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Schlagwort: Franz Beckenbauer

Ich bin allein auf diesem Planeten

Wo man hinschaut, alle fanden dieses Achtelfinale der Schweiz gegen die Ukraine langweilig, einschläfernd, fast eine Frechheit. Die neutralen — nehme ich an — Zuschauer in Köln pfiffen nach 45 und nach 90 Minuten, die Reporter (1. Halbzeit für mich: Béla Rèthy, 2. Halbzeit: Premiere-Hampelmann) überboten sich darin, das Spiel schlecht zu reden, bzw. es als schlecht einzustufen.

Der Guardian schreibt von einem „dull game“, Franz Beckenbauer und Josef Sepp Blatter langweilten sich auf der Tribüne so sehr, dass sie sogar vergaßen, dass sie sich nicht leiden können. In der Lokalität, in der ich das Spiel sah, war überhaupt keine Stimmung. Dieses Spiel wird zugegebenermaßen auch nicht in die Annalen der WM-Geschichte eingehen. Niemand (außer den Schweizern) wird sich in zwei Jahren noch an dieses Spiel erinnern, das ja angeblich so fürchterbar-grausam gewesen sein soll.

Ich aber sage (Jesajah, drittes Buch, vierter Vers): Im Gegensatz zum Spiel Portugal — Niederlande lief 120 Minuten lang der Ball flüssig, es gab kein Getrete und kein Gezerre, kein Zerpfeifen der Partie, es gab endlos lange, ununterbrochene Spielszenen, das Spiel wog hin und her, es gab zwei Lattentreffer und eine Reihe von großen Beinahe-Chancen, wir haben schöne kleine Tricks gesehen, gelungene Grätschen und ein Schweizer Publikum, das nicht müde wurde, seine Recken anzufeuern.

Wir haben Fußball gesehen, meine lieben Leute. Fußball ist so (ein Klugscheißersternchen für mich). Und ich bin froh, dass ich dieses Spiel sehen konnte, in voller Länge, mit einem eher unspektakulären Abschluss, aber mit einem Spielstand, der 120 Minuten lang alles für beide Seiten offen ließ. Ich möchte Spielszenen sehen, wie steile Pässe den berühmten Rudi-Völlerschen-Tick zu lang sind, wie im Mittelfeld auf engstem Raum kombiniert wird und wie an der Eckfahne im Eins-gegen-Drei versucht wird, den Einwurf für die eigene Mannschaft herauszuholen. Ich möchte sehen, wie sich das Spiel auf nur 50 Metern um den Mittelkreis herumbewegt, mit welcher Präzision die Spieler Pässe quer über den Platz spielen, wie Annahmen mit der Brust direkt von zwei Gegenspielern abgegriffen werden und wie ein Spiel davon lebt, dass es hier für beide Mannschaften um alles geht, die Spannung bis zur 120. Minute nicht aufgelöst wird.

Ihr wollt Tore sehen? Geht zum Handball. Das hier ist Fußball.

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Wenn der Dummschwätzer nicht gemocht wird (XII)

Der Dummschwätzer hat es nicht leicht. Leute wie ich oder wie dieser junge Herr [Link leider tot] haben ihn nie spielen sehen und erleben den Franz nur als Werbeikone und als Firlefranz, als jemanden, der überall zu sein scheint und nichts zu sagen hat. Der junge Herr regt sich deshalb ein bißchen über den Dummschwätzer auf, vor allem des Dummschwätzers Brille hat es ihm dabei angetan.

Ich muss sagen, mich stört sein Aussehen weniger. Schlimmer finde ich sein — wer hätte das gedacht? — dummes Geschwätz. Bei solchen Meldungen wie dieser hier, ist man nämlich nie sicher, ob das jetzt ein Tippfehler ist oder ob der Dummschwätzer es wirklich so gesagt hat:

Gefunden bei der Deutschen Handwerkszeitung. Schreiben scheint nicht unter „Handwerk“ zu fallen.

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Man muss nicht immer mitspielen, Rudi

Wer sich wundert, warum der deutsche Fußball weiterhin in fast allen Bereichen (Ausnahme: Zuschauerinteresse) hinterherhinkt, dem sei dieser lesenswerte Beitrag ans Herz gelegt. Äußerst trefflich wird beschrieben, warum Franz als Lichtgestalt und Berti Vogts als grauer Wurm gilt und welchen Einfluss die FOTO-Zeitung (nein, Ben, ich schreibe nicht die anderen vier Buchstaben) darauf hat. Gerne würde ich noch ein bißchen mehr dazu sagen, aber ich schwelge noch in der Euphorie ob dem Erhalt meiner WM-Eintrittskarte.

Vielleicht bin ich auch nicht intellektuell genug.

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Block 77, Reihe 33, Sitz 40

Gestern Abend weilte ich in Dortmund, wo der Dummschwätzer kurz zuvor das „Bahnhofsstadion“ vor dem Hauptbahnhof eingeweiht hatte. Eine nette Idee: aus Baugerüsten wurde eine nicht gerade kleine Stadionimitation gebaut, mit einer riesigen Folie überhängt, auf der schwatz-gelbe Fans Fahnen schwenken. Darin eingelassen blitzen die ganze Zeit an verschiedenen Orten Kameras auf, gerade so, als würden Fans Fotos schießen. Untermalt wird das Ganze von ziemlich lauten Fangesängen, die ebenso vom Band eingespielt werden wie Kommentatorenschnipsel. Dazu kann man auf dem Platz vor dem Bahnhof durch einen „Spielertunnel“ auf dieses Stadion zulaufen.

Nette Idee, vor allem abends, als ich es sah, schon recht wirkungsvoll. Leider habe ich keine Bilder, aber vielleicht schickt mir mal jemand welche.

Zwar hatte meine Reise nach Dortmund einen privaten Grund, aber schaden kann es ohnehin nicht, sich schon mal in der Stadt auszukennen, in der man ein WM-Spiel sehen wird. Ich habe heute die Karten erhalten und ich darf mit Fug und Recht behaupten, dass ich ganz vorne dabei bin als Aktivist im Kampf gegen leere Sitzplätze während der WM.

Man schaue hier und sei neidisch:

[photopress:WM_Ticket2.jpg,full,centered]

Wie ich den Jungs am Einlass erkläre, dass ich Trainer Baade heiße und nicht Frank, weiß ich noch nicht, wird sich aber bewerkstelligen lassen. Dann schau ich jetzt erstmal im 3D-Modell, wo ich sitzen werde.

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Wenn der Dummschwätzer Hubschrauber fliegt (XI)

Der Dummschwätzer will bei 48 von 64 WM-Spielen live dabei sein. Wir haben es beim Confed-Cup schon erlebt, wie das geht: mit einem Hubschrauber. Der Dummschwätzer lässt sich mal eben so von Hannover nach Leipzig nach Köln fliegen, nur um überall seine Visage in die Kameras zu halten.

Mir wäre lieber, er würde sich auf die Spiele beschränken, die er ohnehin schon kommentiert. Irgendwann muss auch mal gut sein mit dieser vermeintlichen light form des deutschen Fußballs. Spätestens nach der WM. Oder eben wenn der Hubschrauber abstürzt.

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Ronaldackson

Sehr schöne E-Cards gibt’s beim FC Deutschland 06, am besten gefällt mir Ronaldinho als Plattencover [Link leider tot]. Wird ohnehin Zeit, dass man sein Gesicht nicht mehr auf jedem zweiten Fußballmagazin sieht, sondern nur noch bei Gala oder dem Musik Express. Die les ich nämlich nur beim Arzt.

Der Dummschwätzer ist allerdings ebenfalls gelungen.

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Wenn der Dummschwätzer gewählt wird (X)

Das Time-Magazin hat eine Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt erstellt. Nun kann man über die Kriterien bei solchen Listen immer streiten, interessant sind sie trotzdem zu lesen.

[photopress:Ohne_Titel_1_Kopie_1.jpg,full,centered]

Nur: was macht der Dummschwätzer zwischen all diesen mächtigen und einflussreichen Menschen? Sein Einfluss beschränkt sich auf seinen FC Bayern und ab und an mal eine Trainerentscheidung beim DFB. Ansonsten hat er doch gar keinen Einfluss. Und die WM haben Bayer und Daimler nach Deutschland geholt.

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Wenn der Dummschwätzer Auto fährt (IX)

Der Dummschwätzer fährt Auto. Das macht er gerne, das machen sie ja alle gerne in diesem Lande. Der Dummschwätzer ist „Chef“ des WM-OKs, allerdings glaubt das hoffentlich niemand ernsthaft. Das einzige, was der Dummschwätzer macht, ist sein Gesicht in die Kameras zu halten. Die tatsächliche Arbeit leisten Leute im Hintergrund, die sich auch mal länger als 10 Minuten konzentrieren können.

Damit aber alle weiterhin glauben, dass der Dummschwätzer die WM organisiert und diese überhaupt erst nach Deutschland geholt hat, hat er ein besonderes Nummernschild bekommen.

„WM 2006″, aus dem bairischen Landkreis Weilheim.

Ts.

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Dummwarholla (VIII)

Der Dummschwätzer war mal eine Zeitlang in New York, da hat er sich auch als Modell betätigt. Und zwar für keinen geringeren als den Papst der Pop-Art. Man sieht Franz noch so richtig an, dass er eigentlich aus dem bairischen Urwald stammt: Der Dummschwätzer als Porträt von Andy Warhol.

Außerdem: eine Briefmarke zu Ehren des Dummschwätzers [Link leider tot] — in Österreich! Da kann der Grund eigentlich nur sein, dass der Dummschwätzer so horrend viele Steuern an den österreichischen Staat zahlt. Anders kann ich mir diese Wertschätzung eines Piefkes in der Alpenrepublik nicht erklären.

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Trainer-Baade-Autogrammkarten

Ich weiß, Ihr habt lange darauf gewartet, nun sind sie endlich da. Die Trainer-Baade- Autogrammkarten können bei ichbinderstar.de bestellt werden. Gut, man kann da auch jede andere persönliche Autogrammkarte basteln lassen. Eine tolle Sache für… ja, für wen? Wer gibt 5 Euro dafür aus, um sich eine einzige lächerliche Autogrammkarte von sich selbst ins Wohn-/Bade-/Schlafzimmer zu hängen? Sowas kann man seinem Sohn, sofern vorhanden, schenken, aber doch nicht ernsthaft nutzen. Schlappe acht (!) persönliche Autogrammkarten kosten immer noch ein gefühltes WM-Final-Ticket. Wo bleibt der Dummschwätzer, um für für das Volk erschwingliche Preise zu sorgen, wie er es bei den WM-Karten tat?

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Nur noch 3 Monate

Passend zur neuen Umfrage auf der WM-Special-Hauptseite [Link leider tot] erinnert Perreira an die WM 2002:

„Und noch nie habe ich zwei Favoriten so schnell ausscheiden sehen wie Argentinien und Frankreich bei der letzten WM.“

Fragen wir uns also, wer von den vermeintlichen Unterhunden uns dies mal überraschen wird. Ohne Eure Wahl beeinflussen zu wollen tippe ich auf Australien und das hat einen Grund: Guus Hiddink, den Trainer der „Socceroos“. Auch wenn man den Einfluss von Trainern nicht überbewerten sollte, den Einfluss der Tatsache, Rudi Völler keinen Trainer zu haben, sollte man jedenfalls nicht unterschätzen.

Guus Hiddink wäre vielleicht auch keine schlechte Idee für die Nachfolge von Klinsmann, wenn die deutsche Mannschaft nicht immer noch als so schlecht wahrgenommen würde, wie sie manchmal leider ist. Warum wir einen Nachfolger brauchen?

Jürgen, der schon in knappen drei Monaten Geschichte sein wird, hat doch keine Lust mehr. Ja, komisch, nicht wahr? Nur noch drei Monate, dann ist Clinsfornia wieder das ganze Jahr über daheim und die FOTO-Zeitung schreibt den Protegé des Dummschwätzers ins Amt. Wir werden uns noch ins Heute zurücksehnen, wo Klinsmann zwar des öfteren seine Rhetorikkünste bis an die Grenze des Erträglichen bemüht, wo der Trainer aber einen Plan hat, was er mit seinen Leuten auf dem Feld anstellen will.

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Das Unheil naht

Es glaubt doch wohl niemand, dass Lodda seinen Trainerjob in Brasilien aufgegeben hat, weil ihm plötzlich, nach sechs Wochen erst, aufgefallen ist, dass man für einen Flug nach Europa 12 Stunden braucht. Und dass er deshalb seine Frau und seine Kinder so selten sehen kann.

Lodda wittert Morgenluft.

Klinsmann in der Kritik, da will Lodda natürlich zur Verfügung stehen, wenn ihn die FOTO-Zeitung-Dummschwätzer-Allianz ins Amt des Bundestrainers schreiben respektive dummschwätzen will.

Auch auf die Gefahr hin, wie eine polternde Dumpfbacke in irgendeinem Fan-Forum zu klingen: So sehr ich Fan der deutschen Nationalmannschaft bin, sollte Lodda Bundestrainer werden, wünsche ich mir den größtmöglichen Misserfolg. Der Egomane mit dem einzigen Reflex, sich selbst in ein gutes Licht zu rücken, muss als Bundestrainer verhindert werden.

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Die große Aussprache

Die große Aussprache zwischen Clinsfornia und dem Dummschwätzer dauerte laut mehrerer Quellen ungefähr zwei Minuten. Normalerweise ist es Job der Süddeutschen, fiktive Konversationen zwischen meist auch fiktiven Charakteren zu erfinden. Diesmal ist es aber so offensichtlich, wie „die große Aussprache“ ablief, dass sogar meine bescheidene Phantasie dafür ausreicht:

Jürgen: Sag mal, Franz, ich hab gehört, du bist sauer auf mich?
Franz: Was? Nee, wie kommst’n darauf?
Jürgen: Na, ich hab gelesen, dass ich irgendwas falsch gemacht haben soll.
Franz: Ja, mag ja sein. Was die Leute so schreiben…
Jürgen: Nee, du sollst das gesagt haben.
Franz: Ich? Wie käm ich denn dazu?
Jürgen: Du schreibst doch für die FOTO-Zeitung?
Franz: Ach, (muss sich wegen eines Lachanfalls erstmal kurz sammeln), das schreib ich doch nicht selbst!
Jürgen: Achso.
Franz: Ja. So ist das. Was stand denn da?
Jürgen: Na, dass ich nach Deutschland ziehen soll.
Franz: Ja, kann sein. Was weiß ich, was ich letztens erzählt habe. Jürgen, du weißt doch, die vielen Termine…
Jürgen: Ja, okay, Franz, ist schon gut.
Franz: Danke.

Das sind im Gespräch dann wahrscheinlich sogar noch weniger als zwei Minuten gewesen.

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