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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Unwort des Jahres 2008 (und auch davor schon)

„Aggressiv-Leader“

Abgesehen davon, dass das kein Wort ist, können wir keinen Wert in einer solchen Formulierung erkennen. Ein Aggressiv-Leader, was soll das sein? Einer, der wie einst Effe „Stinkenberg“ Claudia über den Platz balzte und seinen Gegner vor allem durch Blutgrätschen, Mimik, Gestik, was da sonst noch über ist an Körper-Sprache und Zeigefinger-Heben und in Richtung des Gegners drohen (fällt eigentlich auch unter Gestik, Entschuldigung) zu beeindrucken versuchte? Einer, der gelbwürdige Fouls an gegnerischen Spielern als „Aufrütteln“ der eigenen Mannschaft zu euphemisieren suchte, einer, der noch mit seinem Vokabular daran erinnerte, wo die deutschen Fußballer einst herkamen (von der Straße), einer, der auch gerne mal betrunkene Menschen auf seiner Garagenauffahrt zusammentritt (nicht verbürgt, insofern nur als Gerücht zu nehmen), der Polizisten — angeblich — mit „Arschloch“ beschimpft, als stünde er einem Schiedsrichter gegenüber, kurz, einer der wenigen, die auch im zumeist sozial gepflegten Deutschland Beweis für die These „You can leave the ghetto, but the ghetto never leaves you“ sind?

Einen Aggressiv-Leader erwarten wir an der Spitze eines totalitären, blutrünstigen, nach Expansion strebenden Regimes, einer, der gerne anderen an die Kehle will, um das Öl, das Gold, die Diamanten, das Erdgas oder die Frauen anderer Länder zu bekommen.

Die Realität der zivilen Gesellschaft ist aber eine andere:

Einen Aggressiv-Leader brauchen wir nicht auf dem Fußballplatz, an der Spitze einer Mannschaft erwarten wir einen Sportsmann durch und durch, der — wenn er denn schon neudeutsch „Leader“ sein soll — damit besticht, dass seine technischen, athletischen und strategischen Möglichkeiten so weit von denen der anderen abstechen, dass man nicht umhinkommt, ihn als herausragend zu bezeichnen. Wir erwarten jemanden, der eben gerade solche „aufrüttelnden Fouls“ nicht nötig hat, sondern lieber dem Gegner per Talent gegebenem Ballgefühl noch mal den Ball durch die Nase zieht, bevor er den entscheidenden Pass in die Gasse zum Siegtor spielt oder eben nach gekonntem Dribbling selbst vollendet.

Aggressiv-Leader, pah. Aggressiv ist was für Leute, die keinen Fußball spielen können.

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Kein Kult mehr beim Club

So, der musste mal sein (die Überschrift ist gemeint), schließlich möchte ich mich irgendwann auch mal selbst bei der Alliteration der Woche zitieren können.

Kein „Kult“(-trainer) also mehr beim Club.

Die Beileids- und Bedauernskundgebungen überschlagen sich gegenseitig, wie kann man nur einen Hans Meyer (so, als wäre es weniger schlimm, wenn man zwei Hans Meyers feuerte) feuern, einen, der so viel geleistet hat für den Club, einen, der noch dazu immer so witzig war, der immer gegens Establishment kämpfte. Hans Meyer, das einzig noch lebende Ex-Mitglied von Rainer Langhans‘ Kommune 1.

Wie man liest, kamen seine Ansprachen nicht mehr so wirklich gut beim Team an, und das muss doch das Entscheidende bleiben: Wie ich andernorts schon las, könnte es von Vorteil sein, wenn einen die Journaille (abgesehen von FOTO) mag. Wichtig bleibt aber auffem Platz, und auffem Platz spielen immer noch seine Spieler. Seine arrogante, durchaus ungerechtfertigt überhebliche Art — was hat Hans Meyer schon geleistet, außer ein, zwei drei Meisterschaften oder Pokalsiege in einer Liga auf Regionalliganiveau — gepaart mit einer Art, bei der niemand mehr weiß, wann er Ironie benutzt und wann er gerade ernsthaft spricht, kann bei Fußballern, und seien wir auch im Jahr 2008 und fast alle haben es geschafft, sich bis zum Abitur durchzumogeln, nicht dauerhaft ankommen.

Anders wäre das natürlich, wenn er die Hobbymannschaft von Monthy Python oder gar der deutschen Journalistenschar trainiert hätte, dann wären seine Interviews und Halbzeitansprachen durchgehend mit Applaus versehen worden, die Spieler hätten geschmunzelt und wären ein wenig besser gelaunt in die zweite Halbzeit gegangen. Bei Fußballprofis, deren kultureller Geschmack schon bei der WM mit der Auswahl von Jar Jar Binks Xavier Naidoo als zuständigem Trällermeister deutlich als nichtvorhanden zu Tage trat, darf man aber nicht damit rechnen, dass Humor, der über Paola und Kurt Felix hinausgeht, auch als solcher erkannt wird.

Es scheint, als hätte sich Hans Meyer das falsche Metier ausgesucht. Wäre er Trainer im Hockeysport mit seinem mehrheitlich akademischen Publikum, würde er heute noch als Kandidat für den Bundestrainerposten gehandelt. Bei all seinen rhetorischen Leistungen und Ausfällen darf man eben nicht vergessen: Wichtig ist und bleibt allein die Zielgruppe. Obwohl er über diese hinausgeschossen ist, braucht man dennoch nicht zu füchten, dass wir Hans Meyer schon los sind. Das nächste Hamburg, Dortmund, Berlin, oder wer sonst gerade mal von den Unwägbarkeiten des Einflussfaktors Zufall in den Abstiegskampf gezwungen wird, wartet schon an der drittnächsten Ecke und wir sind gespannt darauf, wann es wieder heißt:

Vorhang auf in der Rhetorik- und Abkanzelshow von Meyer, dem unermüdlichen Besserwisser.

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Der älteste Debütant der Bundesliga: Richard Kress

Klar, das funktioniert natürlich nur, weil er zum Zeitpunkt der Gründung der Bundesliga schon so alt war, interessant bleibt es nichtsdestotrotz. Während der Rekord für den jüngeren und noch jüngeren und immer noch jüngeren Debütanten in der Bundesliga ständig unterboten wird, scheint der Rekord für den ältesten Debütanten in der Bundesliga wie in Stein gemeißelt:

Richard Kress, Jahrgang 1925, war beim Bundesligastart 1963/64 dabei und ist somit mit 38 Jahren und 171 Tagen der älteste Debütant aller Zeiten, und das von Beginn der Zeitrechnung an. Und wenn man schon mal Rekordhalter ist, lässt man sich auch nicht lumpen und legt gleich noch einen zweiten Rekord nach: Mit 38 Jahren und 248 Tagen ist er auch der älteste Torschütze der Bundesliga.

Schon seltsam, dass man von diesen beiden Rekordwerten selten bis nie etwas hört, außerdem hätte ich gedacht, dass Manfred „Manni“ Burgsmüller das locker überboten hätte. Aber siehe da, es gab tatsächlich noch einen älteren Torschützen als Burgsmüller: Richard Kress.

Gefahr droht allerdings von Michael „Tanne“ Tarnat, der ja immer noch aktiv ist und Jahr um Jahr von seinen Kindern zum Weitermachen überredet wird. Einen seiner berüchtigten Hammer wird er auch im noch höheren Alter mal im Tor unterbringen. 40 Jahre alte Rekorde sind wahrlich selten in der Bundesliga und es wäre schön, wenn sie dann doch mal gebrochen werden. Oder auch nicht.

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Abstiegs-Double?

Ob der 1. FC Nürnberg wohl das Abstiegs-Double schafft?

Als erster Verein, der als aktueller Meister (1967) und als aktueller Pokalsieger (2007) aus der Bundesliga absteigt — das wäre auf lange Sicht unwiederholbar. Wir drücken die Daumen, dass dieser Rekordversuch klappt.

Übrigens würde der 1. FC Nürnberg bei einem Abstieg in dieser Saison bei gleichzeitigem Nichtabstieg Arminia Bielefelds mit 7 Abstiegen auch noch alleiniger Rekordabsteiger der Bundesliga.

Also, wenn man mit so wenig (1 Abstieg) so viel (gleich 2 Rekorde) auf einmal abräumen kann, sollte man sich diese Chance doch nicht entgehen lassen.

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Bratwurst-Weisheiten

Aus dem Hohlspiegel über das alte, alte Parkstadion:

Wenn es regnete, weinten sogar die Bratwürste

Aus der Oldenburgischen Zeitung.

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Spielpraxis, fehlende

Wir hatten das schon mal, es sei mir trotzdem noch einmal erlaubt:

Natürlich merkte man Jens Lehmann die fehlende Spielpraxis an. So wie man letztens Timo Hildebrand die fehlende Spielpraxis bei seinem Fehler zur 0:1-Niederlage seines FC Valencias anmerkte, so wie man auch Oliver Kahn im WM-Finale 2002 die fehlende Spielpraxis deutlich anmerkte, ebenfalls beim Durch-die-Beine-Roller nach Roberto Carlos‘ Freistoß im Spiel gegen Real Madrid in München. Man merkte es auch Harald „Toni“ (nein, der Spitzname ist nicht seltsam) Schumacher im WM-Finale 1986 an und man merkte es sogar Toni „Fußballgott“ Turek im WM-Finale 1954 an: so ein paar Turnierspiele in wenigen Wochen sind einfach zu wenig.

Macht ein Torhüter einen Fehler, ist es ein Fehler. Macht ein Torhüter, der nicht jede Woche spielt, sondern nur trainiert, einen Fehler, ist es ein Fehler wegen mangelnder Spielpraxis.

Genauso wird es morgen regnen, weil ich heute meinen Teller nicht aufgegessen habe.

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Up to date

Hat der VfL Bochum nach dem glücklicherweise anerkannten Tor gegen Werder Bremen schon jene peinliche Liste auf seiner Webseite aktualisiert, wie häufig er durch Schiedsrichterentscheidungen benachteiligt wurde?

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Aber bitte mit Sahne

Man musste schon genau hinschauen, um Klaus Fischer nicht mit Udo Jürgens zu verwechseln.

Heute ist das — wie alles — anders.

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Schlafstörungen in São Paulo

Ich wollte nur mal kurz anmerken, dass ich auch immer dann Schlafstörungen habe, wenn ich am nächsten Tag um 10h morgens trainieren muss, aber erst um 6h besoffen ins Bett gehe. Schlafstörungen insofern, als ich dann irgendwie einfach so unglaublich müde bin nach dem Aufwachen um 9h, dass mein Körper mir doch jetzt glatt mitteilt, ich müsse unbedingt noch 6 Stunden weiterpennen.

„Schlafstörungen“ nennt man diese gefährliche Krankheit, die schon ganze Kulturen vernichtet hat.

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Halb voll, halb leer

Ist es eher gut oder eher schlecht, dass nun ganz sicher einer der Halbfinalteilnehmer des DFB-Pokals aus München kommen wird?

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Wortspiele mit „Fenin“

Glücklicherweise bietet sich kein Wortspiel direkt an, so dass wir tatsächlich mal auf ein bisschen Kreativität der Schlagzeilenschaffenden in Bezug auf Frankfurts neuen Funkelstürmer hoffen dürfen. Das Wort „fein“ in Kombination mit Martin Fenins Nachnamen zählt dabei allerdings nicht.

Schlechter hätte sein ohnehin schon mit größten Hoffnungen überfrachteter Bundesligastart kaum laufen können: drei Tore im ersten Spiel, was soll jetzt noch kommen? Es kann nur abwärts gehen.

Wer die Latte so hochsetzt, wird genau daran gemessen werden. Eine Wahl hatte Fenin gleichwohl nicht: Er kann gute Torchancen ja nicht absichtlich vergeben.

Könnte ich tschechisch, würde ich auch noch etwas zu seiner schicken Webseite sagen, wo noch die Tabelle der tschechischen Liga angezeigt ist, aber immerhin auch schon ein Beitrag auf deutsch erscheint.

Es sei noch angemerkt, dass Fenin nach nur einem Bundesligaspiel schon drei Mal so viele Tore erzielt hat wie Tobias Willi, der 141 Anläufe brauchte, um heute zum ersten Mal zu treffen. Tobias Willi und Martin Fenin in einem Absatz, das muss man mir erstmal nachmachen.

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Wir singen „Heulsuse Armin“

Der bislang eher als allürenfrei bekannte Meistertrainer des VfB Stuttgart beginnt, sich sein Image zu ruinieren, indem er in die Kiste mit den Kindereien greift, um auf etwas zu reagieren, was ihm nicht gefallen hat. Er hätte lieber die Luft anhalten sollen, bis er rot wird und platzt.

Trainer Armin Veh (VfB Stuttgart): Der VfB-Coach erschien nicht zur Pressekonferenz, weil sich seine Spieler in nicht adäquaten Räumen hätten umkleiden müssen.

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