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Monat: April 2009

Die redaktionelle Gefahr

[photopress:die_gelbe_gefahr.jpg,full,alignleft] „Die Gelbe Gefahr ist ein Begriff aus der Kolonialzeit, mit dem die USA und die europäischen Kolonialmächte Ressentiments gegen asiatische Völker, insbesondere China, zu schüren versuchten. Der Begriff wurde geprägt durch The Yellow Danger, einer Reihe von wöchentlich erscheinenden Kurzgeschichten von M. P. Shiel, die 1898 veröffentlicht wurde. In späteren Editionen erschien die Reihe unter dem Titel The Yellow Peril, der Bezeichnung, die im Englischen heute verwendet wird. Shiel, der selbst wegen seiner mulattischen Herkunft diskriminiert wurde, gab hier seinen antichinesischen Gefühlen freien Lauf und gewann so große Bekanntheit. Anlass war die Ermordung von Missionaren 1897 in Kiau-Tschou, die zur Stationierung von Schutztruppen in China führte. 1899, mit dem Ausbruch des Boxer-Aufstands, und 1905 als im Japanisch-Russischen Krieg erstmals eine fernöstliche Macht eine europäische besiegte, gewann der Begriff eine weitere Verbreitung.“

Quelle 1, Quelle 2.

Offensichtlich ist es okay, Menschen wegen ihrer Herkunft („der Amerikaner Donovan“) oder ganze Völker wegen ihres Seins („die gelbe Gefahr“) herabzuwürdigen, so lange man nur niemanden als Ziel dieser Herabwürdigungen wählt, der damit nicht vernünftig umgehen kann. Oder vielleicht ist es auch einfach okay, Begriffe zu wählen, die man irgendwann mal in irgendwelchen Filmen oder auf deren Plakaten gehört oder gesehen hat. Wie „hart“ herabwürdigend der Ausdruck „die Gelbe Gefahr“ ist, wag man an dieser Stelle nicht zu beurteilen, würde es aber auch nicht einfach so gedankenlos in die Welt setzen.

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Was macht eigentlich Jörg Heinrich?

Eigentlich erwartet man bei einem, der um 2004 herum beim 1. FC Köln ausgeschieden ist, dass er so etwas Originelles wie eine Fußballschule leitet oder aber als Experte bei einem Lokalradiosender seine Expertentipps dazu benutzen lässt, sie gegen andere, lokale Experten zu stellen.

Zum Medienmenschen hat Jörg Heinrich wohl nicht getaugt, was keine Kritik ist, schließlich sollen Fußballer vor allem zum Fußballer taugen. Wenn sie danach noch zu irgendwas Anderem taugen, nicht schlimm, aber auch kein Muss.

Umso größer ist die Überraschung, was Jörg Heinrich macht: Er spielt noch aktiv Fußball.

Okay, in der siebthöchsten Klasse ist das vielleicht nicht mehr ganz so anstrengend wie in der ersten oder auch dritten Liga. Dennoch gibt es einem immer das etwas wohlige Gefühl, dass der Mensch Fußball spielte, weil er gerne Fußball spielt und das dann eben deshalb auch heute noch macht. Und wenn man sich die Statur des einen oder anderen Mitspielers anschaut, könnte man fast meinen, dass man die eigenen Fußballschuhe doch noch nicht endgültig einmotten sollte.

Bei BSC Rathenow, dem Klub seiner Heimatstadt, spielt Jörg Heinrich also noch aktiven Fußball, nachdem er zuvor schon einmal bei den Alten Herren untergekommen war. Werbung macht der Klub übrigens u. a. für einen Laden namens „Sport Heinrich“, was einem irgendwie bekannt vorkommt. Anders als der Hauptsponsor „Autohaus Schulz“, welches es so oder anders wohl in unendlicher Ausführung nochmals in diesem Lande gibt.

Heben wir uns also für später auf, zu fragen, was Jörg Heinrich nach seiner aktiven Karriere macht. Wenn es soweit ist.

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Der Professor, mit 18

Ja, sowas gibt es. Auch der Professor war mit 17 Jahren und einem Extra-Tag schon so schlau „dat glaubt man gar nicht“.

Wer nicht so schlau, aber auch nicht doof war, war Rolf Töpperwien. Man ist immer wieder erstaunt, wie tief man eigentlich in youtube hinabsteigen muss, um endlich mal ein Interview von einem bedeutenden, oder sagen wir, interessanten Spiel zu finden, bei dem nicht Rolf Töpperwien der Chefinvestigator ist. Hier aber ist er es. Und jetzt mal ehrlich: Wer von Euch Lesern wäre mit 17 plus 1 Tag so souverän am Mikro gewesen wie hier in diesem Fall der Professor?



Dass Schalker damals schon echte Ruhrgebietskanaillen waren, daran hatte ja auch vorher niemand einen Zweifel. Selbst die für damalige Zeiten gut behelmten Bullen haben Probleme, für Klarheit zu sorgen. Man würde sich doch dann und wann wieder Interviews wünschen, in denen die dahinter stehenden Fans „Olaf, Olaf!“ skandieren. Nicht aus Schalke-tum, sondern aus Fußball-tum. Achja, alte Kamellen off. Aber!

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Großer Trainer, kleiner … Erdnussflip

Tja, Fußball, Sexualität, immer wieder heikel. Vielen Männern geht es so, auch Arséne Wenger reiht sich jetzt ein, bzw. outet sich, wenn vielleicht sogar ungewollt. Er ist ein großer Trainer, aber er hat einen kleinen …

[photopress:grosser_arsene_wenger_kleiner_erdnussflip.jpg,full,centered]

Makel. Zumindest wenn man der Inszenierung des kickers glauben mag.

Worauf ich eigentlich hinweisen wollte: Auch der kicker ermöglicht jetzt ein „Probelesen“ online, indem man für die aktuelle Ausgabe z. B. hierhin surft: http://shop.kicker.de/kicker/blaettern.htm?artikel=8564. Das Tolle an diesem Durchblätter-Service ohne Bezahlung ist, dass der kicker all jene Passagen, die irrelevant sind, von sich aus unkenntlich gemacht hat. Man muss also nur noch das lesen, worin überhaupt eine Aussage steckt, und das ist beim kicker für gewöhnlich die Überschrift (und manchmal auch die Zwischenüberschriften, die man aber mit viel gutem Willem trotz schlechtem Auge wird entziffern können). So lob ich mir das: Eine kicker-Version à la „echte Themen, echte Aussagen“. Jetzt sollte sich der kicker nur noch angewöhnen, die lesbaren Überschriften auf eine Seite zum Durchblättern zusammenzufassen. Fertig wäre der Online-Spaß bezüglich der aktuellen Print-Ausgabe.

Für Weiteres zum Thema siehe hier: Sergio Pinto. Der Kampf gegen die Urban Legends darf ja nicht aufgegeben werden, bevor er begann.

(Und nach der gestrigen Berichterstattung bei kicker online bezüglich der Schassung von Klinsmann würde man fast annehmen, dass es kein Zufall ist, dass ein solcher Beitrag mit einem solchen Titel mit einem solchen Foto ausgerechnet am Tag der Entlassung Klinsmanns und der Vorstellung von Jupp Heynckes als neuem Trainer (und zwar von Jupp Heynckes, und keinem anderen) bei den Bayern im kicker erscheint. Würde man.)

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Die Kurzfassung von Helmut Markworts schauderlichem Auftritt

„Ich hatte das Gefühl, das war so ein Knacks:“

„Der Amerikaner Donovan.“

Kleine Kurzpässe zurück und so — das hat ihm einen Knacks gegeben.“

„Der Klinsmann wollte ja auch am liebsten eine Psychologieschule aufmachen.“

„Fußball ist Psychologie.“

„Da [bei Klinsmanns Präsentation durch den Vorstand] hat er einen fantastischen Eindruck gemacht, ja? Er hat 30, 40 Minuten lang doziert. Wir haben gesehen, dass er sich in Amerika umgesehen hat, in vielen Theorieschulen, an High Schools, überall gelernt und gemacht, und er hat vor allem diesen tollen Satz gesagt, damals schon, der uns alle beeindruckt hat: ‚Ich will jeden Tag jeden Spieler etwas besser machen.‘“

„Also es ist ja auch eine 20 Jahre gepflegte Tradition, dass Bayern Deutscher Meister wird.“

„Da die Frau Roth, die sich ja zu allem auskennt, hat gesagt: Die Buddha.“

(Jedes weitere Wort an dieser Stelle wäre zu viel und erfolgt demgemäß in den Kommentaren. Kursiv- und Fettstellungen von mir. Die gesamte Version bleibt trotzdem lesenswert.)

Man sollte sich auch durchaus vor Augen halten, welche Person mit welcher Ausbildung hier welche Kommentare inklusive welcher Position innerhalb des Clubs über einen Trainer ihres Clubs ablässt, der sich anschickt, Weltspitze zu sein. Und daran verzweifelt, wenn er nur zu den besten acht Europas gehört — und in der Liga einen kümmerlichen Sieg hinter Platz 1 steht. Aber, wie gesagt, in den Kommentaren sehen wir uns wieder.

Kurz gesagt: Wer solche ausgewiesenen Fachleute in seinem Club hat, der braucht keine Feinde mehr.

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„Der macht zu viel Fisimatenten“ — ARD Sportschau extra zur Entlassung von Jürgen Klinsmann bei Bayern

Update: Nachdem ich das Video fand, ist das Transkript jetzt wortgetreu.

Aufgrund der Schwere der Ereignisse des heutigen Tages konnte das ARD nicht anders, als eine Sportschau Extra ins Programm aufzunehmen, direkt im Anschluss an die Tagesschau. Überraschenderweiste heißt der Gast Gerhard Dellings Helmut Markwort, Aufsichtsratsmitglied beim FC Bayern, ein Fußballexperte, wie er gerade vom EM-Public-Viewing kommen könnte. Oder aus seinem eigenen Wohnzimmer, als er sich gerade über eine Niederlage seines Clubs geärgert hat.

Vorspiel in der Tagesschau: Kleiner Einspieler, wie Jupp Heynckes schon vor Ort ist, um die „Begebenheiten“ zu inspizieren. Uli Hoeneß von der Pressekonferenz: „Wir haben noch 5 Spiele zu laufen.“ Klinsmann fuhr wortlos vom Gelände, war angeblich von der Entscheidung überrascht. Klinsmann bedankt sich bei Fans und Wem-sonst-noch auf der Webseite des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge wird auch noch kurz zitiert.

Nach dem kurzen Schwenk zum Wetter dann also die ARD Sportschau extra:

Gerhard Delling: Guten Abend meine Damen und Herren, zu dieser Extra-Ausgabe der Sportschau anlässlich der heutigen Ereignisse beim deutschen Rekordmeister Bayern München. Dort ist das sehr ambitionierte Modell Jürgen Klinsmann mit dem heutigen Rauswurf endgültig gescheitert, obwohl gerade der ehemalige Nationaltrainer und -spieler selbst noch vor wenigen Tagen betont herausgearbeitet hat, dass er eigentlich schon am Kader für die nächste Saison arbeitet. Trotzdem kam für viele der heutige Schritt alles andere als überraschend.

Einspieler mit diversen Stimmen zur Entlassung:

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1. Mai, Berlin-Kreuzberg: Hilfe

Lahm. Wirklich lahm. Oder auch: Hilfe!

Da versucht derjenige, der hier Werbung macht, sich irgendwie aus seiner ältere-Herren-die-sich-noch-für-gerade-so-eben-jung-halten-Dire-Straits-Ecke (mit Tipps von „Schnäuzer dem Großen“ und Jeans als probatem Kleidungsstück in jeder Lebenslage, wo der Fußball noch nach Autobahnraststätte und Pommes riecht, wo man sich die Tipptabellen noch vom Hausnerd auf Papier hat ausrechnen lassen) herauszumanövrieren und das geht dann völlig in die Hose:

Polizisten, die sich am 1. Mai in Kreuzberg mit nicht näher identifizierten Gegenübern eine Straßenschlacht liefern, spielen plötzlich gegeneinander, miteinander Fußball — man weiß es nicht genau — der Ball explodiert, natürlich, viel Feuer und Action ist immer gut in einer Werbung und am Ende steht man ratlos da, wo die Verknüpfung sein soll zwischen dem gewählten Szenario und dem Produkt, das beworben wird.

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Live-Blog: HSV — Werder im Pokalhalbfinale

Was man sonst noch so vor der Partie wissen könnte, müsste, sollte, steht schon im Vorbericht zum

Live-Blog.

Ab 20h gibt es die Partie zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen live auf ZEIT ONLINE. Den Autoren dort könnte man kennen, weshalb die Kommentare hier geschlossen sind, ich bitte dann zu Meinungsäußerungen oder auch -enthaltungen dorthinauf.

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Hurra! Heute ist Feiertag!

Na, noch nicht. Aber spätestens nächstes Jahr um diese Zeit wird der 22. April von allen Begeisterten und Interessierten mit viel Freude im Rückblick auf die Ereignisse jenes Tages im Jahr 2009 begangen werden. Sektkorken werden knallen, man macht einen Ausflug mit dem Fahrrad und schüttet sich einen hinter die Binde, Kinder werden gezeugt und was man sonst noch an Wegen findet, seinen überwältigenden Glücksgefühlen freien Lauf zu lassen:

„Ich freue mich auf die neue Aufgabe. Sat 1 bietet erstklassige inhaltliche Perspektiven in der Kombination von Information, Show und Sport.“

Wir freuen uns auch, nämlich auf die Abwesenheit der Kombination von Information, Sport und Show.

(Es tut mir leid, mitteilen zu müssen, dass Sat 1 Champions-League- und Europa-League-Rechte erworben hat. Bundesliga, Länderspiele und DFB-Pokal sind von nun an aber garantiert JBK-frei. Für einen Feiertag reicht das wohl.)

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Gottlob, die neuen Zeiten

Man weiß natürlich nicht, wo das noch alles hinführen wird. Heutzutage ist es schon so, man liest tagsüber irgendwelche Internetseiten, ob nun Blogs oder „Profi-Seiten“, und beginnt sich schon nach der zweiten Statistik-Karte des Kommentatoren beim eigentlichen Spiel zu langweilen. Irgendwann wissen alle sowieso schon alles, und der Kommentator, ja, was soll er machen: Er kann dann nur noch beim Spiel bleiben.

Das Problem ist natürlich: ca. 65% aller Fußballspiele laufen so wie das DFB-Pokalhalbfinale heute zwischen Bayer Leverkusen und dem FSV Mainz: Lange Zeit passiert nicht viel. Am Ende geht einer mit 1:0 oder vielleicht 2:0 nach Hause. Oder eben andersrum. Dass Fußballspiele häufig mit zahlreichen Chancen gesegnet wären, ist wohl eher eine Legende oder aber Werder Bremen (hüben wie drüben).

Da bleibt dem Kommentator zugegebenermaßen nicht viel, als sich ständig zu wiederholen. Und das hat Gerd Gottlob heute gut gemacht. Klingt zynisch, ist aber nicht so. Er hat sich wiederholt darin, dass irgendwie noch etwas passieren würde, könnte, sicher, vielleicht sollte. Das ist bei einem Pokalspiel (bei dem es kein Wiederholungsspiel gibt) natürlich keine besonders gewagte Prognose. Er hat uns allerdings mit allen sorgsam zusammengetragenen Statistikdetails verschont. Und wenn ich das sage, der ich sehr wohl großes Interesse an Fußballstatistiken habe, dann muss es in anderen Fällen oftmals wirklich eine Plage sein.

Das war sie heute nicht und dafür danken wir einerseits Gerd Gottlob, andererseits aber auch den Entwicklungen der Zeit. Wer wann wo wie mal für den Gegner gespielt oder über welchen Umweg der dritten Liga zu diesem oder jenem Verein gelangt ist, ist dann für alle schon vor der Partie abgehakt, und dann geht es nur noch um das Spiel, seinen Verlauf und kein sonstiges Gedöhns.

Manchmal, aber nur manchmal, hab ich die neuen Zeiten richtig gern.

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Frank Rost: Feuer frei

Keine Sorge, das verkommt jetzt hier nicht zu einer einfachen Co-Publikationsstelle für Videos des HSV-TVs. Außerdem hatte ich mich dereinst ein wenig despektierlich über Freunde des Modellbaus geäußert und bleibe gerne dabei, so ganz grundsätzlich. Das, was Frank Rost hier eröffnet, hat aber schon eine andere Dimension: die HSH Nordbank-Arena, als Teil einer mehrstöckigen Modelleisenbahn-Anlage mit über x-Tausend Quadratmeter (ungefähr) Ausstellungsfläche.

Frank Rost wurde nicht nur eingeladen, weil er in der echten HSH Nordbank-Arena seinen Dienst tut, sondern weil er selbst Modelleisenbahnen als sein Hobby angibt. Eine aussterbende Gattung unter den Fußball-Profis: Kann sich jemand Patrick Ebert an der Modelleisenbahn vorstellen?

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Au revoir, Rensing

Es ist angesichts der nun doch dauerhaften Anwärmung der mittleren hinteren Körperpartie eines gewissen großen Torwarttalents durch Ersatzbänke und Decken Zeit, mal kurz auf meinen netten Beitrag „Ich bin der sozialste Rensing-Belüger, wo ich kenne“ zu verweisen — vom 8. April 2008:

Viel mehr muss man dazu auch nicht sagen, außer, dass Rensing selbst schuld ist, wenn er jahrelang sein mangels Einsätzen kaum zu beurteilendes Talent auf Ersatzbänken verschwendet, ohne dass ihn jemand dazu gezwungen hätte — abgesehen von seiner eigenen Gutgläubigkeit.

Das macht das Rensing-Belügen aber nicht besser. Und natürlich bin ich auch nur Medien-Opferlamm und weiß weder, was wahr ist, noch, was wahr war, als das Wunder wahr war. Sepp Maier ist jetzt endlich (re)habilitiert und damit sollte auch klar sein: Alles, was vorher war, zählt nicht mehr.

Man sollte gerade deshalb aber auch nicht übersehen, in welcher Kategorie dieser Beitrag hier eingeordnet ist.

Die Kategorie lautete nämlich „Welcome to the Hotel Clinsifornia“, der ja gerade erst im Anmarsch war.

Passend dazu noch diese kleine Prognose vom 2. Oktober 2008 aus dem Beitrag „Oh, Michaela„:

Beim WDR arbeitet eine Nachrichtensprecherin mit dem Namen Michaela Rensing, was immer wieder kurze Erheiterung beim Nachrichtenhören bewirkt. Wahrscheinlich wird sie uns länger „in den Medien“ erhalten bleiben als die männliche Ausgabe desselben Namens.

Zwar verschwindet man nicht ganz aus den Medien, wenn man Profitorwart in, jetzt nur ganz zufällig ausgewählt, Hannover oder in Turin, hüstel, hüstel ist, aber natürlich sinkt die Nennungsfrequenz enorm. Das Talent ist übrigens 25 Jahre alt.

(Beiträge, in denen ich mich mit Prognosen geirrt oder anderweitig zu weit aus dem Fenster gelehnt habe, werden natürlich ebenso garantiert immer nachträglich noch mal nach vorne geholt. Bin schließlich nicht der Papst.)

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Was für ein großartiger Torjäger!

FIFA-Interviews zu zitieren ist ein bisschen so, wie auf die Jagd nach Tippfehlern zu gehen: Es hat sich überlebt, sofern der dortige Stil nicht mal endlich ein wenig entverwässert wird. Wird er aber auch in diesem Interview mit Iker Casillas nicht. Da die Fragen von verschiedenen Menschen mit seltsamen Namen gestellt werden, ist davon auszugehen, dass es lediglich die Zusammenstellung eines Fan-Chats ist. Was für komische Gesellen sich allerdings in einem Fan-Chat bei der FIFA herumtreiben, verdeutlicht diese Frage von einem gewissen Stevedotcom:

Steve.com: Was denkt man sich, wenn man ein Tor kassiert… „Was für ein dummer Fehler von mir!“ oder „Was für ein großartiger Torjäger!“?
Casillas: Ich sage mir immer, dass ich ein wenig mehr hätte machen können.

Offensichtlich hat sich dieser jemand zu lange, zu viel, zu ausgiebig und vor allem zu seit Beginn seines Fußballfanseins Texte aus der Weißwaschmaschinerie der FIFA zu Gemüte geführt: Ob der Torwart nach einem Gegentor denke, wie toll doch der Stürmer sei, der das Tor erzielt hat, will er wissen.

Die herrliche Naivität dieser Frage ist einfach zu schön, um wahr zu sein.

Fragt man Michael Rensing, ob er sich über Grafites „Tor des Jahres“ so richtig gefreut habe?
Fragt man Oliver Kahn, ob er angesichts der 3 Gegentore durch Sergio Conceição bei der EM 2000 beeindruckt von dessen Spielstärke gewesen sei?
Fragt man Christian Wörns, ob er sofort daran dachte, wie toll Davor Suker spiele?
Fragt man etwa Jürgen Kohler, ob er dachte, wie „großartig“ Marco van Basten im EM-Halbfinale 1988 gewesen sei?
Fragt man die gesamte Elf vom WM-Finale 1986, ob sie zuerst dachten: Was für ein toller Pass von Diego Maradona zum 3:2, mit dem der Kampf um die Weltmeiterschaft gegen sie entschieden wurde?

Fragt man überhaupt so eine — wenn nicht Naivität als Ausrede gelten könnte — unverfrorene Frage?

Und wie weit muss man vom Fußball als Sport zweier konkurrierender Mannschaften entfernt sein, um überhaupt erst auf eine solche Frage zu kommen?

Das kommt jedenfalls dabei raus, wenn die Leute Fußball nur noch als Konglomerat aus Friede, Freude, Eierkuchen wahrnehmen und dem ganzen Sermon, der unter dem Motto, dass das Spiel so gut zur Völkerverständigung diene, verbreitet wird, erliegen. Die Antwort auf diese Frage hätte man sich nämlich kinderleicht selbst geben können: Sich einfach bei einem x-beliebigen Spiel ins Tor begeben, dann ein Tor von einem x-beliebigen Stürmer dieser Welt kassieren, ob nun schuldhaft oder nicht, und dann kurz innehalten, einen Screenshot von den eigenen Emotionen und Aufwallungen machen und fertig ist die Soße aus ganz bestimmt nicht Bewunderung für den Stürmer, sondern Wut, Enttäuschung, Gram, Aggression, Selbstanklagen, Bedauern und noch mal Ärger.

Von Bewunderung für irgendeine Leistung eines Gegners ist da noch weniger Spur als von Lesenswertem in FIFA-Interviews.

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