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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Der Sportblogger-Beitrag des Jahres 2010

Liebes Publikum,

einige der im Netz über Sport Publizierenden haben sich schon seit geraumer Zeit auf Initiative von probek zum Sportbloggernetzwerk zusammengeschlossen. Die meisten tragen auch das Logo des Netzwerks auf ihrer Seite, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Dieser noch recht lose, dennoch klar abgegrenzte Verbund an über Sport Schreibenden wählt nun in schöner Tradition des einst von Jürgen Kalwa initiierten Unterfangens den „Sportbloggerbeitrag des Jahres 2010″ – zum zweiten Mal erst überhaupt.

Noch ist die Bundesliga in der Winterpause, und abgesehen von ein paar Transfergeschichten hier und da passiert im (deutschen) Fußball nichts, weshalb wir diesen Zeitraum nutzen wollen, die von uns vorausgewählten Kandiaten in den nächsten Tagen vorzustellen, um anschließend auf Ihre, Deine, Eure Stimme zu hoffen, wer schließlich der Gewinner sein soll.

Die Abstimmung wird dann hier auf der Seite stattfinden, das bedeutet aber keineswegs, dass die ganze Angelegenheit nur eine Trainer-Baade-Angelegenheit ist. Im Gegenteil haben sich einige weitere Leute an dem Unterfangen beteiligt, unter Anderem hat der famose Jens Peters von catenaccio einen kurzen Trailer gebaut, der uns alle in die richtige Stimmung für die Vergabe eines Awards bringen soll — und das hoffentlich auch vermag.

Et voilà:


Sportblogger Beitrag des Jahres 2010 from jot.pe on Vimeo.

Gleich geht’s weiter mit den ersten Vorschlägen.

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Weitsichtige junge Mitdeutsche

Zuerst sollte hier ein kleines, ungewaschenes Rantchen gegen einen der zur Zeit liebsten Kicker derer in den Grenzen von 2010 stehen. Dieser Liebste nämlich macht ganz im Sinne der Tradition seines obersten Seemannes Werbung für ein etwas, das es selten gut mit seinen Lesern meint.

Der Rant hätte ungefähr Folgendes beinhaltet: Ein Unding, dass ihn seine Berater in so frühen Jahren schon verbraten, ihn auch noch ins offene Messer der selbst geouteten Bildungsferne laufen lassen, indem sie ihn sich öffentlich so äußern lassen. Noch dazu wanzt er sich jetzt auch schon an etwas ran, das ihn erst hochjubelt, um ihm bei nächster Gelegenheit einen Strick zu drehen etc. pp., denn er zeigt sich auf Plakaten mit diesem Slogan:

„Den Teil vor und nach dem Sportteil könnt Ihr gerne weglassen.“

Bis dann, plötzlich, die Erleuchtung kam, wie weitsichtig, klug und vor allem mutig dieser junge Mitdeutsche ist, dem Autoren geradezu etliche Meilen voraus:

Er hat natürlich vollkommen Recht.

Einfach den Teil vor und nach dem Sportteil weglasssen! Dem Sportteil selbst noch ein bisschen die Polemik nehmen sowie die gerne gepflegte Einflussnahme aufgrund von persönlichen Vorlieben weglassen, schon hätte man diverse Ärgernisse weniger. Da muss erst so ein junges Bürschchen daherkommen …

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Britische Fußball-Stadien für Olympia 2012

Man merkt, dass die Betreiber der Olympischen Spiele 2012 London tatsächlich als britischen Austragungsort verstehen, im Gegensatz zu einem ebenfalls denkbaren rein englischen: Die Vorrunde des olympischen Fußball-Turniers wird — neben dem Wembley-Stadion in London — in Stadien in ganz Großbritannien ausgetragen werden:

  • Hampden Park, Glasgow
  • Millennium Stadium, Cardiff
  • Old Trafford, Manchester
  • St. James‘ Park, Newcastle
  • City of Coventry Stadium, Coventry

Das kennt man von anderen Olympischen Spielen, dass insbesondere die Fußballer in andere Städte des Landes geschickt werden, welche ansonsten nichts weiter mit Olympia zu tun haben. Auch 2012 wird dies wieder der Fall sein. Mit ein bisschen Pech kann man also 2012 als Fußballer an Olympia teilnehmen, ohne je London zu Gesicht zu bekommen. Andersherum spielt man vielleicht mal in Old Trafford, wohin die meisten der Teilnehmer wahrscheinlich sonst nie kommen würden.

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Eintracht Frankfurt und die Bierpyramide

Es gab eine Zeit, in der es der Bundesrepublik wohl an Geld nicht mangelte. Man bekam das noch so halbwegs mit, als man in den 1980er Jahren zu irgendwie so etwas wie einem Pubertierenden reifte. Die ständig trainierenden Tiefflieger (Kampfflugzeuge waren das, nicht geistige) über dem Vorort demonstrierten schon noch, dass es eine Bedrohung gäbe. Die Bedrohung war ja auch nicht erfunden, sie war real, wenn auch nur im Fernsehen real. „The day after“ lief damals quasi in Endlos-Schleife. Der nukleare Winter. Der radioactive Fallout. Atomgetriebene U-Boote, die monatelang unter Wasser bleiben konnten. Las man.

In dieser Zeit war es üblich, dass jedes Hintertupfingen und auch Rheurdt sein eigenes Hallenbad haben sollte. Man las, dass es nicht um Hallenbad-Völlerei ginge, sondern darum, dem gemeinen Bürger, der sich keinen Pool im Keller des Hauses leisten konnte, eine Schwimmerei zu ermöglichen. Da man so aufgewachsen war, in diesen Begleitumständen, konnte man sich kaum vorstellen, dass es Orte in der Bundesrepublik geben könne, in denen man nicht mit nach Chlor stinkender Haut jeden Samstag wahlweise Freitag unter einem städtischen Haarfön für 50Pf pro Einwurf stünde, der einem die Haare trocknete, nachdem man nach Ringen im Chlorwasser getaucht war, sich mit anderen Menschen Bälle zugeworfen hatte, dicken Rentnern, teilweise damals tatsächlich noch mit nur einem Bein, sie starben ja aus, die Menschen mit von russischen oder amerikanischen oder britischen Granaten abgetrennten Gliedmaßen, damals aber starben sie noch nicht aus, und ebensolchen Frauen beim Schwimmen zugeguckt hatte, während der Bademeister rief, dass man gefälligst nicht vom Rand ins Becken springen solle.

Die größere Variante der Hallenbäder waren die Freibäder. Die hatten unterschiedliche Ausmaße, jenes in diesem Vorort war ziemlich groß, mit einem normalen Becken für Schwimmwettbewerbe, 50 Meter Länge in der Längsseite, 8 Bahnen auf der Breitseite, einem Lehrschwimmbecken, welches ein schöner Euphemismus für ein von sehr jungen Menschen unwillkürlich vollgepisstes Bassin war, dazu ein Turmsprungbecken, ja, sogar ein 10m-Turm war dabei, den hatten die wenigsten bewältigt, wohl aber immerhin den 7m oder 7,5m-Absprungstandort; die nachfolgende Rötung der Haut dauerte noch Tage an, weil einem natürlich niemand erklärt hatte, wie man sich in der Luft zu bewegen hatte. Also Kladderadatsch mit dem Rücken aus 7,5m auf die Wasseroberfläche. 3m war schon lange Standard.

Da war man aber noch jung und traute sich nicht nur Einiges zu, sondern musste sich auch Einiges zutrauen, um nicht vom Rest der Bagage als Feigling gedisst zu werden. Oft glaubt man, früher sei alles besser gewesen. In Wirklichkeit gibt es keine schlimmere Phase im Leben als zwischen 13 und 17. Plötzlich geborene Riesenbabys ohne jegliches Musik- oder Stilempfinden nehmen einen in den Schwitzkasten. Man würde ihnen gerne in die Eier treten. Klappt aber nicht, wenn man von hinten oder von der Seite in den Schwitzkasten genommen wird. Das Problem beim Schwitzkasten ist nicht, dass man schwitzt oder – das zumindest weiß man, es nicht ernsthaft – Angst um sein Leben haben müsste. Es ist der Vollprolet, oft ein Immigrant, dessen Geburtsdatum nach unten gefälscht wurde, weil sich damals in Anatolien ja niemand aufschrieb, wann jemand geboren wurde, also nach unten, well, gefälscht kann man nicht sagen, die Eltern erinnern sich einfach nicht. Das ganze Gehabe, dass ein Geburtsdatum überhaupt eine Bewandtnis habe, dass das überhaupt total albern ist, kommt den wenigsten Mitteleuropäern ja in den Sinn. Oh, mein Neffe hat Geburtstag, ich muss unbedingt noch zu Schenk-A-Shop und 39,90 Euro für ein sinnloses Konstrukt ausgeben, damit ich wenigstens etwas habe. Jahrgänge festzuhalten würde schon eher Sinn ergeben. Konkrete Geburtsdaten: Wer braucht die eigentlich? Für den Grabstein?

Nun, im Jugendfußball ist ein konkretes Geburtsdatum aber doch nicht so verkehrt. Erst Recht nicht in der Grundschule. Man misst gerade 121cm und der gegnerische Bär misst damals horrende 153cm, stinkt auch wie ein Bär, nimmt einen in den Schwitzkasten, ohne Grund, man hat nichts getan, der Bär findet es lustig, dass man nun schwitzt und ein wenig Angst hat. Irgendwann kommt die Lehrerin ins Zimmer, der Bär lässt sofort los. 153cm groß, aber noch immer in der Grundschule. Immerhin, damals, mag jetzt anders sein, noch Respekt vor der Grundschullehrerin. Man wird dann gefragt, wie das mit dem Kondensieren von Wasser tatsächlich abläuft, soll das erklären, kann aber angesichts des eingedrückten Halses noch nicht wieder sprechen.

Später wird man aufs Gymnasium versetzt, Gottseidank, endlich ist man die prügelnden Bären von 150cm los, die noch dazu in Wahrheit 2 Jahre älter waren als man selbst. Man ist natürlich genauso froh, die nicht minder prügelnden Deutschen los zu sein, die sich aber gerne mit einem verbrüderten, wenn man den Ball immer schön in den Winkel schießen konnte. Und laufen, schneller als die anderen. Man hätte nicht man selbst sein wollen, wenn man nicht so schnell laufen hätte können.

Hinter der Turnhalle rauchten sie alle komisches Zeug. Was damals wirklich nur komisches Zeug war, wie Gras (also echtes Gras, von der Wiese, vom Rasen), Dreck, Staub, Holz oder irgendwas Ähnliches. Nur um zu rauchen. Man hätte natürlich auch an der Bude ein, zwei, drei „Lose“ kaufen können, dafür hätte man aber 20, 40 oder 60 Pf haben müssen, die natürlich keiner hatte.

Irgendwann ging es los, die Busse waren bereit. Sie standen aufgereiht wie Gefängniswagen. Man musste sie betreten, man musste einen Platz finden, unten warteten die Aufsichtsbefohlenen. Hätte man dort schon rebelliert, wäre man wahrscheinlich in den damals noch existenten Kerker geworfen worden. So musste man aber die knapp 10 Minuten Busfahrt mit einer Horde von Trampeln (auch weiblichen) überleben, um dann ins eiskalte Wasser geworfen zu werden, mit der Aufforderung, sich in diesem fortzubewegen. Mit dem einzigen Sinn, dass man nach dem Fortbewegen innerhalb des Schwimmbeckens aussteigen würde, um sich dann ein paar Smileys (das waren zu dieser Zeit Fruchtgummiexemplare, keine emotionalen Ikonen) im Restaurant zu kaufen oder gar einen leichten, ersten Flirt mit der Dame vom hinteren linken angeeckten, eingerückten Tisch, die linke von den beiden, zu wagen. Klischeehaft würde man jetzt schreiben: was meistens schief ging. Ging aber gar nicht so oft schief, wie es das Drehbuch nun erforderte, denn es gab ja auch nur ungefähr genauso viele Mädchen in der Klasse wie Jungs. Also ging es maximal so oft schief, wie man Freunde oder Bekannte in der Klasse hatte.

Die zwei-drei Outlaws pro Klasse natürlich ausgenommen. Wobei Outlaws hier niemals positiv gemeint war. Es waren die Vogelfreien, die zur Jagd frei Gegebenen, die man in unmotiviert im Klassenraum herumstehende Schulschränke einsperrte, und nicht mal herausließ, als die Stunde schon begonnen hatte, während der hilflose Lehrer, dessen Phantasie nicht so dreckig war, wie man selbst handelte, den Outlaw nicht mal verbal befreite; Outlaws, die man aus dem Fenster warf (nur im Erdgeschoss), das Fenster schloss und sich einen Ast ablachte, wenn der oder die Outlaw um das gesamte Gebäude herum (denn auf der einen Seite bildete der Zaun das nicht natürliche, aber unüberwindliche Ende der Umrundung) umlaufen musste, um dann völlig abgehetzt und durchgeschwitzt in der Klasse, aber zu spät zu erscheinen und sich von führenden Persönlichkeiten dieser Zusammenstellung von vollkommen durchgedrehten hormongetränkten Halbwüchsigen auch noch Vorwürfe anhören musste, dass er oder sie zu spät gekommen sei, und auch noch Fragen beantworten musste, warum das so sei, dabei hatte man ihn oder seltener sie nur knappe 20 Sekunden vor Eintreffen der Führungspersönlichkeit, und das mit vollem Bewusstsein, mit gutem Gespür für die Zeit, aus dem Fenster geworfen, mit vielen helfenden Händen, die sich der Bösartigkeit ihrer Handlungen durchaus bewusst waren. Die sich der Bösartigkeit ihrer Handlung nicht nur bewusst waren, sondern die genau darauf gewartet hatten, an dieser Bösartigkeit teilzunehmen.

Wer glaubte, dass es auf dem Gymnasium besser würde als in jener Schule, in der man schon mal auf die Mappe bekam, wurde schnell eines Besseren belehrt. Tatsächliche Keilereien wurden seltener. Häufiger wurden jene Anstalten, jemandem durch psychische Drangsalierungen klarzumachen, wo er innerhalb der Gruppe stehe, nämlich ganz unten. Das Aus-dem-Fenster-Werfen einer ganzen Person war nur der Höhepunkt der Entrechtung, der Schikanierung, der Verhohnepiepelung von kleinen, zerbrechlichen jungen Menschen, deren Unglück es war, in eine falsche Konstellation geraten zu sein. Die wenigsten hatten sich ernsthaft etwas zu Schulden kommen lassen, hatten einen Sprachfehler oder eine Hasenscharte. Die meisten hatten gar nichts getan, außer nicht besonders selbstbewusst zu sein. In anderen Konstellationen wäre das nicht aufgefallen, mit ein bisschen Glück für die Fensteropfer. Da wären sie die komischen – damals existierte das Wort noch nicht im deutschen Sprachgebrauch – Nerds gewesen, die aber 2-3 andere Nerd-Freunde gehabt hätten. Das Schicksal spielte also Schicksal, wie es so sein Job ist, und machte in der Klasse 8a das eine Würstchen zum Opfer, während in der Klasse 8b ein ähnlich strukturiertes potenzielles Opfer das Glück hatte, auf 3 andere Jungs zu treffen, die gerne Skat spielten.

Gerettet!

War der eine. Der andere wurde jahrelang gequält. Und warum? Weil es das Schicksal so wollte. Einen Vogelfreien braucht jede Klasse. Ganz selten nur waren die Vogelfreien, die zu Zerfleischenden weiblich. Den Frauen sah man meist nach, dass sie vielleicht seltsam waren, Kleidung aus dem vorigen Jahrzehnt trugen. Wenn sie es waren, seltsam, durften sie alleine in der Ecke häkeln. Stricken, sticken, ein Buch lesen. Man war sich einig, dass auch diese „verquer“ waren, aber man bestrafte sie nicht dafür. Die männlichen Seltsamen mussten Glück haben. Hatten sie das nicht, stand ihnen ein Spießrutenlauf bevor, der so lang dauerte, dass ihn kein Mensch aushalten würde, der nicht entweder sich selbst aufgegeben oder grundsätzlich nichts auf die Meinung der anderen gegeben hätte.

Die schlimmsten Fälle, nein, Suizid, so weit ging es dann doch noch nicht, die schlimmsten Fälle aber hörten auf, überhaupt eine Kommunikation zu wagen. Schlimm im Sinne der Misshandlung, nicht im Sinne der Andersartigkeit der Opfer.

Irgendwann wurde es dann richtig schlimm, und das war jener Moment, als den ersten Männern Schamhaare wuchsen oder sie eine erste (und von da an viele weitere) Ejakulation erlebten. Danach war Land unter, egal, wo oder wie oder wer man war.

Sobald es ums Geknutsche ging, sobald es darum ging, den Mädchen die ihnen eigentlich nicht zustehenden Brüste wieder wegzunehmen, wurde es richtig übel mit der Drangsalierung der Opfer, die nur zufällig in diese Rolle geraten waren. Jede Schmach, die man solch einem leichten Opfer zuteil werden lassen konnte, war eine kleine Erhöhung der eigenen, vermeintlich mächtigen Person gegenüber den Damen, die man nun plötzlich begehrte. Ein Opfer, auf dem man rumhacken konnte, war dabei willkommene Gelegenheit zur Selbsterhöhung. Womit es wirklich finster wurde. Hatten die Jungs ohne weibliches Publikum das Oper noch nur aus dem Fenster geworfen, begann es jetzt, dass man das Opfer derart schikanierte, das nichts anderes verbrochen hatte, als ein Opfer zu sein. Still, schweigsam, womöglich komisch, aber nichts mehr als das. Nicht vorlaut oder frech, einfach nur still.

Wenn die Schule dann auch noch neben einem Freibad gelegen war, in dem man in der 5. und 6. Stunde schwimmen geht, mit dem Sportlehrer, der sehr klein, aber äußerst seriös und äußerst respektiert war, dann fing danach das ganze Unglück an. Menschen, sehr junge, zogen weiblichen Menschen ihre Badeanzüge oder den sehr mutigen Bikins vom Leib. Sie entblößten sie, fanden das witzig. Man sah weibliche Geschlechtsteile, bevor man dazu bereit war, man musste quasi, wenn man in dieser kleinen Republik der Pubertät lebte, all diese Schikanen mitmachen, sofern man nicht der Anführer der ganzen Bagage war.

In eben jenem Schwimmbad, wo es oben genannte Smileys gab, wo es auch Eis und Cola gab, allerdings unbezahlbar vom Taschengeld, wenn man mehr als einmal pro Monat hinging, wurde man dann irgendwann vom Jüngling zum Mann. Nicht im Sinne einer Entjungferung, sondern im Sinne dessen, dass man verstand, dass das ganze Gehaue und Gesteche und Geprotze um die Mädchen letzlich nur einem Ziel diente: ein Mädchen zu bekommen. War man nicht extrem gut aussehend oder aber extrem witzig, musste man schon einiges in die Waagschale werfen, um mitspielen zu können. Das Schlimme beim Mitspielen war nicht, dass es nicht Mädchen gegeben hätte, die einen wollten, sondern dass man von der Bewertung von außen durch die übrigen männlichen Menschen angewiesen war. Es gab Mädchen, die weder einen schlechten Körper noch einen Mangel an Humor hatten, aber sie wirkten so fragil, wie man eigentlich selbst war. Womit klar war, dass sie keine eigentlichen Prinzessinnen sein konnten. Prinzessinnen sind die, die irgendwann, man weiß nicht genau, wann das beginnt, wissen, welchen Wert sie auf dem Markt zu jener Zeit haben.

Das ganze Leben also in einem Freibad, um einen herum nur hormonell übersteuerte Männer, die glaubten, Mädchen mit besonders tollkühnen Sprüngen vom 10m-Turm (oder vom Beckenrand, das war schließlich Auflehnung gegen die Obrigkeit, somit Rock‘n'Roll in Reinform) beeindrucken zu können, es gab auch nicht so übersteuerte Männer, die gingen aber meist nicht mit ins Freibad, weil ihre Eltern der Meinung waren, man müsse unbedingt noch Klavier lernen. Oder Cello. Als wenn je ein Mensch in seinem Leben wieder einmal hätte Klavier spielen müssen und damit etwas Positives bewirkt hätte. Was vormittags Latein war, war nachmittags Klavierunterricht. Die Gemischten, die nicht so laut auf ihrer Brust trommelten, die es aber geschafft hatten, von ihren Eltern die Erlaubnis zu bekommen, ins Freibad zu gehen, waren die, die später auch an der Uni sein würden.

Während die Klavierschüler wie von den Eltern gewünscht lieber eine Ausbildung machten, etwas „Solides“, meist im Bürobereich, niemals aber mehr als 20km von zu Hause weg, waren die von weit oben Herabspringer meist am Ende dann doch nur Gas-Wasser-Scheiße. Was man damals aber nicht ahnen konnte, denn natürlich waren sie überlegen. Sie waren mutiger. Womöglich waren sie auch einfach bescheuerter.

Man saß dann also auf seinem Handtuch, wusste, dass man kein Orang-Utan sein würde, war aber froh, dass man nicht Klavier üben musste. Und dann saßen neben dem Handtuch drei ältere Männer. Älter bedeutet hier: zwischen 22 und 25, somit also sehr alt. Sie hatten auf der selben Schule Abitur gemacht, die man jetzt noch besuchte, aber sie studierten in Frankfurt.

Es gab damals weder Dosenpfand noch überhaupt ein Problem mit Bierdosen. Die Bierdosen, erinnert sich noch jemand?, hatten damals immer nur 0,33l in ihrem Bauch, die perverse Idee einer 0,5l-Dose wurde erst später geboren. Und die drei Herren Studenten hatten massig von diesen 0,33l-Dosen in ihren Kühltaschen. Sie tranken sie aus, begannen irgendwann gegen 14h oder 15h, schlürften immer mehr davon, ihre Kühltaschen schienen unendlich groß zu sein.

Die leeren Dosen aber warfen sie nicht einfach weg, sondern stapelten sie fein säuberlich zu einer Pyramide auf, deren Grundfläche immer größer wurde. Drei Männer, nur 0,33l-Dosen, natürlich wuchs die Pyramide schnell. Schneller als man eigentlich denken konnte. Einer von ihnen trug ein Trikot von Eintracht Frankfurt. Sie waren allerdings uralt mit ihren 23, 24 Jahren und stapelten Dose um Dose um Dose und die Pyramide wuchs.

Irgendwann waren sie von all den kleinen Bieren und der prallen Sonne so geschafft, dass sie einschliefen. Wir raubten weder Bier noch Aufmerksamkeit und fanden uns neben diesen Studenten wieder, deren Hauptbeschäftigung in den Semesterferien es zu sein schien, Bier zu trinken und faul in der Sonne zu liegen. Es war einer der ersten Momente, in denen man Sympathie für Eintracht Frankfurt empfand. Man beschloss, sein Leben nach dem noch extrem weit entfernten Abitur ähnlich zu führen wie diese aus Frankfurt in die Heimat zurückkehrenden Bierdosentrinker und Bierdosenpyramidenbauer.

Ob sie ihr Studium überhaupt geschafft haben, weiß niemand. Klar war aber, dass sie anders als die Jünglinge des eigenen Jahrgangs überhaupt kein Interesse an Frauen, Knutschen oder Bikinis Runterreißen hatten. Sie lagen einfach da und genossen es, wie das Bier die Kehle benetzte und die Pyramide immer größer wurde.

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2011 – das Jahr, in dem Meikel Ballack starb

Ja, es war ein glatter Irrtum, anzunehmen, dass Jogi Löw Eier hätte. Eigentlich ist er ein ganz toller Typ. Er hat den deutschen Fußball von der Nr. 15 oder 16 bei der einen oder anderen EM wieder in die Top 3 der Welt katapultiert. Er als Bundestrainer darf dabei auch aussuchen, wie er möchte, und wie lächerlich wäre Mitleid für Millionäre (ganz unpopulistisch gemeint), die das unglaublich schlimme Schicksal ereilt, nicht mehr bei der Nationalmannschaft mitspielen zu dürfen.

Was Jogi Löw dabei aber anscheinend vergessen hat, ist, dass er so hanebüchene Rezeptmischungen wie „Respekt, Ehre, Treue“ und so weiter als Leitbild der Nationalmannschaft verkaufte. „Ehre, Treue“, Moment, fehlt da nicht noch der Führer-Eid? Mag sein. Was Jogi Löw aber als Marschrichtung bei den Fußballern verkaufen wollte (oder will), ist vor allem eins: Hohle Phrase.

Denn alles, was er von seinen Auserwählten fordert, Teamgeist, Respekt (Respekt!), etc. pp., das fordert er, kann er aber selbst nicht leisten.

Es ist ja keine Neuigkeit, dass er es nicht schaffte, zu seinem eigenen Kapitän zu stehen, als Augenbraue Lahm die Binde von Ballack forderte, mit großer Unterstützung der FOTO natürlich, für die Dick-Augenbraue-Lahm ganz zufällig intensiv Werbung macht, weil er noch nicht genau wusste, wie schwer Ballacks Verletzung sein würde. Weil er ihn eigentlich auch gerne abgeschossen hätte. Aber nicht die s. o. Eier hatte, das auch auszusprechen.

Respekt, Anerkennung, ich war lange Zeit ein großer Fan von Jogi Löw. Wenn er es aber jetzt bis zum Äußersten treibt und nicht mal Michael Ballack mit Respekt, sondern nur mit Verarschungssoße, die Löw schön und seit langer Zeit schon selbst angemischt hat, begegnet, dann war es das mit dem Anhängertum. Natürlich ist er der fotogenste Bundestrainer, den man je hatte, schöner Schal, schönes Hemd mit Hansi Flick.

Wie alt will Jogi Löw noch werden, bevor er endlich lernt, Leute mit Respekt rauszuwerfen? Versteckt sich hinter wohlfeiler Klugscheißersoße und nimmt nicht einmal ein aufrichtiges Wort in den Mund.

Michael Ballack als überflüssiger Kropf in einer Mannschaft von Jungspunden, die sich gut versteht? Mag sein. Man wartet dann gerne auf das nächste Kopfballtor eines Mittelfeldspielers, auf den nächsten verschossenen Elfmeter von Podolski, in einer Situation, in der es wichtig gewesen wäre, zu treffen. Vor allem aber auf „Respekt und Anerkennung“ von einem, der keine Eier hat.

R.I.P. Meikel Ballack.

Man hätte es ihm wenigstens selbst sagen können.

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Die zwei Seiten einer Münze

Muss man sich mal vorstellen: Verloren durch Münzwurf. Ist mir selbst sogar noch in den frühen 1980ern passiert, allerdings war es da offiziell schon abgeschafft. Da läuft man 120 Minuten über den Platz — und dann entscheidet der (nicht-fußball-immanente) Zufall darüber, wer nun weiterkommt. Und das sogar bei Weltmeisterschaften oder Europapokalspielen. Falls irgendjemand noch das Elfmeterschießen als „unsportliche“ Entscheidung ansieht, möge er vortreten und einen besseren Vorschlag nennen.

Das hohe Gremium wird sich dann zurückziehen und beraten, ganz sicher aber nicht wieder zum Münzwurf zurückkehren.

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Ewald Lienens Verletzung

Nach dem großen Weihnachtsfressen dachte die Redaktion, es sei sinnvoll, etwas zu präsentieren, was die Mägen der Leser ein wenig aufräumt. Et voilà: das Video von Ewald Lienens alptraumartiger Verletzung.



Ist natürlich in der Rubrik „Zettel-Ewalds Sammelsurium“ abgelegt.

(PS: Wolfgang Kneib ist Hesse?)

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Das Schönste im ganzen Jahr, das sind die Ferien

Nicht allen bekannt bislang, der eine oder andere mag es auch vergessen haben: Im Sommer fährt man in Urlaub. So wie es im Winter auch schon mal selbst im der Nordsee nahen Rheinland -12°C warm werden kann; dann und wann sogar mal -25°C warm — so herrschen im Sommer dementsprechend auch schon mal kalte 35°C. An einigen Tagen gar 38°C. Im Schatten. Fußball aber spielt man in der Sonne, nicht im Schatten. In Letzterem ziehen die Funktionäre die Fäden, das Spiel selbst findet im gleißenden Licht statt.

Erst krakeelen alle, dass man unmöglich im Sommer in Katar spielen könne, und dann wollen all diese auf einmal selbst hier im Hochsommer im Stadion nach dem dritten Bier mit Hitzeschlag kollabieren. Nun gut, „wir“ haben in Deutschland „die modernsten Stadien der Welt“ inklusive Sonnenschirmbedachung für 80% der Zuschauer. Dass diese Dächer Schnee nicht aushalten, darf nicht zur irrigen Annahme führen, dass Sonne nicht ausgehalten werden könnte. Allerdings: Vom Dach. Von den Zuschauern eher nicht.

Sofern natürlich sie überhaupt anwesend sind, denn sie sind ja im Urlaub. Und die Familie mit x Kindern muss erst noch erzeugt werden (10 solidarische Cent für den Selbigen), bei der sich nicht wenigstens ⅓ von x gar nicht für Fußball interessiert und deshalb kein Verständnis dafür aufbringen könnte, von nun an stets nur im Winter in Urlaub zu fahren und Impressionen aus Sommerurlauben nur noch von den Postkartenansichten der Familien mit fußballfernen Vätern zu kennen.

„Gut“, kann man einwenden, „gut“, und meint damit: Mitten in der Saison wird ja nichts entschieden, da kann man gerne mal auf 2-3 Partien verzichten. Zudem das Internet — Streams sind überall, sofern Internet auch da ist. Und mancher wird sich auch sagen, dass es gut tut, das Elend mal eine Zeitlang nicht ertragen zu müssen, von 18 Vereinen führt schließlich stets nur einer die Tabelle an.

Dann aber, wenn es soweit ist, und es kein Zurück mehr gibt, wird den Krakeelern erst gewahr werden, was es bedeutet, 2-3 Wochen nicht nur dieser einen Ausnahme-Saison, sondern von nun an alle Saisons nicht mehr live erleben zu können: Es gibt keine Serien von 40 Jahren ununterbrochenem Heimspielbesuch mehr, es gibt nicht mehr die Möglichkeit, bei der einen einzigen Meistersaison innerhalb von 40 Jahren jedes Heimspiel gesehen zu haben. Niemand wird mehr in der ganzen Saison dabei gewesen sein, sofern er nicht schwere Verluste im privaten Bereich hinnehmen möchte. Ob nun den der gesamten Ehe und Kegel oder auch nur den, Kinder erwachsen werden zu lassen, die Schnee für erholsam halten, Sand hingegen für so selten wie Schnee in der Elfenbeinküste. Was beides natürlich nicht stimmt.

Am wichtigsten allerdings ist es, jene Tatsache zu erwähnen, die keiner ausspricht, weil sie jeder für sich selbst natürlich weit von sich weist: Ein WM- oder EM-Turnier alle zwei Jahre zu verfolgen kann man einrichten, weil man langfristig planen kann, weil sich im Büro plötzlich alle für Fußball interessieren. Weil man sogar unter der Woche schon einen Fernseher auf der Arbeit aufstellen darf oder in den vorangegangenen Wochen ein bisschen vorgearbeitet hat. Bei einem bzw. ganz vielen regulären Bundesliga-Wochenenden aber wird kein Hahn, kein Chef, keine Tippspiel-Gewinner-Sekretärin und erst recht kein innerer Schweinehund, der eigentlich jetzt wenigstens dieses eine Wochenende lieber komplett im Freibad oder im Ferienhäuschen, an der Nordsee oder am Baggersee verbracht hätte, danach krähen, dass nun mal jetzt schon wieder Bundesliga ist — so wie von da an an jedem Wochenende.

Ermüdet wird man sich nach dem einen Kaltgetränk das nächste wünschen, aber man wird dann doch nicht mehr ins Stadion aufbrechen. Vom See kommt man auch nicht rechtzeitig zur Sportschau (guckt die eigentlich überhaupt noch jemand?) heimkommen, weil es auf dem Parkplatz des Baggersees Stau gab und die Zeit, die nicht zuletzt durch die Hitze und die viele freie Haut auch zu anderen Beschäftigungen als Fußball gucken animiert, wird dann doch nicht damit genutzt werden können, was ein jeder braucht, der sich die Spannung und Vorfreude zu erhalten wünscht: Eine Pause.

Stattdessen sitzt man im Winter am Wochenende vor dem Kamin, schaut aus dem trüb gewordenen Fenster auf die neblig-verschneite Landschaft und gähnt. Gähnt noch einmal. Sehr lange, ein Gähnen von Ende November bis Anfang März, eine Zeit, in der man sich früher auf Spieltage freute, Ergebnisse und Aufstellungen studierte, die Livespiele genoss und immer noch auf Punkte hoffte. „Anna Karenina“ ist auch in der neu übersetzten Version irgendwann ausgelesen und man legt noch ein Hölzchen in den Kamin nach.

Nach einer Weile ein weiteres.

Es ist das einzige, was in der ganzen dunklen Zeit knistert.

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Schimmi anne Wedau

Total unrealistisch: Kein einziger Türke.

Und dann auch noch ne Kiste Tuborg. Tuborg! Die Jungs trinken KöPi, nicht Tuborg. Man, man, man.



Und wer ist der Schauspieler, der den Mötörhead-Kuttenträger spielt? Den kennt man doch heute auch noch? Nur ich nicht.

Es war schon ein unglaublich hässlicher Kasten, das alte Wedaustadion. Ich fühle jetzt noch das Wasser in den Schuhen nach der 2:3-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt. Vollgeplästert bis oben hin. Da konnte auch Piotr Reiss nix mehr reißen. Zwei, drei Mal auf der Pressetribüne, da ging’s noch, einmal UI-Cup gegen Cork City. Nie wieder konnte man reinrassigere Viererketten mit eigenen Augen sehen als oben auf der Pressetribüne gegen Cork City.

Ansonsten rechts, Gegengerade neben dem „Marathontor“. Meistens hatte man den Block für sich allein. 25.000 plus X. Lächerlich.

Weil „Schimmi“ fragt: Gibt nicht so viele MSV-Fans.

Verblüffend allerdings: Die MSV-Fans können alle Hochdeutsch. Ich sach ma so: Dat glaub ich nich.

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Infografik: Typ des „Tor des Monats“

Da zum Jahreswechsel herum mal wieder die Frage nach dem „Tor des Jahres“ ansteht, welches sich nur aus den 12 oder weniger Toren des Monats in diesem abgelaufenen Jahr rekrutieren kann, ist es doch ganz nett, sich kurz zu fragen, welche Art von Toren welche Anteile an den Toren des Monats aufweisen:

Welche Tore wählt der Michel denn zum „Tor des Monats“? Die Antwort muss lauten: jene, die die Redaktion der Sportschau ihren Zuschauern zur Wahl stellt, denn andere kann er nicht wählen. Von den dann vorhandenen, zur Auswahl gestellten aber wählt der Michel vor allem zwei Sachen gerne: Distanzschüsse und Volleyschüsse, letztere noch untergliedert in Seitfallzieher, Fallrückzieher und sonstige Volleyschüsse.

Alle andere Tortypen laufen seit der Existenz dieser Wahl zum Tor des Monats unter ferner liefen, was aber auch an dem/n Autoren des Wikipedia-Beitrags zum „Tor des Monats“ liegen könnte, denn dessen Klassifikation der Tore, die sich durchaus teilweise überschneidet, bildet hier die Grundlage der Daten, wirkt aber etwas unterdiversifiziert, um die Realität ausreichend kleinkörnig abzubilden.

Wie dem auch sei, so sieht die Verteilung aus:


[photopress:tor_des_monats_verteilung2.jpg,full,centered]

Im Einzelnen sind das noch mal als absolute Zahlen:

  • Volleyschuss 152
  • - davon Fallrückzieher 58
  • - davon Seitfallzieher 32
  • Distanzschuss 111
  • Solo 58
  • Kopfball 42
  • - davon Flugkopfball 17
  • Freistoß 37
  • Hacke 19
  • Heber 10
  • Doppelpass 7
  • Abstauber 6
  • Eigentor 2

Man sieht, der Michel ist immer dann beeindruckt, wenn ein Fußballspieler den Ball direkt abnimmt und damit dann wahrscheinlich noch aus mittlerer Distanz genau in den Winkel trifft. Okay, so definieren sich „Tore des Monats“ nun mal, und dass die Rubrik „schön herausgespielt“ bei der Datengrundlage nicht existierte, kann man den Wählern nicht vorwerfen. Wahrscheinlich gibt es aber ohnehin nur wenige Exemplare davon in diesen massigen Toren des Monats, was entweder kein gutes Licht auf das Fußballverständnis des Michels, auf die Auswahlkriterien der Sportschau-Redaktion oder aber ganz simpel auf die fußballerische Qualität der Bundesliga wirft.

Außerdem traurig: der Flugkopfball scheint auszusterben. Die ohnehin nur geringe Zahl an Toren des Monats dieser Art ist hauptsächlich „früher“ zu finden, in den letzten Jahren gab es solche Treffer – in dieser Liste – gar nicht mehr. Schade, wirklich schade, denn Flugkopfbälle, früher auch mal „Torpedo-Kopfball“ genannt, sind zwar meist ebenfalls nicht schön herausgespielt, aber sehenswerter als der x-te Distanzschuss.

Insgesamt bleibt die Vorauswahl aber nicht in der Hand der Wähler, das sollte nicht vergessen werden, sondern in den Händen der Redaktion. Welche Kriterien dabei angewendet werden, wollte diese aber nicht verraten, denn auf meine Frage an die Redaktion nach den Kritierien der Auswahl kam folgende Antwort:

[…] Für die Auswahl der Tore und die Festlegung der Kriterien ist die Redaktion der ARD Sportschau (in unterschiedlicher Besetzung) zuständig. […]

Ach? — Eine Non-Antwort also. Vielleicht, wie man es von Vielen mit dem Fußball Beschäftigten kennt, sorgte die Frage nach „Kriterien“ bei solch einer Auswahl schon für ordentlich Fragezeichen in den Köpfen der Beteiligten. Vielleicht aber auch nicht.

Demnächst wieder: Tor des Jahres 2010 — ein Distanzschuss. Wetten?

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Gewinnspiel: Fußball vom anderen Stern

Letztens hatte ich mal wieder beruflich mit einem Menschen aus den USA zu tun. Weil ich Sport sehr mag (außer Motorsport, Reitsport, Leichtathletik, Schwimmen, Volleyball, Handball, Golf, Bogenschießen, Tischtennis, Extremsportarten, Badminton, Ski foan, Rodeln, Billard, Kickern, Cricket, Brennball, Schwerathletik, Kartenspiel, Strip Poker, Nordische Kombination, Eisschnellauf, Eiskunstlauf, Wasserball, Hurling, Völkerball, Baseball, Basketball, Tennis etc.) unterhielt ich mich wie immer in solchen Fällen über Sport.

Wie denn American Football sei, fragte ich ihn — einfach oder kompliziert?

Well, it’s very easy, of course.

In Erinnerung des Regelbuchs des American Footballs, welches ich mir einst auf dem Trödelmarkt kaufte, welches wiederum durchaus mehrere Handbreiten erreichte, wurde ich etwas skeptisch, welchen Begriff von „easy“ dieser Mann wohl haben würde.

Um dies zu prüfen, stellte ich die Frage, wie schwierig oder nicht so kompliziert denn der nachweislich simpelste Sport der Welt (außer Geradeauslaufen) namens Fußball sei:

„Der is natürlik sehr kompliciert“, sagte er. „Ik verstähe imme nok nit so ganz.“

Womit klar war, dass er einerseits vollkommen falsch lag und gleichzeitig vollkommen richtig.

American Football ist sehr schwierick, aber nicht, wenn man damit aufwächst.

Fußball hingegen ist sehr einfach, aber nur, wenn man ihn versteht.

Womit wir dann beim Thema wären, nämlich beim Thema, diese drei DVD-Versionen von „Fußball vom anderen Stern“, gesprochen vom fanzastuösen Jörg Wontorra, unter die Leute aka Leser hier zu bringen. Das Video wird seit gestern auch auf deutsch verlegt, der Atlas-Verlag in Duisburg erwarb dessen Rechte und produzierte auch eine deutsche Version, mit Jörg Wontorra als Sprecher, wie gesagt.

Und weil der Atlas-Verlag in Duisburg nicht allzu fern meiner eigenen Heimat sitzt, gibt es nun diese Möglichkeit, hier eine von drei DVDs käuflich gewinnspielartig zu erwerben.

[photopress:OIAL_DVD_Pack_05_72dpi_1.jpg,full,alignleft]Die DVD ist toll, und sehenswert. Jörg Wontorra fällt dabei gar nicht negativ auf.

Wer also eines der drei hier zu verlosenden Videos haben möchte, schreibe bitte eine kleine respektive kurze Geschichte, wie und wo und warum er mit dem US-Fußball in Kontakt gekommen sei.

Meine eigenen Geschichten vom Anflug auf New York, wo überall Fußballplätze zu sehen waren, und jene Geschichte in „Little Italy“, als ich Teamfotos des AC Mailand im Schaufenster sah, folgen dann später.

„Fußball vom anderen Stern“ taufte der Atlas Home Entertainment Verlag in Duisburg das eigentlich „Once in a Lifetime“ betitelte Stück. Ihr erzählt mir eine Geschichte mit dem US-Fußball, ich schicke Euch die DVD des Films. There you go.

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Turnen! Schießen! Sportfischen!

Tatsächlich ist der Fußball ein Totschlagargument.

Und zwar für alle übrigen Sportarten, was man seit ca. 10-15 Jahren wunderbar im „Aktuellen Sportstudio“ sehen kann, in dem höchstens mal ein Formel-1-Weltmeister oder ein Olympiasieger eingeladen wird, wenn es darum geht, Gäste abseits des Fußballs zu finden. Berichtet wird über andere Sportarten eigentlich gar nicht mehr, was man an dieser Stelle, obwohl man viele andere Sportarten obskur und teilweise auch wider die Natur der menschlichen sowohl Psyche als auch Physik empfindet, bedauert.

Immer nur zu Olympia mal sehen, dass andere Sportarten auch unfair, langweilig und vom Zufall abhängig sein können, ist ein bisschen zu wenig, insbesondere für jene Menschen, deren innere Uhr langsamer (oder schneller?) läuft als unsere: den Kindern nämlich. Die können sich doch vier Jahre nach ihrem Siebensein nicht mehr daran erinnern, wie sie noch als Siebenjährige waren, geschweige denn, was sie damals getan haben. Und auch nicht, was sie getan hätten, wenn sie denn selbst hätten aussuchen können. Im Sport zum Beispiel. Als Siebenjähriger darf man aber nicht selbst aussuchen, als Elfjähriger hingegen ist es meist zu spät, um noch ein erfolgreicher Sportschütze, Sportfischer oder Sportturner zu werden. Was vielleicht nicht wirklich bedauerlich ist, aber Biathleten sollte es vielleicht schon geben, Hockeynationalmannschaften mit Hockeynationalspielern daherrinnen ebenso wie auch Schwimmer und natürlich Dressurreiter und -reiterinnen — alles immerhin mit dem olympischen Medaillenspiegel zu rechtfertigen (wenn auch wiederum nur alle vier Jahre).

Weil das nun mal so ist, der Fußball ein Totschlagargument, er mittlerweile sogar bei den Mädchen ordentlich räubert und weitere andere Sportarten damit tot macht, hätte man eigentlich gedacht, dass es gänzlich obskure Sportarten abseits des Lesen, Reiten, Schwimmen gar nicht mehr gibt. Doch weit gefehlt, wie diese Auflistung der Mitgliederzahlen des DSB aus dem Jahr 2003 zeigt:

Fußball tatsächlich mit weitem Abstand vorne, aber dann gibt es noch einmal fast genauso viele Turner! Dazu sind die Schützen an 4. Stelle! Und die Sportfischer noch lange vor Schwimmen!

Vielleicht doch ganz gut so, wenn das „Aktuelle Sportstudio“ seine Berichte nicht der Zahl der Ausübenden eines Sports proportional auf die Sportarten aufteilt. Dennoch: Ein Volk von Wahnsinnigen, offensichtlich; bei dem das Totschlagargument Fußball noch eins der besten ist, bei den Alternativen, die das Volk offensichtlich gerne und freiwillig auswählt.

Aber was will man schon erwarten in einem Land, dessen Bevölkerung sich für einen Sternenhimmel als Plakat zur selbst ausgerichteten WM entscheidet.

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