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Schlagwort: Fußball

Auf nach Polska & Ukrajina

Letzte Chance! Letzte Gelegenheit! Sind Sie dabei!*

Ja, die D-Mark 2012 steht an. Räusper, die „Euro“ 2012 natürlich. Europameisterschaft also, und zwar zum letzten Mal.

Nicht zum letzten Mal überhaupt, zum letzten Mal aber in ihrer wunderbar passgenauen Form von 16 Teilnehmern bei 8 Viertelfinalteilnehmern aus ziemlich genau 53 Verbänden, die versuchen, sich für dieses Endturnier zu qualifizieren.

Kein Rechnen ist nötig, kein Schieber, um zu ermitteln, wer am Ende der Vorrunde weiterkommt, und schon gar nicht so ein unerhörter Vorgang, eine Mannschaft ausscheiden zu lassen, weil sie im Vergleich mit einer anderen Mannschaft schlechter abgeschnitten hat, obwohl ihre Gegner in den Spielen völlig andere waren. Unzulässige Quervergleiche werden bei dieser letzten der gediegenen Europameisterschaft nicht nötig sein. Hier kommt weiter, wer erster oder zweiter in seiner Gruppe wird, und nicht wie von 2016 an derjenige, der schon bei der Aufteilung der Gruppen das doppelte Losglück hatte, selbst drei vergleichsweise leichte Gegner zu erhalten, während andere Teams drei schwierigere Gegner zu spielen haben.

Die mangelnde Fairness dieser Regelung ist ja scheinbar schon bei den Weltmeisterschaften von 1986 bis 1994 kaum jemandem aufgestoßen, hier an dieser Stelle tut sie es, weshalb man diese letzte EM noch einmal richtig genießen sollte.

Reicht es unter diesem, sport-historischen Gesichtspunkt aus, jene spezielle letzte EM ihrer Art daheim vor dem Fernseher zu genießen, gibt es trotz der nur schleppend vorangehenden Entwicklung der Infrastruktur insbesondere in der Ukraine aber auch Gründe, Polen und die Ukraine mit seiner physischen Anwesenheit zu beglücken.

Die geographische Nähe ist bei einer Europameisterschaft wohl eher kein Argument, auch wenn Polen von Berlin aus in einer knappen Stunde zu erreichen ist. Von der westlichen Bundesrepublik aus ist es wesentlich weiter bis nach Polen, aber auch immer gleich weit, ob man nun nach Portugal, nach Griechenland oder in die Ukraine fliegt. Nämlich genau von hier bis zum Flughafen. Den Rest macht der Pilot.

Nein, man kann und sollte nach Polen und in die Ukraine reisen, weil diese nicht in Katar liegen.

Katar?

Ja, der Aufschrei bei der WM-Vergabe nach Katar war doch im Dezember unter Anderem deshalb so groß, weil man in dem Land als Fußball-Fan keinen Alkohol konsumieren könne.

In Polen und der Ukraine muss man sich da aus mehreren Gründen keine Sorgen machen. Zunächst mal liegen die beiden Länder im blauen Teil des Alkohol-Gürtels in Europa. Und blau ist dabei nur in Ansätzen eine Metapher. In Polen und der Ukraine trinkt man Schnaps. Und zwar gefälligst jeder, auch die, die eigentlich Abstinenzler sind. Denn über die Sitten in Polen liest man:

Wer keinen Alkohol trinkt, ob generell oder an einem bestimmten Abend, muss damit rechnen, dies sehr deutlich zum Ausdruck bringen zu müssen. Anderenfalls wird ihm entgegen seines Wunsches dennoch welcher eingeschenkt werden.

Wer es jedoch wirklich à la typischem Fußballfan auf die Spitze treiben will, der fährt gleich weiter durch in die Ukraine, denn dort geht es angeblich folgendermaßen zu:

Alkoholkonsum auch am Vormittag schon ist in der Ukraine nichts Ungewöhnliches und gilt nicht als Anzeichen für Alkoholismus. Stärkere Alkoholika werden nicht in Liter bzw. Mililitern bestellt, sondern in Gramm. Eine Bestellung für einen Wodka lautet so also zum Beispiel „100 Gramm“.

Ganz wie beim stilvollen Dealer bestellt man in der Ukraine seine Ration also in Gramm. Da macht es dann auch nichts, dass weiterhin wie bei jeder UEFA- oder FIFA-Veranstaltung nur genau eine Biermarke ausgeschenkt werden wird, die noch dazu nicht unbedingt die schmackhafteste sein muss. Man vergnügt sich einfach schon nach Landessitte lange vor dem Stadionbesuch.

Bliebe die Frage, was in der Ukraine überhaupt als Anzeichen für Alkoholismus gilt. Und ob der schleppende Fortschritt bei den Vorbereitungen auf die EM eventuell etwas mit dieser Mentalität zu tun haben könnte, wenn der Konsum auch am Vormittag schon nicht unüblich ist.

Die Stadien sollen am Ende alle neu oder renoviert sein, allerdings ist ungewiss, ob man sie als Fan rechtzeitig wird erreichen können. Für die EM wichtige Autobahnprojekte in Polen werden gerne mal auf die lange Bank geschoben, letztens wurde mal wieder gestreikt. In der Ukraine ist man nicht mal sicher, ob man mit den Stadien überhaupt rechtzeitig fertig werden wird. Wie bei allen großen Fußball-Turnieren (außer dem in Kolumbien geplanten) wird aber auch in Polen und der Ukraine am Ende zumindest das, was für das Turnier selbst nötig ist, fertig sein.

Hotelbetten und Straßen- sowie Zugverbindungen sind da wie gesagt ausgenommen. Macht aber nicht allzu viel. 88 Prozent der Kartenwünsche bei den neutralen, nicht an die Verbände gehenden Kontingenten wurden ohnehin aus Polen und der Ukraine selbst bestellt. Die Leute dort werden wohl wissen, wo sie schlafen und wie sie wann rechtzeitig zum Stadion reisen müssen. Spitzenreiter bei den Bestellungen aus den sonstigen Nationen übrigens rein zufällig: Deutschland, mit etwa 2 Prozent Bestellungen bei den neutralen Karten.

Das einzig Positive an der für die EM 2016 in Frankreich geplante Erweiterung auf 24 statt 16 Teilnehmern ist, dass es möglicherweise wieder ein Spiel um Platz 3 bei Europameisterschaften geben wird, wie es immerhin bei Europameisterschaften bis 1980 schon einmal Usus war. Und das wäre schließlich begrüßenswert, wie man weiß, wenn man denn weiß.

Also, auf nach Polen und in die Ukraine, zum letzten Europameisterschaftsturnier seiner Art. Und komme jetzt bitte niemand damit, dass man doch ein Achtelfinale und damit nicht weniger als acht (!) KO-Spiele dazu gewönne. Zu welchem Preis, fragt sich, zu welchem Preis.

* Losverkäufer auf Kirmes und Jahrmärkten benutzen stets den falschen Imperativ. Sollten sie es als Frage meinen, ist es falsch betont. Einer der Gründe, neben der Tatsache, dass man sowieso nie gewinnt, nicht an deren sicher oft illegalen Treiben teilzunehmen.

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Der Ebenholz-Schuh

Watisndat? Ebenholz und Ivory, oder auch Ebony und Elfenbein, da denkt doch jeder — sofern er kein Geigenbauer ist — an dieses Duett von Paul McCartney und Stevie Wonder. Ebenholz, wo kommt einem das im Leben unter, wenn nicht als dieser Songtitel und -text? Welcher bekanntlich von den weißen und schwarzen Tasten eines Klaviers handelt, aber natürlich eine Metapher für das Zusammenleben von Menschen jeglicher Couleur sein soll. Ebenholz also als Sinnbild für Menschen schwarzer oder brauner Hautfarbe, aha.

In Belgien gibt es aufgrund der Kolonialgeschichte des Landes — die heutige Demokratische Republik Kongo, früher Zaire und somit WM-Teilnehmer 1974, war längere Zeit Privatbesitz des belgischen Königs — eine besondere Affinität zu Fußballspielern aus Afrika, vielleicht nicht ganz so ausgeprägt wie in Frankreich, wo Spieler aus großen Teilen Nordafrikas sowie aus Westafrika eine besondere Beziehung zur petite nation haben oder meinen zu haben, aber immerhin gibt es diese Affinität in Belgien.

Deshalb, das dürfte bekannt sein, existieren dort auch solche Phänomene wie der SK Beveren, dessen Kader oft zu mehr als 80 Prozent aus Spielern aus der Elfenbeinküste (sic!) besteht. Natürlich gibt es auch noch andere Motive als eine ehemals existierende Kolonialherrschaft, dennoch ist die Neigung der Bundesliga zu afrikanischen Spielern weitaus geringer als eben in Belgien. Und eine solche Einrichtung wie im Titel gibt es in Deutschland deshalb auch nicht.

Der Ebenholz-Schuh ist eine Ehrung, die man im belgischen Fußball dem besten afrikanischen Spieler einer Saison zuteil werden lässt. Die Ehrung wurde 1992 eingeführt und die Liste seiner Gewinner zeigt, dass der belgische Fußball nicht unbedingt das optimale Sprungbrett für eine Weltkarriere darstellt (Ausnahme, das Übliche).

So sieht er übrigens aus der, Soulier d‘ébène belge, ebenholzfarben natürlich.

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Allez les Verts

Hier sollte eigentlich grundsätzlich keine kostenlose virale Hirnverdreherei präsentiert werden. Doch beim Folgenden kann man — das bin ich — einfach nicht widerstehen. Man muss gar nicht erst die Leier von der kulturellen Gleichschaltung der Welt und der großen Bedauerungswürdigkeit dieser Tatsache anstimmen.

Fußgängerzonen, TV-Programme, TV-Programminhalte, selbst Essen und eben auch Sportkleidung. Die großen zweieinhalb teilen den Weltmarkt unter sich auf, ein Exot bei der WM, der nicht von ihnen ausgerüstet wird, ist ein willkommener Farbtupfer, aber leider meist auch nach der Vorrunde schon wieder zu Hause. Nordkorea, Dänemark, wobei deren Hummel-Zeiten ja auch schon länger passé sind. Umbro kennt man hier in der Breite kaum, Le Coq Sportif kennt wohl jeder (Ältere), trägt aber bei der WM leider niemand.

Das war mal anders, und an diese andere Zeiten erinnert der Ausrüster jetzt selbst mit diesem gar nicht mal umwerfend geschickt gestalteten Video. Welches dennoch nur denjenigen kalt lässt, der seine Illusionen von bunteren, lebensfroheren und auch reineren Zeiten in die Zukunft oder unter die Erde verschoben hat. Wer hingegen dem schönen Motto anhängt, dass früher alles besser war, der wird hier auf seine Kosten kommen und danach das eine oder andere Kotlett auf seinem metaphorischen Herzen garen können. Wobei Kotletten im Video ohnehin eine Rolle spielen. (Nicht durch den Delling-Filter gekommen.)

Voilà.


L‘Ange Vert – Dominique Rocheteau – Célébrez le rétro football des 70’s from Le Coq Sportif on Vimeo.

Zu diesem Clip gehört noch eine ganze Kampagne bei Le Coq Sportif, wovon wiederum ein ebenso bezaubernd auf damals getrimmtes pdf im Zeitungsstil ein Höhepunkt ist. Diese Werbebeilage gibt es hier [Link leider tot] (Es soll ja auch noch Gebiete ohne DSL geben, also: Vorsicht, das pdf besteht aus 40MB!) direkt und man sollte sie nicht versäumen. Wer es von der Seite selbst transferiert, wird feststellen, dass „télécharger“ auch immer noch mehr Charme als ein beinahe obszönes „Runterladen“ besitzt

Hach. Es gibt eben bestimmte Spielernamen, die einfach Musik in den Ohren sind. Einer der Allzeitfavoriten ist „Tony Cascarino“, ein anderer „Claudio Gentile“, jetzt kehrt der natürlich nie vergessene Dominique Rocheteau wieder ganz oben in diese Hitliste zurück.

… und ja, so leicht ist man — das bin ich — zu ködern. Der grüne Engel.

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L‘Orient-Express est un train de luxe

Da so etwas in den Kommentaren meistens untergeht, wird es hier oben noch mal verlinkt, obwohl es sehr gut direkt in den Beitrag des türkischen Fußballfanseins gepasst hätte. Die Tagesschau betreibt eine originellerweise als „Orient Express“ bezeichnete Reihe innerhalb ihres Videoblogs. Thema der hier verlinkten Ausgabe: die drei (großen) Istanbuler Fußballvereine.

Zumindest für mich war in knappen 6 Minuten noch etwas Neues dabei, zum Beispiel dass Galatasaray nach einem Gymnasium benannt ist, in welchem man ausschließlich französisch spricht, weshalb Galatasaray auch als Verein der Intellektuellen gilt.

Dass Fanatisierte, die Sermon in ein Mikro gröhlen, eher wenig appetitlich sind, war mir hingegen nicht neu.

Zum Orient Express.

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Abhilfe schafft die Otorinolaringoiatra

Es gibt zwei Dinge, die ich absolut nicht ausstehen kann. Das eine ist Rap. Das andere ist Rap. Wird dieser schrecklicherweise auch noch von Fußballern vorgetragen, ist es mir unmöglich, deren Werke zu konsumieren. Die Gefahr dauerhafter Gesundheitsschädigung wäre zu groß, vor allem an den Enden der Geschmacksnerven.

Doch vielleicht möchte ja der eine oder andere Leser Ryan Babel beim Rappen zuhören, oder Rio Ferdinand oder — OMG! — Paul Gascoigne, dem man schon damals anmerkt, dass er später seinen Verstand verlieren wird, kein Wunder, bei dem Rap, den er da veranstaltet.

Hier geht es zum akustischen Horrorkabinett.

Eins der schönen Dinge am Älterwerden, welches an sich übrigens völlig zu Unrecht in keinem guten Ruf steht, ist, dass man nicht mehr in Läden gehen muss, die derart beschissene Musik spielen, nur weil Sachzwänge in Form der Anwesenheit angebeteter Personen daraus ein Diktat machen. Jetzt müsste man nur noch aufhören, sich für Fußball zu interessieren, betrieben von Leuten, die derartige Musik selbst her- und dann ins Internet einstellen. Ryan Babel. Rappt. Auf niederländisch.

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Türkischer Fußballfan in Deutschland sein

Nicht erst seit das BILDblog regelmäßig auf die Beiträge in Sidan Arslans Blog-Kategorie Sport-Bild-Watch [Link leider tot] verlinkt, dürfte El Fútbol [Link leider tot] dem geneigten Mitinsassen des deutschsprachigen Fußballblogosquariums bekannt sein.

[photopress:halbmond_adidas_1.jpg,full,alignleft] Das folgende Gespräch mit Sidan Arslan, dem Betreiber von El Fútbol [Link leider tot], beschäftigt sich allerdings nicht mit dessen recht international ausgerichtetem Blog. Sondern mit der Thematik, wie man als Fan des türkischen Fußballs — ob Nationalelf oder eine der Klubmannschaften — in Deutschland zurecht kommt, wie man überhaupt erst ein solcher Fan wird und wie sich solch eine Fernbeziehung anfühlt.

Hallo Sidan, schön, dass Du Zeit für ein Gespräch hast. In medias res: Ich muss zugeben, ich bin zwar mit Fans von Galatasaray, Fenerbahçe und Beşiktaş aufgewachsen, aber erstens habe ich damals noch nicht gebloggt, und zweitens war alleine schon der Schlachtruf „Cim-Bomm-Bomm, Galatasaray!“ nie frei von einer gewissen Exotik. Einer Exotik, muss ich ebenso zugeben, die durchaus belächelt wurde. Weshalb man sich auch nicht für diese Exotik interessierte. In den 1980ern hielt man bei uns grundsätzlich nicht viel vom türkischen Fußball und wusste gleichzeitig auch nicht viel über ihn.

Das hat sich zwar beides geändert, aber in Bezug auf die Fanszene der türkischen Vereine in Deutschland tut sich bei mir eigentlich immer noch nur ein großes, leeres Nichts auf. Deshalb möchte ich Dich bitten, mich ein wenig aufzuklären. Dazu gehört natürlich zunächst einmal die Frage, wie Du selbst zum Fußball gekommen bist. Zum Fußball an sich, aber auch zu welchem türkischen Verein Du hältst und wie Du für diesen Verein sozialisiert wurdest.

Fußball gehört für mich von Anfang an, also von früher Kindheit, einfach dazu. Das sehr große Interesse war immer schon da, ohne dass ich es recht erklären könnte. Dafür kann ich mit der Anekdote dienen, dass meine Eltern damals die Gewohnheit hatten, jedem Gast davon zu erzählen, dass ich morgens nach dem Aufstehen schon auf dem Weg ins Bad einen Ball am Fuß hatte … Mag sich nach einer erfundenen Anekdote für eine Profikicker-Homepage anhören, war aber so. Aus frühester Kindheit stammt auch meine Leidenschaft für Galatasaray, für die mein Onkel verantwortlich ist. Immer wenn ich bei ihm zu Besuch war und mit meinem Cousin spielte, saß er nämlich am Fernseher und schaute sich die damals noch frei empfangbaren türkischen Ligaspiele an, mit fanatischem Schreien, lautem Fluchen und spontanen Jubeltänzen. Galatasaray waren immer die Guten, alle anderen immer die Bösen. Wir zwei haben das dann so übernommen.

Gibt es überhaupt eine nennenswerte Zahl an männlichen türkischstämmigen in Deutschland, die sich nicht für Fußball interessiert? Falls ja, welcher andere Sport ist für diese, falls vorhanden, relevant? Und die, die Fußballfans sind, würdest Du sagen, sie setzen alle eine Familientradition fort, oder gibt es auch Ausreißer aus dieser Familientradition?

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Ausnahmsweise trockener Humor

Man konnte sich bislang nicht vorstellen, dass es im Fußball gelungene Aprilscherze gibt. Von den Fußballern selbst ausgedacht und durchgeführt, soll das bedeuten.

Im Fußball ist schließlich immer der erste April.

Die berühmte Zahnpasta unter der Türklinke, Wasser auf Köpfe oder in Gesichter schütten, Torwände ansägen, auf dass sie beim nächsten Treffer auseinander bersten, das gehört zum zumindest aus Opfersicht harten Fußballalltag dazu wie das Training von 9.00 bis 10.30h, tagein, tagaus.

Umso erstaunlicher, dass der Guardian einen etwas länger zurückliegenden Aprilscherz unter Beteiligung von Fußballern ausgegraben hat, und dann auch noch in Deutschland, dem Land mit dem narkotisierten Sinn für Humor. Und der geht so:

Michel Platini, Werder Bremen und ein (west-)deutscher Fernsehsender verbreiteten die Nachricht, dass Michel Platini in der nächsten Saison bei Werder Bremen spielen werde.

Wie man sieht, ist der Sinn eines Aprilscherzes nicht, dass er amüsant ist, sondern dass die darin aufgestellten Behauptungen unwahr sind. Eine ganz andere Qualität also als Wasser in Gesichtern.

1985 war das. Mit Juventus habe er alles erreicht, ließ sich Platini zitieren. Juventus stand kurz vor einem Landesmeister-Halbfinale gegen Girondins Bordeaux.

Nicht klar wird aus der Meldung, ob das Folgende Teil des Scherzes war, oder ob die Bremer Spieler mit hereingelegt wurden, man würde aber auf Ersteres tippen

Werder’s players were shown toasting the transfer with champagne.

Nicht gelacht, sondern gestaunt hier. Abgelegt unter „Billige Lacher“, ist aber nicht so gemeint. Der Aprilscherz mit der portugiesischen Nationalmannschaft zur WM 1998 gefällt da schon eher.

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Ostland gegen Südwestland

Gewiss, der aktuelle Zustand, in welchem die vier Grundelemente eines Stadions nach Sponsoren benannt sind, ist nicht besser als der frühere. Doch vor Einkehr dieser Verhältnisse war es um die Kreativität der Stadionerbauer, der Zuschauer, der Vereinsmitglieder oder der sonstwie namensgebenden Institutionen keinen Deut besser bestellt.

Fankurven respektive Stadiontribünen nach Himmelsrichtungen zu benennen bedeutet, dass einem schlicht nichts eingefallen ist, wie man diese paar Betonstufen denn nun nennen könnte. Und das, obwohl genau diese paar Betonstufen doch der Ort sind, der den dorthin Pilgernden besonders ehrwürdig erscheint.

Ausnahmen, bei denen eine Tribüne tatsächlich mal einen Namen besitzt und keine Himmelsrichtung als Taufpaten kennt, sind die die Regel bestätigende undsoweiter undsofort Punkt Bindestrich.

Nicht mal, ich betone: nicht mal!, einen Mix aus zwei Himmelsrichtungen haben die Fußballspieler und -geher und -erbauer je hinbekommen, dabei sind die wenigsten Stadien korrekt nach Nord-Süd oder Ost-West ausgerichtet.

Wäre bei der Benennung von Ländern ähnlich viel Phantasie wie im Fußball vorhanden gewesen, dann siehe Überschrift. Zum Glück hat man diese Namenswahl nicht auch noch den drögen wie tristen Gehirnen von Fußballfans im weiteren Sinne überlassen.

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In alten Wunden bohren

Es gibt viele Fälle, in denen Werbeagenturfritzen mit dem Thema Fußball werben wollen bzw. müssen, die keine richtige Ahnung von dem Thema haben und es so behandeln, wie man über China Bescheid weiß, wenn man den selbst verfassten Reisebericht des Großonkels aus dem Jahre 1966 gelesen hat. Einzig.

Dabei kommen oft krude Anzeigen heraus, wie dass man in der 5. Liga auf Asche mit der Balltechnik eines Nerds spielen muss und kann, oder dass man stolz auf das Fußballtrikot von Spanien sein solle (bei einer Anzeige aus dem Jahr 2006).

Nun, sei’s drum, Kampagnen kommen und gehen, Letzteres vor allem.

Sind aber gleich ganze Produktnamen ein fußballerisches Eigentor, dann ist die Situation nicht mehr zu retten.

Seat nennt ein Auto, das es in Deutschland zu verkaufen sucht, „Cordoba“.

Man hat aus gutem Grund noch nie vom Bentley-Modell „Turin“ gehört, in Österreich gibt es keine Volvo „Landskrona“ zu kaufen, man sucht vergeblich nach dem Renault mit der Bezeichnung „Knysna“ und es gibt auch keinen Autobauer, der in Holland einen Wagen mit der Bezeichnung „München“ anpreist.

Nur Seat möchte gerne in Deutschland ein Auto mit dem Namen „Cordoba“ verkaufen.

Noch obskurer als dieser ohnehin schon absurde Versuch ist einzig, dass es tatsächlich Menschen gibt, die dieses Ding dann auch kaufen. So gesehen an einer nebligen Ampelkreuzung in Deutschland im März 2011.

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„Horizont“ widerruft

1999 wurde Uli Hoeneß von der Marketing-Zeitschrift „Horizont“ zum „Unternehmer des Jahres“ gewählt (und nicht zum „Manager des Jahres“, wie an vielen Stellen fälschlich behauptet). Diese Zeitschrift hat sich nun dergestalt geäußert, dass diesem Urteil eine große Verwechslung zugrunde gelegen habe und widerruft deshalb ihre Auszeichnung von 1999.

Man habe offensichtlich den Falschen gewählt, denn ein Unternehmensführer, der sein Führungspersonal einzig nach einem nicht näher zu begründenden Bauchgefühl auswähle, beweise auf diese Art weder besondere Weitsicht noch überhaupt unternehmerische Fähigkeiten. Man gebe zu, dass es durchaus Manager gebe, die auf solche Weise keinen geringen Erfolg produzierten. Im Falle Hoeneß käme aber hinzu, dass dieser seine per Bauchgefühl ausgewählten Führungskräfte im Anschluss stets dann systematisch demontiere, sobald sie kleinste Abweichungen vom Soll in einem naturgemäß starken Schwankungen im Ergebnis unterworfenen Metier zeigten.

Hoeneß‘ stete Ungeduld, unanständige Eitelkeit und vor allem die von ihm gewählten Wege der Kommentierung — über Kameras oder Printprodukte und nicht im direkten Kontakt — ließen zudem berechtigte Zweifel an seinem generellen Stil des Umgangs mit Menschen erkennen.

Diese ausgeprägte Form von Ziel-, Rückgrat- und Visionslosigkeit könne nicht einhergehen mit der von der Zeitschrift vergebenen Ehrung, weshalb sie diese zurückziehe.

Gerüchte, dass man stattdessen rückwirkend Michael Meier für seine weitsichtigen Meisterschaftsvorbereitungsgeldvernichtungsaktionen in den Jahren 1989 bis 2005 auszeichnen wolle, bleiben in diesem Zusammenhang Gerüchte. Zuverlässige Quellen berichten vielmehr davon, dass „Horizont“ davon absehen wolle, überhaupt noch jemals wieder irgendjemanden aus dem Bereich „Fußball“ auch nur in die Liste der Kandidaten aufzunehmen.

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Sonic Soccer

Sonic Youth becovern ihre neueste Platte mit einer jungen Frau, die einem Fußballspiel zuschaut, ganz offensichtlich einem Amateur- oder Hobbyspiel in irgendeinem Park.

Selber ansehen bzw. noch mal ansehen.

Was sagt uns das? Zunächst mal nicht viel, außer dass Sonic Youth ihre aktuelle Platte mit einer jungen Frau betiteln, die einem Fußballspiel zuschaut, ganz offensichtlich einem Amateur- oder Hobbyspiel in irgendeinem Park.

Vielleicht nicht ganz so überraschend, stellt diese Platte allerdings nichts anderes als die Filmmusik zu „Simon Werner a disparu“ dar, einem französischen „Thriller“ — das steht hier für „spannender Film“ — zu welchem Sonic Youth die Musik beisteuerten. Möglicherweise schlicht eine Szene aus dem Film, die dann zu einem der Filmplakate wurde. Nicht die erste Filmmusik, die Sonic Youth schrieben, aber die erste mit einem einem Fußballspiel zuschauenden Mädchen auf dem Cover.



(Vorsicht vor dem Anhören. Bei nicht-sonic-youth-tauglichen Ohren droht schneller Übergang in einen Dämmerzustand, deshalb nur bedingt safe for work.)

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Anti-Kommentatoren-Bashing-Beitrag

Weil das Bashing — zu deutsch Schelte, nicht dass das in Vergessenheit gerät — von Kommentatoren so abgenudelt ist, dass sich mittlerweile schon jeder Blog-Kommentator zunächst mal entschuldigt, dass er nun doch wieder bashen muss, wenn er es irgendwo tut, hier der ultimative Anti-Kommentatoren-Bashing-Beitrag. Gleichzeitig entschuldigt sich jedoch niemand, wenn er bei twitter voll in die Saiten greift und abledert, was das Zeug hält. Zuletzt erlebt beim zugegebenermaßen unerquicklich schlechten Tom Bartels gestern bei der Partie Deutschland — Italien, als man sich vor Nörgeltweets bezüglich Tom Bartels‘ Leistung kaum retten konnte.

Weshalb dem etwas entgegen geworfen werden muss.

Und das geht folgendermaßen, einfach, schlicht und ergreifend:

Welchen Kommentatoren hört(et) Ihr gerne?

Ich selbst muss lange überlegen, bis mir zumindest aus der Gegenwart einer in den Sinn kommt. Ich verfüge weder über himmel noch verfügte ich je über Uraufführung, zudem schaue ich TV-Fußball ohnehin häufig in Situationen, in denen man den Kommentar kaum versteht und genauso häufig kann ich mir den Namen nicht merken, sofern es nicht eine jener Eminenzen ist, die man seit Jahren kennt oder seit Jahren basht bzw. schilt.

Wie dem auch sei, ich kann heute mit keinem Namen in Vorleistung gehen, würde aber gerne wissen, welchen Kommentatoren Ihr als angenehm empfindet. Timbre, Themen, Tonation. Was auch immer dafür relevant sein könnte. Und gerne auch aus der Vergangenheit, muss aber natürlich nicht, ein aktuell Wirkender wäre fast noch lieber.

Welchen Kommentatoren hört(et) Ihr gerne?

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Zünglein an der Tabelle

Natürlich muss man keinem Fußballinteressierten erklären, dass die Tordifferenz extrem wichtig werden kann, insofern als sie in bestimmten Konstellationen genauso viel zählt wie ein Punkt mehr als der punktgleiche Tabellennachbar zu haben. Und das vergisst über die gesamte Saison wohl auch niemand, schon gar nicht, so hofft man als Anhänger, wenn eine Mannschaft mal so richtig untergeht, eine Partie schon zur 60. Minute entschieden ist, weil man mit 3, 4 oder 5 Toren hinten liegt. Und genauso hofft man, dass allen auf dem Platz Beteiligten klar ist, dass es eben keineswegs gleichgültig ist, ob man nun mit 0:3 oder 0:7 nach Hause geht, von den direkten Auswirkungen dieses Unterschieds noch einmal abgesehen.

In den knapp 50 Jahren Bestehen der Bundesliga kam es schließlich mehr als nur ein Mal vor, dass sich elementare Fragen wie Abstieg oder Meisterschaft allein durch die Tordifferenz entschieden. Dazu kommt das Phänomen, dass nahezu keine Spielzeit vergeht, ohne dass nicht wenigstens eine Platzierung anhand der Tordifferenz entschieden würde. Und dass das wiederum Auswirkungen auf die Finanzen hat, muss man hoffentlich ebenfalls nicht mehr erwähnen.

Grün und Rot markiert sind jene Fälle, in denen tatsächlich die Frage Meisterschaft, Abstieg oder Teilnahme am internationalen Fußball mittels Tordifferenz entschieden wurden.

Früher war es der DFB, heute macht die DFL jedes Jahr drei Kreuze, dass die beiden besten Teams einer Saison noch nie punkt- und torgleich waren, wobei danach noch einige Kritierien mehr („Fragen zum Spielbetrieb“ anklicken) zum Einsatz kämen. Helfen diese alle nicht, steht man vor der Frage: Wo sollte man zu welchen Bedingungen ein Entscheidungsspiel austragen?

Rekord-Depp ist natürlich der Depp, Entschuldigung, der Club, der gleich zwei Mal wegen der schlechteren Tordifferenz abstieg, Stichwort Phantomtor. Der VfB Stuttgart hingegen wurde zwei Mal nur aufgrund der besseren Tordifferenz Meister. Ansonsten scheint die Drei-Punkte-Regel für eine geringere Häufigkeit von Punktgleichheit zu sorgen, wodurch die Ängste der DFL-Verantwortlichen ein wenig geringer geworden sein dürften.

Bis zur Saison 1966/1967 zählte nicht die durch Subtraktion ermittelte Tordifferenz, sondern der so genannte „Torquotient“, der sich denkbar einfach berechnen lässt, allerdings den Vorteil der mehr geschossenen Tore und somit eines vermeintlich attraktiveren Spielstils nicht berücksichtigt. Seit 1967/1968 gilt also die nicht mehr ganz neue Regelung der Tordifferenz im Gegensatz zum Torquotienten.

Die mit einem Asterix versehen Clubs mussten in die Relegation, welche sie dann aber erfolgreich bestritten. Fettgedruckte Mannschaften sind absolut punkt- und torgleich, während kursiv gestellte Teams zwar die selbe Tordifferenz aufweisen, eines der beiden Teams jedoch mehr Tore erzielte als das andere und ersteres somit vor dem zweiten rangiert.

Den sprichwörtlichen Vogel schießt die Saison 1974 ab, als sich die stolze Zahl von fünf punktgleichen Teams auf den Plätzen 9 bis 13 am Ende der Saison allein anhand der Tordifferenz in eine Reihenfolge bringen ließen.

2007/2008
4. Hamburger SV +21 47:26 54
5. VfL Wolfsburg +12 58:46 54
2006/2007
9. Borussia Dortmund -2 41:43 44
10. Hertha BSC -5 50:55 44
11. Hannover 96 -9 41:50 44
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