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Kategorie: EM 2008 – Wenn der Alpenfirn sich rötet

Land der Äcker, Land der Dome

Riskiert Jens Lehmann die EM?

Nein.

Jedenfalls nicht, wenn man diesem Beitrag des Kickers/kickers glaubt, ihm gleichzeitig aber nicht vertraut:

Lehmann sagte der ZEIT, dass er und seine Frau gerne „bis zum Sommer 2008 in London“ bleiben wollen. „Selbst wenn ich bei Arsenal nicht spiele“.

Meine Eingebungen zu diesem Thema hießen da:

  • Tottenham Hotspurs
  • FC Chelsea
  • FC Fulham
  • West Ham United

In Birmingham oder Portsmouth kann man bestimmt auch in London wohnend ein halbes Jahr spielen, ohne am Pendelstress Pendlerstress zu Grunde zu gehen.

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Lehmann und Hildebrand: Zweitligaspieler suchen einen Verein

Möglicherweise wird sich Timo Hildebrand in naher Zukunft seinen Arsch mit Ronald Koemans Krawatte abwischen, möglicherweise doch. Freunde werden die beiden ganz sicher nicht mehr.

Nach Koemans Ankunft beim FC Valencia wurde Hildebrand abserviert, steht nicht mal mehr im Kader, und laut diverser Quellen sucht Koeman sogar nach einem neuen Torhüter, obwohl auch Hildebrands bisheriger Kontrahent Cañizares eine bis vor Monaten noch ausreichende Qualität zu haben schien, so weit man das aus dem stillen Kämmerlein 2344km (laut Routenplaner) vom Akt des Geschehens beurteilen kann.

Nun haben wir also schon zwei Fälle von eigentlich sicheren Torwartkandidaten für die EM, die keine Stammspieler in ihren Vereinen mehr sind: Jens Lehmann und Timo Hildebrand, der immer deutlicher das Pech zu haben scheint, zwischen alle Fronten zu geraten. Sowohl die Generationsfronten in der Nationalmannschaft als auch die Beraterfronten, die sein Berater eben für ihn aufbaut. In der Frage der Nationalmannschaft scheinen mir Hildebrands Chancen durch die Ankunft des germanophilen Koemans deutlich schlechter zu sein als jene Lehmanns, doch noch in den Vereins-Strafraum zurückzukehren; womit an dieser Stelle nicht das Warmschießen des vom jeweiligen Trainer bevorzugten Kollegen gemeint ist.

Eine kleine Übersicht darüber, welcher Klub in der zweiten Liga einen Torhüter gebrauchen könnte, finden wir bei Bolzplatz, vielleicht sollte sich angesichts der Fülle des Angebots auch der eine oder andere dort nicht erwähnte Verein seine Gedanken machen.

Weitere Alternativen für Lehmann und Hildebrand wären natürlich insbesondere die in der ersten Liga abstiegsgefährdeten Clubs. Erstens würde man damit Sympathiepunkte beim Zeit seines Lebens nur bei Loser-Clubs spielenden Bundestorwarttrainer Köpke sammeln, zweitens weiß jeder, der schon mal beim kicker-Managerspiel mitgemacht hat, dass Torhüter von Abstiegskandidaten, so sie nicht Piplica heißen, immer gute Punktegaranten sind.

Punkten müssen nämlich sowohl Lehmann als auch Hildebrand in den nächsten paar Wochen, wollen sie nicht gänzlich unter Kreuzfeuer so berufener neutraler Experten wie Sepp Maier oder Kaha (das ist kein brasilianischer Künstlername) Rummenigge geraten. Wie man weiß, ist vor allem die alte Torwartlegende ein Ausbund an Neutralität. Insofern ist klar: Besser im Ausland bleiben als bei DSF vom Maier Sepp unter Beschuss genommen werden, weil man zufällig mit seinem schlechten Zweitligaklub verloren hat, obwohl man 14 sog. unhaltbare aus dem Winkel gefischt hat. Für den Maier Sepp zählen nur Titel, Tore (keine im Sinne von Gegentoren), Triumphe, ganz besonders die Lebensleistung, also, wo man wann mal vor 20 Jahren einen gefährlichen Torschuss gehalten hat, niemals aber die eigentliche Torhüterleistung.

Maier Sepp ist aber auch der, der damals bei Dalli-Dalli schon unter Hänschen Rosenthal bei jenen Spielen, bei denen es um Worte ging, die meisten Fehler gebaut hat. Nur gut, dass dieser Anachronismus aus der Nationalelf entfernt wurde. Wie dem auch sei, bei einem „neutralen“ Bericht der FOTO-Zeitung dann eben jenen Ex-Kahn-Lobbyisten (Lobbyist ist er noch immer, nur wird er nicht mehr ernst genommen) als „Zeugen“ zu befragen, zeugt von eben jener Unbefangenheit bei der Zeugenaufnahme.

Wirrer Rede, kurzer Sinn, wir halten es mit Lehmann himself, der letztens noch sagte: Ich habe in meinem Leben schon so viele Spiele gemacht, da kommt es auf ein paar mehr oder weniger auch nicht an, das Torwartspiel werde ich schon nicht verlernen.

Kern all dessen ist jedenfalls, dass die immer wieder angeführte Äußerung, einen „Torwart ohne Spielpraxis“ nicht spielen lassen zu können, bitteschön endgültig auf dem Friedhof der Fußballweisheiten begraben werden darf. Wer hat je die Gültigkeit der gegenteiligen Aussage bewiesen? Verlernt man bei den Trainingseinheiten von montags bis freitags etwa sein Können?

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Abstimmungen kapern in Polen

Nein, heute ist (noch) nicht polnischer Tag auf dieser Seite. Kommt aber bald, doch solche Vorlagen dürfen nicht ungenutzt bleiben.

Hatte ich mich gestern schon gewundert, wieso beim Kicker (ich habe mich immer noch nicht mit mir selbst geeinigt, ob ich das nun groß oder klein schreiben soll in meinen Beiträgen) bei einer Umfrage zum Ergebnis der Vorrundengruppe Deutschland auf Platz 4 getippt wurde, gibt der k(K)icker heute selbst die überraschende und unterhaltsame Auflösung:

[photopress:kickerumfrage_von_polen_gekapert.jpg,full,aligncenter]

Doch dann kam alles ganz anders. Der polnische Fernseh-Sender www.tvn24 rief am Dienstag auf seiner Website dazu auf, bei kicker.de gegen die deutsche Mannschaft abzustimmen. Innerhalb kürzester Zeit drehte sich das Ergebnis, und die Teilnehmerzahlen explodierten. Weit über 300.000 Stimmen zählten unsere Server bis Mittwochmittag, das Zehnfache des Normalen.

Tatsächlich waren es dann sogar 338.572 Votes. Was kapern wir?

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Schock in und aus Klagenfurt

In Klagenfurt ist der Schock groß, weil die Deutschen kommen.

In Deutschland ist der Schock groß, weil man nach Klagenfurt muss.

Zwei Vorrundenspiele der EM finden in Klagenfurt statt und weil es dort nur 32.000 Plätze gibt, stehen dem DFB somit gerade mal 6.400 Karten für jene beiden Spiele zu.

Bei der WM hatten im Westfalenstadion zu Dortmund knappe 60.000 Zuschauer Platz, von denen die meisten Deutsche waren. In Klagenfurt werden es 6.400 (in Worten: sechstausendvierhundert) sein.

Klagenfurt hat mit 92.404 Einwohnern übrigens so wenige, dass sie fast alle in besagtes Westfalenstadion in seiner normalen Kapazität (80.708) hineinpassen würden. Lassen wird die Kranken und die Kleinkinder zu Hause, dann passt’s. Komische Vorstellung: ein ganzer EM-Austragungsort in einem Stadion versammelt.

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Pain in the Ass

Wie mag man sich wohl am vergangenen Sonntag zwischen Brighton und Newcastle gefühlt haben? Eine Gruppe mit Griechenland, Spanien und Schweden wäre selbst für die Essigfüße aus England machbar gewesen, so stark ist Griechenland trotz seiner erfolgreichen Qualifikation nun auch wieder nicht.

Andererseits hat das Aus in der Quali etwas Gutes: Man erspart sich die Schmach, zum x-ten Male bei einem Turnier keinen Titel zu holen. Nur noch 9 Jahre, dann sind es 50 (!), in denen das Mutterland des Fußballs nichts mehr gewonnen haben wird.

In der Zwischenzeit wurde Deutschland drei Mal Europameister und zwei Mal Weltmeister, zudem noch zwei Mal Vize-Europameister und drei Mal Vize-Weltmeister. England hingegen, nun ja, war immerhin im Halbfinale bei der WM 1990 und bei der EM 1996.

Aber was soll man auch machen ohne Torwart?

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Die deutschen Gruppengegner bei der EM 2008

Erster Gruppengegner der Deutschen bei der EM 2008 ist Costa Rica. Wie das? Ja, Costa Rica wurde noch schnell nach Europa eingebürgert, Costa Rica hat nämlich einen Opa in Waltrop.

Die hier schon öfter angesprochenen vier neuen Startplätze für Belgien wurden flugs von Polen an sich gerissen, so dass Polen jetzt ebenso wie Österreich zwei Mal teilnimmt. Ein Mal in der deutschen Gruppe, ein Mal in der Schweizer Gruppe.

Dritter Gruppengegner wird, man ahnt es vielleicht: Ekuador. Ekuador ist eine ehemalige Kolonie von Helmut Kohl und darf sich deshalb aussuchen, zu welchem Kontinent es gehören will. Gestern war es noch Amerika, heute eben Europa.

Costa Rica, Polen, Ekuador, das sollte machbar sein.

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Zum ersten und zum letzten

Was ein wenig untergegangen sein mag bei all dem Blasen ins Alphorn und dem sonstigen Firlefanz: Österreich nimmt, um den alten Kalauer zu bemühen, gleich zwei Mal an der EM teil, siehe Überschrift. Wir als alte Europameisterschafts-Hasen sagen: Herzlich Willkommen bei einer EM, Österreich, schaut Euch gut um, Ihr werdet so etwas nicht noch einmal erleben.

Hach, wie arrogant.

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Alle EM-Finals (manche sagen auch Finale) seit 1960

1960 UdSSR Jugoslawien 2:1 n. V.
1964 Spanien UdSSR 2:1
1968 Italien ČSSR 2:0 im Wiederholungsspiel,
erstes Spiel 1:1 n. V.
1972 West-Deutschland UdSSR 3:0
1976 ČSSR West-Deutschland 7:5 n. E.
1980 West-Deutschland Belgien 2:1
1984 Frankreich Spanien 2:0
1988 Niederlande UdSSR 2:0
1992 Dänemark Deutschland 2:0
1996 Deutschland Tschechien 2:1 n. V.
2000 Frankreich Italien 2:1 n. V.
2004 Griechenland Portugal 1:0
2008 Spanien Deutschland 1:0
2012 - - -:-

Ein typisches EM-Finale endet 2:1 n. V. und der Verlierer kommt aus dem Ostblock. Als deutscher EM-Seher kann man sich von den beiden unsäglichen Turnieren 2000 und 2004 abgesehen über mangelnden Erfolg auch nicht beklagen.

Falls es jemand nicht wissen sollte: Deutschland ist mit drei Titeln Rekordeuropameister. Wenn die lieben Reporter dies bei den Bayern ständig erwähnen, könnten sie es bei der Nationalmannschaft wenigstens ab und zu mal einstreuen.

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Behinderten-EM 2008

Die EM der geistig Behinderten findet kurz vor der EM der nur anderweitig Behinderten in der Schweiz, Österreich, Liechtenstein und Deutschland statt.

Dort werden ingesamt sechs verschiedene EM-Titel vergeben, da die Teams nach Behinderung in Gruppen aufgeteilt werden, die dann jeweils einen eigenen Europameister küren.

Das legt nahe, für Österreich bei der EM eine solche Regelung zu übernehmen. Österreich in einem gesonderten Wettbewerb mit Granaten wie San Marino, Luxemburg oder Armenien und schon sieht der österreichische Ausblick auf dieses Turnier nicht mehr ganz so düster aus.

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Ein Praktiker bei der praktischen Arbeit

Man hört ihn einfach gerne, den Paul Breitner, egal, wozu er sich äußert. Hier zum Beispiel spricht er über die Malaise des österreichischen Fußballs [Link leider tot]. Und wie man die löst, ist ihm auch ganz klar: Praktiker müssen her. Das gibt’s nämlich nirgendwo, dass der Fußball nicht von Praktikern geleitet wird, ja, man muss gar sagen: „Es kann nicht sein.“

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Heatmap

Der Nerdcontent darf nicht überhand nehmen, das hier kann man aber dennoch nicht übergehen. Castrol meint, dass das Interesse an detailreichen Statistiken in den letzten Jahren deutlich zugenommen hätte, und liefert uns deshalb einen Service rund um die EM, der mit der von damals im Fernsehen geliebten Heatmap pro Spieler oder Mannschaftsteil aufwartet.

[photopress:heatmap_1.jpg,full,centered]

Damit nicht genug, kann man sich auch noch die Laufleistung und die Spitzengeschwindigkeiten der Spieler anschauen.

Außerdem gibt es die Torszenen als bewegte Grafik mit allen Spielern, wie sie sich zu dieser Zeit auf dem Platz verhalten haben.

[photopress:heatmap2.jpg,full,centered]

So ganz habe ich noch nicht herausgefunden, wie sich diese Animationen steuern lassen, außerdem ist zur Zeit offensichtlich nur ein Spiel abrufbar.

Sollte dieser Service aber so umfassend sein, wie er sich selbst anpreist, sollte man ihn im Auge behalten.

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Die Gedanken sind frei zu langsam

Hätte es nach seinen unterlöwschen Auftritten in den letzten Partien noch eines Beweises bedurft, so ist er heute endgültig vollbracht: Trochowski ist gedanklich zu langsam. Er mag seine gewiss anspruchsvolle Technik haben und auch ein feiner Fummler sein, so lange er in der Bundesliga antritt.

Auf internationalem Parkett schaltet er regelmäßig so spät, dass sein noch nicht zu Ende gedachter Pass schon längst in Richtung des deutschen Tores unterwegs ist, während er selbst sich noch wundert, wo der Ball ist, der zwei, drei Sekunden vorher noch von seinem Fuß durchs Spielfeld getrieben wurde. Der Gegner war da schon schneller mit dem Verb zum Spitzel.

Es ist gut und richtig, dass junge Spieler an die Nationalmannschaft herangeführt werden, dass man ihnen Zeit lässt, dass sie Fehler machen dürfen. Wenn einer aber nur Fehler macht und seit Wochen nichts Konstruktives zustande bringt, dann darf man sich nicht wundern, wenn man seit heute gestern Ex-Nationalspieler ist.

Jeder weiß, dass kein Mensch hinten Augen im Kopf hat. Dafür spielt man aber knappe 20 Jahre lang Fußball, um verinnerlicht zu haben, dass auch dort, wo man gerade nicht hinguckt, gegnerische Spieler rumlaufen und eventuell sogar den Ball haben wollen könnten.

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