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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Man sollte das Spiel jetzt nicht so schlecht machen wie es war

Wahrscheinlich gibt es mehr als nur die zwei folgenden Gründe. Doch zwei Gründe, warum die Spiele als immer anstrengender empfunden werden, obwohl sie es objektiv wahrscheinlich nicht sind, liegen auf der Hand.

Erstens ist der Spielplan sowohl in den Bundesligen als auch in den Europapokalen so weit entzerrt, dass mittlerweile fast jede Partie einzeln auf dem Seziertisch liegt. Natürlich ist das nicht erst seit gestern so, doch zuletzt kam dann sogar noch die Aufweitung auf zwei Sonntagstermine in der Bundesliga hinzu sowie die Streckung sowohl von Achtel- als auch Viertel- und Halbfinale der Champions League auf jeweils nur ganz wenige Partien pro einheitlichem Termin.

Zweitens ist moppern oder auch nörgeln ansteckend. Und mit unseren tollen Echokammern namens Twitter oder Facebook, keine Ahnung wie es bei Letzterem ist, wird es immer mindestens einen geben, der gerade an einer Partie etwas zu moppern hat. Je mehr es sind, desto wahrscheinlicher wird es – vorausgesetzt diese Äußerungen werden von anderen Teilnehmern auch wahrgenommen – dass andere in den anschwellenden Chor der Nörgler einstimmen. Heute benötigt man ja nicht mal einen eigenen Nörgeltweet dafür, man klickt einfach auf Retweet und schon ist man Teil der Nörgelgruppe.

Ich will jüngere Leser – noch fühle ich mich dafür nicht alt genug – nicht mit den Vergleichen zu früher nerven, als eben ohnehin nicht jedes Spiel live sichtbar war, schon gar nicht mit jener Zeit, als noch das Gros der Spiele der Bundesliga zum einheitlichen Anstoßzeitpunkt am Samstag stattfand. Da aber erhielt per se jede einzelne Partie viel weniger Aufmerksamkeit. Und fiel auch nicht so ins Gewicht, wenn sie ein grausames 0:0 zwischen Arminia Bielefeld und Fortuna Düsseldorf war. Denn die anderen Partien wurden zeitgleich wahrgenommen und gerade wenn eine Partie wenig bot, wurde sie nicht gerade exponiert dargestellt.

Heute wird jede Partie unerbittlich über 90 Minuten plus x plus Aufbereitung ausgewalzt, egal, wie wenig sie inhatlich bot. Diese frühere Aufmerksamkeitsdiffusion ist jetzt einem Brennglas gewichen, mit dem man viel deutlicher sieht, wie schlecht Fußballspiele sein können, was sie eben oft sind – denn sie sind nun mal in voller Länge zu sehen.

Gepaart mit dem ungleich größeren Resonanzkörper, die Zahlen sind ja teils schwindelerregend, denn wer hätte früher mehr als 10 oder 15 Leuten gleichzeitig gesagt, dass er eine Partie nicht mag?, folgen selbst dem durchschnittlichen Popelstwitterer heute vierstellige Zahlen an Accounts, wird diese Wirkung ebenso exponenziell verstärkt. Da kann ein einziger Nörgeltweet schon gleich eine eigentlich mediokre Partie in den Abgrund ziehen. Und wie gesagt gibt es immer irgendeinen, der etwas zu nörgeln hat (anwesende Hausherrn nicht (nicht immer, aber eben nicht nicht immer) ausgenommen.)

Keine schöne Zeiten für all jene Partien, welche man nur aus Liebhaberei schaut. Wer ist schon wirklich Anhänger von mehr als zwei Vereinen gleichzeitig? Früher galt die beinahe zum Sprichwort gewordene Regel, dass gerade Spitzenspiele selten halten, was sie versprechen und meist gähnend langweilig sind, weil kaum jemand etwas riskiert. Das ist heute (gefühlt) seltener der Fall. Weil aber jede weitere Partie auch noch übertragen (und konsumiert, es wird ja keiner gezwungen) wird, entsteht der Eindruck, dass man eigentlich nur noch von langweiligen und irgendwie unästhetischen Spielen umgeben ist.

Zum Auflösen dieses Irrglaubens geht die Empfehlung raus, tatsächlich mal 90 Minuten Arminia gegen Fortuna von 1993 zu schauen. Wenn man es denn überhaupt durchhält. Die Qualität ist im Fußball allgemein enorm gestiegen, egal, ob man jetzt auf Taktikklugscheißerei, Technikgenuss oder auch schlicht auf Spannung steht.

Denn der 1. FC Nürnberg von heute würde wohl 1985 immer noch locker Meister werden. Die Sache mit der fehlenden Ausgeglichenheit ist dann wieder eine andere. Sie ändert aber nichts daran, dass man ein Sonntagsspiel zwischen dem 12. und dem 8. in den Abgrund nörgelt.

Da ist guter Rat teuer, sofern man weiter twittern und auch interessierter Fußballfan bleiben will.

3 Kommentare

Du hast die Haare schön usw. etc. pp.

Ah, Fußballkultur.

Wie es zuletzt eben immer so ist, habe ich gerade bei Twitter eine Aussage in diesem Text aufs Korn genommen, die da verkürzt lautet:

In der Bundesliga gibt es immer wieder selbstironische Gesänge.

Mir sind kaum welche bekannt, sieht man von der dann und wann auftretenden vermeintlichen Selbstabwertung als „Karnevalsverein“ oder „Penner, die unter Brücken schlafen“ ab, wobei da in beiden Fällen nicht sicher ist, ob überhaupt Ironie im Spiel ist.

Wie sich bei diversen Antworten bei Twitter zeigte, gibt es da aber doch so einiges, was vielleicht weniger bekannt ist, weil es sehr isoliert (nur beim FC St. Pauli) oder nur in unteren Klassen (beim FC St. Pauli oder Union Berlin) auftritt. Ist aber bekanntlich auch Bundesliga.

Damit nicht wieder alles im Twitter-Orkus verschwindet, erlaube ich mir, die Tweets hier als Kommentare einzufügen, sieht nicht schön aus, aber liest sich schön, denn da sind dann doch einige Perlen dabei. Wer sonst noch gelungene Ironie rund um die Bundesliga kennt, möge es gerne ebenfalls eintragen.

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Scheiße!


Götz George ist verstorben, der in ebenso vielen anderen Rollen wie in Ausgaben seines Horst Schimanskis glänzte. Warum diese eine Rolle so getauft wurde, was das mit Fußball zu tun hat, erfährt man hier.

Dass er in der Folge „Zweierlei Blut“ in der Hooligan-Szene des MSV Duisburg ermittelt, in die er sich einschleicht, nach seinem Auffliegen zur Belohnung dann verprügelt wird und nackt am Mittelkreis des (alten) Wedaustadions erwacht (wie im Video zu sehen, lohnt sich, mit Flutlicht-Szene), das hat viel weniger mit dem MSV Duisburg zu tun, als es für seine gesamte Rolle als dieser Schimanski gilt. Eine Rolle, welche heute noch in einem der drei relevanten Vereinslieder des MSV Duisburg besungen wird.

Klar war er auch in „echt“ — also Schimanski — Fan des MSV Duisburg, gab aber vor allem der Stadt Duisburg der 1980er Jahre und damit wohl auch dem gesamten Ruhrgebiet ein authentisches Gesicht. Eines, das derart authentisch war, dass sich die Stadtoberen Duisburgs beim WDR über diese Darstellung beschwerten, während er in der Zwischenzeit zur vielleicht wichtigsten Marke dieser Stadt wurde.

Irgendwer zählte auch einmal, wie häufig Schimanski in allen seinen Folgen „Scheiße!“ rief, was neben Schnäuzer, der typischen beigen „Schimanski-Jacke“ (Feldjacke M65) und zumindest meist seinem Citroën CX zum Markenzeichen wurde.

Was seine Rolle TV-historisch im deutschen Fernsehen an anderem Revolutionärem enthielt, möge man eher TV- und cineastischen Blogs entnehmen. Unzweifelhaft ist mit Götz George aber der Darsteller des bekanntesten MSV-Fans der Republik verstorben. Wie kleingeistig der Konflikt um die Umbenennung eines schmalen Wegleins in — natürlich — Duisburg-Ruhrort in „Horst-Schimanski-Gasse“ nun wirkt, da dessen Darsteller tatsächlich verstorben ist (siehe auch Link oben).


Nicht nur alle Fans des MSV Duisburg und Einwohner Duisburgs oder wahrscheinlich des Ruhrgebiets werden heute Abend laut „Scheiße!“ gerufen haben, schließlich blieb er bis zur letzten Ausgabe von Horst Schimanski im Jahr 2013 der beliebteste Tatort-Darsteller überhaupt — und das mit großem Abstand.

Natürlich war so manches überzeichnet, strotze auch damals schon vor Klischees und ebenso natürlich zeigt sein übriges Werk, dass man Götz George selbstredend nicht mit Schimanski gleichsetzen darf. Wenn er diese Figur auch nicht allein erfunden hat, so hat er sie aber entscheidend geformt und damit einem Milieu einen Auftritt in der TV-Öffentlichkeit ermöglicht, das in diesem Umfang zuvor dort noch nicht existierte, existieren sollte. Seiner darauf fußenden enormen Beliebtheit, man weiß nicht genau, ob Georges oder nur Schimanskis, wird dessen Ableben keinen Abbruch tun; im Gegenteil wird der Currywurst-Absatz in den nächsten Tagen einen dramatischen Anstieg erleben.

Mag diese Ruhrgebietswelt der 1980er Jahre auch — und wer würde das in der Realität ernsthaft bedauern? — untergegangen sein, wird Schimanski doch immer ein nahezu definierendes Element dieser jetzt noch gelebten Identität bleiben. Durchaus im doppelten Sinne:

Mensch, Horst!

Achja, und grüß uns den Thanner.

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Goodbye Deutschland

Tja, so war es dann. Seit ich geboren wurde, war ich Fan der Nationalmannschaft. Na, okay, seit ich das erste Spiel sah, 1:2 gegen Brasilien im Test in Stuttgart 1981. Ich war Fan dieser Einrichtung, ob nun Klaus Fischer spielte oder Marko Rehmer, ob Gerd Strack oder Oliver Neuville. Ich saß bei jedem Länderspiel vor dem Fernseher. Es hatte mich halt gefangen.

Ich hab mich sogar gefreut, dass in Kneipen sonst keiner bei den Quali-Spielen gegen Georgien zuschaute, dass ich der einzige echte Fan in meiner Umgebung war, der auch das letzte Spiel gegen Albanien noch schaute, Aserbaidschan, Kasachstan, Lettland.

Ich hab mir die Augen zugehalten, als Italien den Elfmeter im WM-Finale 1982 schoss, ich ging extra raus in den Garten meines Elternhauses, ich habe mit den Skatbrüdern meines Vaters um für mich als Kind horrende 5DM gewettet, dass wir das Halbfinale gegen Frankreich gewinnen, ich sah den viel zu späten Kameraschnitt, der verdeckte, dass auch der Franzose verschoss.

Ich sah Toni, der gehalten hat wie ein Arsch, ich sah Briegel zu spät kommen gegen Burruchaga. Ich sah Vogts gegen Dänemark scheitern.

Ich hab mich über den WM-Sieg von 1990 gefreut, noch mehr über das wahnwitzige Achtelfinale gegen Holland, ich freute mich über ein 7:1 in der Quali gegen Finnland im Ruhrstadion, ich mochte sogar Jogi Löw und ich habe – nicht geweint – aber getrauert, als „wir“ 2000 ausschieden, so unglaublich unfähig, überhaupt einen Ball ins Tor zu bugsieren.

Ich bin 1986 um 1h in der Nacht aufgestanden, um eine quälend langweilige Partie gegen Marokko zu sehen, in der ausgerechnet Matthäus das 1:0 schießt, ich habe mir diverse 3:3 gegen Finnland angeguckt, 1:5 gegen England, ich hab eigentlich immer zugeschaut, ob als Schüler, Student oder Diplomierter. Ich konnte nie weggucken, für mich war das immer der Kern des Fußballs.

Van Basten gegen Kohler oder auch Rummenigges Kopfball, Völlers Tore, Ballacks Freistöße, es war einfach immer alles, was ich sehen wollte. Für mich war das sehr viel mehr Fußball als alles andere. Herausgewachsen aus dieser Situation als Kind, hatte das für mich nichts mit Nationalismus zu tun. Es war einfach meine Mannschaft.

Die, in der Mirosklov Klose kurz vor Schluss noch seinen Salto schlägt, in der Marco Bode seine Kunst zeigt, in der Pierre Littbarski in seinem ersten Spiel direkt zwei Tore schießt, für die man aufsteht, auch wenn sie bei der Mini-WM in Südamerika plötzlich mitten in der Nacht spielt. Die Mannschaft, die noch nicht „diemannschaft“ war, sondern bei der sich noch Schumacher und Stein stritten, später Kahn und Lehmann.

Ich war nicht „Fan“, das war einfach meine Mannschaft.

Die zwei 0:1 gegen Nordirland, der Stinkefinger, der so extrem dröge Berti Vogts, der jähzornige Beckenbauer, die Titel, Klinsmann, wie er erst Europameister wird und dann Bundestrainer. Das 4:4 gegen Schweden und natürlich auch das 6:1 gegen Ghana im Testspiel in Bochum.

Wie Hergeth für Thon auflegt, wie man gegen Tschechien scheitert. Macenda, das Getanze um den nächsten Bundestrainer, und gleichzeitig all die Spiele auf den Färöer, in Schottland, in Kasachstan, wo keiner zuschaut, wie man alleine in der Kneipe sitzt und immer noch hofft, na, das wird doch wohl was?

Ich hab geschwitzt beim 1:1 gegen England, 1990 und 1996, gejubelt, weil es beide Male klappte, ich hab gegreint und – nein, geweint hab ich nur einmal: nach dem 1:2 gegen Algerien.

Mich interessierte nicht, ob Engelhardt spielt oder Hannes, ob Butt oder Jancker. Hauptsache „wir“ gewinnen. Ob Breitner noch kickt oder Ribbeck sich vergibt. Ob Häßler gegen Wales noch köpft oder Strack noch Albanien hinrafft. Wichtig war immer nur, dass wir gewinnen.

Aber jetzt, nach dem WM-Sieg 2014, bin ich angekommen. Jetzt brauche ich nichts mehr. Dieser WM-Titel hat mich satt gemacht. Ich habe seit 1990 darauf gewartet, das noch einmal zu erleben, dann ist es passiert und jetzt brauche ich nichts mehr.

Und das ist das beste, was passieren konnte, um diese EM jetzt wieder zu genießen. Ich habe all dem Bierhoff’schen Sermon abgeschworen, ich brauche keine Hashtags, keine Pur-hörenden Querpass-Tonis, keine Dr. Zahnarzt-Beats, keine Jungspunde, die so langweilig wirken wie früher das Testbild und ja, natürlich bin ich vor allem selbst mit „der Mannschaft“ alt geworden. Der WM-Titel war aber das Ende einer langen Reise. Nun kann von mir aus Belgien gewinnen oder hoffentlich Island. Ich bin kein Fan mehr, ich brauche nicht den dröflsten Mercedes-Spot, Jogi kann popeln, es ist mir egal, ich hab alle Bilanzen durchdekliniert. Jetzt ist einfach nur EM, für mich ohne – in erster Linie – Deutschland, aber hoffentlich mit ganz viel Fußball.

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Nächste Lesung: Hamburg

Vom 29. bis 31. Juli findet in Hamburg der #tkschland statt. Ein Treffen von Twitterern mit Interesse an Fußball. Ein Programm gibt es auch, Genaueres ist hier einzusehen. Ein Teil des Programms besteht aus meiner Lesung „Drama Queens in kurzen Hosen“, nicht bekannt aus Funk und Fernsehen, aber beliebt bei Jung und Alt.

Wer in Norddeutschland lebt und die Lesung bisher immer verpasst hat, hat also am Samstag, den 30. Juli 2016, um 13h in Hamburg die Gelegenheit dazu, das nachzuholen. Aber Achtung: aktuell gibt es nur noch 20 Karten, die man im Vorhinein bestellen muss. Das Ticket zur Lesung selbst kostet 0 Euro, aber man müsste sich für den Samstag beim #tkschland anmelden, was 10 Euro bedeutet. Dafür gibt es noch zwei weitere Lesungen, ein Fußballturnier und ein ausgiebiges Get together am Abend (und auch ein Quiz).

Wer also Trainer Baade in Hamburg hören will, sollte sich sputen und sich hier anmelden. Eventuell wird das Kartenkontingent auch noch mal aufgestockt, aber das ist noch unsicher.

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So war die Lesung zum Buch: Der Tornado vertellt einen

Der Ort war wie gemalt für die Lesung von Michael Tönnies und dem Autor des Buches „Auf der Kippe“, Jan Mohnhaupt, über eben jenen „Dicken“ getauften Stürmer des MSV Duisburg, der heute nachsichtigerweise nur noch „Tornado“ genannt wird:

Ein barockes Clubheim im Duisburger Süden, wo tatsächlich noch reger Vereinsbetrieb herrscht und sich über 40 Zuhörer eng in einem kleinen Raum zusammenfanden, um den Worten des einstigen und inzwischen wieder MSV-Stars Tönnies zu lauschen. Die Gesprächsleitung hatte Stefan Leiwen, Stadionsprecher des MSV Duisburg. Das ist Michael Tönnies mittlerweile auch, Stadionsprecher, zumindest für die zwei Minuten, in denen die konkrete Aufstellung vorgelesen und von den Fans skandiert wird.

Der Grund, warum Tönnies zu solch einer Leistung überhaupt in der Lage ist, bildet die Basis dafür, warum dieses Buch — und damit auch die Lesung — überhaupt entstand bzw. stattfand. Der „Dicke“ hatte es schon während, aber vor allem nach seiner Karriere allzu sehr übertrieben mit allem, was der Gesundheit nicht zuträglich ist. Geraucht, gesoffen, viel gezockt auch und gehurt, aber eben vor allem geschmökt wie ein Weltmeister. Mehr als 80 Zigaretten am Tag rauchte er zu Hoch- oder doch eher Niedrigzeiten, in manchen durchzechten Nächten sogar noch mehr. Kein Wunder, dass er in seiner gemeinsamen Zeit beim MSV mit Gesundheitsfanatiker Ewald Lienen öfter aneinanderrauschte.

Am Ende stand ein Lungenkollaps, immerhin kein Krebs, der kürzlich Johan Cruyff dahingerafft hatte. Aber eine neue Lunge war damit zum längerfristigen Überleben nötig. Doch Lebensmut und auch finanzielle Sicherheit waren ihm ohne Aufgabe im Leben nach dem Fußball schon vorher verloren gegangen. Die Geschichte dürfte bei einschlägig Interessierten lange bekannt sein. Für alle anderen führte Stefan Leiwen durch Tönnies‘ Leben und damit auch durch Mohnhaupts Buch. Zum Einstieg ein Video an der Leinwand von einem der vielen torreichen Auftritte des „Tornados“ — immerhin bis vor Monaten noch Schütze des schnellsten Hattricks der Bundesliga-Geschichte. Danach ging es eher um jene Themen, die man als Fan nie mitbekommt. Wie geht es in der Kabine einer Profimannschaft zu und wie im Trainingslager?

Wie man hört, schon damals genauso, wie man sich das Bekämpfen von Langeweile bei jungen Menschen vorstellt, zumal ohne Playstation oder Handyspiele: Mit viel Bier und noch mehr Zockerei. Das kennt man übrigens aus der Biografie des aus etwas anderen Kreisen stammenden Heinz Höher, der trotzdem genauso abstürzte. Zocken und Alkohol — in Fußballerkreisen anscheinend eine weit verbreitete Kombination.

Was Tönnies beinahe dahinraffte, war aber nicht der Alkohol, sondern die Zigaretten. Als er selbst beinahe jeden Lebensmut verloren hatte, es aber genau darum ging: um sein Leben, entdeckten ihn MSV-Fans und gaben ihm so viel Zuspruch, dass Tönnies doch weitermachte.

Der Tornado ließ sich nach viel Überwindung auf die Liste der Transplantationswilligen setzen und wurde nicht weniger als 3x mit falschem Alarm von Essen in die Klinik nach Hannover gefahren, lag teils schon auf dem OP-Tisch, ehe dann doch noch das Stoppzeichen kam. Die Spenderlunge passte nicht zu ihm oder wurde beschädigt. Beim vierten Mal war es dann so weit. Er wachte während der 2. Halbzeit eines Bundesligaspieltags an einem Samstag auf und war insofern ein neuer Mensch, als er wieder voll atmen konnte, aber in sich den funktionierenden Lungenflügel eines Verstorbenen trug. Und nicht mehr rauchte.

Mit welcher Offenheit Tönnies sein Scheitern in quasi allen Lebenslagen nach der aktiven Karriere schilderte, wirkte ebenso eindrücklich wie jene von Heinz Höher. Dass er das nicht ganz so eloquent vortrug wie dieser, machte ihn nur noch authentischer. Autor Jan Mohnhaupt las einige Passagen aus dem Buch, das Tönnies‘ „Zwei Leben“ beschreibt. Und der Co-Stadionsprecher des MSV, der „Tornado“ Tönnies, gab zu, dass ihn 2 Minuten beim Vorlesen der Spielernamen nervöser werden lassen als jedes Spiel vor ähnlicher Kulisse früher.

Keine Lesung, vielmehr ein Gespräch mit einigen Videos und eher wenigen Lesepassagen. Ob er sich nicht geschämt habe, sich derart zu öffnen, wie er es für das Buch tat, wurde Tönnies hernach vom Publikum gefragt. Nein, das sei er den Leuten, die ihn derart unterstützt haben, dass er überhaupt noch lebe, schuldig gewesen, dass er in Bezug auf seinen Werdegang „mit offenen Karten spiele“. Letzteres tut er zum Glück nur noch in Bezug auf Mohnhaupts Buch und seine Biografie, nicht aber im richtigen Leben. Da hatte er sogar Begegnungen mit bewaffneten Geldeintreibern, zig Tausende Mark verzockt und war diese schuldig geblieben. Auch das, wie die Raucherei und sein fehlender Lebensmut, scheinen aber Vergangenheit zu sein. Eine Vergangenheit, die Jan Mohnhaupt nicht zuletzt aufschrieb, weil er selbst als Kind wegen Tönnies damals Fan des MSV geworden war.

Natürlich gratulierte Michael Tönnies Robert Lewandowski öffentlich, als jener ihm seinen Hattrick-Rekord der Bundesliga raubte, was zum äußerst bescheiden und demütig auftretenden Tönnies passt. Zu einem Mann, der, wie er selbst sagt, ein „in Essen lebender Duisburger“ ist. Ein Abend, der nicht im Kern mit Fußball zu tun hatte, sondern viel mit dem Leben daneben, danach und auch dem möglichen Sterben.

Dass Tönnies sich schämte, dass er als Transpantationsbedürftiger innerlich teils auf den Tod anderer Menschen hoffte, um selbst zu überleben, kann wohl nur nachvollziehen, wer in selber Lage gewesen ist. Dass er dies wie so vieles andere weniger Positive offen aussprach, ließ den Abend hingegen tatsächlich wertvoll werden. Da sprach keiner, der seine Karriere verklärte und Scheitern stets anderen in die Schuhe schob. Dass Mohnhaupt dessen Leben passend in seine Texte zu übertragen wusste, machte den Abend rund. Am Ende bot Tönnies — bezeichnend für seine Selbtzweifel — sogar an, dass man die Fans darüber abstimmen lassen solle, ob er überhaupt noch Co-Stadionsprecher sein solle. Man wusste nicht, ob das im Scherz gemeint war. Man darf aber sicher sein, dass er trotz eher wenig voller Stimme und spürbarem Lampenfieber ein Wahlergebnis nahe jenen der SED erreichte.

Im Video spricht Tönnies über die Frage der Identifikation eines Spielers mit einem Verein, früher vs heute. In der Mitte der Autor Jan Mohnhaupt, links Stefan Leiwen.

Hier geht’s zur Rezension des Buches durch Kees Jaratz.

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Interview mit Clubfans United — Pfrudschln mit Närmberch

Clubfans United Der alte Fahrensmann Alexander Endl, ein Blogger der ersten Stunde bei Clubfans United, hat mich vor der morgigen Partie des MSV Duisburg beim 1. FC Nürnberg zum virtuellen Gespräch gebeten. Dabei geht’s natürlich um die anstehende Zweitligapartie zwischen dem aufstiegslechzenden Glubb auf Rang 3 und dem Letzten aus Meiderich, jedoch ebenso um die aktuelle Lage des Fußballs allgemein in Bezug auf Aspekte wie Investoren, sportliche Chancenlosigkeit oder Fankultur.

Zum Gespräch bei Clubfans United.

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Gestern standen wir am Abgrund

… heute sind wir einen Schritt weiter. Das 0:2 des MSV Duisburg im Heimspiel gegen den FC St. Pauli war der endgültige Todesstoß für dessen Aufenthalt in der 2. Bundesliga. Ich habe dennoch mit Yannick vom Millernton auch nach der Partie noch mal mit ihm aufs Spiel geblickt (wie wir es auch vor der Partie taten), allerdings kurz vor dem gestrigen 3:3-Sieg des MSV in letzter Minute beim FSV Frankfurt, der komischerweise dennoch nur 1 Punkt in der Tabelle bringt, aber ohnehin nicht mehr als ein letzter Rülpser vor dem Untergang ist. Man kann es unter folgendem Link hören; da ich auch viel Positives erwähne, würde ich es nennen:

Wenn freundliche Menschen sich gegenseitig gut verstehen

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Kaffee, Croissant, Lektüre

Ja, lebt denn der alte Sportblogger-Award noch? Ja, er lebt noch.

Und ganz in der Tradition eines angenehmen Morgens, wie ihn auch Bixente Lizarazu bei seiner Gratulation zum Geburtstag der „L‘Equipe“ (das heißt „die Mannschaft“) beschreibt


braucht man nur einen Kaffee, ein Croissant und etwas Sportlektüre für einen solchen angenehmen Morgen.

Das Sportbloggernetzwerk hat mal wieder gute Texte aus Blogs aus dem letzten Jahr zusammengestellt und sucht nun den nach Eurer Meinung besten davon, den Gewinner des Jahres 2015.

Deshalb, bittschön, die Damen und Herren, Kaffee und Croissant selbst besorgen, die Lektüre stellen wir. Viel Spaß beim Lesen und danach dann abstimmen; wir danken herzlich.

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Hallo Hamburg, wir melden uns vom Abgrund

Der Millernton-Podcast betreibt eine Rubrik „Vor dem Spiel/Nach dem Spiel“, in der mit einem Menschen aus dem Umfeld des jeweils aktuellen Gegner des FC St. Pauli gesprochen wird — vor und nach dem Spiel. Den ersten Teil, vor dem Spiel am Sonntag des MSV Duisburg gegen eben jenen FC St. Pauli, habe ich gestern mit dem Millernton absolviert.

Hier geht’s zum Gespräch, mit etwas mehr als 20 Minuten voller vieler „Insights“ schafft man das wohl noch vor dem Anstoß am Sonntag um 13h zu hören.

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#namethegame – Wie heißt dieses Dings-Spiel in welcher Region?

Mal wieder bei Twitter kam gerade die Frage danach auf, was denn eigentlich „Fünferle“ sei, nachdem ich twitterte, dass Schachtjar Donzek das gerade in Schalkes Fünfmeterraum spiele.

Fünferle heißt jenes Spiel, in dem alle Beteiligten auf ein Tor spielen, also ohne Verteidiger, Tore aber nur zählen, wenn sie volley erzielt werden. Jeder hat 10 Punkte, bei einem erhaltenen Tor als Torwart bekommt man einen Punkt abgezogen. Bei einem Fehlschuss neben das Tor (oder auch bei einem gehaltenen Ball) muss der Fehlschütze ins Tor, kann also nur dort Punkte verlieren, sich durch einen gehaltenen Ball aber auch wieder daraus entfernen. Plus wahrscheinlich viele weitere Variationen, nehm ich an, das ist so das Grundgerüst.

Dort, wo ich aufwuchs, am Niederrhein am westlichen Rande des Ruhrgebiets, nannte man das Spiel „Fünferle“. Womöglich, weil man nur innerhalb des Fünfmeterraums überhaupt köpfen/volley schießen durfte, das weiß ich nicht mehr exakt.

Die Frage ist nun: Wie hieß dieses Spiel dort, wo Du es gespielt hast – und wo war das?

PS: Wir hatten dieses Thema übrigens schon mal, wie aus diesem Beitrag zu regionalen Varianten der Bezeichnung für bolzen/pöhlen/tschutten hervorgeht. Leider ist der Link zur damaligen Auflistung zum Thema „Fünferle“ und seine regionalen Varianten beim Blog „Bolzplatz“ tot, weil dieses Blog tot ist.

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Everyday is like Sunday

Trudging slowly over wet sand
Back to the bench where your clothes were stolen
This is the coastal town
That they forgot to close down
Armageddon – come Armageddon!
Come, Armageddon! Come!

Everyday is like Sunday
Everyday is silent and grey

Nun ist die Bundesliga endgültig zum Stillstand gekommen. Der Meister steht fest, der Vizemeister steht fest. Die Absteiger stehen fest. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, wir reden hier nicht vom vorletzten Spieltag, an dem der Zufall das mal so gewürfelt hat, dass eben per genau diesem alle wichtigen Entscheidungen schon gefallen sind. Wir reden vom 20. Spieltag, an dem sich die Spannung in der Liga nur noch darauf bezieht, wer Champions League spielt und falls das nicht, Europa League. Und wer sich um den einen relevanten Relegationsplatz prügelt, auch wenn selbst da die Verhältnisse klar zu sein scheinen.

Der 20. Spieltag ist gegangen, und der eigentliche Sinn dieser Liga, um die Meisterschaft zu kämpfen und gegen den Abstieg, hat sich mehr oder weniger erledigt. Sicher kann Hoffenheim noch locker mit 3 Siegen in Folge auferstehen, ebenso könnten tatsächlich noch Mainz 05 oder sogar der 1. FC Köln von 1948 in die Europapokalränge gespült werden.

Allein, was den Sinn einer Liga angeht, hat sich die Bundesliga von allem verabschiedet, was noch Interesse bedeuten könnte. Lassen wir jetzt mal alle Eifersüchteleien gegenüber den Bayern weg, ignorieren wir einfach, dass sie seit fast einem halben Jahrzehnt (denn so wäre es, wenn sie nächste Saison wieder Meister würden) die Bundesliga nach Belieben und vor allem mit einem Punkte- bis Torrekord nach dem nächsten beherrschen.

Jetzt ist auch noch die Frage nach dem Vizemeister obsolet geworden. Das wird ebenso dauerhaft, wie der FC Bayern Meister wird, ebenso immer der BVB werden. Alle anderen Teams können diese Lücke nicht schließen, die Abstiegsfrage wird wohl sicher noch irgendwann mal offener ablaufen als in dieser Saison. Nur – was nützt uns das, in dieser Saison?

Diese Saison ist vorbei und man spürt geradezu die Resignation bei allen Bundesliga-Interessierten, die nicht gerade Schalke- oder Gladbach-Fans sind (oder noch fürchten, Besuch vom Abstiegsgespenst zu bekommen). So früh war diese Liga, diese Saison noch nie entschieden, und so laufen wir jetzt schon, ab Anfang Februar langsam über den Strand und fragen uns, wer wohl auf welchem Mannschaftsbild im Kicker-Sonderheft der neuen Saison auftauchen wird. Nur Aufmerksamkeit für die aktuelle Bundesliga-Saison brauchen wir keine mehr. Da ist alles entschieden. Jaja, außer natürlich von Deinem Verein.

Aber ansonsten ist alles leider so, als wäre jeden Tag Sonntag.

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Die Schönheit der (vergebenen) Chance

Letztens war ich zu Gast beim Hallenturnier in Mülheim an der Ruhr, als die Traditionsmannschaften von so Clubs wie dem FC Schalke, dem MSV Duisburg oder RW Essen gegeneinander spielten. Sie spielten gegeneinander und sie meinten es ernst. Und während ich zusah, und sie alle immer wieder ihre Torschüsse neben das Tor setzten, fiel es mir wieder ein.

Wie wunderbar Fußball ist, weil man jeden Schuss vergeben kann, ouih, vorbei, und doch geht das Spiel weiter. Weil nach jeder vergebenen Chance wieder die nächste kommt. Weil das Spiel immer weiter geht.

Die nächste Chance kommt bestimmt. Und das ist das Schöne an diesem Sport, dass man die Chance vergeben kann, aber die nächste dann doch besser verwandelt wird. Oder auch nicht, wie so meistens.

Aber dass man sich nicht ernsthaft grämen muss, sondern noch viel mehr Gas gibt, das ist das Schöne an der vergebenen Chance. Eigentlich führt sie einen nur noch näher an die nächste, noch besser zu verwandelnde Chance.

Komm an meine Brust, Du lieber Fußball, die nächste vergebene Chance wird noch weiter vorbei sein, aber beim nächsten Schuss wird dieser sicher genau sitzen. Wie schön es ist, dass der Fußball es einem erlaubt, dass die vergebene Chance so schön ist, dass man sie nicht mehr braucht, die nächste kommt ja ganz bestimmt.

Ich brauch nicht mehr zu zweifeln. An mir.

Die nächste Chance kommt bestimmt.

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