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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Warum den Wächter würdigen

In Deutschland wurde es jüngst wieder mal ein Torwart: Fußballer des Jahres. So richtig weiß man nicht, warum Manuel Neuer, der außer einem Pokalsieg gegen hoffnungslos überfordete Meidericher, na gut, ein bisschen Champions League, nicht viel vorzuweisen hat, es geworden ist. Aber sicher spielte da die natürliche Affinität des deutschen Fußballpublikums zu guten Torhütern eine Rolle. Man kann sich keine Meistermannschaft vorstellen ohne dazugehörigen Torwächter, der zumindest in dieser einen Saison unüberwindbar schien. Aber ist dem überhaupt so? Gibt es eine solche besondere Wertschätzung von Torhütern in hiesigen Landstrichen?

Ja, die besondere Wertschätzung, die Torwächter in deutschen oder deutschsprachigen Landen erfahren, ist kein Mythos, wie die Jagd nach einer zu widerlegenden Legende ergab — siehe Auflistung unten. Sie existiert tatsächlich, nimmt man das zugegeben nicht alleinstehen könnende Kriterium der Wahl eines Spielers auf einer bestimmten Position zum „Fußballer des Jahres“ in einem Land zur Hand.

Die Ergebnisse werfen durchaus eine Henne-Ei-Frage auf: Wird man in bestimmten Ländern lieber Torhüter, weil man dort eine größere Würdigung erfährt — oder erfahren Torhüter in bestimmten Ländern eine größere Würdigung, weil man es dort lieber wird — und es deshalb eine größere Anzahl guter Exemplare davon gibt?

Keine Ahnung, auch keine Tendenz zu einer Vermutung. Auffällig ist aber unbedingt die Häufigkeit der Auszeichnungen zum „Fußballer des Jahres“ in mitteleuropäischen Ländern als da wären die BR Deutschland, die DDR, Österreich und Belgien auf den ersten vier Plätzen. Angesichts der sehr unterschiedlichen Zahlen an durchgeführten Wahlen nicht perfekt vergleichbar, aber aussagekräftig.

Da man hier küchenpsychologisch-historische Betrachtungen zum Fußball ablehnt („Die Uruguayer sind solche Klopper, weil sie 1842 eine Schlacht am Soundso-Berg in Unterzahl mit fiesen Methoden gegen die anrückenden Argentinier gewannen — einer der Gründungsmythen dieser Nation, die sich in das kollektive Gedächtnis des Volkes so sehr eingebrannt hat, dass man die daraus abgeleitete Handlungsmaxime auch beim Fußball nicht übersehen kann, wenn 11 Uruguayer auf dem Platz stehen.“), braucht man auch nicht der Frage weiter nachzugehen, ob man wegen der zentralen Lage in Mitteleuropa und der dazugehörigen großen Zahl an umgebenden Feinden als klassisches „Durchmarschland“ mehr Wert auf Verteidigung legt als in Ländern, die aufgrund ihrer Lage nur sehr wenige (Spanien, Portugal) oder gar keine (England bzw. Großbritannien) direkten Feindesnachbarn haben.

Häufigkeit der Wahl eines Torhüters zum „Fußballer des Jahres“

Land Häufigkeit
absolut
Häufigkeit
relativ
DDR 8/29 28%
BR Deutschland 10/52 19%
Österreich 9/66 14%
Belgien 6/57 11%
Italien 4/36 11%
Argentinien 3/42 7%
Portugal 3/41 7%
UdSSR 2/28 7%
Dänemark 3/48 6%
Brasilien 2/39 5%
England 3/64* 5%
Jugoslawien 1/20 5%
Schweden 3/66 5%
Schottland 2/47 4%
Rumänien 2/46 4%
Spanien 1/36 3%
Frankreich 1/49 2%

* davon 1x ein Deutscher, Bert Trautmann, 1x ein Nordire, Pat Jennings, ohne diese beiden läge England mit 1/64 und damit weniger als 2 Prozent auf dem letzten Platz dieser Liste

Wobei die Frage natürlich ebenso interessant wäre, wie häufig defensive Feldspieler im Vergleich zu offensiven Feldspielern zu „Fußballern des Jahres“ gewählt werden. Der Torhüter ist nun mal auch der besonders herausragende Part, der deutlich heroenhafter agieren kann, als ein schnöder linker Verteidiger, der immer nur Flanken verhindert, woraufhin es Einwurf für den Gegner gibt.

Teil eins dieser Aussage aber, der Einzelkämpfer im Tor, der alles rettet, der die Schlacht allein gewinnt, der über den anderen thront, der die ganze Verantwortung auf seinen Schültern trägt, naja, da möchte man tatsächlich lieber nicht weiter hinabsteigen in küchenpsychologische Deutungen der mitteleuropäischen Nationen und deren Bewohner sowie ihre Vorliebe für derartige Charaktere und die dazu passenden Heldengeschichten.

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Sportblogger-Beitrag des Jahres 2011

[photopress:sportblogger_beitrag_des_jahres_2011.jpg,full,alignright] So langsam gewinnt die inzwischen vom Sportbloggernetzwerk veranstaltete Wahl zum besten Beitrag des Jahres aus den vielen schillernden, spannenden und scharmanten Sportblogs im deutschsprachigen Raum an Konturen. Denn nach der Wahl 2007 (schöner Blick in die Historie des Sportbloggens!) und der Wahl 2010, welche ganz zufällig hier stattfand, geht die Wahl in die nächste Runde, wie „immer“ kurz nach dem Jahreswechsel.

Heute ist es die fabulöse Jekylla, die auf ihrem wiederbelebten Blog „Fabulous Sankt Pauli“ der angenehmen Angelegenheit nachgeht, Gastgeber der Wahl in diesem Jahr zu sein.

Einen uberbunten Strauß an Beiträgen hat die Jury zusammengestellt, Bildbetrachtungen, Interviews, kleinere Rants, ein paar alte Bekannte und einige neue Bekannte stehen zur Auswahl. Es soll aber nicht darum gehen, welches Blog man am liebsten liest, welchen Blogger man am besten kennt, sondern darum, wer von nun an ein Jahr lang mit der Krone, den „Sportblogger-Beitrag des Jahres 2011″ verfasst zu haben, durch die virtuelle Gegend laufen darf. Und das sollte bittschön jemand sein, der es verdient hat. Was Euch die Auswahl leicht macht, denn verdient hätten es alle 11 Kandidaten. Hüstel.

Lest alle 11 vorgeschlagenen Beiträge und stimmt dann ab, jeder nur ein Kreuz.

Die Spox-Redaktion hat dies dankenswerterweise als Blogschau aufgenommen.

Zu den Beiträgen und zur Wahl aber geht es bei Fabulous Sankt Pauli.

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Camouflage, die vollumfängliche Torwart-Tarnung

Warum sagte denn niemand Bescheid, dass man beim FC Everton in dieser Saison ein sehr gutes Auge braucht, um den Torwart auszugucken — weil man genau hingucken muss, um ihn überhaupt erst auf dem Schlachtfeld zu erspähen?

Und vor allem: Warum muss es wieder England sein, das sind jene mit dem Essig in den Chips, die den Hiesigen vormachen, wie man mal den üblichen Rahmen sprengt?

Dabei gäbe es doch so viele nette Ideen, es müsste ja nicht das Heim-/Stammtrikot des Torwarts sein. Alleine schon die Jungs von YMCA böten da genug Anlässe, aus deutschen Wäldern respektive besetzten Häusern kämen noch diverse Aufzüge und die daraus gestrickten Ideen hinzu. Nur Mut, meine Herren Piefkes.

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Fußball ist total einfach

… fast so einfach wie Gitarrespielen!

Toll, dass beim Fußball jeder Hanswurst mitreden kann, sonst gäbe es das Westfalenstadion ja gar nicht.

Bei Musik kann nicht jeder mitreden, beim Komponieren und Texten und Aufnehmen und Produzieren. Beim Bewerten des Endproduktes hingegen schon. Also ist Musik da doch fast wie Fußball.

Nur dass selten jemand auf die Idee käme, bei Musikern anzurufen und ihnen zu erklären, wie sie ihre Platte aufzunehmen haben. Das hindert andere Megalomane nicht daran, es umgekehrt zu tun.

Westernhagen: […] Ich rufe zum Beispiel auch schon mal Matthias Sammer, den Trainer von Borussia Dortmund, an und sage ihm, was mir nicht gefallen hat, wenn die Mannschaft schlecht gespielt hat.

SPIEGEL: Wo rufen Sie an, zu Hause bei Sammer? Oder gleich direkt in der Kabine?

Westernhagen: Nicht direkt nach dem Spiel. Aber manchmal im Bus. Wahrscheinlich denken dann alle: Um Gottes Willen, jetzt ruft Marius, die Nervensäge, wieder an.

SPIEGEL: Ganz bestimmt.

Westernhagen: Wahrscheinlich. Aber wenn ich glaube, dass ich irgendetwas bewegen kann, dann ist mir das völlig egal.

SPIEGEL: Und was raten Sie den Spielern dann? Jungs, reißt euch zusammen? Geht mehr über die Flügel? Mauert euch ein?

Westernhagen: Also etwas präziser ist meine Analyse schon. Aber Fußball ist ja nun auch wirklich kein so wahnsinnig kompliziertes Spiel.

Da war Matthias Sammer dann spätestens beim zweiten Mal selbst schuld, wenn er noch dran ging.

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Die dunkle Seite des Mondes

Letztens passierte mir etwas ganz Fürchterliches, ungewollt natürlich. Normalerweise reist man zum Ruhrstadion in Bochum immer vom Hauptbahnhof aus an, das heißt von Westen her. Entweder mit der Straßenbahn oder wenn einem langweilig ist oder man es zu Hause wirklich nicht mehr ausgehalten hat, zu Fuß. Dann läuft oder fährt man einige wenige Hundert Meter bis zum Stadion, allerdings läuft man zusammen mit Dutzenden, Hunderten anderen, und es entsteht genau jene Form der Vorfreude, wegen derer man hauptsächlich ins Stadion geht. Gerade im Ruhrstadion ist es weder die gute Sicht noch die exquisite Toilettenanlage, die einen lockt, sondern eben das Flair. Und genau das beginnt schon beim Anmarsch vom Hauptbahnhof aus. An den Eckkneipen, so viele sind’s zwar leider nicht bis zum Stadion, treffen sich Kuttenträger mit sonstigen Einheimischen oder vom modernen Leben aus Bochum Hinweggespülte, die für die Spiele ihres Clubs gerne in die Heimat reisen, je näher man dem Stadion kommt, desto mehr Menschen strömen aus den verschiedenen Seitenstraßen auf die Castroper Straße und auch wenn man keinen einzigen von ihnen kennt, erweckt es dieses Gefühl der Verbundenheit in der Liebe zum Fußball, das gepaart mit der ausufernden Vorfreude aufs Spiel genau jene Melange aus Empfindungen ergibt, für die man noch ein Wort erfinden müsste, weil sie einzig dem Weg zu einem Fußballspiel vorbehalten ist.

„Vorfußball“, „Stadionsucht“ vielleicht oder „Gleichgehtslosigkeit“.

Ganz entscheidend bei dieser sehr speziellen Situation des Anmarsches auf das Ruhrstadion ist aber, dass man das Stadion schon von relativ Weitem sehen kann, während man auf es zuläuft. Das gilt zwar aufgrund ihrer Größe für alle modernen Stadien, die wenigsten modernen Stadien stehen aber noch mitten in der Stadt, mitten in einem Wohnviertel, in dem an anderen Tagen tatsächlich Menschen ihrem Alltag nachgehen. Man sieht es also auf sich zukommen und im Schritttempo an Größe zunehmen. Die Vorfreude steigt nicht nur innerlich an, sondern hat in ihrer wachsenden optischen Repräsentation des Stadions auch noch ein Sinnbild zu liefern. Bei all den modernen Stadien, moderner Stadtplanung und überkandidelten künstlich gewollten Sinnbildern — wo gibt es so ein natürliches Sinnbild wie diesen Hinweg zum Ruhrstadion schon (noch)?

Letztens allerdings befuhr ich die A40, alte Leute sagen „Ruhrschnellweg“ dazu, etwas jüngere, aber auch nicht mehr Taufrische können sich den Witz vom „Ruhrschleichweg“ nicht verkneifen, weil ja doch immer Stau auf dieser Autobahn ist, und wenn kein Stau ist, dann ist eben Baustelle. Letztens befuhr ich also die A40 in Richtung Dortmund mit einem ganz anderen Ziel als dem Ruhrstadion und es war ohnehin mitten in der Woche und kein Spieltag. Da drückte es mir plötzlich ein wenig auf der Blase. Noch reicht die Kohle nicht für einen Wagen mit Autopilot, also schied das Entleeren der Blase im Stile eines Radrennfahrers während der Fahrt als Option aus. Ich würde wohl tatsächlich eine Örtlichkeit aufsuchen müssen, wofür man zunächst mal hätte wissen müssen, wo sich eine solche in der Nähe befindet. Die A40 ist anders als man denken könnte, führt sie doch mitten durch dicht besiedeltes Gebiet, relativ frei von Tankstellen. Und eine der wenigen davon hatte ich gerade passiert, also musste ich wohl oder übel runter von der Autobahn.

Das war irgendwo in Bochum, wohlgemerkt hinter der Abfahrt „Ruhrstadion“, aber dort, wo ich herunter fuhr, gab es keine Tankstelle zu sehen. Dem weiteren Straßenverlauf gefolgt, „weiter, immer weiter“, das verlangte alleine schon der Blasendruckzustand und doch war noch immer keine Tankstelle zu sehen. Und wie man so herumlaviert, in unbekannter Gegend ausreichend konzentriert Auto zu fahren, gleichzeitig nach Toiletten Ausschau haltend, fällt einem gar nicht auf, welche Hinweise auf den Wegweiserschildern auftauchen.

Gesucht und geflucht, über die nächste rote Ampel geärgert, drübergefahren, als sie grün wurde und plötzlich erhob sich zu meiner Rechten das Ruhrstadion in den Ruhrgebietshimmel. Das war ein Schock. Einerseits zwar eine Erleichterung, denn gegenüber vom Ruhrstadion befindet sich eine nicht zu kleine Tankstelle, die an Spieltagen wohl den halben Wochenumsatz mit dem Verkauf von Bierdosen macht.

Andererseits aber ein Schock. Aus einem gewöhnlicher als gewöhnlichen Stadtviertel herauskommend, wo sich Autohaus an Trinkhalle an Wäscherei an Supermarktparkplatz reihen, von der völlig verkehrten Seite auf das Ruhrstadion zu stoßen, hat die Einzigartigkeit jenes Erlebnisses, vom Hauptbahnhof aus darauf zuzulaufen ein wenig beschädigt. Nicht gänzlich ausgelöscht zwar, doch das blöde Gefühl dessen, wie profan das Ruhrstadion eigentlich in seiner ganzen Wurschtigkeit in einem noch wurschtigeren, noch profaneren Stadtviertel liegt, das man von der Autobahn aus erreicht, wenn man mal pieseln will, das wird mir beim nächsten Fußmarsch vom Hauptbahnhof aus den Genuß ein wenig vermiesen.

Hat man einmal hinter die Kulisse, hinter die Fassade geblickt, kann man nicht mehr so tun, als wüsste man nicht, dass alles nur aus Schaumstoff gebaut ist. Oder auch doch, man kann so tun, man braucht aber ziemlich lange, bis man wieder vergisst.

Diese Chemische Wäscherei, dieses Lampengeschäft und dieser Schreibwarenladen, das Profane einer Postfiliale. Der plötzlich aufblitzende Beton. Das ist nicht jene Idee vom Ruhrstadion, die meine Sehnsucht erfüllen soll. Beim nächsten Mal also wieder zu Fuß vom Hauptbahnhof aus.

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Niemals zu den Bayern gehen

Letztens trat die Frage danach auf, was genau es ist, das Mario Gomez Saison für Saison unsympathischer werden lässt. Jemand twitterte, dass er oder sie es so empfände, da fiel mir auf, dass ich mit dieser schleichenden Veränderung des (von sehr hohem Niveau startenden) Wohlgesinntseins nicht alleine bin.

Doch wie kommt’s?

Ein Teil der Erklärung könnte sein, dass man niemals zu den Bayern gehen darf, will man nicht einen Teil seiner Sympathie einbüßen. Anders gesagt: Wer seit jeher schon da ist, wie Rensing, Müller Gerd und Thomas, aber auch Rummenigge 1 und 2, wer vorher gerade mal lokal relevant woanders tätig war, muss nie diesen Schritt öffentlich gehen, der so enorm Sympathien kosten kann.

Neben seinem steigenden — zu Recht zwar-aber — Selbstvertrauen lässt Mario Gomez immer häufiger in Interviews eine gewisse lenaeske Schnippischkeit heraushängen, die unangemessen bis teils arrogant erscheint. Nicht alle Menschen dieser Welt sind für die Schlagzeilen der Zeitungen in Minutenzähl- und Krisenzeiten verantwortlich und auch sein Ferrari im Bauch der Allianz-Arena steht nun mal deshalb da, weil die Menschen solche Zeitungen mit gerne gezücktem Portemonnaie erwerben.

Die positiv zu verbuchende Eloquenz Mario Gomez‘ schlägt dann in die gegenteilige Wirkung um. Weil er sich viel zu demonstrativ herausnimmt, etwas anders zu sein. Er als der intelligente Fußballprofi — dabei dürfte die Quote der absoluten Analphabeten (dies jetzt als Metapher) in den Kadern der Bundesliga seit ihrer Einführung recht gleich geblieben sein — ist überhaupt geistig in der Lage, zu widersprechen, gar zur Süffisanz fähig. Dabei wäre es besonders klug, all jenen Überschriften, die zu Unrecht an seiner fachlichen Qualität zweifeln, mit der bestmöglichen Antwort zu begegnen: Nicht mal ignorieren.

Zweitens wäre da die Frisur. Okay, das ist Ansichtssache, die alte [Link leider tot] hatte mehr Spitzbübisches, irgendetwas hinter den Ohren und vielleicht auch im Nacken. Die neue [Link leider tot] ist durch und durch durchgestylet und lässt keinen Raum mehr für jene Nahbarkeits-Phantasien, dass man ihn auch auf dem Dorfplatz um die Ecke treffen könnte und nach der Partie mit ihm ein Schnitzel essen geht. Denn ins P1 kommt man als Normalo nicht mit rein.

Drittens ist es natürlich sein selten dämlicher Torjubel, der insbesondere seit Erwerb der neuen Frisur (siehe „zweitens“) an Dämlackigkeit nicht mehr zu überbieten ist. Ein Torero will er sein. Ein Torero aus Unlingen. Unlingen liegt bei Bad Saulgau, Dürrenwaldstetten und Biberach an der Riß. Unlingen, von wo aus man den Hausberg Bussen sieht, der Wallfahrtsort für ganz Oberschwaben ist. Oberschwaben — nicht Andalusien.

Gewiss, die Existenz eines spanischen Vaters ist unbestritten ein legitimer Anlass, sich spanisch zu gerieren, ohne dass es manieriert wirken sollte. Tut es aber. Es sagt nicht nur, ich bin zwar hier in Bayern oder damals beim Vauäffbäh zu Hause, aber so ganz dann doch nicht. Ich nehme zwar gerne Euer Eintrittsgeld, und doch bin ich keiner von Euch.

Es ist nicht seine Schuld, dass Gesten wie jene von Menschen, die gerade nur zum Spiel und für ein bisschen Männlichkeitsgedöhns einen Stier töten, in Ländern, in denen man keine Stierkämpfe kämpft, lächerlich und aufgesetzt wirken. Es ist aber seine Schuld, dies nicht zu erkennen und seinen blasierten Torjubel beizubehalten.

Viertens mag es die Tatsache sein, dass seit seiner wiedergewonnenen Treffsicherheit ein jedes seiner Tore bedeutet, dass ein Sieg der Bayern in einer Partie wahrscheinlicher wird. Was man nun mal als jemand, der ausgemachten Gefallen an Geschichten des Scheiterns gefunden hat, wenn sie in München spielen und mit Klinsmann oder van Gaal besetzt wurden, nicht begrüßen kann. Als er noch nicht gesetzt war, unter Aloysius Paulus Maria, da hatte es kaum Bewandtnis, wie Mario Gomez nun jubelte oder nicht. Vielleicht verwendete er damals auch noch gar nicht seinen lächerlichen Dolchstoß-Torjubel, weil dieser in so einer allgemeinen Phase der Krise doch zu überheblich gewirkt hätte.

Allein dass man sich nicht erinnert, ob er damals schon stierkämpfte oder nicht, beweist, dass damals andere Sachen wichtiger waren. Zum Beispiel die Frage, wie viele Tore der Gegner schoss. Es war also durchaus im Bereich des Möglichen, dass der FC Bayern ein gerade laufendes Spiel verlieren konnte. Mit jedem Mal, dass Gomez‘ Torjubel jetzt in den Mittelpunkt rückt, wird gewisser, dass das Spiel nicht mehr wichtig ist, weil es bereits entschieden ist. Was eben nicht für eine spannende Bundesliga-Saison spricht, egal, wann es passiert.

Fünftens, nicht zu verwechseln mit erstens, fällt es vielleicht auf ihn zurück, dass er mal ein anderer als ein Bayern-Spieler war. Sogar Deutscher Meister war er schon mit einem anderen Verein. Etwas, was nur ganz wenige Bundesligaspieler von sich behaupten können. Aber er ging halt hin zu den Bayern, ohne Not. Und das ist eben immer die Frage, bei allen Neuers, Götzes, Schlaudraffs, Reus: Sie hätten ja auch woandershin gehen können. Wer die Klasse hat, für Bayerns Stammbesetzung eingekauft zu werden, nicht als Füllmaterial wie Petersen, Thiam oder Raymond Victoria, der würde auch in der Premier League unterkommen.

Jemandem, der schon immer da war, Schweinsteiger, Augenthaler, Breitner, kann man das zwangsläufig nicht vorwerfen. Denn diesen einen Makel haben sie sich nicht erlaubt: Zu den Bayern zu gehen.

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Tango 81

Spielte man damals im Osten tatsächlich mit Fußbällen vom Klassenfeind?

Wäre ja kaum zu glauben, wenn es kein Foto gäbe. Oder ist das ein Imitat?

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Lucas versüßende Herdfolie

Passend zum vollen Bauch am Heiligen Abend zwei Anekdoten zum Thema Profifußballer und Essen in einem Beitrag:

Um Thomas Doll rankte sich die Legende, dass er während seiner Zeit bei Lazio Rom monatlich Restaurantrechnungen in vierstelliger (D-Mark) Höhe sammelte. Fit blieb er offenbar trotzdem. Ob das daran lag, dass man 1991 bis 1993 noch nicht ganz so viel laufen musste wie 2011, um im Fußball einen Schritt schneller als die besten der Welt zu sein, oder daran, dass er stets so gesundheitsbewusst bestellte, wenn er sich auswärts bekochen ließ, konnte noch nicht geklärt werden.

Wohl aber, dass es jemanden gibt, der ganz gewaltig in diese nicht kleinen Fußstapfen von Thomas Doll hereinschritt, als er seinerseits aus Italien kommend eine Zeit lang in Deutschland in der höchsten Liga Fußball spielte.

Luca Toni war Stammgast in Münchens Edel-Restaurants. Der Feinschmecker genoss das Leben in München in vollen Zügen — nur nicht in den eigenen Wänden: Den Einbauherd in seiner Wohnung benutzte er nicht einmal. Beim Auszug klebte noch die Schutzfolie am Gerät.

Ja, doch, da kommt Neid auf. Nicht mal drüber nachdenken, selbst zu kochen, ist einer der vielen Vorteile, die man als Profi genießt. Neben jenem, dass man jobbedingt so viel durch die Gegend läuft, dass das gute Essen nicht ansetzt.

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Tod und Hass!

Mögen all Eure Wünsche in Erfüllung gehen, liebe Hassende. Wenn die gehassten Klubs gestorben sein werden, wird endlich niemand mehr da sein, gegen den Eure eigene Mannschaft antreten könnte.

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Brüh im Glanze

Ja, doch, es geht wirklich, dass Stars eine Hymne singen und sich dabei nicht ver-singen. Und auch, dass sie sogar ein wenig Stil haben. Anders ist das natürlich, wenn in Deutschland „Stars“ dazu gebeten werden, die Hymne zu singen. Da kommen dann eben nur Brühwürste bei raus.

Amy MacDonald singt die schottische Hymne vor einem Fußballspiel.

Brav.

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Rumpelfußball

Ich habe eine kleine Rumpelkammer in meinem Haus. Genauer gesagt ist sie ziemlich groß. Sie muss auch ziemlich groß sein. Denn sie hat eine große Aufgabe. In der Rumpelkammer speichere ich alle Fehlpässe, die nie zu mir gelangt sind. All jene Szenen, in denen ich vogelblank vor dem Tor stand, aber der Pass nicht kam. Jene Momente, als ich rechtzeitig startete, um nicht im Abseits zu stehen, der Passgeber aber lieber noch mal dribbelte und den richtigen Moment, zu spielen, verpasste. Wie nur die Flanke genau in meine Richtung hätte kommen müssen und ich da gewesen wäre mit dem Kopf. Der lange Ball, wenn der Gegner gepennt hat. Der Mitspieler aber auch, und nie ein langer Ball kam. Seit ungefähr 30 Jahren spiele ich Fußball, die Rumpelkammer ist ziemlich voll. Und sie wird noch immer voller. Jedes Wochenende wächst sie an. Das Gute aber ist: Jeder hat so eine Rumpelkammer und hört trotzdem nicht auf, mitzuspielen. Wobei man schon froh ist um jeden Pass, den man nicht in diese Rumpelkammer aufnehmen muss.

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Markus Babbels Tattoos

Tätowierungen an sich sind ja schon übel. Schlecht gemachte Tattoos sind allerdings erst Recht abtörnend. Wenn dann noch ein von den Rolling Stones geklautes Motto hinzukommt, dann ist er fertig, der ungenießbare Salat. Immerhin hat er seinen Heimatverein TSV Gilching mit dazu genommen. Doch hieß es nicht immer, er lasse sich den „Oberkörper“ tätowieren? Das hier jedenfalls ist der Arm von Markus Babbel mit seinen Tätowierungen. Glaube, der Schrifttyp ist der uneheliche Bruder von Comic Sans.

Gespannt, welcher Klub bald hinzu kommen wird, darf man trotzdem sein.

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