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Kategorie: EM 2008 – Wenn der Alpenfirn sich rötet

Land der Äcker, Land der Dome

Rommedahl fordert Wildcard

Dennis Rommedahl spielt internationalen Fußball in Hummel-Sportkleidung. Der Kenner weiß nun, dass er für Dänemark antritt. Und für eben jenes Dänemark fordert Rommedahl eine Wildcard, die zur Teilnahme an der EM berechtigt, ohne dass Dänemark sich sportlich qualifiziert hätte.

So richtig ernst meint er sein Anliegen wohl nicht. Es würde jedoch hervorragend zu der bekannten Aktion Österreich zeigt Rückgrat (und nimmt nicht teil) passen. Österreich raus, Dänemark rein. Die Gefahr, bei schlechtem Fußball und schon früh entschiedenen Vorrundenspielen einzuschlafen, wäre dramatisch reduziert.

Warum die in ihrer Qualigruppe viertplatzierten Dänen eine Wildcard bekommen sollten, die so gut wie seit Jahren nicht mehr punktenden und deshalb vor ihnen auf dem dritten Platz rangierenden Nordiren hingegen nicht, lässt Rommedahl allerdings ebenso offen, wie wen er mit den „langweiligen“ Mannschaften meint, die statt Dänemark teilnähmen.

Ich tippe auf Deutschland. Langweilig, dieses ewige Gewinnen.

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Narzisstische Züge

Ein kleiner Gauner hat in Österreich einige Euro Schaden angerichtet, indem er ein paar Betrügereien versuchte, die aber rasch aufflogen. Jetzt bescheinigt ihm das Gericht eine „kombinierte Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend narzisstischen Zügen“.

Die einen landen mit sowas vor Gericht, die anderen werden FIFA-Generalsekretär.

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Aus fernen Ländern

Die Liste aller von Österreich im Testspiel gegen Chile eingesetzten Spieler liest sich folgendermaßen:

Jürgen Macho, György Garics, Marin Hiden, Sebastian Prödl, Christian Fuchs, Joachim Standfest, Rene Aufhauser, Thomas Prager, Christoph Leitgeb, Roland Linz, Sanel Kuljic, Jürgen Säumel, Klaus Salmutter, Ronald Gercaliu, Jürgen Patocka, Michael Mörz, Erwin Hoffer.

Das nur zur Hand, damit es nicht passiert, dass man im Sommer 2008 gerade mal einen oder zwei Spieler des ÖFB namentlich kennt.

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Adiós, elendige Schweinebälle

Vielleicht fällt es gar nicht mehr auf, umso herausstechender war es dann am Samstag: Die deutsche Nationalmannschaft spielt keine Schweinebälle mehr. Das sollte zwar selbstverständlich auf diesem Niveau sein, war es aber lange Jahre nicht.

Es war Mitte der zweiten Halbzeit, als einer der weiß Gewandeten den Ball lang, plan- und ziellos die Linie entlang drosch, in der guten Hoffnung, er würde schon einen Abnehmer finden. Fand er natürlich nicht, wie es bei Schweinebällen nun mal der Fall ist.

Dass diese Szene so auffällig anders ist, dass wir ansonsten quasi überhaupt keine Schweinebälle mehr im meist gut durchdachten und — auch das Wörtchen Rumpelfüßer kann man jetzt mit einem „adé“ versehen — fast immer ballsicheren Spiel der Nationalmannschaft sehen, ist eine wahre Freude. Es wirkte tatsächlich so, als ploppte die Wahrnehmung dieser Spielszene aus den übrigen Spielszenen heraus. Man kennt dieses Phänomen: man blickt auf eine DIN-A-4-Seite voller Buchstaben, darunter nur eine einzige Zahl. Das Hirn erkennt die Andersartigkeit dieses Reizes ohne jeglichen aktiven Aufwand. 90 Minuten voller kurzer, zielgerichteter Pässe und ein Moment des Anachronismus, da gehen selbst beim Laienhirn die Alarmsirenen automatisch an.

Darf man in diesem bemerkenswerten Moment als langjähriger Leidender einfach mal ein wenig glücklich sein und genießen, wie ansehnlich dieser Fußball geworden ist?

Ja, darf man.

Nein, Schweineball ist nicht gemeint. Schweinebälle.

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Was würdest du tun?

… wenn du Béla Réthy wärest und das Spiel gäbe nichts her?

Würdest auch Du zum zehnten Male erzählen, dass einer der Waliser in Kanada spielt? Oder dass Klose seit einem Jahr und zwei Tagen nicht mehr getroffen hat? Dass Jens Lehmann ein Problem mit seinem Ellbogen hat? Dass in Wales übrigens Rugby Sportart Nummer Eins ist? Dass John Toshack viel fetter als Jogi Löw ist?

Oder würdest Du vielleicht einfach mal die Klappe halten, wenn es nichts zum Spiel zu sagen gäbe? Würdest Du diese Chance nutzen können, ihrer überhaupt erst gewahr werden? Denke drüber nach, lieber potenzieller Kommentator.

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Träum i?

Es wirkt wie eine Nachricht aus einer fernen, längst verlorenen Welt, aus einer, von der nicht mal Opa zu berichten weiß. Und doch ist es erst neun Jahre her:

1998 war Österreich noch für eine WM qualifiziert — auf legalem Wege, nicht als Ausrichter.

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England pander to Germany again

Auf ihrer Webseite titelt die UEFA:

„England pander to Germany again“

Dazu sollte man wissen, dass „to pander to sth“ u. a. „an etwas appellieren“ bedeutet, allerdings gibt es in diesem Fall sicher noch eine andere, treffendere Bedeutung, die bislang unbekannt ist. Nichtsdestotrotz haben wir so mal wieder etwas gelernt. Erstens, was „to pander“ bedeutet und zweitens, dass auch bei den Machern der UEFA-Webseite die Redakteure Witzen mit Namen nicht gänzlich abgeneigt sind.

Das lässt mich bezüglich des hier drunter stehenden Beitrags ganz relaxt fühlen.

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Der Pessimist ist der Realist

Der Optimismus in Österreich scheint keine Grenzen zu kennen, wie dieser Screenshot von einer Umfrage bei sport1.at beweist.

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„at“ steht übrigens für Austria, und man darf davon ausgehen, dass diese Umfrage nicht mehrheitlich von deutschen oder schweizerischen Fans gekapert wurde. Oder wie oft seid Ihr auf der österreichischen Ausgabe von Sport1?

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No-Go-Area

Bei der WM gab es einst No-Go-Areas für ausländische Touristen, bei der EM gibt es solche für inländische Krawallmacher: No-Go-Areas für Hooligans in Zürich.

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Verleser am Morgen

„Litmanen will weitermachen“, wo der kicker doch nur schrieb: „Littmann will weitermachen“. Schade. Zur Zeit ist Litmanen für sechs Monate verletzt, und ob Finnland die Qualifikation ohne ihn schafft, ist noch fraglicher, als es ohnehin schon ist.

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NIMBY

Es ist ja nun nicht so, als hätte ich an der Uni außer Klopapier Klauen überhaupt nichts gelernt. Zum Beispiel habe ich gelernt, dass man im angelsächsischen Sprachraum gerne aus allem Möglichen ein Akronym bildet. Klar, es gibt hier auch Haribo, Hanuta und Konsorten, aber die Zahl der mir bekannten englischen Akronyme übersteigt die der deutschen doch bei Weitem: DINK, YUPPIE, AIDS, BDSM (Dank an Anita und SLogan), und last not least NIMBY.

Sie kommen auch im Fußball vor, diese NIMBYs, die bei jeder vom Menschen geplanten Veränderung der Umwelt auf den Plan treten: sei es ein Hochsicherheitstrakt für psychisch kranke Schwerverbrecher, sei es eine Energie produzierende Windradfarm oder eben ein Emissionen jeglicher Couleur verursachendes Fußballstadion.

Im Wikipediabeitrag wird das Akronym „Not in my backyard“ sinngemäß mit „Das ist nicht mein Bier“ übersetzt, was zwar Sinn hat, aber nicht gemäß ist. „Das ist nicht mein Bier“ bedeutet, dass einen das Geschehen nicht interessiert bzw. nichts angeht. Ein Nimby hat aber großes Interesse an dem Geschehen, genauer gesagt will er es verhindern. Sinngemäß müsste es (wie dort allerdings auch erwähnt) „nicht in meinem Garten“ heißen oder besser: Natürlich will ich die Vorteile nutzen, aber mit den Nachteilen nichts zu tun haben.

„Der aus den USA stammende Begriff bezeichnet insbesondere eine Geisteshaltung von Personen, welche die Vorteile moderner Technologie zwar nutzen, im eigenen Umfeld aber keine Nachteile in Kauf nehmen wollen.“

Solche Nimbys machen jetzt auch den Ausrichtern der EM das Leben schwer. In exotischen Ländern wie Österreich ist es möglich, dass eine Handvoll Anwohner sich erfolgreich gegen die Interessen der ganzen Fußballnation wendet. Das Salzburger Stadion, soll nach der EM von 30.000 wieder auf 18.000 Zuschauer zurückgebaut werden und zudem schon während der kommenden österreichischen (hier irgendeinen abstrusen Markennamen, von dem man noch nie gehört hat und dessen Produkte man auch nie kaufen würde)-Bundesliga-Saison nur eben jene 18.000 Zuschauer zulassen. In Freiburg Magdeburg Deutschland wäre dergleichen natürlich völlig unmöglich.

Lauter NIMBYs also in Salzburg, die zugegebenermaßen nicht direkt von dieser Veranstaltung profitieren, denen man aber durchaus die Interessen von zig Tausend Fußballinteressierten gegenüberstellen darf. Und eine Veranstaltung alle 14 Tage wird wohl auszuhalten sein, sofern es sich nur um den Lärm, die Staus, die Abgase und das Pinkeln in Vorgärten handelt, wie es am Bökelberg üblich war. Für mich vollkommen unverständlich, wie Anwohner solche Macht erlangen können, bei einer Belastung von gerade mal 85 Stunden mit An- und Abfahrt im Jahr bei 17 Heimspielen.

Übrigens gibt es auch Yimbys und Pimbys. Und natürlich BANANAS, die eine eindeutige und wenig verhandelbare Position beziehen:

Build Absolutely Nothing Anywhere Near Anything

(Inspiriert von Fritten, Fußball und Bier, die auf obigen Kicker-Beitrag mit schönen Fotos der Stadien der EM verlinken. Meist nur knappe 30.000 Plätze pro Stadion, die Schwarzmarktpreise werden explodieren. Schade für mich Non-Krösus.)

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Fußball ist Lifestyle

Fußball ist Sport. Fußball ist Lifestyle. Fußball ist Entertainment.

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Diese zeitlichen Verschiebungen bei Trends kennt man ja. Was heute in den USA hip ist, kommt fünf Jahre später auch hier an. Was hier hip war, war 15 Jahre später in der DDR auch angesagt. Und was die Jungs von der Kö heute tragen, tragen vier Jahre später auch die Jungs vom Lande, während sie sich heute noch über die Frisuren und die Kleidung der Jungs von der Kö lustig machen, wohl ahnend, dass sie es sind, über die eigentlich gelacht wird.

Ähnlich muss es auch mit Österreich sein. Während hier die Gemischtwarenläden „Fußball, Lifestyle, Entertainment und was uns sonst noch eingefallen ist“ schon lange geschlossen haben, die Kehrmaschine die Reste zusammenfegt und nur noch elf Unentwegte mit hochgeschlagenem Mantelkragen dem eisigen Wind der Fußball-und-irgendwas-Landschaft trotzen, versucht sich dort das neue Magazin „Goal“ [Link mittlerweile nicht ganz so überraschend tot] an jenem Unterfangen, das in diesem Land so eindeutig gescheitert ist.

Aber Österreich, das ist eben ein Fußballland seit jeher und aufgrund der aktuellen großen Fußballbegeisterung, speziell um Titelhelden Ivanschitz, gibt es dort nun mal ganz andere Voraussetzungen als hier, wo es nur knapp 82 Millionen potenzielle Kunden gab, und nicht wie dort das Zehnfache, nämlich 8 Millionen.

Wenn wir dann noch den Untertitel zum Bericht über Cristiano Ronaldo lesen („Porträt des Dribblers aus den Slums“, und als Kipferl seinen Namen falsch geschrieben), wenn wir Beiträge à la „Die beste Elf der Popstars“ sehen, wenn uns „Outfits für stilbewusste Fans“ angepriesen werden, dann wissen wir, dass hier etwas völlig Neuartiges entsteht, was eigentlich gar nicht scheitern kann — jedenfalls nicht vor Herbst 2008.

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Zypern vor Österreich

Der (ansonsten) schicke Herr Löw hat seit seinem Einstand als Bundestrainer alle Pflicht- und alle Freundschaftsspiele gewonnen, nur der Test der Reservereifen gegen Dänemark ging verloren. „Halt!“, schreitet hier der Kenner ein und ruft aus dem Off ein kleines, aber deutliches „Eins zu eins“ hinein und meint damit ein Remis. Ein Remis im Spiel auf der zweigeteilten Insel, die zu insgesamt drei Nationen gehört: Ein griechischer Teil, ein türkischer Teil plus die extraterritorialen britischen Militärbasen. [1]

Der Gegner in jenem Spiel war allerdings der griechische Teil der Insel, die Republik Zypern, die auch Mitglied der EU ist, anders als der türkische Teil der Insel. 1:1 nur, das klingt schon ein bisschen mager, auch wenn Irland dort mit einem überraschenden 5:2 untergegangen war. Aber erstens ist das Irland der späten 2000er Jahre anscheinend nicht mehr das Irland von davor und zweitens ist Zypern, ganz konträr, nicht mehr das Zypern der Fußballsteinzeit. Das Spiel von Löws (man füge hier eine Alliteration mit L an, die die Spieler bezeichnet) war wenig berauschend und auch wenig 2006-haft. Komischerweise ging die gesamte Presse gönnerhaft darüber hinweg, obwohl doch so ein 1:1 auf einer kleinen Insel eigentlich eine mittlere Blamage ist. Ganz anders, als wenn man auswärts in Tschechien verlöre oder zu Hause gegen die Slowakei nicht gewönne. Das sind Ergebnisse im Bereich des Möglichen. Ein Remis auf Zypern aber ist eine kleine Blamage — dachte ich.

Nun muss ich einsehen: Es war gar keine Blamage, es war ein respektabler Punktgewinn. Schließlich steht Zypern richtig weit oben in der FIFA-Weltrangliste. Nämlich auf Platz, Moment, … auf Platz 81, zusammen mit Guatemala. Platz 81, jetzt könnte man denken, dass das doch gar nicht so weit oben sei, aber aufgemerkt: auf Platz 83 folgt die Fußballnation Österreich. Österreich ist immerhin Gruppenkopf einer der nur vier Vorrundengruppen der EM 2008. Und mit richtig viel Pech werden wir sogar in die Gruppe der Österreicher gelost. Da tut es gut zu wissen, dass man gegen Zypern, einen offensichtlich ähnlich starken Gegner, immerhin ein Remis rausholen kann.

[1] Wer mal günstig in die USA reisen möchte, sollte in die Normandie fahren, dort gibt es US-amerikanische Soldatenfriedhöfe, die mitten in Frankreich liegend ein Teil der USA sind. 500 und ein paar gequetschte Kilometer mit der Mitfahrzentrale oder mit dem (gibt’s das eigentlich noch?) Interrail-Ticket kann sich auch der ärmste Student mal leisten. Dumm nur, dass man dann immer noch nicht auf einem anderen Kontinent als dem eigenen war.

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