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Schlagwort: Nationalmannschaft

Island, Litauen, Färöer, Schottland

Man bekommt richtiggehend Angst, wenn man diese geballte Power der hier vorhandenen Gruppengegner liest. Gleichzeitig fragt man sich, wie viel Glück die Karin Tietze-Ludwigs der FIFA/UEFA eigentlich noch über uns ausschütten möchten. Kein einziger ernstzunehmender Gegner in dieser Qualifikation zur EM 2004.

Und dann erinnere man sich, dass es nicht darum ging, gegen die damals schwächelnden Schotten um den Tabellensieg zu kämpfen, sondern gegen die ja immer wieder mal erstarkenden, trotzdem weiterhin mit ihren 320.000 Einwohnern (Frauen, Kinder, Alte zählen übrigens auch dazu, es bedeutet also nicht: 320.000 Männer im fußballfähigen Alter, davon gibt es so ca. 20.000) kleinen Isländer, zumindest in der Phase der Scheißdreckrede, die ja nicht mal eine Rede war, sondern nur ein Interview zwischen dem Duzmeister des Sports und dem Schnäuzerkanzler der Republik.

(Nein, Iren, das sind die Iren, die Isen gibt’s nicht, das sind die Isländer, auch wenn Rudi die Iren gerne Irländer nannte.)

Beendet wurde diese Gruppe zwar als Erster, aber mit 13 Toren aus 8 Spielen gegen diese wahrlichen Wurstgegner. 1,626 Tore pro Spiel, davon 4 gegen Färöer. Einem 2:1 zu Hause ging ein 2:0-Kantersieg auf den Färöer voraus. Kantersieg zumindest dann, wenn man nur die Nachspielzeit betrachtet, in der die deutschen Tore fielen.

13 Tore in 8 Spielen in dieser Gruppe.

Man sollte das gar nicht unterschätzen: ein 13:0 gegen San Marino ist nämlich ein 13:0. Ein 2:0 in der Nachspielzeit hingegen ist ein 2:0 in der Nachspielzeit.

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Jogi Löw trainiert, ich buchstabiere

T-R-A-I-N-I-E-R-T.

Ja, das tut er. Das Unterhaltsame daran ist, dass er einer Ländermannschaft vorsteht und für ihn somit das unglaublich schlechte Argument „wir brauchen mehr Geld“ wegfällt. Er hat nur das, was dieses Land hervorbringt, und genau das, also diese Spieler, muss er selber besser machen. Er kann nicht einfach neue Spieler kaufen.

Genau das macht ihn auch so glaubwürdig in seiner Art, weil er nämlich mit demselben Schrott, mit dem Rudi 2004 so dermaßen verkackt hat, plus ein paar Ergänzungen, Dritter bei einer WM wurde, bei der der Weg doch deutlich anders war als 2002. Und abgesehen vom (für mittlerweilige Verhältnisse) blamablen 0:3 gegen Tschechien hat Jogi mit seiner Mannschaft wohl so ziemlich alles abgeräumt, was es in dieser Zeit abzuräumen gab. Deshalb darf so einer auch denjenigen die Leviten lesen, die glauben, dass man nur mit Geld weiterkäme.

Wie wäre es mit Strategien (ich meine keine wirtschaftlichen, sondern fußballerische)? Wie wäre es damit, dass man einfach mal ein bisschen bei z. B. Rosenborg Trondheim nachschaut, was dort denn so alles geht, ohne dass die große Kohle vorhanden ist.

Es scheint lächerlich, dass KHR jeden Montag bis Freitag darüber jammert, dass er nicht genug Geld hat, um Spieler zu kaufen. Was sollen denn dann Rostock, Cottbus und Bochum sagen? Und warum sollten genau diese Teams denn nicht auch mal einen Sieg gegen die Bayern landen, wie sie es alle Jubeljahre tun?

Aber ich schweife ab, denn der Unterschied zwischen Cottbus und Bayern ist natürlich viel größer als jener zwischen Bayern und Liverpool oder Lyon. Der Hauptunterschied liegt doch nicht in der verfügbaren Kohle, sondern darin, dass Bayern kein Konzept, keine Strategie und seit Jahren schon eigentlich keinen Wissenüberschuss hat. 1983 war es vielleicht noch ausreichend, einfach drei Ex-Profis in den Vorstand/Trainerteam zu stellen, auf dass man den anderen Bundesligateams überlegen war.

2007 ist es definitiv nicht mehr so, dass Franz „Dummschwätzer“ Beckenbauer, Würstchen-Uli und der seltsam aggressive Kalle — als hätte er schlecht gefrühstückt — einen Innovationsvorsprung ergeben. Im Gegenteil. Weil diese Akteure so verhaftet sind in der Zeit, in der sie selbst erfolgreich waren, ist für alle der Zug abgefahren. Mal eben ein paar Euronen raushauen für ein paar Semi-Weltklassestars, und dann glauben, dass man damit Markierungen setzt. Mag ja sein.

Eine Strategie ist dahinter trotzdem nicht zu erkennen.

Um genau zu sein: eine Strategie ist das natürlich schon, Ribéry und Toni und Klose zu kaufen. Und dann zu hoffen, dass sie einfach besser sind als die Wattenscheids und St. Paulis dieser Liga. Nur steht dahinter kein fußballerisches System und das ist auch der Grund, warum Bayern in der Champions League ungefähr so dasteht wie Hessen Kassel in der Bundesliga: Weil man einfach nicht weiß, was man überhaupt spielen möchte.

Die große Kunst, 3-4 teure Spieler zusammenzukaufen, kann nur so lange als Kunst gelten, bis man auf wirkliche Künstler trifft, die Fußball einer neuen Dimension spielen. Und dazu gehört traurigerweise weder Bayern noch Werder Bremen. Vom anderen Kroepoek ganz zu schweigen.

Bedauerlich an dieser Tatsache ist nicht, dass es so ist, sondern dass weder der Uli noch der Kalle die wahren Ursachen dessen erkennen. Sie glauben, sie scheitern, weil sie zu wenig Geld haben, um real-madridesk eine noch bessere Mannschaft zusammenzukaufen. In Wirklichkeit scheitern sie daran, dass sie überhaupt keine Vison vom Fußball haben, den sie spielen lassen wollen. Was soll Fußball des Jahres 2008 denn für Bayern sein?

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Wer zuletzt lacht, lacht in Wien

My beautiful self hatte die Idee, Bertdesign hat dann das Target ausgemacht. Der polnische Verband betreibt eine Umfrage, auf welchem Platz die polnische Fußballnationalmannschaft ihre Vorrundengruppe bei der EM beenden wird. Da der polnische Fernsehsender www.tvn24.pl vor Kurzem eine Umfrage bei kicker.de kaperte, wollen wir uns nun ein klein wenig revanchieren, nicht ohne klar zu sagen, dass es sich hier um eine, naja, nennen wir es Spaßguerilla-Aktion ohne nationalistische Ressentiments handelt. Wer Umfragen in Deutschland kapert, verfälscht oder mit verfälschten Umfragen kapern geht, darf sich nicht wundern, wenn etwas zurückkommt. Leider kann ich mit meiner Handvoll Besucher pro Tag nicht wirklich gegen die 300.000 Besucher, die der polnische Fernsehsender auf den Plan rief, anstinken, deshalb bitte ich um Unterstützung all jener Blogs, denen eine solche Aktion nicht zu kindisch erscheint.

Bitte also beim polnischen Verband auf 4. miejsce klicken, miejsce ist polnisch für Platz. Danke.

Die martialische Sprache auf dem Blindfischblog („zum Gegenschlag ausholen“) unterstütze ich übrigens nicht, ich nenne das Ganze etwas schmähhafter:

„Wer zuletzt lacht, lacht in Wien.“

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Lehmann und Hildebrand: Zweitligaspieler suchen einen Verein

Möglicherweise wird sich Timo Hildebrand in naher Zukunft seinen Arsch mit Ronald Koemans Krawatte abwischen, möglicherweise doch. Freunde werden die beiden ganz sicher nicht mehr.

Nach Koemans Ankunft beim FC Valencia wurde Hildebrand abserviert, steht nicht mal mehr im Kader, und laut diverser Quellen sucht Koeman sogar nach einem neuen Torhüter, obwohl auch Hildebrands bisheriger Kontrahent Cañizares eine bis vor Monaten noch ausreichende Qualität zu haben schien, so weit man das aus dem stillen Kämmerlein 2344km (laut Routenplaner) vom Akt des Geschehens beurteilen kann.

Nun haben wir also schon zwei Fälle von eigentlich sicheren Torwartkandidaten für die EM, die keine Stammspieler in ihren Vereinen mehr sind: Jens Lehmann und Timo Hildebrand, der immer deutlicher das Pech zu haben scheint, zwischen alle Fronten zu geraten. Sowohl die Generationsfronten in der Nationalmannschaft als auch die Beraterfronten, die sein Berater eben für ihn aufbaut. In der Frage der Nationalmannschaft scheinen mir Hildebrands Chancen durch die Ankunft des germanophilen Koemans deutlich schlechter zu sein als jene Lehmanns, doch noch in den Vereins-Strafraum zurückzukehren; womit an dieser Stelle nicht das Warmschießen des vom jeweiligen Trainer bevorzugten Kollegen gemeint ist.

Eine kleine Übersicht darüber, welcher Klub in der zweiten Liga einen Torhüter gebrauchen könnte, finden wir bei Bolzplatz, vielleicht sollte sich angesichts der Fülle des Angebots auch der eine oder andere dort nicht erwähnte Verein seine Gedanken machen.

Weitere Alternativen für Lehmann und Hildebrand wären natürlich insbesondere die in der ersten Liga abstiegsgefährdeten Clubs. Erstens würde man damit Sympathiepunkte beim Zeit seines Lebens nur bei Loser-Clubs spielenden Bundestorwarttrainer Köpke sammeln, zweitens weiß jeder, der schon mal beim kicker-Managerspiel mitgemacht hat, dass Torhüter von Abstiegskandidaten, so sie nicht Piplica heißen, immer gute Punktegaranten sind.

Punkten müssen nämlich sowohl Lehmann als auch Hildebrand in den nächsten paar Wochen, wollen sie nicht gänzlich unter Kreuzfeuer so berufener neutraler Experten wie Sepp Maier oder Kaha (das ist kein brasilianischer Künstlername) Rummenigge geraten. Wie man weiß, ist vor allem die alte Torwartlegende ein Ausbund an Neutralität. Insofern ist klar: Besser im Ausland bleiben als bei DSF vom Maier Sepp unter Beschuss genommen werden, weil man zufällig mit seinem schlechten Zweitligaklub verloren hat, obwohl man 14 sog. unhaltbare aus dem Winkel gefischt hat. Für den Maier Sepp zählen nur Titel, Tore (keine im Sinne von Gegentoren), Triumphe, ganz besonders die Lebensleistung, also, wo man wann mal vor 20 Jahren einen gefährlichen Torschuss gehalten hat, niemals aber die eigentliche Torhüterleistung.

Maier Sepp ist aber auch der, der damals bei Dalli-Dalli schon unter Hänschen Rosenthal bei jenen Spielen, bei denen es um Worte ging, die meisten Fehler gebaut hat. Nur gut, dass dieser Anachronismus aus der Nationalelf entfernt wurde. Wie dem auch sei, bei einem „neutralen“ Bericht der FOTO-Zeitung dann eben jenen Ex-Kahn-Lobbyisten (Lobbyist ist er noch immer, nur wird er nicht mehr ernst genommen) als „Zeugen“ zu befragen, zeugt von eben jener Unbefangenheit bei der Zeugenaufnahme.

Wirrer Rede, kurzer Sinn, wir halten es mit Lehmann himself, der letztens noch sagte: Ich habe in meinem Leben schon so viele Spiele gemacht, da kommt es auf ein paar mehr oder weniger auch nicht an, das Torwartspiel werde ich schon nicht verlernen.

Kern all dessen ist jedenfalls, dass die immer wieder angeführte Äußerung, einen „Torwart ohne Spielpraxis“ nicht spielen lassen zu können, bitteschön endgültig auf dem Friedhof der Fußballweisheiten begraben werden darf. Wer hat je die Gültigkeit der gegenteiligen Aussage bewiesen? Verlernt man bei den Trainingseinheiten von montags bis freitags etwa sein Können?

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Der große Blonde mit der neuen Blonden

Eigentlich mag ich keinen Boulevardcontent, ich mag auch keinen Nerdcontent, und darüber reden, welchen Content ich mag, mag ich schon mal gar nicht.

Heute führt aber kein Wegmann daran vorbei, Bernd Schuster zu erwähnen. Bernd Schuster und seine Frau Gaby, das war lange Jahre eine noch symbiotischere Beziehung als man es zum Beispiel von Bodo Illgner (der mit der großen Torwart-Ära in der Nationalmannschaft) und dessen Frau Bianca kennt. Gaby Schuster war nicht nur Bernd Schusters Managerin, sie war quasi seine Chefin. Immerhin war sie sechs Jahre älter als er, und Bernd Schuster begann die Liaison in ganz jungen Jahren. Nun weiß ich nicht, wie man als zum Beispiel 27-Jährige auf die Idee kommt, mit einem 21-Jährigen anzubandeln, es sei denn, der Kontostand des 21-Jährigen hätte da eventuell einen leichten Einfluss, oder besser gesagt: der zu erwartende Kontostand eines Spielers, der von spanischen Topclubs umworben wird. FC Barcelona, Real Madrid und Atletico Madrid hießen schließlich die weiteren Stationen des „blonden Engels“, der angeblich für eine Teilnahme an der WM 1986 bzw. je nach Quelle 1982 1 Million DM Antrittsgeld gefordert hatte, woraufhin dieser in Spanien weithin verehrte deutsche Fußballstar nie an einer WM teilnahm. Selbst 1994 soll es laut Wikipedia noch Versuche gegeben haben, den großen Blonden mit den schwarzen Fußballschuhen zu einer WM-Teilnahme zu überreden — vergeblich, wie der geneigte Leser weiß.

Mit ganz jungen, damals sogar noch jüngeren, 21 Jahren ging Schuster vom 1. FC Köln, wo er nie hingehört hatte, zum FC Barcelona, ließ sich sein großes Ballspieltalent ordentlich versilbern und sorgte so dafür, dass seine Chefin und Managerin ein mondänes Leben führen konnte. Dass er zeit seines Beziehungslebens unter der Knute stand, schien ihm nicht allzu viel auszumachen. Wie man weiß, sind solcherlei Beziehungen fast immer von gegenseitigem Nutzen geprägt und auch der große Bernd wird von der Knute profitiert haben, in welcher Form auch immer.

Nie hätte man sich allerdings träumen lassen, dass solch eine scheinbar perfekte Passung wie diese auseinanderbricht. Jetzt ist es soweit: Bernd Schuster hat eine neue Frau. Da die Quellen, die dies belegen (wollen), an dieser Stelle leider unzitierbar sind, ist erstens unklar, wie viel wirklich dran ist, zweitens unklar, ob die neue Frau wirklich neu ist und drittens unklar, ob die angebliche Schwangerschaft eine echte Schwangerschaft ist.

Kurz gesagt: Nichts Genaues weiß man nicht, aber die Tatsache, dass die unzitierbaren Quellen davon sprechen, dass die Verbindung zu Gaby schon bröckelte, seit Bernd Schuster zu CD Xerez ging, was jetzt sechs Jahre her ist, lassen annehmen, dass etwas dran sein könnte an den Vermutungen des Boulevards.

Eine neue Frau an Bernd Schusters Seite, Elena soll sie heißen, gar wie oben erwähnt schwanger sein: Das gleicht einer Revolution im Leben Bernd Schusters, hat er doch anscheinend erfolgreich diese Symbiose aufgelöst und sich möglicherweise ein bisschen spät, aber nicht zu spät, von seiner Chefin emanzipiert.

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Poldi und Flipper oder Was halt grad so da war

Bei Stefan Niggemeier und auch bei wirres.net gibt es immer wieder diese Beiträge zu besonders gelungener Bebilderung von Beiträgen im Internet, gerne vor allem bei den „Symbolbildern“.

Es wird jetzt keine Serie draus — was die Berliner Zeitung hier illustriert, wird mir aber auch nach Längerem In-Mich-Gehen nicht klar.

Weder ist im Text von einem „Untergang“ die Rede noch sehe ich irgendeine Verbindung zwischen einem Delfin, einem kleinen Jungen und der Löwschen Nationalmannschaft — auch nicht nach dem gestrigen unsanften Zurückgeholtwerden auf den Boden der Realität.

[photopress:deutschland_tschechien.jpg,full,centered]

Meine Theorien reichen von einer möglichen Therapieform für den kleinen Lukas Podolski, auf dass er sich endlich weiter entwickele, bis zu der eindrucksvollen Leichtigkeit, mit der Jens Lehmann durch den Strafraum schwebt, auch wenn im Hintergrund schon die Meute der neuen, jungen Torhüter lauert, hier verkörpert durch einen scheinbar übergroßen Delfin.

Bezogen auf das Trainerteam sehe ich vorne den wiederum kleinen „Hansi“, der noch wirkungslos, langsam sinkend, hilflos mit seinen Ärmchen um sich plantscht, während der Schatten des in seiner Rolle als Co-Trainer überaus erfolgreichen Jogi Löw als unüberwindbares Hindernis die Chancen auf Erfolg für Hansi gen Null schwinden lässt.

Oder ist es eine Anspielung auf „Flipper“, was bekanntlich einst Jürgen Klinsmanns Spitzname war, und es ist doch das Leichtgewicht Jogi gemeint, welches vorne zu sinken beginnt?

Vielleicht ist es aber auch ganz anders und Ihr alle versteht es, nur ich sehe die geheime Botschaft nicht, die für Eingeweihte klar ist wie, nun ja, Taucherbrillen eben klar sind.

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Die Gedanken sind frei zu langsam

Hätte es nach seinen unterlöwschen Auftritten in den letzten Partien noch eines Beweises bedurft, so ist er heute endgültig vollbracht: Trochowski ist gedanklich zu langsam. Er mag seine gewiss anspruchsvolle Technik haben und auch ein feiner Fummler sein, so lange er in der Bundesliga antritt.

Auf internationalem Parkett schaltet er regelmäßig so spät, dass sein noch nicht zu Ende gedachter Pass schon längst in Richtung des deutschen Tores unterwegs ist, während er selbst sich noch wundert, wo der Ball ist, der zwei, drei Sekunden vorher noch von seinem Fuß durchs Spielfeld getrieben wurde. Der Gegner war da schon schneller mit dem Verb zum Spitzel.

Es ist gut und richtig, dass junge Spieler an die Nationalmannschaft herangeführt werden, dass man ihnen Zeit lässt, dass sie Fehler machen dürfen. Wenn einer aber nur Fehler macht und seit Wochen nichts Konstruktives zustande bringt, dann darf man sich nicht wundern, wenn man seit heute gestern Ex-Nationalspieler ist.

Jeder weiß, dass kein Mensch hinten Augen im Kopf hat. Dafür spielt man aber knappe 20 Jahre lang Fußball, um verinnerlicht zu haben, dass auch dort, wo man gerade nicht hinguckt, gegnerische Spieler rumlaufen und eventuell sogar den Ball haben wollen könnten.

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Adiós, elendige Schweinebälle

Vielleicht fällt es gar nicht mehr auf, umso herausstechender war es dann am Samstag: Die deutsche Nationalmannschaft spielt keine Schweinebälle mehr. Das sollte zwar selbstverständlich auf diesem Niveau sein, war es aber lange Jahre nicht.

Es war Mitte der zweiten Halbzeit, als einer der weiß Gewandeten den Ball lang, plan- und ziellos die Linie entlang drosch, in der guten Hoffnung, er würde schon einen Abnehmer finden. Fand er natürlich nicht, wie es bei Schweinebällen nun mal der Fall ist.

Dass diese Szene so auffällig anders ist, dass wir ansonsten quasi überhaupt keine Schweinebälle mehr im meist gut durchdachten und — auch das Wörtchen Rumpelfüßer kann man jetzt mit einem „adé“ versehen — fast immer ballsicheren Spiel der Nationalmannschaft sehen, ist eine wahre Freude. Es wirkte tatsächlich so, als ploppte die Wahrnehmung dieser Spielszene aus den übrigen Spielszenen heraus. Man kennt dieses Phänomen: man blickt auf eine DIN-A-4-Seite voller Buchstaben, darunter nur eine einzige Zahl. Das Hirn erkennt die Andersartigkeit dieses Reizes ohne jeglichen aktiven Aufwand. 90 Minuten voller kurzer, zielgerichteter Pässe und ein Moment des Anachronismus, da gehen selbst beim Laienhirn die Alarmsirenen automatisch an.

Darf man in diesem bemerkenswerten Moment als langjähriger Leidender einfach mal ein wenig glücklich sein und genießen, wie ansehnlich dieser Fußball geworden ist?

Ja, darf man.

Nein, Schweineball ist nicht gemeint. Schweinebälle.

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Auch Du, mein Sohn, Jens

Inhaltlich passt das Zitat leider gar nicht, weil Jens keinen Kaiser ermorden wird. Er wird aber ebenfalls den richtigen Zeitpunkt für seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft verpassen, wie so viele vor ihm. Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich ein großer Anhänger von Lehmanns Torwartkünsten bin. Und die zwei Fehlerchen am Anfang der Premier League sollte man ihm eigentlich verzeihen, so wie man jedem Torwart ein, zwei Fehler pro Saison nachsehen sollte.

Dass er jetzt aber, im Alter von 37 Jahren, verkündet, auch bei der WM 2010 noch im bundesdeutschen Tor stehen zu wollen, lässt auf zweierlei schließen:

1. Er hat die Fähigkeit verloren, seine Kräfte und vor allem den immer schnelleren Abbau seiner Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter richtig einzuschätzen. In von heute aus gesehen drei Jahren wird Lehmann nicht mehr annähernd das Niveau besitzen, das er zur Zeit zweifelsohne noch hat.

2. Er spekuliert darauf, dass die aktuell (in Europa) fast konkurrenzlos scheinende deutsche Mannschaft ihre Form bis in drei Jahren wird halten können. Würde er eine WM spielen wollen, wenn absehbar wäre, dass sie wie die EM 2000 endet? Sicher nicht, er hofft eben auf Zoffkeske späte Lorbeeren. Auch damit beweist er, gerade für sein Alter, erstaunliche Uneinsichtigkeit. Drei Jahre sind eine Ewigkeit, bis dahin wird Podolski schon verwelkt sein, es wird ein wahrscheinlich relativ unerfahrenes Mittelfeld auf den Platz treten und die vielen, jetzt gerade hochgejubelten Talente wie eben jener Kroos, wie Helmes oder Wagner sind wieder zurück zum FC Augsburg, Carl Zeiss Jena respektive FC Bremerhaven.

Lehmann, sieh’s ein.

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Harry Wijnvoord und die deutsche Nationalmannschaft

Mittags in Deutschland.

Ich beginne mal wieder mit den üblichen Worten: „Ja, nee,“ nicht die Männer-, sondern die Frauen-Nationalmannschaft. Harry Wijnvoord hat schon lange abgedankt bei „Der Preis ist heiß“. Eventuell gibt es die ganze Sendung samt ihres grotesken Walters nicht mehr. „Ruck-Zuck“ könnte da nachgerückt sein, aber auch das ist wohl schon wieder tot.

Wer jetzt sehr traurig ist, weil er nicht mehr weiß, was er an einem freien Tag mittags im Fernsehen schauen soll, dem kann geholfen werden: Ungefähr zur selben Zeit werden normalerweise Länderspiele der Frauen-Nationalmannschaft gesendet.

Gott weiß, warum. Selbst die U21-17 der Männer spielt nicht mittags.

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Kindermund tut Wahrheit kund

Philipp Lahm nach dem gestrigen Sieg gegen England.

„Es ist immer schön in England zu gewinnen.“

Und weil er sich mit genau diesem Thema so gut auskennt, darf er in dem Fall auch so überzeugend aus dem Nähkästchen plaudern.

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Zweistellig

Wenn ich diesem Beitrag Glauben schenken darf, hat die deutsche Nationalmannschaft auch in ihrer wackeligen Anfangsphase nie zweistellig verloren. 0:9 lautete die höchste Niederlage, gegen England war das.

Lasst uns gemeinsam beten, dass es auch in Zukunft nie zu einer zweistelligen Niederlage kommen wird. Und: ja. Auch die Atheisten dürfen jetzt mitbeten, weil wir uns natürlich nur an den Fußballgott wenden, den es genausowenig gibt wie alle anderen Götter. Beim Fußballgott darf man diese Tatsache aber wenigstens aussprechen, ohne in Schwulitäten zu kommen.

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Footie fashion

Ich war mal ein fanatischer Trikotliebhaber. Allerdings nicht einer jener Sorte, die einfach immer das aktuellste Trikot des Lieblingsvereins kauft. Ich war immer auf der Pirsch nach den besonderen Fünden: ein französisches Nationaltrikot von 1972 oder eine Sonderausgabe von Paris St. Germain ohne Werbeaufdruck, gerne ein Trikot der Woodminster Football Association in den USA, ein Trikot der JSG Korbach, sogar das hässliche bunte Regenbogentrikot des VfL Bochum ist in meinem Besitz. Ein Gladbachtrikot mit Diebels-Werbung, ein oranges synthetisches Trikot von einer belgischen Uni oder das (nachgemachte) Trikot der deutschen 54er-Mannschaft.

Aber, liebe Leute, auch eine Kunstfigur wird älter und so hängen diese Trikots nur noch nutzlos im Schrank rum. Zu nicht-sportlichen Anlässen trug ich Trikots ohnehin nur bis zum ca. 20. Lebensjahr, wenn überhaupt, in einer Disco oder Bar sah man mich damit nie. Zu sportlichen Anlässen trug ich dann schon gerne mal das eine oder andere Trikot, das nun nicht das meiner Mannschaft war (natürlich nicht zu offiziellen Spielen), aber auch dieses Faible ist leider verloren gegangen. Es gibt nichts Peinlicheres als erwachsene Männer Menschen in Fußballtrikots (außer im oder auf dem Weg zum Stadion).

In den vier besonderen Wochen des letzten Sommers war es vielleicht noch gerade so akzeptabel, auch tagsüber und zu anderen Gelegenheiten in Fußballtrikots rumzulaufen, ansonsten möchte ich aber mit niemandem zu tun haben, dessen Garderobe hauptsächlich aus Sportkleidung besteht. Ja, dazu gehören auch all diese Träger von vermeintlichen Fußballtrikots, die gar keine sind. Damit meine ich diese komischen T-Shirts, auf denen ein stilisierter Fußball und ein Schriftzug „Cameroon“ oder „Brazil“ prangt.

Sportkleidung kommt in höherem Alter nur noch zu einem Anlass auf den Tisch: beim Sport.

Wer noch jung ist und den Fauxpas trotzdem begehen will, sollte sich zumindest anleiten lassen, wie man im Fauxpas noch einen kleinen Rest Stil bewahrt.

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