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Kategorie: Zettel-Ewalds Sammelsurium

Alles, was Zettel-Ewald sonst noch notieren würde

Gerald keine Graupe

Letztens spielten wir mal gegen eine Mannschaft aus der Landesliga und verloren 2:12. Die beiden Tore erzielten wir nur, weil wir zwei Elfmeter mehr oder weniger aus Mitleid vom Schiedsrichter geschenkt bekamen, nachdem wir über 90 Minuten insgesamt vier Mal im gegnerischen Strafraum waren. Die Niederlage war in allen Belangen vernichtend, obwohl man sagen muss, dass wir einen guten Tag erwischt hatten. Niemand machte gröbere Fehler, und wenn man zweieinhalb Augen zudrückt und unsere im Vergleich zum Gegner nun mal nicht so ausgeprägte Fitness berücksichtigt, dann hatten wir uns an dem Tag gut geschlagen.

Bedrückend, nein, einfach ungut war dennoch das Gefühl, dass es deshalb nur 2:12 ausging, weil der Gegner nicht wirklich ernst spielte. Also, er machte keinen Quatsch, keine Demütigungen im Dribbling oder derlei, aber er ließ uns dann und wann mal ein wenig den Ball besitzen, und wenn es ernst gewesen wäre, hätten wir wahrscheinlich über keine 3 Stationen den Ball halten können und dann wäre es 2:22 ausgegangen. Der Gegner vermittelte sehr intensiv den Eindruck, jederzeit ein Stückchen zulegen zu können, während wir schon am oberen Anschlag spielten.

Wenn man dann betrachtet, wie weit die Landesliga von einer „oberen Liga“ entfernt ist, und weiß, dass eine Regionalliga-Mannschaft mit einer Landesliga-Mannschaft normalerweise das Spielchen betreibt, was diese Landesligamannschaft mit uns spielte, dann ahnt man, wie viele Lichtjahre Bundesligafußball vom eigenen Können entfernt ist.

Mehrere Tausend Lichtjahre natürlich.

Kommen wir also zu Gerald Asamoah, seines Zeichens WM-Finalteilnehmer (!) 2002. So gut muss er also damals gewesen sein, das war in einer anderen Zeit, als Fußball noch ohne Blaupause für Spielzüge betrieben wurde, dass man ihn in die Nationalmannschaft beorderte. Eine andere Zeit, Jens Jeremies, Carsten Ramelow, Thomas Linke, in der Gerald Asamoah schon qua seines geringen Alters irgendwie anders und damit frisch und damit wilkommenswert wirkte.

Danach änderten die Zeiten sich allerdings. Was sich wenig änderte, war das Vermögen von Gerald Asamoah. Der zwar noch mit zur WM 2006 durfte, aber nur ein einziges Mal eingesetzt wurde (gegen Ecuador eingewechselt, als es schon 3:0 stand) und danach in der Versenkung verschwand. Völlig zurecht würde man meinen, wie man auch wenig nachvollziehen konnte, wieso er überhaupt so lange noch ein Bundesliga-Stammspieler blieb, als er doch der Inbegriff des Durchschnittsspielers geworden war, der selten einmal eine entscheidende Szene bewirkte. Tore waren trotz seiner Position auf dem Spielfeld äußerst rar und als Vorbereiter trat er noch seltener in Erscheinung. Asamoah war in dieser Zeit ein Spieler der Marke „eigentlich egal, ob er oder ein anderer spielt“ — so kam er mir jedenfalls vor.

Abgesehen von ständiger guter Laune — durchaus auch ein fragwürdig gezeichnetes Bild — und seiner Bulligkeit, die er aber wiederum auch nicht entsprechend ihrer Ausmaße einsetzte, blieb fußballerisch wenig Festhaltenswertes von ihm übrig. Man kam dann irgendwann nicht umhin, ihn doch als Graupe (ist das nur westdeutsch für einen schlechten Fußballspieler?) zu empfinden. Die man auf Schalke wohl noch so ein bisschen aus Dankbarkeit mitschleppte, aber eigentlich war er nicht mehr zu gebrauchen. Einfach schlecht nun mal.

Unterschlagen wir schnell das Jahr bei St. Pauli, das anderen Dingen zum Opfer fiel, so zeigt er plötzlich bei Greuther Fürth, dass er doch tatsächlich so gut ist, dass er in der 2. Liga eine Menge bewirken kann, dass er gar Gegner ausspielen und mehr als nur glückliche Tore erzielen kann. Verknappt gesagt ist er besser als die meisten anderen Zweitligaspieler.

Insofern ist sein Schritt in die zweite Liga absolut begrüßenswert. Denn „zu schlecht“ für die Bundesliga zu sein, bedeutet tatsächlich nicht, schlecht Fußball zu spielen, sondern (hier) immer noch diverse Schritte besser als die Gegner zu sein. Etwas, was nie zum Vorschein gekommen wäre, wenn er wie viele andere vor ihm am Ende der Karriere einfach die Koffer gepackt hätte und nach Hause gegangen wäre. So aber demonstriert er in der zweiten Liga noch einmal, dass es einen Unterschied gibt zwischen erster und zweiter, wie groß dieser ist und dass er selbst, in den Topf der Zweitligaspieler geworfen, da eine herausragende Rolle spielt.

Mag sein, dass diese Erkenntnis trivial ist, natürlich wird die Qualität nach oben hin immer besser, das ist klar, aber selten wird es so deutlich sichtbar wie bei Gerald Asamoah. Und ich wollte es nur noch mal gesagt haben, das mit den Lichtjahren und dem Kontinuum, auf dem Asamoah weit entfernt davon ist, eine Graupe zu sein, wenn man nur den richtigen Ausschnitt des Kontinuums wählt.

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Huntelaar trifft 20x in einem Spiel!

So ein Wahnsinn! 20 Tore in einem Spiel, das ist ja schier unglaublich. Nee, Moment, huch, Entschuldigung, es war doch nur 2x. Kommt schon mal vor, dass man sich um eine Stelle vertut. So wie es wohl auch jenen passiert ist, die damals extrem echauffiert getan haben, als jemand beim Frankfurter Platzsturm diese einzigartige Kamera, die es nur ein Mal auf der Welt gibt und die ein absolutes Unikum darstellt, zerstörte.

Kam mir damals schon etwas spanisch vor, dass eine einzige Kamera so teuer sein soll und dass man eine einzigartige Kamera für 600.000 Euro einfach da so rumstehen lässt, wo immerhin der Ball sie treffen könnte und überhaupt.

Jetzt stellt sich raus, es waren tatsächlich nur 60.000 Euro. Ist immer noch viel Geld, aber eben keine halbe Million mehr, kein Haus in Großburgwedel also, sondern nur ein etwas größeres Bobbycar, wenn man die Sonderausstattung noch dazu wählt.

Ich kann es nicht beweisen, aber ich könnte schwören, dass es wieder mal der ja bei jedem Beitrag um seiner Familie und deren nächste Mahlzeit willen dramatisierende Steffen Simon war, der sich gar nicht mehr einkriegte, als er damals über die Zerstörung der Kamera für SECHSHUNDERTTAUSEND Euro zeterte, als hätte man jemandem den Kopf abgeschlagen.

Waren dann doch nur 60.000. Dafür muss der Täter immer noch lange stricken mechatronisieren, aber es gibt Hoffnung, dass er es noch in diesem Leben schafft, davon runterzukommen. Für Steffen Simon hingegen, naja, … ich weiß ja nicht mehr genau, ob er es war. 20 Tore in einem Spiel! Ach, nee, tschuldigung.

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Luciens Lienen-Moment

Zur Einstimmung auf die nächste Folge der Darbietung der Trainerkünste des Lucien Favre und seiner Borussia heute Abend gegen den Hamburger SV ein Blick in die Geschichte. 2006 war er Trainer des FC Zürich. Und traf in jener Saison auf einen Trainerkollegen, Pierre-Albert Chapuisat, mit dem ihm etwas ganz Besonderes und ganz besonders Bitteres verbindet, siehe Titel des Beitrags. Wie es damals war, im September 1985, als Favres Knie zertrümmert wurde und die beiden Beteiligten sich vor einem ordentlichen Gericht wiedersahen, davon berichtete das Schweizer Fernsehen anlässlich des Wiedertreffens der beiden Protagonisten an der Seitenlinie.



Merkwürdigerweise wie so oft bei solch haarsträubenden Fouls: „Der Schiedsrichter pfiff nicht mal Freistoß.“ Allerdings: Chapuisat wurde fristlos (!) von seinem Verein entlassen.

(Dank an Dominik.)

(Nebeneffekt dieses Videos: Man versteht ein bisschen besser, aus welchen Gründen Lucien Favre in Berlin gescheitert sein könnte („lost the locker room“) — dieses Deutsch vom alten Chapuisat, der ganz offensichtlich kein Muttersprachler ist, hält man doch keine 2 Minuten aus, ohne den Mann für debil zu halten oder das Grinsen kaum unterdrücken zu können. Falls Favres Deutsch damals auf diesem Niveau war, wird er es sehr schwer gehabt haben, sein Standing bei den Spielern, die ja häufig gerade erst dem Schüleralter entwachsen sind, zu wahren.)

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Zwischen den Feiertagen ganz grau

Eben las ich etwas, was mich beinahe selbst zum Heulen gebracht hätte, etwas, was sonst zugegebenermaßen vor dem Rechner ziemlich selten passiert. Es wäre aber ohnehin kein Heulen aus Traurigkeit oder aus Rührung gewesen. Sondern eher aus einer Mischung heraus, die aus Verzweiflung und Bestätigung bestünde, dass das, was den Fußballfan in den Wahnsinn treibt, wirklich wahr und wahrhaftig ist. Durch das Lesen des Zitats diesem Wahnsinn ins Auge gesehen und dann so gekreischt, wie es sonst der Job von weiblichen, jugendlichen Darstellerinnen in Horrorfilmen ist, wenn der Mörder mit dem Messer zur Tür hereinkommt. Und ein Entrinnen nicht möglich ist. Ein Entrinnen vom Fußballfansein. Wie ich in einem anderen Beitrag vor einiger Zeit formulierte „Infiziert ist infiziert.“

Man kann nicht willentlich zum Nicht-Fan werden. Ein Heulen aus Konfrontation mit der Realität also, oder vielmehr der Erkenntnis, dass real ist, was man allzu gerne immer wieder wegschieben würde: Man hat überaus reale Emotionen wegen eines Geschehens, auf dessen Ausgang man Nullkommagarkeinen Einfluss nehmen kann. Man ist den Ereignissen ausgeliefert, deren Inhalt in seiner Bedeutung fürchterlich surreal ist. Denn gäbe es kein Fußballspiel, würde sich nichts an der Welt verändern. Was man schön an den Konsequenzen des Umstands spürt, dass ein Spiel ausfällt. Was verändert sich dann im Leben? Nichts. Die Auswirkungen dieser surrealen Realität eines durchgeführten Spiels aber sind ganz schmerzhaft real. Die Pein, wenn man verloren hat, ist nichts anderes als jene ganz reale Pein, die man beim Verlust anderer Dinge oder Wünsche und Träume empfindet. Und ich nehme an, ohne es beweisen zu können, dass auch die Blutbahn eines Menschen, dessen Team gerade verloren hat, dieselben Hormone aufweist, wie die eines Menschen, der in einem realen Wettkampf den Kürzeren gegen einen Gegner zog.

Was diese meine Regung — kein Entrinnen — auslöste, waren die Worte von Anke Gröner, die sich in ihrem Blog Gedanken dazu macht, wie und ob ihre durch das Fußballgucken ausgelösten Emotionen echt sind:

… wenn ich nach einem Film traurig bin. Oder neuerdings nach einem Fußballspiel. Irgendetwas macht irgendetwas mit mir, und ich lasse es zu. Meine Emotionen sind echt, auch wenn sie von etwas herrühren, das im Prinzip nichts mit mir zu tun hat. Die Emotionen haben eine andere Qualität wie die nach Streitereien mit dem Kerl oder freudigen Nachrichten im Freundeskreis. Aber sie sind trotzdem echt.

Es tut wirklich weh, das zu lesen. Nicht, weil es in irgendeinerweise frevelhaft oder naiv wäre, sondern weil es daran erinnert, wie oft man schon gelitten hat wegen dieses Scheiß-Fußballs, wegen dieses Nichts, das es ja eigentlich ist, und wie real und wie niederschmetternd diese Erlebnisse waren. Und wie da jemand noch scheinbar nichtsahnend im Kosmos der Gefühle rund um den Fußball herumfühlt, der noch so Niederschmetterndes bereit hält, auch wenn sich „Barcelona“ in diesem Leben wohl nicht mehr wiederholen wird. Aber Ähnliches ganz sicher. Das Taubste, was ich in meinem Leben erlebte, war die Rückfahrt im Zug vom so kurz vorm Ziel verlorenen WM-Halbfinale 2006 aus Dortmund, und wenn ich mich dieses Ergebnisses erinnere, breche ich — anders als damals — heute tatsächlich fast in Tränen aus. Das war damals nicht möglich, der Schock war so stark, dass er vor enormer Trauerreaktion schützte: Taubheit als Schutz vor zu großer, unbewältigbar erscheinender Trauer. Genauso wenig war der nächste Tag besser. Und auch 2010 nicht.

Dieses ständige Verlieren und Ausscheiden macht es ja auch so fragwürdig, dass man im Fußball bei einer WM oder EM keine weiteren Plätze ausspielt wie beim Handball oder Eishockey. 32 Mannschaften fahren hin, 31 kehren mit einer Niederlage bzw. dem Ausscheiden als letztem Erlebnis heim. Kämpft sich Irland wacker durch die Vorrunde, schaltet im Viertelfinale Spanien aus und verliert im Halbfinale gegen übermächtige Engländer (kleiner Scherz), ist das die Erfahrung, die die Spieler, aber vor allem ihre Fans mit nach Hause nehmen: Verloren. In der Bundesliga wird nur der Erste am Ende Meister. Alle anderen gewinnen gar nix, nicht mal einen Blumentopf — und wer ganz unten steht, der muss sogar fürchten, im nächsten Jahr plötzlich samstagsmorgens (!) um 13h gegen Paderborn (!) antreten zu müssen. Da werden Ängste beinahe übermenschlich groß.

Natürlich ist das vollkommen verrückt, wegen eines Fußballspiels oder eines Abstiegs zu heulen oder überhaupt irgendeine (echte – wobei die Frage auch erlaubt sein muss, was überhaupt „falsche“ Emotionen sein sollen und ob nicht per se alles, was man empfindet, echt ist) Emotion darüber zu empfinden, aber, und das ist der Punkt: man hat es sich ja nicht selbst ausgesucht.

Beim DRadio Wissen, interviewt von einem Nur-WM-Gucker, wurde ich mit der Aussage konfrontiert: „Ihr (Fußballblogger) nehmt Eure Sache aber schon ganz schön ernst?!“ Was mich dazu veranlasste, letztens zu schreiben, dass Fußball selbstverständlich eine vollkommen ernste Angelegenheit ist, viel ernster als alles Fotografieren, Kochen oder Reisen der Welt zusammen und man sich die Frage danach, ob Fußballblogger ihr Bloggen und ihren Fußball ernst nehmen auch sparen kann — denn wer bitteschön hat je beim Kochen, beim Reisen oder beim Fotografieren verloren oder ist gar abgestiegen?

Ich schreibe das alles im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, und auch im Bewusstsein dessen, dass es öffentlich sein wird, jeder es lesen kann und Außenstehende das für infantil, prollig oder auch kitschig halten werden, wegen einer Niederlage beim Fußball zu leiden, aber genau das ist es, wovon Hornby spricht, das ist es, was die Leute meinen, wenn sie von „echten“ Fans sprechen und das ist es, was diese Fans von WM-Event-Guckern unterscheidet. Man kann nach einer Niederlage oder dem Abstieg nicht einfach mittels Fernbedienung umschalten und einen Film gucken, der einen in andere Emotionen versetzt.

Auch die Platzstürme, so lächerlich diese von außen wirken, in den letzten Jahren in der Bundesliga geschahen aufgrund sportlicher Frustration: In Berlin nach dem Abstieg und in Frankfurt nach dem so gut wie feststehenden Abstieg. Das sind doch (mehrheitlich) keine Menschen, die sich aus Langeweile oder aus Männlichkeitsgehabe prügeln wollen, sondern ihrer für sie so extrem schwer zu bewältigenden Frustration der Niederlage Raum geben wollen, am liebsten gar, man sehe sich die Bilder an, das Geschehene rückgängig machen würden.

Hörte man Rainer Calmund in jener Zeit zu, als Leverkusen gegen den Abstieg kämpfte, dann sah man das Abstiegsgespenst, das ihn jede Nacht beim Zubettgehen besuchte, förmlich selbst vor sich. Nicht weil er so ein guter Schwadronierer ist, sondern weil man es selbst kennt, und diese oder ähnliche Phasen des drohenden Scheiterns miterlebt hat — mitsamt seinen Auswirkungen auf das ganz normale Leben.

Und hier erklärt sich — zu einem Teil — auch das Nichtanerkennenwollen der Bayernfans als „ernstzunehmende“ Fans durch Anhänger anderer Vereine. Denn was im Erfolgsfalle passiert, das ist zwar beneidenswert und irgendwie sexy, Erfolg eben, auch wenn Bayern seine Titel meistens typisch deutsch errang: Hässlich, aber erfolgreich.

Es geht aber nicht um die Fragen, die sich rund um den Erfolg drehen, sondern um jene, welche Konsequenzen der Misserfolg hat. Bayern-Fans spielen nicht das selbe Spiel wie alle anderen. Was man ihnen insofern zurecht vorwerfen darf, als es tatsächlich so ist, dass sie nicht das selbe Spiel spielen wie alle anderen. Bayernfans spielen mit doppeltem Boden, oder besser: Mit Fangnetz. Wenn Bayern Misserfolg hat, dann ist dennoch niemals die Liga-Zugehörigkeit in Gefahr. 1965 aufgestiegen, danach in fast 50 Jahren ganze zwei Mal ernsthaft überhaupt in der unteren Tabellenregion gewesen. Bayern kann — nach menschlichem Ermessen — nicht absteigen, was das Leiden über Misserfolge aus Sicht der anderen falsch, künstlich und ergo nicht echt erscheinen lässt. Denn richtiger Misserfolg, welcher quasi aus der Vernichtung, dem Abstieg nämlich, besteht, ist bei Bayern gar nicht möglich. Ausnahmslos alle anderen Clubs können aber jederzeit in Abstiegsgefahr geraten, und das ist allen Teilnehmenden auch bewusst, weshalb die Angst, Enttäuschung und Frustration eines Bayernfans aus Sicht eines jeden, der tatsächlich absteigen kann, das entscheidende Kriterium fehlt: Ein echtes Scheitern existiert für Bayernfans gar nicht.

Diesen Umstand darf man Bayernfans andererseits allerdings nicht vorwerfen, da sie sich ebenso wenig wie alle anderen selbst ausgesucht haben, Bayern-Fan zu sein. „Der Verein wählt Dich“, sagt man so wahr wie inzwischen ausgelutscht, was natürlich nur eine schöne Metapher dafür ist, dass man meistens keinen rationalen Grund dafür angeben kann, warum man mit einem Verein in Liebe gefallen ist (ich weiß, dass das die englische Ausdrucksform ist, bei einem Fußballverein passt es aber so gut).

Man fällt in Liebe mit einem Verein, Betonung auf fallen, und da rauscht aus dem Hinterkopf schon wieder das Grauen heran, welches Hornby so allzu treffend mit seinen einleitenden Worten in Fever Pitch beschrieben hat. Und ich denke, auch wenn es sogar einige geben soll, die das Buch nicht gelesen haben, es ist völlig ungefährlich für mich, diesen kitschigen, prolligen, infantilen Beitrag hier zu veröffentlichen, denn hier schauen ohnehin nur jene rein, welche zustimmend in sich hinein nicken, wenn sie Hornbys Worte lesen (uberoft zitiert, aber trotzdem:)

Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden.

Fußballfansein bedeutet in aller Regel Misserfolg zu haben, selbst Bayern wird nicht wirklich jedes Jahr Meister, nicht mal jedes zweite, alle anderen Vereine eigentlich so gut wie nie, vielleicht zwei Mal im Leben, bei den meisten eher gar niemals. Fußballfansein bedeutet warten, zwischen den Hunderten 1:1 und 0:0, die man ertragen muss, endlich einen rauschenden 5:0-Abend erleben zu dürfen. Ja, „zu dürfen“, denn das hat der Fußballgott, eine andere schöne Metapher für den Zufall und den Lauf der Dinge, die man im Fußball so wenig wie in keiner anderen Sportart planen kann, irgendwann mal entschieden, dass zwischen den wenigen Höhepunkten etliche Darbietungen, die mit großer Qual verbunden sind, liegen.

Borussia Mönchengladbach hat nicht nur deshalb zur Zeit vergleichsweise wenige Neider, weil der Fußball Favre’scher Machart so schön anzusehen ist. Der gemeine Fußballfan erinnert sich auch, wie es den Fans dieser Mannschaft lange Zeit ging. Ihre Anhänger schritten beinahe über Jahrzehnte von einem Fegefeuer durchs nächste, ganze Saisons, in denen Gladbach auswärts zwei oder drei Punkte holte — in einer kompletten Saison, in 17 Spielen gerade schlappe drei Mal nicht verloren. Für Außenstehende klingt das viel zu brachial, „Fegefeuer“ und derlei aufgeblähter, sich selbst überhöhender Quatsch, aber tatsächlich ist es das, was der Fußballfan real erlebt. Er leidet, in echt, ohne Einschränkung. Und er hat es sich weiterhin nicht selbst ausgesucht.

Fußballfansein ist vor allem das: Warten, Warten, Warten und frustriert sein. Und gleichzeitig nicht wegsehen können, auch wenn es wieder schief geht, wie es eigentlich immer schief geht. Nicht wegsehen können, weil man an jenem einen Tag dann eben genau das 5:0 verpassen würde, auf das man die ganze Zeit gewartet hat. Die Vorfreude, die eine Busladung voller Fußballfans auf dem Hinweg zum Stadion verströmt, ist angesichts der harten Realität eigentlich fehl am Platze: 50 Prozent seiner Insassen werden auf dem Rückweg Trauer tragen — und sie wissen um diese Regel, auch wenn sie natürlich auf das Gegenteil hoffen.

Eine in diesen Dingen unbedarfte Freundin fragte mich mal, warum ich ins Stadion ginge, ob ich mich dort an der Gewalt erfreuen würde oder am Singen teilweise grenzdebiler Gesänge oder am Rhythmischen Klatschen in der Gruppe, fast wie beim Militär oder was ihr sonst noch aus ihrer Sicht Unangenehmes einfiel. Nein, das interessiert alles nicht wirklich, das sind nur Randerscheinungen, die man auch wegnehmen könnte, natürlich ist die Antwort eine andere und sie ist ganz einfach: Ich gehe ins Stadion, weil ich mich über den Sieg freuen will. Nur weiß ich natürlich nicht, ob es dazu kommen wird. Ich hoffe, dass es diesmal klappt, dass mir der Zustand der Freude vergönnt ist, weil der Fußballgott (aka Herrscher der Unwägbarkeiten dieses Sports) es so will.

Doch leider ist nicht an jedem Tag Tag der Überraschungen bei einer WM, Underdog schlägt Favorit. Meistens ist 1:1-Tag, es regnet, und die Füße werden nass. Oft ist es sogar 0:2-Tag. Und dann geht man traurig und enttäuscht nach Hause, und diese Empfindungen sind zweifelsohne so real wie der Schnupfen am nächsten Tag real ist, wie die Schwere auf den Schultern, der Brust, die einen am nächsten Morgen aufs Kissen zurückdrückt, weil man gestern wieder verloren hat. Ja, man, nicht der Verein und die Spieler verlieren, man selbst verliert und am Ende ist es das, was das Ganze so problematisch und so unangenehm macht, das Fußballfansein: Man fühlt sich im Anschluss an eine Partie ganz real wie ein Verlierer, ohne dass man den Ausgang auch nur im geringsten hätte beeinflussen können. Und die Nase tropft.

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Wie man eine schweigende Stille noch schweigender machen kann

So etwas passiert nur besonders begabten Fettnäpfchenjägern, zu denen ich immer dann zähle, wenn es mal wieder so weit ist. Woran das Perfide ist, dass man das nie im Vorhinein weiß.

Letztens aber traf ich zu spät am Stadion ein, irgendwelche ÖPNV-Kapriolen hatten ein pünktliches Eintreffen verhindert. Da schon die 2. Halbzeit begonnen hatte, die Häuschen für die Stehplatzkarten geschlossen waren und ich keine 20+ Sitzplatz-Euro für nur noch 20 Minuten Spielzeit verballern wollte, biss ich also in den sauren Apfel, die Partie nicht live im Stadion zu sehen, sondern anhand des draußen zu hörenden Jubels oder Nichtjubels darauf zu schließen, ob nun Heim- oder Gastmannschaft ein Tor erzielt hätten.

Wie ich da so vor mich herumstand, fiel mein Blick auf einen kleinen VW-Bus, vor dem Menschen ein Zeltdach aufgespannt hatten und um ein Radio herumsaßen, das die Live-Übertragung von dieser Partie in die Umgebung plärrte.

Was für eine tolle Idee von diesen Jungs, was für ein toller Zufall, dass ausgerechnet dann jemand hier eine Art Sit-In macht, mit Bier, mit Radio, wenn ich zu spät komme, um noch ins Stadion zu gelangen! Langsam herangetastet, die Jungs guckten etwas mürrisch, ob wegen des Spielstands oder wegen meiner Annäherung, war zunächst nicht zu eruieren.

Einem ebenfalls zu spät Gekommenen würden sie schon nicht verwehren, die paar Minuten bis zum Schlusspfiff mitzuhören und eventuell zu feiern. „Ebenfalls zu spät Gekommenen?“, machte mein Hirn immer noch nicht stutzig.

„Ihr sitzt hier so rum?“

„Jo.“

„Warum geht Ihr nicht rein?“

Bingo. Und tschüß, Trainer Baade. Ja, ging dann sehr schnell bis zur U-Bahn nach Hause. Und fühlte sich ziemlich doof an.

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Räuberpistolero Ralf

Das Aktuelle Sportstudio im ZDF ist nicht der richtige Ort, um über Depressionen zu reden, so langsam sollte man es einsehen. Und so legitim es auch ist, dass Ralf Rangnick nicht alle Begebenheiten rund um seine Erkrankung auspacken möchte — dann soll man ihn schlicht nicht einladen oder zumindest nicht zu diesem Thema befragen.

Denn was soll es anderes sein als eine Räuberpistole, wenn er davon schwadroniert, dass er „das Essverhalten geändert“ habe, um von einer Depression zu genesen. Das mag ein kleiner Baustein der Lösung sein, aber zu suggerieren, das sei alles gewesen, grenzt vor einem Millionenpublikum schon an böswilliger Irreführung. Auch dass er in einer Klinik war, ist nicht schön und vermeintlich nicht förderlich für die Reputation, erwähnt er aber nur auf Umwegen (… wenn ich mal wieder zu Hause war …).

Wie gesagt, seine verschleiernden Antworten sind legitim. Wenn es ein Thema gibt, bei dem man nur halbe Wahrheiten erzählen darf, dann ja wohl bei seinem eigenen Gesundheitszustand. Dann muss man damit aber auch nicht in ein Interview gehen, welches dies zum Thema hat. Und das ZDF ist sicher nicht dafür zuständig, Ralf Rangnick auf dem Arbeitsmarkt zu reintegrieren, was wohl seinerseits die Hauptmotivation für sein Erscheinen war.

Was man allerdings schön lernen konnte, war der Unterschied dazwischen, wenn ein Millionär zum Arzt geht oder Kassenpatient Michel. Ralf Rangnick wird von Kopf bis Fuß auf alle möglichen Hormonwerte durchgecheckt, es gibt eine sehr konkrete Diagnose, die offensichtlich schnelle Heilung ermöglicht. Kassenpatient Michel stopft man mit dem handelsüblichen Zeug voll, in der Hoffnung, dass es entweder wirkt oder ausreichend sediert. Insofern doch ganz erhellend, was es gestern im ZDF zu sehen gab, wenn auch nicht im beabsichtigten Sinne.

Ansonsten sollte man im Sportstudio einfach über Sport berichten, statt Verwirrung zu stiften. „Essverhalten geändert“ — wenn es nicht so traurig wäre, müsste man lachen über diese Räuberpistole.

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Ich möchte in keinem Land leben, …

… in dem sich der Präsident so wenig für Fußball interessiert, dass er nicht weiß, wie man den Vornamen „Jérôme“ ausspricht und ihn für einen „Jeh-roh-meh“ hält.

Das Video zur ganz schlimmen Laudatio von Christian Wulff, in der er nicht weiß, wie man „Jérôme“ richtig ausspricht, ist leider (bei youtube) nicht zu finden, obwohl es bei der selben Ehrung passiert sein muss wie im unten stehenden Video. Deshalb leider hier nur diese andere Angelegenheit, in der Gerhard Delling demonstriert, wie käuflich er ist und wie wenig er sich als unabhängiger Journalist empfindet.*

Die Angelegenheit mit der Aussprache des Vornamens von Boateng ist aber kein Hirngespinst. Der Autor dieses Beitrags hat es live im Fernsehen mitgehört, wie Christian Wulff damals, 2010, nicht wusste, wie man diesen Vornamen ausspricht. Und ja, es ist eine Banalität.

Ich möchte aber vor allem in keinem Land leben, in dem der Präsident sich so wenig für Fußball interessiert, dass er nicht weiß, wie man alle 23 Namen des doch so erfolgreichen (8:1** Tore aus 2 Siegen gegen England und Argentinien) WM-Kaders ausspricht. Das wäre einem Präsidenten, der sich für Fußball interessiert, niemals passiert.



(Video dient nur der Illustration, anschauen nur bei akuter Schlaflosigkeit, darin passiert absolut nichts.)

Ich möchte allerdings auch in keinem Land leben, in dem Piotr Trochowski für seine Fußballkünste geehrt wird. Und nicht zuletzt möchte ich in keinem Land leben, in dem man Fußballer überhaupt von Staats wegen auszeichnet. Dann wäre es auch ganz gleichgültig gewesen, ob der Präsident die Namen der Spieler kennt oder nicht.

* Wir erinnern uns, dass dies nicht der einzige Vorgang dieser Art war.

** Nein, der Ball tupfte deutlich vor der Linie auf.

(Muss noch schnell raus, bevor der Präsident ein Ex-Präsident sein wird, wie sich immer deutlicher abzeichnet.)

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Drei Mal ganz oben von fast allen anderen

Immer wenn ich mal wieder im Bauch der Allianz-Arena an den Duplikaten der gewonnen Pokale des Vereins vorbeikomme, summe ich innerlich diese Liste vor mich hin.

1974 – Atvidabergs FF, Dynamo Dresden, ZSKA Sofia, Ujpest Budapest, Atletico Madrid
1975 – Freilos, 1. FC Magdeburg, FC Ararat Eriwan, AS St. Etienne, Leeds United
1976 – Jeunesse Esch, Malmö FF, Benfica Lissabon, Real Madrid, AS St. Etienne

Und kann mich nicht entscheiden, ob ich die erste Runde 1976 oder die erste Runde 1975 für entscheidender für den weiteren Werdegang dieses Vereins von Welt halte.

Das waren noch Zeiten, als der Wettbewerb noch ein Pokalwettbewerb war. Und ganze vier Gegner reichten, um am Ende der Gewinner zu sein.

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Hoffenheim straffrei im Tröten-Skandal

Wobei der viel größere Skandal aus der seit heute feststehenden Straffreiheit besteht, die Tröterei ist da zu vernachlässigen.

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat mit Zustimmung des DFB-Sportgerichts das Ermittlungsverfahren eingestellt, das gegen einen Angestellten des Vereins 1899 Hoffenheim nach dem Bundesliga-Heimspiel gegen Borussia Dortmund am 13. August 2011 eingeleitet worden war.

(…)

Wie Nachreiner weiterhin ausführt, hätten die Ermittlungen des Kontrollausschusses und der Staatsanwaltschaft keinerlei Hinweise darauf ergeben, dass Hoffenheimer Verantwortliche von der Beschallungsaktion wussten beziehungsweise in irgendeiner Weise an ihr beteiligt gewesen seien.

via Gegengeraden-Gerd

Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch kein Verantwortlicher davon wusste oder daran in irgendeiner Weise beteiligt war, dass ein St.-Pauli-Fan einen Becher werfen würde. Und dieser tat das nur einmal, nicht wiederholt. Zum Beispiel.

Der Zufall, dass diese Entscheidung an einem Tag publik wird, an dem ganz andere Themen bezüglich Hoffenheim die Schlagzeilen (des Sportteils) beschäftigen, mag hoffentlich nur ein solcher sein.

Ich wünschte mir dennoch heftiges Skandalisieren einer solchen Farce. Straffreiheit für wiederholtes planmäßiges Eindringen in den Innenraum und Betreiben einer technischen Anlage.

Sollte man den DFB nicht mit Protestnoten überschwemmen?

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Vakanz beim VfB Stuttgart bald gefüllt

Es hat gestern mächtig Zoff gegeben hinter den Kulissen. Es ist ja allgemein bekannt, dass aus Gründen der Kontinuität jeder Verein seinen eigenen Drehbuchschreiber hat. Der des VfB Stuttgart ist jedoch vor ungefähr drei Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen und noch nicht neu besetzt worden. Seitdem werden die alten Drehbücher immer wieder recyclet, bis man jemanden gefunden hat, der für den VfB Stuttgart etwas schreibt. Allein, die Stelle scheint nicht allzu attraktiv zu sein, zu verfahren die Situation, in die sie der verstorbene Autor hineinschrieb, zu blass, was die Historie des Vereins angeht (die man übrigens nicht rückblickend schön oder gar interessant schreiben darf, das ist leider Prämisse).

Für eine Saison lang wurde das Recyclen in der Gilde der übrigen Drehbuchschreiber, die ja immer auf die Ideen und Storyverläufe des jeweiligen Gegners reagieren müssen, noch akzeptiert. Gestern aber platzte dem Schreiber des FC Bayern dann der Kragen: Immer dasselbe in Stuttgart, wenn sein Team vorbeikomme. Immer diese leichten Siege, immer das Dackelgesicht von Bobic oder einem anderen Sportmanager nach den Niederlagen des Hausherrn, immer diese einfachen Fehler in den Reihen der Stuttgarter, wenn es gegen die Bayern gehe: Wer solle das noch glauben?

Da müsse jetzt eine Lösung her, denn sonst würde sich kein Mensch mehr Spiele des VfB Stuttgart gegen den FC Bayern anschauen wollen, so vorhersagbar, wie es mit dem immer selben Drehbuch sei. Und nicht erst langfristig, sondern jetzt sei bereits der Zeitpunkt gekommen, an dem dieses Auftreten der Spieler der Schwaben die Existenzgrundlage auch der übrigen Drehbuchschreiber gefährde, mindestens aber das Weihnachtsgeld.

Er freue sich schon außerordentlich auf eine Begegnung mit dem Schreiber für Greuther Fürth, sagte der zuständige FC-Bayern-Autor, da habe man schließlich Stoff zum Anknüpfen und Weiterspinnen: Trapattoni, Vestenbergsgreuth, der den Ex-Bayerncoach Felix Magath verulkende Trainer Mike Büskens. Und außerdem seien da noch alle Handlungsstränge denkbar und würden auch plausibel wirken. Nicht immer diese leichten, völlig ungefährdeten, aber auch total langweiligen Siege wie in Stuttgart.

Geeinigt hat man sich dann gestern hinter den Kulissen darauf, dass spätestens ab Ende Mai die Stelle in Stuttgart mit einem neuen Drehbuchschreiber besetzt sein müsse. Wenn einer von Euch also Interesse haben sollte … es könnte allerdings sein, dass es zu dem Zeitpunkt nur noch ein Zweitligajob ist.

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Reine Hommage an Rudi

Wer gestern Abend die ZDF-Doku verfolgt hat, wird schockiert sein vom Stadium, in dem Rudi Assauer sich bereits befindet und wie rapide seine kognitiven Leistungen im Verlauf der Begleitung durch die Kamera nachgelassen haben. Das wäre hier allerdings kein Thema, wenn nicht jemand anders aus der Reihe der Publizierenden sich dem in einer Art und Weise angenommen hätte, die ein klitzekleines bisschen tröstlich stimmt.

Die von mir, auch an all den anderen Tagen, sehr geschätzte Spottschau hat sich des diffizilen Themas von Rudi Assauers Erkrankung gewidmet. Naturgemäß ist das in einem Kontext, der sonst stets satirisch erscheint, nicht ganz unproblematisch in Bezug auf mögliche Leserreaktionen. Wie es genau deshalb nicht einfach ist, den Mut aufzubringen, sich daran zu wagen. Meinen Geschmack hat Christoph Härringer mit seinem Werk zu Rudis Zukunft nicht verletzt, sondern mich damit vielmehr positiv berührt, soweit in diesem Kontext möglich und erlaubt.

Es möge sich jeder selbst ein Bild machen vom Erzeugnis der Spottschau:

Danke + Alles Gute, Rudi! [Bild leider nicht mehr online verfügbar.]

Zu dieser Zeichnung hat sich dann — bei der Nicht-Blogform seiner Webseite eher ungewöhnlich — eine Menge in seinem Gästebuch ereignet. Lesenswert, wie der Macher selbst sich zu den vielen Reaktionen äußert.

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I want my Olympia-Grill

Mit den neu emporgekommenen Fußballvereinen und deren Fans ist es wie mit den Kneipen und Imbissen diverser Städte dieser Stadt. Wo immer man eine Kneipe, Imbissbude oder sogar Tankstelle mit Steh- und Kaffee-Sauf-Möglichkeit aufmacht, hängen spätestens nach zwei Wochen ganz merkwürdige, aber immer die selben Gestalten herum, die zu jeder Tages- und Nachtzeit dort zu sein scheinen, als hätten sie weder Zuhause noch Bett.

Es ist also völlig egal, was man eröffnet und wie man es einrichtet, ein paar Leute kommen immer. Aus diversen Gründen — man hat diese immer selben Gestalten bislang selten gefragt; und Studien zu innerlich Heimatlosen gibt es ohnehin keine, weil sie die Post mit der Einladung zur Studie nicht öffnen, obwohl sie sie sowieso nicht erreichte — ist es zudem unabhängig vom Durchschnittseinkommen des Stadtteils, ob solche erscheinen. Ein klein wenig tragen sie auch zum Umsatz bei, zieht man aber mit scharfer Bleistiftmine Bilanz, sorgen sie wohl angesichts ihrer Erscheinung eher für Mindereinnahmen, weil nicht jeder sich von Diskussionen in großer Lautstärke und umso kleinerem Gehalt begleiten lassen möchte, wenn er eigentlich nur eine Schale Pommes käuflich erwerben will.

Schließt die Tankstelle, der Imbiss, sieht man die selben Gestalten nie wieder, obwohl nur zwei Ecken weiter eine ähnliche Lokalität eröffnet (im selben Irrglauben, die minder attraktiven Inventarmitglieder durch Preisgestaltung oder Art der Inneneinrichtung abwehren zu können, was misslingt). Es kommen dann doch die selben, nur andere.

So kann man irgendwo einen Fußballklub aufmachen, egal, wie schäbig seine Entstehungsgeschichte ist, wie Eiche barock er in seiner Anmutung wirkt, oder aber Popart aus New York, welches vielleicht mal chic war, als der heutige Mäzen jung war: Es kommen auf jeden Fall Leute, bis man merkt, dass die einen gar nicht so lange bleiben, wie gewünscht und mit den anderen steht man dann alleine im Raum, wenn die Tür zufällt.

Stadien bekommt man heute in Leichtbauweise, fast so günstig wie einen Imbiss. Die Fans dazu werden vom Pommesgeruch angezogen. Reden wird man nicht mit ihnen wollen, aber von außen sieht der Laden so aus, als herrschten darin Wärme, Leben und Austausch vor. Nach der ersten Neugier des eigentlich vom Inhaber als Stammkundschaft erwünschten Publikums wendet dieses sich ab. Übrig bleiben die merkwürdigen Gesellen, die stumm aneinander vorbeischauen, wenn nicht gerade ein Streit ausgefochten werden muss. Keine Wärme, kein Austausch. Tags darauf hängt ein Schild im Fenster.

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Selbst schreibt der Mann

Wer die Entstehung dieses Blogs, des Namens und all den Kladderadatsch noch nicht beim Interview mit dem Deutschlandradio verfolgt hat, dem ist der folgende Beitrag im „Feedmagazin“ ans Herz zu legen, welches damit seine Themenwoche „Fußball(blogs) / die Fankurve im Netz“ beendet. Zuvor wurden schon catenaccio, das Hertha-Blog, der Frittenmeister und viele weitere beleuchtet.

Ein paar Worte meinerseits zum Bloggen sind auch mal wieder dabei. Immer diese Nabelschauen … und dennoch — auf zum Feed-Magazin:

Trainer Baade, wie es wirklich war.

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