Das ist mal wirklich ein Fall für die Rubrik „Zettel-Ewalds Sammelsurium“:
Als Rudi Völler aufhörte mit dem Fußballspielen, da ließen sich die Granden der Branche nicht lumpen. Zum Abschied schenkte man ihm unter Anderem Folgendes:
ein Buch „100 Jahre KSC“ vom Karlsruher SC
einen Kugelschreiber in Schmuckschatulle von Bayer Uerdingen
ein Lebkuchenherz vom Rummelplatz vom FC St. Pauli
Dabei war das gerade mal 1996, also vom Heute gar nicht allzu weit entfernt. Dennoch strömte damals wohl der Duft von „Kaffeeservices“ und Fönen für italienische Schiedsrichter noch durch die Bundesliga.
100 Jahre KSC, das klingt hier wirklich eher wie eine lange abzusitzende, kaum auszuhaltende Strafe denn wie ein Geschenk. Ob Völler das Buch je auch nur aufgeschlagen hat, ist nicht bekannt.
Drei Tage war’s Gewinnspiel krank,
nun raucht es wieder, Gottseidank!
Alteingesessene Leserinnen und Leser kennen das: ab und an wird hier ein Gewinnspiel veranstaltet, bei dem es nichts zu gewinnen gibt. Außer Spaß und so einiges an nutzlosem Wissen. Heute geht es um Tusch:
One Club Stars!
Die höchst ehrenwerte Sun listet englische One-Club-Stars auf. Das sind „große“ Spieler, die Zeit ihrer Karriere nur bei einem einzigen Profiklub unter Vertrag waren.
Dabei gingen die sammelnden Redakteure aber mal wieder derart faul vor, dass sie öfter ein Auge zudrückten, wenn es darum ging, ob ein Spieler jetzt tatsächlich nur für einen einzigen Verein gespielt hatte.
Wir sind da strenger haben aber vielleicht auch mehr Zeit.
Nur für einen einzigen Verein zu spielen war früher hierzulande Gang und Gäbe; heutzutage stellt es eine Ausnahme dar, welche man mit der Stecknadel am Meer suchen muss. Deshalb führen die hiesige One-Club-Star-Starliste auch hauptsächlich gewesene Profis an. In Dekaden gewesene Profis, die länger hinter uns zu liegen scheinen als je ein Mann gesehen hat.
Auf Platz 1 liegt natürlich „Charly“ Körbel, der alle seine 602 Rekordeinsätze für Eintracht Frankfurt mit stoischem Gleichmut ertrug. Er musste schließlich auch 602x vor einem Spiel irgendeinen Trainer eine Ansprache halten hören.
Auf Platz 2 liegt des Dummschwätzers Dummschwätzer. Das ist der Mann, den sich Franz Beckenbauer ins Büro bestellen lässt, wenn er mal wieder einen abwärts gerichteten Vergleich bezüglich des Dummschwätzens benötigt, um die Erkenntnis aufzufrischen: „So dumm schwätz ich gar nicht, da gibt’s noch Dümmere.“
Sepp Maier, auch er von Anfang bis zum unfallbedingten Ende nur beim FC Bayern im Einsatz, immerhin 498 Mal.
Manfred Kaltz, die fleischgewordene Banane auf türkisch heißt Banane übrigens „muz“, wobei das z hier wie s gesprochen wird, weshalb Banane auf türkisch „mus“ ausgesprochen wird, das deutsche „Mus“ hingegen heißt „püre“ spielte in seiner gesamten Bundesliga-Karriere nur für den Hamburger SV, und das 581 Mal. Weil er gegen Ende seiner sportlichen Laufbahn aber für kurze Zeit beleidigt nach Frankreich zu Racing Straßburg Girondins Bordeaux und dem FC Mulhouse entfleuchte, darf Manni Kaltz in diese Liste der One Club Stars nicht aufgenommen werden.
Damit es nicht ganz so nackt losgeht, werfe ich noch den treuen Berti Vogts, auf den wärt Ihr auch gekommen, und den woanders nie so wirklich gefragten Lars Ricken, auf den wärt Ihr auch gekommen, in den Ring.
Welche One Club Stars gibt und gab es in der Bundesliga?
sagen wir ab 200 Einsätze (VB) und
nie bei einem anderen Erst- oder Zweitligaverein im In- oder Ausland gespielt sowie
nur nicht mehr aktive Spieler, von den noch aktiven Spielern erfüllt ohnehin fast niemand die Bedingungen
Ich pflege gerne Eure Antworten in die Auflistung ein, natürlich erwarte ich nicht ernsthaft, dass man bei allen die Zahl der Einsätze weiß, die wird dann von mir ergänzt.
Und wie immer gilt: wer googlet, ist selbst Schuld.
Wenn Union Berlin, was ja nun fast ausgemacht scheint, in die 2. Liga aufsteigt, haben alle deutschen Metropolen fein säuberlich geordnet ihre ersten und zweiten Clubs in die erste und zweite Bundesliga einsortiert.
Hertha oben, Union darunter für Berlin.
Der HSV ebenfalls oben, St. Pauli eine Klasse darunter für Hamburg.
Die Eintracht für Frankfurt oben, der sehr kleine FSV darunter.
In München die Bayern oben, der TSV 1860 darunter.
Nur in Köln bleibt der 1. FC oben, dahinter folgt die reaniminierte Fortuna allerdings mit wesentlich größerem Abstand, obwohl sie doch immer noch Tabellenführer der ewigen Tabelle der 2. Bundesliga ist.
Und Stuttgart, wenn man Metropolen-bezogen so gönnerhaft zählen will, hat zwar den VfB Stuttgart ebenfalls in der 1. Liga, verliert aber gerade seine Kickers an die Viertklassigkeit, zählt somit ebenso nicht zu dieser Riege.
Bei 1860 muss man noch hinzufügen, dass sie das einzige all dieser Beispiele sind, die sich als ehemals größerer der beiden den Rang vom Konkurrenten ablaufen ließen, während es in allen anderen Fällen so geblieben ist, wie es immer war. Für „immer“ natürlich nur die Jahre nach dem Krieg berücksichtigend; davor versinkt das alles in wenig vergleichbaren und aufrechenbaren komischen Endrunden, wo sicher der eine oder andere mal größer war als der eine oder der andere, das dann aber wohl nur für kurze Zeit.
Dresden und Leipzig, die man auch ohne viel Wohlwollen zu den Metropolen zählen kann, sind nicht mal mit einem Bein in der 1. oder 2. Liga vertreten, weshalb sie leider gänzlich rausfallen.
Wir wissen, was passiert, wenn man ca. 1 Flasche Wodka als ungeübter Trinker konsumiert: Man macht einen ziemlichen unbeholfenen Eindruck, man lässt die Arme schlingern, die Knie auch. Andere Leute in der näheren Umgebung fühlen sich dazu veranlasst, kleine physische Hilfen beim Laufen, von rechts und von links, anzubringen und kurz nach dem Verlassen des Platzes füllt man die Feedreader und Blogs dieser Welt mit einem Video von dem mit geschätzten 2,6 Promille doch recht zugedröhnten Auftritt.
Wenn man da etwas mehr Übung hat, eine Flasche Wodka zum Beispiel täglich trinkt das muss nicht morgens beginnen, es kann auch erst mittags oder am frühen Nachmittag sein dann hingegen kommt man damit wahrscheinlich durch, ohne dass es je größer auffällt.
2,6 Promille jeden Tag und trotzdem noch Leistungssportler sein und aufgestellt werden und spielen: Das ist gar kein Problem, wenn man wie es sich für einen guten Profi gehört rechtzeitig mit dem Training beginnt, auch in spielfreien Zeiten Selbstdisziplin zeigt und weitermacht, während sich die Kollegen faul am Strand räkeln und zum Kaffee noch ein paar Sahnetorten fressen.
Michael Mazingu-Dinzey hat laut diesem Beitrag in der WELT vorgemacht, was es noch vor kurzem hieß, Profifußballer zu sein:
Neulich erst gestand er ein, in Profizeiten tägliche eine Flasche Wodka und zuweilen noch eine halbe Kiste Weißbier dazu getrunken zu haben. Trainer Jürgen Röber musste ihn in Berlin mal abmahnen, weil er besoffen zum Training kam.
Entweder hat hier jemand maßlos übertrieben (beim Erzählen, beim Saufen ohnehin) oder aber alle anderen Beteiligten haben regelmäßig die Augen verschlossen. Dass man mit derlei pathologischem Raubbau am eigenen Körper jedoch immer noch Fußballprofi sein und die zu seinen Zeiten dafür ausreichende Fitness haben kann, spricht Bände über die tatsächlichen Anforderungen an einen Profifußballer jener Zeit.
Da dachte man immer, Bundesligaspielen wäre ein wenig härter als als Shane McGowan mit den Pogues auf der Bühne zu stehen: Offensichtlich falsch gedacht.
„Unbekanntes aus …“, sollte das heute eigentlich mal wieder heißen. Hat aber nicht ganz hingehauen mit der Formulierung. Deshalb bleibt es einfach so, wie es bei Wikipedia bezüglich The Sisters of Mercy zu lesen ist:
In den 1990er Jahren waren die Sisters Bandensponsor beim FC St. Pauli, einem erklärten Lieblingsclub von Sänger Andrew Eldritch.
Andrew Eldritch lebte lange Zeit in Hamburg, ward eher selten mit ohne Sonnenbrille gesehen und es war hierzulande unbekannt, dass er sich überhaupt für Fußball interessiert. So aber: Bandensponsor beim FC St. Pauli. Toten Hosen.
Und jetzt warten wir gespannt auf janus‘ weitere Informationen zu diesem Thema.
Hamborn, Heimstätte der großen Sportfreunde Hamborn 07 sowie von mehr als einem Dutzend weiterer Fußballvereine. Hamborn war bis 1923 eine eigenständige Stadt, bevor es mit Duisburg zusammengeschlossen wurde, dabei den Streit um den Namen dieser neuen, größeren Stadt aber offensichtlich verlor. Die Sportfreunde Hamborn 07 klopften ebenso wie der Meidericher Spielverein an die neu gegründete Bundesliga an. Teilnehmen durfte dann letztgenannter, mit dem Resultat, dass der dann in MSV Duisburg umbenannte Verein immer noch (bzw. immer mal wieder) Bundesliga spielt, während die Sportfreunde Hamborn 07 teilweise in der 5. Liga rumkrebsen.
Ein besonderes Debüt im deutschen Fußball dürfen sich die SF Hamborn 07 dennoch ans heutzutage nicht mehr so verdreckte Revers heften: Die allererste Live-Übertragung im deutschen Fernsehen fand vom Pokalspiel SF Hamborn 07 FC St. Pauli statt, und das bereits im Jahre 1952, zudem am zweiten Weihnachtsfeiertag. Hamborn gewann 4:3, was 4664 Menschen zeitgleich (um die damals sicher noch nicht verwendete Vokabel „live“ zu vermeiden) am Fernsehgerät betrachteten.
Ticker-Schreiber dieser Welt, reißt Euch zusammen!
Dabei geht es hier nicht mal um den erst seit 1990 (wieder) relevanten Konflikt bezüglich a. M. und (Oder). Es ist tatsächlich die selbe Stadt, allerdings sind es zwei verschiedene Vereine. Niemand kürzt doch Bayern und 1860 mit „München“ und „München“ ab, selbst wenn die beiden Clubs in unterschiedlichen Ligen spielen. Die Nähe der sportbezogenen mentalen Repräsentationen der in München existierenden Clubs ist immer noch so ausgeprägt, dass die Verwechslungsgefahr zu groß wäre. Vielleicht ist München nicht das beste Beispiel, weil man Bayern München ohnehin immer mit „Bayern“ abkürzt. Ein Schicksal, was weder Bremen noch Frankfurt noch Rostock teilen, obwohl ihre Vereinsnamen ähnlich eindeutig sind. (Bayern Hof, Werder Hannover das kennt wirklich nur die Avantgarde unter den Zahlen- und Namenfetischisten und Eintracht Braunschweig ist auch nur noch den Älteren ein Begriff. Ältere sind bekanntlich die, die sowieso kein Internet haben, deshalb muss man sie beim Schreiben von Tickern auch nicht berücksichtigen.)
Um es klarer zu machen: Niemand kürzt den FC St. Pauli mit „Hamburg“ ab, niemand kürzt die Stuttgarter Kickers allein mit „Stuttgart“ ab und niemand kürzt Fortuna Köln mit „Köln“ ab.
Welche gedankenlosen angehenden Akademiker kommen dann also auf die Idee, den FSV Frankfurt mit „Frankfurt“ abzukürzen? Dieser Name ist nun mal bereits fest verknüpft mit dem langjährigen Bundesligisten „Eintracht“.
Jedes Mal, wenn ich den Zweitligaticker aufrufe, wähne ich Eintracht Frankfurt für einige Sekunden bereits wieder abgestiegen und frage mich entsetzt, wo ich die letzten 9 Monate gewesen bin, ob Gladbach auch schon wieder unten ist und wer von meinem Tellerchen gegessen hat. Es dauert diesen einen, langen Moment, bis mir wieder einfällt: Achja, FSV Frankfurt.
Ich fordere hiermit alle Ticker-Betreiber ultimativ dazu auf, die alleinige Abkürzung „Frankfurt“ für den FSV Frankfurt abzuschaffen und auch auf den ersten Blick eindeutig kenntlich zu machen, dass nur der kleine Bruder gemeint ist.
Bei Nichtbefolgen drohen Ausrufezeichen in unbekannter Zahl oder Fettdruck.
Hierzulande immer hochgelobt, im Endeffekt dann doch nix anderes als Wattenscheid gegen Schwarz-Weiß Essen. Warum auch? Warum sollte es dort anders sein? In Dänemark, Österreich oder Nordfrankreich ist es doch auch nicht anders als hier. Es sind immer dieselben Schwachköpfe, deren Sinn für Ironie oder Kreativität kurz hinter dem Fangzaun endet. So beschreibt Herr Soundso von Manchester City bei den 11Freunden das Tolle an der Fankultur von Manchester City mit folgenden Worten:
Vergleichbar mit einem Klub wie dem FC St. Pauli in Deutschland?
Vielleicht. Auch Citys Fankultur hatte in den 80er Jahren ihre Hochphase, wir brachten damals zum Beispiel als erste Fans aufblasbare Bananen in die Stadien.
Nicht nur, dass er gestern mit einer Pete-Doherty-liken viel zu kurz geknüpften Krawatte plus Skifahrer-Mützchen als Nationaltrainer Kroatiens an der Seitenlinie stand: Er lässt sich auch gerne mal mit herrlich entspannender Eckkneipen-feindlicher Zigarette im Mund ablichten oder bläst vor einem wichtigen EM-Qualifikationsspiel wichtig für die Engländer damals, die Kroaten waren ja schon qualifiziert auch mal Bill-Clinton-like die Gitarre.
Besonders cool war aber sein ständiges Hin-und-Hertippeln während des Spiels in Schottland, so als wollte er entweder „In Schottland ist es nicht nur zu kalt, um Berti Vogts‘ Englisch funktionieren zu lassen, es ist sogar zu kalt, um einfach nur rumzustehen“ oder „ADHS ist nicht nur ein Problem von Kindern, auch Erwachsene kann es treffen, trotzdem kann man es zu etwas bringen“ sagen. Student zum Beispiel, Blogger, Familienvater. Oder Nationaltrainer von Hrvatska.
Keine Frage, so einer passt einfach nicht zum HSV. So einer passte wohl zum FC St. Pauli, aber nicht zum Hamburger SV, wo man ernsthaft den Fips Asmussen der Liga Huub Stevens als tollen Griff feiert, nur weil der ein paar Pünktchen mehr holt als Thomas Doll, während Huubs Bühnenprogramm noch bei jeder Pressekonferenz krepiert ist. Meist sogar schon, bevor er den Mund öffnete.
Das Einzige, was nicht so wirklich cool an Slaven Bilić ist: Er spielte mal in Karlsruhe. Aber nun gut, den ersten Stein werfen wollen wir ja alle nicht.
Weil es so schön ist, so herausstechend, habe ich das kicker-Profilfoto von Filip Trojan mal hier direkt geklaut, ohne mich zu erlauben gescreenshotet und eingestellt. Normalerweise strahlen solche Profilfotos die Raffinesse und den Stil einer Einkaufszone in Recklinghausen oder (hier die eigene Heimatstadt eintragen) aus. Oft genug ist es nicht mal die Schuld des Spielers, sondern die des Fotografinnen und außen: Das muss er doch sehen, dass der Typ zufällig gerade ein extrem unfreundliches Gesicht schneidet, mitten in die Kamera hinein und dass man dann auch so viel Respekt haben sollte, es noch einmal zu versuchen. Schließlich sind Kicker-Sonderhefte und auch Kicker-Webseiten-Spieler-Profile nicht etwas Marginales, sondern etwas Monumentales (so lange man unter 14 ist, jedenfalls). Ich höre schon die Stimmen aus dem Off rufen, dass sie durchaus auch jenseits der 14 noch etwas haben, nämlich Marketingwert, etwas, was man verkaufen will. Natürlich ist dem auch so, wer aber jenseits der 14 ist überhaupt noch empfänglich dafür, wie ein Spieler oder ein Kaderfoto aussieht? Man ist doch längst schon gefallen. Man ist doch schon dem Unbill des Zufalls erlegen und kann sich nicht mehr abwenden von Borussia Mönchengladbach, Hansa Rostock oder ja, auch dem VfB Stuttgart.
Schauen wir nun noch mal auf das Bild von Filip Trojan. Alles scheint hier zu stimmen. Der Hintergrund: links stehen ein paar Blagen, die sich das Fußballspiel der Erwachsenen angeschaut haben. Rechts ein Flutlichtturm, offensichtlich fand das Spiel in der Nähe, auf dem Vorplatz eines größeren Stadions statt, so wie es wohl in Köln, aber auch in Leverkusen, in Bremen möglich wäre. Das Trikot von einer Schlichtheit, dass selbst Mama inzwischen erkennen würde, dass da doch irgendetwas fehlt, um ein „richtiges“ Trikot zu sein, der Himmel blau, wie wir ihn lieben, wenn wir Fußball spielen, um Fußball zu spielen. Sicher weht auch ein leichtes Lüfttchen, sonst wären Trojans Haare nicht so zerzaust. Wären sie allein vom Spiel so zerzaust, hingen sie durchgeschwitzt alle nach unten, so aber, mit dem leichten Aufwehen nach oben sind wir inzwischen sicher, dass ein Lüftchen herrschen muss. Keines, das den Spielausgang zu verfälschen in der Lage wäre. Eher eines, das man erst dann spürt, wenn man nicht mehr läuft, nicht mehr trabt. Eines, das man spürt, wenn man gemächlichen Schrittes und das Herz noch leicht, aber natürlich stärker als zu anderen Gelegenheiten des Sonntags, pumpend zur Ausführung des Eckballs schreitet. Jenes Eckballs, der genauso wirkungslos verglühen wird wie 99 von 100 anderen Eckbällen in solchen Spielen es ebenfalls zu tun pflegen.
Wichtiger aber als diese Rahmenbedingungen ist Trojans Gesichtsausdruck, man ist schon eher geneigt zu sagen: sein Nicht-Gesichtsausdruck. Das Spiel scheint vorüber zu sein, irgendein wichtigtuender Schreihals an der Linie wird schon lange das Wort „Ende!“ gebrüllt haben, beim ersten Mal hatten es nicht aufgrund des Windes nicht alle Spieler gehört, so dass der Schreihals sich genötigt sah, ein zweites Mal „Ende!“ in den Sonntagnachmittag zu brüllen. Er wird es getan haben. Das ist klar.
Unklar ist, ob Trojan dann gejubelt haben wird, vielleicht ist er nur so abgeschlafft, es riecht fast schon nach Remis, denn eine Niederlage würde tiefere Furchen gegraben haben. Vielleicht hat er die eindeutigste Chance des Spiels vergeben, vielleicht erinnert sich trotz des deutlichen Sieges niemand mehr daran, er selbst aber gerade ganz besonders. Chancen vergeben ist nicht schlimm, es gehört dazu, komm, Filip, da muss man sich nicht so grämen. Die Zweifel am eigenen Können, wer weiß, ob er weiß, dass der Ball versprang oder ob er es weiß, aber auch weiß, dass es sonst keiner weiß, der zuschaute oder noch viel schlimmer mitspielte. Man ist nicht nach jedem Sieg gleichgültig.
Es bleibt beim Tipp auf Remis, eine Niederlage würde deutlichere Bände sprechen. Es sei denn, die Niederlage war nichts Anderes, als man erwartet hatte, man ist dann nur leicht resigniert, bis zur 30. Minute steht es noch 0:0, bis zur 45. Minute dann schon 0:2 und irgendwie ahnt man es, so man ein Bauchgefühl hat, das auch vorher schon weiß, dass man den Bus verpassen wird, dass man die restlichen 45 Minuten vergeblich gelaufen sein wird. Es ist dann kein eigentlicher Schmerz mehr, wenn man allein aus Hoffnung, nicht aber aus Überzeugung sich die Schuhe anzog.
Keine Niederlage, aber auch so wenig der Freude darüber, an einem freien Tag mit vielen Leuten bei solchem Wetter Fußball gespielt zu haben, die den Körper und somit vor allem das Gesicht (der Hundeschwanz des Menschen) durchströmen sollte.
Vielleicht wissen wir aber auch gar nichts von dem, was Filip Trojan beschäftigt, vielleicht ist es der schlimmste Moment des Tages, dass der Schiedsrichter/Schreihals das Spiel beendet hat: Jetzt heißt es, sich wieder mit sich selbst zu beschäftigen. Manchmal gibt es so Tage, an denen man lieber 0:11 verlöre, als dass der Schiedsrichter das Spiel abpfiffe. Willkommen zurück im eigenen Leben, das Spiel ist aus, die Show vorbei, der Vorhang fällt. Willkommen zurück in der Leere des Seins, wenn die Mitspieler nach Hause gehen und die Sonne so herbstlich-winterlich schön über dem Platz steht, aber man kein bisschen bittersüße Melancholie empfindet, sondern nur noch schwere Schultern und die Leere frisst sich schon mit dem Schlusspfiff ins Hirn. Dann guckt man vielleicht so und irgendjemand drückt auf den Auslöser.
Merchandising. Ganz großes Thema, nicht erst seit Manchester United als erstes auf die Idee gekommen ist, die Trikots des Clubs „profässionäll“ zu vermarkten, sondern schon seit Jägermeister Braunschweig.
Wie wir alle wissen, betreiben die diversen Clubs diverse Anstrengungen, um in diesem Bereich große Erlöse zu erzielen. So ist auch die Idee, jedes Jahr und eigentlich auch für jeden Anlass, ein neues Trikot herauszubringen, seien es DFB-Pokal-, Auswärts- oder Champions-League-Spiele, ebenfalls in erster Linie dem Gedanken geschuldet, dem idiotischen Hardcorefan noch ein paar Piepen extra aus der Tasche zu ziehen.
Wie viel erlöst man denn nun aber mit dieser Sparte der Erlössparte überhaupt? Lange Zeit blieb das im Dunkeln, und ich meine: zurecht.
Wie uns der Print-Spiegel (ja, so etwas gibt es noch) in seiner letzten Ausgabe aufklärt, liegt nämlich der FC St. Pauli mit seinen (angestrebten) Trikotverkäufen auf Platz 9 bundesweit. Platz 9 bundesweit, somit noch vor Eintracht Frankfurt oder dem „Glubb“ aus Nürnberg. Wie viele Trikots muss man denn nun verkaufen, um solche gestandenen und langjährigen Bundesligisten wie die Diva vom Rhein-Main oder den ehemaligen Rekordmeister hinter sich zu lassen?
Die Antwort ist ernüchternd: 25.000 Trikots will/wird/hat der FC St. Pauli verkauft.
25.000!
Das ist wesentlich weniger als die Zahl der Menschen, die regelmäßig ins Waldstadion oder ins Frankenstadion geht, und dachten wir nicht alle, dass es mindestens noch ein paar Tausend weit verstreut und entfernt lebender Fans dieser Vereine gäbe, die durchaus unbedingt im Trikot ihres Lieblingsclubs schlafen wollen? 25.000, das ist dermaßen wenig, dass man kaum glauben kann, dass die Einkünfte aus diesen Aktionen überhaupt eine Rolle spielen im Etat eines mittelgroßen Clubs.
Anders sieht das hingegen bei den Bayern aus, die laut Spiegel in diesem Jahr den Verkauf von 900.000 Trikots anstreben. In dieser Größenordnung hätte ich eigentlich auch Schalke (120.000) oder Dortmund (80.000) verortet. Offensichtlich ist die Klientel doch zu klein oder zu klamm.
Mit nur 25.000 verkauften Trikots auf Platz 9 bundesweit: Ich bin entsetzt, aber auch erleuchtet.
… bleibt beim Versuch, etwas über die Bundesliga zu erfahren, meistens ausgeschlossen.
[photopress:i_want_you.jpg,full,alignleft]International will die DFL mehr Geld „erlösen“. Dafür sollte man sich vielleicht aber auch ein bisschen internationaler geben, als es der Verfügbarkeitscheck der Webauftritte der deutschen Bundesligisten ans Licht bringt: Überhaupt nur 4 von 36 Klubs bieten mehr als eine zusätzliche englische Version an. Dazu gehören Bayern, Stuttgart, Schalke und Hertha, allerdings ist Russisch als dritte Sprache der Webseite bei den Schalkern wohl nicht auf ihrem eigenen Mist gewachsen und in Spanisch gibt’s den VfB Stuttgart sicher auch erst seit dem Einkauf der beiden Mexikaner (nichts Genaues weiß man nicht).
So viel Phantasielosigkeit hätte ich den Vereinen gar nicht zugetraut. Warum gibt es z. B. Hertha BSC nicht in polnisch, oder den BVB mit Kuba in Polnisch? Warum Werder nicht wenigstens in irgendeiner skandinavischen Sprache oder Bayer Leverkusen in Portugiesisch? Offensichtlich gibt es da nicht so viel zu „erlösen“, als dass man sich die Mühe machen müsste, den potenziellen Kunden dort abzuholen, wo er mit seinem Geld steht. Dann darf man sich aber auch nicht wundern, wenn er sich lieber der Premier League zuwendet.
In der zweiten Liga gibt es überhaupt nur zwei Klubs, Mönchengladbach und Köln, die eine englische Version anbieten, das überrascht zumindest bei den Kandidaten wie Kaiserslautern und 1860 München, die in einem WM-Stadion zu Hause sind und lange Jahre Erstligisten waren. Bei Hoffenheim mit seinem SAP-Mäzen überrascht es ebenfalls.
Insgesamt ein schwaches Bild, besonders, wenn man sich die teilweise nur fragmentartig vorhandenen Inhalte der deutschen Version in den englischen Versionen anschaut. So eine Übersetzung von zwei, drei Absätzen, die die meisten Beiträge haben, kostet auf dem freien Weltmarkt ein paar Euro, die wird man doch wohl noch investieren können?
Erinnert sich noch jemand an die Tabellensituation der Regionalliga Nord der letzten Saison? Selbst im fortgeschrittenen Stadium der Saison war man mit zwei Siegen in Folge auf einem Aufstiegsplatz, mit zwei Niederlagen in Folge dann wieder in Abstiegsgefahr. Natürlich ist es nach vier Spieltagen zu früh, um ein ähnliches Szenario für die zweite Liga zu befürchten bzw. zu erhoffen. Angesichts der andernorts schon ausreichend beschriebenen Fülle an Vereinen, die den Weg in die erste Liga anstreben (und „zurück“ gilt hier für die meisten von ihnen), wäre es doch äußerst prickelnd, wenn wir auch im April 2008 erst 1860 München oben sähen, eine Woche später den FSV Mainz, in der folgenden Woche Alemannia Aachen, danach den SC Freiburg ad lib.
So wenig Spannung die erste Liga scheinbar ganz oben verspricht, so dramatisch und eng könnte diese Zweitligasaison verlaufen.
Die Überschriften der verlinkten Spieltage lauten übrigens folgendermaßen:
Dichtes Gedränge um Rang Zwei
Spieler von eigenen Fans bedroht
St. Pauli plötzlich dabei
Lotterie um den Aufstieg
Wuppertaler Reifeprüfung
VfB kippte VfL vom Sockel
Osnabrück schon wieder zurück
Sachsen im Aufschwung
Völlig neues Spitzenfeld
Magdeburg vor dem Durchmarsch
Pauli plötzlich obenauf
Feiertag in Magdeburg
Fast alles gelaufen
Letzter Strohhalm für Osnabrück
Immer noch ein Vierkampf
Später Jubel in Osnabrück