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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

You throw it all away

Man hat sich im Fußball dran gewöhnt, dass alles Gewäsch von Traditionen und Bräuchen nur eben solches ist: leere Hülsen, einzig der emotionalen Aufladung des Produkts dienend. Kein Verkäufer zögert noch eine Sekunde, sofort entgegen jeglicher Tradition zu handeln, wenn er sich davon mehr Aufmerksamkeit und Umsatz als zuvor erhofft.

Da darf es nicht überraschen, dass der Ausrüster der Nationalmannschaft beim neuen Trikot-Design ebenso keine Hemmungen kennt, alles, was das Trikot der deutschen Nationalmannschaft zuvor definierte, mir nichts dir nichts über Bord zu werfen.

Aufmerksamkeit juchhe, koste es was wolle, auch mit diesem Beitrag zum Thema natürlich — doch Ernst nimmt man seine Kunden damit nicht. Zumindest jene nicht, denen man überhaupt mit Traditionen oder Gewohnheiten im Fußball kommen kann.

Nun also ein Trikot, dessen Gestaltung auch via hanebüchenster Erklärungen nichts mehr mit dem üblichen Design dieses Trikots gemein hat. Wenn eine Mannschaft keinen Brustring auf ihrem Trikot trägt, dann hat sie auch in der x-ten Variation keinen solchen und wenn die Farbkombination einer Mannschaft weiß und schwarz ist, dann steht das schwarz dabei nicht für die Farbe der Fußballschuhe.

Völlig ohne Not macht sich ausgerechnet jener Ausrüster, der doch auf diese Tradition der Kooperation so gerne hinweist, hier zum Schlächter jeglicher Bräuche bei der Gestaltung dieses Trikots. Wie eingangs erwähnt, man hat sich im Fußball an beinahe alles gewöhnt.

Doch das geht einfach zu weit. Setzen, Sechs, nichts verstanden von der Bedeutung der Gestaltung eines Ländertrikots.

Dass man seine Kundschaft ohnehin nicht Ernst nimmt, erkennt man am unerträglich hipster-ironischen Slogan zum Trikot: „Unsere Farben oder keine!“ Von welchem Land mag da nur die Rede sein? Nur für die Ungläubigeren unter der Zielgruppe also noch mal explizit ausgesprochen, dass man seine Kundschaft verhöhnt. Wenigstens darin bewahrt man die Tradition.

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Die hohe Schule der Küchenpsychologie

Unterwegssein und vor einer Mittagspause stehen, aber keinen Laden finden, welcher 11Freunde im Angebot führt, führt zur Erkenntnis, dass ein neuer Traumjob nur Leserbriefschreiber bei der SportFOTO heißen kann. So formvollendet Sätze ohne Aussage zusammenzuklöppeln muss jede Woche aufs Neue eine unglaublich spannende Herausforderung sein.

Was man dabei ebenfalls lernt: In der Redaktion sitzen weniger Sportjournalisten, vielmehr Küchenpsychologen. Zwei der Indizien, warum (der böse!) Stefan Kießling in Wahrheit doch für Verlässlichkeit steht: Sein Opa machte 40 Jahre lang den Kassenhäuschenfritzen in einem Fußballverein, sein Vater arbeitet ehrenamtlich in einem Amateurclub als Torwarttrainer. Also, wenn das keine Indizien dafür sind, dass Stefan Kießling ein er is guter Junge ist, dann müsste man die Küchenpsychologie doch noch mal neu erfinden.

So haben sich die paar Groschen doch noch gelohnt. Ohne diese Erkenntnis wären sie eventuell rausgeschmissenes Geld gewesen. Bei Kießlings ist die Welt also noch in Ordnung, und ja, vielleicht sollte man die Zeitschrift umbenennen. KüchenpsychoFOTO gibt’s doch noch nicht, oder? Jedenfalls sind jetzt die Hände voller Schmalz, ein Taschentuch, bitte. Wann erscheinen diese Meisterwerke der Persönlichkeitsstrukturbeleuchtung endlich bei topfvollgold?

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Roy’s Keen von Morrissey

Ein Song von Morrissey mit Bezug zu Roy Keane.



Mit Dank für den Hinweis an schomberg (Twitter), welchen er im Anschluss an meine Äußerung auf der Lesung in Köln gab, dass man spekuliere, ob Morrissey Anhänger von West Ham United sei. Es bleibt klarzustellen, dass der aktuelle Stand ist, dass man das nicht genau weiß. Und der im Song geehrte Roy Keane spielte schließlich nur bei Nottingham Forest und Manchester United (sowie den Cobh Ramblers und Celtic Glasgow).

Zu hören ist übrigens eine eher usselige Live-Version des Songs, da die Studioversion in Deutschland Ihr wisst schon.

Jetzt ist doch eine Studioversion zu hören, aber wie man hört, einfach nur irgendein „Take“ und keine endgültige.

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Wo der Peter noch zählt

Das Fazit vorab: Fünf von fünf Kohlebriketts für die Loge des Bochumer Ruhrstadions. Besonders positiv neben der angenehmen Nähe zum Spielfeld fällt der auch im Interlogen-Vergleich gute Service der Bediensteten auf. Atmosphäre haben Partien in diesem Stadion ja immer, auch wenn es langsam Patina ansetzt.

Der Niedergang des Reviers ist es, dem man von der Tribüne des Ruhrstadions aus in Form lebendig umherlaufender, aber immer weniger Punkte erreichender Fußballspieler zuschaut. Es liegt nicht an Bochum selbst, denn das gleiche Schauspiel ist auch von den Stufen des Wedaustadions oder des Niederrheinstadions aus zu erblicken. Nicht in einem einzelnen Spiel wie an jenem Montag, als der 1. FC Kaiserslautern in Westfalen zu Gast war und beim 0:0 keinen Treffer der Bochumer zuließ, selbst auch nur den Pfosten und nicht ins Tor traf. Aber die Vorzeichen, unter denen derartige Partien stattfinden, werden von Mal zu Mal betrüblicher. Nun haben sich die einst Unabsteigbaren der Ersten Liga schon ernsthaft mit Abstiegssorgen in der zweiten herumzuplagen.

Das strukturelle Problem der zwischen den immer gefräßiger (hey, das ist eine unzulässige Vermenschlichung von wirtschaftlich-sozialen Prozessen, die keine Einzelperson bewirken oder verhindern kann) werdenden Schalkern und Dortmundern ist nicht neu. Es bestand früher schon — man denke an die Aktion Heinz Höhers, den Platz für ein bisschen mehr Geld in einer Nacht zu vereisen, wie sie in Ronald Rengs „Spieltage“ beschrieben wird.

Doch die Schere geht immer weiter auf. Ein Talent wie Goretzka ist schon mit 18 nicht mehr zu halten, während er früher immerhin noch ein oder zwei Mal Torschützenkönig mit dem VfL Bochum (in der 1. Liga wohlgemerkt) geworden wäre, bevor er dann mit einem Wechsel zu Bayer Leverkusen seine Nationalmannschaftskarriere in den Rinnstein hätte fließen lassen.

Auf der Trainerbank blitzt kaum mehr als Durchhalte- und Motivationsklamauk, der immerhin das große Bedürfnis nach Heimatgefühlen bedient. Wo andere Clubs hingegen jemanden als Trainer engagieren, der heutige Gegner 1. FC Kaiserslautern zum Beispiel, der auf der Höhe der Zeit beim Fußball ist und dementsprechende Erfolge feiert. Der Blick geht vielleicht immer ein Stückchen zu lange zurück, gerade in der Stadt mit dem Bergbaumuseum. Vielleicht ist es aber keine fehlende Einstellung zum Spiel und der Kaderentwicklung, vielleicht sind die Hände tatsächlich so gebunden, wie sie scheinen.

Das Stadion, einst eine Perle der Fußballkultur, wird mit jeder Saison, jedem Besuch älter und — ein zeitlicher Scheinriese vielleicht — kleiner, überschaubarer, das Moos wächst, wo neue Impulse sprießen sollten.

So ist es gleichzeitig heimelig wie auch Indiz für den verfallende Attraktion, dass das Ziel des heutigen Abends, jene Loge beim VfL Bochum, die auch von den nicht ganz so Betuchten besucht werden kann, nach dem Sponsor des Stadionnamens benannt ist. Irgendwasmitrevierausderwortspielhölle-Lounge. Welcher wiederum aus den Bochumer Stadtwerken besteht — man rechnet offensichtlich mit keinerlei überregionaler Strahlkraft und hat damit seine eigene Größe wohl schon ganz gut eingeschätzt. Schlimmer wäre die Erklärung, dass es keine anderen Interessenten mehr gibt. Opel oder Nokia.

Doch hin zum eigentlichen Anlass des Berichts. Eine Einladung in die Loge des Ruhrstadions. Großraum-Lounge mit direktem Anschluss an die Haupttribüne. Als VfL-Fan sollte man dort zumindest ein Mal gewesen sein. Ja, gut, auf Schalke hängen dann halt noch ein paar Bergmannsutensilien von der Decke in dieser Großraum-Lounge, darauf hat man hier in Bochum verzichtet und ist im solide-gepflegten Bereich (wie beim MSV Duisburg) sowohl bei der Gestaltung als auch beim Zugang zur Haupttribüne, auf der man immerhin Ata Lameck (und komischerweise sonst keinen Ex-Profi) entdeckt. Lameck verteilt in der Halbzeitpause stibitztes Speise-Eis an umstehende Kinder und tut auch sonst alles dafür, seinem während des Reviersport-Quiz beim Autor erworbenen Image nicht zu schaden. Ein umgänglicher, sympathischer Ker (sic!) ausm Pott, der den Schalk im Nacken mit traumwandlerischer Sicherheit in jener Frequenz aufblitzen lässt, die auch nach Jahren nicht auf den Geist geht.

Für einige Hundert Menschen ist in dieser Lounge Platz, kredenzt werden natürlich Pils und Currywurst — der Autor war noch auf keiner Fußball-Veranstaltung mit eigentlich zumindest leicht gehobener Küche, in der dann doch genau diese Currywurst kredenzt wurde, ob nun in der Loge der Allianz-Arena oder bei diversen Meetings von Telekom oder Google. Fällt irgendwo das Stichwort „Fußballfans“, verlässt alle Köchinnen und Köche der Welt jeglicher Mut zu auch nur einem Fünkchen Kreativität. Currywurst neben vielem anderen auf dem Speiseplan in der Bochumer Lounge versteht sich, aber das Foto vom Menü hat es wieder nicht bis zum heimischen Rechner geschafft. Sehr zum Bedauern von Blog-G, dem ausgewiesenen Gourmet unter den Fußballbloggern, steht zu befürchten.

Auf dem Platz ansehnlicher Fußball, welcher seltsamerweise von allen Daheimgebliebenen bei Twitter als grausam und schrecklich bezeichnet wurde. Dabei spielte hier der zu jenem Zeitpunkt Vorletzte der Zweiten Liga. Als neuerdings regelmäßiger Besucher der Dritten Liga ist man da vielleicht nicht ganz so verwöhnt wie der gemeine Bundesligadehmel. Jedenfalls ging es nach Sekunden nur mit einer sehr guten Gelegenheit für den Bochumer Richard Sukuta-Pasu los (übrigens eines dieser 18×18-Kids), doch diese versemmelte er ebenso überhastet wie alle späteren Gelegenheiten, von denen einige sogar die Bewertung „Hundertprozentig“ überschritten. Alleine im Fünfmeterraum über den Ball zu säbeln, da findet selbst Andy Brehme kein Bonmot mehr für.

An der Linie übrigens das Duell zweier Ex-MSV-Trainer, aber was heißt das schon, bei einem wie Neururer, der 14 Profi-Vereine in seiner Vita trägt? Der jedoch allein in Bochum wirklich ein zu Hause fand (und in Köln und in Schalke … und … wer halt noch so anrufen sollte demnächst … ). Auf der anderen Seite Kosta Runjaic, der möglicherweise mit dem 1. FC Kaiserslautern bald in der 1. Liga spielt. Zumindest machte es nach dieser Auftaktchance für den VfL Bochum den recht starken Eindruck, denn die Bochumer Defensive schwamm in einer Vielzahl von Situationen in den ersten 30 Minuten, ehe wieder etwas mehr Gegenwehr möglich wurde. In der zweiten Halbzeit deutlich weniger Durchschlagskraft auf beiden Seiten, und dennoch kurz vor Schluss wieder eine Bochumer Gelegenheit für Sukuta-Pasu, deren Verwertung Peter zumindest innerlich hätte tanzen lassen.

Erstaunlich aber das grundlegende spielerische Potenzial von Kandidaten wie Ken Ilsö und Yusuka Tasake, das zwar oft mit dem vorletzten Pass sein Ende fand, aber durchaus adrett zu verfolgen war. Und dann fiel da plötzlich Slawomir „Paul“ Freier (oder heißt er Paul „Slawomir“ Freier?) ins Auge. Das berüchtigte Loch im Raum-Zeit-Kontinuum wurde mittlerweile das eine Mal zu oft bemüht, um es hier noch als Erklärung heranzuziehen. Ein Mann, der noch vor Miroslav Kloses Zeiten das Nationaltrikot getragen hatte, wühlt sich hier durch die Untiefen des Bochumer Ackers wie auch durch die seiner Karriere.

Potzblitz, und das an einem kalten Montagabend, wenn ältere Herren doch schon längst mit Pils und Decke in der Lounge sitzen sollten. So viel wie dem Ruhrstadion vom Glanz alter Tage geblieben ist, so viel blitzte allerdings auch bei Freiers Spiel davon auf, dass er einst zu den besten 23 in Deutschland gehört haben mag. Schaut man nach, steht sein letztes Länderspiel tatsächlich noch 2007 zu Buche und es erstaunt, wie lange man sich als Ex-Nationalspieler im Schatten jeglicher Aufmerksamkeit bewegen kann. Paul Freier, der deutsche Paul Scholes. Keine Werbeverträge, keine Sperenzken und ebenso lange im Einsatz. Nur nicht ganz so erfolgreich.

Und dennoch gelang es den Bochumern, ihren Abwärtstrend zu stoppen, nach vier Niederlagen in Folge einen Punkt gegen einen Aufstiegskandidaten zu ergattern. Welcher man übrigens selbst wäre, hätte man nicht diese vier Niederlagen in Folge zu beklagen. Aber Fußball ist bekanntlich kein Spiel im Hätte.

Eins bleibt aber auch in Bochum unverändert und das ist der Zauber, den Herbert Grönemeyers „Bochum“ vor Anpfiff versprüht. Ein Song aus einer Zeit, als tatsächlich noch Grubengold hochgeholt wurde und der Pulsschlag der Stadt aus Stahl bestand. Immerhin 16.656 Zuschauer singen diese Zeilen und wie immer jene vom Doppelpass des VfL gegen Lautern mit, keine schlechte Zahl für Bochum in diesen Tagen.

Denn in diesen Tagen ist man an einem diesigen Montagabend ein diesiger Zweitligist, und in diesem Licht scheinen Erstliga-Klassenerhalte mit Gekas, Gerland oder Gospodarek so weit weg wie der tatsächlich in London residierende Grönemeyer. Das nächste Hoch kommt auch in Bochum bestimmt, ob aber mit dem Herrn aus der Titelzeile, das „bleibt abzuwarten“. Bis dahin genießt man eben die Currywurst. Und das Flutlicht.

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Glasperlenketten, braucht noch jemand Glasperlenketten?

Oder vielleicht ein Trikotbadge „mit praktischem Mehrwert“?

Die Kampagne […] soll die Aufmerksamkeit auf das bestehende Serviceangebot der Verbände für den Amateurfußball lenken und der Basis einen praktischen Mehrwert bringen. So gibt es zunächst neben einem Spielankündigungsplakat im Kampagnendesign ein Trikotbadge, das alle Amateurvereine im Internet bestellen und auf die Trikots ihrer Mannschaften bringen können.

Aufkleber wären auch noch fein und ein paar Girlanden.

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Neuer Fußballweltverband gegründet

[Reblog von 2010.]

Und zwar hier und heute.

Name noch unbekannt, Verbandsregeln auch.

Wichtigstes Leitmotiv: Fußball ist nicht mehr als ein Spiel. Ein „beautiful game“, ganz sicher, das so schützens- wie betreibenswert ist, aber eben nicht mehr.

Es muss allerdings endlich Gebrauch gemacht werden von den Möglichkeiten, diese Sportart nicht einem Haufen alter Männer in intransparenten Strukturen zu überlassen, deren einziges Anliegen [ ] sind. Und diese Möglichkeit liegt ja hier herum, man muss sie nur aufheben und einsetzen. Was hiermit geschehen ist.

Austragungsorte gibt es weltweit bereits genug für diesen Sport, könnte zwar sein, dass man mit ein paar der Mitglieder des Konkurrenzverbandes Probleme dabei bekommt, diese auch benutzen zu dürfen, aber das wird sich alles regeln lassen. Insbesondere dann, wenn man irgendwann mehr Mitglieder hat als der etwas ältere Verband. Wenn der neue Fußballverband all jenen eine Alternative bietet, die sich — offenbar könnte das ein augenöffnender, heilsamer Schock gewesen sein — von den Entscheidungen der WM-Vergabe angewidert abwenden. Das scheinen nicht wenige zu sein.

Populismus? Nein, in diesem Fall nicht. Größenwahn? Auch nicht. Denn um es mal wieder mit Stefan von Blog-G.de zu sagen: „Ich will mir nicht vorwerfen müssen, es nicht versucht zu haben.“

Leider verfüge ich in dieser Woche erstmal über wenig Zeit, aber vielleicht kann ja der eine oder andere schon mal anfangen mit dem Aufbau von Kommunikationsmöglichkeiten und weiterem Benötigten. Dieser Fußball gehört uns.

Spread the word.

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Herrreinspaziert!

Meine Damen und Herren, willkommen im Zirkus DFL!

In der letzten Vorstellung hatten wir ein besonderes Schmankerl für Sie arrangiert, die bei uns intern so genannte „Nummer ohne Netz“ kam selbst für unsere Verhältnisse außerordentlich gut an. Ja, sogar die Artisten waren nicht eingeweiht, das darf ich hier verraten, schön, dass wir mit dieser ohne viel Aufwand erstellten Aktion so präsent in allen überregionalen Medien waren. Nein, den Namen des Netzherstellers nennen wir ebenso wenig wie den des Platzwarts. Ah, doch, ja, diese Vorwürfe sind mir auch bekannt. Natürlich war es nicht inszeniert, um der stets kritisierten Artistengruppe „TSG“ ein wenig mehr Authentizität zu verleihen. Das wäre ja totaler Quatsch. Dafür hätte man schließlich auch ein Horn tröten lassen können, woraufhin der eine oder andere unserer Zuschauer zum Amtsarzt gerannt wäre. Mit Folgen für die Stimmung hier bei uns im Zirkus DFL auf Jahre hinaus, jedes Mal, wenn sich die Beteiligten wiedertreffen.

Nach der Nummer aus der Vorwoche fragen Sie? Sie erinnern sich nicht mehr? Ich schau mal eben in unseren Spielplänen nach, ach, da ist es ja. Das war die Nummer mit den undurchsichtigen Handentscheidungen. Ja, Sie sehen, bei uns ist immer etwas los. Denn wer wüsste heute noch zu nennen, dass es in der Woche davor wiederum ein anderes Highlight gab. Einen lebendigen, noch aktiven Vulkan hatten wir von der Trainerbank in die Mitte unsere Manege geholt. Das Publikum tobte, teilte sich auf in Hasser und Verteidiger, ja, besser kann es für uns ja gar nicht laufen! Dabei hatten wir damals schon befürchtet, dass diese Nummer eigentlich langsam durch wäre, die hatten wir zuletzt schon relativ oft gebracht. Aber der Zuschauer vergisst ja immer wieder so schnell. So ein Glück für uns — und auch für den Zuschauer.

Die „Nummer ohne Netz“ kam natürlich genau aus der richtigen, nämlich einer ganz anderen thematischen Ecke. Das klappt nicht immer. Ich gebe zu, in Woche vier hatten wir zwar etwas vorbereitet, das kam aber nicht beim Publikum an. Weshalb sich niemand dran erinnert. Sie sehen, wir bemühen uns stets um beste Unterhaltung, garantiert ist sie jedoch nicht. Was man bei uns aber sehen kann, ist höchste Unterhaltungskunst und ja, ich verspreche Ihnen, fürs nächste Wochenende haben wir wieder etwas vorbereitet, das könnte fast zu einem dieser berühmten ARD-Brennpunkte führen. Das wäre natürlich der Ritterschlag unseres Programms. Obwohl so etwas schwierig ist, den letzten Brennpunkt gab’s bei Klinsmanns Entlassung. Ein Traum für uns, aber auch nur alle Jubeljahre möglich. Nächste Woche werden jedenfalls alle wieder über eine ganz andere Sau, äh, Nummer diskutieren, und, nein, ich darf Ihnen nicht verraten, aus welcher Ecke es sein wird. Schiedsrichter sind für den Moment wohl erledigt, es könnte also aus einer ganz anderen Richtung kommen.

Und ich bin ganz sicher, auch Sie sind wieder dabei, wenn es wieder heißt: Manege frei im Zirkus DFL, jede Woche ein neues Thema zum Hochkochen und Durchwalken.

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Sverige — Tyskland 3:5 – Die Evolution frisst ihre Kinder

I have a dream. Und der geht so: An einem vielleicht regnerischen Tag im Februar 2014 wird Jogi Löw einen Termin in London haben. Er wird seinem Gesprächspartner mitteilen, dass er weiterhin voll auf ihn setzt. Dieser aber leider nicht mitfährt zur WM, zumindest nicht im 23er-Kader, aber für den Fall der Fälle solle er sich bereithalten. Später werden beide Beteiligten der Presse das genaue Gegenteil darüber erzählen, was denn nun Inhalt des Gesprächs gewesen sei. Der so Besprochene wird aber nicht im Flieger nach Brasilien sitzen, was der entscheidende Punkt dieses Traums ist.

Tja, schade, dass das nur ein Traum bleiben wird, aber was man angesichts der mit ordentlich Teufelspepperoni gefüllten Ladungen an Offensivpower mit durchdachten, kreativen und handlungsschnellen Szenen gestern in der Partie gegen Schweden noch mit Lukas Podolski bei einer WM möchte, wo die Besten der Besten eines Landes zusammengerufen werden, wird auf immer Jogi Löws Geheimnis bleiben. Die Defensivstärke im Vergleich zu den ihn nun überflügelt habenden Spielern kann es bei Podolski kaum sein, denn die müsste man immer noch mit der Lupe suchen.

Ansonsten bot die Partie genau das, was man von ihr erwartete. Einen immer wieder zum Patzer und dann zur patzigen Reaktion neigenden Manuel Neuer, der immerhin dann doch mal nach knapp 160 Minuten gegen Schweden einen dieser Bälle zu fassen bekam, die man ihm ständig aufs und dann ins Tor hämmerte. Eine Defensive, die löchrig genug ist, auch gegen Fußballgroßmächte wie Paraguay, die USA oder die Schweiz 3 Tore und mehr zu kassieren, zeigte wieder einmal ihre lachende Fratze. Lachend für Produzenten von Tornetzen, denn die spielten gleich 8x die ihnen zugedachte Rolle.

8x, das bedeutet auch, dass der Ball 5x in des Gegners Tor landete und es war der große Jannik Sorgatz, der letztens darauf hinwies, dass die DFB-Auswahl damit 9 Partien in Folge mindestens 3 Tore erzielt hat. Oliver Fritsch argumentierte in der Zeit, dass zu viele Tore dem Fußball nicht gut täten und auch Bastian Schweinsteiger äußerte sich nach seinem Jubiläumsspiel, dass ihm ein 2:0 deutlich lieber als ein 5:3 sei, denn dieses sei ein „schlechtes Ergebnis“. Erinnerungen wurden wach an das 4:2 gegen Griechenland im Viertelfinale der EM, als sich kaum jemand an den 2 Gegentoren der Griechen störte, welche doch für gewöhnlich nur 1 Tor pro Partie erzielen und diesen Wert mal eben gegen Deutschland verdoppeln konnten. Denn vorne rappelte es ständig im, Entschuldigung, in den Tornetzen und dann lässt man auch schon mal fünfe gerade sein.

Wie erwartet also die Rückkehr zu einer schwachen Defensivleistung, die auch nicht damit zurecht gerückt werden kann, dass die Schweden in der ersten Halbzeit nur 2x aufs Tor schießen. Was ja fast so klingen sollte, als seien das 2 Sonntagsschüsse gewesen, die so nicht in anderen Partien wieder passieren könnten. Erstens waren diese Tore glänzend herausgespielt und dann doch wieder so einfach, wie es eben ist, die deutsche Abwehr auszuspielen. Und zweitens zeigt die Vergangenheit ja, dass es eben nicht ein mal im Jahr vorkommende Sonntagsschüsse sind, die zu deutschen Gegentoren führen, sondern dass es wieder und wieder möglich ist selbst für die Nr. 50 der Weltrangliste, zwei, drei Tore zu erzielen. Wie erwartet, eben, und das sogar ohne Ibrahimovic.

Was man nicht erwarten kann, ist dass man beim Zuschauen auf einmal ein Gottesteilchen entdeckt. Aufgeblitzt war es in jener Szene, die zum 4:2 durch André Schürrle führte, als schon der durch eine blitzschnelle Drehung gewonnene Zweikampf auf der linken Außenbahn in Höhe der Mittellinie deutlich schrie, dass nun etwas sehr Besonderes passieren würde. Während man einigermaßen eingelullt von den vielen Toren vor dem Fernseher sitzt, plötzlich dieser Moment, an dem der Fernseher zu einem Medium des Lebens wird, sich die Schönheit des Spiels eröffnete und beinahe, für einen Moment jedenfalls, die Seele rein machte und eine Ahnung vom Gefühl der Erfüllung bescherte.

Zum Glück wird man von den Menschen beim ZDF, die dieses Spiel begleiten, immer sofort in die Realität zurückgeholt. Da spricht ein vermeintlicher Experte zum ersten Mal in seinem Leben selbstironisch davon, dass es ja auch viel „Druck“ gegeben habe, Applaus, Applaus, es gibt noch Hoffnung, da macht er diese Hoffnung im selben Moment zunichte, als er sich jeglicher Diskussion der anderen gesehenen Partien entzieht und stattdessen ständig über seine Erinnerungen von anno dazumal schwadroniert, deren Kontext zur Gegenwart man selbst mit jener Lupe, die Podolskis Defensivstärken sichtbar macht, nicht findet. In Moldawien habe er mal gespielt, das Publikum war gegen ihn, der Platz ein Unding, ja, Opa, jetzt iss auf und stell Dich neben den Franz. Was es über die anderen Mannschaften bei der WM alles zu sagen gegeben hätte — wer weiß das schon? Ein Zuschauer des ZDF jedenfalls nicht.

So frisst die Evolution ihre Kinder, Bastian Schweinsteiger wirkt schon wie ein alter Mann vor seinem letzten Turnier, dabei hat er die 30 Lenze noch gar nicht erreicht, und Oliver Kahn wirkt wie ein Fußballkommentator aus den 1990ern, als genau solche Dönekes schon ausreichten, um den Vertrag verlängert zu bekommen. So wie Podolski nicht mehr in diese Zeit passt, zu wenig handlungsschnell, zu wenig variabel, so passt auch Oliver Kahn nicht mehr in diese Zeit. Für Geschichten von damals gibt es hinten in der 11Freunde eine Rubrik, ein Interview alle paar Jahre mal sollte für Kahn dann ausreichen. Ansonsten gilt für ihn genauso wie für die Generation Podolski: Platz machen, die Evolution hat sie überholt. Zum Glück.

Und dann waren da noch die herrlichen Einlaufkinder, die dem ganzen Popanz, den der Fußball und die Menschen sich ausgedacht haben, eine schöne lange Nase zeigten. Nationalhymnen, bei denen man andächtig stehen muss, deren Text man mitsingen muss und Spot und TV-Kamera auf die modernen Gladiatoren gerichtet, die zu Helden überhöht werden — alles wunderbar karikiert von zappelnden, in der Nase bohrenden, sich ständig umdrehenden oder ihr Bäuchlein tätschelnden Einlaufkindern. Sollte man öfter machen, diese besonderen Kinder in den Vordergrund zu holen — ohne sie dabei dem Voyeurismus auszuliefern, falls das möglich ist.

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Unfreiheit in grün

Es war klar, dass es so kommen musste. Jeder Trend aus den USA, zumal im Sport, erreicht auch Kontinentaleuropa früher oder später. Nun hat es auch die Fußballfans getroffen. Insbesondere aus amerikanischen Eishockey-Arenen ist bekannt, dass man auf der Anzeigetafel einblendet, welche Gesänge wann zu singen seien, wann man wie schnell zu klatschen habe.

Künstliche Stimmung auf Anweisung — bislang ein Tabu in der deutschen Fußball-Szene. Hier wabert die Fanmasse noch organisch und Gesänge sind authentisch. Glaubte man, bis vor Kurzem. Doch vorbei sind diese Zeiten.

Die schleichende Entwicklung begann zunächst unbemerkt schon vor einigen Jahren. Inzwischen hat sie sich fast überall durchgesetzt, zumindest in den oberen Etagen des Profifußballs. Ganz wie im Eishockey üblich wird auch hier nur noch das gesungen, was von oben vorgegeben wird. Selbst der Klatschrhythmus wird oktroyiert, kein Raum mehr für Kreativität und Lebendigkeit.

Wie das passieren konnte, wo man hierzulande doch so erpicht darauf ist, nichts mit dem Plastik-Fantum Marke USA zu tun zu haben? Die Lösung war ganz einfach für all jene, welche diese künstliche Stimmung einführen wollten:

Man steckte die Anzeigetafel mit den Anweisungen einfach in ein Menschenkostüm.

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Goodbye Ausland

Einer der Gründe, warum man sich ein Auswandern als Fußballfan reiflich überlegen sollte, ist jener, dass man einen riesigen Batzen an potenziellen Themen für Small Talk verliert, wenn man ins Ausland geht.

Mit wem soll man sich in Norwegen über den 1. FC Nürnberg unterhalten, in Ghana über Frank Mill oder in Peru über das Drama der letzten Relegation, wenn dort niemand weiß, dass es in Deutschland Fußball abseits der zwei, drei großen Clubs überhaupt gibt?

Eine schöne Demonstration, wie gefesselt man mit diesem nerdigen Faktenhuber-Wissen über Fußball an den jeweils eigenen Sprachraum ist, sollte die folgende Liste sein, die die Nicknames von 50 englischen Proficlubs umfasst.

Klar, in der hiesigen Leserschaft gibt es sicher den einen oder anderen Nerd, der alle 50 schafft. Und ein paar davon sind für die meisten bestimmt kein Problem. Aber wird andersherum irgendjemand auf diesem Planeten wissen, wer die Lilien, die Zebras oder die Fohlen sind? Wohl kaum. Insofern: lieber zwei Mal überlegen, ob man wirklich auswandern will. Von da an kann man nur noch übers Wetter smalltalken. Politik und Religion sind bekanntlich tabu, und der Fußball fällt ja dann als Thema weg.

Also, auf zur Demonstration, dass man sich bei den Nicknames englischer Clubs kaum auskennt und schnell die Tickets nach Timbuktu in den Ofen geworfen, um der sozialen Isolation noch von der Schüppe zu springen.

(Achso, falls jemand alle 50 weiß, kann er sie gerne nennen. Hier kommt man auf knapp 20.)

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