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Schlagwort: Sprache

Freunde der Weihnachtssocken

„Servus“ — „Zu Diensten“ — steht noch dazu vor dieser in der Überschrift zitierten dümmlich-teenageresken Anrede durch Jürgen Klopp in seiner täglich wöchentlich monatlich selten erscheinenden Kloppolumne auf seiner Webseite.

Von Webseiten, die selten aktualisiert werden, sprachen wir ja schon. Dass der viel beschäftigte Abstiegstrainer der Saison 2006/07 aber zur Zeit wenig von der selben hat, ist natürlich verständlich. Trotzdem sollte man so etwas nicht „Kolumne“ nennen, sondern „Jahresausblick“ oder — wenn man es noch öfter verschwitzt, eine Kolumne zu schreiben — „Fünfjahresplan“.

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Erwin, Eugen und Heinz

Erwin, Eugen, Heinz und Reinhard, Willibald und Hubert. So und ähnlich hießen die Spieler einer aus Deutsch-Rumänen bestehenden Fußballmannschaft, gegen die wir einst antraten. Lustig wirkte das, wenn Leute, die deutlich jünger waren als ich, Vornamen trugen, deren Hochphase länger her ist als der Muff aus den Talaren gewichen ist.

Und weil ich so selten Sportschau schau, habe ich bislang trotz Alberts recht bewegter Bundesligageschichte auch noch nie Albert Streit im Interview gehört. Der Vorname kam mir nicht allzu „verdächtig“ vor, heutzutage, bzw. vor ca. 20-30 Jahren gaben ja viele Eltern ihren Kindern eigentlich veraltete deutsche Vornamen, wie Max, Richard, Claus oder von mir aus dann eben auch Albert. Albert finde ich bei Weitem nicht so unmöglich wie Eugen oder Hubert. (Auch deren Phase wird allerdings wieder kommen, seid Euch sicher.)

Heute sah/hörte ich dann Albert Streit nach seinen schnellen beiden Toren beim VfL Bochum zum ersten Mal im Interview sprechen. Und sofort wunderte ich mich und dachte: der Mann ist doch kein Muttersprachler! Welch komischen Akzent er spricht! Er sprach zwar wirklich grammatikalisch einwandfreies Deutsch, aber der Akzent, der Akzent…

Kurz ge-wikipedia-t und siehe da: Albert Streit ist auch einer von diesen Deutsch-Rumänen, geboren 1980 in Bukarest. Und ich wette, dass seine Eltern nicht ahnten, dass sie mit der Wahl des uralten Vornamens „Albert“ mitten auf einer in Deutschland zu jener Zeit angesagten Welle surften, sondern einfach aus der Reihe „Erwin, Heinz, Eugen, Willibald, Hubert, Fritz und Albert“ den ihnen am besten gefallenden Namen auswählten.

PS: Möglicherweise müsste man diese oben von mir erwähnte Gruppe auch Rumänien-Deutsche nennen. Ich weiß es nicht.

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Stuttgarts junges Wild

Hase, Hirsch und Kaninchen stehen beim VfB mal wieder auf dem Speiseplan, weil sich die Herren Journalisten unglaublich einfallsreich zeigen.

„Junge Wilde“ nennen sie die aktuelle Truppe der Stuttgarter. So nannten sie vor knappen drei Jahren schon die Stuttgarter, damals aber in fast vollkommen anderer Besetzung. Sollten die jungen Spieler, die Gladbach zur Zeit einsetzt, groß rauskommen, hätte ich auch schon eine witzige, kreative Bezeichnung für sie in petto: „Fohlen“.

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English for Fußballer

Heute lernen wir eine für Fußballer sehr wichtige englische Vokabel, sie lautet: mooning.

mooning“ – „den nackten Hintern zeigen“

Was das mit Fußball zu tun hat? Fragt einfach mal Wolfgang Kleff.

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Wir wollen ja nicht populistisch werden

Nein, wollen wir nicht. Deshalb kein Wort zu dem an Sammers Villa in Dortmund angeschlossenen Bolzplatz, den er bauen ließ, obwohl sein Sohn doch noch nicht mal rückwärts laufen kann! Und die Faust lassen wir trotz der vier Badezimmer und der fünf Schlafzimmer und trotz Sammers vollkommen schlappen Jugendkonzepts und seiner bislang überflüssig anmutenden Tätigkeit beim DFB auch in der Tasche. Hier wird ja nicht gehetzt. Zum Glück. Aber ein bißchen Schadenfreude darf sein, wo sonst, wenn nicht in Deutschland, wenn es das Wort „Schadenfreude“ doch in keiner anderen Sprache gibt?

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Aber du wolltest dich doch melden!

„Die Meldeauflagen in Deutschland interessieren sie kaum.“

schreibt die taz zu den… naja, wie soll man sie nennen? Fußballinteressierte sind es wohl kaum, Fans auch nicht und Hooligans, ich weiß nicht, ob das noch Hooligans sind. Hooligans fahren doch zu den Spielen, um sich mit den gegnerischen Hooligans zu prügeln. Diese Leute haben nicht mal dieses Ziel, sie wollen eher den Eindruck erwecken, dass „die Deutschen“, in Form von ihnen selbst, „wieder da“, nämlich in der Slowakei, wo sie schon vor knapp 60 Jahren waren, seien. Das sind wohl keine Hooligans, sondern Nazis. Leider reichen meine Kenntnisse der Hooliganszene nicht aus, um zu beurteilen, ob das nicht ohnehin immer dasselbe ist, ich denke aber eher nein.

Jedenfalls schreibt das die taz zu den Menschen, die in die Slowakei reisen, um dort nicht Ballack und Schweini anzufeuern, sondern eher den einen oder anderen Konflikt.

Wir dürfen uns wieder darauf freuen, dass der Kommentator der Fernsehübertragung kein Wort zu den rechten Sprüchen kommentieren wird, dass die slowakische Polizei überfordert sein wird und dass die Menschen aus Deutschland Karten auf dem Schwarzmarkt in der Slowakei kaufen werden.

Was im Vergleich zum letzten Mal anders sein könnte, ist das Fehlen des selbst häufig durch martialisch-militärische Vergleiche glänzenden Mayer-Vorfelder. Zwanziger scheint kein Mann zu sein, dessen Weltbild insgeheim dem der Rechten ähnlich ist. Sein Handeln nach den neuerlichen Vorfällen gegen Ogungbure spricht eine andere Sprache.

Bleibt die Frage, was diese Meldeauflagen überhaupt sollen, wenn es offensichtlich kaum Konsequenzen hat, sich nicht daran zu halten.

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Eine große sportliche Veranstaltung

Der aufregend debile Text der Hymne der Champions League lautet folgerndermaßen:

„Ce sont les meilleures équipes, Es sind die allerbesten Mannschaften, The main event, Die Meister, Die Besten, Les grandes équipes, The champions

Une grande réunion, Eine große sportliche Veranstaltung, The main event, Ils sont les meilleures, Sie sind die Besten, These are the champions, Die Meister, Die Besten, Les grandes équipes, The champions

Die Meister, Die Besten, Les grandes équipes, The champions“

Wer wundert sich da noch, dass die Champions League weitestens als Show-Veranstaltung und weniger als sportlicher Wettkampf empfunden wird? Wäre es eine große sportliche Veranstaltung, müsste man das nicht extra noch erwähnen.

Hat jemand je einen Song über die WM gehört, der die WM zu einer „großen sportlichen Veranstaltung“ erklärt?

Die Aussage „These are the champions“ finde ich übrigens auch noch diskutabel. Alte Hüte, ich weiß, aber der Text der Hymne war mir neu.

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Deutsch jetzt endlich ganz einfach

Ein Lexikon, zwei Lexikons.
Ein Kaktus, zwei Kaktuss.
Ein Atlas, zwei Atlass.
Ein Stadion, zwei Stadions.
Eine Lampe, zwei Lampes.
Eine Fanhorde, zwei Fanhordes.
Eine Arena, zwei Arenas.

[photopress:screenshot_arenas.jpg,full,centered]

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Kleiner Pimmel

Natürlich denken jetzt alle zuerst an mich. Das wäre aber zu billig. Unter „Billige Lacher“ wird dieser Eintrag auch nicht archiviert werden. Es ist nämlich ernst, was ich jetzt erzähle: Sergio Pinto ist ein in Deutschland aufgewachsener Spieler portugiesischer Abstammung. Und laut diverser Quellen bedeutet der Name „Pinto“ auf brasilianisch „kleiner Pimmel“. Das kann ich kaum glauben, gibt es doch mehr als nur einen Pinto im Weltfußball. Sollten diese Leute alle „kleiner Pimmel“ heißen? Das klingt doch arg nach einer urban legend.

Interessanterweise begann Sergio Pinto seine Karriere im gleichen Verein wie Christoph Metzelder: beim TuS Haltern. Es scheint in Haltern ähnlich gute Luft fürs Fußballspielen wie in der Gegend um Lörrach zu geben.

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Hau den Materazzi

Materazzi macht sich selbst klein, um einer möglicherweise gerechten Strafe für seine Provokationen gegen Zidane im gestrigen Finale zu entgehen. Wie die Tagesschau berichtet, soll Materazzi Zidane einen

“dreckigen Terroristen”

genannt haben. Und obwohl Materazzi sich dazu mit den Worten

“Ich bin ein Ignorant. Ich weiß nicht mal, was das Wort bedeutet.”

verteidigt, ist es so unwahrscheinlich nicht, dass Materazzi zumindest irgendeine Beleidigung gegenüber Zidane losgelassen hat. Im notorisch Fremdsprachen-phoben Italien spricht kaum jemand französisch und 99% aller italienischen Fußballprofis haben es nie nötig gehabt, im Ausland zu spielen. Zidane aber versteht italienisch, da er selbst einige Jahre in Turin unter Vertrag war.

Abgesehen davon ist es mit Spanischkenntnissen — die Zidane hat, weil er nun einige Jahre in Madrid spielt und weil seine Frau je nach Quelle Spanierin oder Halb-Spanierin ist — ein Leichtes, Italienisch zu verstehen.

Derweil also Materazzi den dummen Jungen in einem bösen Stück mimt, können wir es Zidane nachmachen und Materazzi aus dem Weg räumen, wozu uns dieses kleine Spielchen einlädt. [Link leider tot]

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Jurgen Klinsmann

Weil der Nachfolger von Eriksson als englischer Nationaltrainer schon feststeht, geht den Medien auf der Insel der Stoff aus. Da muss man schon mal über die Nordsee schauen, um seinen Senf zu dort relevanten Themen abzugeben (Umfrage der Onlineausgabe des Guardian):

[photopress:guardian_klinsmann.jpg,full,centered]

Beim nächsten Mal dann bitte mit Umlaut.

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Baadilson

Eine nette Spielerei: gib Deinen kompletten Namen ein und Du erhältst Deinen brasilianischen Künstlernamen. Bei mir kam allerdings nicht wie in der Überschrift „Baadilson“ heraus, sondern Baadaldo.

Sieht natürlich ungewöhnlich aus, zwei a’s in einem portugiesischen Namen, aber den Namensgenerator für holländische Spielernamen gibt’s leider noch nicht.

[photopress:baadaldo.jpg,full,centered]

Trainer van Baaderooij muss also warten, bis er erfunden wird.

via indirekter-freistoss.de

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genial

Nein, ich rede nicht davon, dass Brasilien „nicht mehr“ genial ist, weil sie eben einfach nicht genial spielen.

Ich rede davon, dass man dieses Wort als Kommentator und Moderator jetzt bitte endlich aus seinem Wortschatz streichen soll. Nicht jeder Pass über 5,5 Meter, der auch ankommt und dabei zufällig gegen die eigene Laufrichtung oder durch die Beine des Gegners gespielt ist, ist genial.

Ab heute bitte dieses Wort nur dann benutzen, wenn etwas dem Wortsinne nach genial ist: Das kann per Definition nicht etwas sein, was man in jedem dritten Spiel sieht, wie ein Weitschusstor, einen Flugkopfball oder einen Übersteiger. Danke.

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