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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

„With a Kop like that, you know you should be glad“

Mit dem Veröffentlichen von Blogeinträgen ist es wie beim Anbandeln mit Frauen: Wenn man zu lange wartet, ohne aktiv zu werden, schnappt sie sich ein anderer. Es liegt schon länger hier rum, da fällt dem Direkten Freistoß ein, dass man doch mal in der Videograbbelkiste der 11 Freunde wühlen kann bzw. wühlt gar nicht selbst, sondern lässt die 11 Freunde wühlen und in ihrer eigenen Grabbelkiste finden, was hier nun Thema sein soll. She Loves You gesungen in the Kop. Da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll.

Deshalb schön der Reihe nach:

1. The Kop bot mit damals 28.000 Stehplätzen noch mehr Menschen Platz als die heutige Südtribüne im Westfalenstadion.

2. Der Name „The Kop“ ist niederländisch, bzw. burisch und dient dem Gedenken in Südafrika gefallener Liverpudlians.

3. Damals sangen nicht nur die jungen, sondern zumindest auf diesem Video auch die älteren Zuschauer mit Inbrunst „She loves you“ von den Beatles. Das ist einerseits bemerkenswert, weil der Song damals kein altes „Traditional“ (wie es heute „Yellow Submarine“/“Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ für uns ist), sondern höchstens ein paar Monate alt war. Das Mitsingen der älteren ist auch deshalb bemerkenswert, weil der Generationskonflikt zwischen den jungen Menschen, die so etwas wie die Beatles hörten, und jenen, die lieber Marschmusik hörten und meistens die Eltern derjenigen waren, die die Beatles hörten, viel größere Dimensionen hatte, als es heutzutage der Fall ist. Zwischen Eltern, die mit Jennifer Rush groß geworden sind und deren Kindern, die Sarah Connor hören, wird es wohl kaum aufgrund des Musikgeschmacks noch zu Auseinandersetzungen kommen.

4. Damals sangen 28.000 Zuschauer in „The Kop“ den Beatles-Song „She loves you“ auch, weil die Band nun mal aus Liverpool kam und die Beatles sicher (ich weiß da nichts Genaues nicht) als Teil der Heimat, der regionalen Verbundenheit empfunden wurden. Bemerkenswert auch, weil 28.000 Zuschauer (und der Rest des Stadions natürlich ebenfalls) es immerhin versuchten, mit Kopfstimme das „ooooh“ aus „She loves you“ zu singen. Sie scheinen zumindest in dem Video nicht gänzlich zu scheitern.

5. Damals klatschten die eigenen Spieler begeistert mit, wenn die Zuschauer sangen.

6. Wir wollen nicht vergessen zu erwähnen, was aus genau dieser mit Krawatten und Pilzkopf-Frisur optisch nahezu gleichgeschalteten Masse später erwuchs: Jener Hooliganismus, der für üble späte 1970er im Fußballfanbereich, für Heysel und für die Verbannung britischer Mannschaften aus dem Europapokal sorgte, was schließlich zur Verbannung der Stehplätze in internationalen Begegnungen führte. Natürlich sind nicht die dort Anwesenden Schuld an dieser Entwicklung. Die faszinierende Dynamik dieser Massen, dieses Unkontrollierbare, was hier auf dem Video aussieht wie „Schunkeln“, verdeutlicht eindrucksvoll, dass all das sich natürlich auch jeder Zeit genauso in eine andere Richtung bewegen kann, ohne dass man eine Chance hätte, es zu stoppen.

7. So etwas wie eingespielte Fan-Wurst-Songs aus der Dose schien es damals noch nicht zu geben. Ich muss zugeben, keiner meiner Bekannten ist in einem Gesangsverein. Ich muss auch zugeben, dass es damals weder MTV gegeben hat noch Plattenspieler für jeden selbstverständlich waren. Ich muss genauso zugeben, dass ich — so ich ins Stadion gehe — in den seltensten Fällen die Fangesänge mitsinge, ich hier also keineswegs mit dem Finger auf die so genannten Event-Fans zeigen möchte. Gleichzeitig finde ich es außerordentlich bedauerlich, in eigentlich jedem Stadion, das ich aufsuche, dem „Akustik-Müll“ ausgesetzt zu sein, gegen den es inzwischen auch Initiativen gibt. Der heutige Stadiongänger wird von vorne bis hinten beschallt: Sollte gerade keine auditive Werbung laufen, wird Musik in einer derartigen Dezibelzahl gespielt, dass man gut verstehen kann, warum Anwohner gegen Stadionbetreiber klagen. Damit wird den meisten Fans die Möglichkeit genommen, eine Atmosphäre wie in dem Video zu erzeugen. Ich kenne die genauen Verhältnisse in den einzelnen Bundesligastadien nicht (Berichte wären aber sehr willkommen), doch ist es unstrittig, dass es einige sangesfreudige Brüder gibt, deren Möglichkeiten durch den Schallmüll in den Stadien vor Anpfiff zunichte gemacht werden.

8. Der ekstatischen Wirkung dieser Gesänge, zumal man sich 28.000 Menschen auf einer einzigen Tribüne vorstellen möge, kann sich wohl niemand entziehen. Und leider begreifen wir wieder das Pech der späten Geburt in Bezug auf Stadionerweckungserlebnisse sowie auf den britischen Fußball der 1960er Jahre, als die Atmosphäre einfach begeisternd war Schrägstrich gewesen sein muss.

Und zu guter Letzt nun auch der Link zum Video von den Gesängen auf „The Kop“.

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Schlag ins Wasser

Mit nur 27 Jahren wurde Uli Hoeneß Manager bei Bayern München. Dass er seine Karriere wegen einer Knieverletzung beenden musste, ist auch bekannt. Wie peinlich das aber ablief, als er beim Club spielte, wo er schließlich seine aktive Karriere beendete, ist nicht ganz so bekannt. Elf mal spielte er allerdings nur. Und dass Hoeneß nach dem von ihm verschossenen Elfmeter im Finale 1976 gegen die CSSR schon seine Karriere beenden wollte, ist auch nur „Experten“ bekannt.

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Kohabitations-Euphemismen

Der Tiroler an und für sich scheint kein Meister des klaren Wortes zu sein, dafür ist er wohl nicht gerade verklemmt. Für FKK-Saunaklub kenn ich nämlich ein anderes Wort, könnte mir einen ähnlichen Sponsor bei deutschen Profiklubs aber kaum vorstellen.

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Vermaledeite "Fanfreundschaften"

Wie mir erst jetzt zu Ohren kommt, verfügt Energie Cottbus über eine Fanfreundschaft mit dem VfB Stuttgart. Da würde ich aber jetzt mein Geld zurückhaben wollen, wenn ich in Stuttgart oder auf Schalke oder auch in Wolfsburg Eintritt bezahlt hätte für den kommenden Spieltag. Vergessen wir die letzte Spannung, die letzten Zweifel, ob nicht vielleicht doch das Unmögliche noch hätte möglich werden können. Fanfreundschaft.

76% Ballbesitz für Bayern im Spiel bei Cottbus. Nur 0:3, nur weil auch Roque Santa Cruz mitspielte, gewann Bayern nicht höher. Es ist vorbei, bye, bye Junimond.

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Wenn ich nicht wäre …

Gestern habe ich noch mal zum Hörer gegriffen und bei Thomas Schaaf angerufen. Nur für den Fall, dass er vergessen haben könnte, wie wichtig die Partie am Samstag sein wird, habe ich ihn daran erinnert. Ich denke, er wird sehr froh über meinen Hinweis gewesen sein. Bei all dem Stress, den er in seinem Job hat, könnte er die Wichtigkeit der kommenden Partie leicht übersehen haben. Und wie wir wissen, wäre das fatal.

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Der Sack ist umgefallen

Neulich, bei dem, was man Arbeit nennen könnte. Es ist zwar keine, aber nennen wir es mal so: Ein Foto von einem Jungen, der auf einem Bett sitzt. Das Bett ist gemacht, der Junge natürlich auch, irgendwann mal, das Bett jedenfalls ist gemacht und auf dem gemachten Bett liegt also eine Bettdecke. Die Bettdecke ist blau und weiß, es stehen Buchstaben und Zahlen darauf. Ich frage den jungen Herrn aus China: Nun, was könnte das bedeuten, was dort steht?

„This is München 1860. München 1860 is very famous in China.“

Dass jemand mal die beiden Worte famous und 1860 in einem Zusammenhang benutzen würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Warum ist dem nun aber so?

„It’s because of Jiayi Shao, he used to play for 1860.“

Amazing, denkt das Trainerhirn. Da kommt jemand um den halben Globus geflogen und klärt mich über Spieler der Bundesliga auf. Und 1860 ist famous in China. Hätte ich eher gewusst, wie einfach es ist, in China berühmt zu werden, hätte ich auch schon längst einen chinesischen Spieler für diese Seite unter Vertrag genommen. 1,3 Milliarden potenzielle Besucher sollte man nicht einfach so ungenutzt an sich vorbeiziehen lassen.

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Sportschleier

Körper bleibt vollständig bedeckt — unter dieser Überschrift schreibt Entevau über ein Frauenfußballspiel mit iranischen Spielerinnen, sogar ein Schleier muss während des Spielens getragen werden. Und wo der Mammon zu holen ist, da sind die findigen Verkäufer nicht weit: adidas und Nike haben einen Sportschleier entwickelt, der besonders rutschfest ist. So einen hätte man sich damals für Andy Brehme auch gewünscht.

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Trainer Benjamin

Was bin ich nur für eine Pflaume. Schon so alt und nicht mal bei einer WM hab ich den Trainer gemimt. Anders der Argentinier Juan José Tramutola: 1930 war er als jüngster Trainer bei einer Weltmeisterschaft niedliche 27 Jahre alt. In solchem Alter beginnen Leute wie Harry Koch gerade erst ihre Profikarriere.

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Spiele mit Spuk

Ich weiß, dass ich mich mit dem Folgenden bei „normalen“ Fußballfans unbeliebt machen würde, so diese es läsen:

Während alle Welt pikiert aufschreit, wenn die Eintrittskarten zu teuer sind, es Restriktionen gegen Fans gibt, Stehplätze abgeschafft werden oder Spiele ganz unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden müssen, möchte ich kurz dieses Video von der richtig guten Atmosphäre beim Spiel ADO Den Haag gegen Sparta Rotterdam vorschlagen.

Vielleicht komme ich „zu sehr“ vom aktiven Fußball, als dass ich das Fehlen von Fangesängen hier für dramatisch halten könnte. Zugleich nehme ich an, dass ein Großteil der zumindest jüngeren Fans in Fußballstadien ebenfalls selbst vom aktiven Fußball kommt, kann mich da aber durchaus täuschen. Wer Fußball nur als passiver Konsument kennt, dem kommt dieses Video wahrscheinlich reichlich spanisch vor. Nichtsdestotrotz:

Werden die erzielten Tore etwa weniger schön, nur weil danach keine Menschenmassen aufspringen, Jingles eingespielt werden oder Spieler zu den Fans laufen?

Ist der Ausgang des Spiels etwa weniger spannend, weil es keine Gesangsschlachten gibt, die Masse auf den Rängen nicht brodelt oder die Blitzlichtgewitter den Abendhimmel erhellen?

Dass die Atmosphäre weniger schön, anregend und mitreißend ist, bestreite ich nicht. Das Spiel aber, das Spiel selbst ist doch deshalb nicht schlechter und auch nicht weniger fesselnd, so es fesselnd ist.

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Trauma-Treff

„Sie sind Arzt? Wir brauchen einen Arzt.“

„Ja, ich bin Arzt. Aber ich muss leider weiter, ich kann Ihnen nicht helfen. Nicht jetzt. Ich bin auf dem Weg zu meinen zwei nächsten Fortbildungspunkten.“

Willkommen zum Trauma-Treff. Falls Sie glauben, beim Trauma-Treff einen Angestellten des HSV gesehen zu haben: Nein, das muss eine Sinnestäuschung gewesen sein.

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Mann vergisst Frau an Autobahnraststätte

Es könnte aus dem Schlagzeilomat stammen, es hat sich aber tatsächlich so ereignet. Jonas Kamper wurde von seiner Mannschaft am Stadion vergessen. Schade, dass es mittlerweile Handies gibt, sonst hätte Kamper so wie einst Jens Lehmann mit der S-Bahn von Leverkusen nach Hause fahren müssen. Allerdings würde sich bis Bielefeld eher der RE 1 empfehlen, den erreicht man in Leverkusen vom Stadion aus gut zu Fuß und kann dann direkt bis Bielefeld durchfahren. Musste er aber nicht, hat ja ein Handy.

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Wir sammeln Fanschals

Der Schröder Gerd, erst war er — natürlich — Fan von Hannover 96, landespolitikbedingt, dann war er Fan von Borussia Dortmund, evtl. trotz des ähnlich wie in auf Schalke in Dortmund nur noch dahinsiechenden Arbeitermythos und der Sache mit der SPD, in der er schon immer der wenig sozialdemokratischen Politik verdächtig war, dann war es Energie Cottbus. Die da drüben entschieden schließlich die Wahl 2002 zu seinen Gunsten, da darf es als Dankeschön auch mal ein Fanschal für 9,95 Euro und ein während der Kanzlerschaft so kostbarer freier Nachmittag im Stadion sein.

Durchaus kann man mehrere Vereine haben, denen man sein Sympathien schenkt, aber Fan Sein, das weiß jeder, kann man nur von einem Verein. Jedenfalls so lange, wie man glaubwürdig sein will. Die ganz harte Linie sagt ja sogar, dass man diesen Verein ein Leben lang nicht wechselt. Härtefällen wie Fans vom KFC Uerdingen, Wormatia Worms oder Hessen Kassel wird da vielleicht eher mal ein Wechsel noch zu Lebzeiten verziehen, Fans von langfristig in der Bundesliga spielenden Vereinen jedenfalls nicht, auch wenn das Abschwören groß in Mode gekommen ist. Abschwören bedeutet jedoch nicht, mit dem Herzen zu einem anderen Verein zu wechseln.

Weil Schröder aber offensichtlich nicht weiß, dass man weder den Verein wechseln noch überhaupt Fan von mehreren Klubs sein kann, sammelt er weiter Klubs, als deren Fan er sich ausgeben kann, und ist mittlerweile schon bei deren vier angelangt:

„In Petersburg übte sich derweil Gerhard Schröder als Zenit-Fan.“

Ein Schelm, wer denkt, dass es diesmal keine fußballfremde Motivation für die zur Schau getragene „Liebe“ gäbe.

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