Zum Inhalt springen

Schlagwort: Trikot

Horizontal, vertikal, scheißegal

Zeit meines Lebens habe ich Probleme mit links und rechts. Hier links abbiegen. Nein, das andere links. Ah, ja. Natürlich, natürlich, ich meinte auch das andere links. Mit oben und unten passiert das nie, mit links und rechts allerdings ständig, wenn auch nur in Druck- (unmenschlicher), Stress- und ähnlichen Situationen.

Dasselbe Schicksal ereilt mich, wenn es um horizontal oder vertikal geht. Dabei ist das mit horizontal und vertikal ja eigentlich viel einfacher als die Sache mit links und rechts. Hinterm Horizont Unter einem Horizont kann ich mir jederzeit etwas vorstellen und ich weiß auch, wie er sich normalerweise auf meiner Netzhaut repräsentiert: gerade. Also eben. Horizontal gerade eben. Unter einem Links an sich kann ich mir wenig vorstellen, und dass Rechts irgendein Verwandter von Recht sein soll, hilft mir in den Zehntelsekunden, in denen derlei Entscheidungen gefällt werden müssen, bei weitem nicht so viel wie das Adjektiv zu Horizont.

Das erschwert die Problematik.

Horizontal, das wird mir fast immer sofort klar. Vertikal wird mir nur dann überhaupt klar, wenn es zusammen mit horizontal verwendet wird. Sozusagen das andere Links im Bezug auf horizontal. Diese gleichzeitige — für mein Hirn zur ordnungsgemäßen Verarbeitung der Begriffe unablässliche — Verwendung von horizontal und vertikal ist seit dem Ende des Märchensommers 2006 in diesen Breiten deutlich zurückgegangen. Es wird fast nur noch vertikal alleine benutzt, und dann streikt mein Hirn immer bei dem Versuch, mir vorzustellen, wie vertikales Spiel denn aussehen soll.

Diese Schwierigkeit wird noch dadurch verschärft, dass ich mittlerweile beim Blick aufs Spielfeld meist den Blick der Fernsehkamera vor meinem geistigen Auge habe. Ich sehe das Spiel also nicht aus Spielerperspektive, sondern aus Fernsehkameraperspektive. Wo ist da jetzt horizontal? Horizontal ist doch da, wo die Sitzreihen anfangen, wo das Stadiondach der Gegentribüne entlang läuft und warum sollte man nicht in dieser Richtung Pässe spielen, die ja dann zwangsläufig entweder auf das eine oder das andere, sie es auch das eigene, Tor zulaufen würden. Ein Rückpass ist zwar nicht spannender als ein Querpass, außer wenn er zu kurz geraten ist, aber ob Rück- oder Quer ist jetzt gar nicht so entscheidend, denn jene Pässe, die in Richtung des gegnerischen Tores gehen, dürften sicher überwiegen.

Vertikal, das erinnert immer an vertikutieren, was man mit Rasenflächen sicher des öfteren tun sollte, vertikal erinnert an Kreuzworträtsel aus der FAZ, derer ich noch nie auch nur eines komplett zu lösen im Stande war, an Kreuzworträtsel allgemein, vor allem erinnert es aber an Wörter wie Vertigo, vertiefen, verteufeln, wertmindern und pferd, sofern man westdeutsch das p vom pf weglässt. Es sagt mir einfach nix. Wo soll das sein, dieses vertikal? Etwa in der Nähe von links? Vielleicht im zweiten Hydranten? Outer space, ganz hinten in der Galaxie?

Vertikales Spiel muss ein Begriff sein, der eingeführt wurde, um eine Kunstsprache zu erfinden, derer nur die Eingeweihten mächtig sind, zu denen ich nicht zähle. Man könnte es profan „nach vorne“ oder „zum Tor hin“ nennen, aber das würde ja nicht diese nebulöse Verwirrung in meinem Hirn auslösen, sondern klare Bilder erzeugen. Bilder von Spielern, die einen Pass zum gegnerischen Tor hin spielen, die die Gasse suchen und dann verfehlen, aber immerhin finden wollten, von Spielern, die alleine de Spil gewinne aufs Tor zurennen und dabei verdammt noch mal vertikal spielen und laufen, ohne dass mir bewusst wäre, dass da irgendjemand irgendetwas Vertikales machte.

Vertikal. Die Einführung dieses Ausdrucks ist doch eine bewusste Verhohnepiepelung all der anderen Rentner nebst meiner am Spielfeldrand, die nicht mal mit Fremdwörtern wie positiv, negativ, ein Drittel, zwei Drittel, objektiv, subjektiv oder Fitnesstrainer etwas anfangen können. Wir echten Fußballexperten hier, ihr Dumpfbacken dort. Elitäre Nomenklatur, die allein der Ausgrenzung dient.

Mir als Richtungslegastheniker bleibt somit nur noch eins. Darauf zu hoffen, dass es bald wieder heißt: „Gladbach spielt von links nach rechts in den dunklen Trikots, Hamburg von rechts nach links in den hellen Trikots.“ Dann ist alles gut.

Denn hell und dunkel, das ist einfach.

20 Kommentare

1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11

Der Kosmos zieht sich wieder zusammen, statt älter werden wir wieder jünger, merkt Ihr schon dieses Rumpeln und Ziehen?

Endlich! Fußball ist zumindest in Bezug auf die Rückennummern der Spieler wieder Fußball. Die FIFA schreibt vor, dass es bei Länderspielen nur noch Nummern von 1 bis 18 geben darf. Leider ist nicht festgelegt worden, dass die Anfangself auch nur die Nummern 1 bis 11 tragen kann.

Da der DFB irgendwelche Probleme mit rascher Beflockung hat, gab es gestern ein Phänomen zu bestaunen, das wir seit Jahrzehnten nicht mehr kennen: Keine Spielernamen auf den Trikots. Das ist toll. Demnächst bauen wir die Stadien wieder zurück, lassen uns bei der kleinen Schlägerei nach dem Spiel von bekutteten Fans erstechen und in ca. drei Monaten schon gibt’s wieder nur noch einen Ball pro Spiel und Stadion. Wenn den ein Zuschauer mal nicht rausrückt, geht’s eben nicht weiter. Nachspielzeit wird nicht mehr angezeigt und die Reporter machen tatsächlich Pausen beim Sprechen. Einziger Haken: ab in ca. 20 Jahren gibt es nur noch 4 oder 5 Spiele der Bundesliga in der Sportschau als Zusammenfassung zu sehen, der Rest wird lediglich per Ergebniseinblendung abgehandelt.

Besonders gespannt darf man auf die Zeit ohne Bundesliga — stattdessen mit Endspielen um die Deutsche Meisterschaft — sein: Wie das wohl sein wird?

12 Kommentare

De groeten, Rafael!

Endlich isser weg. Das war ja nun wirklich nicht mehr zu ertragen, wie dieser Bubi, dieser Knilch (was ja mittlerweile auf fast alle Spieler aus dieser Perspektive zutrifft), sich noch in jedem Sommer-, Winter- oder Herbstloch mit Trikots von Bananenrepubliken oder Ähnlichem für die Zeitung ablichten ließ, diverse Spalten und Überschriften belegte und dann auch noch lächerliche Schauspielaufführungen gab, um potenzielle Wechsel nicht zu gefährden, ohne beim Abschied zu vergessen, dass er Hamburg — seine Perle — natürlich liebt und auch die Menschen dort.

Die übrigen Menschen in der Bundesrepublik scheint er nicht besonders zu mögen, ansonsten hätte er uns allen dieses jahrelange enervierende Theater inklusive herzerweichendem Gelaber von spanischen Großeltern elterlicherseits erspart, in deren Land er natürlich unbedingt spielen müsse, eines Tages. Wie schön für ihn, dass seine Großeltern nicht aus Lettland oder Albanien stammen. Sylvie van der Vaart hätte nie via OTTO-Katalog unsere Augen drangsaliert und man hätte noch tatsächliche Saure-Gurken-Zeit haben können. Und jetzt das! Da sind die Gurken mal seit dem verlorenen EM-Finale bis auf ein Streitchen zwischen Immer-noch-Heißsporn Sammer und Bundes-Jogi über eine Party extrem sauer, da wartet van der Vaart auch noch extra bis zum Ende dieser Spreewälder-sind-die-besten-Zeit, bevor er schließlich wechselt.

Es hätte doch alles so einfach sein können.

Nun sind wir froh, dass Ruhe eingekehrt ist bezüglich dieses Themas. Auch wenn wir wissen, dass das nächste leidige nicht weit sein kann. Siddharta Goppingen Gautama lauert schon darauf, dass ihm der Kopf von seinem steinernen Haupt abgeschlagen wird. Aber dazu später mehr. Sagen, wir, in einer Woche. Was ist schon eine Woche im Vergleich zum Kreislauf der ständigen Wiedergeburt?

9 Kommentare

Rafael schenkt Sylvie ein Trikot

Ja. Glaubt man kaum, aber angeblich hat er nach dem ersten gemeinsamen Date seiner Angebeteten ein Trikot geschenkt. Das Gerücht setzt eine Bilderklickhurerei-Galerie der Welt in ebenjene. Abgesehen davon, dass die Bezeichnung „article“ in diesem Link zu einer der vielen, allerorten beliebten Klickserien, hier bei der Welt, der reinste Hohn ist, macht diese Bildunterschrift bei Bild 12 doch etwas stutzig:

Herzensbrecher: Nach dem ersten Kennenlernen schenkte Rafael Sylvie zu ihrem 25. Geburtstag ein Trikot seines damaligen Klubs Ajax Amsterdam: mit ihrem Namen und der Nummer 25.

Sollte Rafael van der Vaart wirklich einer von diesen Fußballdeppen sein, die sogar noch beim Date und allem, was danach folgt, von Fußball labern, Fußballgeschenke machen und darauf rumreiten, dass sie letztens mal einen Freistoß direkt verwandelt haben? Das wäre peinlich.

Und kann man ernsthaft das Herz einer Frau brechen, indem man ihr ein Fußballtrikot mit ihrem Namen drauf schenkt? Da kann man wahrscheinlich viel eher das Herz einer Frau brechen, indem man laut rülpsend im Unterhemd mit einer Dose Bier vor dem Fernseher sitzt.

Kann man so deppert, wie Rafael sich da angestellt hat, überhaupt das Herz einer Frau brechen? Achso, ich vergaß van der Vaarts Kontostand, zumindest den damals schon zu antizipierenden.

7 Kommentare

Die Ringelsocken waren’s

Da wird es der Borussia aus Dortmund wohl nicht so viel nützen, morgen in extra nur fürs Finale kreierten Trikots anzutreten: es lag nämlich an den Socken, wie der Helden von Berlin Norbert Dickel zu berichten weiß.

Kleine Randnotiz: Das Rekordergebnis im Pokal-Finale liegt bei 5:0. In dieser Höhe gewann der FC Schalke 04 1972 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Und sollten dem BVB nicht bis morgen noch ein paar modische Kniffe einfallen, die die Bayern „verwirren“ könnten, wackelt der Rekord morgen ordentlich.

Wobei das immer so eine Sache ist mit Weissagungen vor sportlichen Wettbewerben, weshalb sich dieser Teil des Beitrags auch im Falle eines Dortmunder Sieges von selbst vernichten wird.

9 Kommentare

Wettlauf mit Handikap

Da laufen die Erwachsenen schnell voran und den Kindern sagt man: lauft doch einfach genauso schnell. Hier habt ihr Schuhe, die sind genauso groß wie die der Erwachsenen, und Trikots, die sind genauso groß wie die der Erwachsenen. Die Ausrüstung ist die gleiche. Nun lauft doch auch.

Unbeholfen stolpern sie in ihren viel zu großen Schuhen und durch die Trikots pfeift der Wind. Schon nach ein paar Sekunden wächst der Abstand und er wird immer größer. Wer ist nur auf die Idee gekommen, die Kinder bei den Erwachsenen mitlaufen zu lassen?

4 Kommentare

Magath, der neue Doll-Meyer

Was soll das, Felix Magath jetzt wegen zweieinhalb in Folge gewonnener Spiele „gute Arbeit“ zu bescheinigen? Bei Bayern hatte er zwei Jahre Zeit, hat nur fürchterlichen Ergebnisfußball spielen lassen, hat sich in der Champions League vom AC Mailand taktisch derart die Lederhosen ausziehen lassen, dass man dort eigentlich die Trikots T-Shirts verkaufen könnte, die der FC Energie Cottbus jetzt anbietet: Lederhosenauszieher. Peinlich jedenfalls für Magath und keineswegs von Erfolg geprägt.

Dennoch: Haben alle schon vergessen, wie kurzlebig der Fußball ist, und zu welch großem Anteil er vom Zufall abhängig ist?

Thomas Doll übernahm den HSV auf einem Abstiegsplatz, führte sein Team mit seinen Methoden in die Tabellenspitze und mit denselben Methoden (und dem Zufall, hier in Form von Pech) wieder zurück in den Tabellenkeller. Nur: Weiß man überhaupt, dass die Erfolge auf seiner Arbeit beruhten? „Der Einfluss eines Trainers wird vollkommen überschätzt“, sagte Hans Meyer in seinen wenigen klugen Momenten mal so oder ähnlich.

Hans Meyer selbst durfte das genauso erfahren, als er das selbe Spiel mit Nürnberg zelebrierte: Vom Abstiegsplatz nach weit oben, und dann wieder zurück, mit der selben Mannschaft, mit dem selben Trainer.

Diese Momentaufnahme der Tabelle sagt noch gar nichts darüber aus, ob Felix Magath gute Arbeit liefert oder nicht. Erst wenn die zufällige Schwankung nach oben nicht bald, in den nächsten 12 Monaten wieder von einer Schwankung nach unten abgelöst wird, wäre es an der Zeit darüber nachzudenken, ob die Arbeit von Magath einen Einfluss auf das hat, was wir in der Tabelle lesen.

Wenn man ganz ehrlich ist, muss man sagen, dass wir alle einem Spiel zuschauen, dessen Erfolgsfaktoren noch nie jemand präzise beschrieben hat, kurz gesagt: Niemand kann Fußball wirklich erklären.

Auch Magath nicht, also lassen wir das mit dem Hochjubeln, bevor Wolfsburg nicht ein paar Mal in Folge im UEFA-Cup gespielt hat.

1 Kommentar

Filip Trojan Horse in schön

Weil es so schön ist, so herausstechend, habe ich das kicker-Profilfoto von Filip Trojan mal hier direkt geklaut, ohne mich zu erlauben gescreenshotet und eingestellt. Normalerweise strahlen solche Profilfotos die Raffinesse und den Stil einer Einkaufszone in Recklinghausen oder (hier die eigene Heimatstadt eintragen) aus. Oft genug ist es nicht mal die Schuld des Spielers, sondern die des Fotografinnen und außen: Das muss er doch sehen, dass der Typ zufällig gerade ein extrem unfreundliches Gesicht schneidet, mitten in die Kamera hinein und dass man dann auch so viel Respekt haben sollte, es noch einmal zu versuchen. Schließlich sind Kicker-Sonderhefte und auch Kicker-Webseiten-Spieler-Profile nicht etwas Marginales, sondern etwas Monumentales (so lange man unter 14 ist, jedenfalls). Ich höre schon die Stimmen aus dem Off rufen, dass sie durchaus auch jenseits der 14 noch etwas haben, nämlich Marketingwert, etwas, was man verkaufen will. Natürlich ist dem auch so, wer aber jenseits der 14 ist überhaupt noch empfänglich dafür, wie ein Spieler oder ein Kaderfoto aussieht? Man ist doch längst schon gefallen. Man ist doch schon dem Unbill des Zufalls erlegen und kann sich nicht mehr abwenden von Borussia Mönchengladbach, Hansa Rostock oder ja, auch dem VfB Stuttgart.

Als neutraler Betrachter hätte man dennoch gerne schönere Fotos als die immer gleichen Gesichtsausdrücke und Hintergründe. Oft sehen Profilfotos nämlich einfach so aus: bierernst, ernst, aber verunsichert, nachbarschaftlich-fröhlich („Meinen Rasenmäher? Klar, immer!“), bemüht freundlich, aber misslungen (besonders häufig, diese Variante) oder einfach nur nichtssagend.

Schauen wir nun noch mal auf das Bild von Filip Trojan. Alles scheint hier zu stimmen. Der Hintergrund: links stehen ein paar Blagen, die sich das Fußballspiel der Erwachsenen angeschaut haben. Rechts ein Flutlichtturm, offensichtlich fand das Spiel in der Nähe, auf dem Vorplatz eines größeren Stadions statt, so wie es wohl in Köln, aber auch in Leverkusen, in Bremen möglich wäre. Das Trikot von einer Schlichtheit, dass selbst Mama inzwischen erkennen würde, dass da doch irgendetwas fehlt, um ein „richtiges“ Trikot zu sein, der Himmel blau, wie wir ihn lieben, wenn wir Fußball spielen, um Fußball zu spielen. Sicher weht auch ein leichtes Lüfttchen, sonst wären Trojans Haare nicht so zerzaust. Wären sie allein vom Spiel so zerzaust, hingen sie durchgeschwitzt alle nach unten, so aber, mit dem leichten Aufwehen nach oben sind wir inzwischen sicher, dass ein Lüftchen herrschen muss. Keines, das den Spielausgang zu verfälschen in der Lage wäre. Eher eines, das man erst dann spürt, wenn man nicht mehr läuft, nicht mehr trabt. Eines, das man spürt, wenn man gemächlichen Schrittes und das Herz noch leicht, aber natürlich stärker als zu anderen Gelegenheiten des Sonntags, pumpend zur Ausführung des Eckballs schreitet. Jenes Eckballs, der genauso wirkungslos verglühen wird wie 99 von 100 anderen Eckbällen in solchen Spielen es ebenfalls zu tun pflegen.

Wichtiger aber als diese Rahmenbedingungen ist Trojans Gesichtsausdruck, man ist schon eher geneigt zu sagen: sein Nicht-Gesichtsausdruck. Das Spiel scheint vorüber zu sein, irgendein wichtigtuender Schreihals an der Linie wird schon lange das Wort „Ende!“ gebrüllt haben, beim ersten Mal hatten es — nicht aufgrund des Windes — nicht alle Spieler gehört, so dass der Schreihals sich genötigt sah, ein zweites Mal „Ende!“ in den Sonntagnachmittag zu brüllen. Er wird es getan haben. Das ist klar.

Unklar ist, ob Trojan dann gejubelt haben wird, vielleicht ist er nur so abgeschlafft, es riecht fast schon nach Remis, denn eine Niederlage würde tiefere Furchen gegraben haben. Vielleicht hat er die eindeutigste Chance des Spiels vergeben, vielleicht erinnert sich trotz des deutlichen Sieges niemand mehr daran, er selbst aber gerade ganz besonders. Chancen vergeben ist nicht schlimm, es gehört dazu, komm, Filip, da muss man sich nicht so grämen. Die Zweifel am eigenen Können, wer weiß, ob er weiß, dass der Ball versprang oder ob er es weiß, aber auch weiß, dass es sonst keiner weiß, der zuschaute oder noch viel schlimmer mitspielte. Man ist nicht nach jedem Sieg gleichgültig.

Es bleibt beim Tipp auf Remis, eine Niederlage würde deutlichere Bände sprechen. Es sei denn, die Niederlage war nichts Anderes, als man erwartet hatte, man ist dann nur leicht resigniert, bis zur 30. Minute steht es noch 0:0, bis zur 45. Minute dann schon 0:2 und irgendwie ahnt man es, so man ein Bauchgefühl hat, das auch vorher schon weiß, dass man den Bus verpassen wird, dass man die restlichen 45 Minuten vergeblich gelaufen sein wird. Es ist dann kein eigentlicher Schmerz mehr, wenn man allein aus Hoffnung, nicht aber aus Überzeugung sich die Schuhe anzog.

Keine Niederlage, aber auch so wenig der Freude darüber, an einem freien Tag mit vielen Leuten bei solchem Wetter Fußball gespielt zu haben, die den Körper und somit vor allem das Gesicht (der Hundeschwanz des Menschen) durchströmen sollte.

Vielleicht wissen wir aber auch gar nichts von dem, was Filip Trojan beschäftigt, vielleicht ist es der schlimmste Moment des Tages, dass der Schiedsrichter/Schreihals das Spiel beendet hat: Jetzt heißt es, sich wieder mit sich selbst zu beschäftigen. Manchmal gibt es so Tage, an denen man lieber 0:11 verlöre, als dass der Schiedsrichter das Spiel abpfiffe. Willkommen zurück im eigenen Leben, das Spiel ist aus, die Show vorbei, der Vorhang fällt. Willkommen zurück in der Leere des Seins, wenn die Mitspieler nach Hause gehen und die Sonne so herbstlich-winterlich schön über dem Platz steht, aber man kein bisschen bittersüße Melancholie empfindet, sondern nur noch schwere Schultern und die Leere frisst sich schon mit dem Schlusspfiff ins Hirn. Dann guckt man vielleicht so und irgendjemand drückt auf den Auslöser.

12 Kommentare

Der gallische Hahn jetzt in Nike

[photopress:fff.jpg,full,alignright] Frankreichs Nationalmannschaft (dass wir hier über Fußball reden, ist wohl klar) hat den Ausrüster gewechselt. Obwohl adidas den zweifachen Europameister Frankreich seit 1972 mit Kleidung und Schuhen in den drei Streifen ausrüstet, ging der französische Verband nun von der Fahne: 42 Millionen Euro zahlt Nike jährlich. Zum Vergleich: Deutschland bekommt 25 Millionen im Jahr von adidas, Nike hatte 50 Millionen pro Jahr geboten.

Wenn man sich das deutsche Auswärtstrikot für die EM anschaut, könnte man der Idee anheim fallen, dass sich ein Wechsel aus ästhetischen Gründen auch für die hiesige Nationalauswahl lohnen konnte. Ansonsten müssen wir festhalten: den Kindern in Pakistan ist egal, ob sie für adidas oder für Nike schuften und den zig Millionen, die die Trikots einer Nationalmannschaft oder eines Klubs kaufen, ist auch egal, was draufsteht. Insofern ist das hier jetzt unter „Randnotiz“ abzulegen und keinesfalls unter „für Nostalgiker tragische Entwicklung“ oder unter „was früher blau war, darf niemals rot sein“.

Platini 1984 in Nike wäre dennoch unvorstellbar gewesen, für Nostalgiker jedenfalls.

14 Kommentare

Ich bin ein Trikot — kauf mich hier raus

Merchandising. Ganz großes Thema, nicht erst seit Manchester United als erstes auf die Idee gekommen ist, die Trikots des Clubs „profässionäll“ zu vermarkten, sondern schon seit Jägermeister Braunschweig.

Wie wir alle wissen, betreiben die diversen Clubs diverse Anstrengungen, um in diesem Bereich große Erlöse zu erzielen. So ist auch die Idee, jedes Jahr und eigentlich auch für jeden Anlass, ein neues Trikot herauszubringen, seien es DFB-Pokal-, Auswärts- oder Champions-League-Spiele, ebenfalls in erster Linie dem Gedanken geschuldet, dem idiotischen Hardcorefan noch ein paar Piepen extra aus der Tasche zu ziehen.

Wie viel erlöst man denn nun aber mit dieser Sparte der Erlössparte überhaupt? Lange Zeit blieb das im Dunkeln, und ich meine: zurecht.

Wie uns der Print-Spiegel (ja, so etwas gibt es noch) in seiner letzten Ausgabe aufklärt, liegt nämlich der FC St. Pauli mit seinen (angestrebten) Trikotverkäufen auf Platz 9 bundesweit. Platz 9 bundesweit, somit noch vor Eintracht Frankfurt oder dem „Glubb“ aus Nürnberg. Wie viele Trikots muss man denn nun verkaufen, um solche gestandenen und langjährigen Bundesligisten wie die Diva vom Rhein-Main oder den ehemaligen Rekordmeister hinter sich zu lassen?

Die Antwort ist ernüchternd: 25.000 Trikots will/wird/hat der FC St. Pauli verkauft.

25.000!

Das ist wesentlich weniger als die Zahl der Menschen, die regelmäßig ins Waldstadion oder ins Frankenstadion geht, und dachten wir nicht alle, dass es mindestens noch ein paar Tausend weit verstreut und entfernt lebender Fans dieser Vereine gäbe, die durchaus unbedingt im Trikot ihres Lieblingsclubs schlafen wollen? 25.000, das ist dermaßen wenig, dass man kaum glauben kann, dass die Einkünfte aus diesen Aktionen überhaupt eine Rolle spielen im Etat eines mittelgroßen Clubs.

Anders sieht das hingegen bei den Bayern aus, die laut Spiegel in diesem Jahr den Verkauf von 900.000 Trikots anstreben. In dieser Größenordnung hätte ich eigentlich auch Schalke (120.000) oder Dortmund (80.000) verortet. Offensichtlich ist die Klientel doch zu klein oder zu klamm.

Mit nur 25.000 verkauften Trikots auf Platz 9 bundesweit: Ich bin entsetzt, aber auch erleuchtet.

14 Kommentare

Was ist vollgeschissen und stinkt nach Fisch?

Von fred klauen heißt klauen:

Weiße Hosen, das muss mal gesagt werden, passen zwar ganz hervorragend zu diesem seltsamen Grünspangrün der werderaner Trikotfärberei, sehen aber insbesondere zu dieser Jahreszeit nach der ersten Grätsche – wie soll ich sagen – etwas vollgeschissen aus.

Streichen wir das „etwas“ und wir können sofort unterschreiben. Wir streichen außerdem die Ehrung für das „dreckigste Shirt“ des Spiels und führen stattdessen, nunja.

Einen Kommentar hinterlassen

Kiek mal da

Endlich lesen wir mal eine vollkommen ehrliche Meinung bezüglich der schon traditionell ästhetisch überzeugenden Trikots des VfL Bochums. Leider haben die Autoren jenes Beitrags zwischen den Worten „super“ und „aus“ das Wort „beschissen“ vergessen, sie bitten das nachträglich zu entschuldigen.

Was sie nicht zu entschuldigen bitten, weil es ohnhin unentschuldbar ist, ist die inflationäre Verwendung des Wortes „möchten“. In fast allen Beitragen möchten die Betreiber uns irgendwelche Trikots vorstellen, und man kann nicht anders als zu denken: Verdammt, dann tut es endlich.

7 Kommentare