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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Kein gar nix in Essen

Erinnern wir uns an einen windigen, sehr windigen Tag im Januar 2007. Weil ein Orkan über Deutschland hinweg-, nein, nicht fegte, danach war es noch unordentlicher als vorher, hinwegbrauste, fiel so manches ins Wasser respektive aus. Und wenn man nicht nur gerne dem eigentlichen Fußballspiel beiwohnt, sondern auch die Atmosphäre während der Fahrt zu einem Spiel erleben möchte, bietet sich eine Anreise per ÖPNV an.

Keine Züge in Essen

An jenem windigen Freitag im Januar 2007 wollte ich eine meiner großen Bildungslücken schließen und das Essener Georg-Melches-Stadion aka Stadion an der Hafenstraße mal lebendig in Augenschein nehmen. Davor hatte der windige Tag aber eine Anreise per PKW gestellt, denn schon der Duisburger Hauptbahnhof sah aufgrund der vielen ausgefallenen Züge so aus:

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Wer sich dann und wann werktags zur rauschenden Stunde im Düsseldorfer Hauptbahnhof aufhält, wird an obigem Bild nichts Besonderes finden, doch es sei versichert, dass diese Menschenmassen in Duisburg eine Singularität darstellen: Nichts ging mehr, bzw. gehen ging noch vieles, aber fahren fuhr nichts mehr. Keine Züge, kaum Busse.

Keine „Arena“ in Essen

Da ich in Bekanntschaft eines automobilen Lautern-Fans bin — ja, so etwas gibt es tatsächlich auch außerhalb der Region, um mal wieder einen Gruß an Janus zu senden — wählten wir für die Anreise zum Spiel von RW Essen gegen Kaiserslautern das Auto. Parkplätze zu finden war kein Problem an diesem Abend, so dass wir rechtzeitig am Stadion ankamen, wo ich feststellen durfte, dass das Stadion tatsächlich noch eines ist und keine Arena.

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Ein paar nicht miteinander verbundene Tribünen, vier hoch aufragende Leuchtturmmasten, die ihr gleißendes (darf man solch einen Elfmeter, um das Wort „gleißend“ zu benutzen, ungeachtet liegen lassen?) Licht in den Abendhimmel werfen und besonders — mal wieder — bei Nieselregen ihre Erhabenheit entfalten. Schön sind solche Stadien, noch dazu, wenn sie wie in Essen ohne Laufbahn auskommen.

Keine vierte Tribüne in Essen

Der kleine bis mittelprächtige Kulturschock ereilte mich aber bereits nach der Leibesvisitation an der Stadionpforte: Offensichtlich waren die Bauarbeiter damals alle gleichzeitig bei einem schweren Unfall ums Leben gekommen, der Stadt Essen ging mitten im Bauvorgang das Geld aus oder der Architekt hatte einen wenig erzogenen Hund, der einen Teil der Baupläne auffraß, bevor sie umgesetzt werden konnten. Das Stadion hat nur drei Tribünen, und hinter einem der beiden Tore klafft ein großes Nichts.

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Gut, wie man auf dem Foto sieht, ist es nicht wirklich nichts. Irgendeine Form von Festzelt stand unbeteiligt am Stadiongeschehen in der Gegend rum. Es gibt jedenfalls keine Zuschauer dort. Da hat man so schöne „britische“ Atmosphäre in diesem Stadion und dann das: zu einer Seite offen, nicht nur der Schall entweicht auf dieser Seite, auch dem Auge fällt es schwer, in Stimmung zu kommen, wenn sich die Szenerie hinter dem einen Tor wie auf einem Kreisligaplatz präsentiert. Nichtsdestotrotz wurde hier Zweitligafußball gespielt und vor ein Fußballspiel hat irgendjemand ja noch dieses Aufwärmprogramm für die Zuschauer gestellt. Normalerweise besteht jenes aus Audiowerbung für den Reifenhändler um die Ecke plus ein paar tanzende Mädchen, nicht so in Essen.

Keine Cheerleader in Essen

Statt Cheerleadern gab es in Essen etwas, was mich schwer an das Image des Fußballs erinnerte, wie ich es… damals… und so weiter… mit Blaskapelle und Würstchenstand, lange vor Poldi und Schweinis Zeiten. Dicke Schiedsrichter mit dicken Bäuchen, bei denen eher der Schiedsrichter-Dress platzen würde als die Haut der Wurst, die auf dem nicht weit entfernten Grill vor sich hin brutzelte. Dazu noch das Gerede von Kameradschaft und der Spruch, den jede Mannschaft vor Anpfiff aufsagen musste, der irgendetwas mit Fairness zu tun haben sollte, meist aber völlig sinnfrei war.

Statt Cheerleadern gab es in Essen „Fahnenschwenker“ vor dem Anpfiff zu sehen. Fahnenschwenker, Ihr habt schon ganz richtig gelesen. Wir standen auf der Tribüne, und dann trat eine Horde Menschen mit Fahnen auf den Platz, die sie zu rhythmischer Rhythmik schwenkten. Musik war das nicht, es war eher ein Gedröhne, dafür war die Anlage wohl auch zu schlecht in Essen. Vielleicht war es auch als Musik gemeint, es kam aber nur eben jenes Gedröhne und Geplärre. Und zu dieser Rhythmik schwenkten die Damen und vielleicht auch Herren da unten ihre Fahnen. Ich dachte erst, ich hätte mal wieder den Karnevalsbeginn verpasst, dem war aber nicht so. Mitten im Januar standen dort unten Menschen und schwenkten Fahnen vor einem Fußballspiel. Ich habe bis heute nicht verstanden, was daran unterhaltsam oder interessant gewesen sein soll. Es ist ja jedem gegönnt, sich mit der Fahnenschwenkerei in seiner Freizeit zu beschäftigen und sicher gibt es in diesem Metier auch tolle Wettbewerbe, die dann von total subjektiven Wettkampfrichtern entschieden werden, ähnlich transparent wie beim Tanzen, Dressurreiten oder Turmspringen, aber was hat eine Gruppe Fahnenschwenker vor einem Bundesligaspiel auf dem Platz zu suchen?

Wäre es wenigstens eine Bergmannskapelle gewesen, hätte ich den „regionalen Bezug“ noch verstanden, aber diese Veranstaltung ließ mir schon ein wenig den Kiefer runterfallen, weil die Essener Präsis ernsthaft glauben, von so einem Fahnengeschwenke würde sich jemand unterhalten fühlen.

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Das Spiel begann trotz der Fahnenschwenkerei irgendwann mit aufgewecktem Publikum, das sich auch von der prekären Schallsituation in einem nach einer Seite offenen Stadion nicht einschüchtern liess und für die relativ geringe Zuschauerzahl gute Stimmung machte.

Meine Stimmung war auch gut, schließlich bekam ich mehrfach Bier von der Bierzapferin geschenkt, weil es ständig in kaputten Plastikbechern ausgeschenkt wurde und so an meinen Fingern entlang auf den Boden vor dem Kirmesbudenbierstand tropfte, statt in meinen Magen.

Keine Toiletten in Essen

Wie das so ist, wenn man Getränke in gesteigerter Menge zu sich nimmt, muss man irgendwann auch mal das Örtliche aufsuchen, welches sich in Essen noch in der Tradition alter Bahnhofsklos präsentiert. Alteingesessene erinnern sich vielleicht noch an den Charme der Toiletten des Bochumer Hauptbahnhofs vor ihrer Renovierung. Wer dann noch an das Ruhrgebiet in den 1970er und 1980er Jahren und die damalig ausgeprägte Drogenszene rund um Hauptbahnhöfe denkt, kann sich vorstellen, wie einladend diese Toiletten gewesen sein mögen, von der Abwesenheit von Zuständen, die entfernt an „Hygiene“ erinnern könnten, ganz zu schweigen. (Wer sich nicht erinnert oder noch zu jung war, der kann bei Reinhard Krause sehenswerte Impressionen besagter Zeit finden.)

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Im Essener Stadion steht man noch immer in dieser Tradition. So gibt es auch keine Pissoirs, sondern die obligatorische Pinkelrinne, deren Rinnencharakter aber so wenig ausgeprägt ist, dass man nach dem Besuch der Toiletten nicht weiß und vielleicht auch nicht wissen möchte, was es ist, was da unter den Schuhen so klebt. Fast schon romantisch wirkten diese zerfallenen Toiletten auf mich, waren sie noch dazu in einem Extra-Toilettenhäuschen außerhalb des Stadions untergebracht, gerade so, als wären Toiletten beim Bau des Stadions vergessen worden.

Keine Tore in Essen

Wie man weiß, werden Fußballspiele, sogar wenn Tribünen gänzlich fehlen, durch Tore entschieden, und zwar durch erzielte. Es fällt ja den wenigsten noch auf, dass diese Bezeichnungen im Deutschen zufälligerweise identisch sind: da steht ein Tor, also dieses Gestänge und eine Mannschaft erzielt ein Tor, also quasi einen „Punkt“. Tor und Tor, beides dasselbe.

Seit Günter Jauch und dem Torfall von Madrid ist dieser Umstand dem einen oder anderen vielleicht wieder nach etwas weiter vorne ins Bewusstsein gerückt, Tendenz ist aber eher nein. Tore an sich, also diese Gestänge, gab es natürlich in Essen, zwei an der Zahl und somit auch nur eins weniger als Tribünen.

Doch trotz der theoretischen Möglichkeit, hier ein solches zu erzielen, wollte das keinem der Teams gelingen. Das ist zumindest dann eher blöd, wenn man „neutraler Zuschauer“ ist, was ich in diesem Spiel war. Zu Rot-Weiß Essen habe ich überhaupt keine Verbindung, für mich bis zum Tag des Betrachtens dieses Spiels mehr oder weniger ein nicht-existenter Verein (in meiner persönlichen Wahrnehmung, natürlich nicht beim Studium der diversen Tabellen), Kaiserslautern hat mir mit seinem inzwischen schon zweiten Abstiege irgendwie den Spaß verdorben. Das trage ich dem Verein allerdings nicht nach, viel schlimmer war die Tatsache, im erneuten entscheidenden Abstiegsendspiel (man erinnere sich an das legendäre Wimmern von Andy Brehme in den Armen von Rudi Völler im Jahre 1996) am allerletzten Spieltag der vergangenen Saison nicht schließlich und endlich Wolfsburg in den Schlund der zweiten Liga gestoßen zu haben. Und das trotz zwischenzeitlicher 2:1-Führung. Hier hingegen führte niemand. 90 Minuten lang führte niemand, was eben daran lag, dass niemand ein Tor in ein Tor hinein schoss.

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Da ich aber ohnehin nicht in erster Linie wegen des Spiels, sondern wegen des Groundhopperpunkts gekommen war, war der Spielstand mit den zwei gähnenden Nichts und auch der Spielverlauf mit seinen kaum vorhandenen Torchancen (ich glaube, Essen hatte eine große in der ersten Halbzeit) für mich nicht weiter tragisch. Außerdem finde ich es immer amüsant zu sehen, wie Fans eines bestimmten Vereins, denn schließlich stand ich im Lautern-Block, Gefühlswallungen der schlimmen Art durchmachen, während sie das Spiel betrachten. Bei objektiver Betrachtung gab es dort abgesehen von der Langeweile eigentlich nicht viel zu leiden, aber die Lautrer Fans litten.

Kein Respekt in Essen Duisburg

Ich litt auch, unter schwacher Blase, und suchte erneut jenen charmanten Ort auf, an dem die Füße so kleben, und dabei fiel mir ein extra laminierter DIN-A4-Ausdruck auf, den irgendein Schelm an der Innenwand des Häuschens angebracht hatte, nicht ohne seine url preiszugeben. Offensichtlich ist es tatsächlich so, dass Essener Zuschauer diesen Ort, das „Gästeklo“, nie zu Gesicht bekommen, strikte Fanblocktrennung. Anders ist es nicht zu erklären, dass dieser Ausdruck noch Wochen nach dem Gastspiel des MSV in Essen vorhanden ist:

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Vom eigentlichen Spiel gibt es wie gesagt kaum etwas zu berichten, und möglicherweise ist es inzwischen sogar verboten, Spielberichte von offiziellen DFL-Spielen zu veröffentlichen, weil man damit irgendwelche Rechte verletzt, deshalb gibt es dazu nun nichts zu lesen. Im Nachhinein aber erstaunlich, dass eine an diesem Tage doch arg limitierte und ziemlich einfallslose Essener Mannschaft tatsächlich den FC Köln mit 5:0 auseinandernehmen konnte.

Keine Sieger in Essen

Wie das meistens so ist, wenn es keine Tore gibt, gab es auch keine Sieger an diesem Tage. Ob man als Aufstiegsaspirant mit einem Auswärtspunkt bei einem Abstiegskandidaten zufrieden sein kann, weiß ich nicht. Ich denke tendenziell eher ja, schließlich ist in den höheren Ligen keine der Mannschaften Fallobst, bei dem man die Punkte einfach so mitnimmt. Mein Fahrer war da offensichtlich anderer Meinung, wie seine Laune auf dem Rückweg nonverbal vermittelte. Die Lauterer Spieler jedenfalls bedankten sich bei den mit- oder auch nur angereisten (die wenigsten Fans fuhren im Lautern-Teambus mit) Lautern-Fans mit einer Geste, die man häufig bei Spielern sieht: Über dem Kopf klatschten sie einige Male in die Hände. Warum die Spieler über dem Kopf und nicht vor der Brust in die Hände klatschen, hab ich noch nie verstanden, so auch bei diesem Spiel nicht. Das macht aber nichts, so bleiben wenigstens noch ein paar Bildungslücken offen. Das Essener Stadion ist nun aber keine mehr für mich.

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abgefälscht

Hier mal wieder ein bißchen Englisch für soundso-welche: abgefälscht heißt auf englisch

deflected.

Wir erinnern uns aus den Lektionen 0-5:

Der Kapitän ist nicht der captain, sondern der skipper. Die Flanke ist der/die/das cross, ein Zweikampf ist ein challenge, und mooning heißt, den blanken Hintern zu zeigen.

To be continued.

Für heute noch mal merken: abgefälscht = deflected. Schließlich muss man eine Vokabel acht Mal hören, bevor man sie wirklich gespeichert hat.

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Es ist nie zu spät

Wie erheiternd, dass die Dortmunder Borussia jetzt womöglich sportlich schafft, wozu sich der DFB trotz des damaligen Schuldenberges am grünen Tisch nie entschließen konnte: dass Dortmund nicht mehr in der ersten Bundesliga spielt. Und das gerade jetzt, da der BVB endlich wieder schwarze Zahlen schreibt: in dieser Saison voraussichtlich knappe 10 Millionen Euro vor Steuern. Ob der Sanierungsplan auch mit den deutlich geringeren Einnahmen in Liga Zwei funktionierte, wäre ebenfalls interessant zu wissen.

Noch interessanter wäre, ob TvH dann noch Trainer in Dortmund werden will, und wen man nach der Schassung des dann ja gescheiterten Jürgen Röber überhaupt noch als Willigen für die zweite Liga findet.

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Feiglingssms

Jeder, der sich schon mal irgendwo entschuldigen musste, kennt diesen Kloß im Hals, der sich bei Annäherung an die Entschuldigungssituation bemerkbar macht. Was ist der Mensch doch für ein intelligentes Wesen, dass er so etwas wie Emails und SMS erfunden hat. So kann man dieser unangenehmen Situation, dem Gesprächspartner gegenüberzustehen und in die Augen sehen zu müssen, ausweichen.

Und wenn man diese Gelegenheit hat, dann nutzt man sie auch. Guter Stil ist es deshalb aber noch lange nicht.

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a-ha (die Band)

Den Welt-Zuschauerrekord bei Rock-/Popkonzerten hält laut Wikipedia „a-ha“.

Aufgestellt wurde dieser Rekord beim Festival „Rock in Rio II.“ im Jahre 1991.

Gekommen waren 195.000 Zuschauer.

Woodstock zählt hier aus mir unbekannten Gründen wohl nicht, bei dem sicher mehr als 195.000 Zuschauer anwesend waren. Nichtsdestotrotz:

A-ha, das ist die Band, der ich meine Menschwerdung im musikalischen Sinne verdanke (abgesehen von — natürlich — den Beatles). Während wir von der Grundschule aus in übel riechenden Bussen mit schlecht gelaunten Busfahrern des Vormittags ins örtliche Schwimmbad gekarrt wurden, um gezwungenermaßen eine der mir in persönlicher Ausübung verhasstesten aller Sportarten durchzuführen, hörte ein Großteil der in diesem Bus anwesenden Schüler so etwas wie Michael Jackson oder Madonna auf ihrem walkman, während ich, Grundschüler, braver Grundschüler, der ich war, entweder noch „Die Drei Fragezeichen“ als Hörspiel oder Chris de Burgh auf meinem Walkman hörte. Erstaunlich, dass man überhaupt für eine Fahrtzeit, die mir heute mit ihren unter 10 Minuten kaum der Rede wert erscheint, den Walkman anwarf, aber so war das damals. Minuten wie Stunden, Jahre wie Jahrhunderte.

Eines Tages traten also a-ha, die man schließlich a-ha schreibt, und nicht A-ha, mit ihrem „Take On Me“ auf den Plan (hier die alternative Video-Version von family guy) und retteten mich aus meiner düsteren Europa-Hörspielkassetten-Hörigkeit hinüber in eine Welt, in der es noch so Phänomene gab wie „Bros“ oder diesen Rick Astley. Viel besser als die Musik auf Europa-Hörspielkassetten war das nun auch nicht, aber es öffnete so manche Tür, u. a. dahin, dass ich dann später mal auf einem Pavement-Konzert in der Zeche Bochum landete, lange bevor ich in selbiger Stadt versuchte, zu studieren.

Viel mehr gibt es dazu auch nicht zu erzählen, außer dass ich später über diverse andere Stationen (Europe, Jennifer Rush, Kate Bush, Eurythmics oder so, Pet Shop Boys, um nur einige zu nennen) doch irgendwann bei etwas ankam, was mich befriedigen sollte: The Cure und Morrissey mit seinen Smiths. Der ganze Weg dauerte zwar ca. nur zwölf bis 18 Monate, war aber sehr beschwerlich, wie man sich vorstellen kann. Einmal dort angekommen, habe ich diesen Weg immer noch nicht verlassen, jedenfalls nicht endgültig, im Gegensatz zu so vielen Mitstreitern aus jener Zeit, die inzwischen wieder bei Europa-Hörspiel-Kassetten angekommen sind, wenn auch nicht für sich, sondern für ihre Sprößlinge.

Und was das Ganze mit Fußball zu tun hat? Nun, a-ha stellten ihren tollen Weltrekord (nein, diesmal nicht in der Türkei) im Maracana-Stadion in Rio de Janeiro auf, in welchem bekanntlich ansonsten Fußball stattfindet, zuallererst. Und wenn das nicht bemerkenswert ist, dann weiß ich auch nicht …

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Schneider Meck-meck-meck

Christian Ziege wird also neuer Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach. Dass Peter Pander unhaltbar geworden war, Pfiffen die Spatzen zuletzt schon von den hohen Dächern des Borussiaparks und man musste kein Hellseher sein, um Panders Entlaubung vorherzusehen. Wie Horst Köppel schon vor längerer Zeit sagte, gehöre an diese Position jemand, der weiß, was eine Mannschaft und der Trainer brauchen. Deshalb nun Christian Ziege statt Peter Pander. Panders Makel war es (neben der Erfolglosigkeit seiner Mannschaft), dass er „nur“ Bankkaufmann war, während Christian Ziege immerhin Trainer der B-Jugend von Borussia Mönchengladbach war, und das auch in Guy-Roux’schen Ausmaßen seit Juni 2006, somit nicht mal ein komplettes Jahr.

Wie man weiß, sind die Wünsche und die Konfliktherde einer Mannschaft von 16- und 17-Jährigen vollkommen identisch mit jenen von jungen Erwachsenen bzw. Familienvätern wie Neuville oder Keller. Man kann davon ausgehen, dass auch im Profiteam ständig darum gestritten wird, wer das coolste neue Handy hat, welche Frisur angesagt ist und was man gegen die „5″ in Mathe tun könnte, ohne sich großartig anstrengen zu müssen.

Des Weiteren spielen die B-Jugendlichen auch ständig in einer Liga vor 60.000 Zuschauern vor Ort und Millionen an den Fernsehern oder Livestreams und stehen vor allem jederzeit im Blickpunkt der überregionalen Presse. Deshalb ist die Wahl von Christian Ziege logisch, nachvollziehbar und die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt. Schließlich gibt man am besten in einer Notlage (hier: allerärgste Abstiegsgefahr) unerfahrenen Leuten das Szepter in die Hand, auf dass sie im Falle ihres Scheiterns auf ihre Unerfahrenheit verweisen können und somit nicht gänzlich verbrannt sind. Oder wie war das noch mit Thomas Doll?

Jedenfalls freue ich mich, dass die Wahl von Borussia Mönchengladbach auf Christian Ziege gefallen ist. Der hat nicht nur eine meist gut gepflegte Webseite und kann geradeaus sprechen (und scheinbar auch denken), sondern ist auch ein Garant dafür, dass es bei Borussias Transferpolitik weiter drunter und drüber gehen wird. Wo käme man da hin, wenn man bei Borussia Mönchengladbach plötzlich vernünftig einkaufen würde und eine homogene Mannschaft stellen könnte?

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Der erwartet harte Gegner

Bei der WM 1982 spielte Deutschland meistens Scheiße und kam ins Finale, das verdient verloren wurde. Bei der WM 1986 spielte Deutschland meistens Scheiße und kam ins Finale, das nicht ganz so sehr, aber immer noch verdient verloren wurde.

Im Achtelfinale z. B. musste in der 88. Spielminute ein seltsamer Freistoß von Lothar Matthäus aus über 30m herhalten, um Marokko mit 1:0 zu bezwingen. Was danach im deutschen Fernsehen passierte und was Lothar Matthäus, Karl-Heinz Rummenigge und der damals noch nicht ergraute Franz Beckenbauer dazu zu sagen hatten, erzählt uns dieses Video von der WM 1986. Achja, Jörg Wontorra als Feldreporter nicht zu vergessen.

Die Äußerungen sind bemerkenswert, Lothar Matthäus ist froh, „nach den Fehler gegen Uruguay der Mannschaft geholfen zu haben“, Rummenigge empfand Marokko als den „erwartet harten Gegner“ und Beckenbauer wusste schon immer, dass die Marokkaner „mehr rückwärts als vorwärts“ und „in der Abwehr quer-quer-quer“ spielen.

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Den Namen nicht wert

Angeblich soll im amerikanischen Fußball wieder eine Frauen-Profiliga eingeführt werden. Man kennt die Größenordnungen, in denen da gespielt werden soll, aus der NFL Europe (das ist der europäische Ableger der NFL, also der Football-Liga, nicht zu verwechseln mit der Bundesliga des American Football). Da spielen ganze sechs Mannschaftchen eine Saison. Beim Football gibt es komischerweise dieses Verständnis der meisten Mannschaftssportarten nicht, dass man für einen fairen Vergleich ein Heim- und ein Auswärtsspiel durchführen sollte, was u. a., aber nicht nur, am seltenen Auftreten von Remis bei den in den USA populären Sportarten liegen könnte.

Ein Heimspiel, ein Auswärtsspiel, das gibt es normalerweise im Fußball in einer Liga als auch in den meisten Pokalwettbewerben. Die neue Frauen-Profiliga soll nun sechs (in Worten: 6) Teams umfassen. Das wird eine lange Saison und man darf sich zurecht fragen, ob den Spielerinnen da angesichts ihres ohnehin schon viel zu vollen Terminkalenders mit internationalen Begegnungen, Länder- und Freundschaftsspielen nicht das entscheidende Bißchen zu viel abverlangt wird. Zehn Spiele in einem Jahr, dazu kommt nach amerikanischem Muster wahrscheinlich noch eine Playoff-Runde der besten acht dieser sechs Mannschaften: Ich glaube nicht, dass das jemand länger als zwei Saisons durchhält, ganz abgesehen von der Terminhatz, die ja auch den Frauenfußball-Fan in den USA nicht unberührt lassen wird. Heute ein Spiel, und zwei Monate später schon wieder das nächste Spiel.

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Bundesliga-Flucht

Die Bundesliga scheint so unattraktiv geworden zu sein wie selten zuvor. Wie sonst liesse es sich erklären, dass sich neun Mannschaften darum streiten, wer die drei Abstiegsplätze einnehmen wird? Von Platz Dortmund bis Platz Gladbach sind alle fleißig bemüht, schlechter zu spielen als der andere. Und lasst Euch nicht täuschen, auch die Zwischenhochs von Mainz und dem HSV sind nur kurze Ablenkungsgeplänkel, damit die Fans keinen Verdacht schöpfen. Tatsächlich wollen aber all diese Teams lieber in der im nächsten Jahr so attraktiven (Köln, 1860, Kaiserslautern, Freiburg plus die drei noch zu ermittelnden namhaften Bundesligaabsteiger) zweiten Liga mitmischen, weil es dort so viel einfacher sein wird, ein paar Siege einzufahren und damit für gute Stimmung zu sorgen. Nur der alte Spielverderber Horst Köppel hat schon ausgeplaudert, dass den Gladbachern ein Abstieg gut tun würde, alle anderen tun nach außen hin weiter so, als wollten sie in der ersten Liga bleiben. Die Spiele auf dem Platz sprechen allerdings eine andere Sprache.

Sie scheint so unattraktiv geworden zu sein, dass die meisten nicht mal mehr Trainer in der Bundesliga werden wollen. Felix Magath übernimmt lieber Hitzfelds Kommentatorenjob, in dem dieser sich so wohlgefühlt hat, dass er nichts lieber möchte, als so schnell wie möglich von der Trainerbank wegzukommen und wieder Kommentator zu sein. Jupp Heynckes wird auch lieber freiwillig zurückgetreten, als sich dieses Ungemach anzutun, Bert van Marwijk provozierte seinen Rauswurf, indem er einfach gar nicht mehr trainierte, sondern in Holland bei der Familie im Wohnzimmer rumsaß. Und Peter Neururer hat sogar seine Auf-der-Tribüne-sitz-Aktivitäten eingestellt, damit er ja nirgendwo ins Gespräch kommt.

So dermaßen unattraktiv ist die Bundesliga, dass die Telekom ihre Namensrechte nicht haben möchte, dass in Asien keiner zuguckt, wenn die Bundesliga läuft, dass man in Portugal gerade mal den FC Bayern kennt (während man in Polen nur Schalke kennt), und dass außer Lehmann und Ballack kaum ein anderer Spieler in den anderen europäischen Ligen unter Vertrag steht.

Sie ist so unattraktiv, dass die Mannschaften, die oben stehen, lieber gar nicht erst gewinnen, als dass sie sich hinterher noch Meister der Bundesliga schimpfen lassen müssen. Die Reaktion der Schalker Führung auf den findigen Herrn mit der url www.deutscher-meister-2007.de spricht Bände. Imageschädigend ist so etwas, und das muss natürlich schnell unterbunden werden. Treten Mannschaften in der Bundesliga an, werden sie von ihren Fans dafür zurecht ausgepfiffen, wie jetzt gerade auf Schalke und in Dortmund geschehen. In Köln jagt man den einzigen Aufstiegshoffnungsträger namens Helmes, der noch zu einem Aufstieg in die erste Bundesliga hätte verhelfen können, mit Schimpf und Schande vom Spielfeld, auf dass man ja in der zweiten Liga bleibe.

Präsident der DFL, die immerhin hauptsächlich mit der ersten Liga beschäftigt ist, will niemand werden, und statt Stars wie Ribéry, Lampard oder Ronaldo wechseln Ersatzbänkler wie van Bommel in die Bundesliga, die ohnehin keinen Ruf mehr zu verlieren haben. Damit der dritte der zweiten Liga in Zukunft nicht mehr zwangsläufig in die erste Liga aufsteigt, denkt man darüber nach, die Relegation zwischen erster und zweiter Liga wieder einzuführen, wogegen sich bei den Mannschaften von Platz Dortmund bis Platz Gladbach allerdings Widerstand regt: Jetzt spielt man schon so schlecht und dann soll man doch nicht absteigen?

Es bleibt eigentlich nur eine Lösung: Die Bundesliga, so sie denn keiner haben will, sollte aufgelöst werden.

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Hände hoch!

Auch wenn ich von diesem Fußballer noch nie gehört hatte: Nomen est omen. Peter Rohrschneider, in den 1960er Jahren mal Profi beim HSV, hat in den 1990er Jahren die eine oder andere Bank überfallen. Das kam nur deshalb raus, weil einer seiner Komplizen ihn jetzt verpfiff.

Dazu muss man sagen, dass man in den 1960ern im Fußball noch nicht so gut verdiente, dass man nach seiner Karriere ausgesorgt gehabt hätte, ansonsten hätte er diese Banküberfälle wohl nicht nötig gehabt. Zum anderen muss man anmerken, dass sich Herr Rohrschneider seine Komplizen beim nächsten Mal besser aussuchen sollte.

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Suchtpotenzial Fußball

Nee, das ist nun wirklich nix Neues für alle, die selbst mal im Verein gespielt haben. Ekelhaft sind diese Mallorca-Sauftouren ohnehin schon. Wenn sie dann aber noch „von oben“, sprich als Teil der gemeinsamen Mannschaftsaktivitäten von der Vereinsleitung verordnet werden, sind sie ein Grund, dort nicht mehr hinzugehen.

Bleibt die Frage, ob die Gepflogenheiten im Fußball seine Jünger zu dem machen, was diese Studien zeigen, oder ob es eine besondere Klientel ist, die sich vom Fußball angezogen fühlt.

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Retrospektive: Und er bewegt sich doch

Letztens war ich noch unsicher, wie denn das alte Gewand des Herrn kicker aussah. Nette Menschen halfen mir mit selbst gehosteten Favicons aus. Dabei wäre dem Gedächtnis auch viel einfacher auf die Sprünge zu helfen gewesen.

web.archive.org speichert nämlich alte Versionen von großen Webseiten. Natürlich kann man sich auch andere Seiten anzeigen lassen, uns interessiert aber, was denn z. B. am 18. Mai 2004 im kicker berichtet wurde.

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Oho, Herr Magath löst Hitzfeld nun doch schon ein Jahr früher ab. Am 5. Juni 2003 erfuhren wir, dass Niko Kovac zur Hertha wechselt und Andreas Reinke nach Bremen. Am 18. April 2001 (man erinnert sich) glaubten die Leser noch mehrheitlich, dass Schalke in dieser Saison zwei Titel holen würden, und so weiter und so fort …

Und wer die allererste (gespeicherte) Version von 1998 sieht, der ist doch froh, dass mittlerweile 2007 ist.

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Der letzte Sargnagel

Hatte ich letztens schon von einer Zeitenwende gesprochen, so ist der Abschied der Bayern von der Spitze nun endgültig besiegelt. Paul Breitner ist als Berater engagiert worden. Er soll „Meinungen einholen“ über zu verpflichtende Spieler und auch ansonsten „ab und zu“ beraten.

Da Paul Breitner ein ausgewiesener Fachmann ist, der immer alles besser weiß, bislang aber noch nie irgendwo irgendetwas besser gemacht hat und er zudem ein Dampfplauderer der Marke „Udo Lattek“ ohne Detailkenntnisse ist, wird er mit seinen Tipps hoffentlich zu weiteren Kracherverpflichtungen wie Dos Santos, Karimi oder Rau beitragen und dafür sorgen, dass die Mannschaft weiterhin kein Gerippe noch eine Idee, was sie überhaupt spielen soll, hat.

Als Fingerzeig, wohin die Reise bei den Bayern geht, war schon die Rückholaktion von Hitzfeld ausreichend, mit der Verpflichtung des nicht minder gedanklich erstarrten Breitner ist die Richtung nun endgültig klar: Auf zu alten Ufern, denn neue können wir uns nicht vorstellen.

Auch wenn es eine häufig angewendete Strategie beim Umgang mit seinen Kritikern ist, diese ins Boot zu holen und ihnen Verantwortung zu geben: Der ewige Nörgler Paul Breitner als Berater ist ein klassisches Eigentor. Nicht ohne Grund war er jahrzehntelang eben nicht bei den Bayern in Verantwortung. Nun wird er für weitere Unruhe und für eine Meinung mehr am uneinigen Tisch der Bayern sorgen.

Die Altherrenriege wird immer größer, nur zurückholen können diese die alten Zeiten nicht mehr.

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