Abneigung.

Obacht also, liebe Freunde der gepflegten Rivalität.

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Improtheater mit Ottmar

Na gut, nicht wirklich improvisiert. Definitiv aber nicht auswendig gelernt!



Man muss ihn einfach lieben für seinen Esprit, seine Verve und nicht zuletzt die Aura eines Briefkastens.

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Wer braucht schon eine Lovers Lane, wenn er eine eigene Ambry hat?

Gerd Mueller’s Ambry, 3016 East Commercial Boulevard, in Fort Lauderdale. Noch heute ein deutsch-amerikanisches Restaurant, allerdings ohne den Namenszusatz des in dieser Unternehmung eher glücklosen Paten.



Größere Kartenansicht

PS: Ambry übersetzt sich ungefähr mit „Anrichte“ oder „Speisekammer“.

PPS: Auch wenn die direkte Umgebung des Restaurants mit einer viel befahrenen, mehrspurigen Straße eher unsexy wirkt: Zum Strand mit sanfter Dünung des Atlantiks sind es von dort aus ungefähr 800m in östlicher Richtung.

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Zoff-Time: Eine Legende als solche entlarvt

Vorweg das Resultat der gestrigen Messung, wie lange Dino Zoff, seines Zeichens 40-jähriger Kapitän der Finalelf Italiens bei der WM 1982, den Ball während der 90 Minuten unter Kontrolle hatte.

2:37 in der ersten Halbzeit.
4:20 in der zweiten Halbzeit.

Gesamt also:

7:07 von 90 Minuten Spielzeit.

Das klingt erstmal viel, auch wenn es die in der Legende besagten 14 Minuten weit unterbietet. Es war aber gefühlt überhaupt nicht viel, sondern das, was eben im normalen Ablauf eines Spieles, in dem durchaus auch mal aufs Tor geschossen wird, an Torhüterballbesitz nötig war. Und nahezu keine Sekunde mehr als das.

Zur Messung ist zu sagen, dass auch die Zeit gemessen wurde, in der Zoff am Ball war, der Ball aber noch gar nicht im Spiel war. Also jene Zeit zum Beispiel, in der ein Abstoß erteilt wurde, bis dieser ausgeführt wurde.

Außerdem ist hinzuzufügen, dass die Sperenzchen der Bildregie nicht immer genaue Messungen ermöglichten, da immer mal wieder eine vorige Szene in Zeitlupe gezeigt wurde, wenn Zoff abstieß. In diesen Fällen war nur eine ungefähre Messung möglich. Diese Ungenauigkeit wird das Endresultat aber nicht grob beeinflusst haben und wenn, dann war es eher weniger Zeit, die Zoff den Ball unter Kontrolle hatte, als oben aufgeführt.

Das Finale der WM 1982 zwischen Deutschland und Italien war also keines jener Spiele in der Zeit vor Einführung der Rückpassregel, in der endlos auf Zeit gespielt wurde, indem der Ball immer wieder zum Torwart zurückgespielt wird. Das kam in jeder Halbzeit vielleicht ein Mal vor, selbst als die Italiener in Führung lagen, spielten sie nicht mittels dieser Methode fühlbar auf Zeit, wie sie dies abgesehen von Kleinigkeiten im gesamten Spiel nicht taten.

Dennoch hat natürlich jeder einige solcher Spiele im Gedächtnis, in denen quälend lange zwischen Verteidiger und Torhüter hin und her gespielt wurde.

Seit heute weiß man also: das WM-Finale 1982 gehörte nicht dazu. Und die Legende von dem Sechstel Spielzeit, das Zoff okkupierte, ist als solche enttarnt.

Eine andere Legende wurde ebenfalls als solche enttarnt: Dass Rudi Michel das Spiel „gut“ kommentiert hätte. Aber das ist ein anderes Feld …

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Ein Sechstel Stillstand

[Update] Heute Abend ist es dann soweit. Ich bin eingeladen zu einem netten Menschen, der das WM-Finale 1982 komplett auf DVD besitzt. Nennt mich bescheuert, aber ich werde mich mit der Stoppuhr daneben setzen. Resultat dessen gibt es aber erst morgen, weil danach noch das obligatorische monatliche Fußballquiz ansteht. Hat er wirklich … 14 Minunten lang … ? Morgen werden wir es wissen.

Da dies noch nicht von anderen Quellen bestätigt wurde, ist es mit Vorsicht zu genießen, könnte auch eine urban legend sein. Wenn es stimmt, gibt es allerdings keinen Zweifel, dass die Rückpassregel eine wunderbare Idee war und ist:

Während der WM 1982 in Spanien soll Dino Zoff im WM-Finale zwischen Italien und Deutschland den Ball insgesamt 14 Minuten lang unter Kontrolle gehabt haben, fast ein Sechstel der Spielzeit.

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Springer alimentiert(e) Hertha BSC

Und zwar tat er das ganz persönlich, mindestens seit 1971, mit 300.000 Mark jährlich. Bis wann dieses jährlich andauerte, ist — auf die Schnelle — nicht zu eruieren. Und auch nicht, ob das eine oder andere seiner Erzeugnisse von da an etwas wohlwollender über den Hertha BSC berichtete.

Die Mannschaft jedenfalls schenkte ihm dankbar eine Schwarzwälder Uhr. Hört man heute auch nicht mehr, dass sich Spieler bei ihren Mäzenen bedanken, oder?

Nur ein Klub braucht nicht zu bangen: Hertha BSC spielt in der größten Bundesliga-Arena, dem Berliner Olympia-Stadion (Fassungsvermögen: 82 000 Sitzplätze), vor durchschnittlich 54 000 zahlenden Besuchern. „Hertha leistet am meisten für die Bundespräsenz Berlins“, urteilte Politmäzen Axel Cäsar Springer und freute sich, „eine Starthilfe gewähren zu dürfen“. Der Konzernherr zahlt jährlich 300 000 Mark zum Spielerkauf und trainiert gelegentlich mit. Die Mannschaft schenkte ihm dankbar eine Schwarzwälder Uhr, aus der statt des Kuckucks ein Kicker springt.

Übrigens auch ansonsten ganz lesenswert, wie viele Bundesligaklubs damals glaubten, kurz vor ihrem finanziellen Ruin zu stehen. Zieht man das nötige Geklapper vor Verhandlungen ab, bleibt immer noch relativ viel davon übrig. Damals wussten die Macher wohl noch nicht, dass sie ganz schnell too big to fail werden würden.

Bemerkenswert und heute unvorstellbar, dafür ist diese ganze Angelegenheit viel zu ernst geworden, dass der Mäzen sich dann auch rausnahm, ab und zu mitzutrainieren.

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Ins Abenteuerland für alle Sinne

Das folgende Foto, jenes rechts unten, illustriert ziemlich anschaulich, wie ein Stadionbesuch nicht sein sollte. Weshalb man sich auch nicht wundern darf, wenn an dem Gewinnspiel keiner teilnimmt, außer vielleicht missverstehende Mütter für ihre Söhne und Schwiegertöchter.


[photopress:stadioncocktail.jpg,full,centered]

Ein Besuch im Stadion soll eben überhaupt nicht das Gefühl von entspanntem Urlaub vermitteln, bei dem man sich zurücklehnt, nicht aktiv teilhat und derweil einen Cocktail schlürft. Natürlich ist hier diese Variante deshalb gegeben, weil der Veranstalter selbst Reisen anbietet.

Aber Derartiges gibt es ja in ähnlicher Ausführung zig Male. Die „Soundso“-Fankurve, bestehend aus Plätzen für zwei Personen, in der man dann trostlos mit einem zufällig dahingewürfelten Nachbarn fernab der feiernden Menge kurz vor der Seitenauslinie rumsitzt und entweder Glück in Form eines gewitzten Mitinsassen oder Pech in Form eines humorbefreiten Gesellen des jeweils gegnerischen Teams hat.

Der Stadionbesuch selbst ist allerdings in jedem Fall zerstört, weil irgendwo in einer Superloge oder -fanbank herumzusitzen und wohl gespeist und mit Getränken versorgt zu sein, nun mal nicht das ist, was man sucht, wenn man ins Stadion geht. Das hat man wohl zu Hause schon, wenn auch nicht immer aus so exquisiter Küche wie in den diversen Logen, und man hat es ohnehin viel zu häufig zu Hause, weil man es meistens dank hanebüchener Anstoßzeiten gar nicht mehr zu jedem Spiel ins Stadion schafft.

Aber wenn ein Stadionbesuch überhaupt eine Reise sein soll, dann doch wohl eine Abenteuerreise. Damit ist nicht mal das Abenteuer gemeint, welches Ergebnis bei dem Spiel herauskommt. Das Abenteuer besteht darin, in eine Menge einzutauchen, die mit dem Spielverlauf wabert, hin und her wogt, meckert, motzt, mitfiebert, jubelt und sich ekstatisch entlädt. Oder in gemeinsamer Enttäuschung schweigend und geschockt zu erstarren.

Alle Sinne werden angesprochen. Die laut skandierten Meinungen, die Düfte des Rasens und der Getränke, die Ausdünstungen, die Kälte der Nacht oder die Hitze des Sommers zu fühlen, unvergesslich sich einbrennend mit dem jeweiligen Ergebnis. Dazu die Haptik, bei einem Tor fürs eigene Team im Jubel die Tribüne herumgeschubst zu werden und mit Wildfremden zu hüpfen. Die Akustik der Anfeuerungsrufe, der Gesänge, die eingeschränkte Optik beim Blick aufs Feld und nicht zuletzt die Erschütterungen der Tribüne.

All das lockt die Menschen ins Stadion, und all das fehlt bei so einer exklusiven Bank am Rande. Das ist kein kleines Abenteuer mehr, das ist ein Erlebnis aus einer anderen, allzu wohl temperierten Welt, der des Pauschalurlaubs nämlich, transportiert an einen Ort, in den es nicht gehört. In den Abenteuerspielplatz Stadion.

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Sich selbst erhaltendes Siechtum

Einerseits geht die Meldung im Widerhall der misslungenen (?) Facebook-Aktion des FC Bayern fast unter: Der FC Bayern plant seine Zukunft mit Oliver Kahn und Stefan Effenberg. Das sind jene beiden, die für eine Eindimensionalität in der Sicht auf den Fußball stehen, wie man sie eigentlich nur noch in viel älteren Generationen vermuten würde. Welche sich nichtsdestotrotz in diesen beiden Hirnen aber dauerhaften Halt verschafft hat.

Der eine beschwört bei jeder Gelegenheit den „Druck“, den es bedeute, für den FC Bayern oder überhaupt als Profi bei gewinnen müssenden Vereinen Fußball zu spielen. Mit dem man natürlich umgehen können müsse. Die wenigen Gelegenheiten, zu denen er mal etwas Anderes erzählt als vom Druck, macht seine Stichwortgeberin dadurch zunichte, dass sie die Farbe der Krawatten wichtiger findet als eine Auseinandersetzung mit dem Sportlichen. Und wenn Kahn dann doch mal von sich aus etwas aus der Sicht eines Profis zum Spiel erzählt, bleibt sie mit metaphorisch offenem Munde stehen, kann daran nicht anknüpfen, und die an dieser Stelle plötzlich möglich gewordene Diskussion versandet noch vor ihrem Beginn in jenen Bezirken des Fußballs, welche man auch gerne bei Bunte und Co. beleuchtet. Insofern weiß man nicht genau, was der alte Kahn tatsächlich über den Fußball denkt, man hat aber bislang wenig im Ohr, was über billige Platitüden hinausgeht.

Der andere beschwört bei jeder Gelegenheit, dass die Mannschaft nicht „zu ruhig“ sein dürfe. Es gehe um Leader-Eigenschaften. Um Aggressivität dem Gegner gegenüber. Dabei wirkt Effenberg wie jenes Kind, dem man gerade zum ersten Mal in seinem Leben ein mehr als einsilbiges Wort gereicht hat, woraufhin es stolz das mehr als einsilbige Wort zu jedem Anlass verwendet, ganz gleich, ob dessen Inhalt etwas mit der Realität zu tun hat, die es gerade bezeichnen soll. Ein „Leader“ klingt halt toll, in den Ohren eines offensichtlich extrem auf Anerkennung geschnittenen Gehirns eines Effenbergs, also wird es bei jeder Gelegenheit rausgehauen. Was fehlt dem deutschen Arbeitslosen? Ein „Leader“! Was fehlt all denen, die schon mal ein Spiel verlieren? Ein „Leader“! Was fehlt dem Effenberg nicht in seinem Vokabular? Ein „Leader“!

Diesen beiden Koryphäen der Eindimensionalität will der FC Bayern nun also neue Aufgaben im Verein anvertrauen. Bei entschieden kleineren Vereinen besaß man da mehr Sachverstand: In Karlsruhe jagte man Kahn mit seinem Vater bei der Kandidatur zum Präsidenten davon, in Gladbach lacht man heute noch über die Aktion, mit der Effenberg — größtenteils ohne inhaltliches Programm — zusammen mit anderen ewig Missverstandenen wie Horst Köppel und Berti Vogts den Verein übernehmen wollte. Da der Verein ja ohnehin, wie man heute sieht, auf dem völlig falschen Weg war, war das aus Sicht der Protagonisten nötig geworden.

Einerseits geht die Meldung im Widerhall der Facebook-Aktion des FC Bayern fast unter. Andererseits muss man sich keine Sorgen machen, dass der FC Bayern — bald geführt und beraten von eindimensionalen alten Recken, deren Weiterbildung selbst bei besten Möglichkeiten, Experte bei Sky oder beim ZDF, und somit hautnah an den besten Spielen des Planeten dran, nur im Schneckentempo vorwärts geht — in mittlerer Zukunft gefährdet sein könnte.

Denn wenn die x in Folge verlorenen Partien gegen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund eines bewiesen haben, dann jene traurige Erkenntnis: Man interessiert sich bei den großen Medien weniger dafür, warum der Sieger so stark war. Betont wird die Frage, warum die Bayern so schwach waren und was sie falsch machen, wo man sich demnächst wird verstärken müssen. Begründet wird diese Vorgehensweise damit, dass sich nun mal mehr Menschen für den FC Bayern interessieren als für alle anderen Vereine. Selbst dann, wenn der FC Bayern verliert und andere Vereine schon mit anderthalb Beinen im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrtausends angekommen sind, während andere noch nicht mal den Akku ihres E-Rollis komplett aufgeladen haben.

Insofern darf man sich also getrost zurücklehnen und kann die Hoffnungen respektive Ängste begraben, dass eines Tages der FC Bayern mal nicht mehr der am meisten hofierte Verein der Liga sein wird, weil so etwas Profanes wie erfolgreicher Fußball ausbleibt. Selbst wenn andere Teams dauerhaft erfolgreich spielen, auch im Misserfolg bleibt der FC Bayern die Nr. 1 des Interesses. Es gibt also keine Chance auf Änderung, denn um den dauerhaft zu sichern, den Misserfolg, hat man ja gerade erst Kahn und Effenberg verpflichtet.

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Harry ist Gladbach-Fan und Ehrennadelträger des FC St. Pauli

Tja, da will man natürlich gerne wissen, welcher Harry das ist. Das beantwortet das folgende Interview [Link leider tot].

Ja, dieser Harry und vor allem dieser Schal. Allerdings steht im verlinkten Interview auch, dass die „Damen von der Requisite nicht wussten, dass es sich um einen Gladbach-Fanschal handelt“. Ein Markenzeichen wider Wissen, oder besser gesagt: ohne Absicht.

Den Teil mit dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli müsst Ihr dann aber schon noch selber lesen.

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Was macht eigentlich Peter Wynhoff?

Solche Typen sterben ja aus. Die Bundesligaspieler, die auch genauso Postschalterbeamter sein könnten oder einem bei der Bahn erklären, welches Ticket man im Moment, da die Müngstener Brücke mal wieder gesperrt sein könnte, für die Strecke von Oberbarmen nach Solingen ziehen muss. Ohne Glamour für Arme geht heute nix mehr in den Bundesligakadern, mindestens eine windschnittige Frisur muss es schon sein. Mit beidem konnte unser heutiger Held der Rubrik „Was macht eigentlich … ?“ nicht aufwarten.

Peter Wynhoff war so einer dieser Typen, die zumindest dem Klischee nach jede Mannschaft braucht, die nicht das Rampenlicht suchen, sondern fleißig indianisieren, wie vom Trainer und manchmal auch vom Spielverlauf verlangt. Unspektakulär, aber zuverlässig.

Da überrascht es wenig, welche Tätigkeit Peter Wynhoff — immerhin 240 Bundesligaeinsätze für Borussia Mönchengladbach und DFB-Pokalsieger 1995 mit so Spielern wie Andersson, Neun, Dahlin und Kamps — nach seiner Karriere als aktiver Fußballer ergriffen hat.

Er ist jetzt Sachbearbeiter bei der Kreisbau AG, mit eigener Profilseite [Link leider tot.].

Was ist die Kreisbau AG? Sie ist ein „Wohnungsunternehmen der Stadt Mönchengladbach“. Claim des Unternehmens: „Gewohnt gut“. Und ein Selters bitte.


[photopress:screenshot_peter_wynhoff.jpg,full,centered]

Wynhoff, ganz der Seriöse, kann es sich aufgrund dieser Seriosität auch erlauben, ein bisschen Nepotismus zu betreiben, bzw. seine „alten Kontakte“ spielen zu lassen, auf dass für Arbeitgeber und alten Kontakt eine Win-Win-Situation entsteht [Link leider tot.].

Natürlich hat der Leser längst selbst gemerkt, was das eigentlich Bemerkenswerte an Peter Wynhoffs neuem Job ist: Dass er überhaupt einen hat.

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