Zum Inhalt springen

Schlagwort: Deutschland

Deutschlands neues Trickot

Wer ein neues Trikot verkaufen will, der muss dafür auch Werbung machen. Und das macht man natürlich am besten, indem man das ganze viral werden lässt, heutzutage. Deshalb, hat sich irgendjemand Schlaues gedacht, bauen wir einfach einen kleinen, leider nicht mal unterhaltsamen Fehler in eins unserer Spielchen zur Werbung für unser neues Trikot ein und hoffen, dass die doofen Blogger drauf anspringen und es veröffentlichen. Aus diesem Grund gibt es jetzt hier dieses Bild mit der Frage: Den Capitano kennt man ja — auch wenn das angeblich eine nur von Klinsmann erfundene und von anderen nicht verwendete Bezeichnung ist — und man hat auch insgesamt wenig Zweifel, dass man den bei der WM in Südafrika noch gebrauchen könnte – aber:

Was ist eigentlich dieses Printz?

[photopress:printz_poldi_adidas_flash_game.jpg,full,centered]

Wer jetzt gehofft hatte, die deutsche Nationalmannschaft hätte eine neue Geheimwaffe entdeckt, einen Wunderstürmer, dem so etwas wie Quarantäne nie passieren würde, einen teutonischen Rooney, den muss man enttäuschen. Es ist auch kein neues Spielsystem, das galant durch die gegnerischen Abwehrreihen zu schreiten ermöglicht, auf dass die Verteidiger nur noch dem Holden am Ball Spalier stehen können.

Es ist ganz schnöde ein in den letzten Jahren, was Zählbares angeht, wenig erfolgreicher Stürmer eines Bundesligaklubs, welcher meist gegen den Abstieg kämpft.

Keine Wunderwaffe, kein Geheimsystem, einfach nur Printz!

“Printz!“
[photopress:printz_poldi_2.jpg,full,centered]

Es ist ja nicht so, dass Fehler nicht passieren könnten, humanum est, aber es gibt eben zolche und sloche. Will sagen: Man kann einen Tippfehler schon ganz gut von einer orthographischen Schwäche unterscheiden. Naja, was soll’s. Hauptsache, der Rubel rohlt. Viral isses jetzt auch.

… und sowas im Land von Hinz und Kunz – ohne Teh-Zett. Tz!

17 Kommentare

Äpfel und Quoten

Rekord, Rekord, Rekord, lechzt es aus den Spalten.

Ein Rekord steht vor der Tür. Und wo Rekord draufsteht, da ist natürlich auch Rekord drin, oder?

Wenn die deutsche Mannschaft am Mittwoch gegen Finnland gewinnen sollte, hätte sie das beste Rekorder… Entschuldigung, das beste Ergebnis aller Zeiten in einer WM-Qualifikation erreicht: 9 Siege, so viele gab’s noch nie.

Der Vergleichswert hinkt aber, wie man unschwer erkennen kann: Zur WM 1982 waren es 8 Siege in 8 Spielen*. Nun also wären es 9 Siege aus 10 Partien. Es ist absolut ein Sieg mehr, aber ist es nicht eine schlechtere Quote, 9 von 10 Spielen zu gewinnen als 8 von 8? Das ist jetzt keine rhetorische Frage, es ist eine ernste: Ist das dann wirklich ein neuer „Rekord“, wenn die Verhältnisse aka Zahl der Gruppenspiele nicht identisch sind?

* Darunter 2 allerdings nur gegen Österreich, nicht wie heuer gegen Liechtenstein!

8 Kommentare

Ein Mann sah Rot

So unsportlich es auch sein mag, so schlecht es für die Ausgeglichenheit der Entwicklung des Fußballs, für seine Verbreitung unter den anderen Chromosomenträgern, für die Einnahmen beim Turnier, die ja dann auch den Einheimischen dort zugute kommen sollen, so wahnwitzig absatzschädigend bei einem der großen Artikelhersteller es alles sein mag, genauso wenig Zweifel gibt es hier daran, was trotzdem richtig ist:

Wenn Wayne Rooney aufgrund der von Cristiano Ronaldo bei der WM 2006 gegen ihn geforderten Roten Karte im Spiel Englands gegen Portugals nun hofft, dass sich Ronaldo und sein Portugal lieber nicht für die WM in Südafrika qualifizieren mögen, dann

kann man nur aus voller Inbrunst ein lautstarkes „Ja!“ vor sich hinnicken.

4 Kommentare

Fifa führt Wildcards für die WM 2010 ein

[photopress:all_star_team.jpg,full,alignleft] Nach dem Ausscheiden einiger fußballerisch großen Größen in der WM-Qualifikation hat die FIFA entschieden, sich ein Beispiel am Basketballverband FIBA zu nehmen und vier Wildcards an auf sportlichem Wege nicht qualifizierte Nationen zu verteilen.

Die erste total wilde Wildcard geht überraschend an Argentinien, obwohl mit Maradona der größte Star dieser Auswahl längst gefeuert ist und wenn überhaupt, dann nur als Fan anrollen anreisen wird. Die Fußballkünste eines gewissen Menschen mit dem Namen, der wie eine Störung klingt, bei der man Berge an leeren Butterdosen, vollständig abgerollten Toilettenpapierrollen, Pfandflaschen, Tageszeitungen (seit 1986), Disketten, Foto-Alben, Pizza-Kartons und Büromaterial so kunstvoll neben- und übereinander arrangiert, das einzig der Weg vom Sofa zur Haustür und zur Toilette noch begehbar bleibt, sollen laut Insidern auch eine Rolle bei dieser Entscheidung gespielt haben.

Die zweite Wildcard geht an Deutschland, das sich in den Playoff-Spielen der europäischen Qualifikation ebenso überraschend Griechenland geschlagen geben musste. Aktive Weltstars besitzt diese Mannschaft zwar keine, dafür aber einen der größten Märkte für Sportartikel, Rasierzubehör, Kreditkarten, japanische Autos, Coca-Cola, Elektronikgeräte und Fast-Food-Mahlzeiten, auf den die FIFA aus verständlichen Gründen („For the good of the game“) nicht verzichten wollte.

Die dritte Wildcard geht an Nigeria, das sich nicht minder überraschend hinter Tunesien nicht qualifiziert hatte. Stimmen, die sich für Portugal mit dem tatsächlichen Weltstar Cristiano Ronaldo aussprachen, wurden mit dem Argument abgewiesen, dass Ronaldo in wichtigen Spielen ohnehin immer übermotiviert sei und die Bälle übers Tor schieße, weshalb zwangsläufig mit einem Vorrundenaus der Portugiesen zu rechnen und eine Wildcard somit vergebliche Liebesmüh sei.

Die vierte Wildcard geht an ein Allstar-Team, zusammengestellt aus Spielern, die zwar Weltstars sind, aber per Schicksalsschlag einen Pass eines Landes besitzen, in dem außer ihnen selbst nur ausgemachte Holzfüße und Für-die-Gasse-Blinden vor den Ball treten (sofern sie ihn treffen), weshalb ihnen ohne diese tolle Idee eines Allstar-Teams die Teilnahme an einem Weltturnier für immer verwehrt bliebe. Trainiert werden solle diese Auswahl der Besten vom Rest, für die trotz seines hohen Alters der nimmermüde Jari Litmanen genauso feststeht wie Ryan Giggs, George Best, Alexander Hleb, George Weah und Ole Gunnar Solskjær, von einem gewissen Trainer Baade, der ohne diese Allstar-Auswahl auch nie an einer Weltmeisterschaft teilgenommen hätte.

Was im Basketball schon lange Usus ist, wird nun also endlich auch beim Fußball eingeführt. Und alle Fans so: „Yeaahh“

photo credit: A.Kuzminski

10 Kommentare

Denk ich an Finnland in der Nacht, werd arg ins Schwitzen ich gebracht

Und das nicht wegen der dortigen Saunen.

Was nach dem gestrigen trotz einer kurzen Ribbeck’schen-Reminiszenz-Phase überzeugenden Sieg ein wenig aus dem Fokus geraten könnte, ist die Tatsache, dass man ja jetzt und auch vorher schon annehmen mag, dass ein Remis in Russland im Bereich des Möglichen läge. Das tut es natürlich für eine deutsche Auswahl in den letzten 60 Jahren (wirklich no pun intended) immer. Und auch die Leistung aus dem Hinspiel gegen Russland gibt zu dieser Hoffnung allen Grund. Und dann nehmen wir mal an, es reichte zu diesem Unentschieden.

Dann sieht man auf dem letzten Kalenderblatt der deutschen Gruppe immer noch ein Heimspiel gegen Finnland.

Finnland.

Klingelt’s?

Das war der Gegner, gegen den man „nur einen Sieg im letzten Heimspiel“ benötigt hätte, um im letzten Gruppenspiel bei gleichzeitigem Punktverlust dieser an England vorbeizuziehen (Didi Hamann, 1:5, Michael Owen und ein schlechter Oliver Kahn). Fehlerhafterweise wählte man damals Gelsenkirchen als vermeintlich co-stimmungsvollstes oder zumindest co-lautstärkstes Stadion in Deutschland, doch Bierhoff und Ziege rumpelten sich zu einem ziemlich laut- und vor allem sieglosen 0:0.

Und am 14. Oktober tritt man nach dem Auswärtsspiel in Russland auch noch mal gegen jene Finnen an, die schon im Hinspiel so stark waren, dass es nur zu einem 3:3 reichte. Ein Remis in Russland und ein Remis zu Hause gegen Finnland, während die Russen im nun mal nicht so ganz so starken Aserbaidschan antreten. Und da wären wir bei der nächsten Parallele zu 2002: Während die Deutschen in Gelsenkirchen sich vergeblich zu einem Sieg gegen Finnland mühten, war ein anderer Deutscher — Otto Rehhagel nämlich — bemüht, zeitgleich beim direkten Gruppenrivalen der Deutschen mit einem Punktverlust der Engländer dafür zu sorgen, dass Deutschland sich direkt qualifiziert. Was Otto Rehhagel auch fast gelungen wäre, nachdem er zwei Mal mit seinem Griechenland in Führung lag, während England erst in der 93. Minuten mit einem — übrigens völlig unverständlicherweise ekstatisch gefeierten — Tor von David Beckham ausglich.

Man muss nicht mal Berti Vogts für den schlechteren Trainer als Otto Rehhagel halten, man muss nur auf den Vergleich Aserbaidschan/Griechenland blicken, um mit der bösen Ahnung ins Geschäft zu kommen, dass gegen Russland ein Remis ganz banal nicht zur direkten Qualifikation reichen würde, wenn man nur ein ebensolches Remis zu Hause gegen Finnland folgen ließe.

(Gepaart mit der noch schlimmeren Ahnung, dass für den Fall dass Aserbaidschan sich dann doch, weil Russland ja auch schon mal gegen Andorra gerne Probleme hat, als der entscheidende Stolperstein für Russland erweisen sollte, wir über Jahre hinaus nicht davon verschont bleiben werden, in unsäglichen Interviews daran erinnert zu werden, dass Berti selbst ja erst den Weg zum WM-Titel 2010 oder was auch immer geebnet hat. So wie er praktisch für alles verantwortlich ist, was je seit ihm im deutschen Fußball passiert. Aber wir wollten uns ja nicht schon wieder wiederholen, so wie er.)

Also, schwitzen wir erstmal, siehe Titel.

15 Kommentare

Ich erinnere nichts.

Es soll mal eine Zeit gegeben haben, in der so knappe 11 Monate vor einer Weltmeisterschaft (fast) jeder Spieler um seinen Stammplatz, ja sogar überhaupt um seine Nominierung für den Kader der Nationalmannschaft kämpfen sollte.

Es gab damals keine „Freundschaftsspiele“ – auch wenn es ohnehin keine Pflichtspiele gab – sondern nur echte Herausforderungen, eine große Chance sich zu präsentieren, aber auch die Verpflichtung, sich zu präsentieren, weil sonst der Nächste schon hinten dran lauern würde. Ausreden wie schlecht geschlafen, Pech in der Meisterschaft oder abgebrochene Beziehungen respektive Zehennägel zählten nicht, in jedem Spiel sollte man zeigen, dass man willens war, bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein und dass der Trainer nicht an einem vorbei käme.

Davon ist keine Erinnerung übrig geblieben, nur in dem, was früher Bücher waren und heute youtube ist, kann man es noch nachlesen oder -sehen.

Heute ist alles wie immer. Ein Qualifikationsspiel gegen einen von den hinteren Tabellenränge bedeutet, dass man ein Gurkenspiel abliefert, in welchem man irgendwie zwei Tore reinlügt, Glück hat, dass der Fußballgott die Zwerge seltenst gegen uns mal ein Tor schießen lässt und ansonsten zusieht, wie man von dieser „strapaziösen“ (Was ist an einem vierstündigen Flug strapaziöser als an einem zweistündigen?) Reise in dieses finstere Land voller Ölbarone und ohne Torjäger (Wir haben es gehört, Tom Bartels, zwei Erwähnungen hätten auch gereicht.) so schnell und unverletzt wie möglich wieder nach Hause kommt.

Klar sieht man danach noch Vieles, „was man verbessern kann“, denn man hat ja gar nicht versucht, das Beste zu geben. Sondern in typischer, phlegmatischer Manier die drei Punkte einzusacken. Ohne Spektakel, ohne Nominierungsdruck und ohne zu gefallen.

Manche nennen das clever oder routiniert, ich nenne das Verrat am eigenen Löw. Also er an sich selbst. All das Gewäsch ist von jenem von Klinsmann kaum mehr zu unterscheiden, und dass auch bei Klinsmann viele Würfel schon gefallen waren, egal wie sehr sich ein Spieler „präsentiert hatte“, weiß man ja inzwischen. So ist es auch bei Löw. Die meisten Würfel sind schon gefallen, wozu noch anstrengen und vor allem: Wozu noch ein Spektakel aufziehen, gar begeisternden Fußball spielen, den Gegner beherrschen, wenn es doch auch so geht, mit den Füßen auf der Kopflehne des Vordermanns, der leeren Chipstüte im Gang und nur einem halben Auge auf dem Spiel.

Wozu noch?

Weil man den Schalter nicht umlegen kann, wenn es nötig ist, nur weil man das will, man aber nicht weiß, wie es ist, den Schalter umzulegen. So jedenfalls wird das nichts. Viertelfinale 2010, Löw geht, wer kommt?

15 Kommentare

Typisch deutsches Phänomen

Man kennt das ja, erst ist man Everbody’s Darling, weil man so ein Underdog ist. Und dann plötzlich hat man Erfolg und Geld und keiner kann einen mehr leiden. Ein ganz typisch deutsches Phänomen.

Und deshalb sagt Liam Gallagher, ausgewiesener Manchester-City-Fan, im Interview auch:

There’s a funny English attitude where almost overnight, attitudes change. I‘ve lived in London for 15 years and every time I got in a black cab they‘ve said, ‚Oh you‘re a City fan, we love City,‘ and now they all think we‘re arrogant with ideas above our station. It’s a funny English attitude towards success and money.

Oder war es jetzt doch eher ein dänisches? Ein serbo-kroatisches? Ein honduranisches?

Möglicherweise ein weltweites Phänomen, von dem jeder glaubt, dass es sein eigenes wäre.

Einen Kommentar hinterlassen

Gewinnspiel: Alle Spiele um Platz 3

Manche sagen auch „drei“ dazu.

Okay, heute geht es wieder rund im Gewinnspielstadl: Wie gingen die Spiele um Platz 3 aller großen Turniere aus? Keine allzu schwierige Frage, aber googlen ist und bleibt verboten. „Bingen“ neuerdings auch, nicht die Stadt am Rhein, sondern das Benutzen der Suchmaschine von Bösosoft. Alle übrigen Klone und Aggregatoren übrigens genauso.

Ich beginne wie immer mit einem herzlichen:

WM 1970 in Mexiko: Deutschland — Ur(u)g(u)ay 1:0 (Tor: Wolfgang Overath)

EM-Spiele um Platz drei gehören genauso dazu.

22 Kommentare

Ein netter Fake Das neue Trikot der deutschen Nationalmannschaft für die WM 2010

Vorher ward es noch nicht gesehen, hier ist ein Entwurf, der durchs Netz geistert. Unklar ist, ob dies nur ein Fake ist. Offizielle Stellen schreiben, dass dafür allerlei Anleihen bei vormaligen Gewinner-Trikots der DFB-Auswahl gemacht worden seien. So z. B. bezüglich des schwarzen Kragens bei jenen Trikots von der WM 1954 und der WM 1974. Und weil man sonst nicht so viel gewonnen hat seitdem, abgesehen von ein paar Europameisterschaften, muss für das Emblem des DFB auch noch das alte Trikot der Europameisterschaftsgewinner von 1996 als Pate her.

Was aber tatsächlich überrascht, wenn dies denn eine richtige Version ist, sind die !11!!! Streifen, die sich quer übers Trikot ziehen und — natürlich — Teamgeist symbolisieren sollen. (Das mit dem Teamgeist gilt aber nur für Spieler mit nicht zu vielen Tattoos, bzw. Spieler mit Tattoos, welche beim Tragen desselbigen unter dem Trikot verschwinden.) Dies ist ein Bruch mit der bisherigen Tradition, der wie der Schritt vom klassischen zum V-Stil anmutet — beim Skispringen, nicht beim Kragen. Etwas völlig Neues stellen diese dünnen Streifen auf einem deutschen Nationalmannschaftstrikot dar; und wenn man hier in Fragen des Modedesigns auch ziemlich unbeleckt sein möge, so kommt man nicht umhin, in diesen feinen Querstreifen eine Anleihe bei den Trikots des in Südafrika beliebten Rugbys zu wähnen.

Dass der rote Kragen so etwas wie einen versteckten Reißverschluss darstellen könnte, der dann wiederum enorm an Radrennfahrer erinnerte, lässt uns noch einmal kräftig durchatmen. Kräftig durchatmen, dass unser Sport so wichtig und so groß ist, dass ein puddingähnliches Zusammenfallen diverser Kartenhäuser wie beim Radsport zunächst noch nicht droht.

So kann man erstmal weiter schön Reibach machen, unter anderem mit diesem neuen Trikot.

16 Kommentare

Cymru 0 Yr Almaen 2

Drei Punkte in Wales sind drei Punkte in Wales. „Nicht mehr und nicht weniger.“ Natürlich nicht mehr. Drei Punkte. Nicht weniger. Natürlich nicht weniger. Wie sollten drei Punkte an und für sich auch mehr als drei Punkte sein? Oder: Wie sollten drei Punkte als solche weniger als drei Punkte sein? Das ginge vielleicht, wenn die Punkte keine unteilbaren Einheiten darstellten, so wie es auch bei Toren normalerweise der Fall ist. Normalerweise. Fußball ist schließlich kein Schach.

Gomez: 0,5 Tore. Wales ebenfalls 0,5 Tore. Remis also. Wenn es nicht den Capitano gäbe. Das wiederum ist italienisch. Niemand weiß, wie man von Kalifornien kommend für einen Sachsen, der in Bayern sein Geld verdiente, auf eine italienische Bezeichnung kommt, als Schwabe. Gomez 0,5, Wales 0,5, Capitano 1. Das Ergebnis ist klar: Gewonnen hat der Capitano. Wieso jetzt insgesamt nur zwei Tore gezählt, aber drei Punkte vergeben wurden, und dann auch noch alle für Deutschland, muss nicht weiter erläutert werden. Drei Punkte, nicht mehr und nicht weniger.

Weniger hingegen ist ein ehemaliger Prinz geworden. Er ist schon kein Prinz mehr, der Lack des Prinzenkrönchens ist verschlissen, er ist nur noch Hofnarr. Leider ist er auch dafür noch zu grün, weshalb er nur Hofnarrenanwärter ist. Das wissen unglücklicherweise die wenigsten, und auch er selbst scheint es immer wieder zu vergessen. Auf der Hofnarrenanwärterschule hat man ihm erzählt, dass Hofnarren große Stars seien oder aber zumindest werden könnten, wenn sie immer tun, was Hofnarren zu bestimmten Anlässen tun sollten. Also zum Beispiel dem freien Spieltrieb nachgeben, wie man es von Hofnarren so kennt. Dann laufen die Hofnarren auf dem Hof herum und niemand kann vorausahnen, welche Richtung sie in der nächsten Sekunde einschlagen werden. Das gefällt den Lehrern auf der Hofnarrenanwärterschule. Normalerweise.

Anderen gefällt das eher weniger — nicht mehr, nicht weniger, sondern weniger — weil sie entweder Capitanos sind oder aber etwas erreichen wollen, von dem der Hofnarr nicht ahnt, dass es das geben könnte: Mehr Klasse, mehr Qualität und mehr Können als man zur Zeit schon hat. Mehr — nicht weniger, nicht mehr — sondern mehr.

Wenn man den Hofnarren darauf hinweist, kann dieser schon mal ungehalten werden. Er ist sich seines Status als Hofnarr(enanwärter ja nur!) nicht immer bewusst, und so gefällt es ihm nicht und er wird gar säuerlich, wenn man von diesen Dingen spricht, die man erreichen wollte, die man aber nicht erreichen kann als Hofnarr(enanwärter ja nur!), weil sie auf der Hofnarrenanwärterschule nicht gelehrt werden und weil, das ist ja die Krux mit den Hofnarrenanwärtern, diese sowieso nicht zuhören, wenn etwas gelehrt wird. Erstens ist man ja schon Hofnarr(enanwärter) und zweitens gehört es für Hofnarren zum guten Ton, nicht zuzuhören, sondern allerlei Schabernack zu betreiben.

Drei Punkte. Capitano 1, Gomez 0,5, Hofnarr 0. Eher weniger.

16 Kommentare

Janus in der Stadt der Wunder

Es ist mal wieder so weit, der Mann, der aufgrund seiner Verbundenheit zu Fortuna Düsseldorf inzwischen auch die entlegensten Winkel der Republik kennt, janus, berichtet von seinen Reisen und erlebt dabei einige Wunder auf und neben dem Platz:

Zunächst traten wir die Reise bereits am Freitag Vormittag an und rauschten ohne Aufenthalt durch bis zu einer Pause an der Raststätte Jura West in Velburg. Klingt jetzt nicht besonders dolle, hat aber schon eine 9er-Postleitzahl und ist somit Bayern. Dort überraschten die Toiletten. Nicht dass ich an deutschen Raststätten-Toiletten im Laufe der Jahrzehnte noch irgendetwas überraschend finden würde – vielmehr war es die doch eher ungewöhnliche Space-Trance-Musik, die dort aus den Lautsprechern erschallte, die mich zu heftigem Stirnrunzeln veranlasste. Man lief bei diesem Gedudel nämlich akut Gefahr, am Urinal stehend einzupennen. So etwas habe ich noch nicht gehört, und ich warte nunmehr auf die ersten Toiletten mit Walgesängen.

Damit aber nicht genug, gab es während der Reise nach Regensburg noch so einiges Anderes zu erleben, was nur durch höheren Beistand erklärt werden kann:

Da zeigte man uns nämlich, dass man in dieser Stadt auch aus den alltäglichen Dingen des Lebens gar Wundersames zu schöpfen vermag: nämlich wie man ohne eigene Torchance in der 2. Halbzeit ein Tor erzielen kann, wenn auch unter der gütigen Mithilfe unseres Keepers. Michael Melka hatte eine Flanke sicher abgefangen und eilte mit dem Ball in der Hand nach vorne zur Strafraumgrenze, um mit einem seiner bekannt weiten Abschläge Olivier Caillas ins Szene zu setzen, der in der gegnerischen Hälfte so ziemlich alleine stand. Und da Melkas Blick schon in die Ferne auf Caillas gerichtet war, übersah er das bzw. den Naheliegenden: Beim Abschlag ballerte Melka den einen halben Meter vor ihm postierten Regensburger Dennis Grassow den Ball versehentlich an den verlängerten Rücken. Und in jedem anderen Stadion hätte es vielleicht ein wenig Verwirrung im Strafraum gegeben, mehr nicht. Aber hier, in der Stadt mit dem großen klerikalen Hintergrund und den fast schon metaphysischen Erfindungen der Deutschen Bahn – hier flog das Leder schnurstracks ins Netz, und zwar ohne zuvor nochmals den Boden zu berühren. Bedarf es eines weiteren Beweises, dass es sich bei Regensburg um die Stadt der Wunder handeln muss?

Und wer das Tor nicht bereits in Arnd Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs gesehen hat, dem kann hier geholfen werden:

Und danach dann ab zu janus‘ wie immer wesentlich längerem Bericht über Wunder, sächsischen Beton und Pleiten zu Karneval.

2 Kommentare

Deutschland — Norwegen 0:2

Der Führer war überhaupt nicht amused und es war das erste und letzte Fußballspiel, welches er je in einem Stadion in voller Länge betrachtete (sagt die Legende).

Das Ausscheiden der deutschen Fußballmannschaft in der Zwischenrunde mit einem 0:2 gegen Norwegen in dem einzigen jemals von Adolf Hitler besuchten Fußballspiel der Nationalmannschaft trübte die Stimmung der Deutschen.

An dieser Stelle muss man konstatieren, dass es einem die Liebe zum Fußball ein nicht unbedeutendes kleines Wenig größer und größer und größer und größer werden lässt, dass Adolf Hitler sich einen feuchten Kehricht für Fußball interessierte.

(Was natürlich nichts damit zu tun hat, dass für diverse andere Nazi-Größen und deren Interessen daran, das Spiel erst zu kapern, dann zu manipulieren, später zu strangulieren und in letzter Konsequenz dann zu töten, das Gegenteil gilt. Aber bevor man hier jetzt ein in der Kürze der (heutigen) Zeit nicht zu bearbeitendes Fass aufmacht, beschränkt man sich auf die Feststellung:)

Die Niederlage gestern hingegen war einfach nur LTU, nicht annähernd Olympia.

6 Kommentare

Das Nicht-Tor des Jahres 2008

Das Tor des Jahres 2008 ist bereits gewählt und in braver Chronistenmanier auch schon im umfassenden Tor-des-Jahres-Beitrag aufgenommen. Das vergleichsweise unspektakuläre Freistoß-Tor von Michael Ballack gegen Österreich gewann.

Interessanter war da in diesem Jahr die Wahl zum Nicht-Tor des Jahres.

Mario Gomez gewann knapp mit seinem Nicht-Tor bei der Europameisterschaft aus dem selben Spiel gegen Österreich, als er wunderbar von Miroslav Klose 248 Zentimeter vor dem Tor frei gespielt wurde und ein kleines Verspringen des Balles Gomez für einige Monate zum Deppen der Nationalmannschaft machte (bis ein gewisser K. sich heimlich, still und unerkannt von der Tribüne machte).



Knapp gewann Mario Gomez diese Wahl, und zwar knapp vor Mario Gomez, der mit diesem wunderbaren Nicht-Tor aus dem Länderspiel gegen Finnland Zweiter wurde.



Zum Glück hat Gomez sich von diesen Nicht-Toren mittlerweile erholt und wird wohl keine 9.998 Nicht-Tore folgen lassen, wie Fredi Bobic es einst schaffte.

14 Kommentare