Autor: Trainer Baade
Diesen Text über seine Zeit im Jugendfußball beim immerhin ehemaligen Bundesligisten Wuppertaler SV verfasste janus, der seine Schreiberkarriere eigentlich beendet hat, für eine Ausnahme glücklicherweise in diesem Fall aber sehr gerne zu haben war.
Am Anfang war ein Traningsanzug. Damals, 1982, kickte ich im jüngeren Jahrgang der C-Jugend des 1. FC Wülfrath, als Muttern von einer Anfrage des Wuppertaler SV berichtete. Der galt in der Gegend meiner Geburt und Jugend als der „große“ Verein, als „Titan vom Tal“, weil es der einzige Club war, dessen Senioren höherklassig spielten, in den 1970er Jahren sogar in der 1. und 2. Bundesliga; Anfang der 1980er immerhin noch in der Oberliga Nordrhein. also drittklassig, jede Saison aufs Neue mit Aufstiegsträumen. Jugendarbeit und Talentförderung galten als vorbildlich. Das Kürzel WSV verhieß den Traum vom Profi-Fußball direkt um die Ecke, auf einem richtigen Rasenplatz im Stadion am Zoo. Hartnäckig hielt sich bei den Jugendmannschaften im Umkreis das Gerücht, der WSV würde all seine Mannschaften als erstes neu einkleiden, mit einheitlichen Trainingsanzügen, etwas, wovon wir auf dem Dorf nur träumen konnten. Nebenbei, es stimmte, aber nur bedingt.
8 KommentareDie Chicago Tribune berichtet von einer dieser großartigen „Task Forces“, die die FIFA eingesetzt hat, um zu verschleiern, dass sie ein Haufen alter Säcke ist, denen es um Kohle und ein angenehmes Leben in den Ehrenlogen der Stadien dieser Welt geht, und nicht um den Fußball als zu hütendes und wenn nötig fortzuentwickelndes Spiel. Eingerichtet, um den Schein zu wahren, wofür man am besten ein paar bekannte Köpfe zusammensammelt, die aber in der Materie nicht zu Hause sind, Hauptsache, es klingt gut.
Und dieser Beitrag der Chicago Tribune fasst sehr schön zusammen, wieso es immer noch und weiterhin Gründe gibt, dieses Blog zu betreiben. Denn auch wenn der Dummschwätzer sich inzwischen aus dem Tagesgeschäft ausgeklinkt hat und somit immer weniger Unheil anrichtet, schafft er es dennoch, ein perfektes Beispiel fürs Peter-Prinzip zu sein. Weil er gut kicken konnte, wird er in Sphären befördert, für die er nicht ausgebildet ist, in denen er vor allem durch Unfähigkeit glänzt. Zum Beispiel in diese Task Force, die sich mit der Verbesserung des Fußballs auseinandersetzen soll.
Weil der Franz so ein großer Philosoph und Pragmatiker zur selben Zeit ist es gibt schließlich nichts, was der Franz nicht ist, und eigentlich müsste man diese leidigen Chuck-Norris-Hans-Sarpei-Sprüche in Bezug auf den Franz machen, und nicht auf Hans-Jung-von-Matt-Sarpei hat er etwas eingebracht, wofür sich alleine schon die Flugreise und die Hotelkosten gelohnt haben dürften.
Die Spieler sollen sich nach der Partie alle die Hände schütteln.
Wahnwitzige und innovative Idee, kennt man vom Eishockey, der Franz selbst kennt es vom Fußball, aus seiner Schulzeit nämlich. Da er geistig nicht allzu weit von jener Zeit als Schüler weg ist, lag es für ihn nahe, doch einfach das wieder einzuführen, was früher gemacht wurde. Früher war bekanntlich alles besser und die Menschen hatten auch einfach mehr Anstand.
Ähnlich grandios und sicher ganz wichtig, wir erkennen es nur noch nicht so ganz, die zweite Idee.
Die Spieler beider Mannschaften sollen nach der Halbzeitpause zusammen, also beide Mannschaften gleichzeitig aufs Feld laufen.
Uff. Das sind Vorschläge einer Tragweite, die wir Normalsterblichen noch gar nicht ermessen können. Weil wir eben einfach nicht begreifen, was im Fußball wirklich wichtig ist. Respekt, Fairplay und derlei mehr Begriffe, die man sich auf die Fahnen schreiben kann, auf dass die Sponsoren glauben, in einem weißen Sport zu werben.
Besser machte es da übrigens Pelé, der auf dem Papier ebenfalls Mitglied dieser Task Force war. Er tauchte erst gar nicht bei diesen Treffen auf.
7 KommentareEr mag heute mehr als nur ein wenig Patina angesetzt haben, aber lange Zeit war er das einzige Printmedium von nennenswerter Reichweite, das die Bundesliga begleitete. Nicht erstaunlich, dass in seinem Archiv zu stöbern besonders spannend wie erhellend ist, wenn es um die vergangenen 50 Jahre Bundesligafußball geht. Noch dazu, wenn die vielen Daten, Namen, Bilder und Ereignisse so ansprechend und bestens navigierbar aufbereitet sind, wie in diesem Fall der Sonderrubrik zu „50 Jahre Bundesliga“ bei Kicker online.
Elf der Saison, Saisonverlauf jedes einzelnen Teams, Bilder der Saison, Oldie & Youngster der Saison, meiste Karten sowie noch Vieles mehr und als i-Tüpfelchen die Cover einiger ausgewählter Ausgaben des Kickers aus der jeweiligen Saison.
Von „FCB mit Breitnigge zum Titel“ über „Schale geht ins Schwabenland“, „FCB: Andersson schreibt Geschichte“ bis zum „Wunder Wolfsburg“ ist alles dabei, sowohl in fußballhistorischer als auch in stilprägender Kicker-sprachlicher Hinsicht.
Was ich beim mehrmaligen zufälligen Besuch der Rubrik stets übersehen hatte: Oben in der roten Jahresleiste kann man sich durch die einzelnen Saisons bewegen und dann wird, was zunächst nur aus den Daten der schnöden Premierensaison bestand, eine Fundgrube Wochenendfreizeit vernichtenden Ausmaßes.
Widerstehen sollte man dieser Verlockung trotzdem nicht.
4 KommentareSehr lesenswert: Der niederländische Schiri der Gladbacher Büchsenwurf-Partie gegen Inter im -view. Fazit:
“ … in meinen Augen, war es eine leere Dose. Die Italiener lagen zu diesem Zeitpunkt in Rückstand und witterten ihre Chance. Die hat der am Boden liegende Boninsegna dankend angenommen und sehr gut genutzt. Das muss man so sagen.“
Allerdings auch den Rest lesen. Erhellend.
Interessant wäre auch die Frage, ob diese Szene der Ursprung des weit verbreiteten Italiener-Hasses im Fußball in deutschen Landen ist. Oder ob es ähnliche Schauspielereien in jener Zeit nicht doch an jeder Ecke gab und es andere Gründe für diese sehr spezifische Xenophobie gibt.
5 KommentareDie Fastfoodkette McDonald’s ist zu einem Sinnbild im Fußball geworden, welches sie sich selbst einerseits nicht wünschen kann, und doch nicht gänzlich unglücklich sein wird, was mit einem Besuch ihrer „etwas anderen“ Restaurants alles verknüpft wird.
Denn wann immer es im Fußball um gesunde Ernährung geht, wird ein Besuch in einer der vielen Filialen von McDonald’s als Negativbeispiel herangezogen. Fettig, kalorienreich, ohne nachhaltig zu sättigen, dazu Softdrinks mit Unmengen an Zucker gerade so, wie sich nicht nur Fußballer nicht ernähren sollten, sondern Menschen grundsätzlich nicht.
Weshalb es McDonald’s auch nicht gänzlich unpassend sein wird, dass Aufenthalte in ihren Filialen als besonders erstrebenswert angesehen werden, von einer starken Anziehungskraft und einem hohen Erlebniswert geprägt. Wäre dem nicht so, würden die Herren Fußballer ja nicht ausgerechnet bei ihnen stets sündigen, wenn sie denn mal ihre Ernährung nicht berufsgerecht ausfallen lassen.
Angefangen mit dem legendären McDonald’s-Besuch des dänischen Teams vor dem späteren Titelgewinn bei der Europameisterschaft 1992, werden seitdem immer ausgerechnet ihre Produkte herangezogen, wenn man sich mit dem Überdiesträngeschlagen der Profis auseinandersetzt. Zuletzt wieder von Armin Veh, der in einem Interview bei der FAZ eine Anekdote erzählte, nach der er es aufgab, sich um die Ernährung der Spieler zu kümmern. Trotz vorherigen Vortrags eines Ernährungsberaters sah er in der Folgewoche drei seiner Spieler bei eben jenem Burgerbrater, einsehend, dass man den jungen Leuten nicht jeglichen Spaß im Leben verbieten kann, sofern ansonsten die Disziplin stimmt.
Und dass es Spaß macht, zu McDonald’s zu gehen, sogar auch für junge Leistungssportler diese Botschaft für Geld in allen Massenmedien zum Thema Fußball zu kommunizieren, dafür könnte der Werbeetat von McDonald’s gar nicht groß genug sein. Umso zufriedener darf man sein, dass alle im Fußball Beteiligten freiwillig und von sich aus zur Metapher „McDonald’s“ gleich attraktive, erlebnisreiche und befriedigende Ernährung mit hohem Spaßfaktor greifen. Selbst zum Teil der Mythen der Popkultur (zu der Fußball zählt) geworden zu sein, davon kann die Pommesbude um die Ecke nur träumen.
8 KommentareIch war ein Beitrag zum Thema, dass es ein absolutes Unding sei, dass es an manchen Spieltagen ein Samstagabendspiel gibt und an anderen keines worauf man sich unmöglich einstellen könne und dass das allen Gepflogenheiten und Konventionen bei der Gestaltung von Spielplänen widerspreche, zudem keine vernünftige Wochenendplanung zulasse und überhaupt alles Sodom, Gomorrha, TV, moderner Fußball etc. ad lib.
Aber drei Tage später ist die Empörung darüber, vornehmlich entstanden, weil damit tatsächlich die eigene Samstagabendplanung kaputt war, dem immer öfter auftauchenden Gefühl gewichen: Na und? Dann isses eben so. Schlaffer Sack trifft die Vergänglichkeit von Emotionen, auch Zorn oder der kleinere Bruder Empörung verraucht nun mal.
Und wenn man dann auf die Schmauchspuren der eigenen Empörung wegen einer Bagatelle wie einem nicht stattfindenden Samstagabendspiel zurückblickt, kommt eine andere Emotion zutage: peinlich ist es, wenn man sich das rückblickend so ansieht, wie empört man da war. Hat man denn nichts Wichtigeres zu tun? Vielleicht ist das am Ende die Antwort. Peinliche Erkenntnis, dass man an einem Samstagabend nichts Wichtigeres zu tun hätte, als ein Fußballspiel zu schauen.
Dann wurde ich, also ich, dieser Beitrag hier, nicht geschrieben und verschwand in der Gruft, wo die ganzen anderen, überempörten Beiträge liegen, die man zum Glück noch mal die berühmte drübergeschlafene Nacht liegen ließ, woraufhin sie nie wieder aus ihrer Gruft hervorgeholt wurden.
Weshalb jetzt hier kein Beitrag zum Thema Anstoßzeiten zu lesen ist. Könnte man natürlich empörend finden …
1 KommentarKarl-Heinz Rummenigge zeigt sein wahres Gesicht. Das erklärt auch, wieso er ständig so zappelig ist, wenn er mal einer Pressekonferenz oder Jahreshauptversammlung vorsitzt.
Giraffen mögen aus nachvollziehbaren Gründen bekanntlich keine Krawatten.
1 KommentarWie es eben so zugeht, wenn man keine Münze wirft und das Elfmeterschießen noch nicht geboren ist.
Als es in der Oberliga West der Saison 1947/1948 in der Relegation um die Frage ging, ob Preußen Dellbrück aus Köln oder die TSG Vohwinkel 80 den beiden bereits abgestiegenen Klubs VfR Köln und VfL Witten nachfolgen würde, mussten nicht weniger als vier Partien her, um eine Entscheidung herbeizuführen. Welche schließlich in der letzten dieser vier Partien auch erst in der Verlängerung fiel.
02.05.1948 TSG Vohwinkel 80 – Preußen Dellbrück 1:1 n.V.
29.05.1948 TSG Vohwinkel 80 – Preußen Dellbrück 0:0 n.V.
12.06.1948 TSG Vohwinkel 80 – Preußen Dellbrück 0:0
26.06.1948 TSG Vohwinkel 80 – Preußen Dellbrück 1:0 n.V.
Anhören, gesprochen von Johannes M. Ackner (das orange-Diskettensymbol klicken).
Hier der Text zum Nachlesen. Ebenso interessant übrigens des Autors Joachim Ringelnatz‘ Lebensweg, falls man diesen noch nicht kennt. Wobei „interessant“ leicht untertrieben ist.
Einen Kommentar hinterlassenMan kann sich schlecht darüber beschweren, dass etwas einmal richtig (aus Sicht des Autors, nicht absolut) gehandhabt wird. Doch bei welchem Fall es denn ausgerechnet geschieht, eröffnet wieder einmal einen schönen Blick auf den Hang zur Sensationalisierung der Berichterstattung.
Na gut, immerhin stammt die unten stehende Information jetzt selbst aus den Medien, aber eben aus dem Print. Es wäre kaum anzunehmen, dass man diese Zahl bei einer Berichterstattung im Fernsehen hörte. Dann fiele das Großartige, Fantastische und Eventvolle, das Dramatische und so weiter weg, welches man einem Auftritt des königlichen, einzigartigen, galaktischen Real Madrid gerne andichten möchte.
Von 22 Europapokalpartien in Deutschland hat Real Madrid erst eine einzige gewonnen.
Da ist die Sensation bei einem Sieg über Real Madrid plötzlich nur noch halb so groß. Was nicht im Sinne des Verkäufers sein kann, weshalb niemand diesen Wert bei der Übertragung eines weiteren Versuchs des ewigen Verlierers Real Madrid, in Deutschland zu gewinnen, erwähnt, während mit anderen nichtssagenden Werten („Karlsruhe seit 28 Jahren in Trondheim unbesiegt“) ständig um sich geworfen wird, als gelte es, Graf Zahl Konkurrenz zu machen.
(Via Fokus Fussball).
(PS: „Richtig“ bedeutet hier, diesen Wert überhaupt nicht zu erwähnen, da er keine Aussagekraft für die Zukunft bzw. Gegenwart besitzt und allein der Liebhaberei dient. Was okay und ein netter Service ist, aber alllzu oft damit verwechselt wird, dass er eine derartige Aussagekraft besäße.)
12 KommentareOder auch: „Scheiß dode Houßn!“
Einfach nur Fussball reicht gegen Bayern nicht
Gunnar vom Stehblog, welcher übrigens einst Kandidat beim DSF-Superfan-Quiz war, lud zu dieser Partie ein. Mit 20 Euro ein äußerst bezahlbarer Sitzplatz im Gästebereich, ziemlich weit oben und so mit gutem Blick auf das Spiel das Abschlachten der Fortuna.
Die Anfahrt problemlos per PKW und Parken auf P2 im Gästebereich absolviert, trafen wir noch vor dem Stadion auf LizasWelt und den Baziblogger (nach Spielende auch noch auf Breitnigge samt dessen erstmalig aus Anlass dieser Partie bloggender Gemahlin), testeten die Bratwurst (okay) samt Brötchen (mega-matschig-weich, nicht mehr benotbar) und begaben uns schließlich auf unsere Plätze. Wie wenig vorhersehbar Fußball ist, sieht man an den Tipps der allesamt den Bayern zugeneigten Vorgenannten, welche da meist über ein 1:1 nicht hinausgingen, schließlich sei Fortuna sehr defensivstark. Dachte man.
Auf den Plätzen angekommen, war klar: Es wird wieder kein Netz geben, bei 54.000 Handies im ausverkauften Stadion ist das wohl immer noch ein Problem. Dafür sorgte ein Bayernfan hinter uns, dem Idiom nach unverkennbar Franke, für größere Unterhaltung. Solch ein rollendes R samt t-d-Schwäche bekommt sonst niemand hin, der nicht in Franken aufgewachsen ist. „Scheiß dode Houßn!“ gröhlte er auch sofort als die Mitglieder der Band „Tote Hosen“ vor dem Spiel geehrt wurden. Nun ist sich über Dialekte lustig zu machen immer ein wenig schal, schließlich sprechen nur die Menschen um Hannover herum keine solchen und des eigenen ist man sich ja meist nicht bewusst.
Mit welcher Verve er bei jeder Gelegenheit aber auch noch ein „Scheiß 1. FC Nermberch“ anfügte, lässt erahnen, dass es da Momente in seiner Jugend gegeben hat, die eine Abnabelung von seiner eigentlichen Heimat sehr schmerzhaft werden ließen.
Doch ist ein depperter Fan, der von homophoben Sprüchen bis zu ständigen Beschwerden darüber, dass Fortuna ja „gar nicht mitspielt“, keine Peinlichkeit ausließ, wirklich bemerkenswert? Wenn es von der Partie selbst nicht viel zu berichten gibt, vielleicht schon.
Allerdings war da ja auch noch ein Publikum anwesend, und das lieferte eine Stimmung par excellence. Hier der Eindruck von kurz vorm Einlaufen der Spieler, als die gesamte Fortuna-Kurve und die Gegengerade ihre Fähnchen wedelten und inbrünstig sangen. Warum ist es am Rhein so schön? Offensichtlich zu nicht geringen Teilen, weil die Menschen hier mit guter Laune und Sangesfreude ausgestattet sind.
Besäßen Länderspiele doch nur ein Zehntel dieser Atmosphäre vom Samstag in Düsseldorf, man könnte sich alle debilen Animationen sparen und wäre immer noch in guter Fußballlaune inmitten einer solchen fußballhungrigen Masse.
Hier noch mal in groß, was das Banner sagte:
„Wirkt auch noch nach 12.369 Tagen“
Flugs im Kopf überschlagen, dass man auf etwas über 30 Jahre kommt, welche diese 12.369 Tage bedeuten, landet man natürlich bei diesem Ergebnis hier, dem legendären 7:1, von dem man wohl auch in weiteren 12.369 Tagen in Düsseldorf noch sprechen wird. Dazu gab’s dann noch ein über die Zuschauer gerolltes Banner mit allen Torschützen und einem geknickt dreinschauenden Sepp Maier von damals. Beschwörung älterer Geister, wie man jetzt weiß: erfolglos.
Während dem FC Bayern ein 5:0 über einen Aufsteiger kaum der Rede wert ist. Zumal dann, wenn sich dieser über 90 Minuten keine echte Torchance erspielt. Eher hätte es 0:7, 0:8 oder gar 0:10 ausgehen können, was auch der kicker so sah, der ein Chancenverhältnis von 0:14 (!) zählte. Fraglich, ob man diesen Sachverhalt in einer Zusammenfassung überhaupt richtig herausarbeiten kann. Die gesamten 90 Minuten jedenfalls sahen genau so aus, wie ein Chancenverhältnis von 0:14 klingt.
Bemerkenswert allerdings dieses Bild:
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.
Nämlich keinen Unterschied zum Bild oben vor Anstoß, dabei ist das untere Bild nach Abpfiff dieser so ungleichen Begegnung entstanden. (Fast) Niemand hatte das Stadion verlassen und die Fortuna-Kurve feierte ihr Team weiterhin so, mit allen Fahnen und lauten Gesängen, als hätte dieses nicht grade eine demütig werden lassende Klatsche erhalten.
In den meisten Revierstädten hätte man schon längst Teer und Federn bei der Hand gehabt, sofern man nicht fluchtartig aus dem Stadion gerannt wäre; in Düsseldorf feiert man nach dem Abpfiff und auch schon beim 0:2-Pausenstand sein Team mit solcher Leidenschaft, als gehöre man per se in die Bundesliga oder aber sei sich bewusst, dass diese Partie einmalig bleiben könnte, bei unglücklichem weiterem sportlichen Verlauf.
Vielleicht übertreibt der Autor hier aufgrund nicht zu verhehlender Sympathien für solch ein Auftreten, aber das ist der Sportsgeist, den man im Fußball braucht. Und damit ist nicht gemeint, immer zu feiern, egal, wie die Partie ausgeht, denn dann bräuchte man gar nicht erst zum Fußball zu gehen. Sondern die Unterstützung auch dann nicht weniger werden zu lassen, wenn es eigentlich aussichtslos ist. Gegen Schalke hat das letztens gut funktioniert, hier dann wie bereits erwähnt weniger. Eine beneidenswerte Attitüde, mit der man in Düsseldorf ins Stadion geht.
Was natürlich nichts daran ändert, dass später am Abend in der Altstadt ganze Straßen durch menschliche, gut behelmte Sperren abgeriegelt wurden, weil sich Bayern- und Fortuna-Fans gegenseitig mit fliegenden Altbiergläsern begrüßten und die eine oder andere Blutlache auf dem Boden der Bolkerstraße entstand. Da es aber zu keinen größeren Ausschreitungen kam, darf das wohl als ein in der Altstadt normales Phänomen bewertet werden.
Andere Städte verfügen nun mal über kein Oktoberfest e Altstadt, so dass sich derartige Szenen auch nicht ereignen können. Zehn Prozent Idioten gibt’s noch dazu überall, in jedem Land, bei jedem Club. Solch einen Support wie bei Fortuna gibt’s allerdings zur Zeit nirgendwo sonst im Land*.
(* Das ist eventuell eine Hyperbel.)
Falls hier jegliche Anmerkung zum Geschehen auf dem Platz fehlt: Da geschah nichts. Nichts in Richtung Bayerntor, es gab nur Einbahnstraßenfußball zu sehen und wer vielleicht zur Pause auf ein Wunder à la Schweden gehofft hatte, sah sich enttäuscht. Meist schafften die Fortunen es nicht mal, bis zur Mittellinie in Ballbesitz zu bleiben. David wäre empört, in einer Metapher mit Goliath für diese Fortuna stehen zu sollen. Hinten war dann von der im bisherigen Saisonverlauf erlebten Defensivstärke auch nichts über, und dann kommt eine Partie dabei heraus, bei der einem Angst und Bange um den weiteren Saisonverlauf wird. Schließlich ist mit 8 von 34 Spielen ein Viertel der Saison absolviert und die Bayern stehen bei maximaler Punkteausbeute und 26:2 Toren.
Fortuna gewinnt an jenem Abend nur Sympathien und verbreitet gute Laune, sportlich muss es eben wieder gegen andere Gegner klappen. Gegner allerdings, und nicht übermächtige Sagengestalten, die immer ein bis zwei Mann mehr auf dem Platz zu haben scheinen, wie jene Bayern um vor allem Franck Ribery vom vergangenen Samstag. Dann ist mit eigenen Torchancen nämlich in erster Linie „dode Houße“.
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