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Autor: Trainer Baade

Alles Käse

Es spricht für ihn, dass sich Felix Magath im Lande von Wallace & Gromit („Alles Käse“, orginal: „A Grand Day Out“) den Gepflogenheiten seiner Gastnation anpasst und seine Maßnahmen auf dortige Sitten einstellt. Warum nicht mal eine Verletzung mit dem Auflegen von Käse behandeln, wenn das Land doch so voller wohlmundendem Käse ist?

Dass er das tat, entnimmt man diesem so unterhaltsamen wie bizarren Mittel-Longread für den Sonntag Vormittag im Guardian.

Etwa 20% der Menschen glauben an esoterischen Quatsch, warum sollten dann nicht auch unter den Trainern ein paar dabei sein, die auf derlei schwören?

Wolfgang Frank ließ seine Spieler mal auf Minzblättern herumkauen, nachdem er sie um 7h morgens ohne Frühstück zum Waldlauf gebeten hatte. Von Mirko Slomka ist der Einsatz von „Kraftsteinen“ und einer Art Wunderheiler bekannt. Da fällt Magaths Käse-Auflegen fast schon ab, kann doch sicher niemand beweisen, dass Käse keine heilende Wirkung hätte, zumindest bei innerer Anwendung. Und ein bisschen kulinarische Inspiration hat noch nie geschadet.

Problematischer sind da eher die anderen Aspekten seiner Trainings- und Menschenführung, die in jenem Beitrag dargestellt werden. Dass er Spieler in sein Büro ruft und sie dann minutenlang anschweigt, war auch schon aus Deutschland bekannt.

Jetzt kommen ein paar weitere schöne Anekdoten aus England hinzu. (Wer nicht so gut englisch beherrscht, findet bei der Welt eine Übersetzung der skurrilsten, äh, Klöpse.)

Magaths Image als Trainer dürfte nun endgültig, wenn nicht verbrannt, so doch zumindest geschmolzen sein. Heute gibt es Käsesuppe.

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Immer noch unheilbar

Wenn man sich die Frage stellt, warum Mario Gomez in der Nationalmannschaft so unbeliebt ist, darf man einen Aspekt nicht vergessen. Weil an jeder Ecke an die eine vergebene Torchance gegen Österreich immer und immer wieder erinnert wird, als könnte man diesen Geist nicht endlich mal ruhen lassen.

Dass dabei die Realität verdreht wird, macht es sicher nicht entscheidend schlimmer, aber auch nicht gerade besser. (Hervorhebungen von hier). Alle Beiträge aus den letzten Tagen:

Der Spiegel schreibt:

„Seit er bei der Europameisterschaft 2008 gegen Österreich einen Ball aus kurzer Distanz über das Tor schoss, hat er einen schweren Stand im Nationaltrikot.“

Sport1:

„Fünf Meter vor dem Tor stolpert Gomez den Ball in bester Slapstick-Manier über das Gehäuse.“

Morgenweb:

„Bei der EM 2008 gegen Österreich in Wien säbelte er den Ball übers leere Tor […]“

Es wird nicht richtiger, indem man es gedankenlos ständig wiederholt. Gomez schoss bei der EM 2008 keinen Ball aus kurzer Distanz übers Tor. Inzwischen gibt es zwar einige, denen das wieder eingefallen ist, aber längst noch nicht allen.

Wie es wirklich war, sieht man z. B. hier (mit ein bisschen Diskussion dazu).

Die Erinnerung an diese eine Situation ständig wachzuhalten — glaubt jemand ernsthaft, eine einzige, wie wurschtig auch immer vergebene Torchance kann der Grund für jahrelange Pfiffe sein? Nein, das behaupten die Autoren nicht. Warum aber muss das Ganze dann stets falsch wiedergekäut werden?

Man kann das alles wohl nur im Geiste von Heinrich Lübke ertragen, der nach dem Wembleytor 1966 Folgendes von sich gab:

„Ich habe im Fernsehen genau gesehen, wie der Ball im Netz zappelte.“

Dann wird es auch so gewesen sein.

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Wo warst Du?

Weil es sich gerade allgemeiner Beliebtheit erfreut:

Wo warst Du?

Also auf dem Platz. Ich habe in meinem ersten Vereinsspiel linker Verteidiger gespielt, im zweiten linkes Mittelfeld und danach für den Rest meines Lebens „Linksaußen“. Ich weiß also nicht, wie es im Mittelteil des Spiels zugeht, den Strafraum kenne ich durchaus und sogar die rechte Seite von einigen dort ausgeführten Eckbällen. Aber im Spiel war ich nie weiter rechts als bis in der Mitte ungefähr. Eine sehr beschränkte Sicht aufs Spiel, die mir nichtsdestotrotz sehr gefallen hat. Später, im Hobbyfußball, ging ich auch mal öfter ins Tor, etwas, was ich ebenfalls sehr mochte.

Wo habt Ihr gespielt, warum und gerne oder nicht so gerne? Welche Sicht aufs Spiel bieten andere Positionen, wie ist da der Fußball? Ich würde es gerne wissen, weil ich immer von links vorne aufs Spiel blickte. Vielleicht hab ich damit einige wichtige Impressionen oder auch Erkenntnisse verpasst. Das würde ich jetzt gerne nachholen.

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You can leave Kleingeist, but Kleingeist never leaves you

Ach, ist es nicht herrlich — das Vergessen? Was wäre das Leben doch ohne das Vergessen? Heute Mist gebaut, kurz darauf erinnert sich schon kaum jemand inklusive einem selbst. Sehr angenehm, das.

Es gibt allerdings einige extrem seltene Fälle von Menschen, die sich ab der Pubertät an alles erinnern, was je in ihrem Leben passiert ist. Diese verfügen teils über drei Mal so große Hirnareale fürs episodische, also aufs persönliche Erleben bezogene Gedächtnis wie es dem Durchschnitt entspricht — und erinnern sich an jeden Aspekt ihres Lebens, den sie je mitgemacht haben, als sei es heute.

Sich jederzeit an alles erinnern zu können, was man so verbrochen, gesagt und ausgetauscht hat, kann vielleicht irgendwann mal ein Vorteil sein, klingt aber tendenziell eher nach der leibhaftigen Hölle. Man wird schließlich älter und die Witzchen, die man so auf dem Schulhof riss, wurden schon kurz nach dem Abitur eher schal.

Im Falle von Karl-Heinz Rummenigge darf man aber beruhigt sein, dass er nicht zu dieser seltenen Subgruppe der Menschheit zählt. Er ist eher ein klassischer Vergesser, wie es das menschliche Hirn aus nachvollziehbar ökonomischen Gründen zu sein pflegt.

Leider ist er aber ein so besonders intensiver Vergesser, dass sein episodisches Gedächtnis nicht mal über einige wenige Jahre hinweg funktioniert. Es ist gerade mal 2 Jahre her, dass er, der gerade der Presse vorwirft, „Rassismus“ zu betreiben, weil der FC Bayern irgendwo als „FC Espanol Bayern“ bezeichnet wird, sich in einer Weise äußerte, die unzweifelhaft chauvinistisch ist.

Es war nach dem gewonnenen Elfmeterschießen im Halbfinale der Saison 2011/2012 bei Real Madrid, als Karl-Heinz Rummenigge ans Mikrofon des bei CL-Spielen üblichen Nachtempfangs des FC Bayern trat, und seine ebenso üblichen Worte an die versammelte Mannschaft und die erlesenen Freunde des großartigen FC Bayern aus München richten wollte.

Allein, das Mikrofon funktionierte nicht. Warum, ist nicht überliefert, vielleicht hatte Karl-Heinz aus Lippstadt selbst nicht den richtigen Knopp gedrückt, vielleicht hatte schlicht und ergreifend ein Kabel seinen Dienst aufgegeben. Die Reaktion des Mannes von Welt war dann aber beruhigenderweise vollkommen souverän und frei von jeglichem kleingeistigen Chauvinismus:

„Typisch Spanien — nichts funktioniert hier.“

Man darf gespannt sein, ob sich Rummenigge gerne an diese Worte erinnern lässt, jetzt, da gleich fünf Spanier in seinem Team unter Vertrag stehen. Nichts funktioniert in Spanien, während er selbst bekanntlich die gesamte deutsche Zivilgesellschaft in seinem bisherigen Berufsleben mit eigenen Händen aufgebaut hat, indem er Zeit seines Lebens nichts Anderes tat als Bälle in Torgestänge zu schießen oder später einem Fußballverein vorzustehen.

Es ist dieser latente Rassismus, der aus Rummenigges damaligen Worten sprach, mögen sie auch eher flapsig gemeint gewesen sein, der sein aktuelles Vorwort so verlogen wirken lässt. Salonrassismus ist nicht besser, weil er im Salon stattfindet. Hier wäre es im Traum nicht eingefallen, einen so trivialen Umstand wie ein nicht funktionierendes Mikrofon gleich auf die negativen Eigenschaften eines ganzen, angeblich nicht funktionierenden Volks zu attribuieren.

In diesem Kontext muss man aber wohl auch Rummenigges kürzliche Attacke auf die Presse sehen, die sich nachweislich keines Rassismus schuldig gemacht hat. Aus seinem Angriff sprach wohl eher die Angst vor dem eigenen Denken, vor dem eigenen latenten Rassismus.

„Manche glauben jetzt schon wieder, Deutschland sei der Nabel der Welt“ — es liegt auf der Hand, dass er damit angesichts seines Spruches im Jahr 2012 nur sich selbst gemeint haben kann. Denn anders als in Deutschland funktioniert im unzivilisierten, dunklen Südland namens Spanien typischerweise nichts.

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Schneller als der Regen laufen

Wenn man sich selbst im Regen aufhält, wirkt er nie so stark wie wenn man von drinnen aus dem Fenster auf den Regen schaut. Das ist für die meisten Fälle des Alltags recht irrelevant, weil man in den meisten Fällen drinnen ist, wenn es regnet. Aber für jenen Fall, dass man ein Fußballspiel zu spielen beabsichtigt, ist es etwas wichtiger als sonst.

Schließlich plant man, sich mindestens 90 Minuten und so der Schiedsrichter es will noch ein paar Minuten länger in diesem Regen aufzuhalten. Oder beim Training unendliche (weil herrliche) Minuten an Zeit im Regen.

Hat es je einen Fußballspieler gegeben, ob jung, alt, professionell oder von Letzterem weniger, der sich beschwert hätte, dass es regnet, während er Fußball spielt? (Im Falle der jüngeren Fußballspieler mag es da einige gegeben haben, die wurden aber nicht alt, als Fußballspieler.)

Nein, hat es nicht gegeben, was erstaunlich ist, läuft man doch gemeinhin nur in außergewöhnlichen Zuständen gerne und freiwillig länger als für ein paar Minuten im Regen herum.

Dem Fußballer macht das nichts aus.

„Bei dem Regen willst Du zum Training gehen?“

So hört man die entsetzten Stimmen noch nicht mal Erziehungsberechtigter, sondern gleichaltriger anderer Menschen nicht fragen, vielmehr vorwerfen. Dass „Wieso nicht?“ hier keine akzeptbale Antwort sein würde, weiß man aus Erfahrung, obwohl die Antwort doch völlig zutrifft.

Wenn man läuft (und spielt, anders als beim reinen Joggen), merkt man den Regen doch gar nicht. Man läuft ihm davon. Klar, er tropft schon mal ins Gesicht, ins Auge, über die Lippen, in den Mund gar, heftiges Atmen gehört dazu. Aber dorthin dringt Schweiß ebenso und solchen vergießt man beim Fußballspielen nun mal ohnehin. Auch wenn es nicht regnet.

Man fragt auch keine Schwimmer, ob sie es nicht eklig finden, in einem Becken zu schwimmen, in das sie selbst (und alle Mitschwimmer) hineinschwitzen, stundenlang bleiben sie in dieser Brühe und fühlen sich doch pudelwohl wie Fische im Wasser. Und die können bekanntlich nicht schwitzen.

Man sollte den Versuch nicht unternehmen, Außenstehenden begreiflich zu machen, dass es völlig egal ist, ob einem nun der Schweiß oder das Regenwasser ins Gesicht läuft. Oder dass selbst nasse Trikots, nass von einem Pfützensturz auf einem Ascheplatz, so lange nichts ausmachen, wie das Spiel läuft. Danach zieht man es ja ohnehin aus.

Doch Schweiß, Wasser, Tränen vielleicht auch, vom eisigen Wind, man ist sowieso völlig mit allen Sorten von Flüssigkeiten bedeckt, machen niemandem etwas aus. Auch innerlich rauscht das Blut rasanter durch die Adern als wenn man zu Hause am Fenster säße und nach draußen blickte. Alle Flüssigkeiten marsch, wir stehen auf der Brücke auf rauer See, doch wie es auch peitscht und faucht, der Ball muss nun mal ins Tor, niemanden schert da der Ruf nach Obdach wegen ein paar Tropfen mehr oder weniger.

„Ja.“

„Du bist verrückt.“

Nicht jedes Mal bei dieser Frage denkt man den ganzen obigen Gedanken zu Ende, man hat ihn ja schon verinnerlicht und muss ihn nur anstupsen, mit einem Tröpfchen Regen oder mit einer blöden Frage, und schon ist er voll aktiviert.

„Ja. Bis nachher.“

Dann stapft man durch den Regen den Hinweg entlang und später umgezogen aus der Kabine, das Klackern der Stollen auf dem Weg zum Platz ein bisschen gedämpfter als sonst. Und natürlich wirkt es draußen erstmal nass, vom Regen. Wenn man ins Becken springt, ist es auch für einen Moment kalt und neunass.

Danach nicht mehr.

Dann läuft alles wie sonst auch, mit den kleinen Apfelstrudeln zum Training gereicht, dass der Ball viel weiter glitscht als sonst, sich erfreut viel schneller um die eigene Achse dreht, dass die Rasenhalme an ihm kleben bleiben, man ihn leicht schaustellerisch abwischt, bevor man einen Eckball tritt, und dass die Stollen tiefer in den aufgeweichten Boden eindringen als ohne den Regen. Weshalb man jetzt schon weiß, dass man abends noch seliger einschlafen wird als an normalen Spieltagen und am nächsten Tag trotz Austrainiertheit die Muskeln ganz leicht spüren wird, dieses angenehme, nur leichte Zwicken, das ja nicht nur geistig befriedigt, sondern tatsächlich körperlich.

„Da bin ich wieder.“

Das dazugehörige „War gut.“ grinst man nach innen und von außen plitschplatscht es aufs Fenster.

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Ist die EM-Quali wörklöch so schröcklöch öde?

Nun, das wissen wir noch nicht, ob die EM-Quali öde sein wird. Aber wir wollen es retrospektiv einschätzen können, ob sie es gewesen sein wird.

Jaja, der neue Qualifikationsmodus macht alles langweilig. Doch auch wenn man die Reform der EM (das dicke Ende kommt ja erst am, äh, Ende, also beim eigentlichen Turnier) hier nicht entschuldigen möchte: Schaut man sich die Gruppen genauer an, sind in den meisten zumindest die Plätze hinter dem vermeintlich sicheren Gruppensieger keineswegs so vorhersehbar, wie vielleicht anzunehmen war.

Deshalb das folgende Spielchen zur Einschätzung der Vorhersehbarkeit dieser EM-Quali. Auch wenn jetzt schon ein Spieltag rum ist, dürfte es für dieses Vorhaben noch nicht zu spät sein. Flugs noch mal nachgelesen: Die ersten beiden Teams qualifizieren sich direkt. Der punktbeste Gruppendritte ebenfalls. Die übrigen acht Gruppendritten spielen in den gehabten Playoffs gegeneinander die vier verbliebenden Endrunden-Teilnehmer aus.

Wer wird in den Gruppen jeweils Erster oder Zweiter und wer wird Dritter? Auflösung leider erst in anderthalb Jahren, aber dann sicher interessant zu sehen, wie viel man heute ahnte. Also bitte einmal für jede Gruppe die zwei sicheren direkten Qualifikanten und einen Dritten in den Kommentaren tippen. Danke.

Zur Einfachheit hier die Liste aller Gruppen mit ihren Teilnehmern:

Gruppe A: Niederlande, Tschechien, Türkei, Lettland, Island, Kasachstan.

Gruppe B: Bosnien und Herzegowina, Belgien, Israel, Wales, Zypern, Andorra.

Gruppe C: Spanien, Ukraine, Slowakei, Weißrussland, Mazedonien, Luxemburg.

Gruppe D: Deutschland, Irland, Polen, Schottland, Georgien, Gibraltar.

Gruppe E: England, Schweiz, Slowenien, Estland, Litauen, San Marino.

Gruppe F: Griechenland, Ungarn, Rumänien, Finnland, Nordirland, Färöer.

Gruppe G: Russland, Schweden, Österreich, Montenegro, Moldawien, Liechtenstein.

Gruppe H: Italien, Kroatien, Norwegen, Bulgarien, Aserbaidschan, Malta.

Gruppe I: Portugal, Dänemark, Serbien, Armenien, Albanien.

Gewinne gibt’s keine, außer einer imaginären vergoldeten Glaskugel, aber wie gesagt — erst in anderthalb Jahren. Eine sinnvolle Investition in die Zukunft also, hier mitzuraten/-expertisen.

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Das Wunder von Wien

Heute blieb es aus, das Wunder von Wien, wieder nur 1:1 zu Hause, es wird ja wieder nichts mit der EM-Qualifikation. Wenn sie aber schon länger nicht mehr so richtig Fußball spielen können, eins können sie in aller Regel, sagt das Klischee: Humor und Selbstironie, Stichwort Schmäh und Kottan. Kennt man vom gemeinen Michel oder besser gesagt Piefke eher nicht.

Vor der EM 2008 wurde in Österreich jedenfalls eine Mockumentary mit dem Titel „Das Wunder von Wien: Wir sind Europameister“ erstellt, in der gemockumentariet wurde, dass Österreich den Titel gewonnen habe. Natürlich mit einer Gijon-gleichen Situation im letzten Vorrundenspiel gegen Deutschland und einem Cordoba-gleichen Sieg gegen Deutschland im Halbfinale. So weit, so vorhersehbar, aber angenehm inszeniert. Vielleicht etwas lang geraten, aber viele Fußballpromis, ob vom grünen Rasen oder aus den Medien, haben bei diesem Werk eines hier nicht bekannten österreichischen Satirikers mitgemacht.

In hiesigen Gefilden wäre es wohl eher peinlich geworden, besitzt dies Werk jenes Etwas, was es liebenswert macht.

Hier Teil 1 der Mockumentary „Das Wunder von Wien: Wir sind Europameister“.



Zu allen 6 Teilen.

Und, ja, der Franz, der Netzer und selbst Trapattoni wirkten ebenfalls mit. Bei einer Satire!

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Ein ewig währendes Jammern dröhnt ins Tal

Wird ein Spieler nicht für die Nationalmannschaft nominiert, beschwert sich der gewöhnliche Vereinsfan über diesen Umstand. Wird ein Spieler für die Nationalmannschaft nominiert, aber nicht eingesetzt, schwillt das Jammern unerklärlicherweise sogar noch etwas mehr an. Am lautesten dröhnt es dann, wenn der Spieler eingesetzt wird, sich aber verletzt. Dann hätte man sich doch lieber gewünscht, dass er nicht nominiert worden wäre, woraufhin man sich natürlich beschwert hätte.

Ein schönes perpetuum mobile des Klagens hat man sich da mit dieser Nationalmannschaft erschaffen, denn schließlich beschwert man sich ebenso einerseits über zu viele Fans, die dieser Mannschaft zuschauen, aber nicht den eigenen Vorstellungen von Fantum entsprechen, wie auch über zu wenige Fans, die ins Stadion gehen. Es ist also völlig egal, was rund um die Nationalmannschaft geschieht: Es ist immer ein Grund zum Klagen vorhanden.

Insofern ist die Nationalmannschaft also eigentlich doch richtiger Fußball, denn rund um den eigenen Verein sieht die Lage ja völlig identisch aus. Zwar mit anderen Variablen, unbesehen deren Ausprägungen aber ohnehin auf jeden Fall gejammert wird.

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(Echtes) Gewinnspiel: Das Trikot, das ich hasste

[Hinweis: Wer mehr als einen Link in seinen Kommentar setzt, landet automatisch in der Moderation. Das macht nix, ist vollkommen okay, wir wollen viele Hinweise auf Trikots, das schalte ich frei, nur nicht immer sofort.]

Normalerweise laufen die Gewinnspiele hier bekanntlich in aller Regel ohne echte, gewinnbare Gewinne ab, wenn das Schwarmwissen zu bestimmten Fragestellungen im Fußball befragt wird. Oder wenn es um Anekdoten aus dem eigenen Fußballerleben, ob als Fan oder als Spieler geht.

Heute ist das netterweise anders, heute gibt es wirklich etwas zu gewinnen. Verantwortlich dafür sind die Menschen von OUTFITTER, die als Online-Shop im Netz Sportkleidung anbieten.

Zu gewinnen gibt es heute insgesamt 3x ein echtes, originales Trikot eines Bundesliga-Vereins nach Wahl der 3 glücklichen ausgelosten Gewinner.

Vor das Gewinnen hat ein Gewinnspiel in der Blogosphäre aber stets eine etwas forderndere Aufgabe gestellt als die simple Frage: „Wer gewann letztens den UEFA-Pokal: a) FC Porto oder b) SC Versandkosten?“

Nun gibt es Beiträge über die hässlichsten Trikots der Fußballgeschichte wie Sand am Meer, die 11Freunde bestreiten einen Großteil ihres Jahresumsatzes mit allein dieser Galerie; in England kann man aufgrund der Verbindungen zu den Commonwealth-Staaten dabei gar grandiose Schlechtigkeitsexemplare aus Jamaika oder aus Botswana bestaunen. Hierzulande beschränkt es sich an der Spitze der Hässlichkeit normalerweise auf das Regenbogen-Trikot des VfL Bochum und jenes des HSV in pink sowie diverse absurd designte Torhüter-Trikots. Was auch immer an pink hässlich sein soll.

Hier also die Aufgabe:

Welches war das Trikot, das Du am hässlichsten fandest?

Egal, ob vom eigenen Verein, von einem Gegner, aus dem Europapokal, bei Weltmeisterschaften, alles offen.

(Eine Begründung ist nicht nötig, wäre aber natürlich nett zu lesen und vielleicht unterhaltsam.)

Bedingung ist allerdings: Ein Bild des Trikots muss im Kommentar verlinkt werden.

Teilnehmen kann man nur einmal pro Person, das Gewinnspiel mit echten Gewinnen läuft bis Dienstag, den 9. September, 23.59h. Darauf werden die 3 Gewinner der Bundesliga-Trikots aus den Kommentaren ausgelost.

Um den Gewinn auch empfangen zu können, muss natürlich eine in Gebrauch befindliche Email-Adresse in den Kommentar-Feldern hinterlassen werden. Die Versand- wie alle anderen Daten werden zu keinem anderen Zweck verwendet, als den Gewinn zu versenden und danach gelöscht.

Ik bin gespannt.

(Und ja, ich bin tatsächlich Besitzer des Regenbogen-Trikots des VfL Bochum, weshalb hier ein eigener Vorschlag von mir nicht Not tut.)

Vielen Dank für die zu verlosenden Trikots von Bundesliga-Vereinen an OUTFITTER.

OUTFITTER

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Bonhof’sches Bonmot

Von 11Freunde gefragt, was man aus dem Umstand, dass Rainer Bonhof mit seiner Borussia Mönchengladbach im Jahr nach dem WM-Titel 1974 Deutscher Meister wurde und den UEFA-Pokal gewann, für die Meisterchancen der Bayern in der aktuellen Après-WM-Titel-Saison ableiten kann, antwortet Bonhof:

„Daraus kann man nichts ableiten.“

Rainer, ich will ein Kind von Dir!

(Wer es nicht so verfolgt: Die extrem bemühte Vorhersagerei für die Zukunft aus vergangenen Ereignissen im Fußball ist eines der Grundübel der Fußballberichterstattung. Wobei „Berichterstattung“ hier ja nicht zutrifft. „Kaffeesatzleserei“ müsste es korrekt heißen.)

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Irgendwie wirktest Du schöner, als ich nicht so genau hinsah

Man könnte annehmen, dass man hier nur auf einen Sonntag mit der Doppel-Null, der Lizenz zum Schlafen, gewartet hätte. Gestern gab es zwei Mal gähnendes Nichts auf den Plätzen. Und das lag nicht mal daran, dass es torlos blieb. Das WM-Finale war auch 112 Minuten lang torlos und dennoch äußerst ansehnlich und spannend. Das waren die beiden Sonntagspartien nicht.

Dieser Umstand ist jetzt allerdings nur der Anstoß, nicht der Anlass, daran zu erinnern, wie unglaublich langweilig Fußball sein kann und oft auch ist. Es ist ja grundsätzlich schon erstaunlich, wie selten Fußballspiele unter Profis torlos enden. Fußball, ein Fehlerspiel und das ist nun mal humanum est. Aber selbst wenn gestern noch ein Elfmeterchen verwandelt worden wäre: Als Neutraler konnte man sich für die Präsentation nur schwerlich erwärmen. Und die Zahl jener Teams, welchen man eher mit einem Schulterzucken und keiner besonderen Regung vor dem Schirm begegnet, wächst noch dazu.

Da darf es schon erstaunen, dass es tatsächlich Überlegungen gibt, die Anstoßzeiten noch weiter zu salamitieren. Dann sähe man noch deutlicher, wie oft die Bundesliga langweilig ist, weil (beinahe) jede einzelne Partie in ihrer teilweisen grotesken Ödnis präsentiert wird und eben nicht, wie früher ™, in einem Strauß an 5, 6, 7 gleichzeitigen Spielen auch mal etwas unter den Tisch fallen gelassen werden kann.

Klar gibt es die Hardcore-Schauer, die im Strudel des Audience Flows dann einfach alles runterschauen, weil es sowieso gerade läuft. Ob sich durch Partien der nominalen Güteklassen wie gestern als Einzelspiel dann aber mehr Menschen für die Bundesliga begeistern als bei einem Spieltag, an dem man sich eben den Highlight-Partien zuwendet, ohne vorher zu ahnen welche das sein werden, sei nicht nur dahingestellt.

Es wäre ein Zirkusbärendienst, die immer wieder, gerade ohne emotionale ™ Bindung an die Teilnehmer, auftretende Tristesse von Fußball explizit ins Schaufenster zu stellen. Aber das wird die Verantwortlichen nicht hindern. So lange man noch ein bisschen mehr aus dem Zirkus rauspressen kann, ignoriert man die schlechten Kritiken dieses und jenes Einzelspiels eben. Künstlerpech, na und, der Kunde kommt ja trotzdem wieder.

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Verschiedene Versionen von Verantwortung

Der Lodda. In Ermangelung der Bereitschaft, mir weiter Expertengeschwätz eines höchst sexistischen Senders anzuhören, der noch dazu bewusst die Kneipen-Fußballkultur killt, kann ich nicht beurteilen, ob Lodda in den letzten Jahren Sinnvolles zu den Fußballspielen zu sagen hatte, welche er als so titulierter Experte begleitet.

Für ein Thema ist der Lodda aber ohne jeden Zweifel Experte: für sich selbst.

Und da hat er letztens dem Kicker für dessen Special zu 50 Jahren Bundesliga noch mal eine interessante Sicht seiner Selbst zum Besten gegeben. Anlass war die Saison 1984/85, vor welcher Matthäus frisch zum FC Bayern gewechselt war. Angeblich habe es wegen Rummenigges Weggang und Breitners Karriereende etc. keine Hierarchie im Team gegeben.

„Ich bin schnell zurecht gekommen in dem neuen Umfeld und habe — wie es nun mal mein Naturell ist — Verantwortung übernommen.“

Quelle: kicker.de.

Wie schön, dass er diese Behauptung vorher selbst konterkariert, als er sich zu dem vergebenen Elfmeter im Pokalfinale 1984 im Elfmeterschießen mit Gladbach gegen seinen kommenden Club Bayern wie folgt äußert:

„Ich habe zum Trainer Jupp Heynckes gesagt, dass ich mich nicht gut fühle und der Druck vielleicht zu groß sei.“

Hört, hört, schon damals wollte er kneifen. Ohne weitere Quellen zu verlinken, aus dem Gedächtnis zitiert, galt Matthäus in jenen Jahren bei diversen Protagonisten als jemand, der kneift, wenn es drauf ankommt, so z. B. von Dieter Hoeneß geäußert und auch Jahre später aufgrund seiner Auswechslung in „Barcelona!“ noch mal von anderen wiederholt.

Aber er übernimmt ja so gerne Verantwortung.

Nun kann man zwar durchaus die Meinung vertreten, dass es eben gerade verantwortungsvoll sei, es zuzugeben, wenn man sich nicht sicher fühlt und damit potenziell Schaden von der Mannschaft abzuwenden. Wenn sich da nicht eine ähnliche Geschichte kurz vor dem entscheidenden Elfmeter im WM-Finale 1990 wiederholt hätte.

Von Thomas Berthold mag man halten, was man will. Seine Aussage, vor der er laut auflachte, als er Matthäus‘ Ausrede, Verzeihung, Begründung gehört habe, warum er nicht schießen wolle — „hatte neue Schuhe an“ — kann man aber gerne so stehen lassen. Niemand zöge in einem so wichtigen Spiel wie einem WM-Finale komplett neue Schuhe an, behauptete Berthold.

Andy Brehme ist immerhin so freundlich, sich einer Bewertung der 1990er-Situation zu entziehen:

SPOX: Lag es bei Matthäus wirklich daran, dass aus seinem Schuh in der ersten Halbzeit Stollen raus gebrochen waren und er sich in den neuen Tretern nicht sicher fühlte?

Brehme: Das fragen alle. (überlegt) Ich weiß es nicht. Er hat sich zumindest bis heute nicht genau dazu geäußert.

Quelle: spox.com.

(Die fehlende Antwort auf die Frage, wieso der Interviewer diese Frage stellen kann, wenn Matthäus sich doch nie dazu geäußert haben soll, schreiben wir mal ebenfalls Brehmes Höflichkeit zu.)

Matthäus bleibt somit immerhin seine eigene Version von Verantwortung, die er seinem Naturell gemäß so gerne übernimmt. Wahrnehmungen gibt es ja immer so viele wie Beteiligte, schön, wenn man mit sich selbst völlig kongruent ist. Da kann auch nichts am Selbstbild bröckeln. Und man bleibt unbestrittener Experte für sich selbst.

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Vermaledeiter Recency-Effekt

Der kicker fragte letzens in einer Umfrage nach dem größten Trainer aller 50 Jahre Bundesliga. Das Resultat lautete: Jupp Heynckes. Vor Udo Lattek! Vor Ottmar Hitzfeld! Bei der Weltfußballerwahl fragte man nach dem besten Spieler des abgelaufenen Jahres — gewählt wurde einer, der im letzten wichtigen Spiel der Saison drei Tore erzielte.

Lässt man im Jahr 2001 eine Jahrhundertelf des vorhergegangenen Jahrhunderts eines Vereins wählen, besteht der Kader zu mindestens zwei Dritteln aus Spielern aus den letzten beiden Jahrzehnten (was allerdings auch biologische Gründe hat — oder heißt das Flotteneffekt?). Lässt man ein „sehenswertestes“ Spiel wählen, antwortet ein Großteil mit einem Spiel, das gerade mal ein paar Monate her ist, während alle Spiele seit Beginn der TV-Aufzeichnungen dafür offen gestanden hätten.

Es ist ja auch nicht weiter tragisch, bei derlei Wahlen und Abstimmungen existiert ja ohnehin keine objektive Wahrheit. Ich möchte dennoch hier eine Lanze brechen für all jene, welche vor der gerade abgelaufenen Zeit etwas Herausragendes geleistet haben, aber leider den Strukturen des menschlichen Gedächtnis zum Opfer fallen und bei diesen Wahlen nie etwas werden gewinnen können, was wenigstens annähernd Ähnlichkeit mit einem Blumentopf hätte.

Also: Den Recency-Effekt einfach radikal akzeptieren, solche Wahlen sind ja ohnehin nichts anderes als Unterhaltung.

Eine einigermaßen objektive Wahl einer „Jahrhundertelf“ diverser Vereine oder Tore eines Zeitraums würde mich dennoch sehr interessieren. Leider wird das in diesem Leben und vor allem als Mitglied dieser Spezies mit dem nun mal vorhandenen Gehirn nie möglich sein. (Könnten Schildkröten Fußball spielen und auch noch solche Wahlen abhalten, sähe das anders aus.) Man sollte ja schon froh sein, dass man überhaupt so eine relativ ausgereifte Version von der Evolution zur Verfügung gestellt bekommen hat, mittels derer man immerhin auf den Mond und — nicht ganz unwichtig — auch wieder zurückfliegen kann. Na dann eben: weiterwählen.

Immer den, der zuletzt etwas erreicht hat.

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