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Autor: Trainer Baade

Loslassen können

„Ich kann nur den Hut davor ziehen, was viele Trainer leisten und wundere mich, dass es nicht mehr trifft, die über Erschöpfungssymptome klagen.“

  • Da hätten wir Michael Skibbe. Kam angeblich häufig zu spät zum Training in Frankfurt, war ohnehin kein Weltmeister darin. Also kein Trainingsweltmeister.
  • Michael Oenning, ihm sagen Medien nach, ebenfalls häufig als Letzter zum Trainingsplatz gekommen zu sein. Als er ein Konzept vorlegen sollte, hatte er keins. Zu viel regeneriert oder im Stress vergessen?
  • Wie Rudi Völler („Eine Stunde Training, danach Playstation spielen“) trainieren ließ, ist (nicht erst) seit Philipp Lahms Buch bekannt.
  • Armin Veh, wird als Trainer in Frankfurt verpflichtet, wo nach einem Abstieg der neue Kader für die sehr früh beginnende Zweitligasaison noch nicht feststeht — und fährt erstmal in Urlaub.
  • Louis van Gaal weilt in einer Länderspielpause während seines Engagements beim FC Bayern München statt auf den Trainingsplätzen der Säbener Str. lieber in seinem Feriendomizil in Portugal.

Die Liste ließe sich inbesondere mit Namen aus nicht ganz so aktuellen Zeiten endlos fortführen (besonders lesenswerte Beispiele des Loslassenkönnens gerne in den Kommentaren).

So viel Kritik wie es Ihnen jeweils einbrachte: Ihrer Gesundheit wird das jeweilige Verhalten nicht geschadet haben. Und nur weil der Chef nicht anwesend ist, muss das ja nicht bedeuten, dass die zu erledigende Arbeit nicht getan wird.

Delegieren heißt das Zauberwort.

Wobei es zugegebenermaßen etwas problematisch ist, wenn der eine Ahnungslose (Völler) an den anderen Faulpelz (Skibbe) delegiert. Da bleibt dann doch das eine oder andere liegen (z. B. Eckbälle, aber das ist ja selbst bei Löw noch so).

In allen anderen Fällen aber ist die Bundesliga, Fußball allgemein, so wie eigentlich ohnehin alles Berufliche ergebnisorientiert.

Entscheidend ist, was hinten dabei rauskommt.

Man darf elf Jahre lang im Training acht gegen acht spielen lassen und die Spieler ins Stadtcafé einladen, rauchend in seinem Kabuff sitzen oder sich zu Weißbier-Connections zusammenschließen, so lange die Mannschaft die nötigen Punkte holt.

Und so ärgerlich es auch für die jeweiligen Fans sein mag, zu sehen, wie wenig Gegenleistung einzelne Trainer für die horrenden Gehälter liefern:

Eine gewisse Sympathie für die oben Genannten mit ihrer Nonchalance insbesondere im Vergleich zu den Oberstrebern der Zunft kann ich nicht verhehlen.

Ich hab allerdings auch keine schlaflosen Nächte, wenn Eintracht Frankfurt dann schließlich in den Brunnen gefallen ist … und ärger mich immer noch über die seit Jahrzehnten nicht existenten Standards in der Nationalmannschaft …

(Ganz abgesehen davon ist Pünktlichkeit ohnehin überbewertet. Korreliert wahrscheinlich schwach bis gar nicht mit Leistungsmotivation und anderen für das Ergebnis entscheidenden Merkmalen. Können viele in Deutschland aber einfach nicht glauben, ein Sozialisationsdefekt.)

Wenn der eigene Trainer das nächste Mal wieder in Urlaub fährt, statt weiter zu trainieren und über Strategien und Aufstellungen zu brüten: Vielleicht ist er dafür am nächsten Spieltag umso frischer. Länger erhalten bleibt er der Mannschaft auf die Art ohnehin.

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Rangnick, der Android

Sollte zutreffen, was die SZ heute zitiert, wäre es endlich klar. Nicht Don Jupp ist der Android unter den Bundesligatrainern, sondern Ralf Rangnick. Wer hat nur das Passwort verlegt? HAL, Du schon wieder?

[photopress:Der_Koerper_ist_ausgeloggt.jpg,full,centered]

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Currywurst im Glückauf-Club

Vorab schon mal schnell die Wertung: Fünf von fünf möglichen Brötchen zur Currywurst für den Glückauf-Club, alles super. Es muss also hernach niemand aufschreien oder mich irgendwohin einladen. Der Glückauf-Club ist perfekt, wie er perfekter gar nicht sein könnte. Allerhöchstens einige klitzekleine Details könnte man verbessern, aber darauf müssen die Betreiber schon selbst kommen.

So, also: Eine Einladung in den Glückauf-Club der Arena auf Schalke, jaja, die jetzt anders heißt, statt zu verpixeln nehmen wir einfach den vorigen Namen, stand ins Haus. Schön, wenn sich alte Bekannte an die Fußballleidenschaft des Autors erinnern. FC Schalke 04 gegen Borussia Mönchengladbach lautete die Paarung, zu einem Zeitpunkt, zu dem Borussia Mönchengladbach anders als sonst in den letzten 25 Jahren üblich nicht gegen den Abstieg kämpfte, was allerdings auch damit zu tun gehabt haben könnte, dass die Saison noch sehr jung war.

Wer in den Glückauf-Club eingeladen ist, der darf näher am Stadion parken als die Infanterie, weshalb der Fußweg zum Einlass zwar deutlich kürzer ist, die Anfahrt dennoch nicht schneller bewältigt wird. Denn der Stau im Umfeld des Stadions setzt schon Stunden vor Anpfiff ein und in diesem steht man auch als elitärer Glückauf-Club-Besucher. Jenem Club, welcher übrigens Sponsoren vorbehalten ist, bzw. deren Mitarbeitern und eventuellen Gästen, wie ich es einer an jenem Nachmittag war.

Der kurze Weg zum richtigen Eingangstor durch den selbst im August schon vorhandenen Nieselregen von Geilistirinkirkin ist schnell bewältigt, einige Treppen und im Nu blickt man in die Augen der nicht ganz so wie in der Loge der Allianz-Arena strahlenden Hostessen. Klar, man ist ja erstens nur Glückauf-Club-Besucher (und nicht VIP-Logen-) und zweitens in Geilistirinkirkin. Zum Einlass erhält man bei Vorzeigen der Karte ein schnödes, für Fanboys vielleicht auch schönes Bändchen um den Handknöchel und schwupps ist man drin, im Glückauf-Club.

Main Street #13: Room with a view
Ein Foto, das nichts mit dem Inhalt des Beitrags zu tun hat, es soll lediglich das Lesen erleichtern. Na gut, ein bisschen curryfarben ist das Haus schon.
photo credit: kevindooley

Darin sitzt man wie in einem großräumigen Restaurant, jeweils recht schmal bemessene Vierer-Tische in Reihen aneinander, davon vielleicht 100 an der Zahl im gesamten Saal. Rechts der Tür eine Bar, das nicht ganz so umfangreiche Buffet links zur Tür. An beiden Seiten kann man aus dem Glückauf-Club heraus an den tatsächlichen Logen vorbeistromern und Einblicke erhaschen, welcher Dagobert darin gerade seinen Kindern einen besonderen Geburtstag spendiert oder ob man vielleicht doch einen C-Promi oder -Ex-Spieler entdeckt. War zumindest an jenem Tage nicht der Fall.

Von überall aus ist der Blick — wie in den neuen Arenen üblich durch eine Glaswand — ins Stadion möglich, wobei man sitzend oder etwas weiter weg stehend nur die anderen Tribünen sieht, nicht die Spielfläche. Für die gesamte Dauer des Aufenthalts sind Kost und Logis frei. Die Kost besteht aus nicht weiter erwähnenswerten, aber schmackhaften Speisen samt obligatorischen Currywürsten sowie Getränken. Logis findet man eine Ebene höher als in diesem Zwischenrang, immerhin in einem Sessel, und nicht auf einem einfachen Klappsitz.

Um wenigstens ein bisschen Disneyland zu verbreiten sind die Kellnerinnen und Kellner in diesem Glückauf-Club alle in Pütthemden gekleidet, zudem befinden sich die Deckenlampen in Behältnissen, die an Körbe einer Kaue erinnern sollen. Wo Schalke draufsteht, muss schließlich aussehen wie Schalke.

Die Sponsoren und -gäste treffen sich also zum gemeinsamen Kauen, ah, Entschuldigung, Essen vor dem Spiel und so hat trotz Anstoßzeit um 17.30h ein jeder punktgenau zu Anpfiff einen vollen Magen, welchen er wie bereits erwähnt samt Magenbewegungsvorrichtung, genannt Körper, noch eine bis zwei Etagen weiter nach oben bewegen muss.

Nach dem Spiel kann man je nach Verlauf und dementsprechender Laune oder bei fußballerischer Neutralität auch davon losgelöst weiterschlemmen und Kehlen benetzen, wobei im Glückauf-Club auf einer Minibühne Spielerinterviews durchgeführt werden. Dafür stehen allerdings nur nicht eingesetzte Ersatzspieler bereit, die echten Raúls und andere Wunderstürmer begeben sich wohl in den Bauch der Haupttribüne, während der Glückauf-Club sich schließlich in der Gegengerade befindet. Die tatsächliche Pressekonferenz wird zwar auf den an den Wänden hängenden Großleinwänden angekündigt, dann aber doch nicht gezeigt.

Wer sich wundert, warum die Sitzplätze der Logengucker oft freibleiben: Auch innerhalb des Glückauf-Clubs kann man das gesamte Spiel auf dort angebrachter Leinwand verfolgen und hat trotzdem den originalen Stadionanfeuerungston der Fans im Ohr.

Zweitens entsteht beim Nachobenwälzen der vollgefressenen Bäuche schon einmal ein kleinerer Stau auf der Außentreppe, so dass man selbst mit gutem Willen und rechtzeitigem Losgehen zu spät ankommen kann. Das Argument, dass man während der Pause ja auch auf seinem Platz bleiben könnte, zählt nicht, denn natürlich muss man, selbst wenn man nicht im Glückauf-Club Freigetränke kredenzt bekommt, während der Pause aufs Klo. Fußballschauen. Abpfiff, die Bäuche wieder runter gerollt.

Nach einigen weiteren Gläsern des Rumlungerns beschließt die Gesellschaft, dass im Glückauf-Club nichts mehr von Belang passieren wird, alle Mägen gefüllt und alle Tabellenstände ausgerechnet sind, so dass man sich zu den praktischerweise, siehe oben, direkt vorm Stadion geparkten PKW begeben kann, welche dann, siehe oben, natürlich im selben langen Stau stehen wie alle anderen, obwohl der Abpfiff schon einige Zeit zurückliegt.

Losgefahren gegen 14h, Rückkehr gegen 21.30h — ganz schön lange für ein nicht mal sonderlich gemütliches Essengehen. Beim nächsten Mal wählt der Autor lieber wieder einen normalen Platz/Stehplatz, da hat man deutlich mehr von der Atmosphäre des Spiels. Allen, denen der Glückauf-Club verwehrt bleibt, sei gesagt, dass sie nichts verpassen.

Currywurst gibt’s auch an der Bude an der Ecke und das Spiel erlebt man auf anderen Plätzen besser.

tl;dr Der Glückauf-Club ist ein Restaurant in der Arena auf Schalke, in dem man bei entsprechender Einladung kostenlos essen und trinken kann, nebenan läuft Bundesliga in echt.

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Fublos D

Fußballblogger’s Disease, die, zu deutsch zwar offiziell „Fußballbloggerkrankheit“ genannt, wegen Sperrigkeit dieses Ausdrucks aber gerne aus dem englischen verkürzt zu Fublos D.

Gefährliche kognitiv manipulierende Erscheinung, tritt ohne Vorwarnung, bei längerem Bloggen aber mit größerer Wahrscheinlichkeit auf, unter Einfluss derer zwanghaft alle sensitiv wahrgenommenen Reize vor, während und nach einem Fußballspiel auf Blogtauglichkeit untersucht werden; kann vom unter Fublos D Leidenden willentlich über längeren Zeitraum nicht abgestellt werden; führt dazu, dass der unter Fublos D Leidende ein Fußballspiel selbst weder in seiner Gänze wahrnehmen, geschweige denn genießen kann.

Bewirkt konträr zur verbreiteten Annahme jedoch nicht, dass tatsächlich Blogtaugliches gefunden wird. Bei schwererem Verlauf kommt es zur völligen Amnesie bezüglich des zuvor gesehenen Fußballspiels.

Äußerungen Betroffener finden sich z. B. hier:

„Ich hab zwischendurch den Blog eine Zeit lang ruhen lassen und gemerkt, wie erholsam es ist, ein Spiel gucken zu können, ohne sich alle Sekunde zu denken, was davon kann ich wie verwerten …“

Sowie ohne Quelle, aber verbriefte Aussagen anderer Fußballblogger, die …

„… endlich wieder ein Spiel schauen wollten, ohne krampfhaft zu überlegen, was man darüber bloggen könnte.“

Nur wenige Fußballblogger sind resistent gegen diese bei langfristigem Verlauf für das betriebene Fußballblog tödliche Krankheit. Einzig bislang bekanntes Gegenmittel ist eine längere Blogpause oder ein Themenwechsel innerhalb des Blogs, wodurch der Betroffene nicht mehr zur Gruppe der Fußballblogger gezählt wird und nicht mehr an dieser Krankheit leiden kann.

Fublos D trifft insbesondere die Subspezies der Vereinsblogger, weniger die artverwandte Spezies der Fußballkulturblogger.

Wird von Außenstehenden meist als irrationale Erscheinung, über die man leicht mittels Alkohol oder einer Einstellung à la „sich einfach mal nicht zusammenzureißen, sondern das Spiel schauen“ hinwegkommen könne, fehlinterpretiert.

Ähnlichkeiten mit der schon länger bekannten „Live-Blogger’s-Blindness“, bei der ein gerade ein Spiel livetickernder Publizist hinterher keinerlei Auskunft über die Qualität des live-getickerten Spiels geben kann, legen gemeinsame Wurzeln der Störungen nahe. Diese Annahme bedarf aber noch weiterer Erforschung.

Solche ist bis zum ersten medizinischen Kongress zu dieser Art kognitiver Aufmerksamkeitsstörungen bzw. kognitiver Zwangsstörungen geplant, Ergebnisse können aber nicht garantiert werden. Dr. Socrates hat seine Schirmherrschaft für diesen ersten Kongress bereits zugesagt.

Fußballblog-Anfänger halten sich meist für ganz besonders immun gegen Fublos D, stoßen vielen Beobachtungen zufolge aber inbesondere bei laut vernehmlich geäußertem Glauben an die eigene Immunität eigenartig schnell in Bereiche vor, in denen schon von Fublos D die Rede sein muss.

Alternative Strategien zur Bekämpfung der Fublos D als die oben skizzierten sollten dringend entwickelt und getestet werden. Entwarnend darf ergänzt werden, dass eine umfassende Genussfähigkeit eines Fußballspiels nach — oft ohne äußeren Anlass auftretendem — Verschwinden von Fublos D nach nur wenigen Stunden wiederhergestellt wird. Berichte über bleibende Schäden durch Fublos D sind bislang nicht verzeichnet worden.

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Ach, Loddar

Ist es wegen der Frauen?

Nein, es ist schlicht seinetwegen.

(Wobei die Vorstellung natürlich ihren Reiz hat, dass in einem Paralleluniversum der Franz zum Loddar geschrieben würde und der Loddar stattdessen fragt, ob heut scho Weihnachten ist und für die Außenstehenden die WM nach Deutschland holen durfte etc. pp. Weil die Parallelwelt niemals mit dieser hier die Wege kreuzt, hat die Vorstellung ihren Reiz. Anderenfalls.)

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Früher vs heute, die wirre Version

Man muss Verständnis haben für die alten Säcke, dass sie nicht einfach sagen: Okay, heute verdienen die Jungs wesentlich mehr und sie spielen auch noch viel besser, viel schneller und überhaupt hätten wir von damals heute keine Chance. Warum man dafür Verständnis haben muss, ist mir zwar noch nicht eingefallen, aber versuchen wir es doch einfach mal, aus dem viel zitierten Respekt heraus, den manche so gerne beklagen, wenn er fehlt.

Einer der alten Recken trägt allerdings auch nicht gerade dazu bei, dieses Verständnis aufzubringen, was daran liegen könnte, dass er selbst nicht versteht, was er eigentlich sagen möchte. Auf diesen früher-heute-Vergleich der Leistungen der Fußballer angesprochen, antwortet Norbert Nigbur jedenfalls das Folgende.

Bei der These, dass der heutige Fußball viel schneller daher kommt, reagieren Spieler aus Ihrer Generation immer sehr empfindlich.

Diese Aussage macht mich auch fuchsteufelswild. Technisch waren wir eindeutig überlegen. Oder gibt es heute noch einen Stan Libuda? Das ganze System hat sich doch verändert. Damals hatte man als Stürmer kaum Freiräume, dafür hat schon der Libero gesorgt. Klaus Fischer wäre auch heute noch Torschützenkönig.

Wie beim Geblitztwerden ziehen wir einige KulanzlückeninderArgumentation ab, weil der fuchsteufelswilde Norbert Nigbur hier möglicherweise verkürzt wiedergegeben wird. Vielleicht hatte er im originalen Gespräch noch einige Bindeglieder zwischen seinen Hauptsätzen eingefügt, die dem ganzen einen nachvollziehbaren Sinn verliehen. Da dies nicht eindeutig zu klären ist, wenn man nicht wieder Emails schreiben will, auf welche mit vorgefertigten Textblöcken geantwortet wird, belassen wir es bei dieser Kulanz.

Und dennoch bleibt nicht viel über, was man verwerten könnte, dabei hatte man (das ist hier: ich) lange Zeit geglaubt, Norbert Nigbur sei auch deshalb ein wenig sympathisch, weil er nicht so von Ehrgeiz zerfressen war und sogar Zeit für eine lustige Schallplatte aufbrachte, während er eigentlich noch im Saft stand und die Stürmer, die auf sein Tor zueilten, keine Freiräume hatten, weil schon der Libero dafür sorgte.

Lassen wir auch die Frage am Wegesrand liegen, was er damit sagen will, dass es heute keinen Stan Libuda mehr gibt. Natürlich gibt es keinen solchen mehr, er ist ja tot und unter der Erde, wobei es eben auch keinen Nachfolger gebraucht hätte. Jede Zeit hat ihre eigenen Helden und so darf man zur Verteidigung des Nigburschen Geschwafel nach Abzug der berücksichtigten Kulanzlücken konstatieren, dass die Frage nach einem solchen Vergleich ohnehin unzulässig, weil niemals zu beantworten ist. In die Falle hereingetapert ist er aber trotzdem, und immerhin das darf man ihm dann vorwerfen, wenn man schon aufgegeben hat, nach Sinnhaftigkeit in seiner Antwort zu suchen.

Womöglich ist es aber auch Resultat der Tatsache, dass ein unschöner Nebeneffekt des Altwerdens ist, dass man alt wird.

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Ich war am Fußball gucken, wie eigentlich immer

Letztes Silvester, heute ist noch gar nicht Silvester, aber fast schon, nur noch knapp 3 Monate, hatten wir den [Name fällt mir nicht mehr ein] über die Fans im Hampden Park, heute isses Herbert Knebel, wie er sich mit seiner Frau nicht gänzlich einig ist, welches Programm im TV angeschaut werden solle.

Fußball sollte es aber schon sein.



Erwähnte ich schon, dass Uwe Lyko, der den Herbert Knebel gibt, der Nachbar in Duisburg-Neumühl von meiner aufwachsenden Mutter war? Nein? Dann sei es jetzt so.

Ker, so isset nu ma. Äh, war.

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Ich vs Du

Ich kann ja gar nicht anders als Feuilleton. Das ist übrigens schon wieder eine wahnsinnige Überschrift, die Sie gerne verwenden dürfen.

Vor allem wieder ein toller Ich-Satz.

Selbstverständlich! Mit „Du“ klingt das auch eher nach Sportreporter.

Ich würde sagen, es klingt eindeutig nach Oliver Kahn (zufällige Häufung an dieser Stelle), welcher nicht in erster Linie Sportreporter, sondern Sportphilosoph ist. Richtig liegt Harald Schmidt hier trotzdem, dass man das „Du“, wo ein „man“ nötig wäre, vor allem mit Gerede über Sport und von Sportlern in Verbindung bringt. Trauriger- und schauderhafterweise.

(Verlinkt vom Bildblog.)

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Töppi hört und macht gerne Musik

Bei einem Reporter, der jahrzehntelang vom ZDF durchgefüttert wurde, bleibt schon mal der eine oder andere Euro im Sparstrumpf hängen. Wovon man dann eine nicht kleine Sammlung an Platten und CDs anlegen kann. Musik auf Tonträgern Sammeln war Ende des letzten Jahrhunderts das, was Briefmarkensammeln in der Mitte des letzten Jahrhunderts war.

Töppi hatte diese Leidenschaft voll erwischt, denn wenn er zusammenzählt, kommt Einiges dabei herum. Wobei das Interview schon über 5 Jahre alt ist, der aktuelle Wert dürfte also noch höher liegen:

Ich besitze aktuell 7.593 Vinyl-45-Singles, 113 LPs, 76 Maxis und 1.115 CDs.

Großer Fan ist er übrigens von ZZ Top, von denen er auch einen Schlüsselanhänger trägt.

Und so freiherzig, wie er über seine ansonsten vorhandene Vorliebe zur Musik der 1960er Jahre Auskunft gibt, so gibt er auch ohne jedes Schuldbewusstsein zu, dass er für eine ganz schlimme Plage im Bereich der Fußballberichterstattung verantwortlich zeichnet. (Behauptet er zumindest.)

Ich war ja der Erste, der in Deutschland mit diesen Blitz-Interviews am Spielfeldrand angefangen hat. Die Fußball-Berichterstattung, die man bis dahin von der ARD kannte, sah so aus, dass man stets mit den einlaufenden Mannschaften begann und mit einem Zuschauerschwenk aufhörte. Ich fand, dass man da dringend mehr Emotion reinbringen muss – am besten direkt auf dem Spielfeld, wenn die Spieler noch heiß sind.

All der Senf, den wir eigentlich nie hören wollten, ins Mikrofon gehechelt von noch von der Niederlage frustrierten Spielern, wäre uns möglicherweise erspart geblieben, wenn Töppi nicht diese merkwürdige Vorstellung von Journalismus gehabt hätte.

Nicht ersparen kann man den Lesern an dieser Stelle allerdings ein weiteres Highlight aus Töppis eigener Karriere. Denn wer so viele Platten besitzt, der kann natürlich auch selbst hervorragend musizieren, wie Rolf Töpperwien im folgenden Heimatschnulzchen beweist. Und seine Heimat ist Osterode im Harz mit seinem wenig erfolgreichen VfR, nicht etwa Mainz.

Die obligatorische „Pulle Pils“ ist auch dabei, wie man ab 1:30 hören kann. Zum besseren Verständnis dieser Perle der getragenen Hymnen ist es allerdings ratsam, sich das gesamte Stück zu Gemüte zu führen. Man bekommt einen Eindruck davon, wie viel in Osterode los ist, wenn alleine die Tatsache, dass auf einer der Brücken der Stadt mal nicht gebaut wird, schon eine Songzeile wert ist.



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Die aktuellen Hochrechnungen … sind zum Glück falsch

Um genau zu sein sind nicht die Hochrechnungen falsch, sondern die Realität. Die Realität, das wird die Zukunft zeigen, hält sich nicht an die Hochrechnungen — und das ist auch gut so. Denn sonst wäre Fußball so etwas wie die Lindenstraße, bei der man nach dem Auftreten des Cliffhangers die Uhr stellen könnte, der wiederum aber per Lindenstraßenstandard ohnehin in der nächsten Folge nie aufgelöst wird. Erwartbar könnte man dazu in weniger Buchstaben sagen.

Die aktuellen Hochrechnungen ergeben zum Beispiel, dass der FC Bayern München, wenn er mit der aktuellen Geschwindigkeit in Sachen Torerzielung weiterspielt, am Ende der Saison 108,8 Tore auf der Habenseite „haben“ wird. Das kann aus zwei Gründen nicht funktionieren: Erstens gibt es anders als bei Körpergrößen keine Kommaacht Tore. Das zu bewirken, schaffte nicht mal Herr Jablonski. Und zweitens wären das mehr als der FC Bayern München Tore unter Mithilfe von Gerd Müller geschossen hat (Höchstwert 101). Und das wiederum, weiß jedes Quizfragen auswendig lernende Kind, ist unmöglich, dass ein Rekord von Gerd Müller gebrochen wird.

Eine weitere aktuelle Hochrechnung ergibt zur Zeit (deshalb „aktuell“), dass Mario Gomez am Ende der Saison 54,4 Tore erzielt haben würde. 14,4 Tore mehr also als der Rekord von besagtem Gerd Müller, was, siehe oben, unmöglich ist, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Verliefe die Saison so weiter wie bisher, würde Manuel Neuer übrigens einer dritten Hochrechnung zufolge mühelos den Rekord der wenigsten Gegentore in einer ganzen Saison brechen. Auf gerade mal 7 Gegentore in der gesamten Saison beläuft sich die Prognose. So sehr es dem sympathischen Buerschen auch zu gönnen sein mag, den alten Rekord vom weniger sympathischen alten Kahn zu stibitzen: Da werden noch einige Fehlgriffe an Flanken vorbei und auch das eine oder andere herausgespielte Tor eines Gegners folgen.

Eine letzte, sehr nette aktuelle Hochrechnung liefert die Aussage, dass der HSV bis zum Ende der Saison gerundet nur 7 Punkte erreichen würde. Da können sich alle jetzt schon glücklich in den Armen liegen, denn auch diese Hochrechnung wird sich als falsch erweisen. Ein, zwei Punkte mehr werden es schon noch sein nach dem letzten Spieltag.

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Finger, Elche, Daumen

Zdravko Kuzmanovic kann es nicht nachvollziehen, und möchte die Aufgabe am liebsten zurückgeben.

Das Problem bleibt aber genauso wie vorher vorhanden. Der Zuschauer, der sich als Fan begreift, ist eben kein professioneller Kritiker, dem man mit so profanen Dingen wie Fairness bei der Bewertung von Spielszenen und -ergebnissen kommen kann.

Überhaupt ist das Heimrecht für die VfB-Spieler ein zweifelhaftes Vergnügen. Trotz des dominanten Auftretens hallten bei so gut wie jedem Fehlpass Pfiffe durchs Stadion hallten. „Wenn die Zuschauer mit einem 3:0 nicht zufrieden sind“, fand Zdravko Kuzmanovic, „muss sich vielleicht nicht die Mannschaft hinterfragen.“

X Prozent der Leute bezahlen ohnehin nur fürs Meckern (respektive Pfeifen) und die anderen mögen halt diesen oder jenen Spieler nicht, völlig gleich, was er auf den Platz zaubert. Kommt hinzu, dass man heute, wenn man möchte, täglich den FC Barcelona sehen kann und zudem selbst eine Playstation zu Hause hat, auf der jeder Pass stets sitzt. Hinterfragen wird sich von denen keiner. Ging man je ins Stadion, um dann fair zu entscheiden, ob der Gladiator oder der Löwe lebendig nach Hause geht?

Genau dieses Recht, endlich einmal unfair urteilen zu dürfen, ist doch für viele Teil des Vergnügens.

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Wenn der Dummschwätzer sich mit dem ganzen Infozeug vollpumpt (XXXII)

… dann wird er geisteskrank.

Es ja fast ein bisschen peinlich, diese alte Rubrik noch mal zu füllen. Es ist ein dermaßen alter Hut, dass der Dummschwätzer nun mal kein Fußballexperte ist, dass man diesen Hut nicht mal den alten Römern noch als neu andrehen könnte. Wenn er sich dann aber doch selbst noch mal dazu äußert, dass ihn das alles nicht interessiere — „Infozeug“ — dann muss das der Vollständigkeit halber noch mal kurz erwähnt werden. Auf die Frage, ob das Internet Segen oder Fluch sei, anwortet er nämlich:

„Eher Fluch. Würde ich mich mit diesem ganzen Infozeug vollpumpen, wäre ich längst geisteskrank.“

Die Frage, ob er da nicht Ursache und Wirkung vertauscht, wäre hier natürlich fehl am Platze. Und die Skepsis älterer Menschen gegenüber neuer Techniken besitzt er ja nicht exklusiv (siehe moi et le Plasma-TV). Dass er aber kein „Infozeug“ brauche, wo er doch letztens zum Co-Kommentator von Marcel Reif aufgestiegen ist — zumindest merkwürdig. Kann er sich denn gar nicht vorstellen, dass der Zuschauer etwas mehr Informationen wünschte als das simple Beurteilen des Spiels aus dem Bauch heraus? Und viel schlimmer: Gibt es keine Redaktion dahinter, die das forciert? Man kann Infozeugs ja immer noch auch auf Papier aushändigen.

Somit kann man diese Rubrik nun auch endgültig schließen, nachdem der Dummschwätzer kein Fußballexperte sein will, dies endlich öffentlich zugibt, kein FIFA-Exekutivkomitee-Mitglied mehr ist, in dem er einst viel bewegte, und sich ansonsten ins Private zurückgezogen hat.

Es sei denn, er erhält doch noch mal in irgendeiner Form abseits des Lichtfigurseins Einfluss im deutschen Fußball. Was wir nicht hoffen wollen.

Entdeckt vom ultimativen Eintracht-Frankfurt-Blog.

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Mario Gomez‘ Ahnen — Das Nicht-Tor des Jahres (1983)

Am schönsten sind ja immer noch die Soli über den ganzen Platz. Die bleiben im Gedächtnis, weil man die darauf folgenden Tore immer mit dem kompletten Vorlauf in den etlichen Wiederholungen sieht, während ein einfacher Fallrückzieher, husch, husch, ein direkt verwandelter Freistoß ebenso, so schnell an einem vorüber zieht.

Nur ins Tor treffen sollte man dann auch, wenn man schon mal den für Fußballer bekanntlich extra langen Weg vom einem zum anderen Tor zurückgelegt hat. Ansonsten bleibt das Solo nicht in Erinnerung, geht nicht über Los und taucht nicht Jahrzehnte später in Wiederholungen auf.

Es sei denn …



Das Nicht-Tor des Jahres erzielte 1983 Hans-Günter Bruns, äh, nicht.

Mit dem kleinen Unterschied zu Mario Gomez, dass Hans-Günter Bruns wegen dieser Szene niemand einen Vorwurf gemacht oder einen Fluch gedreht haben wird.

Die Phrase vom „Nicht-Tor des Jahres“ war sicher nicht neu, wird hier aber von Fritz von Thurn und Taxis verwendet. Welcher ja bekanntlich nicht „von“ heißt, das ist nur Teil seines Künstlernamens.

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