Zum Inhalt springen

Autor: Trainer Baade

Neuer Rekord

Dass das nett anzusehende 13:0 in San Marino ein neuer Rekord bei Auswärtssiegen der deutschen Mannschaft ist, liest man überall. Es ist aber auch ein neuer Rekordsieg bei EM-Spielen. Der alte Rekord lag beim 12:1 von Spanien über Malta aus dem Jahre 1983.

Nach diesem Spiel gab es einige Verwunderung über das Auftreten der Malteser, da Spanien vor dem letzten Qualifikationsspiel in seiner Gruppe einen Sieg mit genau 11 Toren Unterschied benötigte, um sich vor die punktgleichen Niederländer zu setzen, was bei wenig Gegenwehr auf maltesischer Seite schließlich auch gelang.

Wie man sich erinnert, zog Spanien später in das Finale der Europameisterschaft ein, nicht ohne vorher im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland mit einem Tor in der 90. Minute den Totengräber für Jupp Derwall zu spielen. Was danach geschah, hat heute noch Auswirkungen auf den deutschen Fußball: Der mit der FOTO-Zeitung bestens verbündete Dummschwätzer wurde „Teamchef“.

3 Kommentare

Mit Legenden aufräumen: Matthäus und sein verschossener Elfmeter im Pokalfinale

Der Elfmeter, den Lothar Matthäus im Pokalfinale 1984 für Mönchengladbach verschossen hat, war nicht jener, der das Spiel entschied. Matthäus verschoss als allererster Schütze, nach je fünf Spielern stand es 4:4 im Elfmeterschießen.

Erst nach sechs weiteren Elfmetern (vor-)entschied der Gladbacher Norbert Ringels mit seinem Fehlschuss das Spiel, denn die letzliche Entscheidung bewirkte Michael Rummenigge mit seinem verwandelten Elfmeter zum 8:7-Gesamt-Endstand.

13 Kommentare

Blau dunstender Bernd

Von Uli Stein wusste man es, von Klaus Augenthaler wusste man es, Lothar Matthäus machte es in seiner üblichen weinerlichen Art klein („nur die ganz Leichten von Philip Morris“) und von einem der ganz Großen des Weltfußballs weiß man es nicht nur, man merkt es an seinen immer wiederkehrenden Herzoperationen und zu verlegenden Bypässen heute noch ständig: Johan Cruyff gehört auch dazu.

Dass aber Bernd Schneider ebenfalls unter den rauchenden Profifußballern zu finden ist, überrascht mich sehr. Ich bin fast schon geneigt zu sagen, dass er bezüglich seiner Technik und seines Spielwitzes durchaus in eine Reihe mit Johan Cruyff gehört.

Schaut man sich Schneiders Titelsammlung an, muss man trotz seiner großartigen Fähigkeiten wirklich Angst haben, dass dies der titelloseste Kapitän der Nationalmannschaft ist, der je eine Nationalmannschaft auf den Platz führte.

WM: 1× Platz 2 2002 mit Deutschland
1× Platz 3 2006 mit Deutschland
Confederations Cup: 1× Platz 3 2005 mit Deutschland
Champions League: 1× Platz 2 2002 mit Bayer Leverkusen
DFB-Pokal: 1× Platz 2 2002 mit Bayer Leverkusen
Bundesliga: 2× Platz 2 2000 und 2002 mit Bayer Leverkusen
1× Platz 3 2004 mit Bayer Leverkusen

Seine überragende Torquote von 2 Törchen in 74 Länderspielen als Mittelfeldspieler rundet die äußerst unglückliche Bilanz dieses vielfach unterschätzten — vielleicht gerade wegen dieser Zahlen — Spielers ab. Wollen wir hoffen, dass er die günstige Gelegenheit heute Abend nutzt, seinem Tor im letzten Spiel gegen Schweden ein paar weitere folgen zu lassen und später mal nicht allzusehr im Tal der Nichtbeachtung beim Betrachten der Länderspiel-Statistiken zu versinken.

8 Kommentare

Zahl der Woche – Folge I

4:143 Tore lautet San Marinos Torverhältnis bei 34 Niederlagen in 34 Spielen in der EM-Qualifikation. Ich hoffe, morgen Abend lautet es wenigstens 4:150, aber sicher bin ich mir da nicht.

1 Kommentar

Buffon bezwingen

Nachdem die WM vorbei ist, hat die Zahl der nett gemachten Spielchen, die einem so über den Weg laufen, rapide abgenommen. In einem Land Bei einem Sportartikelhersteller aber ist eher das Gegenteil der Fall: natürlich bei der Marke, die den Weltmeister ausrüstet.

Elfmeterschießen gab es auf dieser Webseite schon haufenweise zu betrachten, man bemühe die Rubrik „Aus Liebe zum Spiel“ für die einzelnen. Spiele. Noch nie aber konnte man dabei gegen einen echten Profi spielen: Im Tor steht Gianluigi Buffon.

Vorsicht vor der Hintergrundmusik: Ohrwurm-Gefahr. [Link leider tot]

Einen Kommentar hinterlassen

Für alle Gegner des Elfmeterschießens

Auch wenn es von den Gegnern des Elfmeterschießens nicht mehr so viele gibt, sei hier noch mal darauf hingewiesen, wie unentschiedene Spiele vor Einführung des Elfmeterschießens entschieden wurden:

„Nach dem 0:0 im Halbfinale gegen Jugoslawien musste der Münzwurf über den Endspieleinzug entscheiden, er wählte die richtige Seite.“

Das schreibt der Herr kicker in seinem Beitrag über den jüngst verstorbenen Giacinto Facchetti. Eingeleitet wird dieser hier zitierte Abschnitt übrigens mit den Worten

„1968 war er entscheidend am EM-Sieg beteiligt.“

Einen Kommentar hinterlassen

Andere Länder, andere Sitten

In England heißt die erste Liga Premier League. Die zweite Liga heißt Championship League. Die dritte Liga heißt League One und die vierte Liga heißt League Two.

3 Kommentare

Ausnüchterungszellen

Die Welt berichtet vom Länderspiel in Stuttgart:

„Zwar waren die Ausnüchterungszellen bereits [um] 23 Uhr voll belegt. ‚Aber nur von Besuchern des Stuttgarter Weindorfs ein paar Straßen weiter. Fußballfans waren nicht bei den Betrunkenen‘, versicherte ein Polizeisprecher.“

Klar, denn Fußballfans saufen nicht nur ein Mal im Jahr, wenn zufällig gerade Weinfest ist, sondern jedes Wochenende. Manche auch öfter. Da können sie saufen wie sie durstig sind, umfallen werden sie mit dieser Konstitution nicht so schnell.

Einen Kommentar hinterlassen

Sceneit?

Echt nett, wenn man dieses „offizielle“ Quiz rund um Fußball geschenkt bekommt — mit Spielszenen zu den Fragen auf DVD. Dass es erst nach der WM ankommt und somit ein bißchen nach dem Hype, macht überhaupt nix.

[photopress:sceneit.jpg,full,centered]

Was allerdings etwas ausmacht ist, dass ich keinen DVD-Player habe. Muss ich wohl immer auswärts spielen.

3 Kommentare

„Mannschaftliche Disziplin“ und ein Prophet, alle Weltklasse

Warum der Herr kicker bei jedem zweiten Sportler, den er für sein WM-Sonderheft nach einem WM-Tipp befragte, hinzufügte, dass dieser Sportler „Weltklasse“ sei, bleibt uns für die nächsten Dekaden ein Rätsel.

Was diese Weltklasse-Leute so abgesondert haben vor der WM, war teils von großer Weitsicht geprägt, teils von blankem Unwissen.

„Tobias Unger (26, Weltklasse-Sprinter)

Weltmeister wird Deutschland, weil keiner so richtig daran glaubt. Unser Schwabe Jürgen Klinsmann schafft es, die Jungs richtig heiß zu machen. Außerdem wird Miro Klose mindestens fünf Tore bis zum Finale schießen.“

„Alessandro Petacchi (32, italienischer Weltklasse-Radprofi)

Ich habe gehört, das italienische Team logiert in einem Hotel, das ganz und gar italienisch sein soll. Also gibt es für die Spieler auch keine Ausrede, warum sie den Titel nicht holen können.“

„Thommy Haas (28, deutscher Weltklasse-Tennisspieler)

Ich tippe auf Brasilien, wegen der unglaublichen Masse an Ausnahmefußballern und der mannschaftlichen Disziplin. Aber auch Argentinien und — hoffentlich — Deutschland sind ganz vorne mit dabei.“

Mit der unglaublichen Masse kann eigentlich nur der hier gemeint gewesen sein.

Einen Kommentar hinterlassen

Endlich gibt es wieder Remis im Fußball

Lange Zeit mussten wir uns mit Unentschieden begnügen, endlich sind sie wieder da, die (außer in den USA) heiß geliebten Remis. Deshalb musste weltfussball.de auch gleich die Bilanz gegen Irland in die neue Wertung umrechnen:

[photopress:remis.jpg,full,centered]

3 Kommentare

Die wahre Tabelle

Bei der früher bekannten, beliebten und vor allem betriebenen Seite „Blutgrätsche“ gab es die Einrichtung der „wahren Tabelle“ [Link offenbar tot]. Alle vom Herrn kicker aufgelisteten gravierenden Fehlentscheidungen wurden in das Endresultat einer Partie eingerechnet und so entstand eine „wahre Tabelle“, wie sie bei vermeintlich richtigen Entscheidungen der Schiedsrichter ausgesehen hätte.

Bei der WM gibt es nur ganz, ganz kleine Tabellen, weil es nur ganz, ganz kleine Vorrundengruppen gibt. Gerade weil sie so klein sind, wiegt jede Fehlentscheidung in einem Spiel ungleich schwerer als in nur einem von 34 Meisterschaftsspielen.

Gut möglich, dass ich hier die „Vereinsbrille“ aufhabe, da ich erklärter Sympathisant des australischen Fußballs bin. Sieht man sich aber diese von Eugen Strigel („öp-säids“) verfasste erstaunlich ehrliche Auflistung von Fehlentscheidungen bei der WM an:

„Australien – Japan am 12. Juni

Nach wie vor stellt natürlich der Torraum einen besonderen Schutz für den Torwart dar. Der australische Torhüter Schwarzer wurde von einem Gegenspieler beim Kampf um den Ball weggestoßen. Das 1:0 für Japan war nicht korrekt. Hier hätte Schiedsrichter Abd el Fatah abpfeifen müssen.“

„Kroatien – Australien am 22. Juni

Ein tolles Fußballspiel, nur nicht für Schiedsrichter Graham Poll. In den Anfangsminuten unterblieb bei einem klaren Halten von Simunic ein Strafstoßpfiff für Australien. Dann übersah der Schiedsrichter ein Handspiel des Kroaten Tomas im eigenen Strafraum. Hier stellte Graham Poll nach seiner Aussage zwar das Handspiel fest, durch die Kurzarmhemden war für ihn aber nicht auszumachen, welchem Spieler das Handspiel unterlief. Und dann kam noch ein „Anfängerfehler” dazu. Simunic sah dreimal Gelb.“

(Strigel vergißt hier, dass Poll noch dazu die Partie abpfiff, als Australien gerade im Begriff war, ein Tor zu erzielen — der Ball landete am Ende dieses Angriffs im kroatischen Netz. Man pfeift normalerweise nicht ab, wenn eine der beiden Mannschaften gerade im gegnerischen Fünfmeterraum zum Schuss ansetzt.)

„Italien – Australien am 26. Juni

Mit einem Strafstoß in der Nachspielzeit für Italien wurde diese Partie entschieden. Der Australier Grosso grätschte nach dem Ball, sein Gegenspieler fiel dann über Grosso und Schiedsrichter Medina aus Spanien pfiff Strafstoß (siehe Foto oben rechts). Für mich wäre Weiterspielen hier die richtige Entscheidung gewesen.“

(Gemeint sind der Italiener Grosso, der fiel, und der Australier Neill, der grätschte.)

und behält im Hinterkopf, dass der Schiedsrichter der Partie Australien — Brasilien, Dr. Merkus Merk, von vielen Seiten für seine einseitige Leitung der Partie kritisiert wurde, kommt man auf insgesamt vier Spiele der Australier, in denen sie benachteiligt wurden. Das sind vier Spiele von vier gespielten, was nahe bei 100 Prozent liegt. Leider ist eine WM zu kurz, um das wie bei einer kompletten Saison im Laufe des Turniers wieder auszugleichen.

Mir liegen jegliche Arten von Verschwörungstheorien fern, auch wenn uns Vorfälle wie der italienische Manipulationsskandal oder das seltsame 5:2 von Athen gegen Tiflis zumindest aufmerksam werden lassen sollten. Hätten aber die Australier ihre Gruppe gewonnen, was sie ja bei einem 3:0 gegen Japan und einem 4:2 gegen Kroatien bei gleichzeitigem Remis gegen Brasilien getan hätten, wäre Australien gar nicht erst auf Italien getroffen. Aber weder liegen mir Verschwörungstheorien noch Aufrechnungen der Marke „hätte, wäre, wenn“ noch bedeutet es irgendetwas, wenn Australien nicht auf Italien, sondern auf irgendeine andere Mannschaft getroffen wäre — bedauerlich bleibt es trotzdem, dass eine der wenigen Mannschaften neben der deutschen, die mutig, aggressiv (im Rahmen des Erlaubten) und herzerfrischend gespielt hat, so früh die Segel streichen musste.

Für 2010 darf man jedenfalls Einiges von Australien erwarten, wo der Fußball zum ersten Mal so richtig zu Leben erwacht. Eine Wiederholung dieser Fülle von zweifelhaften Entscheidungen gegen Australien ist nicht sehr wahrscheinlich, und so dürfen wir uns vielleicht gar auf einen Viertelfinalisten Australien freuen.

Inspiriert durch indirekter-freistoss.

4 Kommentare