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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Kicker-Stecktabelle

Bald ist es wieder soweit: Das Kicker-Bundesliga-Sonderheft wird erscheinen. Und weil man an dieser Stelle ausgeprägte hellseherische Fähigkeiten besitzt, weiß man auch schon, welche Farbe das Cover haben wird: rot.

Dazu wird dann gehören: Ein großes Interview mit einem der Bayern oder mit Magath oder mit Hitzfeld, seines Zeichens Ex-Bayer, der aber noch nie in der Lage war, überhaupt etwas zum Thema Fußball zu sagen. Dafür, dass er keine Ahnung vom Spiel hat, hat er tatsächlich ziemlich viel erreicht. Möglicherweise wäre diesmal auch Jürgen Klopp für ein großes Interview an der Reihe, dann aber müsste man fürchten, dass der Kicker nahezu Neu-68-er-Pfade beschritte. Könnte sein. Könnte aber auch nicht sein. Ist an dieser Stelle aber auch egal, weil man ohnehin jetzt nicht mehr das Kicker-Bundesliga-Sonderheft kauft. Nur wer wirklich sehr religiös veranlagt ist, würde das Sonderheft zum 2x. Mal kaufen, obwohl er immer wieder durch die nahezu heftumfassende Inhaltsleere enttäuscht wurde. Was hier nicht der Fall ist. Die Enttäuschung schon, das sehr Religiöse nicht.

Weshalb man an dieser Stelle getrost auf jemanden verweisen darf, der früher auch sehr viel und an jedem Samstagabend steckte, dann aber auch irgendwann nicht mehr wollte:

So oder ziemlich verwandt hätte man nämlich diese Betrachtung auch geschrieben, nur mit etwas höheren Jahrgängen statt jenen im Beitrag erwähnten.

Als die eigenen dann aber erreicht waren, war es ähnlich desillusionierend.

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Hitler an der Wedau

Da geht man schon so lange hin und hat doch noch nie davon gehört: Hitler hielt mal eine Rede im Wedaustadion — angeblich vor 120.000 Besuchern:

Schon vor der Öffnung des Stadions um 12 Uhr haben sich Schlangen vor den Eingängen gebildet. (…) Die Veranstaltung beginnt um 14 Uhr mit einem über einstündigen Aufmarsch von SA- und SS-Truppen. (…) Als anschließend Hitler vor die begeisterte Masse tritt, „erbraust minutenlang ein Orkan des Jubels gen Himmel“, berichtet am nächsten Tag die „Nationalzeitung“, das Presseorgan der NSDAP. (…) Unter den Klängen des Wessel-Liedes leert sich das Stadion ohne Zwischenfälle. (…) Bei der darauffolgenden Stadtverordnetenwahl wurde die NSDAP die stärkste Partei im Duisburger Stadtparlament.

Ganz schön geschichtsträchtig, diese neuerdings Schauinsland-Reisen-Arena genannte Stätte …

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Das Kollektiv oder Dynamo Kiew

Nachdem ich letztens (warum hatte mich niemand gewarnt?) in dem wirklich schwuppigen, nah an der totalen Banalität strauchelnden DDR-Museum war, muss ich doch mal, trotz des Wissens darum, dass Einzeldisziplinen mit viel größerer Wahrscheinlichkeit Medaillen versprachen (als wenn Medaillen bei Olympischen Spielen auch nur annähernd den Wert eines Weltmeistertitels im Fußball hätten (nein, selbst damals nicht)) fragen dürfen, die Älteren unter den Lesern:

Wie war das damals mit Dynamo Kiew?

Im DDR-Museum las ich, dass die Parteiführung gerne wünschte (ob das stimmt, weiß ich angesichts dieses geradezu lächerlichen Non-Tiefgangs dieses Museums mit der ostdeutschen Geschichte, nicht), dass die Baubrigaden auch ihre Freizeit miteinander verbringen sollten. (Wie verrückt ist dieser Wunsch? Worin begründet er sich? Der Begriff vom Lagerkoller muss doch auch damals schon existiert haben?! Ein derart unrealistisches Menschenbild kann man sich heutzutage kaum noch vorstellen, es muss aber geherrscht haben, dass überall Friede, Brigade und abends zusammen Saufen herrschen sollte. Merkwürdig.)

Wenn aber ein solches Menschenbild tatsächlich im zumindest propagierten Kommunismus, der er ja nie war, vorherrschte, wie wirkte sich das dann auf den Fußball, der dort gespielt wurde, aus?

Im ersten Moment der Kenntnis einer solchen Einstellung würde man doch annehmen, dass das dem Gesamterfolg eher zuträglich sei, selbst wenn man das Phänomen der Verantwortungsdiffusion kennt (und Günter Netzers elendige Vorwürfe an Ballack bezüglich dessen Ost-Sozialisierung erst Recht außer Acht lässt).

Ein jeder solle alles fürs Kollektiv geben, niemand solle sich besonders herausstellen. Muss fantastisch gewesen sein für jeden Fußballtrainer im Ostblock. Wie kam es also, dass nur Dynamo Kiew diese sozialistisch geprägte Spielweise mit einem internationalen Titel krönen konnte. Und wie spielten sie, damals, liebe Leser? Ich bin zu jung, um das zu beurteilen. Und dies wäre natürlich einer der Fälle, in denen es nicht reichte, einfach youtube-Videos von damals zu schauen, wenn man die Hintergründe nicht kennt.

Ich hab es damals zwar erlebt, aber keinen Begriff vom Kommunismus oder Sozialismus gehabt. Während mit zunehmendem Lebensalter selbst die schon längst vergangenen Realitäten immer plastischer werden. Aber nicht so plastisch wie von Augen- oder zumindest Fernsehzeugen geschildert.

Spielte Dynamo Kiew damals gänzlich anders Fußball als man es im Westen tat?

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Kees Jaratz‘ Still-Leben auf der A40

Wer heute nicht weiß, was er morgen tun solle, oder wer sich schon entschieden hat, das Still-Leben der A40 (dem „Ruhrschnellweg“) zu besuchen, aber nicht weiß, welche Tische er aufsuchen soll, dem sei diese Aktion von Kees Jaratz vom Zebrastreifenblog ans Herz gelegt:

Das Fan-Gedächtnis des MSV Duisburgs, an dem sich selbst Menschen beteiligen könnten, die den MSV abgrundtief verachten — oder denen er herzlich egal ist. So ein Fan-Gedächtnis sollte ja möglichst von allen Seiten gefüttert werden, um es ganzheitlich werden zu lassen.

Also, Block 8. Kilometer 42,2. Tisch 34, Sonntag, 18.7.2010.

(Kees Jaratz wäre übrigens allein schon eine Stippvisite wert …)

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Das Abschneiden der Titelverteidiger

Abschneiden, abschneiden. Man denkt unwillkürlich an Heinz Gründel und bekommt Hunger. Hier geht es aber darum, was der Titelverteidiger der vorhergegangenen Weltmeisterschaft jeweils erreicht hat bei der nächsten WM. Man darf mit Fug und Recht sagen: eigentlich hat bislang nur Brasilien seinen Titel verteidigt. Das, was Italien da zwei Mal zum Titel geführt hat (in einer Zeit, als die Zeiten anders waren), kann man wohl kaum als regulären Wettbewerb bezeichnen.

Nun gut, wir sind (außer Brustring und direkter-freistoss) keine Schiedsrichter, deshalb hier also die Liste, wie die jeweiligen Titelverteidiger beim folgenden Turnier abgeschlossen haben:

1930 Weltmeister Uruguay
1934 nicht teilgenommen
1934 Weltmeister Italien
1938 Weltmeister
1938 Weltmeister Italien
1950 Vorrunde
1950 Weltmeister Uruguay
1954 4. Platz
1954 Weltmeister Deutschland
1958 4. Platz
1958 Weltmeister Brasilien
1962 Weltmeister
1962 Weltmeister Brasilien
1966 Vorrunde
1966 Weltmeister England
1970 Viertelfinale
1970 Weltmeister Brasilien
1974 4. Platz
1974 Weltmeister Deutschland
1978 2. Finalrunde
1978 Weltmeister Argentinien
1982 2. Finalrunde
1982 Weltmeister Italien
1986 Achtelfinale
1986 Weltmeister Argentinien
1990 Vize-Weltmeister
1990 Weltmeister Deutschland
1994 Viertelfinale
1994 Weltmeister Brasilien
1998 Vize-Weltmeister
1998 Weltmeister Frankreich
2002 Vorrunde
2002 Weltmeister Brasilien
2006 Viertelfinale
2006 Weltmeister Italien
2010 Vorrunde
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Für 2 Promille solch ein Aufwand?

Zunächst klammern wir den diskutierten Videobeweis für übrige strittige Fragen aus. Danach kommt man abseits aller sonstigen, nicht immer nachvollziehbaren Argumente (Profifußball sei dann nicht mehr der selbe Sport wie Amateurfußball; der Fußball lebe davon, dass die Menschen über ihn diskutieren) immer noch zu einer relativ einfachen und auch relativ schnell überzeugenden Betrachtung der Frage „Tor oder nicht Tor?“ – auch wenn die Quelle der Daten dafür nicht allzu seriös sein mag.

Bei wahretabelle.de ist die Art der dort von wem auch immer diskutierten vermeintlichen Fehlentscheidungen dankenswerter angegeben. (Man muss nicht dazu sagen, dass eine solche Idee einer „Wahren Tabelle“ absoluter Mumpitz ist, in diesem Fall hier nutzt es aber, dass jemand diese vermeintlichen Daten gesammelt hat.)

Und jetzt wird es wichtig für diesen Beitrag:

Die Betreiber kommen für die letzte Bundesligasaison auf die wahnwitzige Zahl von 2 Situationen, in denen unklar war, ob ein Ball die Linie überschritten hatte oder nicht, bzw. in denen falsch entschieden wurde. In der Vorsaison auf 1 dieser Art. In jener davor wiederum auf 4. Werte für ältere Saisons liegen nicht vor.

Bei rund 850 Toren pro Saison bewegt man sich also zwischen einem Wert von 1 und 4 Promill der gefallenen Tore — in einer kompletten Saison wohlgemerkt, bei 9 Spielen pro 34 Spieltagen, insgesamt also die altbekannten 306 Partien.

Und dabei wird dann 1x oder 2x pro Saison über diese Frage diskutiert.

Inwiefern besteht da ein gesteigerter Handlungsbedarf?

Bevor also alle Fußballinteressierten das Abendland, und mittlerweile wäre es ja auch das Morgenland, untergehen sehen, weil diese Frage nicht durch Technik überwacht wird, sollte man diese absolute Marginalie einfach so lassen, wie sie ist. Und läge weiterhin in einem Bereich der Fehlerauftrittswahrscheinlichkeit, die man jedem Auto zugesteht, in das man sich sein Leben riskierenderweise mehr oder weniger häufig begibt.

Um es noch mal andersherum auszudrücken: Jeder Teilnehmer muss (gemäß dieser Zahlen) zwischen 200 und 800 Spiele austragen, um 1x in eine solche Situation zu kommen. Ein Großteil der Profis erreicht diese Zahl in seiner aktiven Karriere nicht.

Dazu die Anmerkung, dass die Fehl- bzw. Entscheidungen in dieser Frage äußerst selten so haarsträubend und vermeintlich offensichtlich sind wie beim Bloemfontein-Tor oder beim Phantomtor gegen den 1. FC Nürnberg.

Weiterhin sei angemerkt, dass diese Form der Fehlentscheidung gerade wegen ihrer Seltenheit so außerordentlich gut erinnert wird — wer würde Tschernobyl, Mauerfall oder den 11. September 2001 nicht mehr erinnern? — was die Wahrnehmung nicht bei allen, aber bei vielen bezüglich der Frequenz dieses Problems und damit seines — eben mangelnden — Gewichts für die Frage der Gerechtigkeit oder entscheidungsbezogenen Fairness im Fußball verzerrt.

Dass die Datenquelle wenig seriös zu sein scheint, ist gleichzeitig nicht widerlegt. Wer bessere Daten kennt, möge gerne darauf verweisen.

Es gibt aber deutlich drängendere Probleme beim Schiedsrichten des ja unbestritten immer schneller werdenden Fußballs als einen Chip im Ball oder eine Torkamera. Zumal mit diesem Beitrag nicht gesagt sein will, dass man in diesen höchst seltenen Fällen keine Videoaufzeichnung bemühen dürfen sollte (das Gegenteil wird allerdings auch nicht behauptet). Chip-im-Ball und Torkonstruktionen sind aber angesichts ihres Aufwands im Verhältnis zum marginalsten Nutzen nicht im Geringsten zu rechtfertigen.

Auch wenn das jetzt Wiederholung des Obigen ist: Das nicht anerkannte Tor der Engländer hat nur deshalb eine solch große Ausstrahlungskraft, weil derartige Fälle eben so selten sind.

Extrem vernachlässigenswert selten.

Im Gegensatz zu 15, 20 oder 30 Abseitsentscheidungen in jedem Spiel. Oder ähnlich vielen Schwalben. Aber das ist ein anderes Thema.

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Belgien heißt diesmal Chile

Während man zu Zeiten normaler Fußballaktivitäten dafür geschlachtet wird, ein Zweitteam zu haben, ist das bei einer WM durchaus erlaubt. Das Erstteam ist in aller Regel jenes, in welchem man geboren wurde respektive dessen Pass man in seiner Schreibtischschublade verborgen hält.

Das Zweitteam hingegen darf irgendein anderes sein, und da sind für diesen Fall allen alle Optionen offen, ohne dass man sich mit billigen („Pizza xy“ oder „Möbelhaus sowieso“) Witzchen auseinandersetzen muss.

An dieser Stelle war es lange Zeit Belgien, was aber nur so lange galt, wie sich Belgien überhaupt für WM qualifizierte. Was es lange Zeit noch tat, selbst als die besten Zeiten schon vorüber waren.

2006 allerdings war Belgien schon nicht mehr dabei, 2010 war die Qualifikation eher peinlich zu nennen. Es muss(te) also ein Ersatz für Belgien her, denn so ganz ohne Zweitteam macht eine WM eigentlich keinen Spaß. Und da Irland unter merkwürdigen Umständen (Wie leicht wäre es gewesen, diese Sache, die der Schiedsrichter nicht gesehen hatte, nachträglich zu ahnden?) nicht teilnahm und absehbar war, dass Dänemark nicht zu alter Spielfreude finden würde, muss(te) ein Ersatzbelgien her.

Da fiel die Wahl nicht schwer: Chile sollte es sein. Denn Chile spielt nicht nur fast gänzlich ohne europäisch lokalisierte (und damit im sozialromantischen Hirn verdorbene) Profis, sondern vor allem wuselig, mit Ehrgeiz, Elan und Eifer, wie man es sich eigentlich von jedem Teilnehmer einer WM in jeder Partie wünschen würde. Dass es bei Chile vorne nicht immer so klappt, wie es sein soll: geschenkt. Selten hat man ein Team so intensiv es versuchen gesehen.

Chile ist das neue Belgien. Und sei es auch am Dienstag schon vorbei. Ein Ersatzbelgien braucht jeder, sonst macht es keinen Spaß.

* Der ursprüngliche Titel des Beitrags lautete „Mein Belgien heißt Chile“, da das aber offensichtlich, wenn auch unbewusst, von der Parole „Meine Ehre heißt Treue“ inspiriert war, habe ich den Titel geändert. Die Tatsache, dass mir so etwas gewahr wird, sollte mir nicht als oder zum Strick gedreht werden.

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Was an Fußball noch gefällt

Man muss keine Dogmatiker ertragen, die einem ständig weismachen wollen, dass dieses oder jenes Spiel im Original viel besser wäre.

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Lothar Herbert Matthäus

Oliver Rolf Kahn
Andreas Rainer Neuendorf
Christian Werner Wörns
Franz Anton Beckenbauer
Charles Kwablan Akonnor
Günter Theodor Netzer
Pierre Michael Littbarski

Paulo Roberto Rink
Joseph Kevin Keegan
Josef Emanuel Hubertus Piontek
Kevin James McKenna
Oliver Patric Neuville
Arthur Étienne Boka
Gerhard Martin Tremmel

Andreas Benjamin Hinkel
Pablo Demba Thiam
Franklin Spencer Miguel Bittencourt
Thomas Christiansen Tarín
Sean William Dundee
Joël Dieudonné Martin Epalle Newaka
Victor Okechukwu Agali

Benno Hans Möhlmann
William Georg Hartwig
Augustine Azuka Okocha
Landon Timothy Donovan
Ronnie Carl Hellström
Hans Adu Sarpei
Anthony Stewart Woodcock

Jérôme Agyenim Boateng
Christoph Tobias Metzelder
Friedrich Hermann Sczepan
Karlheinz Helmut Förster
Jari Olavi Litmanen
Ottmar Kurt Hermann Walter
Tomasz Wojciech Waldoch

Kjetil André Rekdal
Bernhard Carl Trautmann
Josef Dieter Meier
Claudio Miguel Pizarro Bosio
Guido Ulrich Buchwald
Miroslav Marian Klose
Pascal Karibe Ojigwe
Rolf Dieter Rüssmann

Owen Lee Hargreaves
Jan Malte Metzelder
Marcus Christian Allbäck
Michél Sinda Mazingu-Dinzey
Bernhard Josef Georg Förster
Patrick Olaiya Olukayode Owomoyela
Jürgen Norbert Klopp

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Von Tricksern und Blendern

Es gibt noch eine Million anderer Gründe, warum man das Geschwafel der FIFA ablehnen muss, bezüglich des Märchens, dass der Fußball die Welt verbessert, dass er usw. Punkt Bindestrich.

Wenn ernsthaft behauptet wird, dass der Fußball, der Fußball, der Fußball als Karrierechance Menschen eine bessere Zukunft eröffnet, dann sollte man die FIFA sofort zwangsenteignen und die Gelder für eine generelle Förderung aller möglichen benachteiligten Menschen einsetzen.

Was für eine faschistoide Form von „Chance“ ist das, wenn nur Menschen, die besonders schnell, groß, zweikampfstark sind, eine solche „Chance“ haben? Und wie abenteuerlich traurig, wenn man das auch noch als „Chance“ verkauft, weil diejenigen welchen sonst keine haben. Von den bei diesem Gerangel am Boden liegen Bleibenden genauso zu schweigen wie von jenen, welche gar nicht erst in dieses Rennen eintreten können.

Ja, ist populistisch, klar. Aber was ist die FIFA mit ihrem Sermon anderes als ein Haufen von Lügnern und Blendern? Das ist nicht nur populistisch, das ist auch allgemein bekannt.

Dennoch muss es immer wieder mal gesagt werden.

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Ich trommel, also bin ich

Und wo wir dann schon mal beim Thema Musik sind, gehört auch noch ein kleiner Rant dazu:

Die Trommler in Stadien.

Man sollte ihnen eigentlich die Bürgerrechte entziehen. Nicht, weil sie so dämlich sind, statt das Spiel zu schauen, für vermeintliche Stimmung zu sorgen; nicht, weil sie sich fürn Appel und ne Dauerkarte entwürdigen lassen, als simple Trommelgesellen herzuhalten; nicht, weil sie sich die Trommel dann auch noch vom jeweiligen Club sponsorn lassen, auf dass unbedingt das Vereinslogo auf jenem Fell sei, auf welches sie dann ständig — ohne sich dieses Widerspruchs gewahr zu werden — draufklöppeln wie die Beserker; nein, ganz einfach:

Weil sie nicht trommeln können.

Es wäre sicher nicht unangenehm, bei seinen Gesängen und Spieler-Unterstützungen verbaler Art wenigstens von etwas begleitet zu werden, was der Masse einen gewissen Halt in ihrem Singsang gäbe. Es wäre aber auch nicht allzu bedauernswert, wenn es gar keine Klöppler vor dem Herrn gäbe, weil die Masse sowieso total schief und viel zu schnell respektive langsam singt. Es wäre auch gar nicht unangenehm, wenn diese Glöckner von Notre Dame, die meist auch von der Statur her die Differenzierung zu diesem literarischen Phänomen schwierig machen, wenigstens das beherrschten, wofür man ihnen diese Dauerkarte (oder ein Wurstbrot) gegeben hat:

Dafür, dass sie ordentlich klöppeln.

Nun ist es aber leider so, dass die Mehrzahl jener, die sich solch ein Klöppelgerüst um den Hals und Bauch schnallen, gar keine Ausbildung im Klöppeln hat. Und sich deshalb ständig verklöppelt. In Weihnachtsmessen hat man für die Leistungen, die man klöppelnderweise in Stadien um die empfindlichen Ohren gehauen bekommt, das Publikum schon mal buhen hören. In Weihnachtsmessen, zum Fest des Friedens! Im Stadion wird zwar auch oft gebuht. Zum Glück für die schlechten Trommler meint das Publikum damit allerdings in aller Regel den Gegner.

Und kümmert sich auch um die Klöppler kaum, weil sie ohnehin ein undefinierbares Etwas dahinklöppeln, das so viel Übereinstimmung mit den Gesängen der Fans hat, wie eben jene Dauerkarte für ihre Leistung an der umgehängten Tom-tom.

Das alles würde man ja noch verzeihen können, wer hat nicht am 32. Spieltag schon mal zwei Bier in der Sonne getrunken und wusste nachher nicht mehr, wie dieser ureigene Fangesang jetzt zu beklatschen war?

Das Problem der Insassen der Klöpplerinnung in deutschen Stadien ist nicht die mangelnde Technik, sondern die mangelnde Vielfalt. Sie kennen nur die zwei Rhythmen, die jedes musikalisch spät begabte Kind in der 7. Klasse klatschen kann. Varianz und Kreativität, wie sie auf dem Platz doch allzu gerne gefordert werden: Nullkommanull.

Wie gesagt, Bürgerrechte entziehen. Oder einen Trommelkursgutschein überreichen.

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Wer befragt schon Jünglinge zu etwas, von dem sie nichts verstehen?

Es gibt hier immer mal wieder Links und Hinweise, die eindeutig als ¡W A R N-Hinweise! zu verstehen sind. Dazu gehört auch das Folgende.

Der Rolling Stone sprach mit Michael Ballack. Ich habe das Interview nicht ganz zu Ende gelesen, irgendwann hat der Tankstellenbesitzer sehr seltsam zu gucken angefangen, dabei waren doch noch mindestens zwei andere Menschen im selben Kassenhäuschen, um die er sich hätte kümmern können. Für Michael Ballack war es also ein großer Moment, als er mal Depeche Mode treffen durfte.

Ansonsten hat der Rolling Stone einen großen Kasten in das Interview gesetzt, in welchem viele andere Nationalspieler (allerdings komischerweise nicht annähernd alle, sondern ca. 11) einen Mini-Fragebogen mit dem Thema Musik ausfüllen. Welcher der Lieblingsinterpret ist, welches die erste Platte war, was man am liebsten zum Feiern und was man hört, wenn man traurig ist.

Die Antworten fallen derart fürchterlich aus, dass sie hier nicht wiedergegeben werden können, ohne Ihnen und uns allen den Spaß daran zu verderben, den selben Jungs auf dem Platz die Daumen zu drücken.

Es reicht von De Höhner über die Atzen zu Bushido, wobei De Höhner und die Atzen einen überproportionalen Anteil erreichen. Und De Höhner sind auch noch die Lieblingsband eines Gladbacher Jungs, Marcell Jansens nämlich. Wieso das zumindet diskutabel ist, liest man am besten bei Kees Jaratz nach.

Wir wollen das allerdings gar nicht weiter vertiefen, schon gar nicht in jene Themen abdriften, bei denen selbst singende Nationalspieler eine Rolle spielen, oder bei denen Fußball Inhalt der Songs sind.

Schließen wir einfach die Augen, lassen das gerade eben Gelesene ganz tief in die Untiefen unseres Gedächtnisses fallen, so tief, bis wir es ganz sicher nicht mehr finden. Tiefer. Noch tiefer.

Noch tiefer.

So tief, dass wir uns gar nicht mehr erinnern können, worum es hier ging.

Noch tiefer …

Vielleicht das Radio einschalten. Sich einfach ablenken lassen. Und ab in den Tag. Aber bitte nicht gerade heute am Bahnhofszeitschriftenladen Halt machen und eventuell …

noch tiefer.

Schönen Tag wünscht die Redaktion. Mit schöner Musik!

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