Zum Inhalt springen

Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Gladbach — Purple Scheiße 5:1

Ähm, man könnte sich darüber freuen, dass youtube jetzt so ein bisschen mehr macht als nötig wäre, ehrlich gesagt muss man aber sagen: Warum erst jetzt? Schon ein bisschen peinlich. Die Qualität ist much besser, aber sonst? Nicht viel mehr als das.

Nun gut, wie auch immer. So mag es dann auch sein.

6 Kommentare

Günter Bittengel, eine Art Albert Streit

Beim stets unzufriedenen Albert Streit fiel es erst auf, als man ihn zum ersten Mal vor der Kamera sprechen sah: Ein Rumäniendeutscher, erkannt am Akzent. Allein durch den Namen hätte man kaum bemerkt, dass Streit nicht in Deutschland aufgewachsen ist.

Günter Bittengel, allen Nerds der Fußballstatistiken natürlich kein Unbekannter, reiht sich jetzt ein. Wer — außer den ganz harten Hardcorefans von Bayer Uerdingen — hätte gewusst, dass Günter Bittengel ebenfalls kein (gebürtiger) Deutscher ist? Günter Bittengel ist Tscheche, offensichtlich mit deutschen Vorfahren, aber dabei wohl mit so viel zeitlichem Abstand, dass er nicht richtig deutsch sprach, als er aus Tschechien nach Uerdingen wechselte, wie der aktuelle Trainer von Dukla Prag von sich selbst berichtet.

Außerdem erzählt er noch etwas davon, dass mit dem Weggang bzw. der Entlassung Friedhelm Funkels eine Mannschaft auseinanderfiel, die zuvor trotz Abstieg mehrheitlich zusammengeblieben war und somit den Grundstein für den Wiederaufstieg legte. Je nach Lage der Dinge sollte man es sich mehrfach überlegen, einen bei der Mannschaft beliebten Trainer wegen kurzfristiger Erfolglosigkeit zu feuern. Allerdings waren das andere Zeiten, denn das war kurz vor dem „Bosman-Urteil, dem Grund für die Malaise des bundesdeutschen Vereinsfußballs“.

Günter Bittengel, ein Name wie Reinhold Hintermaier.

Und dann gibt’s da speziell für Thor Waterschei noch ein weiteres lesenswertes Interview in gleichnamiger Rubrik des KFC Uerdingen, man hüstelt den Namen Larus Gudmondsson.

4 Kommentare

Juristen sind gefragt

Jürgen Kalwa meldete sich in den Kommentaren zum Fall Zwanziger/Weinreich und hat das folgende Anliegen:

„Wie bekommen wir hier eine sachgerechte und erhellende Diskussion zwischen dem Juristen Jakob und dem Juristen sternburg auf die Beine? Der eine sagt: Klagen bringt’s. Der andere glaubt nicht, dass der DFB drangekriegt werden kann.

Ich würde gerne etwas lernen und habe schon versucht, an anderer Stelle mit sternburg zu debattieren. Da hatte ich aber von niemandem nicht eine Schützenhilfe. Und alleine macht’s keinen Spaß. Ich bin kein Rechtsgelehrter, sondern nur Rechtstheoretiker mit einem gewissen Vertrauen in die Intelligenz von Richtern und einer Vorstellung davon, dass Taktik und Winkelzüge zum Geschäft gehören, wenn man gewinnen will. Ich weiß auch, dass man manchmal nicht gewinnen kann und dann auch darauf verzichten sollte, sich unnötig abzumühen. Es handelt sich hier (Rufschädigung, Verleumdung) um einen Bereich des Rechtswesens, der uns als Blogger und Kommentatoren sehr stark interessieren sollte. Man denke nur an den Aspekt, dass auch Oliver Fritsch beim Direkten Freistoß eine Einstweilige Verfügung hätte bekommen können, weil er den Weinreich-Kommentar publiziert hat. Und seine „Causa“ hätte ganz anders ausgehen können.“

Da meine Recht-Vorlesungen immer um 8h begannen, bin ich oft dabei eingeschlafen und ergo in dieser Frage bewandert wie ein Tretroller. Doch tatsächlich ist das für alle von Relevanz, die selbst schreiben oder kommentieren. Deshalb ist mal wieder das Schwarm-Wissen gefragt: Wie ist die Lage in dieser Frage?

15 Kommentare

Prokrastination auch in der Bundesliga

Markus Babbel, der den geschassten Armin Veh als Verantwortlichen an der Seitenlinie beim Verein für Bewegungsspiele Stuttgart 1893 e. V. ablöst, ist nur „Teamchef“, aber kein Trainer, wie Veh es war.

Warum sind Sie Teamchef und Rainer Widmayer der Trainer?

Ich müsste für meinen Fußball-Lehrerschein noch ein paar Formulare ausfüllen und diese wegschicken. Das muss irgendwann in Angriff genommen werden, […]

Offensichtlich gibt es auch unter den in der Bundesliga Handelnden das Phänomen der Prokrastination, anders wäre nicht zu erklären, warum Babbel das nicht schon in der letzten Woche oder in der Woche davor oder in der Woche davor erledigte.

Diese To-Do-Listen, die nie kürzer werden, sie sind aber auch eine Plage. Mit so wenig Einsatz bei seinem eigentlichen Ziel, nämlich Trainer zu werden, hat er keine guten Karten, eine dauerhafte Lösung beim Verein für Bewegungs und so weiter zu werden. Denkbare Antwort auf dieses Problem: outsourcen. Z. B. könnte seine Frau, so er eine hat, die Formulare für ihn ausfüllen und abschicken. Oder Armin Veh, der hat ja jetzt Zeit unter der Woche.

4 Kommentare

Wie froh sind wir über den Wahlsieg der CSU!

„Wissen Sie, dass Sie die ganze Bundesliga glücklich gemacht haben?“, fragt der WDR-Reporter namens Unbekannt den Trainer von Arminia Bielefeld, Michael Frontzeck, nach dem Sieg seiner Mannschaft gegen Bayer Leverkusen.

„Wieso?“, entgegnet dieser.

„Sie haben den Tabellenführer gestürzt.“, ist die Antwort des WDR-Reporters.

Und da darf man sich dann kurz fragen, ob dieser Reporter Anweisungen oder einen Dachschaden hat. Mindestens die Hälfte der Bundesliga ist überhaupt gar nicht glücklich, wenn der Verein des Sohnes von DFB-Präsident Theo Zwanziger wieder Tabellenführer ist. Diese Hälfte ist inzwischen sicher eher geneigt, sich den ältesten der drei vorhandenen Werksklubs als Tabellenführer zu wünschen, bevor es „hochgejubelt“ Hoffenheim wieder wird.

Die Gründe für die Abneigung mögen nieder sein, sie sind inzwischen auch vieldiskutiert. Nur ist die Abneigung nun mal vorhanden. Dann solch eine Frage wie eingangs dieses Beitrags geschildert zu stellen, grenzt an Realitätsverweigerung respektive Zuhörer-Nicht-Ernstnehmung. Es ist nur ein Mosaiksteinchen, und es mag ja für die andere Hälfte auch zutreffend sein, für all jene, die sich lieber frischen, offensiven, viele-Tore-erzielenden Fußball erwünschen und bei Eintreffen dann auch begrüßen.

Und es ist vielleicht auch nur so dahingesagt gewesen. Oh, irgendwas Reißerisches muss ich ja jetzt sagen. Aber:

Nein, Bielefeld hat nicht die ganze Bundesliga glücklich gemacht. Sondern die halbe Liga (in Bezug auf Fans) unglücklich. Dass man sich so ein hanebüches Zeug mehr oder weniger spieltäglich anhören muss, erhöht nicht gerade die Bereitschaft, Radio- oder sonstwelche Reporter auch in Zukunft ernst zu nehmen.

Eine Randnotiz nur, aber eine, die deutlich macht, wie sehr man sich die gewünschten — an jedem Spieltag eine neue Sensation, ein neuer Stein vom Herzen, ein neuer Tabellenführer — Realitäten an den realiteren Realitäten vorbei zurechtzimmert.

Dann noch viel Spaß bei den Wandersjahren, hoffentlich demnächst nicht mehr am Mikro.

17 Kommentare

Die Guten sind die Bösen sind die Guten, Daihatsu ist aber nicht Datsun

Tja, da nörgelt man immer über die „Großen“, die Süddeutsche Zeitung, die „WELT“, die Spiegel und so weiter, dass sie zwar eine schöne Kommentarfunktion unter ihren Beiträgen (früher nannte man das wohl „Artikel“) haben, diese aber weder dazu nutzen, dort auf eingehende Fragen zu antworten, noch — viel naheliegender — die dankenswerterweise kostenlos von „Usern“ eingereichten Korrekturen in ihre Artikel einzubinden und diese damit weniger fehlerhaft zu machen. Sie werden einfach nicht gelesen, die Kommentare.

Peinlich, wenn das dann bei einem Magazin passiert, dessen credibility unter Anderem deshalb so hoch eingeschätzt wird, weil es „von unten“ kommt, aus der Fanzine-Szene entstand und eigentlich nur das Sprachrohr der wahren Fußballliebhaber ist, also all jener, die Qualität vor Marktschreierei und/oder pinkfarbene Fußballschuhe setzen.

Der Generalsekretär Philipp Köster erwähnt etwas von einem angestrebten Tauschgeschäft mit einem Wirt einer der wenigen Fußballkneipen der Republik bezüglich eines Sammlerstücks in Form eines Fußballtrikots. Ein Trikot, das Köster unbedingt täuschlich erwerben möchte. Leider irrt sich bei den zu tauschenden Memorabilien entweder der Wirt oder Köster, was beides nicht so tragisch wäre.

Bei allen Anrufen auf meinem Festnetz vor 18.30h geht es immer nur um solche Fragen: „Auf einer Skala von 1 bis 6: Wie glaubwürdig sind die Umweltaktivitäten von Hyundai? Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie fortschrittlich sind die Fahrzeuge von BMW? Auf einer Skala von 0 bis 0: Wie wahrscheinlich ist es, dass Ihre nächste Neuanschaffung ein Porsche sein wird?“ Dazu noch Dutzende weitere Fragen bezüglich fernostasiatischer Autohersteller, von deren Existenz ich erst durch dieses Telefonat erfahre. Meine Antworten dienen dann meist dazu, den Volkszählungsgedanken ein wenig zu beanspruchen, in Bezug auf seine Reliabilität. Natürlich antworte ich jedes Mal bei der Frage danach, welches Einkommen ich habe: „Was ham Se denn? Bis 1.000 Euro, bis 2.000, bis 3.000, bis 4.000 oder über 5.000? Aha. Ja, nehmen Sie die höchste Kategorie.“ Nicht, weil ich so ein Poser bin, der dem armen Mädchen von den Werbeinterviews gerne verdingsulieren will, dass ich reich wäre, sondern weil ich finde, dass jeder, der mir in Zukunft auf postalischem, auf humbugischem, auf sms-ischem oder auch auf email-ischem Wege Werbung zukommen lassen möchte, die dann sofort ungelesen im Zirkus der Wiederverwertungskette landet, sich wenigstens im Rahmen der in seiner Datenbank vorgesehenen Möglichkeiten, besonders potente potenzielle Kunden zu umwerben, genau diese vorgesehene größtmögliche Mühe geben sollte. Die Waren, die ich dann tatsächlich bei PLUS, Lidl oder Aldi erwerbe, werden ohnehin ungefragt (und ungesehen meiner Person) in meinem Briefkasten beworben. Wenigstens bei jenen, die sich die Mühe machen, Geld dafür auszugeben, meine Ansichten und Vorlieben zu erfragen, wünsche ich mir dann auch die für die Mitglieder der Kategorie „höchste“ vorgesehenen Anstrengungen. Auch wenn es ziemlich unwahrscheinlich ist, dass nicht schon längst in irgendeiner anderen Datenbank, die auch frei verkäuflich ist, erfasst ist, wie viel ich tatsächlich verdiene, woraufhin mein schönes Marketinginterview mit der schönen (Stimme) von diesem Autoscheiß in der virtuellen Tonne landet.

Bei den 11Freunde-n erwartet man aber solch eine Massenabfertigung nicht. Und wer sich nicht nur die Mühe gemacht hat, sich in dieser Community anzumelden, sondern sogar Beiträge auf der Webseite zu lesen und diese dann auch noch zu korrigieren, der hat auch das Recht darauf, dass der Beitrag umgehend korrigiert wird, er auf den Schultern der Praktikanten aus der Redaktion getragen wird, nachdem er dorthin zu Freibier und einer Mahlzeit bei Konoppkes eingeladen wurde, und natürlich darauf, dass sein Name in irgendein x-beliebiges gerade im Neubau befindliches Stadion eingraviert wird, natürlich auf Kosten der Redaktion.

Zumindest, wenn man nicht so ignorant sein will, wie die „Großen“. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag, und vielleicht hat der diensthabende Offizier in der 11Freunde-Redaktion dann seinen Rausch auch schon ausgeschlafen.

Achso, der Foto-Beweis zum Thema darf natürlich nicht vergessen werden.

Und das Thema natürlich auch nicht.

8 Kommentare

It wasn’t a classic

Es ist ja nicht erst seit gestern so, dass solche Freundschaftsspiele irgendwann zwischen den Jahren und ohne den Anreiz, um Punkte oder Trophäen zu sein, fast immer Prototypen sind, die ohnehin nie dazu gedacht waren, in Serie zu gehen.

Selten allerdings war der Impuls so groß wie gestern, sich das spannungsfreie und humorlose Spiel nicht bis zum Ende anzuschauen und stattdessen etwas wirklich Unterhaltendes zu tun, wie die Fenster zu putzen oder noch am Abend den Zahnarzt rauszuklingeln, ob er nicht Lust hätte, hier oder da mal ein bisschen zu bohren. Gebohrt wurde auch im deutschen Spiel, gar der Nerv getroffen, jedoch jener Geschmacksnerv, der Fußball für ein ansehnliches, interessantes und dramatisches Spiel hält und dem Genüge tragende Handlungsweisen auf dem Spielfeld erwartet.

Die Fünf Weisen des Sportbeobachtens hatten schon am Morgen gewarnt, sich besser mit Ausweichkost zu versorgen. Die wäre nötig gewesen, allein, als eigentlicher Anhänger der DFB-Elf steht die Option, nicht zu schauen, nicht zur Verfügung. Man hätte gewarnt sein dürfen, dass im Spiel nicht allzuviel Kreativität folgen würde, als schon vor dem Anpfiff ein nie zuvor gehörter Song bei einem Fußballspiel kredenzt wurde: „You‘ll never walk alone“.

Philipp Lahm walkte aber alone irgendwo, nur nicht auf dem Platz. Das war schlecht fürs deutsche Spiel, weil Compper so beeindruckt davon war, dass er jetzt Nationalspieler ist („100.000-Euro-Mann“), dass er vergaß, mitzuspielen. Und weil Friedrich sich erinnerte, dass er schon vor Klinsmanns Zeiten mal Nationalspieler war und eine kleine Querpassreminiszenz an selige Völlerzeiten zelebrierte.

Podolskis Rolle als Edelreservist scheint sich inzwischen auch bei der Nationalelf herumgesprochen zu haben. Da revanchierte sich der spät eingewechselte Podolski mit einer Leistung, wie er sie auch im roten Bayern-Höschen nicht schlechter hinbekommen hätte. Und scheint nicht in der Lage zu sein, dem an ihm vorbeiziehenden P“ä“trick Helmes Paroli zu bieten.

Bei René Adler stellte sich der Effekt ein, den man gemeinhin „Vorführeffekt“ nennt: Da bleibt man zwei Jahre lang ohne größeren Bock, aber genau dann, wenn wirklich alle zugucken, 75.000 im Stadion und auch der Rest der fußballinteressierten Welt — immerhin der Weltmeister von 1966 gegen den dreifachen Weltmeister — will die Wiederholung des Kunststücks „fehlerlose Leistung“ einfach nicht gelingen.

Testspiele ohne Erinnerungswert: Sogar Michel Platini hatte bereits vor Anpfiff in den Amnesiemodus geschaltet, behauptete er doch steif und fest, das letzte Spiel der Deutschen, welches er gesehen habe, sei das Spiel um Platz 3 bei der WM gewesen. Da fragt man sich, ob die EM 2008 noch gar nicht stattgefunden hat. Und falls doch, wer dieses teuflisch nach Platini aussehende Double war, das den EM-Pokal überreichte.

„Taktikfuchs Capello“. Man hört läuten, dass Capello plant, Kahn wegen dieser Betitelung zu verklagen. Capello sieht in der Bezeichnung eine „unzulässige Gleichmacherei“ mittels eines Attributes, das eigentlich jedem Trainer gebührt, dessen Herz noch schlägt. Mehr als das, die Worte „Taktikfuchs“ und „Erfahrung“, davon allerdings reichlich, fiel unserem gebührenfinanzierten Experten Kahn zu Capello nicht ein. Tagsüber hatte er keine Zeit gehabt, sich auf seine abendliche Tätigkeit in irgendeiner Form vorzubereiten, weil er gerade an einem neuen Ssachbuch schreibt. Es bleibt dabei: Nur weil er unfallfrei sprechen kann (sieht man von kleineren grammatikalischen Holperern und seinem ständigen „Du“, wenn er „man“ meint, ab), bedeutet das noch lange nicht, dass er seinen Job zufriedenstellend ausfüllt. Ein bisschen mehr Inhalt, ein bisschen mehr Präzision, ein bisschen mehr überhaupt irgendetwas an Information. Wirklich, nur ein bisschen mehr („aber sprich nur ein Wort“), so würde meine Experten-Zuhörer-Seele gesund. Selbst am sprichwörtlichen Elfmeter mit Adlers Fehler, der zum 0:1 führte, ging er vorüber. Motto: „Wenn Du als Torwart rausgehst, musst du ihn haben.“ Ach?

Und: Ja, da darf man sich gerne ein bisschen in den Arsch beißen, wenn man als Zuschauer für so ein Spiel 80 Euro Eintritt bezahlt hat; auch wenn das In-den-Arsch-Beißen schwerfällt in einem reinen Sitzplatzstadion.

So wie überhaupt alles, was mit Fußball zu tun hat, im Berliner Olympiastadion schwer fällt: Jens Lehmann wird froh sein, dass man ihm nicht ein solch vergiftetes Geschenk zum Abschied gemacht hat; gegenüber Adi Katzenmeier war das jedoch eine Unverfrorenheit.

10 Kommentare

Wir sind das Netz

Das ist nicht neu. Zumindest nicht in unseren Kreisen. Aber es gibt immer wieder neue Beispiele, die demonstrieren, dass viele das nicht so ganz verstehen. Das „Internet“ ist keine anonyme Masse; es wird von konkreten, tatsächlichen und leibhaftigen Menschen gebildet, die es zur freien Kommunikation verwenden, ohne dass irgendjemand oder -etwas darüber Hoheit erlangen könnte. Das kann eigentlich nicht so schwer zu verstehen sein. Und wie man ins Netz hineinruft, so schallt es dann auch heraus.

Der aktuelle Fall (vor Kurzem erst erwähnt) betrifft uns, ob nun DFB-Mitglieder oder nicht, alle, die wir uns mit diesem Thema beschäftigen. Kurz gesagt geht der Fall so:

DFB-Präsident Theo Zwanziger verklagt Jens Weinreich, der ihn auf Oliver Fritschs Direktem Freistoss begründet einen unglaublichen Demagogen nennt. Zwanziger verliert zwei Mal vor Gericht beim Versuch, Weinreich diese Äußerung zu verbieten und droht einen weiteren Gerichtsgang an, wenn Weinreich nicht einlenke. Da Weinreich im Recht ist, lenkt er nicht ein. Zwanziger verzichtet aus unbekannten Gründen auf eine weitere Klage und wie schildert der DFB u. a. in Person von Wolfgang Niersbach diesen Vorgang?

Mit den Worten, dass Weinreich eingelenkt hätte sowie einer ganzen Reihe anderer falscher Informationen.

Und sendet eine Pressemitteilung mit diesem Inhalt und der expliziten Bitte, diese Inhalte weiterzuverbreiten, an bestimmte Mitglieder seines Email-Verteilers.

Ja. Das Ganze kann man gerne noch mal lesen:

DFB-Präsident Theo Zwanziger verklagt Jens Weinreich, der ihn auf Oliver Fritschs Direktem Freistoss begründet einen unglaublichen Demagogen nennt. Zwanziger verliert zwei Mal vor Gericht beim Versuch, Weinreich diese Äußerung zu verbieten und droht einen weiteren Gerichtsgang an, wenn Weinreich nicht einlenke. Da Weinreich im Recht ist, lenkt er nicht ein. Zwanziger verzichtet aus unbekannten Gründen auf eine weitere Klage und wie schildert der DFB u. a. in Person von Wolfgang Niersbach diesen Vorgang?

Mit den Worten, dass Weinreich eingelenkt hätte sowie einer ganzen Reihe anderer falscher Informationen.

Und sendet eine Pressemitteilung mit diesem Inhalt und der Bitte, diese Inhalte weiterzuverbreiten, an bestimmte Mitglieder seines Email-Verteilers.

Es wird durchs zweite Lesen aber nicht einfacher, diesen unfassbaren Vorgang zu glauben.

Wie sich der Konflikt mit Theo Zwanziger und dem DFB en detail entwickelt hat, hat beklagter Jens Weinreich dankenswerterweise auf einer Seite zusammengestellt, die Links zu allen relevanten Beiträgen und Reaktionen Dritter enthält. Wer es nicht ohnehin schon verfolgt hat: Jetzt bitte viel Zeit mitnehmen und rüber zu Jens Weinreichs Webweiser.

Danach dann irgendwann den Mund wieder zubekommen, denn der bislang besonders im Vergleich mit MV wie ein guter Onkel wirkende aktuelle DFB-Präsident hat unser Vertrauen verloren, welches man bekanntlich nur einmal verspielen kann. Ebenso natürlich die gesamte Führung des DFB: Wer in diesem Fall die Tatsachen dermaßen beugt und verdreht, was macht er in anderen Fällen? Welcher vom DFB publizierten Information soll man noch glauben können? Ab sofort keiner mehr.

24 Kommentare

Ein Zwei Elf Zweiundzwanzig Herzen für Kinder

Keine Ahnung, ob da jemand beim kicker gut photoshoppen kann oder ob ich irgendetwas nicht mitbekommen habe. Eigentlich dachte man an dieser Stelle, die Springeraktion „Ein Herz für Kinder“ prangte nur auf dem Trikot des VW-Marketingteams und der Hauptsponsor der Hoffenheimer sei „TV Digital“. Was auch immer diese Anachronisten mit ihrer Werbung für den ausrangierten Apparat von annodazumal heutzutage noch bewirken wollen.

Heute aber war das Logo der Springer-Aktion auch auf dem Trikot der Hoffenheimer zu sehen. Weil „TV Digital“ „großzügig“ auf seine Ansprüche verzichtete. Natürlich berichtete FOTO dann ausführlich über dieses Spiel, das als „das schönste Spiel des Jahres“ betitelt war. Es ist ja so McDonald’s-esk, sich mit einer schönen Aktion zu schmücken, auf dass jegliche Kritik im Treibsand das PC-seins erstickt wird. Aber.

Welcher Fußballinteressierte in Deutschland empfindet eine Paarung „Hoffenheim gegen Wolfsburg“ als „schönstes Spiel des Jahres“? Als nicht emotional involvierter Beobachter ist die Partie Hoffenheim gegen Wolfsburg ungefähr in der Größenordnung Cottbus gegen Karlsruhe einzuordnen, auch wenn zugegebenermaßen die Hoffenheimer einen wesentlich, deutlich attraktiveren Fußball spielen als die Cottbuser.

Schön finden muss man aber weder diese Paarung in der Bundesliga noch ihre Werbung für die Springeraktion „Ein Herz für Kinder“. Und schon gar nicht sollte man darüber berichten, wenn doch genau davon, dass man davon berichtet, Werbung lebt. Weshalb sich dieser Beitrag auch nach dem Lesen sofort in jene Untiefen des Langzeitgedächtnisses des Lesers begeben wird, die fortan nach heutigen Methoden nicht mehr zugänglich sind.

Man muss immer wieder und immer öfter annehmen, dass Menschen, die für Geld und bestimmte Zwecke schreiben, annehmen, dass der Rezipient kein Modell seines eigenen Selbsts, kurz, kein Bewusstsein hat. Und dennoch ist es leider gerade zutreffend, dass mit diesen Maßnahmen genau das erreicht wird, was erreicht werden soll: Die Bekanntheit und die Präsenz des Beworbenen zu erhöhen. Wie gesagt, das soll an dieser Stelle nicht so sein, weshalb ich jetzt den aus Men In Black bekannten Blitzer zücken und jeden Leser blitzen muss.

Dieser Beitrag wurde nie gelesen.

12 Kommentare

Fabulöser Florian Fromlowitz

All jene, die Anhänger des „wahren“, „einzigen“, „wirklichen“ HSVs sind, also desjenigen Clubs, dessen Spieler natürlich in roten Trikots auflaufen, weil die Vereinsfarben schwarz-weiß-grün sind, werden das nicht ganz so unterhaltsam finden wie der Rest der Liga und der übrigen Meute.

Das Eigentor von Florian Fromlowitz im heutigen Heimspiel gegen den VfL Bochum war aber fabulös: Nach einer eigentlich ungefährlichen Flanke eines schizophrenen Mannes, der je nach Jahreszeit und Sonnenschattenwurf entweder den Vornamen Slawomir oder Paul trägt, was ihm den passenden Nachnamen Freier einbrachte, klatschte Fromlowitz mit großer Übersicht, Straf- und Raum- und Luftbeherrschung und vor allem Luft-Boden-Abwehrfaust- bzw. Patschehändchen-Koordination den Ball ins eigene Tor. So gekonnt, dass sogar der nachrückende, nicht näher benannte noch bekannte Bochumer Spieler beim Versuch, das Tor mittels Rumstocherei noch auf sein eigenes Datensheet zu verbuchen, zu spät kam.

Sind Gegentore für Torhüter schon undankbar, Eigentore ohnehin (man denke an Kahns schönes Eigentor im Länderspiel gegen Israel oder an jenes noch schönere im ersten Spiel Erich „Count“ Ribbecks als Bundestrainer in der Türkei), so sind Eigentore, die nicht mal aufgrund höherer (Latte) oder nebenstehender (Pfosten (links oder rechts)) Mächte zustande kommen, besonders angenehm:

Dieser Ball wäre nicht mal im Entferntesten (wörtlich) im Tor gelandet, wenn Fromlowitz einfach zugeguckt hätte, wie er seine Bahn macht und dann Richtung Eckfahne verschwindet.

Man muss nicht immer Nationaltorwart sein, um auch später noch im Jahrzehnte-Rückblick Erwähnung zu finden. Die einfache Alternative ist es, einen formidablen Wiese zu bauen. Wie Florian Fromlowitz es dann auch tat.

Es wird hoffentlich trotzdem niemand die Fähigkeiten jener Torhüter in Zweifel ziehen, die direkt aus dem Bodybuildingstudio von Gerry Ehrmann in die übrigen Proficlubs schlüpfen.

Und hier noch der Link zur betreffenden Szene.

11 Kommentare

Sarah Connor brüht im Lichte Diegos

Manchmal findet man gewisse Bekannte (Bekannte, nicht Bekannte) sympathisch und würde nichts auf sie kommen lassen. Bis man dann plötzlich vor das Resultat der Partnerwahl des- oder derjenigen gestellt wird. „Wo die Liebe hinfällt“, sagt der Volksmund und weiß, dass gegen diesen Fall kein Kraut gewachsen ist. „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“, oder lässt sich streiten? Jedenfalls ist es, was es ist, sagt das, worum es hier geht. Man steckt ja nicht drin.

Trotzdem ein mittlerer Geschmacksschock, was sich da an geblich an der Weser zur Zeit ereignet:

So wird das nix mit der Integration in Deutschland. Werder Bremens Diego sollte sich besser überlegen, von wem er so wichtige Dinge für das Leben in diesem Lande lernt wie den Text der Nationalhymne: Nicht unbedingt von der Brühwurst Sarah Connor, die uns alle gerne im Lichte des Glückes sähe.

Jedoch tun die beiden zur Zeit aller Voraussicht nach andere Dinge als Liedstrophen auswendig zu lernen.

28 Kommentare

Fußball zurück zu den Wurzeln

Wahrscheinlich müsste man ein wenig mehr rescherschieren, um herauszufinden, dass da doch wieder nur fälschlich zitiert oder ein Komma an einer verkehrten Stelle gesetzt wurde. Laut kicker fordert ein gewisser Claudio Pizarro (note to myself: 1 z, 2 r, im selben Stapel ablegen wie den Namen des Fußballverbandes der DDR, bitte, damit das nicht jedes Mal neu nachgeschaut werden muss) zum aktuell von irgendjemandem — nicht von mir, ich bin da grundsätzlich ganz auf Seiten der Fehlbaren, also auf Seiten aller — befeuerten Konflikt der Fußballer und Trainer auf der einen Seite sowie den Schiedsrichtern, ihren Assistenten und ihren vierten Männern sowie den Hintern der Front auf der anderen Seite:

Der Peruaner will zwar künftig verbal zurückstecken, forderte aber zugleich via kicker.tv eine Bestrafung der Referees, wenn diesen Fehler unterlaufen.

Eine hervorragende Idee. Eine Bestrafung von Schiedsrichtern, wenn ihnen Fehlern unterlaufen. Der Mann scheint ein gesund ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden zu besitzen, was an sich nicht falsch, sondern dem Menschen immanent ist. Leider vergisst Pizarro (1 z, 2 r), dass ein allumfassendes Gerechtigkeitsempfinden (so sieht das ein gewisser Teil der Menschengemeinschaft ja mittlerweile) dann auch alle umfassen müsste.

Man kann nicht bei eigenem Nachteil Gerechtigkeit einklagen, bei eigenem Vorteil aber auf seinen Vorteil pochen. Well, natürlich kann man das tun, glaubwürdig wird man damit aber nicht, speziell nicht seiner eigenen Forderung gegenüber.

Und da wir annehmen, dass der werte Anthroposoph, Gerechtigkeitsfanatiker und Juristereitheoretiker Pizarro seine Forderung grundsätzlich ernst meint und so verstanden wissen will, dass auch Außenstehende sie als ernst gemeint akzeptieren können, muss daraus im Umkehrschluss natürlich folgen, dass fortan auch Spieler bei Fehlern bestraft werden.

Wir brauchen gar nicht erst auf die 181 Fouls des 1. FC Köln aus dem letzten Beitrag zurückzugreifen, um uns auszumalen, in welch herrlicher (Fußball-)Welt wir plötzlich wieder lebten, würde Pizarros Forderung im Fußball umgesetzt. Ein falsch ausgeführter Einwurf wäre da nur die Spitze des Strafenbergs, gefolgt von Strafen für Regelunkenntnis bei nicht ganz unwichtigen Dingen wie dem Verfahren mit der sog. „Fairplay“-Regelung, Strafen für eine nicht ko- oder nicht rechtzeitig exerzierte Abseitsfalle, Strafen für eine zugelassene Flanke vom Gegner, für ein verlorenes Dribbling, für Kopfeinziehen bei gegnerischem Freistoß, der schließlich im eigenen Tor landet ad lib. Die Liste wäre lang, während die Zahl der Strafen für unforced Fehlpässe schon nach wenigen Spieltagen die Anzahl der Atome im Universum übersteigen würde und daher die Jungs von den diversen alle Ereignisse eines Spiels protokollierenden Datenbanken vor ernsthafte Probleme gestellt wären.

Nähmen wir an, dass es sich bei diesen Strafen für die Spieler um Geldstrafen handelte, dann wäre davon auszugehen (Fehler im Training sind da noch nicht berücksichtigt), dass die Spieler in Zukunft quasi wieder — wie früher, als Charly Neumann noch lebte — für n Appel und n Ei spielten oder im besten, bzw. fußballerisch schlechteren Falle für gar nix außer dem Spaß am Spiel.

Da wir davon ausgehen müssen, dass Pizarro es so nicht gemeint haben kann, dass Fußballer von nun an für Fehler in ihrem beruflichen Wirken bestraft werden, fragen wir uns: Über welch absurde Vorstellung vom Zweck der Tätigkeit und die nun mal menschlich-limitierten Fähigkeiten eines Schiedsrichters verfügt Pizarro, dass er solch eine hanebüchene Forderung aufstellt?

Und: Wie kann eine solch fehlerhafte, nicht durchdachte Forderung überhaupt ohne Bestrafung bleiben?

8 Kommentare

Foules Spiel

An irgendeiner Stelle im Netz liest man, dass der 1. FC Köln zur Zeit die fairste Mannschaft dieser Bundesligasaison sei, gemessen an der Zahl der Fouls. Nur 181 Fouls in 12 Spielen. Alleine schon beim Anblick des absoluten Werts von 181 wirkt das „nur“ auf mich befremdlich.

Dann rechnen wir das mal um, und vergessen dabei nicht, dass dieser Wert eben den geringsten der Liga darstellt. 181 Fouls in 12 Spielen bedeuten knapp alle 6 Minuten ein Foul. Wenn man nun annimmt, dass der Gegner mindestens genauso häufig foult, was er natürlich tut, wenn Köln in der Liste ganz oben/ganz unten zu finden ist, dann sehen wir also in einem gewöhnlichen Bundesligaspiel alle 180 Sekunden ein Foul. Tendenz, wie gesagt, eher noch öfter.

Wenn man dann noch dazu rechnet, bzw. abrechnet, wie gering überhaupt die Nettospielzeit eines Spiels ist, dann gelangt man zu einem Wert, der nahelegt, dass quasi jeder Spielzug mit einem Foul abgeschlossen wird, falls nicht gerade ins Tor getroffen wird.

Professionell hin oder her.

Irgendwie macht diese Vorstellung keinen Spaß.

12 Kommentare