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Monat: September 2008

WM-Maskottchen 2010

Das WM-Maskottchen für die ©®™€€$$$-Irgendwas im Winter 2010 ist raus:

Es heißt Jakamoto Iza Zakumi. Ein typisch afrikanischer Name, ganz so wie Sami Hyypiä auch ein typisch europäischer Name ist oder Nesat Gülünoglu oder wenn man es wirklich auf die Spitze treiben will: Pierre Littbarski.

Nun, Jakamoto Iza Zakumi also heißt das WM-Maskottchen. „So ist der Afrikaner“, speziell der von der FIFA™ finanzierte.

ZA steht für ZüdAfrika, kumi für die Zahl 10, eine Zahl, die uns, so die Massen wollen, in Sportfreunde-Stiller-weise beim nächsten großen Turnier möglicherweise wieder zum Halse raushängen könnte.

Im südlichen Südafrika — das Pendant zum östlichen Ostwestfalen — soll „kumi“ sogar ungefähr „komm her“ oder „komm her zu mir“ bedeuten oder zumindest so verstanden werden können, was zwei grundverschiedene Dinge sind, uns aber nicht davon abhält, anzunehmen, dass wir vor allem wegen des Geldes kommen sollen, welches wir selbst entweder mit warmer oder mit kalter Hand abdrücken.

Ein Leopard also ist das Maskottchen der WM in Südafrika. Das ergibt wohl mehr Sinn als für einen Löwen das WM-Maskottchen für eine WM in Deutschland zu sein. In Afrika hat man sicher mal den einen oder anderen Leoparden gesehen, einen Löwen ganz bestimmt sogar. In München und oder Deutschland hat man den letzten echten Löwen erst beim Verhandhandlungstermin von Wildmoser Jr. vor dem Amtsgericht München gesehen, als er zu x Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Andere Löwen, ob nun 1860er oder andere, gibt es in Deutschland eigentlich nicht.

Leoparden hingegen gibt es, wie gesagt, durchaus einige in Südafrika. Davon abgesehen muss man sich schämen, dass Deutschland ein Non-Maskottchen wie Goleo und/oder Pille in die Bildergalerien der Onlinemagazine dieser Welt geschickt hat, während Zakumi tatsächlich Charme besitzt. Noch kein Brüller, der Leopard, aber das muss er auch nicht sein, er muss nur schnell rennen. Vor allem über die Theken der Merchandising-Shops dieser Welt. Könnte gelingen.

(Dass der (Süd-)Afrikaner an sich damit mehr Mut zur eigenen Kultur beweist als der Deutsche ™ an sich, muss man gar nicht verwundert zur Kenntnis nehmen.)

Alles zum Thema Goleo gibt’s hier.

Alles zum Thema Maskottchen gibt’s hier.

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Wie die Realität das Leben nachzeichnet

Oder umgekehrt.

Neulich, beim Arzt.

Im Behandlungszimmer, in dem immer mehrere Patienten gleichzeitig behandelt werden.

Patient: „Aua. Das tut weh.“

Arzthelferin: „Ja, das ist ein Druckschmerz, wenn man draufdrückt, ne?“

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Karies und die sieben Geißlein

Man zitiert ungerne den EXPRESS, FOTO oder RPO, dieser mittlere Knüller aber hat es verdient. Ümit Özat, türkischer Profi beim 1. FC Köln, ist letztens auf dem Spielfeld zusammengebrochen, woraufhin Christoph Daum schon diverse Untergangsszenarien in die Mikrofone stammelte und der Spieler selbst wenige Tage später in zivil im Stadion auftauchte, um sich vor der Partie gegen den FC Bayern für die große Anteilnahme an seinem Schicksal und die vielen Genesungswünsche zu bedanken.

Wie das so ist, wenn medizinisch irgendetwas im Argen liegt, fragt dann irgendjemand gleich danach, ob man das nicht vorher hätte ahnen können. Z. B. dass Spieler xyz an jenem Sonntagmittag vom Blitz erschlagen werden würde, weil er eine (und jetzt verlassen mich meine Physik-Kenntnisse) Plombe aus, ähm, Gold! trug. Oder eine aus Kupfer? Oder ob man nicht hätte ahnen können, dass jener Spieler schlapp wie eine ebensolche Nudel wegen einer Lebensmittelvergiftung zwei Gegentore verschulden würde oder ob eigentlich überhaupt niemand hätte ahnen können, dass es anderthalb Stunden später anfangen würde zu regnen.

Ganz so abstrus ist die Frage jedoch nicht, ob Fehler passiert sind, frag nach beim wenn auch geschmacklos selbstinszenierten, aber im Recht befindlichen Ivan Klasnic. Hat irgendein Mediziner vom 1. FC Köln also versagt, indem er entscheidende Erkenntnisse nicht gewann, die er aber hätte gewinnen können? Dazu lesen wir bei RPO:

Nach der Untersuchung im Sommer gab der Arzt Ümit nur den Rat, sich Karies an sieben Zähnen entfernen zu lassen. Dem „Express” bestätigte Böhle: „Die Situation ist beschrieben. Wenn Ümit das so gesagt hat, ist das nicht falsch.“

Ich bin auch schon mal zu spät zum Zahnarzt gegangen und ich habe es auch bitter bereut, dafür (mit einem Zahn) bezahlt und meine Lektion gelernt. Karies an gleich sieben Zähnen gleichzeitig hatte ich damit aber nicht erreicht, obwohl ich mich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ungesünder ernähre als ich es von einem Leistungssportler annehme. Wie lange muss man nicht mehr beim Zahnarzt gewesen sein, um sieben faule Zähne sein eigen zu nennen? Und welche Unmengen an Karies-auslösender Nahrung muss man sich einverleiben, um zu solch einer rekordverdächtigen Bilanz zu gelangen? Hat Ümit Özat womöglich gar keine Zahnbürste? Wir wissen es nicht, wissen aber, dass das gerade unter Christoph Daum niemals hätte passieren dürfen. Der rühmte sich doch zu Leverkusener Zeiten, dass er alle seine Spieler erstmal zum Zahnarzt schicke, auf dass eventuelle kleinste, leistungshemmende Entzündungen, die sich gerne im Zahnfleisch einnisten, erkannt und geheilt werden. Entweder wuchs diese Maßnahme doch nur auf dem Mist seines Stabs und ihm selbst ist es egal („Muss man auch mal die Zähne zusammenbeißen!“), oder Özat war besonders geschickt darin, diese Termine zu schwänzen. Ziemlich unprofessionell, wenn auch menschlich. Allerdings kann man Angst vorm Zahnarzt mittlerweile so gut behandeln wie Flugangst. Von billigem Karies ganz zu schweigen, von einer noch billigeren Zahnbürste erst recht.

(Ganz abgesehen davon stinken so angefaulte Zähne auch ordentlich, komisch, dass Frau Özat da nicht schon viel eher interveniert hat. Sieben Zähne, mein lieber Scholli. Da bleiben ja nur noch Achteinhalb gesunde über. Dann doch lieber so wie Ribéry: hässlich, aber gesund (die Zähne, mein ich).)

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Kuschelverein Bundesliga

Nach der Gladbacher Borussia hat sich nun auch selbige aus Dortmund bei Dietmar Hopp für Schmähgesänge aus den eigenen Reihen gegen dessen Person entschuldigt.

„Wir werden alles daran setzen, dass Leute, die unter dem Deckmantel von BVB-Fans aus der Rolle fallen, nicht länger den Ruf des BVB beschädigen“, so Watzke weiter.

Deckmantel des BVB-Fandaseins? Und solch ein Fan ist nur einer, wenn er alle Klubs der Liga und alle anderen handelnden Personen bei gegnerischen Vereinen lieb hat?

Hat sich eigentlich schon mal jemand von den Präsidenten der Klubs bei Oliver Kahn entschuldigt? Bei allen möglichen weiteren Torhütern, die zu jedem Abstoß einen schönen Gruß bekommen? Bei einem Schalker Spieler, der in Dortmund oder vice versa, verunglimpft worden ist? Hat sich schon mal jemand für „Fischköppe“, für „Ostwestfalen, Idioten“ entschuldigt? Ist schon mal jemand verfolgt worden, weil er irgendjemandem zurief, dass er wisse, wo sein Auto stand?

Ihr Borussias, zieht die Röcke aus.

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Wonderful Spam Schaaf

Schaaf, Schaaf, Schaaf, lovely Schaaf

Wonderful Schaaf, Lovely Schaaf.

Schaaf, Schaaf, Schaaf, magnificent Schaaf,

Superlative Schaaf.

Schaaf, Schaaf, Schaaf, wonderous Schaaf,

Surgical Schaaf, splendiferous Schaaf.

Schaaf, Schaaf, Schaaf, Schaaaaf!

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Die Verwandlung

Als K. eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Flop verwandelt.

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Orospu! Babelfish dabei?

Orospu! Orospu çocuğu!

Seit wann muss ein in der Bundesliga tätiger Schiedsrichter alle möglichen Sprachen der Welt beherrschen, um zu entscheiden, was eine Beleidigung ist, und was nicht? Dass das spanische Wort „puta“ „Hure“ bedeutet, weiß man spätestens seit David Beckhams Beleidigung gegen einen Schiedsrichter, als er noch im seriösen Fußball aktiv war, bei Real Madrid. Sein „hijo de puta“ in Richtung eines Schiedsrichters bedeutete demgemäß „Hurensohn“.

Kann man jedoch von einem Schiedsrichter erwarten, dass er alle denkbaren und undenkbaren Schimpfwörter und -formulierungen zumindest in den gängigen Sprachen der Bundesliga — Niederländisch, Portugiesisch, Italienisch, Rumänisch, Bulgarisch, Polnisch, Schwedisch, Dänisch, Französisch, Kroatisch, Serbisch, Albanisch, Türkisch, Griechisch, Slowenisch, Tschechisch, Japanisch, Englisch, Russisch, Spanisch, Arabisch und noch ein paar weitere — nicht nur übersetzen, sondern auch auf ihre Unflätigkeit einschätzen kann?

Nein.

Insofern dürfen Marcelo Bordon und jeder andere in ihrer Heimatsprache fluchen und verdammen, wie sie lustig sind, das muss unbestraft bleiben. Was man dabei bestrafen kann, sind Gestus, Mimik und vielleicht auch Tonfall, nicht aber der Inhalt. Ein Schiedsrichter ist doch kein wandelndes Universalwörterbuch. Jemanden für das Wort „puta“ bestrafen zu wollen, während man zum Beispiel das hierzulande weniger bekannte türkische Wort für die selbe Profession, „orospu“ nämlich, ungestraft ließe, wäre eine eindeutige Bevor-nachteiligung eines Spielers, einzig aus dem Grund, dass seine Muttersprache hierzulande bekannter ist als irgendeine andere Fremdsprache. Nein, das wäre unfair.

Und so viel Sprachkenntnisse kann man auch von keinem Schiedsrichter oder Kontrollausschuss erwarten.

Inspiriert von Herrn Wieland, der auf diesen Beitrag verweist.

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Hertha baut neues Stadion, Stimmung inklusive

Endlich hat man erkannt, woran die schlechte Stimmung bei Fußballspielen der Hertha liegt. Sie ist weder durch den muffeligen Berliner an sich zu erklären, noch durch jedes Jahr neu zusammengewürfelte Mannschaften mit Trainern, deren Halbwertzeit meist kürzer ist als die geplante Laufzeit ihres „Projektes“, noch liegt es etwa an der Vereinsführung, die sich diesen Müll zusammenstümpert. Der Schuldige ist ausgemacht, und der kann sich nicht mal wehren: Es liegt am Stadion.

Um Abhilfe in punkto schlechte Stimmung zu schaffen, wird nun also ein neues Stadion gebaut und dann ist alles gut und morgen ist Weihnachten.

Dennoch kann man nicht abstreiten, dass es auch Positives für Hertha an diesem neuen Stadion gibt: In eine europapokalgerechte Bestuhlung braucht man zum Beispiel nicht zu investieren. Außerdem: Auch der ÖPNV um das neue Stadion herum muss nicht großartig erweitert werden. Vielleicht ein neuer Mülleimer für die Schals von den wenigen verbliebenen, enttäuschten Fans an der Bushaltestelle. Ein echtes Denkmal Dieter-Hoeneß’scher-Beliebtheit wird dieser neue Versuch werden, das Unmögliche möglich zu machen, nämlich dem Fußball adäquate Stimmung, wenn die Hertha spielt.

Wäre der 1. FC Kaiserslautern nicht zufällig wieder auf dem aufsteigenden Ast, könnte man den Berlinern glatt einen Umzug ins bei weiterem Misserfolg vom FCK nicht mehr benötigte Fritz-Walter-Stadion ans wenig ausgeprägte Herz legen. In Berlin würde es keinem auffallen, dass die Hertha fehlt, und in Kaiserslautern wäre man nur ob der neuen Namen verwundert, nicht aber ob der Spielweise der Spieler. Das Gewürge kennt man in Kaiserslautern in den letzten Jahren zur Genüge. Nun, der FCK ist aber nicht in Richtung 3. Liga unterwegs, womit der Hertha BSC wohl in Berlin verbleiben muss und sich mit einem solchen neuen Fußballtempel die gute Stimmung einfach per Bauwerk ins Stadion holt.

Zweifel am Gelingen dieses Vorhabens verbieten sich dem Kenner von selbst. Frag nach beim Bruder des Managers. Wer ist noch mal verantwortlich für die Scheißstimmung?

Siehe auch einen der ersten Beiträge auf dieser Seite.

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NÖ means NÖ — NÖ-Fußball

Was ist NÖ-Fußball?

Man würde annehmen, dass „NÖ-Fußball“ entweder das ist, was Energie Cottbus in dieser Saison oder Griechenland seit Otto Rehhagel spielen. Oder etwas, was nur in den frühen 1980ern vornehmlich im Dunstkreis von Drei-Akkord-schrammelnden Ansammlungen unmusikalischer, aber in den Vorzug von 0,33l-Bierdosen gekommen seiender Menschen en vogue gewesen sein kann.

Doch, ach, andere Länder, andere Abkürzungen: NÖ-Fußball ist lediglich die Bezeichnung für Fußball in Nieder-Österreich. Was, wie man hier weiß, nur entfernt etwas mit Fußball zu tun haben kann.

Es gibt bei diesen seltsamen Neinsagern — so kennt man die Österreicher gar nicht — noch mehr dieser Kajüte: eine NÖ-Landesgartenschau, das Theaterfest NÖ, das Sportland NÖ und die NÖ-Landersregierung. Ja, so stellt der kleine Mann sich Regierungen vor.

Sind Blogger von dort eigentlich auch NÖ-Blogger? Wir sagen: NÖ.

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England wide behinter

Ach, Engeland, ach, Engeland.

Hierzulande immer hochgelobt, im Endeffekt dann doch nix anderes als Wattenscheid gegen Schwarz-Weiß Essen. Warum auch? Warum sollte es dort anders sein? In Dänemark, Österreich oder Nordfrankreich ist es doch auch nicht anders als hier. Es sind immer dieselben Schwachköpfe, deren Sinn für Ironie oder Kreativität kurz hinter dem Fangzaun endet. So beschreibt Herr Soundso von Manchester City bei den 11Freunden das Tolle an der Fankultur von Manchester City mit folgenden Worten:

Vergleichbar mit einem Klub wie dem FC St. Pauli in Deutschland?

Vielleicht. Auch Citys Fankultur hatte in den 80er Jahren ihre Hochphase, wir brachten damals zum Beispiel als erste Fans aufblasbare Bananen in die Stadien.

Aufblasbare Bananen.

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Die 3:3-Woche: Endlich wieder Fleisch

Hatte da irgendjemand über Fußballmüdigkeit geklagt oder darüber, dass der Fußball vorhersehbar sei wie des Dummschwätzers Gabe, sich innerhalb eines Satzes zu widersprechen, obwohl er gar keine sinnvolle Aussage tätigt, der war getäuscht.

Vermeintlich Kleine gibt es im Länderfußball noch. Man erkennt sie daran, dass Berti Vogts bei ihnen Nationaltrainer ist oder daran, dass die Zeitungen genüsslich die Hauptberufe der jeweiligen Amateurspieler auflisten. Busfahrer ist dabei immer ganz beliebt, Lagerist, manchmal auch (Sport-)Lehrer oder natürlich Student, meist für Sport auf Lehramt. Andere Kleine gibt es hingegen kaum noch, zumindest gehört Finnland schon länger nicht mehr dazu. Wer will denn da übersehen haben, dass die Premier League dem übrigen Fußball weit enteilt zu sein scheint? Und wer will denn da übersehen haben, dass sich der Kader der Finnen hauptsächlich aus Spielern aus mittelgroßen Vereinen rekrutiert, so wie es die Vereine von Serdar Taşçı, Robert Enke oder Simon Rolfes eben auch sind? Dass Finnland zuletzt in einer starken Gruppe mit Polen, Portugal und Serbien nur um drei Punkte an der EM-Qualifikation scheiterte?

3:3 also gegen Finnland, wohl in der Entstehung, nicht aber im Endresultat überraschend: auswärts ein Remis gegen den zweiten Mitkonkurrenten um den Gruppensieg. Und nach dem Spielverlauf sicher ein Punktgewinn. Ein Gewinn vor allem im Punkte Unterhaltung. Nämlich für jene Public-Viewing-Zuschauer, denen es nichts ausmachte, ohne Event-Fans mehr oder weniger alleine vor den nirgends aufgebauten Leinwänden bei frühherbstlich kaltem Wetter und ebenso kaltem Bier auszuharren, welches man ohne die langen Schlangen, die man zu Turnieren bewältigen muss, erworben hatte, mit dem — tatsächlich fachkundigen — Nebenmann, der allerdings erst in weiter Ferne erspäht werden konnte, sich Fachsimpeleien zuschreiend. Niemand stand im Bild und niemand hatte Wurst-Ketchup-Senf aufgetragen. Es waren ja ohnehin nur zwei Leute da, freie Sicht also für jedermann. Kein Gewinner hingegen an den Mikrofonen der Überträgern: Oliver Kahn verliert sich in inhaltsleeren Banalitäten, dass man befürchten muss, er möchte den Dummschwätzer in seiner Eigenschaft als solchen beerben. Wobei Oliver Kahn, wenn er inhaltlich nichts sagt, sich auch nicht widersprechen kann, womit er dem Dummwschwätzer etwas voraus hat. Was sein Hülsenfeuerwerk aber nicht weniger überflüssig macht: Es ersteht der Eindruck, dass Kahns Kiefer einfach zu groß ist, um auch noch das Hirn mit Blut zu versorgen.

3:3 auch in Dortmund und jetzt rufen sie alle wieder nach dem Videobeweis oder nach anderen, besseren Pfeifen an ebenjenen, auf dass solche Ungerechtigkeiten nicht und in dieser Lebensspanne schon gar nicht mehr zu bedauern seien. Dabei übersehen sie gerne, dass das Spektakel (respektive Skandal) gar kein solches wäre, wenn es diese Fehler nicht gäbe. Natürlich will kein Beteiligter, dass in jedem Spiel ein gewisser, sicherer Prozentsatz an Fehlentscheidungen getätigt wird, nur damit Unterhaltung herrscht. Der Wunsch nach Fairness scheint dem Menschen immanent zu sein. Zumindest so lange, wie kein eigener Vorteil möglich ist. Fraglich, in welchem Kleiderschrank all diese Geiferer Fräulein Smillas Gespür für Fehlentscheidungen eingesperrt halten, wenn sie selbst dann tatsächlich mal von Fehlentscheidungen anderer profitieren. Wer klinisch saubere Entscheidungen möchte, soll in den OP-Saal gehen, wo die Fehlerquote etwas besser, aber immer noch nicht perfekt ist. Ein Zustand, auf dessen Erreichen wir so lange warten können wie darauf, dass Schalke mal 90 Minuten lang attraktiven und erfolgreichen Fußball spielt.

3:3 auch in Hamburg, wenn man mit einrechnet, dass Leverkusen nur 334 Stunden und 10 Minuten zur Regeneration hatte und Hamburg derer 334 und 14 Minuten, war doch die letzte Partie der Hamburger vor ungefähr zwei Wochen früher als die der Leverkusener beendet worden — ein klarer Wettbewerbsnachteil, der unter Berücksichtigung all der „hättes“ und „wäres“, die Fußballschauer an dieser Stelle gerne einfügen, punktgenau zu einem weiteren Tor für Leverkusen geführt hätte. Da wir hier aber ohne wenns und abers schreiben: 3:2 also in Hamburg und der HSV scheint sich daran zu gewöhnen, von jetzt ab dem Gegner „zwei vor“ zu geben, damit die Zuschauer etwas für ihr Geld bekommen und die Mannschaft ab der 60. Minute spielen muss wie Norwegen in den 1990ern („Spielen immer so, als stünde es 0:1 in der 90. Minute“). Das wird man vor allem in Gladbach und vor allem für das Auswärtsspiel in Hamburg gerne hören, wobei man bei jenen eher auf „drei bis vier vor“ hoffen sollte. Diese seltsame Maßnahme der Hamburger mag aber auch nur dem niederländischen Trainer geschuldet sein, dem man den Aufenthalt an der Alster so heimelig wie möglich gestalten will. Um erst gar kein Heimweh aufkommen zu lassen, spielt man ebenso offen und mit vielen Gegen- und Toren wie der neue Trainer es seit Jahr und Tag aus der Eredivisie kennt, wo ein 5:3 oder ein 8:1 eher die Regel als die Ausnahme sind. Was Uwe Seeler zu der neuen Spielweise des HSV sagt, war leider nicht zu verstehen, geistig, Günter Netzer hingegen sieht den HSV schon auf dem Weg zum Titel (FOTO-Zeitung) bzw. eben nicht (alle übrigen Zeitungen). Diese „der Gegner hat zwei vor“-Methode wird sich nämlich noch rächen, spätestens dann, wenn man es erst kurz vor Schluss schafft, 0:2 hintenzuliegen und die Zeit zu knapp wird, den Rückstand noch aufzuholen.

Bliebe noch Prinz Pussy zu erwähnen, der jedes Mal anfängt zu weinen, wenn er ein Tor gegen die Ex-Seinen erzielt. Für ihn ist zu hoffen, dass er nicht mehr allzu oft in seinem Leben den Verein wechselt, sonst geht das Gewinsel inklusive Exculpation bei allen weiteren in Europa verstreuten Patenkindern und ehemaligen Nachbarn, Zeitungszustellern und Kinderärzten noch bei jedem zweiten Spieltag los. Das wäre dann eher mimosig, und somit wenig fleischig.

Ansonsten war’s aber ganz gut durch, diesmal.

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Der Madonna-Pur-Komplex

Im Gegensatz zum echten Madonna-whore-complex ist der Madonna-Pur-Komplex einer, bei dem sich ganz leicht entscheiden lässt, was gut und was definitiv nicht gut ist. Wozu diese Aufregung in Frankfurt, nur wegen einer klitzekleinen Spielabsage? Das hat’s früher häufig gegeben.

In Frankfurt sollte man eher froh sein, dass der Name des eigenen Clubs mit einer wenigstens halbwegs akzeptablen Sängerin in Verbindung gebracht wird. Man stelle sich vor, eine vergleichbare Absage wäre auf Schalke passiert: Dann wären die Gazetten (sagt man das heute noch so?) jetzt voll mit Schlagzeilen, die den FC Schalke 04 und die Band „Pur“ miteinander in Verbindung bringen. Also: von wegen halbleer, halbvoll ist diese Spielabsage!

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