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Autor: Trainer Baade

Gerald keine Graupe

Letztens spielten wir mal gegen eine Mannschaft aus der Landesliga und verloren 2:12. Die beiden Tore erzielten wir nur, weil wir zwei Elfmeter mehr oder weniger aus Mitleid vom Schiedsrichter geschenkt bekamen, nachdem wir über 90 Minuten insgesamt vier Mal im gegnerischen Strafraum waren. Die Niederlage war in allen Belangen vernichtend, obwohl man sagen muss, dass wir einen guten Tag erwischt hatten. Niemand machte gröbere Fehler, und wenn man zweieinhalb Augen zudrückt und unsere im Vergleich zum Gegner nun mal nicht so ausgeprägte Fitness berücksichtigt, dann hatten wir uns an dem Tag gut geschlagen.

Bedrückend, nein, einfach ungut war dennoch das Gefühl, dass es deshalb nur 2:12 ausging, weil der Gegner nicht wirklich ernst spielte. Also, er machte keinen Quatsch, keine Demütigungen im Dribbling oder derlei, aber er ließ uns dann und wann mal ein wenig den Ball besitzen, und wenn es ernst gewesen wäre, hätten wir wahrscheinlich über keine 3 Stationen den Ball halten können und dann wäre es 2:22 ausgegangen. Der Gegner vermittelte sehr intensiv den Eindruck, jederzeit ein Stückchen zulegen zu können, während wir schon am oberen Anschlag spielten.

Wenn man dann betrachtet, wie weit die Landesliga von einer „oberen Liga“ entfernt ist, und weiß, dass eine Regionalliga-Mannschaft mit einer Landesliga-Mannschaft normalerweise das Spielchen betreibt, was diese Landesligamannschaft mit uns spielte, dann ahnt man, wie viele Lichtjahre Bundesligafußball vom eigenen Können entfernt ist.

Mehrere Tausend Lichtjahre natürlich.

Kommen wir also zu Gerald Asamoah, seines Zeichens WM-Finalteilnehmer (!) 2002. So gut muss er also damals gewesen sein, das war in einer anderen Zeit, als Fußball noch ohne Blaupause für Spielzüge betrieben wurde, dass man ihn in die Nationalmannschaft beorderte. Eine andere Zeit, Jens Jeremies, Carsten Ramelow, Thomas Linke, in der Gerald Asamoah schon qua seines geringen Alters irgendwie anders und damit frisch und damit wilkommenswert wirkte.

Danach änderten die Zeiten sich allerdings. Was sich wenig änderte, war das Vermögen von Gerald Asamoah. Der zwar noch mit zur WM 2006 durfte, aber nur ein einziges Mal eingesetzt wurde (gegen Ecuador eingewechselt, als es schon 3:0 stand) und danach in der Versenkung verschwand. Völlig zurecht würde man meinen, wie man auch wenig nachvollziehen konnte, wieso er überhaupt so lange noch ein Bundesliga-Stammspieler blieb, als er doch der Inbegriff des Durchschnittsspielers geworden war, der selten einmal eine entscheidende Szene bewirkte. Tore waren trotz seiner Position auf dem Spielfeld äußerst rar und als Vorbereiter trat er noch seltener in Erscheinung. Asamoah war in dieser Zeit ein Spieler der Marke „eigentlich egal, ob er oder ein anderer spielt“ — so kam er mir jedenfalls vor.

Abgesehen von ständiger guter Laune — durchaus auch ein fragwürdig gezeichnetes Bild — und seiner Bulligkeit, die er aber wiederum auch nicht entsprechend ihrer Ausmaße einsetzte, blieb fußballerisch wenig Festhaltenswertes von ihm übrig. Man kam dann irgendwann nicht umhin, ihn doch als Graupe (ist das nur westdeutsch für einen schlechten Fußballspieler?) zu empfinden. Die man auf Schalke wohl noch so ein bisschen aus Dankbarkeit mitschleppte, aber eigentlich war er nicht mehr zu gebrauchen. Einfach schlecht nun mal.

Unterschlagen wir schnell das Jahr bei St. Pauli, das anderen Dingen zum Opfer fiel, so zeigt er plötzlich bei Greuther Fürth, dass er doch tatsächlich so gut ist, dass er in der 2. Liga eine Menge bewirken kann, dass er gar Gegner ausspielen und mehr als nur glückliche Tore erzielen kann. Verknappt gesagt ist er besser als die meisten anderen Zweitligaspieler.

Insofern ist sein Schritt in die zweite Liga absolut begrüßenswert. Denn „zu schlecht“ für die Bundesliga zu sein, bedeutet tatsächlich nicht, schlecht Fußball zu spielen, sondern (hier) immer noch diverse Schritte besser als die Gegner zu sein. Etwas, was nie zum Vorschein gekommen wäre, wenn er wie viele andere vor ihm am Ende der Karriere einfach die Koffer gepackt hätte und nach Hause gegangen wäre. So aber demonstriert er in der zweiten Liga noch einmal, dass es einen Unterschied gibt zwischen erster und zweiter, wie groß dieser ist und dass er selbst, in den Topf der Zweitligaspieler geworfen, da eine herausragende Rolle spielt.

Mag sein, dass diese Erkenntnis trivial ist, natürlich wird die Qualität nach oben hin immer besser, das ist klar, aber selten wird es so deutlich sichtbar wie bei Gerald Asamoah. Und ich wollte es nur noch mal gesagt haben, das mit den Lichtjahren und dem Kontinuum, auf dem Asamoah weit entfernt davon ist, eine Graupe zu sein, wenn man nur den richtigen Ausschnitt des Kontinuums wählt.

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Fußspuren

Was von Lionel Messi bleibt …



Was von Cristiano Ronaldo bleibt …



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Interview: Kandidat beim „DSF Superfan Quiz“

Heute betreibt Gunnar Schmid das Stehblog, in welchem er über den SV Wehen Wiesbaden schreibt, obwohl er auch Fan des FC Bayern München ist. Früher war er für einen Tag der „Superfan“. Genauer gesagt nahm er als Kandidat an dieser Quizshow aus den 1990er Jahren beim DSF teil. Eine Vorwegnahme der heute wohl in jeder größeren Stadt etablierten Fußballquizze für eben solche -nerds.

Wer die Sendung nicht kennt, dem vermittelt dieses kurze Video leider nur einen rudimentären Eindruck vom „Superfan“-Quiz, aber immerhin.



Moderiert von Herbert Gogel, dessen Name mir persönlich überhaupt nichts sagt. Er hat das Quiz nicht nur geleitet, sondern auch entwickelt, wie er bei Xing.com schreibt:

‘97 & ‘98 Moderation der täglichen Fußball-Gameshow „Superfan“
im DSF (inklusive redaktionelle Leitung und Entwicklung des Quiz-Formates)

Laut wunschliste.de lief das Quiz nur von 1996 bis 1998, laut anderer Quelle sogar nur 1996 und 1997. Erstaunlich kurz also, wo es doch so gut ankam. Vielleicht war der Sendetermin falsch gewählt oder man überschätzt hier einfach den Anteil der Fußballnerds an der Gesamtbevölkerung. Einer, der damals dabei war, tippt jedenfalls darauf, dass die Preise heute eher noch größer ausfallen würden:

gerd (geb. 1968) schrieb am 23.07.2010:
ich war damals dabei! hab sogar gewonnen Reise nach Mallorca, heut würd man wohl mehr als 1 Preis bekommen!
trotzdem war gut

Nicht zu verwechseln ist das Ganze übrigens mit dem späteren „Sportquiz“ auf gleichnamigem Sender, welches eher in 9-Live-Bauernfänger-Manier betrieben wurde. Das Paulaner Superfan Quiz erhält auch heute noch wehmütige Kommentare von Menschen, die es damals konsumiert haben:

Vor den Kandidaten hab ich heute noch Respekt, denn das war noch in der Prä-Internet-Zeit, und da genug Material zu sammeln, um sich auf die teils doch recht kniffligen Fachfragen vorzubereiten, war sicher nicht einfach. Ich fänd’s prima, wenn ‚‘Superfan'‘ wiederkäme.

Gunnar Schmid also gehörte zu jenen Respektspersonen, die sich ohne Internet die ganzen Fakten zusammensuchten und dann abspeicherten, in der Hoffnung eines Tages an diesem Quiz teilnehmen zu können. Wobei bei Fußballfans ja traditionell etwa 10 bis 15 Prozent des Gehirns von nutzlosen Fußballstatistiken belegt werden. Wir sprachen mit Gunnar darüber, wie er es bis in die Endrunde und damit ins Fernsehen brachte und wie es dort so war.

Hallo Gunnar, wie kam es dazu, dass Du überhaupt auf die Idee gekommen bist, Dich fürs DSF Paulaner Superfan Quiz zu bewerben?

Meine Schlaumeierei äußerte sich in einer gewissen Phase meines Lebens in regem Interesse an Quizshows. Ich bewarb mich bei einigen, wurde für manche zum Casting eingeladen und schaffte es schließlich zu „Superfan“ und „Jeder gegen jeden“.

Und wie lief das Superfan Quiz damals ab?

Superfan war für einen Fußballnerd ein großartiges Format, da es nur Fußballfragen gab. Vom Spielprinzip war es ziemlich von Jeopardy abgeschaut, also drei Kandidaten mit Buzzer und eine Tafel mit Fragen in unterschiedlichen Kategorien und Schwierigkeitsgraden. Im Gegensatz zu Jeopardy wurden aber tatsächlich Fragen gestellt und nicht Antworten, zu denen man die passende Fragen finden muss. Hinzu kamen am Anfang und am Ende der Sendung jeweils drei Fragen zu einem vom Kandidaten selbst gewählten Spezialgebiet.

Wie kommt man dann überhaupt zu der Sendung?

Das Casting fand in einem Hotel in Frankfurt statt. Im Gegensatz zu anderen Castings, an denen ich teilgenommen hatte, wurde jeder Bewerber einzeln interviewt und getestet. Das sorgte einerseits für lange Wartezeiten auf dem Flur mit lauter wartenden Fußballfreaks — überwiegend mit aktuellem und Jahres-kicker bewaffnet — hatte aber den Vorteil, dass jeder, der aus dem Interview-Zimmer kam, von den Wartenden ausgefragt wurde, welche Fragen denn gestellt wurden.

Recht schnell merkte man die Wiederholungen und da ich erst ziemlich spät an die Reihe kam, wusste ich bis dahin so ziemlich alle Fragen und deren Antworten auswendig. Ich musste mich dann etwas zurückhalten, die Fragen vollständig abzuwarten, bevor ich antwortete. Die Leute von der Produktionsfirma hatten offensichtlich nicht mitbekommen, was auf dem Flur vor sich ging — oder es war Ihnen egal. Sie zeigten sich beeindruckt von meiner souveränen Vorstellung. Der letzte Satz des Interviewers war: „Gunnar, ich glaube, wir sehen uns in München.“ Ehrlich gesagt hätte ich ohne die „Vorbereitung“ auf dem Flur bestimmt nicht ausreichend viele Fragen richtig beantworten können, aber man darf ja auch mal Glück haben.

Dann ging es also wirklich in die Sendung. Wie hast Du Dich vorbereitet?

Als Spezialthema wählte ich „Der FC Bayern unter Trapattoni in der Saison 94/95″, da einerseits — für mich als Bayern-Fan — ein FC-Bayern-Thema ein Muss war und sich anderseits herausgestellt hatte, dass man sich mit dem Spezialthema möglichst auf eine Saison beschränken sollte. Zur Vorbereitung wälzte ich neben dem Jahres-kicker alle Bayern-Magazin- und SportBild-Ausgaben der Saison durch und sammelte alles, was für eine Quizshow interessant sein könnte. (Ja, ich gestehe, ich habe als Jugendlicher und bis Anfang 20 jahrelang regelmäßig die SportBild gelesen — aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar).

Schon okay, ich gehöre auch zu jenen welchen, die früher … Insgesamt eine gute Vorbereitung also. Was gab es zu gewinnen und wie konnte man gewinnen?

Zu gewinnen gab es — meistens? — als Hauptpreis eine Reise und für den 2. und 3. Platz Sachpreise. Für den Hauptpreis brauchte man eine gewisse Mindestpunktzahl und musste alle drei Fragen seines Spezialgebiets am Ende richtig beantworten. Wir drei Kandidaten meiner Sendung vereinbarten deshalb vor der Aufzeichnung, dass, sofern nur noch einer die Chance auf den Hauptpreis hat, die anderen bei den letzten Fragen nicht mehr buzzern würdern.

Nette Solidarität. Und wie war es dann, als schließlich der Tag gekommen war, um den Titel als „Superfan“ zu quizzen?

Das Studio war erstaunlich klein. Die winzige Zuschauertribüne war mit Kandidaten anderer Sendungen, die am gleichen Tag aufgezeichnet wurden und ein paar anderen Leuten, die sich wohl gerade auf dem Produktionsgelände aufhielten, besetzt. Da man im Fernsehen immer nur einen Ausschnitt der Zuschauer sah, wirkte es deutlich voller. Die ganze Kulisse war aus der Nähe betrachtet äußerst windig, sah im TV aber ganz ok aus. Dafür war der Moderator Herbert Gogel in Wirklichkeit noch größer als wenn man ihn auf dem Fernseher sah. „Schiedsrichter“ war kicker-Redakteur Hardy Hasselbruch.

Immer noch ein Name wie ein Gedicht. Wie viele Punkte hast Du geholt, welche Antworten gewusst?

An viele Fragen kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß nur noch, dass ich aus der Rubrik „EM 96″ erstaunlich wenig wusste, obwohl die Aufzeichnung in der Saison 96/97 stattfand. Eine Frage weiß ich allerdings noch. Es war eine 100-Punkte-Frage, also die schwierigste Stufe. Da es gegen Ende ging und ich auf dem zweiten Platz lag, riskierte ich zu buzzern. Die Frage lautete: „Welche außersportliche Ehrung wurde Berti Vogts 1978 zuteil?“. Ich hatte das sogar tatsächlich irgendwann mal gelesen, kam in dem Moment aber nicht mehr drauf und antwortete „Er wurde Mann des Jahres“. Richtig war „Nichtraucher des Jahres“.

Vereinbarungsgemäß überließen wir dem Führenden die letzten ein oder zwei Fragen, der dadurch auch tatsächlich die nötige Punktzahl erreichte und am Ende eine Woche Urlaub in der Türkei gewann.

Die Fragen zu meinem Spezialgebiet am Ende drehten sich um den Wechselfehler im Spiel gegen Frankfurt. „Welche Amateure standen in der Startelf?“ Scheuer, Kuffour. „Welche wurden eingewechselt?“ Grimm, Hamann. Und „Wie ging das Spiel ursprünglich aus?“ 5:2 für Bayern — das konnte ich natürlich alles beantworten.

Ich wurde Zweiter und gewann einen Satz Surround-Lautsprecher. Das Paket mit den Lautsprechern wurde mir dann versehentlich zweimal geliefert, sodass mein Bruder auch etwas von meinem Gewinn hatte.

Vielen Dank, Gunnar, für diesen Erlebnisbericht von Deinem Tag als Kandidat beim DSF Paulaner Superfan Quiz. Nur original ohne Bindestriche.

Gunnar Schmid bloggt auf seinem Stehblog, bei Twitter findet man ihn als @stehblog.

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Huntelaar trifft 20x in einem Spiel!

So ein Wahnsinn! 20 Tore in einem Spiel, das ist ja schier unglaublich. Nee, Moment, huch, Entschuldigung, es war doch nur 2x. Kommt schon mal vor, dass man sich um eine Stelle vertut. So wie es wohl auch jenen passiert ist, die damals extrem echauffiert getan haben, als jemand beim Frankfurter Platzsturm diese einzigartige Kamera, die es nur ein Mal auf der Welt gibt und die ein absolutes Unikum darstellt, zerstörte.

Kam mir damals schon etwas spanisch vor, dass eine einzige Kamera so teuer sein soll und dass man eine einzigartige Kamera für 600.000 Euro einfach da so rumstehen lässt, wo immerhin der Ball sie treffen könnte und überhaupt.

Jetzt stellt sich raus, es waren tatsächlich nur 60.000 Euro. Ist immer noch viel Geld, aber eben keine halbe Million mehr, kein Haus in Großburgwedel also, sondern nur ein etwas größeres Bobbycar, wenn man die Sonderausstattung noch dazu wählt.

Ich kann es nicht beweisen, aber ich könnte schwören, dass es wieder mal der ja bei jedem Beitrag um seiner Familie und deren nächste Mahlzeit willen dramatisierende Steffen Simon war, der sich gar nicht mehr einkriegte, als er damals über die Zerstörung der Kamera für SECHSHUNDERTTAUSEND Euro zeterte, als hätte man jemandem den Kopf abgeschlagen.

Waren dann doch nur 60.000. Dafür muss der Täter immer noch lange stricken mechatronisieren, aber es gibt Hoffnung, dass er es noch in diesem Leben schafft, davon runterzukommen. Für Steffen Simon hingegen, naja, … ich weiß ja nicht mehr genau, ob er es war. 20 Tore in einem Spiel! Ach, nee, tschuldigung.

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Grenzenlose Dummheit

Natürlich geht Dummheit über alle Ländergrenzen und vor allem vor großen Turnieren kommt sie am liebsten in den Ausrichterländern zum Vorschein. 1998 in Frankreich war es Le Pen mit seinen Äußerungen zum französischen Team, in dem angeblich keine Franzosen spielten. 2006 war es in Deutschland die NPD mit Bezug auf Patrick Owomoyelas aus ihrer Sicht mangelndes Deutschsein, und in Italien braucht man nicht mal ein großes Turnier, um Mario Balotelli wegen seiner afrikanischen Abstammung anzufeinden: Stimmen, die die Ansicht verbreiten, dass bestimmte Menschen keine richtigen Bürger eines Landes seien, weil sie nur eingebürgert sind, gibt es offensichtlich überall. Und wo steht gerade ein großes Turnier an?

In Polen hat sich der Torwart der WM-Elf von 1974, Jan Tomaszewski, anlässlich des Tests zwischen Polen und Portugal in einem TV-Interview geäußert, dass er kein Spiel der polnischen Nationalmannschaft mehr ansehen werde, so lange so viele Verbrecher, Deutsche und Franzosen darin mitspielten.

Verbrecher sind seiner Ansicht nach Spielmanipulierer vom Schlage eines Lukas Piszczek, Franzosen solche eingebürgerten Spieler wie Damien Perquis und Deutsche und somit keine Polen sind natürlich namentlich Eugen Polanski und Sebastian Boenisch.

Zufällig, man hätte es kaum vermutet, ist Tomaszewski Abgeordneter der nationalkonservativen Partei „Recht und Gerechtigkeit“. Eine schöne Tradition im Weltfußball, dass auch die Idioten ihn stets als Bühne für ihre nationalistischen Zwecke missbrauchen. Der beste Zeitpunkt, diese zu brechen, wäre vor ihrer Entstehung gewesen, der nächstbeste Zeitpunkt ist immer jetzt.

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Une soirée à Brême
Deutschland — Frankreich 1:2

Ein neuer Beitrag aus der Reihe „EM 2012″, die hier unter dem Motto „Noch ist Polen nicht verloren“ firmiert, der ersten Zeile der polnischen Nationalhymne. Und Recht hat sie, schließlich hat die EM noch gar nicht angefangen.

Ein Rückblick ganz der Reihe nach, wie es so war, am Mittwoch Jeh-roh-meh Boateng beim Nachdenken zuzuschauen, Franck Ribéry beim Divenmarkieren und Tim Wiese dabei, von seinen Heimfans gefeiert zu werden. Achja, und, ein beinahe in Vergessenheit geratenes Gefühl: Nicht nur in Ansätzen graupiger, man möchte fast sagen ein wenig fischiger Fußball von der deutschen Nationalmannschaft. Fangen wir vorne an.

Bahnhof Brême

[photopress:bahnhof_bremen_1.jpg,full,alignright]In Bremen ist man so stolz auf sein Werder, dass man die Werder-Fahnen schon im Bahnhof zur Begrüßung der Anreisenden aufhängt. Eine wieder mal äußerst ignorante Angelegenheit, nicht gegenüber den französischen Fußballfans, die, wie wir gleich sehen werden, in rauen Mengen anreisten, sondern gegenüber all jenen Bahnreisenden, die sich nicht für Fußball interessieren.

[photopress:werder_fahnen_1.jpg,full,alignleft] Mir ist das immer so ein wenig unangenehm, wenn man in eigentlich neutralem Setting die Menschen mit Fußballthemen bombardiert, ob nun in der Werbung, hier im Bahnhof oder meinetwegen, wenn Politiker Reden schwingen. Es gibt auch noch Menschen, die nichts mit dem Ausdruck „Werder Bremen“ anfangen können, und man sollte etwas mehr Rücksicht auf diese wenn auch kleiner werdende Randgruppe nehmen.

Bei Werder-Fahnen allein bleibt es im Bahnhof Bremen aber nicht. Denn was ein echter Marketender im Jahre 2012 ist, der lässt sich natürlich nicht lumpen, nicht nur die Brötchen mit Werder-Logo offiziell zu lizensieren, sondern gleich den Laden mit, in dem die Brötchen verkauft werden.

Nur echt mit dem Zusatz „offiziell“:

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Auf dem Vulkan tanzende Biere

Mit dem Testspiel heute gegen Frankreich geht es langsam in die vorletzte Kurve Richtung EM 2012. Da ich selbst in Bremen im Stadion weilen werde, kann ich heute nichts dazu bloggen, weshalb ich eine andere Geschichte erzähle.

Ich war jung, ich brauchte das Geld. Nicht dass ich solches jetzt nicht mehr brauchen würde, aber ich bin nicht mehr jung. Und das ist gut so. Denn dass ich nicht mehr so jung bin wie 1996 ist in vielerlei Hinsicht gut, für diese Zwecke hier aber vor allem in einer.

Nie wieder würde ich eine Schicht ganz gleich wie gut bezahlter Arbeit annehmen, wenn ein Finale eines großen Turniers am selben Tag ansteht. Selbst wenn, wie im Falle von 1996, die Arbeit in einer Kneipe mit Großbildleinwand und perfektem Blick auf das Spiel zu verrichten ist. Doppelter Lohn, wegen des großen Andrangs aber vierfache Arbeit und kaum Zeit, das Spiel ernsthaft zu verfolgen. Wie gesagt, das Gute am Nichtmehrjungsein ist, dass man die meisten Fehler bereits begangen hat und im Normalfall nicht wiederholt. Naiv wie ich war, dachte ich, dass doch sowieso niemand während des Spiels Bier bestellen würde, schließlich müsste man genau dann ja das Spiel verfolgen und würde nur in der Halbzeitpause und vor dem Spiel bestellen.

So aber hatte ich an jenem 30. Juni 1996 Thekendienst in einem der wenigen akzeptablen Läden meiner Heimatstadt und die Massen waren schon in der Woche zuvor anlässlich des Halbfinals gegen England in rauen Mengen in den Laden geströmt. So rau, dass manche Leute bis in den Flur stehen mussten und wohl nur die Hälfte des Bildes sahen. Also auch nur den halben Andy Möller, wie er an einer der Eckfahnen des Wembleystadions den jubelnden Pfau gab, der durchaus dazu geeignet war, die englischen Fans in ihrem Heimstadion zu provozieren. Anlass war natürlich das gewonnene Elfmeterschießen gegen den Gastgeber und das war wohl der einzige Tag im Leben des Andy Möller, an dem ihn alle Fußballdeutschen mochten.

Jedenfalls war der Laden auch am Tage des Finales proppevoll und das wirklich Neue am Public Viewing ist eigenlich nur der Umstand, dass es draußen stattfindet. Rudelgucken an sich war auch damals schon üblich, 1990 zum Beispiel im Kino (nicht ich, aber andere) und 1996 eben in dieser Kneipe. Als der Tag begann, war Oliver Bierhoff übrigens noch nur ein Ergänzungsspieler, den kaum einer kannte, weil er seine Karriere in Italien vorantrieb. Bekanntlich war das zwei Stunden nach Anpfiff völlig anders. Ohne diese beiden titelbringenden Tore wäre er vielleicht jetzt kein Manager der Nationalelf geworden, weil er es gar nicht erst zum Stammspieler in der Nationalmannschaft gebracht hätte.

An den Spielverlauf selbst habe ich wenig Erinnerungen, obwohl immerhin nur alle 2 Minuten der Griff an den Kühlschrank nötig war. Schwieriger waren da die Bestellungen im „Saal“, wo Stuhlreihen dicht gedrängt vor der Leinwand aufgereiht waren und die Gäste immer wieder nach großen Bestellungen riefen, die kellnerlike auf einem Tablett hingeschafft werden wollten. Was auch ganz gut gelang, wenn auch mit Mühe, denn natürlich sprangen immer wieder alle auf, wenn sich eine Torchance für die Deutschen abzeichnete.

Dass es Matthias Sammer war, damals Mit-, heute Gegenspieler von Oliver Bierhoff, der den Foulelfmeter zum 0:1 durch Patrik Berger verursachte, musste ich tatsächlich nachlesen, nicht aber natürlich den Ausgleich durch den Danone-Boy. Zum Zeitpunkt des 1:1 war ich gerade in Sicherheit und nicht in der Masse der Menschen mit einem Tablett unterwegs. Da sich die kleine Pointe der Geschichte jetzt schon abzeichnet, rasch weiter zu ihrem Ende: Verlängerung, nachdem Bierhoffs Ausgleich alle erleichtert und daran erinnert hatte, wieso man auch hierhin gekommen war: zum Biertrinken.

Große Bestellungsrunde, auf ins Getümmel und als ich mitten in den Zuguckern stand, fiel nach nur 5 Minuten in der ja nach Golden-Goal-Regel gespielten Verlängerung das 2:1-Siegtor für Deutschland. Ich befand mich mit einem Tablett rundum voll mit Bier in dieser Menge, die aufsprang und den Raum hüpfend und jubelnd zum „Tollhaus“ werden ließ, während ich in artistischer Manier die wertvolle Ladung rettete, indem ich sie erst hoch über allen Köpfen hielt und im nächsten Moment samt Tablett in Richtung Fußboden abtauchte.

Was für ein Triumph! Deutschland Europameister, und alle Biere gerettet, die mir danach trotzdem aus den Händen bzw. vom Tablett gerissen wurden. Die Menge strömte auf die Straßen, wo nur Sekunden nach Abpfiff schon ein Autokorso begonnen hatte. Da ruckzuck fast niemand mehr in der Kneipe anwesend war und der Chef die Stellung hielt, schaffte ich es ebenfalls in eines der teilnehmenden Autos und merkte, dass man irgendwie schlecht jubeln kann, wenn die Menschen alle getrennt voneinander im Auto sitzen. Das bisschen Hupen ist da eher so lala. Mein erster Autokorso als Insasse, und bis heute auch mein letzter. Aber immerhin als doppelter Sieger: Die auf dem Tablett tanzenden Biere nicht in den Vulkan fallen gelassen und eben Europameister.

Und jetzt Ihr: Wo und wie habt Ihr den letzten Titelgewinn 1996 erlebt?

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Luciens Lienen-Moment

Zur Einstimmung auf die nächste Folge der Darbietung der Trainerkünste des Lucien Favre und seiner Borussia heute Abend gegen den Hamburger SV ein Blick in die Geschichte. 2006 war er Trainer des FC Zürich. Und traf in jener Saison auf einen Trainerkollegen, Pierre-Albert Chapuisat, mit dem ihm etwas ganz Besonderes und ganz besonders Bitteres verbindet, siehe Titel des Beitrags. Wie es damals war, im September 1985, als Favres Knie zertrümmert wurde und die beiden Beteiligten sich vor einem ordentlichen Gericht wiedersahen, davon berichtete das Schweizer Fernsehen anlässlich des Wiedertreffens der beiden Protagonisten an der Seitenlinie.



Merkwürdigerweise wie so oft bei solch haarsträubenden Fouls: „Der Schiedsrichter pfiff nicht mal Freistoß.“ Allerdings: Chapuisat wurde fristlos (!) von seinem Verein entlassen.

(Dank an Dominik.)

(Nebeneffekt dieses Videos: Man versteht ein bisschen besser, aus welchen Gründen Lucien Favre in Berlin gescheitert sein könnte („lost the locker room“) — dieses Deutsch vom alten Chapuisat, der ganz offensichtlich kein Muttersprachler ist, hält man doch keine 2 Minuten aus, ohne den Mann für debil zu halten oder das Grinsen kaum unterdrücken zu können. Falls Favres Deutsch damals auf diesem Niveau war, wird er es sehr schwer gehabt haben, sein Standing bei den Spielern, die ja häufig gerade erst dem Schüleralter entwachsen sind, zu wahren.)

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Zwischen den Feiertagen ganz grau

Eben las ich etwas, was mich beinahe selbst zum Heulen gebracht hätte, etwas, was sonst zugegebenermaßen vor dem Rechner ziemlich selten passiert. Es wäre aber ohnehin kein Heulen aus Traurigkeit oder aus Rührung gewesen. Sondern eher aus einer Mischung heraus, die aus Verzweiflung und Bestätigung bestünde, dass das, was den Fußballfan in den Wahnsinn treibt, wirklich wahr und wahrhaftig ist. Durch das Lesen des Zitats diesem Wahnsinn ins Auge gesehen und dann so gekreischt, wie es sonst der Job von weiblichen, jugendlichen Darstellerinnen in Horrorfilmen ist, wenn der Mörder mit dem Messer zur Tür hereinkommt. Und ein Entrinnen nicht möglich ist. Ein Entrinnen vom Fußballfansein. Wie ich in einem anderen Beitrag vor einiger Zeit formulierte „Infiziert ist infiziert.“

Man kann nicht willentlich zum Nicht-Fan werden. Ein Heulen aus Konfrontation mit der Realität also, oder vielmehr der Erkenntnis, dass real ist, was man allzu gerne immer wieder wegschieben würde: Man hat überaus reale Emotionen wegen eines Geschehens, auf dessen Ausgang man Nullkommagarkeinen Einfluss nehmen kann. Man ist den Ereignissen ausgeliefert, deren Inhalt in seiner Bedeutung fürchterlich surreal ist. Denn gäbe es kein Fußballspiel, würde sich nichts an der Welt verändern. Was man schön an den Konsequenzen des Umstands spürt, dass ein Spiel ausfällt. Was verändert sich dann im Leben? Nichts. Die Auswirkungen dieser surrealen Realität eines durchgeführten Spiels aber sind ganz schmerzhaft real. Die Pein, wenn man verloren hat, ist nichts anderes als jene ganz reale Pein, die man beim Verlust anderer Dinge oder Wünsche und Träume empfindet. Und ich nehme an, ohne es beweisen zu können, dass auch die Blutbahn eines Menschen, dessen Team gerade verloren hat, dieselben Hormone aufweist, wie die eines Menschen, der in einem realen Wettkampf den Kürzeren gegen einen Gegner zog.

Was diese meine Regung — kein Entrinnen — auslöste, waren die Worte von Anke Gröner, die sich in ihrem Blog Gedanken dazu macht, wie und ob ihre durch das Fußballgucken ausgelösten Emotionen echt sind:

… wenn ich nach einem Film traurig bin. Oder neuerdings nach einem Fußballspiel. Irgendetwas macht irgendetwas mit mir, und ich lasse es zu. Meine Emotionen sind echt, auch wenn sie von etwas herrühren, das im Prinzip nichts mit mir zu tun hat. Die Emotionen haben eine andere Qualität wie die nach Streitereien mit dem Kerl oder freudigen Nachrichten im Freundeskreis. Aber sie sind trotzdem echt.

Es tut wirklich weh, das zu lesen. Nicht, weil es in irgendeinerweise frevelhaft oder naiv wäre, sondern weil es daran erinnert, wie oft man schon gelitten hat wegen dieses Scheiß-Fußballs, wegen dieses Nichts, das es ja eigentlich ist, und wie real und wie niederschmetternd diese Erlebnisse waren. Und wie da jemand noch scheinbar nichtsahnend im Kosmos der Gefühle rund um den Fußball herumfühlt, der noch so Niederschmetterndes bereit hält, auch wenn sich „Barcelona“ in diesem Leben wohl nicht mehr wiederholen wird. Aber Ähnliches ganz sicher. Das Taubste, was ich in meinem Leben erlebte, war die Rückfahrt im Zug vom so kurz vorm Ziel verlorenen WM-Halbfinale 2006 aus Dortmund, und wenn ich mich dieses Ergebnisses erinnere, breche ich — anders als damals — heute tatsächlich fast in Tränen aus. Das war damals nicht möglich, der Schock war so stark, dass er vor enormer Trauerreaktion schützte: Taubheit als Schutz vor zu großer, unbewältigbar erscheinender Trauer. Genauso wenig war der nächste Tag besser. Und auch 2010 nicht.

Dieses ständige Verlieren und Ausscheiden macht es ja auch so fragwürdig, dass man im Fußball bei einer WM oder EM keine weiteren Plätze ausspielt wie beim Handball oder Eishockey. 32 Mannschaften fahren hin, 31 kehren mit einer Niederlage bzw. dem Ausscheiden als letztem Erlebnis heim. Kämpft sich Irland wacker durch die Vorrunde, schaltet im Viertelfinale Spanien aus und verliert im Halbfinale gegen übermächtige Engländer (kleiner Scherz), ist das die Erfahrung, die die Spieler, aber vor allem ihre Fans mit nach Hause nehmen: Verloren. In der Bundesliga wird nur der Erste am Ende Meister. Alle anderen gewinnen gar nix, nicht mal einen Blumentopf — und wer ganz unten steht, der muss sogar fürchten, im nächsten Jahr plötzlich samstagsmorgens (!) um 13h gegen Paderborn (!) antreten zu müssen. Da werden Ängste beinahe übermenschlich groß.

Natürlich ist das vollkommen verrückt, wegen eines Fußballspiels oder eines Abstiegs zu heulen oder überhaupt irgendeine (echte – wobei die Frage auch erlaubt sein muss, was überhaupt „falsche“ Emotionen sein sollen und ob nicht per se alles, was man empfindet, echt ist) Emotion darüber zu empfinden, aber, und das ist der Punkt: man hat es sich ja nicht selbst ausgesucht.

Beim DRadio Wissen, interviewt von einem Nur-WM-Gucker, wurde ich mit der Aussage konfrontiert: „Ihr (Fußballblogger) nehmt Eure Sache aber schon ganz schön ernst?!“ Was mich dazu veranlasste, letztens zu schreiben, dass Fußball selbstverständlich eine vollkommen ernste Angelegenheit ist, viel ernster als alles Fotografieren, Kochen oder Reisen der Welt zusammen und man sich die Frage danach, ob Fußballblogger ihr Bloggen und ihren Fußball ernst nehmen auch sparen kann — denn wer bitteschön hat je beim Kochen, beim Reisen oder beim Fotografieren verloren oder ist gar abgestiegen?

Ich schreibe das alles im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, und auch im Bewusstsein dessen, dass es öffentlich sein wird, jeder es lesen kann und Außenstehende das für infantil, prollig oder auch kitschig halten werden, wegen einer Niederlage beim Fußball zu leiden, aber genau das ist es, wovon Hornby spricht, das ist es, was die Leute meinen, wenn sie von „echten“ Fans sprechen und das ist es, was diese Fans von WM-Event-Guckern unterscheidet. Man kann nach einer Niederlage oder dem Abstieg nicht einfach mittels Fernbedienung umschalten und einen Film gucken, der einen in andere Emotionen versetzt.

Auch die Platzstürme, so lächerlich diese von außen wirken, in den letzten Jahren in der Bundesliga geschahen aufgrund sportlicher Frustration: In Berlin nach dem Abstieg und in Frankfurt nach dem so gut wie feststehenden Abstieg. Das sind doch (mehrheitlich) keine Menschen, die sich aus Langeweile oder aus Männlichkeitsgehabe prügeln wollen, sondern ihrer für sie so extrem schwer zu bewältigenden Frustration der Niederlage Raum geben wollen, am liebsten gar, man sehe sich die Bilder an, das Geschehene rückgängig machen würden.

Hörte man Rainer Calmund in jener Zeit zu, als Leverkusen gegen den Abstieg kämpfte, dann sah man das Abstiegsgespenst, das ihn jede Nacht beim Zubettgehen besuchte, förmlich selbst vor sich. Nicht weil er so ein guter Schwadronierer ist, sondern weil man es selbst kennt, und diese oder ähnliche Phasen des drohenden Scheiterns miterlebt hat — mitsamt seinen Auswirkungen auf das ganz normale Leben.

Und hier erklärt sich — zu einem Teil — auch das Nichtanerkennenwollen der Bayernfans als „ernstzunehmende“ Fans durch Anhänger anderer Vereine. Denn was im Erfolgsfalle passiert, das ist zwar beneidenswert und irgendwie sexy, Erfolg eben, auch wenn Bayern seine Titel meistens typisch deutsch errang: Hässlich, aber erfolgreich.

Es geht aber nicht um die Fragen, die sich rund um den Erfolg drehen, sondern um jene, welche Konsequenzen der Misserfolg hat. Bayern-Fans spielen nicht das selbe Spiel wie alle anderen. Was man ihnen insofern zurecht vorwerfen darf, als es tatsächlich so ist, dass sie nicht das selbe Spiel spielen wie alle anderen. Bayernfans spielen mit doppeltem Boden, oder besser: Mit Fangnetz. Wenn Bayern Misserfolg hat, dann ist dennoch niemals die Liga-Zugehörigkeit in Gefahr. 1965 aufgestiegen, danach in fast 50 Jahren ganze zwei Mal ernsthaft überhaupt in der unteren Tabellenregion gewesen. Bayern kann — nach menschlichem Ermessen — nicht absteigen, was das Leiden über Misserfolge aus Sicht der anderen falsch, künstlich und ergo nicht echt erscheinen lässt. Denn richtiger Misserfolg, welcher quasi aus der Vernichtung, dem Abstieg nämlich, besteht, ist bei Bayern gar nicht möglich. Ausnahmslos alle anderen Clubs können aber jederzeit in Abstiegsgefahr geraten, und das ist allen Teilnehmenden auch bewusst, weshalb die Angst, Enttäuschung und Frustration eines Bayernfans aus Sicht eines jeden, der tatsächlich absteigen kann, das entscheidende Kriterium fehlt: Ein echtes Scheitern existiert für Bayernfans gar nicht.

Diesen Umstand darf man Bayernfans andererseits allerdings nicht vorwerfen, da sie sich ebenso wenig wie alle anderen selbst ausgesucht haben, Bayern-Fan zu sein. „Der Verein wählt Dich“, sagt man so wahr wie inzwischen ausgelutscht, was natürlich nur eine schöne Metapher dafür ist, dass man meistens keinen rationalen Grund dafür angeben kann, warum man mit einem Verein in Liebe gefallen ist (ich weiß, dass das die englische Ausdrucksform ist, bei einem Fußballverein passt es aber so gut).

Man fällt in Liebe mit einem Verein, Betonung auf fallen, und da rauscht aus dem Hinterkopf schon wieder das Grauen heran, welches Hornby so allzu treffend mit seinen einleitenden Worten in Fever Pitch beschrieben hat. Und ich denke, auch wenn es sogar einige geben soll, die das Buch nicht gelesen haben, es ist völlig ungefährlich für mich, diesen kitschigen, prolligen, infantilen Beitrag hier zu veröffentlichen, denn hier schauen ohnehin nur jene rein, welche zustimmend in sich hinein nicken, wenn sie Hornbys Worte lesen (uberoft zitiert, aber trotzdem:)

Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden.

Fußballfansein bedeutet in aller Regel Misserfolg zu haben, selbst Bayern wird nicht wirklich jedes Jahr Meister, nicht mal jedes zweite, alle anderen Vereine eigentlich so gut wie nie, vielleicht zwei Mal im Leben, bei den meisten eher gar niemals. Fußballfansein bedeutet warten, zwischen den Hunderten 1:1 und 0:0, die man ertragen muss, endlich einen rauschenden 5:0-Abend erleben zu dürfen. Ja, „zu dürfen“, denn das hat der Fußballgott, eine andere schöne Metapher für den Zufall und den Lauf der Dinge, die man im Fußball so wenig wie in keiner anderen Sportart planen kann, irgendwann mal entschieden, dass zwischen den wenigen Höhepunkten etliche Darbietungen, die mit großer Qual verbunden sind, liegen.

Borussia Mönchengladbach hat nicht nur deshalb zur Zeit vergleichsweise wenige Neider, weil der Fußball Favre’scher Machart so schön anzusehen ist. Der gemeine Fußballfan erinnert sich auch, wie es den Fans dieser Mannschaft lange Zeit ging. Ihre Anhänger schritten beinahe über Jahrzehnte von einem Fegefeuer durchs nächste, ganze Saisons, in denen Gladbach auswärts zwei oder drei Punkte holte — in einer kompletten Saison, in 17 Spielen gerade schlappe drei Mal nicht verloren. Für Außenstehende klingt das viel zu brachial, „Fegefeuer“ und derlei aufgeblähter, sich selbst überhöhender Quatsch, aber tatsächlich ist es das, was der Fußballfan real erlebt. Er leidet, in echt, ohne Einschränkung. Und er hat es sich weiterhin nicht selbst ausgesucht.

Fußballfansein ist vor allem das: Warten, Warten, Warten und frustriert sein. Und gleichzeitig nicht wegsehen können, auch wenn es wieder schief geht, wie es eigentlich immer schief geht. Nicht wegsehen können, weil man an jenem einen Tag dann eben genau das 5:0 verpassen würde, auf das man die ganze Zeit gewartet hat. Die Vorfreude, die eine Busladung voller Fußballfans auf dem Hinweg zum Stadion verströmt, ist angesichts der harten Realität eigentlich fehl am Platze: 50 Prozent seiner Insassen werden auf dem Rückweg Trauer tragen — und sie wissen um diese Regel, auch wenn sie natürlich auf das Gegenteil hoffen.

Eine in diesen Dingen unbedarfte Freundin fragte mich mal, warum ich ins Stadion ginge, ob ich mich dort an der Gewalt erfreuen würde oder am Singen teilweise grenzdebiler Gesänge oder am Rhythmischen Klatschen in der Gruppe, fast wie beim Militär oder was ihr sonst noch aus ihrer Sicht Unangenehmes einfiel. Nein, das interessiert alles nicht wirklich, das sind nur Randerscheinungen, die man auch wegnehmen könnte, natürlich ist die Antwort eine andere und sie ist ganz einfach: Ich gehe ins Stadion, weil ich mich über den Sieg freuen will. Nur weiß ich natürlich nicht, ob es dazu kommen wird. Ich hoffe, dass es diesmal klappt, dass mir der Zustand der Freude vergönnt ist, weil der Fußballgott (aka Herrscher der Unwägbarkeiten dieses Sports) es so will.

Doch leider ist nicht an jedem Tag Tag der Überraschungen bei einer WM, Underdog schlägt Favorit. Meistens ist 1:1-Tag, es regnet, und die Füße werden nass. Oft ist es sogar 0:2-Tag. Und dann geht man traurig und enttäuscht nach Hause, und diese Empfindungen sind zweifelsohne so real wie der Schnupfen am nächsten Tag real ist, wie die Schwere auf den Schultern, der Brust, die einen am nächsten Morgen aufs Kissen zurückdrückt, weil man gestern wieder verloren hat. Ja, man, nicht der Verein und die Spieler verlieren, man selbst verliert und am Ende ist es das, was das Ganze so problematisch und so unangenehm macht, das Fußballfansein: Man fühlt sich im Anschluss an eine Partie ganz real wie ein Verlierer, ohne dass man den Ausgang auch nur im geringsten hätte beeinflussen können. Und die Nase tropft.

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Youri Mulder gek?

Was das niederländische Wort „gek“ bedeutet, muss man wohl wenige Minuten nach Beendigung des Karnevals nicht mal einem Nicht-Rheinländer erklären.

Bei Twitter in Holland war jedenfalls letztens „Youri Mulder“ Trending Topic. Wobei letztens schon vergangenes Jahr war. Sein Trenden lag daran, dass Youri Mulder in der vorigen Champions-League-Saison als vermeintlicher Experte im holländischen Fernsehen auf die Frage von Kommentator/Moderator Tom Egbers, wer denn diesen starken FC Barcelona in der Champions League stoppen könne, ernsthaft mit

„Schalke 04″

antwortete.

Somit war Youri Mulder aus der Kombination von zwei Gründen Trending Topic.

Zum Einen, weil die Twitterati seine Aussage wiederholten.

Zum Anderen weil viele im Anschluss besorgt fragten:

„Youri Mulder gek?“

Wir würden eher sagen: vereinstreu.

Bis zur Blamage als Experte, wenn nötig.

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Unbekanntes aus … der CSSR

Der tschechoslowakische Pokalsieger wurde von 1969 bis zum Ende dieses Bundesstaates in zwei getrennten Vorläufen ermittelt. Es wurde je ein tschechischer und ein slowakischer Pokalsieger ermittelt.

Die beiden jeweiligen Sieger bestritten im Anschluss ein Finale um den tschechoslowakischen Pokalsieg, welcher alleine zur Teilnahme am Europapokal der Pokalsieger berechtigte.

Es gab also in dieser Zeit nie ein innertschechisches oder innerslowakisches Pokalfinale in der CSSR. Einzig von 1961/62 bis 1968/69 wurde ein gesamttschechoslowakischer Pokalwettbewerb durchgeführt.

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Wie man eine schweigende Stille noch schweigender machen kann

So etwas passiert nur besonders begabten Fettnäpfchenjägern, zu denen ich immer dann zähle, wenn es mal wieder so weit ist. Woran das Perfide ist, dass man das nie im Vorhinein weiß.

Letztens aber traf ich zu spät am Stadion ein, irgendwelche ÖPNV-Kapriolen hatten ein pünktliches Eintreffen verhindert. Da schon die 2. Halbzeit begonnen hatte, die Häuschen für die Stehplatzkarten geschlossen waren und ich keine 20+ Sitzplatz-Euro für nur noch 20 Minuten Spielzeit verballern wollte, biss ich also in den sauren Apfel, die Partie nicht live im Stadion zu sehen, sondern anhand des draußen zu hörenden Jubels oder Nichtjubels darauf zu schließen, ob nun Heim- oder Gastmannschaft ein Tor erzielt hätten.

Wie ich da so vor mich herumstand, fiel mein Blick auf einen kleinen VW-Bus, vor dem Menschen ein Zeltdach aufgespannt hatten und um ein Radio herumsaßen, das die Live-Übertragung von dieser Partie in die Umgebung plärrte.

Was für eine tolle Idee von diesen Jungs, was für ein toller Zufall, dass ausgerechnet dann jemand hier eine Art Sit-In macht, mit Bier, mit Radio, wenn ich zu spät komme, um noch ins Stadion zu gelangen! Langsam herangetastet, die Jungs guckten etwas mürrisch, ob wegen des Spielstands oder wegen meiner Annäherung, war zunächst nicht zu eruieren.

Einem ebenfalls zu spät Gekommenen würden sie schon nicht verwehren, die paar Minuten bis zum Schlusspfiff mitzuhören und eventuell zu feiern. „Ebenfalls zu spät Gekommenen?“, machte mein Hirn immer noch nicht stutzig.

„Ihr sitzt hier so rum?“

„Jo.“

„Warum geht Ihr nicht rein?“

Bingo. Und tschüß, Trainer Baade. Ja, ging dann sehr schnell bis zur U-Bahn nach Hause. Und fühlte sich ziemlich doof an.

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Otto, Experte fürs Onanieren

Otto Rehhagel ist sich nicht zu schade, mal wieder ein paar Sprüche nach altem Muster rauszuhauen. „Ich bin das Gesetz“ und dergleichen aus der Zeit gefallener Sermon mehr. Aber das war ja auch nicht anders zu erwarten, an Selbstvertrauen hat es den unbeirrt aller tatsächlichen Qualifikationen gerne ordentlich auf den Putz hauenden Menschen aus dem Ruhrgebiet selten gemangelt.

Jedenfalls jenen Ruhris vom Schlage des Altenessener Otto Rehhagel. Da genügt ein kurzer und kurzweiliger Blick in die Historie seiner Bon- und auch Malmots. So nannte er schon 1983 die Spielerfrau das beste Trainingslager, das es gebe, und wusste auch auszuführen, warum das so ist. Wenn Spieler im Trainingslager seien, ohne dass ihre Frauen sie besuchen könnten, „müssen ja alle onanieren, auf der Toilette oder irgendwo.“

Ob es mit dieser entschärfenden Maßnahme getan sein wird, Hertha BSC vor dem erneuten Abstieg zu bewahren, werden die nächsten 12 Spiele zeigen. Das Modell Lattek/Sammer als Blaupause mag funktioniert haben, damals geriet aber ein eigentlicher Kandidat fürs obere Drittel der Tabelle in den Abstiegssog. Dass man bei Hertha über Spieler (und trotz Babbel eventuell ein Spielsystem) verfügt, die mindestens Platz 15 rechtfertigen, ist seit ziemlich genau 2,5 Jahren äußerst fraglich. Bislang fehlt der Nachweis, der recht unabhängig von Rehhagels künftigem Wirken zu erbringen wäre.

In welchen Zeiten Rehhagels beste Phase als Trainer lag, macht der Artikel deutlich, aus dem das obige Zitat stammt. Ganz zu Anfang ist übrigens zu lesen, dass der gute alte Loddar mit diesem seinem wirren Paarungsverhalten nicht erst dann begann, als ihm Gleichaltrige zu alt geworden waren.

Was es sonst noch so mit Lothar Emmerichs selbst tituliertem „Stengel“, viel zu alten Zimmermädchen und Stan Libudas rasender Eifersucht auf sich hatte, erzählt mal wieder ein Beitrag aus einem immer besuchenswerten Archiv. Man möge sich aber bitte nicht wundern, wenn die Augen beim Lesen kräftig stauben. 1983 und davor miefte der Herrenclub Bundesliga noch ein wenig mehr nach nicht ganz so verschämt ausgelebter Männlichkeit als heute.

Schlitzohr nimmt Elfe.

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