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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Regelmäßiges Training wird unterschätzt

Wir wissen, was passiert, wenn man ca. 1 Flasche Wodka als ungeübter Trinker konsumiert: Man macht einen ziemlichen unbeholfenen Eindruck, man lässt die Arme schlingern, die Knie auch. Andere Leute in der näheren Umgebung fühlen sich dazu veranlasst, kleine physische Hilfen beim Laufen, von rechts und von links, anzubringen und kurz nach dem Verlassen des Platzes füllt man die Feedreader und Blogs dieser Welt mit einem Video von dem mit geschätzten 2,6 Promille doch recht zugedröhnten Auftritt.

Wenn man da etwas mehr Übung hat, eine Flasche Wodka zum Beispiel täglich trinkt — das muss nicht morgens beginnen, es kann auch erst mittags oder am frühen Nachmittag sein — dann hingegen kommt man damit wahrscheinlich durch, ohne dass es je größer auffällt.

2,6 Promille jeden Tag und trotzdem noch Leistungssportler sein und aufgestellt werden und spielen: Das ist gar kein Problem, wenn man — wie es sich für einen guten Profi gehört — rechtzeitig mit dem Training beginnt, auch in spielfreien Zeiten Selbstdisziplin zeigt und weitermacht, während sich die Kollegen faul am Strand räkeln und zum Kaffee noch ein paar Sahnetorten fressen.

Michael Mazingu-Dinzey hat laut diesem Beitrag in der WELT vorgemacht, was es noch vor kurzem hieß, Profifußballer zu sein:

Neulich erst gestand er ein, in Profizeiten tägliche eine Flasche Wodka und zuweilen noch eine halbe Kiste Weißbier dazu getrunken zu haben. Trainer Jürgen Röber musste ihn in Berlin mal abmahnen, weil er besoffen zum Training kam.

Entweder hat hier jemand maßlos übertrieben (beim Erzählen, beim Saufen ohnehin) oder aber alle anderen Beteiligten haben regelmäßig die Augen verschlossen. Dass man mit derlei pathologischem Raubbau am eigenen Körper jedoch immer noch Fußballprofi sein und die zu seinen Zeiten dafür ausreichende Fitness haben kann, spricht Bände über die tatsächlichen Anforderungen an einen Profifußballer jener Zeit.

Da dachte man immer, Bundesligaspielen wäre ein wenig härter als als Shane McGowan mit den Pogues auf der Bühne zu stehen: Offensichtlich falsch gedacht.

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Die sieben Tugenden des Abendlands

Diese sind bekanntermaßen: Leidenschaft, Teamgeist, Siegeswille, Nervenstärke, Durchsetzungsvermögen, Technik und Taktik.

Wie es der Zufall so will, benötigt man in der zweiten Liga genau diese sieben Tugenden, um Meister zu werden. Und wie gut es sich trifft, dass man dann, wenn man Meister geworden ist, ein Etwas erhält, das noch zufälliger genau jene sieben Tugenden repräsentiert.

Andere Leute sprechen hier von Radkappen, man muss doch aber kulturell schon sehr unbeleckt sein, um nicht zu sehen, dass eben diese sieben Tugenden dargestellt sind. Deshalb ja auch der Bergkristall in der Mitte. Denn Berge, das ist klar, sind Ausbünde an Tugend.

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Der Tabellenplatz-Hüpfer

Wortspiele mit seinem Nachnamen verbieten sich schon seit Längerem (und dasselbe Verbot gilt übrigens weiterhin für den Torhüter von Bayer Leverkusen), zu dem, was er verbal so verzapft, darf man hingegen immer noch ungestraft kondolieren.

Vereinstreue ist schon länger nicht mehr en vogue, eins dieser vielen Themen, die in den letzten Jahren auf dem Schafott des Fußball-Kommentierens gelandet sind. Wie Albert Streit dieses Mal seinen Wechsel von Schalke zum HSV begründet, hat jedoch eine neue Dimension der Tagesaktualität bei den Erklärungen Wechselwilliger erreicht.

Opportunismus galore, noch gewürzt mit dem verblassenden, kaum sichtbaren Schatten des Arguments, dass man sich ja „sportlich weiterentwickeln wolle“. Immer in der Tabelle nach oben wechseln, ob nun mitten in der Saison, vor der Saison, nach der Saison oder bei der Saison, an der Saison oder hinter der Saison. Geschwätz von gestern. Die Familie. Die Perspektiven. Die Champions League. You name it.

kicker: Der HSV wollte Sie bereits vor eineinhalb Jahren, damals haben Sie sich für Schalke entschieden – warum nun die Kehrtwende?

Streit: Zu der Zeit war Schalke Erster und ich wollte in der Champions League spielen. Es gibt diverse Gründe, weshalb es nicht geklappt hat. Jetzt ist der HSV für mich eine Riesensache, ich gehe vom Neunten zum Dritten – das ist ein Sprung. Und ich bin froh, dass ich Schalke hinter mir lassen kann, denn es war keine einfache Zeit.

Am letzten Spieltag wechselt Streit dann nach Hoffenheim (Für den ungeübten Leser: Das ist jetzt kein Hoffenheim-Bashing.), um auf Schalke („sind ja nur Neunter, die Pfeifen, man muss mich verstehen“) dann die Meisterschale in Empfang nehmen zu können („ich wollte schon immer Champions League spielen“).

Zugegeben, Streit hatte ohnehin keine andere Wahl mehr, als einen Wechsel anzustreben und in dem Fall ist es sein gutes Recht, nach so weit oben wie möglich zu wechseln. Dass es ihn aber immer dorthin zieht, wo der Erfolg, der im Fußball ja nun mal ein sehr naher Verwandter, man würde fast sagen: Bruder des Zufalls ist, gerade gastiert, bevor er ohne sich abzumelden seine Zelte abbricht und zum nächsten Klub weiterzieht (aktuell z. B. Hertha BSC, aber in der Rückrunde dann schon wieder BVB, Hannover oder — wer weiß — Schalke), wird ihn zu einem geradezu nomadenhaften Lebenswandel zwingen: Am 1. Spieltag zum KSC, am 5. Spieltag nach Bremen, von da aus nach Köln, später zu den Bayern und nächstes Jahr in Leverkusen. Und irgendwann einmal bei Brasilien, nein, ach, das war letztes Jahr, neuer Führender der Weltrangliste ist bekanntlich Spanien. Johann Mühlegg wird ihm sicher ein paar Einbürgerungstipps geben können.

Wie man aufgrund solchen Geschwätzs als Fan des jeweiligen Vereins, der zufällig gerade in der großen Lotterie weit oben steht, so etwas wie Wertschätzung — von Vertrauen oder Verbundenheit ganz zu schweigen — gegenüber Albert Streit und Anverwandten entwickeln können soll, bleibt unter der Burka jener Tagesaktualität des Tabellenplatz-Hoppings verborgen, dessen neue Koryphäe ab heute Albert Streit heißt.

Auf dem Schafott, man sieht noch die Reste kokeln. Und es stinkt.

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It’s nothing like soccer

Nun, das ist nicht so wirklich ganz neu. American Football is „nothing like soccer“, sagt John Lennon, dazu befragt, wie er denn das Spiel, das er gerade betrachtet, im Vergleich zu soccer-football fände.

Schon damals wunderte man sich, dass beim American Football eine Hälfte des Teams auf dem Platz steht, während die andere Hälfte des Teams neben dem Platz steht. Ein komischer Sport, wie wahr, wie wahr. Es ist wohl mehr wie Rugby.

Aber ebenfalls schon damals kam man eigentlich nur in die Show, um seine neue Platte (und die von Ringo) zu bewerben. O tempora, alles nur Marketing.

John Lennon 1974 im Interview bei Monday Night Football, welches eine American-Football-Sendung in den USA ist, für die Aufrechten unter den Football-Fans.

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Keine Ahnung, davon aber viel

Man stelle sich mal vor, es wäre 1961, und die Sowjetunion würde verkünden:

„Es gibt inzwischen Atombomben.“

Man wäre doch ein wenig erstaunt, wo sich die Sowjetunion und deren Insassen die letzten 16 Jahre rumgetrieben hätten und welche Ausmaße die Scheuklappen haben müssten, um dieser Erkenntnis 16 Jahre lang aus dem Weg gegangen sein zu können.

Oder im Jahr 2005 würde Oskar Lafontaine auffallen:

„Die Mauer ist inzwischen weg.“

Ja, richtig, Oskar, richtig Sowjetunion, nur: Was habt Ihr die ganze Zeit gemacht? Nie das Haus verlassen, keine Zeitung gelesen (oder wenn, dann immer nur den Sportteil), nicht mit den eigenen Kindern oder Enkeln gesprochen oder mal mit einem Professor oder Studenten einer Universität Kontakt gehabt? Denkbar, durchaus. Es gab ja auch mal die Versuche, als Reaktion auf überfüllte Gefängnisse Häftlinge ihre Strafe mit elektronisch überwachten Fußfesseln im Hausarrest absitzen zu lassen. Nur nicht sonderlich wahrscheinlich, dass weder die Sowjetunion noch Oskar Lafontaine 16 Jahre lang keinen Fuß vor die eigene Haustür setzten. Und noch dazu nicht besonders in eigenem Interesse, keine Ahnung zu haben, was in der Welt vor sich geht, wenn man irgendwelchen Dingen vorsitzt, die die Interessen von einer nicht geringen Zahl von Menschen vertreten.

Wie kann es sein, dass jemand im Jahr 2009 mit der Erkenntnis

„Es gibt inzwischen eine dritte Medienwelt.“

hinterm Baum hervorkommt, und für diese auch noch angeblich zunächst Bücher lesen musste?

Die Angst der Älteren vor Neuerungen ist menschlich, sie ist nachvollziehbar und der eine oder andere von uns wird dereinst selbst zumindest Anflüge davon erleben. Das entschuldigt aber nicht, dass man sich in diesen Dingen nicht wenigstens von Menschen beraten lässt, die sich damit auskennen. Man muss es ja nicht selbst benutzen, um zu verstehen, welchen Einfluss diese dritte Medienwelt gewonnen hat und welche Möglichkeiten sie bietet.

Fraglich, ob man mit solch einer Ahnungslosigkeit überhaupt in der Lage ist, das Bestmögliche für die Interessen derer, denen man vorsteht, zu erreichen. Fraglich auch, ob das — die Interessen des Fußvolkes — an dieser Stelle überhaupt noch eine ins Gewicht fallende Rolle spielt.

Zweifelsfrei wäre es besser, wir fänden an solchen Orten Menschen, die sich dem alltäglichen Wandel stellen und lernen, wiederum das Beste für die eigenen Interessen daraus zu machen. Und nicht das zu bekämpfen oder auch nur zu ignorieren, was schon seit Langem zur Welt dazugehört.

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Ein Näschen für Erfolg haben

Es ist eine Sache, ob man das „Experiment“ Hoffenheim aus diversen Gründen ablehnt oder auch begrüßt und da kann man auch in vielerlei Hinsicht diskutieren und Auffassungen haben.

Eine ganz andere Sache jedoch, zu der man keine zwei Meinungen haben kann, ist es, wenn 30.000 „Fans“ im ausverkauften neuen Hoffenheimer Stadion Energie Cottbus mit Hohn- und Spottgesängen bedenken, in denen sie Cottbus in die zweite Liga wünschen und sich über den mangelnden sportlichen Erfolg dieser lustig machen.

Wo waren denn diese Sangesbrüder, eingefleischte Hoffenheimer Fans, noch in der letzten Saison, in der Hoffenheim in der zweiten Liga 5.978 Zuschauer im Schnitt hatte?

Wohl noch zu Hause vor dem Fernseher mit einem Bayern-München-Schal.

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Live aus der Bayern-Kabine

In anderen Sportarten ist es Usus, im Fußball verpöhnt: der Zugang zur Kabine für die Inhalteschaffenden. Das soll auch so bleiben. Wir haben uns in bewährter Hape-Kerkeling-Manier dennoch Zugang zur Kabine des FC Bayern verschafft, kurz vor Anpfiff der Partie in Hamburg. Wir müssen sagen: Viel ist hier nicht los. Die ganze Mannschaft starrt gebannt auf dieses runde Etwas, das gleich entscheiden wird, welche Farbe Franck Ribérys Schuhe heute haben sollen.

[Link leider tot]

Jürgen Klinsmann faselt was von „und schon gar nicht von Polen in schwarz“, während Lukas Podolski, der schelme Jeck, das Rad manipuliert hat, so dass es auf jeden Fall bei „bankrott“ stehen bleiben wird. Woraufhin sich die Blicke vom Rad abwenden werden und die Entscheidungsgewalt über die Farbe der Schuhe von diesem Rad zu Uli Hoeneß‘ Gesichtsfarbe übergehen wird. Womit die Farbe klar wäre.

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So wird das nix mit den 10 Millionen

Wir hatten letztens gesehen, dass der 1. FC Köln schon mit dem Poldi-Fan-T-Shirt-Verkauf begann, als die Tinte unter Podolskis neuem Vertrag noch gar nicht trocken war. Da muss jeder Euro aus dem Fan gequetscht werden, der sich nur quetschen lässt. Dass die zum Verkauf feilgebotenen T-Shirts eigentlich gegen die Genfer Designkonvention verstoßen, wurde dabei auch festgestellt. Das hält Spendenwillige aber nicht davon ab, tatsächlich auch T-Shirts zu bestellen. Nur leider ist man beim 1. FC Köln mit dem Lesen der Bestellung und dem richtigen Einpacken ein wenig überfordert, wie dieser wahnwitzige Käufer Zurücksender von Poldi-T-Shirts zu berichten weiß.

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Now that’s what I call a marketing flop

I‘m an alien … I‘m a legal alien … I‘m Bayer Leverkusen in Düsseldorf.

Hat wohl alles nix genutzt, die ganze Plakatiererei in Düsseldorf (Bild vom Düsseldorfer Hauptbahnhof) in dessen LTU-Arena Bayer Leverkusen in der Rückrunde spielen wird und auch heute schon im DFB-Pokal antrat.

[photopress:werkself_bayer_leverkusen_in_der_ltu_arena_1.jpg,full,centered]

Schlappe 18.000 Zuschauer wollten das Spiel gegen Energie Cottbus sehen, somit trotz Kapazität von über 50.000 weniger als im Heimstadion von Bayer mit seinen 22.500. Diese 18.000 sahen einen ungefährdeten 3:1-Sieg der … nun ja, wie wollen wir sie nennen? Es ist ja nicht die Heimmannschaft, es ist aber auch kein Gast. Also die Gastheimmannschaft wohl. Diese zog ins DFB-Pokal-Viertelfinale ein und niemand war dabei. Halten wir den Bayer-Sympathisanten und den Düsseldorfer Einwohnern zugute, dass es ein Spiel unter der Woche war, und dass Bayer Energie wahrlich nicht der attraktivste Club ist. Gleichzeitig bleibt zu konstatieren, dass man gegen Energie mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Sieg des eigenen Teams sieht und mit dem Viertelfinale nur noch 3 Siege vom Einzug in den Europapokal entfernt ist. Zudem bleibt der Pokalsieg 1993 der einzige nationale Titel, den Bayer Leverkusen je gewann. Und die Chancen auf die Meisterschaft waren für Leverkusen auch schon mal besser als zur Zeit. Dennoch nur 18.000.

Alien in Düsseldorf.

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Huub Stevens‘ Frau geht es gut

Und das bedeutet, dass wir ihn nach seinem „Rücktritt“ wegen Erfolglosigkeit bei PSV Eindhoven bald wieder in der Bundesliga sehen und hören werden. So sehr es erfreut, dass es Huub Stevens‘ Frau endlich wieder gut geht: dass der Knurrer von Kerkrade wieder in hiesige Mikrofone knurren wird, ist keine gute Nachricht. Gibt es eigentlich in Belgien oder Dänemark keinen Bedarf an „harten Hunden“?

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Auf der Linie kleben

Das hat nur in seltenen Situationen Vorteile.

Wir haben lange darauf gewartet, dass mal einer der Schlaumeier, die den Ball bei einem Strafstoß einfach nur lässig in die Mitte schieben oder lupfen wollen, dabei grandios scheitert. Heute hat es endlich einer geschafft. Franck Ribery, der normalerweise den Unterschied (© by RealityCheck) macht, hat in Jens Lehmann seinen Meister gefunden. Und wie herrlich blöd er dabei aussieht …

Ärgerlich nur, dass es beim Stand von bereits 2:0 für die Bayern wahrscheinlich nicht mal dazu führt, dass Ribéry nun der Depp ist, der dem Klinsmannschen bei seiner Debütsaison den Pokalsieg vermasselt.

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Clean sheet — neuer Rekord?

In der englischen Premier League steht ein besonderer Rekord vor der Tür: Sollte Manchester United im nächsten Spiel am 27. Januar kein Tor kassieren, wäre das ein neuer Rekord an Spielen ohne Gegentor in Folge. Derzeit verharrt der Zähler dieses Statistik bei 10 Partien, die der große, dünne, alte Mann des Torhütens — Edwin van der Sar — bestritt, ohne einmal den Ball aus dem Netz holen zu müssen. Rekordverdächtig auch die dazugehörigen weiteren Zahlen: in 21 Partien in der Premier League erhielt Manchester United überhaupt erst 10 Gegentore, 14 dieser 21 Partien wurden ohne Gegentor beendet.

Diese Arme von van der Sar, die eigentlich Tentakel werden sollten … leisten gute Arbeit.

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Landon Donovan — Durchbruch oder Hattrick des Scheiterns?

Ein Spieler aus den USA wechselt nach Deutschland.

Das ist heutzutage nicht mehr ganz so selten wie noch zur WM 1950, als die USA England mit 1:0 schlugen und britische Zeitungen das Ergebnis für einen Übermittlungsfehler hielten und deshalb mit dem Ergebnis 10:1 für England aufmachten. Dass aber ein amerikanischer Fußballer als würdig erachtet wird, beim hiesigen Meisterschalenmagneten anzuheuern, ist dann doch noch mal etwas Besonderes: Landon Donovan, zuvor schon zwei Mal bei Bayer Leverkusen gescheitert, wechselt zu Bayern München, wobei die Vokabel gescheitert hier noch untertrieben klingt. Bei seinem zweiten Versuch in der Saison 2004/2005 absolvierte er gerade mal 7 Spiele für Bayer Leverkusen mit dem Resultat einer Torvorlage. Noch ernüchternder wurder er 6x dabei nur eingewechselt und 1x ausgewechselt; somit stand er nur ein einziges Mal überhaupt von Beginn an auf dem Platz. Nicht besser erging es ihm bei seinen zwei Einsätzen in der Champions League im Achtelfinale gegen den FC Liverpool: Beide Male wurde er nur eingewechselt und schied mit Bayer durch zwei 1:3-Niederlagen aus.

Endergebnis dieser kurzen Eskapade war die Flucht zurück in die MLS, wo er — zuvor von San Jose Earthquakes kommend — bei LA Galaxy anheuerte, dort allerdings immer mehr zu einem der prägenden Gesichter der MLS wurde.

Wie sind Donovans Chancen bei seinem dritten Versuch in der Bundesliga, und auf welcher Position wird er überhaupt spielen?

Dass Donovans Chancen auf einen Durchbruch in der Bundesliga in seiner Heimat nicht allzu rosig gesehen werden, zeigt das Interview in Jürgen Kalwas Beitrag vom November zu diesem Thema. Gleichzeitig sehen wir dort nicht nur einen absolut vom Gegenteil überzeugten Jürgen Klinsmann, sondern lesen auch ein Interview mit Joshua Meyers von The Beautiful Game, der Donovans Chancen wesentlich besser einschätzt als die vermeintlichen Experten vom TV.

So haben auch wir heute ein paar Fragen an einen hiesigen Experten für Landon Donovan, auch wenn dieser angesichts der Kürze von Donovans Aufenthalten in Deutschland nur ein kleiner Experte sein kann. Jens Peters von Catenaccio beantwortet uns einige Fragen zu diesem trotz seines geringen Alters (Jahrgang 1982) schon mit recht hoher Stirn geplagten potenziellen neuen Liebling Jürgen Klinsmanns:

Jens, wie sind Deine Erinnerungen an die beiden Versuche Donovans, sich bei Bayer Leverkusen durchzusetzen und hast Du überhaupt noch eine Erinnerung an dessen ersten Versuch?

Tatsächlich ist es schwierig, sich an die erste Zeit von Landon Donovan zu erinnern. Es hieß, man habe ein Jahrhunderttalent verpflichtet, aber gesehen hat ihn keiner. „Zu weit vom Kader weg,“ waren Berti Vogts‘ Worte damals. Dass dies wohl in doppelter Hinsicht gemeint war, ahnten die wenigsten. Der junge Mann kam wohl überhaupt nicht mit Europa klar, worunter dann auch das spielerische Leistungsvermögen litt und dann war er auch schon wieder weg.

Für den Fan an sich war das nicht so wild, denn einem 18-jährigen Talent kann man ruhig etwas Entwicklungszeit gönnen und schließlich war Donovan ja auch nur in die Staaten ausgeliehen. Kritischer wurde das Ganze, als er dann drüben für die US-Nationalmannschaft und in der Liga immer besser wurde und wirklich gute Leistungen abrief. 2002, nach einer tollen WM mit den USA, sollte er dann wieder in die Bundesliga, aber so richtig wollte er nicht. Das stieß übel auf. 2005 kam er dann ins Rheinland zurück, rutschte aber in ein Team, das zwar Potenzial hatte, aber irgendwie nicht zusammenpasste. Donovan kam erneut nicht zurecht und verabschiedete sich mit einem erbärmlichen Spiel gegen Liverpool, in dem ihm die komplette Verunsicherung anzusehen war.

Wurde damals in irgendeiner Form publik, dass Donovan so gut deutsch spricht, wie Jürgen Kalwa es in seinem Beitrag erwähnt? Gab es Bayer-interne Interviews oder mal sonst einen Kontakt mit den Fans?

Ehrlich gesagt kann ich mich da an nichts erinnern, aber das soll auch nicht unbedingt etwas heißen. Es wundert mich im Nachhinein allerdings schon, denn Sprache begünstigt ja bekanntlich Integration und die hat ja sonst gar nicht bei ihm geklappt. Weder auf dem Platz, noch daneben.

Woran, glaubst Du, ist er damals gescheitert und wer waren seine Hauptkonkurrenten im Team? Würdest Du diese aus heutiger Sicht auch noch als stärker als Donovan damals einschätzen?

Schwer zu sagen. Zum einen gab es da den Fußballer, der ein unglaubliches Talent hatte und in seinem Land sehr gefördert wurde. Auf der anderen Seite gab es den Menschen, der wiederum ein intaktes und heimeliges Umfeld benötigte, um gut spielen zu können. Ich glaube beim Umfeld hat es dann gehapert, obwohl man in Leverkusen ja alles probiert, um ausländische Spieler zu integrieren. Vielleicht hätte man dafür aber seine Frau bzw. seine Familie mit nach Deutschland holen müssen. Hinzu kamen dann die Erwartungen der Amerikaner, die ihn als Botschafter des US-Fußballs gesehen haben, sowie die Ansprüche der Trainer und Fans in Leverkusen, denen Donovan nie gerecht werden konnte. Ebenfalls ungünstig war, dass das Leverkusener Team 2004/2005 zwar ungeheures Potenzial hatte, aber nicht wirklich ein Team war. Schwer für einen Spieler, dann mitten in der Saison dazu zu stoßen. Ponte, Freier, Schneider, Krzynowek, Babic, Bierofka, Ramelow spielten damals um die Plätze im Mittelfeld. Von denen spielt im Moment eigentlich kaum mehr einer auf Bundesliga-Niveau, von daher hat sich Donovan vielleicht zum Positiven verbessert.

Und wie schätzt Du die aktuellen Chancen für Donovan ein, gerade unter der Prämisse, dass Podolski nun ohnehin ein Dead Man Walking ist?

Gut. Wie schon aller Orten beschrieben wurde, scheint er wesentlich gefestigter zu sein als vor ein paar Jahren. Niemand erwartet den ganz großen Wurf von ihm. Als die Bayern ihn zum Probetraining bestellten, haben erstmal alle gelacht, aber Klinsmann ist ja US-Kenner und ein großer Fürsprecher von ihm, so dass ich glaube, dass er mehr Spiele machen wird als bei Bayer damals. Die Testspiele waren ja schon sehr vielversprechend.

Wo waren damals die Stärken und wo, vermutest Du, wird er diese heute bei Bayern einsetzen können?

Donovan spielt Fußball. Das ist seine größte Stärke. Er kann dribbeln, den Ball behaupten, er ist schnell und schussstark, wenn er nicht groß darüber nachdenkt, was er da macht. Leider hat er das damals nicht wirklich zeigen können. Vielleicht ja dieses Mal bei den Bayern.

Mich würde noch interessieren, ob Du tatsächlich Parallelen zwischen Podolski und Donovan siehst, wie es in Deiner Frage vielleicht anklingt.

Nein. Ich denke, unterschiedlicher können Typen kaum sein, was aber auch daran liegt, dass Podolski nun mal ein ausgemachter Stiesel ist. Könnte man sich vorstellen, dass er nach Spanien oder Italien geht und dann nach ein paar Monaten die Sprache spricht? Spielerisch mögen die beiden sich näher sein als sie das mit Klose oder Toni sind, auch Podolski steht nicht gerne mit dem Rücken zum Tor, sondern kommt von etwas tiefer und hat auch durchaus seine Stärken im Dribbling. An ein Kopfballtor kann ich mich von Podolski aber nicht erinnern, während Donovan schon in der Vorbereitung häufiger per Kopf traf. Und dass Podolski trotz aller Instinktfußballerei mancher Begriff von Taktik abgeht, sah man immer wieder, etwas, was ich mir beim gereiften Donovan nicht mehr vorstellen kann. Aber da die Bundesliga deutlich schneller ist als die MLS, bin ich wirklich gespannt.

Vielen Dank für Deine Einschätzung, Jens.

Soweit die Antworten von Jens Peters. Die tatsächliche Antwort auf alle Fragen liegt natürlich — 5 Euro ins Finanzfond-Schwein — auf dem Platz. Bislang hat Donovan sich bei Bayern München aber offensichtlich schon ordentlich eingefügt, wie diese 1, 2, 3, insgesamt somit 4 Tore aus Vorbereitungsspielen der Bayern zeigen.

Und auch auf seiner Webseite (die selbstredend immer offene und ehrliche Texte fernab jedes reingewaschenen Marketinggedöhns veröffentlicht, so wie eigentlich alle Spielerseiten) klingt es so, als gefiele es ihm in München. Ausgerechnet Natürlich in Miroskloff Klose fand Donovan einen redegewandten, weltoffenen und stets am Schicksal anderer interessierten Mitspieler, der noch dazu Etliches über die Stadt München zu berichten weiß, weil er so gesellig ist und Jan und Mann dort kennt:

Question: Welcome to Bayern! We hope you enjoy your time here and stick on for years! Is there anyone on the team that is helping you adjust to Germany?

Answer: Miro is the main one of the three or four players on the team who has welcomed me with open arms. He helps me constantly, when we are really competitors for places in the line-up. He’s always asking me how I‘m doing in Munich, which is really nice to hear. Miro is an absolute top professional.

Warten wir ab, wie Donovan schließlich einschlagen wird, vielleicht wechselt er ja demnächst für 10 Millionen Euro zum 1. FC Köln.

(Den Text gibt es auch mit rosa Schleifen auf Catenaccio.)

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