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Kategorie: Äh-ßerungen

„Gut, äh…“ und wer’s gesagt hat

I ♥ Radio

Ein schöner Kommentar unter dem SZ-Interview mit Günther Koch, der für meinen Geschmack dann doch immer die Nuance zu viel dick des Dicken aufgetragen hatte, als er noch im ÖR-Radio zu hören war. Findet der Kommentator offensichtlich auch, denn er schreibt:

Schön waren sie die Radioberichterstattungen von Koch. Irgendwann war er dann bei Arena und man konnte Kommentar mit dem Bild vergleichen. Was auch immer für Spiele der Mann moderiert hat, es waren nicht die gezeigten. Im Radio kann man halt erzählen, was man will.

Wie passend, dass Manni Breuckmann der Nachfolger von Günther Koch bei 90elf werden wird. Denn Ersterer bekannte beim Abschied vom Parkstadion, noch nie so viel gelogen zu haben wie bei seinen Reportagen von der Haupttribüne jenes Parkstadions aus.

Obwohl ich beinahe Jahrzehnte samstags am Radio hing (hängen im Sinne des Junkies an der Nadel, nicht im Sinne von rumhängen, rumlungern), fühle ich mich durch dieses Geständnis nicht nachträglich getäuscht noch betrogen. Die Übertragung war echt, die Worte, die Spannung, die Atmosphäre auch, die Suppe muss halt gesalzen werden, und wenn am Ende das Ergebnis das tatsächliche war, dann habe ich am Radio einen spannenden Nachmittag gehabt, während die Zuschauer im Stadion aus dem Gähnen nicht mehr rauskamen.

Der Wunsch, auf Kosten der Realitätstreue betrogen zu werden, entstand schließlich in mir — der Reporter war dann nur dienstbarer Erfüllungsgehilfe. Funktioniert aber eben nur im und am Radio.

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Aus den Briefen an Ottla und die Familie

„… vielleicht hört der Fußball jetzt überhaupt auf.“

Franz Kafka am 3. Oktober 1923.

Quelle (pdf)

(Eigentlich sollte man an dieser Stelle auch noch eine Einordnung von Franz Kafkas Äußerung über den Fußball vornehmen, wir sind hier — in diesem Fall — schließlich nicht im Bereich der banalen Bonmots, welche es einfach nur zu protokollieren gilt. Im verlinkten Dokument ist im selben Satz von einem Professor Vogel die Rede, der „wieder“ „gegen“ den Fußball schreibe. War die Sentenz Kafkas eine Befürchtung, eine Hoffnung, ein Wunsch — es klingt doch stark nach Ersterem, aber da die Entdeckung, dass Kafka sich überhaupt über den Fußball geäußert hat, an dieser Stelle noch so jung ist, liegen erstmal keine weiteren Erkenntnisse bereit. Außer jener, dass er sich mit seiner Vermutung respektive Befürchtung geirrt hat, offensichtlich. Wobei zu hoffen steht, dass die geschätzten Leser bei der Aufklärung helfen können oder mindestens wollen.)

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Loslassen können

„Ich kann nur den Hut davor ziehen, was viele Trainer leisten und wundere mich, dass es nicht mehr trifft, die über Erschöpfungssymptome klagen.“

  • Da hätten wir Michael Skibbe. Kam angeblich häufig zu spät zum Training in Frankfurt, war ohnehin kein Weltmeister darin. Also kein Trainingsweltmeister.
  • Michael Oenning, ihm sagen Medien nach, ebenfalls häufig als Letzter zum Trainingsplatz gekommen zu sein. Als er ein Konzept vorlegen sollte, hatte er keins. Zu viel regeneriert oder im Stress vergessen?
  • Wie Rudi Völler („Eine Stunde Training, danach Playstation spielen“) trainieren ließ, ist (nicht erst) seit Philipp Lahms Buch bekannt.
  • Armin Veh, wird als Trainer in Frankfurt verpflichtet, wo nach einem Abstieg der neue Kader für die sehr früh beginnende Zweitligasaison noch nicht feststeht — und fährt erstmal in Urlaub.
  • Louis van Gaal weilt in einer Länderspielpause während seines Engagements beim FC Bayern München statt auf den Trainingsplätzen der Säbener Str. lieber in seinem Feriendomizil in Portugal.

Die Liste ließe sich inbesondere mit Namen aus nicht ganz so aktuellen Zeiten endlos fortführen (besonders lesenswerte Beispiele des Loslassenkönnens gerne in den Kommentaren).

So viel Kritik wie es Ihnen jeweils einbrachte: Ihrer Gesundheit wird das jeweilige Verhalten nicht geschadet haben. Und nur weil der Chef nicht anwesend ist, muss das ja nicht bedeuten, dass die zu erledigende Arbeit nicht getan wird.

Delegieren heißt das Zauberwort.

Wobei es zugegebenermaßen etwas problematisch ist, wenn der eine Ahnungslose (Völler) an den anderen Faulpelz (Skibbe) delegiert. Da bleibt dann doch das eine oder andere liegen (z. B. Eckbälle, aber das ist ja selbst bei Löw noch so).

In allen anderen Fällen aber ist die Bundesliga, Fußball allgemein, so wie eigentlich ohnehin alles Berufliche ergebnisorientiert.

Entscheidend ist, was hinten dabei rauskommt.

Man darf elf Jahre lang im Training acht gegen acht spielen lassen und die Spieler ins Stadtcafé einladen, rauchend in seinem Kabuff sitzen oder sich zu Weißbier-Connections zusammenschließen, so lange die Mannschaft die nötigen Punkte holt.

Und so ärgerlich es auch für die jeweiligen Fans sein mag, zu sehen, wie wenig Gegenleistung einzelne Trainer für die horrenden Gehälter liefern:

Eine gewisse Sympathie für die oben Genannten mit ihrer Nonchalance insbesondere im Vergleich zu den Oberstrebern der Zunft kann ich nicht verhehlen.

Ich hab allerdings auch keine schlaflosen Nächte, wenn Eintracht Frankfurt dann schließlich in den Brunnen gefallen ist … und ärger mich immer noch über die seit Jahrzehnten nicht existenten Standards in der Nationalmannschaft …

(Ganz abgesehen davon ist Pünktlichkeit ohnehin überbewertet. Korreliert wahrscheinlich schwach bis gar nicht mit Leistungsmotivation und anderen für das Ergebnis entscheidenden Merkmalen. Können viele in Deutschland aber einfach nicht glauben, ein Sozialisationsdefekt.)

Wenn der eigene Trainer das nächste Mal wieder in Urlaub fährt, statt weiter zu trainieren und über Strategien und Aufstellungen zu brüten: Vielleicht ist er dafür am nächsten Spieltag umso frischer. Länger erhalten bleibt er der Mannschaft auf die Art ohnehin.

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Ach, Loddar

Ist es wegen der Frauen?

Nein, es ist schlicht seinetwegen.

(Wobei die Vorstellung natürlich ihren Reiz hat, dass in einem Paralleluniversum der Franz zum Loddar geschrieben würde und der Loddar stattdessen fragt, ob heut scho Weihnachten ist und für die Außenstehenden die WM nach Deutschland holen durfte etc. pp. Weil die Parallelwelt niemals mit dieser hier die Wege kreuzt, hat die Vorstellung ihren Reiz. Anderenfalls.)

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Früher vs heute, die wirre Version

Man muss Verständnis haben für die alten Säcke, dass sie nicht einfach sagen: Okay, heute verdienen die Jungs wesentlich mehr und sie spielen auch noch viel besser, viel schneller und überhaupt hätten wir von damals heute keine Chance. Warum man dafür Verständnis haben muss, ist mir zwar noch nicht eingefallen, aber versuchen wir es doch einfach mal, aus dem viel zitierten Respekt heraus, den manche so gerne beklagen, wenn er fehlt.

Einer der alten Recken trägt allerdings auch nicht gerade dazu bei, dieses Verständnis aufzubringen, was daran liegen könnte, dass er selbst nicht versteht, was er eigentlich sagen möchte. Auf diesen früher-heute-Vergleich der Leistungen der Fußballer angesprochen, antwortet Norbert Nigbur jedenfalls das Folgende.

Bei der These, dass der heutige Fußball viel schneller daher kommt, reagieren Spieler aus Ihrer Generation immer sehr empfindlich.

Diese Aussage macht mich auch fuchsteufelswild. Technisch waren wir eindeutig überlegen. Oder gibt es heute noch einen Stan Libuda? Das ganze System hat sich doch verändert. Damals hatte man als Stürmer kaum Freiräume, dafür hat schon der Libero gesorgt. Klaus Fischer wäre auch heute noch Torschützenkönig.

Wie beim Geblitztwerden ziehen wir einige KulanzlückeninderArgumentation ab, weil der fuchsteufelswilde Norbert Nigbur hier möglicherweise verkürzt wiedergegeben wird. Vielleicht hatte er im originalen Gespräch noch einige Bindeglieder zwischen seinen Hauptsätzen eingefügt, die dem ganzen einen nachvollziehbaren Sinn verliehen. Da dies nicht eindeutig zu klären ist, wenn man nicht wieder Emails schreiben will, auf welche mit vorgefertigten Textblöcken geantwortet wird, belassen wir es bei dieser Kulanz.

Und dennoch bleibt nicht viel über, was man verwerten könnte, dabei hatte man (das ist hier: ich) lange Zeit geglaubt, Norbert Nigbur sei auch deshalb ein wenig sympathisch, weil er nicht so von Ehrgeiz zerfressen war und sogar Zeit für eine lustige Schallplatte aufbrachte, während er eigentlich noch im Saft stand und die Stürmer, die auf sein Tor zueilten, keine Freiräume hatten, weil schon der Libero dafür sorgte.

Lassen wir auch die Frage am Wegesrand liegen, was er damit sagen will, dass es heute keinen Stan Libuda mehr gibt. Natürlich gibt es keinen solchen mehr, er ist ja tot und unter der Erde, wobei es eben auch keinen Nachfolger gebraucht hätte. Jede Zeit hat ihre eigenen Helden und so darf man zur Verteidigung des Nigburschen Geschwafel nach Abzug der berücksichtigten Kulanzlücken konstatieren, dass die Frage nach einem solchen Vergleich ohnehin unzulässig, weil niemals zu beantworten ist. In die Falle hereingetapert ist er aber trotzdem, und immerhin das darf man ihm dann vorwerfen, wenn man schon aufgegeben hat, nach Sinnhaftigkeit in seiner Antwort zu suchen.

Womöglich ist es aber auch Resultat der Tatsache, dass ein unschöner Nebeneffekt des Altwerdens ist, dass man alt wird.

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Ich vs Du

Ich kann ja gar nicht anders als Feuilleton. Das ist übrigens schon wieder eine wahnsinnige Überschrift, die Sie gerne verwenden dürfen.

Vor allem wieder ein toller Ich-Satz.

Selbstverständlich! Mit „Du“ klingt das auch eher nach Sportreporter.

Ich würde sagen, es klingt eindeutig nach Oliver Kahn (zufällige Häufung an dieser Stelle), welcher nicht in erster Linie Sportreporter, sondern Sportphilosoph ist. Richtig liegt Harald Schmidt hier trotzdem, dass man das „Du“, wo ein „man“ nötig wäre, vor allem mit Gerede über Sport und von Sportlern in Verbindung bringt. Trauriger- und schauderhafterweise.

(Verlinkt vom Bildblog.)

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Töppi hört und macht gerne Musik

Bei einem Reporter, der jahrzehntelang vom ZDF durchgefüttert wurde, bleibt schon mal der eine oder andere Euro im Sparstrumpf hängen. Wovon man dann eine nicht kleine Sammlung an Platten und CDs anlegen kann. Musik auf Tonträgern Sammeln war Ende des letzten Jahrhunderts das, was Briefmarkensammeln in der Mitte des letzten Jahrhunderts war.

Töppi hatte diese Leidenschaft voll erwischt, denn wenn er zusammenzählt, kommt Einiges dabei herum. Wobei das Interview schon über 5 Jahre alt ist, der aktuelle Wert dürfte also noch höher liegen:

Ich besitze aktuell 7.593 Vinyl-45-Singles, 113 LPs, 76 Maxis und 1.115 CDs.

Großer Fan ist er übrigens von ZZ Top, von denen er auch einen Schlüsselanhänger trägt.

Und so freiherzig, wie er über seine ansonsten vorhandene Vorliebe zur Musik der 1960er Jahre Auskunft gibt, so gibt er auch ohne jedes Schuldbewusstsein zu, dass er für eine ganz schlimme Plage im Bereich der Fußballberichterstattung verantwortlich zeichnet. (Behauptet er zumindest.)

Ich war ja der Erste, der in Deutschland mit diesen Blitz-Interviews am Spielfeldrand angefangen hat. Die Fußball-Berichterstattung, die man bis dahin von der ARD kannte, sah so aus, dass man stets mit den einlaufenden Mannschaften begann und mit einem Zuschauerschwenk aufhörte. Ich fand, dass man da dringend mehr Emotion reinbringen muss – am besten direkt auf dem Spielfeld, wenn die Spieler noch heiß sind.

All der Senf, den wir eigentlich nie hören wollten, ins Mikrofon gehechelt von noch von der Niederlage frustrierten Spielern, wäre uns möglicherweise erspart geblieben, wenn Töppi nicht diese merkwürdige Vorstellung von Journalismus gehabt hätte.

Nicht ersparen kann man den Lesern an dieser Stelle allerdings ein weiteres Highlight aus Töppis eigener Karriere. Denn wer so viele Platten besitzt, der kann natürlich auch selbst hervorragend musizieren, wie Rolf Töpperwien im folgenden Heimatschnulzchen beweist. Und seine Heimat ist Osterode im Harz mit seinem wenig erfolgreichen VfR, nicht etwa Mainz.

Die obligatorische „Pulle Pils“ ist auch dabei, wie man ab 1:30 hören kann. Zum besseren Verständnis dieser Perle der getragenen Hymnen ist es allerdings ratsam, sich das gesamte Stück zu Gemüte zu führen. Man bekommt einen Eindruck davon, wie viel in Osterode los ist, wenn alleine die Tatsache, dass auf einer der Brücken der Stadt mal nicht gebaut wird, schon eine Songzeile wert ist.



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Finger, Elche, Daumen

Zdravko Kuzmanovic kann es nicht nachvollziehen, und möchte die Aufgabe am liebsten zurückgeben.

Das Problem bleibt aber genauso wie vorher vorhanden. Der Zuschauer, der sich als Fan begreift, ist eben kein professioneller Kritiker, dem man mit so profanen Dingen wie Fairness bei der Bewertung von Spielszenen und -ergebnissen kommen kann.

Überhaupt ist das Heimrecht für die VfB-Spieler ein zweifelhaftes Vergnügen. Trotz des dominanten Auftretens hallten bei so gut wie jedem Fehlpass Pfiffe durchs Stadion hallten. „Wenn die Zuschauer mit einem 3:0 nicht zufrieden sind“, fand Zdravko Kuzmanovic, „muss sich vielleicht nicht die Mannschaft hinterfragen.“

X Prozent der Leute bezahlen ohnehin nur fürs Meckern (respektive Pfeifen) und die anderen mögen halt diesen oder jenen Spieler nicht, völlig gleich, was er auf den Platz zaubert. Kommt hinzu, dass man heute, wenn man möchte, täglich den FC Barcelona sehen kann und zudem selbst eine Playstation zu Hause hat, auf der jeder Pass stets sitzt. Hinterfragen wird sich von denen keiner. Ging man je ins Stadion, um dann fair zu entscheiden, ob der Gladiator oder der Löwe lebendig nach Hause geht?

Genau dieses Recht, endlich einmal unfair urteilen zu dürfen, ist doch für viele Teil des Vergnügens.

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Strahlende Gesichter allüberall

Es ist nun mal hart, wenn man sich an 348 Tagen im Jahr aufführen kann wie der Weihnachtsmann und alle reich Beschenkten (angeblich) den Kotau machen, man aber an den 17 Heimspieltagen des liebsten Spielzeugs schon mal ein Wörtchen der Missbilligung hören muss.

Wie das so vonstatten geht, wenn man den Weihnachtsmann (allerdings nur einer bestimmten Region) nicht nur mimt, sondern einem dessen Rolle geradezu ins Fleisch übergegangen ist, berichtet der Klub des umfassenden Wohltäters selbst und man muss schon sehr jung oder sehr, sehr alt sein, um sich nicht an Piep erinnert zu fühlen.

Mit Standing Ovations bedankten sich tausend junge Fußballerinnen aus der Metropolregion Rhein-Neckar am Sonntag bei Dietmar Hopp. Mit Jubel, langem Applaus und vor allem einem großen Strahlen in ihren Gesichtern zeigten sie dem Stifter, dass ihr Dank von Herzen kommt.

Sie klatschten nicht einfach nur, ihre Gesichter strahlten auch noch. Und das beweist eindeutig, glaubt jener Autor, der wohl selbst beim Verfassen des Artikels noch strahlend an der Tastatur saß, dass der Dank von Herzen kommt, und nicht etwa alles nur fake smiles* waren, wo die Menschen doch „surprisingly bad at spotting fake smiles“ sind.

Ein Jahr lang waren Mitarbeiter der Stiftung mit diesem Auto durch die Metropolregion Rhein-Neckar gefahren, um nagelneue Trainings- und Spielausrüstung zu Mädchenfußball-Mannschaften aus 54 Vereinen zu bringen.

So stellt man sich die Aufbauarbeit vor: Mit dem Wagen durch die Metropolregion (nur echte Metropole, wenn man es auch für alle anderen, die von dieser Metropolregion noch nie gehört haben, verständlich in jedem Artikel dranschreibt) gondeln und dabei immer wieder in guter Heilsbringermanier mal hier und mal da anhalten, Kamelle aus dem Auto werfen, nagelneue Ausrüstung unters Volk bringen und sich dabei einfach nur gut fühlen. Und ganz sicher sein, dass es den Empfängern haargenauso geht.

Eigentlich hätte es da keines C-Promi-Zitats mehr bedurft, um zu unterstreichen, wie wichtig der Weihnachtsmann für diese Metropolregion ist. Da der Beitrag aber sonst ein wenig zu kurz geraten wäre und möglicherweise noch nicht jeder gänzlich überzeugt wäre, wie ein Mann alleine durch das Überreichen von Trainingsjacken, welche man nur Stunden später durchschwitzt und in die Waschmaschine, womöglich auch vom Weihnachtsmann gestiftet, wirft, eine gesamte Metropolregion glücklich machen kann. Also her mit dem C-Promi. Ah, da haben wir ja jemanden, die auch noch vom Fach ist.

Renate Lingor: „Ich komme ja aus dieser Region und weiß, wie stark der Frauen- und Mädchenfußball hier ist. Und das ist zu einem ganz großen Teil Dietmar Hopp zu verdanken“. Wohl wahr, dachten sich die Fußball-Fans auf den Rängen und sie zeigten es mit frenetischem Jubel und Applaus.

Die Sonne, die Sterne, den Mond und sieh nur diese süßen Häschen hat Dietmar Hopp wahrscheinlich auch noch selbst gemacht, woraufhin die Rhein-Neckaraner Metropolregionsbewohner frenetisch Beifall klatschen. Jeden Morgen wieder neu, versteht sich, nach dem Aufstehen erstmal den Vorhang zur Seite ziehen und in Richtung Dietmar-Hopp-Stadion geklatscht.

Wer startet ein tumblr-Blog „Dietmar Hopp looking at things“? Falls man keine passenden Bilder findet, könnte man auch erstmal hiermit beginnen.

Man darf gerne einwenden, dass jeder Verein, jede Firma und eigentlich auch jeder Mensch über seine eigenen Aktionen oder die von Beteiligten des Vereins derart positiv berichten würde.

Jeder Mensch jedenfalls, der auch glaubt, dass in Restaurantketten angebotenes Essen wirklich so aussieht wie auf den Fotos im Eingang und der sich wundert, dass am Nordseestrand von Langeoog gar nicht immer, wie im Prospekt, bestes Badewetter herrscht.

Der Artikel über die Weihnachtsmanntätigkeit des endlen Spenders vermittelt jedenfalls einen Eindruck, wie intensiv die Lobpreisung an den erwähnten übrigen 348 Tagen, an denen kein Bundesligaspiel mit so etwas Lästigem wie Auswärtsfans ansteht, sein muss.

Da ist der Schock bei plötzlicher Kritik allzu menschlich weihnachtsmannig.

* (Dauert übrigens nicht wie angegeben 10 Minuten, sondern deutlich weniger. Aber Achtung: Nicht das Foto beurteilen, sondern das Video (anklicken!).)

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Fußball gehört allen

Oliver Fritsch hat seinen Kampf aufgeschrieben. Dessen Ende ist bekannt, der Weg vielleicht nicht so.

Dann kam ich der Bitte des Präsidenten des Bayerischen Fußball-Verbands nach, ihn anzurufen. Er teilte mir dasselbe mit. Er deutete an, mir meine Trainerlizenz zu entziehen, falls wir weitermachen.

„Die Herrn Fritsch bereits vor langer Zeit angebotene ehrenamtliche Mitarbeit bei der Erstellung der Internet-Auftritte der Verbände lehnt er ab, wenig überraschend, denn ihm geht es ums Geld!“ Das schrieb der DFB damals über mich, es ist nur ein Beispiel. Es stimmt nicht mal, mir hatte niemand etwas angeboten.

Wir haben ein Stück Freiheit fürs Internet erkämpft. Hartplatzhelden ist eine Orchidee. Fußball gehört allen.

Bei brandeins weiterlesen.

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„Habt Ihr nur Scheiße im Hirn?“

Man muss sich immer wieder vor Augen halten, dass die Methode Magath eine grundsympathische ist. Sonst vergisst man das so schnell. Möglicherweise der Wunschtraum aller verklemmt-autoritären Fußballanhänger.

Vielleicht aber auch einfach ein.



Wobei die zweite Frage im Video ja berechtigt ist. Das hat noch nie jemand verstanden, seit es diese Zwillinge in der Bundesliga gibt. Es weiß allerdings auch niemand, warum ausgerechnet die Ersatzspieler, die gar nicht auf dem Feld stehen, diese beantworten können sollten.

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Der metropolitische Problem-Humor

Man muss doch mal eine Wanze, sorry, Lanze für die Humoristen in der Metropolregion Rhein-Neckar brechen. Sie meinen es doch alles nur scherzhaft. Dass gerade Humor ein heikles, lokal sehr unterschiedlich aufgefasstes Phänomen ist, stellt man schließlich als Fußballinteressierter immer wieder an jenen Tagen fest, die einem Sieg der deutschen Nationalmannschaft über die englische vorausgehen.

So verhält es sich eben auch mit dem Humor innerhalb der deutschen Grenzen herzlich unterschiedlich. Berliner Kassiererinnen meinen es für gewöhnlich rein scherzhaft, wenn sie ihre Kunden anbaffen, während man die Bezeichnung „fiese Möp“ in gewissen Gegenden durchaus als Kompliment verstehen darf.

Das Problem der armen Metropoliten in der Rhein-Neckar-Region ist nun allerdings, dass bislang nicht über die Grenzen ihrer Metropolregion hinaus bekannt geworden ist, welchen Humor man bei ihnen pflegt. Zugegeben, der aktuelle Versuch, dies zu ändern, misslang leider auf ganzer Linie.

Man sollte allerdings Nachsicht walten lassen, denn offensichtlich ist das Teil der Metropolkultur. Die Anzeichen verdichten sich, dass der Hausmeister beim Hinweis auf den eher „scherzhaften Charakter“ seiner Handlung nicht mal geflunkert haben könnte.

Zusätzliches Futter für diese Annahme liefert ein Blick in die in der Metropolregion Rhein-Neckar ansässige Rhein-Neckar-Zeitung. Dort sitzt dem für die Partie zuständigen Schreiber der Schalk derart im Nacken, dass er sich einen ebenso lustigen Scherz in seinem Beitrag wie jenen des Kollegen Hausmeister nicht verkneifen konnte.

Für Roman Weidenfeller kam der Wechsel zu spät. Der Freistoß aus 33,5 Metern schon in der neunten Minute war unhaltbar. „Man weiß ja, wie der Salihamicic schießt“, stöhnte der Dortmunder Torwart. Klar, Herr Weinkeller, sorry Weidenfeller.

Man sieht, es ist nicht so einfach, dem rhein-neckar’schen Humor zu folgen, denn er übt noch. Der Humor selbst, der Schreiber allerdings auch. Bislang gelingt es niemandem in der übrigen Bundesrepublik, den Alterungsprozess umzukehren, auf dass man es wieder als unterhaltsam empfände, sinnfreie Abwandlungen aus Namen zu basteln.

Nachsicht also bitte mit dieser Form von Humor: Die restliche Welt ist schlicht noch nicht so weit, ihn zu begreifen. Abgesehen von Herrn Flopp, huch, sorry, Hopp und seinen metropolitischen Scherzgesellen.

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