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Monat: September 2007

Baggio, der Freistoßexperte?

Meines Wissens war Roberto Baggio nicht in erster Linie für zielgenaue Freistöße bekannt, aber da kann ich mich täuschen, es ist auch nicht wirklich relevant für diesen Beitrag:

Nach langer Zeit mal wieder Neues aus der Rubrik „Aus Liebe zum Spiel“. Wie man weiß, gibt es seit dem Ende der WM nur noch einen Bruchteil an neuen, fußballbezogenen Flashspielen, hier ist endlich mal wieder eins, das seinen Spielspaß erst nach einer gewissen Zeit entfaltet, dann aber so richtig. Wer vor dem ersten gewonnenen Pokal aufgibt, ist eine Pfeife bei Baggios Magical Kicks.

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Adiós, elendige Schweinebälle

Vielleicht fällt es gar nicht mehr auf, umso herausstechender war es dann am Samstag: Die deutsche Nationalmannschaft spielt keine Schweinebälle mehr. Das sollte zwar selbstverständlich auf diesem Niveau sein, war es aber lange Jahre nicht.

Es war Mitte der zweiten Halbzeit, als einer der weiß Gewandeten den Ball lang, plan- und ziellos die Linie entlang drosch, in der guten Hoffnung, er würde schon einen Abnehmer finden. Fand er natürlich nicht, wie es bei Schweinebällen nun mal der Fall ist.

Dass diese Szene so auffällig anders ist, dass wir ansonsten quasi überhaupt keine Schweinebälle mehr im meist gut durchdachten und — auch das Wörtchen Rumpelfüßer kann man jetzt mit einem „adé“ versehen — fast immer ballsicheren Spiel der Nationalmannschaft sehen, ist eine wahre Freude. Es wirkte tatsächlich so, als ploppte die Wahrnehmung dieser Spielszene aus den übrigen Spielszenen heraus. Man kennt dieses Phänomen: man blickt auf eine DIN-A-4-Seite voller Buchstaben, darunter nur eine einzige Zahl. Das Hirn erkennt die Andersartigkeit dieses Reizes ohne jeglichen aktiven Aufwand. 90 Minuten voller kurzer, zielgerichteter Pässe und ein Moment des Anachronismus, da gehen selbst beim Laienhirn die Alarmsirenen automatisch an.

Darf man in diesem bemerkenswerten Moment als langjähriger Leidender einfach mal ein wenig glücklich sein und genießen, wie ansehnlich dieser Fußball geworden ist?

Ja, darf man.

Nein, Schweineball ist nicht gemeint. Schweinebälle.

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11:0 gegen Argentinien

Was ist da schon ein kümmerliches 8:0 gegen Saudi-Arabien?

Möglicherweise der Grund, warum es so unglaublich spannend ist, Frauenfußball zu gucken. Geht von den Halbfinalen abwärts irgendein Spiel nicht x zu Null für den Favoriten aus?

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Der Helden von Berlin

Manchmal, zumeist in der Grundschule, gibt es Menschen — das sind dann in aller Regel Kinder — die Satzzeichen mitlesen. „Und dann sagte er komma dass er unbedingt heim müsse punkt. Seine Frau antwortete doppelpunkt anführungszeichen oben Nein komma du kannst noch nicht gehen punkt anführungszeichen oben.“

Später gewöhnen sich das die meisten Menschen ab, und das ist auch gut so, denn es nervt gehörig beim Zuhören.

Manchmal wünsche ich mir allerdings, dass man Satzzeichen doch noch mitläse, mitsänge oder zumindest irgendwie andeutete.

Mir wird jedenfalls immer schlecht, wenn ich den bei Borussia Dortmund beliebten Fangesang höre, der Norbert Dickel, seines Zeichens Stadionsprecher im Westfahlenstadion, ehren soll:

„Ein jeder kennt ihn, den Held von Berlin“

Entweder setzt man ein Apostroph nach „Held“, das man zwangsläufig nicht hören kann, oder man achtet die Regeln der Deklination und singt “ … den Helden von Berlin …“.

Die Tatsache, dass diese Zeilen niemand mit Apostroph schreibt, lassen mich traurig, aber auch wütend werden. Und Emotionen sind nun mal das, was im Fußball zählt.

Bemerkenswert an dieser Stelle, dass selbst die größten Deppen es hinbekommen haben, bei dem Song zur WM — „Es gibt nur ein‘ Rudi Völler“ — den Apostroph richtig zu setzen.

Vergesst niemals den Akkusativ, den Stiefvater der schwachen Deklination. Norbert Dickel allerdings sollte immer der Helden von Berlin bleiben.

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Magath, die komplette Fehlbesetzung

Es spricht mir aus der Seele, was ich hier lese. Ich halte Magath für einen vollkommen überschätzten, sich nur geschickt mit der Aura eines Strategen („der Schachliebhaber“) und eines gelassenen Trainers („der Teetrinker“) umgebenden großen Irrtum. Tatsächlich hat man von seinen „gewieften“ Strategien bislang noch bei keiner der von ihm trainierten Mannschaften etwas gesehen, vielmehr bestehen sein Credo und seine Strategie allein aus totaler körperlicher Fitness. Nicht sehr überzeugend, ist diese doch nichts weiter als die Grundvoraussetzung, um darauf aufbauend eine wie auch immer geartete Strategie umzusetzen.

Im auch ansonsten lesenswerten Beitrag in der Zeit über die Gründe dafür, dass der HSV im Gegensatz zu den Bayern aus seiner Topstellung in der Liga Ende der 1970er Jahre heraus keine Kontinuität bei seinen Erfolgen schaffte, lesen wir u. a. diese Zeilen, die man sich in Wolfsburg vielleicht vor der Verpflichtung des dreifachen Magaths zu Gemüte führen hätte sollen:

„Die Hamburger dagegen versäumten einen Transfercoup ähnlicher Größenordnung [wie der Rummenigges], obwohl ihr damaliger Kapitän und Mittelfeldregisseur Felix Magath ebenfalls gutes Geld hätte bringen können. Stattdessen löste Magath 1986 Netzer als Manager ab, was sich als komplette Fehlbesetzung erwies.“

Sehenswert auch das Bild eines dynamischen Dummschwätzers im BP-Trikot des HSV, die jüngeren Leser mögen vielleicht gar nicht wissen, dass der große Franz Beckenbauer auch zwei Jahre für den HSV in der Bundesliga spielte. Dass er danach sogar noch mal zurück zu Cosmos New York wechselte, war selbst mir bis vor ein paar Monaten nicht geläufig.

Allerdings betrug die Ablösesumme beim Transfer Rummenigges zu Inter Mailand knappe 11 Millionen DM und nicht Euro, wie die Zeit schreibt, dessen bin ich mir ziemlich sicher, zudem weiß die englische Wikipedia-Seite über Rummenigge Ähnliches:

„In 1984, aged 29, he transferred for a record fee of ¤ 5.7m to Internazionale.“

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Was würdest du tun?

… wenn du Béla Réthy wärest und das Spiel gäbe nichts her?

Würdest auch Du zum zehnten Male erzählen, dass einer der Waliser in Kanada spielt? Oder dass Klose seit einem Jahr und zwei Tagen nicht mehr getroffen hat? Dass Jens Lehmann ein Problem mit seinem Ellbogen hat? Dass in Wales übrigens Rugby Sportart Nummer Eins ist? Dass John Toshack viel fetter als Jogi Löw ist?

Oder würdest Du vielleicht einfach mal die Klappe halten, wenn es nichts zum Spiel zu sagen gäbe? Würdest Du diese Chance nutzen können, ihrer überhaupt erst gewahr werden? Denke drüber nach, lieber potenzieller Kommentator.

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Handgestoppt

Das Interessante am Adjektiv-Präfix „hand-“ ist, dass es eigentlich eine Auszeichnung sein soll.

Ein „hand-“geirgendwastes ist immer besser als ein nicht-“hand“-geirgendwastes. Das gilt bestimmt für handgemachte Teekannen oder handgemachte Fußbälle. Für handgeblasene, ach nee, für handgeformte Sitzschalen oder für handgewaschene Wäsche, für handgezählte Zuschauer oder Mengen, für handgefühlte Temperatur.

Allein beim Adjektiv „handgestoppt“ gilt das nicht. So fürchte sich, wer mit dem Adjektiv „handgestoppt“ werben möchte, wenn es um die Laufbestleistung von Fußballern über die 100m-Distanz geht. Oder schäme sich, ganz nach Arbeitssituation.

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Auch Du, mein Sohn, Jens

Inhaltlich passt das Zitat leider gar nicht, weil Jens keinen Kaiser ermorden wird. Er wird aber ebenfalls den richtigen Zeitpunkt für seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft verpassen, wie so viele vor ihm. Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich ein großer Anhänger von Lehmanns Torwartkünsten bin. Und die zwei Fehlerchen am Anfang der Premier League sollte man ihm eigentlich verzeihen, so wie man jedem Torwart ein, zwei Fehler pro Saison nachsehen sollte.

Dass er jetzt aber, im Alter von 37 Jahren, verkündet, auch bei der WM 2010 noch im bundesdeutschen Tor stehen zu wollen, lässt auf zweierlei schließen:

1. Er hat die Fähigkeit verloren, seine Kräfte und vor allem den immer schnelleren Abbau seiner Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter richtig einzuschätzen. In von heute aus gesehen drei Jahren wird Lehmann nicht mehr annähernd das Niveau besitzen, das er zur Zeit zweifelsohne noch hat.

2. Er spekuliert darauf, dass die aktuell (in Europa) fast konkurrenzlos scheinende deutsche Mannschaft ihre Form bis in drei Jahren wird halten können. Würde er eine WM spielen wollen, wenn absehbar wäre, dass sie wie die EM 2000 endet? Sicher nicht, er hofft eben auf Zoffkeske späte Lorbeeren. Auch damit beweist er, gerade für sein Alter, erstaunliche Uneinsichtigkeit. Drei Jahre sind eine Ewigkeit, bis dahin wird Podolski schon verwelkt sein, es wird ein wahrscheinlich relativ unerfahrenes Mittelfeld auf den Platz treten und die vielen, jetzt gerade hochgejubelten Talente wie eben jener Kroos, wie Helmes oder Wagner sind wieder zurück zum FC Augsburg, Carl Zeiss Jena respektive FC Bremerhaven.

Lehmann, sieh’s ein.

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Odontor

Man muss ja nicht immer in Sevilla auf der Ersatzbank rumhängen, um zu erkennen, dass man sich nicht immer durchsetzen kann.

Man kann auch durchaus Torschütze Vorbereiter (Dank an dafeld) eines elementar wichtigen Tores in einem international wichtigen, namentlich einem WM-Spiel, sein und trotzdem keine große, internationale Karriere vor sich haben.

Dann sollte man lieber früher als später zum VfL Bochum wechseln, oder zum Hamburger SV, vielleicht zu Hannover 96, zu einem mittel-erfolgreichen Bundesligaverein, bei dem man dann vielleicht dreieinhalb Tore pro Saison vorbereitet.

Was man auf keinen Fall tun sollte, ist, zu glauben, man wäre schon so weit, dass man der Nationalelf auch an schlechten Tagen weiterhelfen könne. Dann sollte man froh sein, wenn man eine Nominierung per Post seit der Ära Klinsmann per Email bekommt, dann aber auch so frei sein, zuzugeben, dass man lieber nicht mitspielen möchte, wenn man so auftritt wie im Länderspiel in England.

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Harry Wijnvoord und die deutsche Nationalmannschaft

Mittags in Deutschland.

Ich beginne mal wieder mit den üblichen Worten: „Ja, nee,“ nicht die Männer-, sondern die Frauen-Nationalmannschaft. Harry Wijnvoord hat schon lange abgedankt bei „Der Preis ist heiß“. Eventuell gibt es die ganze Sendung samt ihres grotesken Walters nicht mehr. „Ruck-Zuck“ könnte da nachgerückt sein, aber auch das ist wohl schon wieder tot.

Wer jetzt sehr traurig ist, weil er nicht mehr weiß, was er an einem freien Tag mittags im Fernsehen schauen soll, dem kann geholfen werden: Ungefähr zur selben Zeit werden normalerweise Länderspiele der Frauen-Nationalmannschaft gesendet.

Gott weiß, warum. Selbst die U21-17 der Männer spielt nicht mittags.

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