Es ist nun mal hart, wenn man sich an 348 Tagen im Jahr aufführen kann wie der Weihnachtsmann und alle reich Beschenkten (angeblich) den Kotau machen, man aber an den 17 Heimspieltagen des liebsten Spielzeugs schon mal ein Wörtchen der Missbilligung hören muss.
Wie das so vonstatten geht, wenn man den Weihnachtsmann (allerdings nur einer bestimmten Region) nicht nur mimt, sondern einem dessen Rolle geradezu ins Fleisch übergegangen ist, berichtet der Klub des umfassenden Wohltäters selbst und man muss schon sehr jung oder sehr, sehr alt sein, um sich nicht an Piep erinnert zu fühlen.
Mit Standing Ovations bedankten sich tausend junge Fußballerinnen aus der Metropolregion Rhein-Neckar am Sonntag bei Dietmar Hopp. Mit Jubel, langem Applaus und vor allem einem großen Strahlen in ihren Gesichtern zeigten sie dem Stifter, dass ihr Dank von Herzen kommt.
Sie klatschten nicht einfach nur, ihre Gesichter strahlten auch noch. Und das beweist eindeutig, glaubt jener Autor, der wohl selbst beim Verfassen des Artikels noch strahlend an der Tastatur saß, dass der Dank von Herzen kommt, und nicht etwa alles nur fake smiles* waren, wo die Menschen doch „surprisingly bad at spotting fake smiles“ sind.
Ein Jahr lang waren Mitarbeiter der Stiftung mit diesem Auto durch die Metropolregion Rhein-Neckar gefahren, um nagelneue Trainings- und Spielausrüstung zu Mädchenfußball-Mannschaften aus 54 Vereinen zu bringen.
So stellt man sich die Aufbauarbeit vor: Mit dem Wagen durch die Metropolregion (nur echte Metropole, wenn man es auch für alle anderen, die von dieser Metropolregion noch nie gehört haben, verständlich in jedem Artikel dranschreibt) gondeln und dabei immer wieder in guter Heilsbringermanier mal hier und mal da anhalten, Kamelle aus dem Auto werfen, nagelneue Ausrüstung unters Volk bringen und sich dabei einfach nur gut fühlen. Und ganz sicher sein, dass es den Empfängern haargenauso geht.
Eigentlich hätte es da keines C-Promi-Zitats mehr bedurft, um zu unterstreichen, wie wichtig der Weihnachtsmann für diese Metropolregion ist. Da der Beitrag aber sonst ein wenig zu kurz geraten wäre und möglicherweise noch nicht jeder gänzlich überzeugt wäre, wie ein Mann alleine durch das Überreichen von Trainingsjacken, welche man nur Stunden später durchschwitzt und in die Waschmaschine, womöglich auch vom Weihnachtsmann gestiftet, wirft, eine gesamte Metropolregion glücklich machen kann. Also her mit dem C-Promi. Ah, da haben wir ja jemanden, die auch noch vom Fach ist.
Renate Lingor: „Ich komme ja aus dieser Region und weiß, wie stark der Frauen- und Mädchenfußball hier ist. Und das ist zu einem ganz großen Teil Dietmar Hopp zu verdanken“. Wohl wahr, dachten sich die Fußball-Fans auf den Rängen und sie zeigten es mit frenetischem Jubel und Applaus.
Die Sonne, die Sterne, den Mond und sieh nur diese süßen Häschen hat Dietmar Hopp wahrscheinlich auch noch selbst gemacht, woraufhin die Rhein-Neckaraner Metropolregionsbewohner frenetisch Beifall klatschen. Jeden Morgen wieder neu, versteht sich, nach dem Aufstehen erstmal den Vorhang zur Seite ziehen und in Richtung Dietmar-Hopp-Stadion geklatscht.
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Wer startet ein tumblr-Blog „Dietmar Hopp looking at things“? Falls man keine passenden Bilder findet, könnte man auch erstmal hiermit beginnen.
Man darf gerne einwenden, dass jeder Verein, jede Firma und eigentlich auch jeder Mensch über seine eigenen Aktionen oder die von Beteiligten des Vereins derart positiv berichten würde.
Jeder Mensch jedenfalls, der auch glaubt, dass in Restaurantketten angebotenes Essen wirklich so aussieht wie auf den Fotos im Eingang und der sich wundert, dass am Nordseestrand von Langeoog gar nicht immer, wie im Prospekt, bestes Badewetter herrscht.
Der Artikel über die Weihnachtsmanntätigkeit des endlen Spenders vermittelt jedenfalls einen Eindruck, wie intensiv die Lobpreisung an den erwähnten übrigen 348 Tagen, an denen kein Bundesligaspiel mit so etwas Lästigem wie Auswärtsfans ansteht, sein muss.
Da ist der Schock bei plötzlicher Kritik allzu menschlich weihnachtsmannig.
* (Dauert übrigens nicht wie angegeben 10 Minuten, sondern deutlich weniger. Aber Achtung: Nicht das Foto beurteilen, sondern das Video (anklicken!).)